INDONESIEN SURAKARTA (SOLO)

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1 INDONESIEN SURAKARTA (SOLO) Art des Praktikums: Famulatur Person: Name: -Adresse: Sabine Payr Einsatzland / Einsatzort: Land Stadt Amtssprache Empfohlene Impfungen Indonesien Surakarta (Solo) Bahasa Indonesia Hepatitis A+B, Tetanus, Typhus Kultur, Sprachen, Religionen, Ausbildungssystem etc.: Indonesien ist nicht nur der größte Inselstaat der Welt sondern auch der größte muslimische Staat mit einem Anteil von fast 80 % Muslime in der Bevölkerung. Das wirkt sich logischer Weise sehr auf das Leben in Indonesien aus: kein Alkohol, keine nackten Beine, viele Frauen mit Schleier, frühmorgendlicher Wecker aus der Moschee, Beträume an jeder Ecke... Allerdings kommt trotz alle dem nie das Gefühl auf als nicht Muslim nicht Willkommen zu sein. Viele Indonesier sprechen keine andere Sprache als Bahasa Indonesia, der indonesischen Standardsprache, die durch viele verschiedene regionale Sprachen ergänzt wird. Englisch Sprechende findet man nur in den touristischen Gegenden und auch unter den Ärzten im Krankenhaus hat man kaum Probleme sich auf englisch zu verständigen. Gesundheitsprofil des Landes / der Region: Alle Menschen in Indonesien sind staatlich krankenversichert, allerdings sind die Leistungen aus dieser Versicherung stark limitiert und vor allem sehr standardisiert. Zum Beispiel bekommt eine Patientin nach einem Kaiserschnitt nur am ersten postoperativen Tag ein NSRI als Schmerzmedikament, danach zahlt die Versicherung nicht mehr, also gibt es auch keine weiteren Schmerzmedikamente für diese Frauen nach dem ersten postoperativen Tag. In den meisten Städten gibt es neben staatlichen Krankenhäusern auch noch eine Vielzahl an privaten Krankenhäusern, in denen Hygiene- und Arbeitsstandards auf internationalem Niveau geboten werden. Auch viele staatliche Krankenhäuser haben einen Bereich für VIP-Patienten. Die Behandlungskosten in diesen Einrichtungen sind aber bei weitem nicht für alle leistbar. In vielen vor allem ländlichen Regionen gibt es große Probleme mit der Gesundheitsedukation der Bevölkerung. Viele Versuche der Geburtenreduktion haben deshalb nicht wirklich gefruchtet. Heutzutage kriegen deshalb alle Frauen

2 post partum eine Kupfer-IUD, da sie im Gegensatz der zuvor verwendeten 3- Monats-Spritze auch ohne Compliance der Frauen eingesetzt werden kann. Ein Verständnis für die Wichtigkeit von Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen ist meist überhaupt nicht gegeben. Viele Menschen vertrauen in Methoden der traditionellen Medizin und Geisterbeschwörungen mehr als in Krankenhäuser und ärztliche Versorgung. Ausbildungsstätte: Das RSUD Dr. Moewardi in Surakarta ist die Universitätsklinik der staatlichen Medizinischen Universität und somit ein öffentliches Krankenhaus. Viele der Patienten waren deshalb auch nicht unbedingt die Leute aus der Stadt, die meist etwas besser gebildet waren und auch mehr Geld zur Verfügung hatten, sondern Leute vom Land, die teilweise sehr lange Wege ins Spital auf sich nehmen mussten. Die Geburtshilfestation auf der ich meine Famulatur gemacht habe war vor Allem Anlaufpunkt für alle komplizierten Geburten und Risikoschwangerschaften. Ein Großteil der Patientinnen litten an schwerer Preeklampsie, für die es im RSUD Dr. Moewardi genau ein Standardbehandlungsschema gab, dass dort tagtäglich für jede Preeklampsiepatientin angewandt wurde. Es wird den Studenten empfohlen weißen Kittel und Stethoskop mitzunehmen und ich hatte zusätzlich noch Handschuhe und Händedesinfektionsmittel dabei. Erstere waren eher unnötig, es gab nämlich überall Handschuhe nur von den Ärzten und Studenten vor Ort wurden sie kaum verwendet, aber eigenes Händedesinfektionsmittel war für mich Gold wert. Es gab zwar auch dort welches, das hat mich aber nicht überzeugt, dass es mehr als parmümiertes Wasser ist. Was ich etwas vermisst habe, waren Flip-Flops oder ähnliches für OP und Kreissaal, denn die sind meist nicht für Gastärzte/Studenten vorhanden. Arbeit und Ausbildung: Leider habe ich mich bis zum Schluss nur schwer einfinden können in das indonesische Arbeits- und Ausbildungssystem. Studenten müssen sehr viel Warten, vor allem auf Oberärzte, Vortragende oder auch Assistenzärzte. Es gibt überall auch eine interne Hierachie, die für mich sehr schwer zu durchschauen war. Konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge waren meist fehl am Platz. Meine Tage haben meist damit begonnen auf eine Fallpräsentation zu warten, die meist auf indonesisch abgehalten wurde, bei der ich aber auch nicht fehlen durfte. Versuche zu erklären, dass das keinen Sinn macht blieben ungehört. Danach musste ich mich entweder auf eine eigene Fallpräsentation vorbereiten, was noch weniger Sinn gemacht hat, weil ich weder Patientenakten lesen konnte, noch mit den Patienten selbst sprechen konnte (englisch sprechende Patienten gab es quasi nie) und deshalb immer jemanden suchen musste, der mir alles übersetzt. Danach konnte ich mir allerdings selbst aussuchen, wo ich den Rest des Tages verbringe und das hat mich dann meist in den Kreissaal geführt, da es dort

3 leicht war Ärzte zu finden die mir auf englisch Dinge erklärt haben und mich auch selbst Untersuchungen und kleinere Arbeiten durchführen haben lassen. Im Großen und Ganzen hätte ich mir wirklich gewünscht, dass besser auf meine Wünsche und Äußerungen eingegangen geworden wäre, dann hätte ich bestimmt mehr aus meiner Zeit in Indonesien mit nach Hause nehmen können. Auch wenn sowohl die Studenten als auch die Ärzte sehr nett und hilfsbereit waren, gab es für mich keine Möglichkeit die Zeit dort besser zu nützen als mich endlosen indonesischen Vorträgen und Übersetzungen aus Krankenakten. Wohnen und Essen: Von neun Austauschstudenten waren wir zu sechst in einem Hostel ganz nah am Krankenhaus untergebracht. Wir mussten uns dort ein sehr kleines Zimmer zu zweit teilen, aber da meine Mitbewohnerin (sie ist aus Frankreich) und ich uns sehr gut verstanden haben, war das überhaupt kein Problem. Im Allgemeinen war die Unterkunft leider sehr dreckig, was Kakerlaken und Raten zu nicht seltenen Gästen gemacht hat, zumindest in den Gemeinschaftsbereichen. Gut war aber, dass alle Zimmer ein eigenes Badezimmer mit richtigem Duschkopf und westlicher Toilette mit Spülung hatten. Gegessen haben wir meist in einem kleinen Lokal bei uns ums Eck. Wer indonesischer Küche, Reis und Gemüse gerne hat, konnte dort für umgerechnet ein paar Cent satt werden. Die drei italienischen Jungs waren bei einer Gastfamilie untergebracht und haben dort eindeutig in mehr Luxus gewohnt und wurden auch von der Haushaltshilfen bekocht. Finanzielles: Ich habe mir leider etwas zu viel Zeit genommen um den Flug zu buchen und habe deshalb für den Flug von Graz nach Bali etwas über 1000 Euro gezahlt. Die nationalen Flüge in Indonesien (Bali Yogyakarta und wieder zurück) sind dafür auch kurzfristig nicht über 40 Euro pro Strecke. Da mein Aufenthalt über 30 Tage war und deshalb von einem normalen On-Arrival-Visa nicht gedeckt wurde, habe ich schon in Österreich an der Botschaft ein Touristenvisum für 60 Tage beantragt. Das Visum geht schnell und unkompliziert, aber man sollte Zeit für den Weg nach Wien einplanen und 60 Euro Antragsgebühr. Impfungen sind bis auf die Tollwutimpfung (3 mal 70 Euro) nicht besonders teuer. Hepatitis A und B haben die meisten ja schon und Thyphus kostet etwa 25 Euro. Versicherungstechnisch bin ich mit der Reiseversicherung über meine Visa-Karte ausgekommen. Dort kann man auch anrufen und eine Versicherungsbestätigung für diese Zeit bekommen. Die Lebenserhaltungskosten in Indonesien sind für unsere Verhältnisse wirklich sehr gering. Ein Abendessen in einem Lokal kostet je nachdem wie touristisch die Region ist zwischen 50 Cent und 4 Euro, nur auf Bali findet man ab und an auch europäische Preisniveaus. Ich bin trotz zahlreicher Ausflüge und ohne viel auf mein Geld zu achten mit ungefähr 80 Euro die Woche ausgekommen.

4 Welche Internetadressen empfiehlst Du: Infos zum Visum: Reisemedizinische Impfberatung/-stelle Graz: Welche Bücher kannst Du empfehlen: Stefan Loose Travel Handbücher: Indonesien Von Sumatra bis Sulawesi Kauderwelsch plus: Indonesisch Wort für Wort plus Wörterbuch Fotos:

5 1. International Dinner 2. Dr. Asih, unsere zuständige Ärztin auf der Geburtshilfe 3. Tawanmangu, Social Programm 4. Karimunjava Freier Teil: Für mich war es immer schon ein großer Traum mal ganz weit von Zuhause zu arbeiten bzw. ein Praktikum zu machen. Mit der AMSA nach Indonesien zu gehen war also eine perfekte Chance für mich. Leider war mein Praktikum in vielen Dingen nicht so wie ich es mir vorgestellt habe, aber trotzdem war es ein voller Gewinn für mich und meine spätere Tätigkeit als Ärztin. Indonesien ist ein sehr spannendes Land mit vielen verschiedenen Kulturen, Sprachen, Menschen meine sieben Wochen Aufenthalt haben nicht annähernd ausgereicht um alles kennenzulernen. Doch in Surakarta hatte ich die Chance fernab von Touristenmassen mitten im Herzen von Indonesiens Hauptinsel Java zu wohnen und denke mal dadurch echt viele Dinge gesehen und Erfahrungen gesammelt zu haben, die nicht jeder Indonesientourist so miterleben konnte. Ich hoffe mein Text ist für alle die Interesse haben selbst mal nach Indonesien zu gehen eine kleine Hilfe, für alle die noch mehr Fragen haben steh ich auch sonst gern mit Rat und Tat zur Verfügung, meine -Adresse ist am Textanfang zu finden.

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