Globalisierung und Interkulturelle Kompetenz

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1 Lehrstuhl für Personalwesen und Führungslehre, Universität Bayreuth Globalisierung und Interkulturelle Kompetenz

2 Übersicht 1. Wozu benötigen Menschen interkulturelle Kompetenz? 2. Was ist unter interkultureller Kompetenz zu verstehen? 3. Wie kann das Ausmaß interkultureller Kompetenz bei einzelnen Menschen festgestellt werden?

3 Kritische Erfahrungen im Kontakt mit ausländischen Partnern 1. Man nimmt wahr, dass ausländische Partner sich anders als eigentlich erwartet verhalten. 2. Man erlebt, wie vertraute Zeichen von den ausländischen Partnern mit anderen Bedeutungen verknüpft werden. 3. Man hat Schwierigkeiten, die Ziele, Normen und Rollen zu verstehen, die das Verhalten der ausländischen Partner regulieren. 4. Man erfährt, dass bislang bewährte Vorgehensweisen im Kontakt mit Ausländern erfolglos bleiben. 5. Man kennt nicht den Verhaltensspielraum, den die ausländischen Partner gewohnt sind. 6. Gewohnheiten müssen im Ausland aufgegeben werden und neue

4 Gemeinsamkeiten im Verständnis Interkultureller Kompetenz 1. Interkulturelle Kompetenz ist eine zusammenfassende Bezeichnung für ein Bündel von Fertigkeiten, Kenntnissen und Haltungen. 2. Kompetenz sprechen wir Personen zu, die ihre persönliche Disposition im Handeln derart umsetzen können, dass es Erfolgsmaßstäbe erfüllt. - Effektivität: Gelingt es in der Begegnung die eigenen Ziele sowie die von außen gesetzten Ziele zu erreichen? - Angemessenheit: Werden in der Begegnung die kulturellen Wertvorstellungen und Normierungen des Partners beachtet und respektiert? 3. Interkulturelle Kompetenz spielt eine wesentliche Rolle für das Ergebnis einer interkulturellen Begegnung. 4. Trotz ihres zeitlich relativ überdauernden Charakters ist interkulturelle Kompetenz mittelfristig förderbar.

5 Definition Interkulturelle Kompetenz = ein Set von Kenntnissen, Werthaltungen und Fertigkeiten, das eine Person in die Lage versetzen soll, mit Partnern anderer Kulturzugehörigkeit aufgabenwirksam, kulturell angemessen und persönlich befriedigend zu interagieren.

6 Das INCA-Modell Interkultureller Kompetenz Merkmal Ambiguitätstoleranz: Offenheit: Empathie: Verhaltensflexibilität: Kommunikationssteuerung Lernorientierung Erläuterung Umgang mit mehrdeutigen und unbekannten Situationen im internationalen Arbeitsfeld. Respekt vor Werten und Normen anderer Gesellschaften. Eindenken in Personen aus anderen Kulturen. Anpassung des Verhaltens an die jeweiligen Erfordernisse des internationales Arbeitsfeldes. Behandlung von Störungen im Kommunikationsablauf mit Ausländern. Erlernen und Verstehen von nationalen und kulturellen Besonderheiten. 7

7 Kernbausteine des Situativen Interviews Fragen zur Bewältigung kritischer Arbeitssituationen in der beruflichen Vergangenheit des Kandidaten. Miniatur-Rollenspiele zu typischen Vorfällen aus dem Alltag der zu besetzenden Position. 9

8 Rollenspiel aus einem Situativen Interview Sie haben einen wichtigen Kunden aus einem mohammedanischen Land zum Arbeitsessen in Ihrer Gästekantine eingeladen. Die Delegation ist das 1. Mal in Deutschland, und ein Begleiter hat diskret darauf hingewiesen, dass er und sein Chef, ebenso wie die anderen, kein Schweinefleisch essen. Sie haben das akzeptiert und an den Koch weitergegeben. Sie haben außerdem Ihre Mitarbeiterin eingeladen. Sie ist Ihre Exportmanagerin, und ihre Arbeit ist von großem Wert für die Firma. Sie sind bereits alle zusammen im Speisesaal, da weigert sich der für Ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung wichtige Gast, zusammen mit einer Frau zur gleichen Zeit am Tisch zu essen. Das würde ihm zuhause den Spott aller einbringen und Geschäfte unter diesen Umständen wären sehr schwer zu vermitteln. Frage: Was machen Sie jetzt?

9 Zusammenhang zwischen dem Ergebnis des situativen Interviews Entsendung nach Japan und der Eignungsbeurteilung durch japanische Manager Situatives Interview Gesamtwert.90 Eignung für Japan aus japanischer Sicht

10 Das Interkulturelle Assessment Center Analyse zentraler Begegnungssituationen Bestimmung der verhaltensorientierten Anforderungen für einzelne Klassen von Begegnungssituationen Entwicklung von Simulationen der Begegnungssituationen, die zum Zwecke der Diagnose probehalber zu bewältigen sind Schluss von gegenwärtigem auf zukünftiges Verhalten

11 Übungen und Beobachtungsdimensionen im IAC Ambiguitätstoleranz Offenheit Empathie Verhaltensflexibilitätionsorientierung Kommunika- Lernsteuerung Magic Snap Erstkontakt Konstruktion Bürokratie Export Situative Fragen

12 Auswertungsdimensionen im IAC Wie geht eine Person mit mehrdeutigen und unklaren Situationen um? In welchem Umfang respektiert sie andere Werte und Normen? Kann sie sich in anderskulturelle Personen hineinversetzen? Kann sie ihr Verhalten an verschiedene Situationen anpassen? Wie geht sie mit Sprachunterschieden und Missverständnissen um? Inwiefern gelingt es ihr, sich Wissen über Kulturunterschiede anzueignen?

13 Zusammenhänge zwischen dem IAC-Gesamtwert und Kollegen-Urteilen IAC- Gesamtwert n = Peer-Prognose: Akzeptanz im Gastland n = 42 Peer-Prognose: Arbeitsleistung im Gastland n = 42

14 Auswahlschritte für internationale Arbeitsfelder 1. Schritt: Einschätzung der fachlichen Qualifikation für die künftigen Aufgaben der Kandidaten im internationalen Arbeitsfeld. 2. Schritt: Erkundung der individuellen (und familiären Haltung) gegenüber dem internationalen Arbeitsfeld. 3. Schritt: Der Einsatz des Situativen Interviews/IAC zur Feinauswahl unter den verbleibenden Kandidaten.

15 Offene Fragen Wie lässt sich Interkulturelle Kompetenz theoretisch oder empirisch fundiert von anderen Kompetenzen abgrenzen? Wie wirkt interkulturelle Kompetenz mit anderen Kompetenzen, wie etwa der Fach- oder Methodenkompetenz zusammen? Ist interkulturelle Kompetenz immer nur relativ zum jeweiligen Arbeitsfeld bestimmbar? Interkulturelle Kompetenz gilt gemeinhin als persönliche Voraussetzung zur Bewältigung der Alltagswirklichkeit moderner Gesellschaften. Aber: - Provoziert das balancierte Streben nach Effektivität und Angemessenheit möglicherweise Stress? - Fördert hohe Interkulturelle Kompetenz den Kompromiss bei der Bewältigung interkultureller Schwierigkeiten zu Lasten des offenen Aushandelns neuer Lösungen?

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