Sichere Cloud-Entscheidungen

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1 Leitfaden Sichere Cloud-Entscheidungen

2 Inhalt Vorbemerkungen 3 Typische Schwächen in Cloud-Vereinbarungen 4 Notwendigkeit eines Cloudability-Checks 6 15 beispielhafte Anforderungen an die Cloud-Provider 8 TÜV TRUST IT GmbH Unternehmensgruppe TÜV Austria Waltherstr Köln Weitere Informationen zum Thema: Stefan Möller Tel.: +49 (0)221 / Mail: Web: Seite 2 von 9

3 Vorbemerkungen Für viele Unternehmen ist Cloud Computing eine wesentliche Option in der zukünftigen Ausgestaltung der eigenen IT-Infrastruktur. Durch vernetzte Rechenpower und on-demand Resource Provisioning sind viele Vorteile gegeben, die eine größere Flexibilität und Skalierbarkeit der IT-Infrastrukturen sowie Kostensenkungspotenziale bieten. Experten erwarten, dass in den nächsten zwei Jahren bereits 20% der Unternehmen keine eigenen IT-Systeme mehr besitzen werden. Aber: Immer wieder wird auch von einem deutlichen Anstieg von Sicherheitsvorfällen und Datenschutzproblemen im Kontext des Cloud Computing berichtet. Weitere Verunsicherungen bei Anwendern entstehen durch auftretende Probleme bei der Qualität der Serviceangebote. Hierzu zählen z.b. unzureichende Verfügbarkeit oder eine schlechte Erreichbarkeit des Service Desks bei Problemen, unabgestimmte Wartungsarbeiten und unklare Situationen in Bezug auf die Datenrückübergabe bei Beendigung des Vertragsverhältnisses. Um diese Herausforderungen zu lösen und von den neuen Möglichkeiten profitieren zu können, wird eines besonders benötigt: Vertrauen. Die TÜV TRUST IT unterstützt Cloud-Nutzer mit dem Cloudability-Check bei der Risikominimierung und Qualitätssicherung bei der Auslagerung von IT-Services in die Cloud. Zudem wurde für Cloud-Anbieter das Prüfverfahren Trusted Cloud entwickelt. Dieses standardisierte Prüfverfahren bewertet auf Grundlage relevanter Normen und Standards den Cloud-Service und zertifiziert die Qualität. Dieser Leitfaden zielt darauf ab, praxisbezogene Hilfestellungen für eine sicherheits-bezogene Planung von Auslagerungen in die Cloud und Empfehlungen zur systematischen Vorgehensweise zu geben. Seite 3 von 9

4 Typische Schwächen in Cloud-Vereinbarungen Die Erfahrungen der TÜV TRUST IT aus Cloudability-Analysen zeigen, dass in den Planungen von Auslagerungsprojekten häufig eine große Palette relevanter sicherheitsorientierter und erfolgsbezogener Aspekte unberücksichtigt bleibt. Dies betrifft bereits die wirtschaftliche Seite. So ist beispielsweise zu beobachten, dass oftmals keine angemessenen Wirtschaftlichkeitsberechnungen mittels geeigneter Verfahren wie Kapitalwert-, Nutzwertanalysen, TCO- Berechnungen o.ä. durchgeführt werden. Ebenso wird darauf verzichtet, die Entwicklungs-, Betriebs- oder Migrationskosten ausreichend zu ermitteln. Abseits der Schwächen in den wirtschaftlichen Bewertungen von Cloud-Projekten betreffen die häufig anzutreffenden Mängel fast alle wichtigen Entscheidungsbereiche. So erlauben etwa fast alle Cloud-Anbieter detaillierte Konfigurationen der Services über das Internet. Diese Management-Schnittstellen sind häufig nicht gut genug vor unbefugten Zugriffen geschützt, beispielsweise über eine Zwei-Faktor-Authentisierung. Aber es fehlen vielfach auch für administrative Arbeiten in der Cloud personenbezogene Accounts mit klar definierten Rechten und Rollen. Ebenso weisen Test-, Prüf- und Abnahmekriterien für die Services Schwächen auf, weil sie unklar bzw. nicht umfassend definiert oder diese Kriterien nicht ausreichend messbar sind. Auch die Frage der spezifischen Anforderungen an die Vertraulichkeit des Cloud-Service wird gar nicht oder nicht klar genug beantwortet. Unberücksichtigt bleibt zudem, welche spezifische Anforderungen an dediziert getrennte Systeme für die Erbringung von Cloud-Services bestehen. Dafür muss zwingend geklärt werden, in welcher Form die Daten und Informationen des genutzten Cloud-Services von den Daten und Informationen anderer Servicenehmer in der Cloud über eine Separierung der Mandanten, virtuelle Hosts oder physisch getrennte Systeme abgegrenzt werden. Interessant sind auch Performance-Betrachtungen der Dienste. Dies betrifft beispielsweise Anforderungen an die Anzahl von Transaktionen pro Zeiteinheit oder die Anzahl konkurrierender Nutzer. Hinzu kommt, dass nicht berücksichtigt wird, ob speziell kritische Verfügbar- Seite 4 von 9

5 keitsfenster für den Cloud-Service bestehen. Gleiches gilt für den Service-Desk. Wann er zur Verfügung stehen soll, welche Kommunikationskanäle genutzt werden sollen und wer ihn nutzen darf bleibt häufig ebenso unzureichend geklärt wie es an einer klar definierten Eskalations-Hierarchie fehlt. Eine sichtbare Schwäche weist mitunter auch das Thema Reporting auf. So werden hierfür keine aussagekräftigen SLA-Messpunkte zum Cloud-Service identifiziert und festgelegt. Darüber hinaus wird darauf verzichtet, dass der Cloud-Provider einen Service-Übergabe-Punkt außerhalb seines RZ spezifiziert. Dadurch ist keine gesicherte Bewertung möglich, ob besondere SLA-Anforderungen erfüllt werden. Nachteilig ist außerdem, wenn die Frequenz der Reports ungeklärt bleibt und kein anlassbezogenes Reporting möglich ist. Ein ganz wesentlicher Faktor, der keine angemessene Beachtung findet, betrifft die Anforderungen an die Interoperabilität der Cloud-Services. Zu beachten ist vor allem, ob sie mit anderen Cloud-Diensten anderer Providern sowie mit eigenen Systemen in Verbindung stehen. Beispiele dafür sind Authentifizierungssysteme oder vorhandene User Interfaces. Doch auch damit endet noch längst nicht die Liste der zu beobachtenden Schwächen in den Vereinbarungen der Unternehmen zum Bezug von Cloud-Services. Ganz typisch ist auch, dass die Frage der spezifischen Anforderungen an die Löschung von Daten nach Beendigung von Cloud-Services unzureichend beantwortet bleibt. Seite 5 von 9

6 Notwendigkeit eines Cloudability-Checks Zu den größten Herausforderungen bei der Nutzung von Cloud-Diensten gehören die Sicherheitsaspekte. Die TÜV TRUST IT hat deshalb mit dem Cloudability-Check ein Verfahren entwickelt, mit dem Unternehmen eine substanzielle Risikominderung und messbare Qualitätsoptimierung bei der Auslagerung von IT-Services in die Cloud erreichen. Mithilfe des sogenannten Cloudability-Checks werden zunächst die grundsätzliche Sinnhaftigkeit und Machbarkeit einer entsprechenden Auslagerung geklärt. Dabei werden die relevanten nichtfunktionalen Rahmenbedingungen für das angestrebte Vorhaben identifiziert. Zum umfangreichen Prüfszenario gehören beispielsweise die spezifischen Sicherheitsanforderungen der Cloud-Lösung, die Verfahren der Datenrückgabe und Interoperabilität sowie die Compliance-Bedingungen. Aber auch Fragen des Supports und der Skalierbarkeit werden ebenso untersucht wie die betrieblichen Anforderungen. Als Ergebnis der Cloudability-Analyse wird klar erkennbar, welche Anforderungen an den Cloud- Anbieter bestehen. Auf der Grundlage eines entsprechenden Lastenhefts mit den nichtfunktionalen Anforderungen können eine Evaluation im Markt, die Erstellung einer spezifischen Ausschreibung sowie eine Bewertung eingehender Angebote durchgeführt werden. In einem Folgeschritt richtet sich der Fokus auf die potenziell in Frage kommenden Cloud-Provider. Sie werden mittels des Lastenhefts und der Trusted-Cloud- Services, einem zusätzlichen Analyse-Verfahren des Security-Spezialisten, überprüft. Komponenten des Cloudability- Checks funktionale Anforderungen Wirtschaftlichkeit Trust Level ergänzende Sicherheitsanforderungen nichtfunktionale Anforderungen des Kunden Anforderungen an den Betrieb des Cloud-Services Aber auch dem auslagernden Unternehmen Interoperabilitäts-Anforderungen selbst widmet sich der Cloudability-Check, Compliance indem zusätzlich eine Qualitätssicherung für die Cloud-Initiative vorgenommen wird. Neben der Erfüllung des Lastenhefts wird hierbei sichergestellt, dass die Geschäfts- und IT-Betriebsprozesse des Cloud-Nehmers bei Auslagerung von IT-Services in die Cloud entsprechend angepasst werden. Grundsätzlich lässt sich mittels der Analyse feststellen, ob eine Geschäftsfunktion in die Cloud ausgelagert, welche Art von Cloud-Service genutzt und welcher Sicherheits-Level abgebildet werden kann, verweist Seite 6 von 9

7 Thomas Doms, Pricipal Consultant bei der TÜV TRUST IT, auf den Nutzen. Für die Unternehmen entstehen durch die Risikominimierung und Qualitätssicherung eine Reihe Vorteile. Der Cloudability-Check beruht auf relevanten Normen, Vorschriften und Gesetzen wie beispielsweise COBIT, ITIL, ISO und dem Bundesdatenschutzgesetz. Dabei werden kritische Sicherheitsanforderungen bei Auslagerung von IT-Services in die Cloud identifiziert und berücksichtigt. Dies geschieht alles im individuellen Kontext Ihres Unternehmens. Durch das Lastenheft erhalten Sie umfassende und handliche Informationen bezüglich der zwingend zu berücksichtigenden Rahmenbedingungen bei der Auslagerung in die Cloud. Zusätzlich werden Optimierungspotenziale identifiziert, die Ihre Geschäftsprozesse während der Qualitätssicherung bei der Auslagerung von IT-Services in die Cloud IT-technisch unterstützen. Seite 7 von 9

8 15 beispielhafte Anforderungen an die Cloud-Provider Um eine sicherheitsbezogene Evaluierung von Cloud-Providern vornehmen zu können, sind klar definierte Bewertungskriterien erforderlich. Zu diesem Zweck hat die TÜV TRUST IT das spezielle Prüfverfahren Trusted Cloud entwickelt. Es berücksichtigt die Anforderungen, die im Rahmen einer Überprüfung umgesetzt und eingehalten werden müssen. Nachfolgend 15 Beispiele aus dem umfangreichen Bewertungskatalog der Provider-Analyse: 1. Der Cloud-Provider muss ein IS-Risikomanagementsystem etabliert haben, das ausgehend von den Geschäftsprozessen die Schutzbedarfe berücksichtigt. Er muss die entsprechenden Maßnahmen ergriffen haben, ebenso ist eine kontinuierliche Bewertung der Risikosituation erforderlich. 2. Es ist eine Klassifizierung und Kennzeichnung der Informationen und Dokumente hinsichtlich ihres Schutzniveaus erforderlich. Dazu gehören auch etablierte Verfahren zu ihrer Handhabung. 3. Es bedarf angemessener Geheimhaltungsvereinbarungen für Mitarbeiter und Dritte, die von ihnen zu unterschreiben sind. 4. Verträge müssen den Schutz aller Vermögenswerte der Organisation garantieren. Dies gilt insbesondere für den Datenaustausch und Sicherheitsmechanismen. 5. Es müssen Richtlinien und Verfahrensweisen für die Gerätewartung zur Sicherstellung der Kontinuität und Verfügbarkeit des Betriebs erstellt und umgesetzt sein. 6. Der Cloud-Provider muss über angemessene Prüfmechanismen zur Sicherung der Integrität verfügen. 7. Für die Prozesse, IT-Systeme und Infrastruktur sind detaillierte Dokumentationen erforderlich, sie müssen geschützt und gemanagt werden. 8. Es müssen für das Business Continuity Management in einem hohen Detaillierungsgrad Pläne dokumentiert, verabschiedet und regelmäßig getestet und validiert werden. 9. Es muss ein Incident Management-Prozess inkl. der Rollen und Verantwortlichkeiten und einschließlich der Schnittstellen zum Problem Management etabliert sein. Dazu gehören Seite 8 von 9

9 auch Verfahren zur Beweissicherung. 10. Für die Kommunikation zu den Kunden, die alle Datenschutzbelange regelt, ist ein klar definierter Prozess erforderlich. 11. Der Zugriff auf Source-Code muss reglementiert und dokumentiert sein. Bei Neu-Einführungen von Systemen muss eine Fall-Back-Strategie vorliegen und mögliche Schnittstellen müssen berücksichtigt worden sein. 12. Es bedarf einer etablierten Backup-Strategie. Sie muss die Anforderungen an Backup- Frequenzen, Auswahl der Backup-Medien, sowie Lokation der Backup-Systeme berücksichtigen. Außerdem muss gewährleistet sein, dass Rücksicherungen in regelmäßigen Abständen vorgenommen werden. 13. Die Informationssysteme der Organisation müssen den internen, national und, falls anwendbar, international geltenden Standards und Gesetzen entsprechen. Die Anforderungen dieser Standards und deren Erfüllung muss der Provider nachvollziehbar dokumentieren. 14. Für das Netzwerkmanagement müssen dokumentierte Konzepte, Richtlinien und Verfahrensanweisungen (Zugriffskontrolle, Zugänge, Segmentierung, Routing, Logging etc.) vorhanden sein. 15. Zum Schutz von sensiblen Daten müssen Vorgaben für die Verschlüsselung existieren. Seite 9 von 9

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