Lebensstil. Effektivität. Interventionen. Schulungsprogramme als zentraler Präventionsansatz in der Rehabilitation. und Krankheitsrisiko.

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1 Schulungsprogramme als zentraler Präventionsansatz in der Rehabilitation Hermann Faller Arbeitsbereich Rehabilitationswissenschaften Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie Universität Würzburg Wissenschaftliches Symposium der DGRW, Hannover, 8./ Übersicht 1. Lebensstil und Krankheitsrisiko 2. Effektivität von Interventionen 3. Lebensstiländerung und Patientenschulung 4. Motivation zu Lebensstiländerung 5. Empowerment Lebensstilassoziierte Inzidenz Lebensstil und Krankheitsrisiko % Typ 2-Diabetes Koronare Herzkrankheit Schlaganfall Willet WC. Balancing life-style and genomics research for disease prevention. Science 2004; 209: Risikofaktoren Schutzfaktoren Bewegungsmangel Übergewicht Rauchen Depression Stress erhöhte Blutfette Bluthochdruck Diabetes körperliche Aktivität gesunde Ernährung Wohlbefinden, Entspannung gesundheitsförderlicher Lebensstil Effektivität von Interventionen

2 Metaanalysen Effektivität von Interventionen zur Lebensstiländerung Nichtrauchertraining KHK: Mortalität 34% Critchley et al., Cochrane Review 2005 Bewegungstraining KHK: Mortalität 27% Jolliffe et al., Cochrane Review 2005 Krebs: Lebensqualität Knools et al., J Clin Oncol 2005;23; Psychoedukative Intervention KHK: Risikofaktoren Sebregts et al., J Psychosom Res 2000; 48: Mortalität 34% Reinfarktrate 29% Mediator: Risikofaktoren Dusseldorp et al., Health Psychology 1999;18; Beispiel für ein erfolgreiches Programm in Schweden KHK-Patienten nach PTCA (Ballondilatation) randomisierte kontrollierte Studie 4-wöchige stationäre verhaltensmedizinische Lebensstil-Intervention 1 Jahr lang regelmäßiges Monitoring der Zielerreichung (nurse) Effekte günstigeres Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernährung, Aktivität) Rehospitalisierung koronare Ereignisse, Mortalität nach 6 Jahren noch nachweisbar Krebs: Lebensqualität Rehse et al., Patient Education and Counseling 2003; Lisspers et al. Health Psychology 2005;24:41-48 Wie viele Patienten profitieren davon? Effektivität von Lebensstil-Interventionen im Vergleich zu Medikamenten Kardiale Ereignisse in Lifestyle -Gruppe Kardiale Ereignisse in Usual-Care -Gruppe Relative Risiko-Reduktion RRR Absolute Risiko-Reduktion ARR Number Needed to Treat NNT = 1/ARR 14 von von 41 54%-30% / 54% 54%-30% 1 / 24% = 30% = 54% = 44% = 24% = 4 Tod Nichtrauchen Körperliche Aktivität Betablocker Tod oder Reinfarkt Mediterrane Ernährung NNT NNT = Number Needed to Treat bezogen auf 1 Jahr Wie viele Menschen müssen eine Maßnahme durchführen, um ein unerwünschtes Ereignis zu verhindern? 4 KHK-Patienten müssen an diesem Lebensstil- Programm teilnehmen, damit 1 Herzinfarkt vermieden wird. Kardiales Ereignis Stressmanagement (Hochrisikogruppe) (je weniger, desto besser) Lisspers et al. Health Psychology 2005;24:41-48 Kolenda. Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit. Deutsches Ärzteblatt 2005;102:A Inhalte und Ziele der Patientenschulung Lebensstiländerung und Patientenschulung Synonym: Gesundheitstraining (z. B. BfA 2003) Zielgruppe chronisch Kranke indikationshomogene Gruppe Inhalte Information über Erkrankung und Behandlung Training von Fertigkeiten zur eigenen Einflussnahme Motivation zur Lebensstiländerung Ziele Selbstmanagement Compliance Empowerment

3 Methode und Didaktik Patientenschulung / Gesundheitsförderung Methode Gruppenprogramm (8 12 Teilnehmer) Manual, Arbeitsmaterialien mehrere Schulungsstunden interdisziplinär Didaktik: interaktiv, patientenorientiert Diskussion Rollenspiele Einzelarbeit "Hausaufgaben" persönliche Erfahrungen einbringen persönliche Ziele erarbeiten Gruppenprogramme im Baukastenprinzip teilnehmerorientierte Methoden Motivierung zu Gesundheitsverhalten indikationsübergreifend Krankheitsbewältigung indikationsbezogen Effektive Programme müssen verbreitet werden! 5 Module Schutzfaktoren Essen & Trinken Bewegung & körperliches Training Stress & Stressbewältigung Alltagsdrogen 19 Curricula für 7 Indikationsbereiche z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma bronchiale, Typ 2-Diabetes Dissemination Motivation zu Lebensstiländerung

4 Barrieren der Lebensstiländerung Einflussfaktoren eines günstigen Lebensstils Risikowahrnehmung unsicherer Nutzen unrealistischer Optimismus Gewohnheiten Routine vs. Veränderung kurzfristige vs. langfristige Konsequenzen Widerstand (Reaktanz) Skepsis gegenüber Experten Paternalismus vs. Empowerment Einsamkeit soziale Unterstützung subjektive Gesundheit Selbstwirksamkeit Selbstwertgefühl Depression Stress Schulbildung Alter Einkommen Geschlecht 0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 Effektstärke r; Kriterium: Personal Lifestyle Questionnaire Yarcheski et al., Journal of Nursing Scholarship 2004; 36: Stufen der Veränderungsmotivation Körperliche Aktivität: Motivationsstufen (n=364 Rehabilitanden mit Diabetes) 40 Aufrechterhaltung % Motivationsstufe Aufrechterhaltung Transtheoretisches Modell der Verhaltensänderung, Prochaska & DiClemente 1983 Ströbl et al Körperliche Aktivität: Selbstwirksamkeit (n=330 Rehabilitanden mit Diabetes) Selbstwirksamkeit Kann ich das überhaupt? SWE 3,4 3,2 3,0 2,8 2,6 * 2,4 Aufrechterhaltg. Wertebereich SWE: 1-5 Stufe Ströbl et al. 2005

5 splanung Wie mache ich das? Bewältigungsplanung Mit welchen Schwierigkeiten muss ich rechnen? Planungsintervention in der Rehabilitation kontrollierte, prospektive Interventionsstudie 560 orthopädische Rehabilitanden am Ende der Rehabilitation randomisiert zu Planungsintervention (5-10 Minuten) vs. keine Planungsintervention Ich werde folgende körperliche Aktivitäten ausüben:... Wo, wann, wie oft, wie lange, mit wem:... Was könnte mich davon abhalten?... Wie könnte ich trotzdem körperlich aktiv sein? Ergebnis: mehr körperliche Aktivität in Interventionsgruppe Lippke, Ziegelmann, Schwarzer. Research in Sports Medicine 2004 Empowerment selbst über Lebensstiländerungen entscheiden Empowerment Patienten befähigen, gleichberechtigt bei Entscheidungen mitzuwirken. Partizipationsbedürfnis richtig einschätzen bzw. wecken Angst vor Verantwortung und Überforderung reduzieren Kommunikationskompetenzen auf beiden Seiten steigern Akzeptieren, wenn Patient trotzdem nicht will! Zusammenfassung gesunder Lebensstil reduziert das Krankheitsrisiko Interventionen zur Beeinflussung des Lebensstils haben positive Effekte Patientenschulung und Gesundheitstraining in der Rehabilitation stellen didaktische Methoden bereit, die Lebensstiländerungen begünstigen effektive Programme müssen in die Praxis disseminiert werden Vielen Dank! individuelle Barrieren der Motivation zur Lebensstiländerung und Methoden der Motivierung sollten stärker berücksichtigt werden

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