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1 MEDIZINTECHNIK UNGARN

2 Ungarn - Medizintechnik Branche kompakt: Ungarn - Medizintechnik (November 2014) Budapest (gtai) - Ungarns Nachfrage nach Medizintechnik steigt derzeit. Insbesondere Elektrodiagnosetechnik wird verstärkt nachgefragt. Spätestens nach 2015 dürfte der Markt jedoch einbrechen. Bis dahin müssen die EU-geförderten Krankenhausmodernisierungen abgeschlossen sein. Die Regierung will die Grundversorgung und die Prävention stärken sowie staatliche und private Leistungen künftig strikt trennen. Marktentwicklung/-bedarf Bestimmte Softwareprodukte ausgenommen, wird mittelfristig die Medizintechniknachfrage in Ungarn sinken, den Prognosen des Marktforschungsunternehmens Espicom zufolge bis 2018 um jährlich 0,4%. Das Marktvolumen für Medizintechnikprodukte im weitesten Sinne betrug 2013 laut Espicom 592 Mio. US$. Im laufenden Jahr 2014 und voraussichtlich auch 2015, basiert die Nachfrage, insbesondere nach Elektrodiagnosetechnik sowie anderen Instrumenten, Geräten und Apparaten auf Beschaffungen für die vielen Krankenhausmodernisierungen durch die auslaufenden EU-Förderprogramme. Ungarische Analysten erwarten eine steigende Nachfrage nach Softwareprodukten. Aufgrund der Mittelknappheit im Gesundheitssektor seien größere Nachfragesprünge aber erst in etwa fünf Jahren zu erwarten. Dabei gebe es erheblichen Nachholbedarf bei Softwareanwendungen, die der digitalen Integration von verschiedenen Versorgungsebenen, dem Qualitätsmonitoring oder der Standardisierung dienen. Für den Zeitraum 2007 bis 2013 waren 21 Mrd. Ft (Forint; Wechselkurs am : 1 Euro = 307,9 Ft) E-Health-Investitionen vorgesehen. Davon wurden bis Ende Oktober 2014 rund 15% ausgezahlt. Markt für Medizintechnik in Ungarn (in Mio. Euro, Veränderung in %) Veränderung 2013/12 Lokale Produktion 1) 516,5 599,7 19,16 Import 250,6 2) 290,8 3) 0,28 4) Export 5) 246,7 385,8 20,16 6) 1) Nace Rev. 2: und umgerechnet zu den Durchschnittswechselkursen: 2012: 1 Euro = 289,25 Ft, 2013: 1 Euro = 296,87; Veränderung auf Forintbasis; 2) Auf HS-Basis, ohne Position 9022; 3) Auf HS Basis, ohne Position 8713; 4) Veränderung der Werte ohne die Positionen 9022 und 8713; 5) Auf HS Basis, ohne die Positionen 8713, 9020; 2012 ohne die Position wurden Röntgenapparate (HS-Position 9022 für 89,3 Mio. Euro exportiert; 6) Exporte ohne Röntgenapparate (9022) Quelle: KSH Statistikamt Ungarn Die im Jahr 2006 eingeleitete Gesundheitsreform ist unter der gegenwärtigen Regierung praktisch zum Stillstand gekommen. Unpopuläre Krankenhausschließungen sind vorläufig nicht mehr zu erwarten. Bisher wurden im Zuge der Reform rund 30% der Akutbetten abgeschafft. Von den übriggebliebenen Betten sollen weitere bis wegfallen. Seit 2012 hat der Staat Krankenhäuser und Kliniken von den Gebietskörperschaften übernommen und gleichzeitig die Mittel für den Sektor gekürzt. Für die Modernisierung des Krankenhaussektors hatte Ungarn im EU-Förderzeitraum 2007 bis 2013 Zugriff auf knapp 340 Mrd. Ft. Bis Ende Oktober 2014 haben 130 Projekte eine Förderzusage erhalten. Von den bereitgestellten Mitteln waren bis dahin aber nur rund 50% ausgezahlt worden. Dabei ist nicht ganz klar, ob die Projekte noch im vollem Umfang fertiggestellt werden können. Germany Trade & Invest 1

3 Ungarn - Medizintechnik Wesentlich stärker wurden die EU-Hilfen für Fachambulanzen in Anspruch genommen. Rund 97% der Zusagen (insgesamt knapp 30 Mrd. Ft) waren bis Ende Oktober 2014 bereits ausgezahlt. Über 200 dieser Polikliniken sind in kommunalen Händen geblieben und verfügen dadurch über mehr Spielraum in den Investitionsentscheidungen. Jedoch arbeitet nur rund die Hälfte der neuen oder modernisierten Anlagen ausgelastet und somit wirtschaftlich. In ländlichen Gegenden fehlt im Rahmen des Pay-for-Performance-Systems gewöhnlich die erforderliche Patientenzahl. Ein weiterer Schwerpunkt für die Nutzung der EU-Fördermittel war 2007 bis 2013 der Ausbau und die Modernisierung von Reha-Kliniken. Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Ungarn Indikator Wert Einwohnerzahl (2013 in Mio.) 9,91 Bevölkerungswachstum (2012 in % p.a.) -2,3 Altersstruktur der Bevölkerung (2013) Anteil der unter 14-Jährigen (in %) 15 Anteil der über 65-Jährigen (in %) 17 Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2013 in Jahren) Männer 72,01, Frauen 78,73 Durchschnittlicher Bruttomonatslohn (2013 in Euro) 820 Gesundheitsausgaben pro Kopf (2012 in US$) 987 Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2012 in %) 7,8 Ärzte/ Einwohner (2013) 382 Zahnärzte/ Einwohner (2011) 52,5 Krankenhausbetten/ Einwohner (2013), davon 697 privat 19 öffentlich 659 Kirchen (15) und Stiftungen (4) 19 Quellen: KSH, Eurostat, World Bank, Staatliche Krankenkasse OÉP Die jüngsten Ankündigungen der Regierung zu einer neuen Gesundheitsreform, die im Verlauf des Jahres 2015 starten soll, deuten auf harte Einschnitte. Auch die EU-Fördermittel für den Gesundheitssektor dürften in der neuen Förderperiode 2014 bis 2020 deutlich geringer ausfallen. Zudem ist noch unklar, wie sie dort verwendet werden. Im Verlauf des Jahres 2015 will die Regierung die Reform konkretisieren. Nach bisherigen Informationen sollen die Grundversorgung und die Prävention gestärkt werden. Die Versorgung mit Hausärzten, öffentlichen Gesundheitsprogrammen, Reihenuntersuchungen, Betriebs- und Schularztuntersuchungen sollen dabei Schwerpunkte bilden. Unklar ist die künftige Rolle der Hausärzte, die zu über 90% selbständig arbeiten. Für diese werden im Budget 2015 zusätzliche 10 Mrd. Ft ausgewiesen. Die strikte Trennung der staatlichen von den privaten Dienstleistungen ist ein weiteres Kernvorhaben der zukünftigen Gesundheitspolitik, wie der für Gesundheit zuständige Staatssekretär im Ministerium für Humanressourcen, Gábor Zombor, verkündete. Derzeit erbringen zum einen die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen Dienstleistungen an Privatpatienten. Zum anderen be- 2 Branche kompakt

4 zahlt die OÉP Leistungen privater Anbieter (zum Beispiel bei Dialyse-, CT- oder MR-Zentren). Diese Querfinanzierung soll mit der Gesundheitsreform abgeschafft werden. Für bestimmte Bereiche, wie die Dialyse, stellte Zombor jedoch Ausnahmen in Aussicht. Privates Engagement sei nach wie vor erwünscht und würde auch gefördert. Bislang sind private Krankenversicherungen in Ungarn noch äußerst selten. Geläufiger sind sogenannte Gesundheitssparkonten, in die Arbeitgeber steuerbegünstigt für ihre Beschäftigten einzahlen können. Diese Steuererleichterungen sollen ab 2015 gekürzt werden. Rund 80% der privaten Gesundheitsleistungen zahlen Patienten aus eigener Tasche. Die Bereitschaft dazu gilt als sehr hoch, was nicht zuletzt die weit verbreiteten inoffiziellen Zahlungen an Ärzte zeigen. Entsprechend ist die private Beteiligung am Gesundheitssektor in den letzten Jahren schnell, aber unstrukturiert gewachsen. Die Gesundheitsausgaben beliefen sich 2012 der OECD zufolge im öffentlichen Sektor auf 5% und im privaten auf 3% des Bruttoinlandsprodukts. Die OÉP gab 2013 insgesamt 2,95 Mrd. Euro aus, davon knapp 170 Mio. Euro für Medizintechnik. Von den landesweit 165 Krankenhäusern waren 2013 knapp 76% in Staatshand. Die rund 460 Fachambulanzen gehörten nur zu 34% dem Staat, rund 20% wurden von Kommunen und 38% von Unternehmen betrieben. Zu den größeren privaten Betreibern gehören: Diagoscan, Budai Egészségközpont, Medicover, Scanomed, Kaáli Intézet Mediworld, Fönix-Med, Positron Diagnostika, Palotahosp, GenoID (Molekularbiologie), K-Med. Die Umsätze des Branchenführers, Diagnoscan, waren 2013 um knapp 90% höher als Dabei wurden rund 12% über Erstattungen der OÉP erwirtschaftet. 12 der 19 Dialyse-Anbieter und 66 der 76 CT- und MR-Dienstleister befinden sich in staatlicher Hand. Umgekehrt war die zahnmedizinische zu 87% und die allgemeinmedizinische Versorgung zu 92% privat organisiert. Produktion/Branchenstruktur Die Gesundheitsindustrie genießt besondere Aufmerksamkeit in der ungarischen Wirtschaftspolitik und wird entsprechend, auch mit EU-Hilfen, gefördert. Sie ist 2013 um rund 20% und damit so stark wie kaum eine andere Branche in Ungarn gewachsen. Rund 70 Firmen agieren im Bereich Medizintechnik und arbeiten teilweise im MediCluster (www.mediklaster.eu) zusammen. Viele davon verzeichneten 2013 allerdings rückläufige Umsätze. Geographisch liegt ein Zentrum der Branche in Tatabanya (westlich von Budapest). Die Produktion ist zu 60% für Exportmärkte bestimmt. Einen Schwerpunkt der lokalen Hersteller bildet die Röntgentechnik. Zu den führenden Produzenten gehören: Innomed Medical (Defibrillatoren, EKG- und Röntgengeräte; Umsatz 2013: 8,2 Mio. Euro), Mediagnost (Röntgentechnik, Zulieferer von Philips, 19,6 Mio.), der Anbieter 77 Elektronika (Inkubatoren, EKG-Geräte; 36,0 Mio. Euro ) und für medizinische Hilfsmittel die Unternehmen Sanatmetal (Implantate, 10,9 Mio.), Ortetika, Ortobrace, Rehab sowie Replant. Single use Devices werden in Ungarn mehrheitlich von ausländischen Firmen (unter anderem Coloplast, Becton Dickinson, GE Health und B. Braun) und ausschließlich für den Export produziert. Germany Trade & Invest 3

5 Ungarn - Medizintechnik Außenhandel Die Einfuhrentwicklung kann für 2013 nicht berechnet werden, da im Vergleichsjahr 2012 die Daten für Röntgenapparate (HS-Code 9022) vor der Öffentlichkeit zurückgehalten wurden. Im Vergleich zum Jahr 2011 wurden 2013 rund 16% weniger Röntgenapparate importiert. Abgesehen von dieser wichtigen Produktsparte, stiegen die Branchenimporte 2013 um 5,3%. Die Importe im Bereich Elektrodiagnosetechnik legten 2013 um 22,1% zu. Die Einfuhren anderer Instrumente, Geräte und Apparate um 16,6%. Hauptlieferländer für Medizintechnik sind die Niederlande, Deutschland und die USA. Die Importe aus Deutschland (ohne Röntgenapparate) sind 2013 überdurchschnittlich stark (+17,3%) gestiegen. Einfuhr ausgewählter medizintechnischer Produkte nach Ungarn (in Mio. Euro, Anteile in %) SITC Produktgruppe davon aus Anteile Deutschland (2013) Elektrodiagnoseapparate 21,3 26,0 5,6 21,5 und -geräte Röntgenapparate etc. k.a. 41,7 1) 11,4 1) 27, Sterilisierapparate 3,4 2,0 0,4 20, Rollstühle 2,1 k.a. k.a Zahnmedizinische 8,6 8,7 3,9 44,8 Instrumente; a.n.g Spritzen, Nadeln, 57,0 60,8 13,4 22,0 Katheter, Kanülen etc Ophthalmologische 5,3 5,8 1,3 22,4 Instrumente Andere Instrumente, 48,7 56,8 21,9 38,6 Apparate und Geräte ) Therapiegeräte, 14,0 13,2 2,8 4,7 Atmungsgeräte etc Medizinmöbel etc. 3,9 5,0 2,6 52, Orthopädietechnik, 63,0 58,9 17,3 29,3 Prothesen etc. Summe 3) 225,2 237,2 69,2 29,2 1) Gemäß KSH: HS-Position 9022; 2) k. A. für SITC-Position ; 3) ohne SITC-Positionen 774.2, , Quellen: Eurostat; KSH. 4 Branche kompakt

6 Geschäftspraxis Beschaffungsprozesse im ungarischen Krankenhaussektor sind insgesamt recht unübersichtlich. Seit der Verstaatlichung der Krankhäuser 2012 ist die Gyemszy (Staatliches Institut für Qualitätsund Organisationsentwicklung im Gesundheits- und Arzneimittelbereich für alle Entscheidungen in diesem Sektor verantwortlich. ). Geplant ist eine wieder größere Beteiligung der Krankenhäuser an den Entscheidungen. Stärker unter Staatskontrolle kommt voraussichtlich die Primärversorgung. Einzelheiten sind aber noch nicht bekannt. Alle öffentlichen Beschaffungen werden auf veröffentlicht (nur in ungarischer Sprache). Kontaktadressen Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen AHK Ungarn Anlaufstelle für deutsche Unternehmen Exportinitiative Gesundheitswirtschaft Ministry of Human Resources (Emberi Eröforrások Miniszteriuma) Gyógyszerészeti és Egészségügyi Minöség- és Szervezetfejlesztési Intézet Orzságos Egészségbiztosítási Pénztár Egészségügyi Engedélyezési és Közigazgatási Hivatal Orvostechnikai Föosztály The Association of Medical Devices Manufacturers (Orvostechnikai Szövetség) Krankenhausverband (Magyar Kórházszövetség) Medicina 2000 Poliklinikai és Járóbeteg Szakellátási Szövetség zovetseg.hu Portal der Exportinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Familie und Bildung Staatliches Institut für Qualitäts- und Organisationsentwicklung im Gesundheits- und Arzneimittelbereich Staatliche Krankenkasse Verwaltungs- und Zulassungsamt für Gesundheitswesen Medizintechnische Hauptabteilung Medizintechnikverband Krankenhausverband Verband für Polikinik und Fachambulanzen Germany Trade & Invest 5

7 Ungarn - Medizintechnik (Forts.) Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen GKI-EKI HealthCare Research Institute Forschungsinstitut im Bereich Gesundheitswesen Fachzeitschrift IME für monatlich, Führungskräfte im Gesundheitssektor Weborvos Portal für Ärzte und Patienten, Nachrichten zum Gesundheitswesen, Gesetzänderungen, Investitionen Medicalonline Nachrichten zum Gesundheitswesen, Gesetzänderungen, Investitionen 6 Branche kompakt

8 Kontakt Impressum Herausgeber: Germany Trade and Invest Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbh Villemombler Straße Bonn Tel.: +49 (0)228/ Fax: +49 (0)228/ Internet: Hauptsitz der Gesellschaft: Friedrichstraße 60, Berlin Geschäftsführung: Dr. Benno Bunse, Erster Geschäftsführer Dr. Jürgen Friedrich, Geschäftsführer Autorin: Erika Anders-Clever, Budapest Redaktion: Philip Nonnenmacher Tel.: +49 (0)228/ Ansprechpartnerin: Regina Wippler Tel.: +49 (0)228/ Redaktionsschluss: November 2014 Bestell-Nr.: Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck - auch teilweise - nur mit vorheriger ausdrücklicher Genehmigung. Trotz größtmöglicher Sorgfalt keine Haftung für den Inhalt. Layout: Germany Trade & Invest Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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