ORDENS-JOURNAL APRIL 2004

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2 ORDENS-JOURNAL APRIL 2004 Aus dem Inhalt: Editorial - S. 3 Lazarus aktuell Erklärung der Großballei Deutschland - S. 4 Lazarus-Orden national Lazarustage im November S. 10 Predigt zur Investiturfeier - S. 12 Überlegungen zum Wahlspruch des Ordens - S. 14 Gregorius-Orden für Dr. Klaus Winter - S. 31 Laudatio - S. 32 Dankrede - S. 34 Buchbesprechungen - S. 50 Aus dem Ordenskapitel Beschlüsse und Informationen - S. 41 Zusammensetzung des Ordenskapitels - S.43 Aufnahmen,Beförderungen, Ehrungen - S. 42 Neue Mitglieder stellen sich vor - S. 44 Neue Postulanten stellen sich vor - S. 45 Lazarus-Orden international Verfügung des Präsidenten der Russischen Förderation - S. 5 Zurück zu den europäischen Wurzeln - S. 6 Reisebericht Berlin - Budapest - S. 8 Pilgerfahrt in s Heilige Land - S. 38 Investitur des Großpriorats der Niederlande - S. 49 Mitteilungen aus Ungarn - S. 49 Lazarus-Orden regional 1. Düsseldorfer Stiftertage - S. 51 Sinnvolle Hilfeleistungen im eigenen Land - S. 52 Persönliche Nachrichten Nachrufe - S. 53 Meldungen und Geburtstage - S. 58 Kalender - S. 59 Hospitalischer Bericht Bericht des Hospitaliers - S. 18 Reise nach St. Petersburg - S. 20 Hospitalische Fahrt nach Mukachevo - S. 21 Hilfswerk Deutscher Zahnärzte - S. 24 HDZ Jahresbilanz S. 27 IMPRESSUM Herausgeber: Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem - Großballei Deutschland - Schloss Johannisberg D Geisenheim-Johannisberg / Rheingau Verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. Dr. Peter Schulz KCLJ, GCMLJ Von Kleist-Str. 10, D Köln-Widdersdorf Telefon und Telefax:: Satz und Layout: Andreas Hochheuser Eggenhofstr. 14, D Neuss Druck: Schöttler-Druck, Ratingen Gedruckt auf Recycling-Papier

3 Home Editorial CD 1 Herbst Bildausschnitt 1530 Anregungen zum geistlichen Leben wurde als Titel gewählt für unser neues, kleines Ordens-Gebetbuch im Taschenkalenderformat. An den Inhalten haben die beiden Ordenskapläne Pater Karl Oerder und Pfarrer Wolfgang Schöne seit dem vergangenen Sommer gearbeitet, gemeinsam mit dem neu eingesetzten Sekretär des Kapitels Confr.Wilhelm M.Konsek und dem Editor. Beigetragen hat ferner Confr. Chev. Dr. Heinrich Baron di San Severino. Es dient in erster Linie der Erbauung der Ordensmitglieder. Aber auch Hinweise darauf, wer wir sind, im eigenen Lande und weltweit, wo unsere Wurzeln zu suchen sind und wohin unser oekumenischer Weg führt, finden sich in der Broschüre, die im Mai in Johannisberg zur Verteilung kommen soll. Prof. Dr. Dr. Peter Schulz Editor Köln Der zweite Teil ist unserer geistigen Ausrichtung gewidmet, anhand passender Bibelstellen, der dritte Teil gibt Hilfen zum Beten. Die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit bilden den vierten Abschnitt. Im fünften Teil finden sich Lieder, die bei unseren oekumenischen Gottesdiensten gerne gesungen werden. Einprägsame Bilder vertiefen die meditative Kraft, welche von diesen Anregungen zum geistlichen Leben ausgeht. geehrt (wir berichteten in der September-Ausgabe 2003 des Lazarus-Journals darüber). Anerkennungen dieser Größenordnung zeigen, daß die Großballei Deutschland des Militärischen und Hospitalischen Ordens des Hl. Lazarus von Jerusalem mit ihren klaren, aus den Statuten hervorgehenden und in der Tradition wurzelnden Aktionen auf dem richtigen Wege ist. Die Broschüre ist auch gedacht für Interessenten an dem Gedankengut, wonach wir im Lazarusorden zu leben versuchen. Die klare Position zur Oekumene und zur Spiritualität ist neben dem hospitalischen, d. h. karitativen Einsatz unseres Ordens unser wesentlicher Grundsatz. Bestärkt wurden wir darin im vergangenen Jahr durch drei wichtige offizielle Anerkennungen seitens der Politik und der Kirche: S.E. Kardinal Ratzinger hat in seinem Gespräch mit Großbailli I.D. Fürstin von Metternich-Winneburg unsere Haltung in allen Einzelheiten bekräftigt und bestätigt. Durch die Verleihung des Gregorius-Ordens an unseren Ordensbruder Chev. Dr. Klaus Winter wurden sein Werk ebenso wie der Einsatz des Lazarus- Ordens, Großballei Deutschland, in besonderer Weise geehrt und anerkannt. Das Schreiben des Präsidenten der Russischen Föderation V.V.Putin an unsere Großbailli betont in entsprechender Weise und dankt für ihren humanitären Einsatz für das Land, in dem sie geboren wurde; zugleich wird damit die deutsche Jurisdiktion des Lazarus-Ordens Editorial - Seite 3 -

4 Home Foto Tatiana Fürstin von Metternich-Winneburg GCLJ Großbailli Schloß Johannisberg Erklärung der Großballei Deutschland Foto Heinrich Stahl GCLJ, GCLMJ Kanzler Hofheim/Taunus Orden aktuell - Seite 4 -

5 Home [Wappen] Verfügung des Präsidenten der Russischen Förderation Über die Anerkennung von Fürstin v. Metternich-Winneburg, T.I. Fürstin v. Metternich-Winneburg, Tatiana Illarionova, der Leiterin der deutschen Abteilung des Ordens des Hl. Lazarus von Jerusalem, Bundesrepublik Deutschland, ist für die Festigung der deutsch-russischen Freundschaftsbeziehungen, sowie für das starke Engagement im Wohltätigkeitsbereich, zu danken. V. Putin, Präsident der russischen Förderation [Siegel Nr.5 der Kanzlei des Präsidenten der Russischen Förderation] Moskau, Kreml, 22. Februar 2003 Nr rp Die Richtigkeit der vorstehenden Übersetzung aus der russischen in die deutsche Sprache wird hiermit bescheinigt. Düsseldorf, 2. Juni 2003 Angara Meyer Für den Bezirk des Oberlandesgerichts Düsseldorf ermächtigte Übersetzerin. Reg.Nr. 316 E Orden international - Seite 5 -

6 Home Foto Journal Zurück zu den europäischen Wurzeln Kurzbericht aus Toronto von Chev. Dr. E. Stegenwallner GCLJ, GCMLJ Dr. Eckhard Stegenwallner GCLJ, GCMLJ Berlin Die in zweijährigem Turnus stattfindende internationale Réunion in Kanada ist vorüber. Vom Kapitel der Großballei Deutschland haben dessen Auditor, der Kanzler der Kommende Berlin, Chev. Dr. Eckhard STEGENWALLNER und Chev. Dr. Axel MITTEL- STAEDT nebst Frau Renate teilgenommen. Es erreicht uns soeben der nachfolgende Kurzbericht. S.E. John Kerry Keane, Großprior em. Ireland, Chairman Governing Council, und Gattin Eleonora Orden international - Seite 6 - Wie Sie aus meinem Schlussbericht zum Treffen in Toronto vom Februar d.j. wissen Ihnen zugegangen mit der Einladung zum Lazarus-Tag in Berlin 2004 stellte sich die Ausgangsposition für das Treffen in Toronto wie folgt dar: Durch die nicht fristgerechte Vorlage der vom Mitkandidaten, Herzog von Sevilla, verlangten Scheidungsdokumente hatte die Wahlkommission den Herzog von Sevilla als Kandidaten für die Position eines Großmeisters unseres Ordens gestrichen (die Papiere lagen auch dem Generalkapitel am in Toronto nicht vor). - Einziger rechtmäßiger und investierter Kandidat für die Wahl war demzufolge S. K.H. Prince Charles-Philippe de Bourbon d Orléans. - Weiterer Ausgangspunkt war die Tatsache der Erklärung des Herzogs von Brissac vom September 2002 in Dublin, bekräftigt durch seine Erklärung vom September 2003 in Paris, daß er definitiv und endgültig mit Erreichen seines 75. Geburtstages am 19. Februar 2004 sein Amt als Großmeister niederlegt. In der Sitzung des Generalkapitels mussten wir feststellen, daß entgegen dem Vorgenannten der Herzog von Sevilla neben S.K.H. Prince Charles-Philippe de Bourbon d Orléans weiter als Kandidat für die Position als Großmeister aufgestellt wurde. Chev. John Kerry Keane/Irland wies in einem längeren Statement im Namen von 15 namentlich benannten Jurisdiktionen darauf hin, daß das Festhalten am Kandidaten Herzog von Sevilla verfassungswidrig und für die genannten Jurisdiktionen nicht akzeptabel ist. S.S. Patriarch Gregorios III., spiritueller Protektor unseres Ordens, erklärte hierauf, daß die Wahl eines Großmeisters ausschließlich Sache des Generalkapitels sei, während er die ihm verfassungsgemäß übertragenen geistigen und geistlichen Aufgaben zu erfüllen habe, nämlich einen Großmeister zu investieren und ihm den verfassungsgemäß vorgeschriebenen Eid abzunehmen. S.S. Patriarch Gregorios III. erklärte in aller Offenheit, sofern das Generalkapitel den herzog von Sevilla wählen sollte, werde er ihn weder investieren noch ihm den Eid als Großmeister auf Orden und Verfassung abnehmen, weil seine familiären Verhältnisse nicht durch die Vorlage der von ihm verlangten Scheidungspapiere geklärt seien. Trotz dieser klaren Aussagen bestätigte der Leiter des Generalkapitels den Herzog von Sevilla als Kandidaten für die Position eines Großmeisters, wogegen die Vertreter der 15 nachstehend aufgeführten Jurisdiktionen Österreich, Tschechische Republik, Dänemark, Deutschland, Ungarn, Irland, Liechtenstein, Holland, Kroatien, Neu Seeland, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, England-Wales unter Protest das Generalkapitel verließen. Das verbleibende Generalkapitel soll den Herzog von Sevilla gewählt haben, eine Investitur

7 Hospitalier Chev, Dr. Axel Mittelstaedt im Gespräch mit Vertretern verschiedener europäischer Jurisdiktionen durch den Patriarchen mit Abnahme des Eides als Großmeister ist wie angekündigt nicht erfolgt. Nach dem Auszug der benannten Jurisdiktionen haben sich diese zu einem neuen Governing Council konstituiert und als neuen Chairman S.E.John Kerry Keane gewählt. Durch den Rücktritt des bisherigen Generalsekretärs unseres Ordens, Confrater Walter Schäppi, ist dieses Amt einstimmig für zwei Jahre neu besetzt worden mit unserem Confrater Philippe Graf Piccapietra. Da ein Großmeister gemäß unserer Verfassung nur durch das Generalkapitel gewählt werden kann, hat das Governing Council S.K.H. Prince Charles Philippe de Bourbon d Orléans zum 49. designierten Großmeister unseres Ordens erklärt; die Wahl durch das Generalkapitel ist für September 2004 vorgesehen. Es bleibt festzustellen: 1. daß das Generalkapitel in Toronto keinen 49. Großmeister unseres Ordens gewählt hat; 2. daß unser Orden infolge des Rücktritts des ehemaligen Großmeisters, des Herzogs von Brissac, ab sofort bis zur Wahl des Großmeisters verfassungsgemäß geführt wird durch das Governing Council; les Philippe de Bourbon d Orléans als designierter 49. Großmeister unseres Ordens anzusehen ist; 4. daß das amtierende Governing Council durch den Rücktritt des ehemaligen Großmeisters die alleinige rechtmäßige Führung des Ordens des Hl. Lazarus von Jerusalem unter der spirituellen Leitung des Patriarchen S.S. Gregorios III. ist; 5. daß die Jurisdiktionen unter Führung von Kanada, USA und Australien, die sich zu dem Herzog von Sevilla bekannt haben, sich von dem allein rechtmäßigen Orden losgesagt und sich unter die Obedienz von Malta begeben haben. Aus dieser Feststellung ist erkennbar, daß unser Orden sich wieder zu seinen europäischen Wurzeln bekannt hat. Ich bin der festen Überzeugung, daß hiermit ein positiver Neuanfang gemacht worden ist zur Erfüllung der Aufgaben, zu denen wir uns zusammengefunden haben, nämlich dem kranken und schwachen Mitmenschen in christlicher Nächstenliebe beizustehen und zu helfen. ATAVIS ET ARMIS 3. daß bis zu seiner Wahl durch das Generalkapitel S.K.H. Prince Char- Orden international - Seite 7 -

8 Home Foto Journal 12/2002 Seite 30 links Horst Kanert KLJ Köln Berlin - Budapest Persönlicher Reisebericht von Horst Kanert KLJ, Köln Berlin ist immer eine Reise wert besonders dann, wenn es um die eigene Investitur geht. Es war für mich jedenfalls ein großes Ereignis, von unserem Kanzler, Confrater Stahl, zum Ritter geschlagen zu werden. Die Lazarus-Tage in Berlin vom 13. bis 15. Februar 2004 (wir berichten in der nächsten Ausgabe des Lazarus-Journals ausführlich darüber), verbunden mit einem wichtigen Treffen des Lazarus e.v., hatten ihre besondere Bedeutung auch dadurch, daß sich Confratres und Consœurs aus der Schweiz, aus Österreich, Ungarn und England eingefunden hatten, um vorbereitende Gespräche über das Welttreffen in Toronto zu führen. In diesem Zusammenhang lud Confrater Piccapietra alle zur kurzfristig anberaumten Investiturfeier des designierten Nachfolgers des 48. Großmeisters unseres Ordens, François de Cossé, XIII. Duc de Brissac, für den 20. bis 22. Februar 2004 nach Ungarn ein, wo die Zeremonie in Esztergom stattfinden sollte. Laszlo von Deák, beigesetzt ist. Ferenc Deák hatte sich nach der Revolution im 19. Jahrhundert große Verdienste um die erfolgreiche Aussöhnung zwischen den Ungarn und ihrem König Franz Josef von Habsburg erworben. Anschließend bat Confrater Dr. Deák als bei der ungarischen Regierung akkreditierter Botschafter des Lazarus-Ordens zu einem Empfang in seine Botschaft in der Fillérstraße 26 in Budapest. Am späten Nachmittag fand dann in der St. Florianskirche in Budapest die Vigil statt. Anschließend wurde zusammen mit ungarischen Gästen das Abendessen eingenommen, eine gute Gelegenheit zum vertiefenden Gedankenaustausch, der bei den Busfahrten zu den einzelnen Zielen jeweils seine Fortsetzung fand. Orden international - Seite 8 - Der 20. Februar blieb der Anreise und einem informellen Essen der Teilnehmer in einem typischen ungarischen Landgasthof vorbehalten, zu dem neben den Gastgebern aus dem Großpriorat Ungarn Confratres und Consœurs aus England, Schottland, Irland, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Kroatien und Deutschland (die Damen Berger, Harms und die Ritter Dr.Stegenwallner, Buchmann, Herbst mit Frau und Kanert) gekommen waren. Für mich als Neuling auf diesem internationalen Parkett war bemerkenswert die selbstverständliche Herzlichkeit, mit der man miteinander umging. So, stelle ich mir vor, war das auch bei den frühen Christen. Das eigentliche Programm begann am Samstag Vormittag mit einem Besuch des Deák- Mausoleums auf dem Zentralfriedhof in Budapest, wo der große ungarische Politiker Ferenc Deák, ein Vorfahre unseres Gastgebers Dr. Hatte sich Ungarn an den ersten beiden Tagen von seiner sonnigen Seite gezeigt, schlug das Wetter am Sonntag plötzlich um. Aber selbst Eisregen und Glätte konnten niemanden von der Busfahrt von Budapest nach Esztergom im Erzbistum Gran, der ersten ungarischen Hauptstadt, abhalten, wo einst Weihnachten 1001 im klassizistischen Dom, der größten Kirche Ungarns, Stefan I., der Heilige, von Papst Silvester II. zum König gekrönt worden war.

9 Beim anschließenden Abendessen im angrenzenden altehrwürdigen Franziskanerkloster wurden Adressen getauscht und Grüße aufgegeben, bevor man in dem Bewusstsein auseinander ging, daß durch dieses Treffen nicht nur die christliche Gemeinschaft im Lazarus-Orden gestärkt worden ist, sondern vor allem auch eine Aufbruchstimmung spürbar wurde, die den Orden weiterbringen wird. Jetzt gilt es, diesen Schwung zu nutzen für eine geistige Erneuerung bei gleichzeitiger Rückbesinnung auf die Wurzeln des Ordens. Jeder von uns ist aufgefordert, im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag zu leisten, der diesem Ziel dient. Schon heute. Das habe ich bei meiner Reise aus Köln über Berlin nach Ungarn mitgebracht: ich werde noch lange von dem Geist zehren, den ich in dieser Zeit so intensiv erlebt habe. ATAVIS ET ARMIS! S.E. Laszlo Kardinal Paskai An diesem geschichtsträchtigen Ort fand am Vormittag in der St. Lazarus-Kirche anlässlich eines feierlichen Pontifikalamtes, gehalten von S.E. Laszlo Kardinal Paskai, die Investitur S.K. H. des Prinzen Charles Philippe de Bourbon d Orléans statt. Es waren bewegende Augenblicke, wie das Schwert, getragen von einem Confrater aus Schottland, durch die Hände aller Landesvertreter dem Großprior von Ungarn, Dr. Laszlo von Deák, weitergereicht wurde, der (auf deutsch!) dem Prinzen, der in französisch antwortete, das Gelübde abnahm und den Ritterschlag ausführte. Das war eine über alle Ländergrenzen hinweg eindrucksvolle Demonstration abendländischer Kultur in christlicher Tradition. S.K.H. Charles Philippe Prince de Bourbon d Orléans wird durch den Großprior von Ungarn S.E. Dr. Laszlo von Deák als Justizritter und Landmeister investiert. Orden international - Seite 9 -

10 Home CD 1 Herbst Bildausschnitt 1530 Prof. Dr. Dr. Peter Schulz Editor Köln Lazarustage im November 2003 Investiturfeier und Ordensversammlung in Johannisberg und Marienthal Die Johannisberger Lazarustage der Großballei Deutschland fanden im vergangenen Jahr im Herbst statt, da viele Ordensmitglieder sich zuvor Ende Mai / Anfang Juni auf dem 1.Oekumenischen Kirchentag in Berlin engagiert hatten. Wir berichteten im Septemberheft 2003 ausführlich darüber. Vigil Am Freitagabend wurde die gewohnte Vigil in der Kapelle von Kloster Marienthal gefeiert. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Confrater Pfarrer Wolfgang Schöne, dem Ordenskaplan, in dem er Überlegungen zu unserem Wahlspruch ATAVIS ET ARMIS anstellte und uns als Atavi unsere geistlichen Väter Lazarus, Basilius von Caesarea und Bernhard von Clairvaux näher brachte. Sein Vortrag ist auf den Seiten 14 bis 17 nachzulesen. Mitglieder- und Ordensversammlung Die Mitgliederversammlung wurde aus formalen Gründen auf Februar 2004 verschoben. In der Ordensversammlung wurde über Aktivitäten, Projekte und Ziele des Ordens informiert. Das Ordenskapitel ist sich einig darüber, daß die Mitteilungen über die karitativen Einsätze des Ordens stets Vorrang vor den übrigen In- Auf Schloß Johannisberg im Rheingau fanden im November 2003 die Lazarustage 2003 statt. formationen haben sollen. Die hospitalischen Berichte sind anschließend nachzulesen. Eine Kurzfassung in englischer Sprache wird dem Heft seit 1999 regelmäßig beigelegt. Lazarustage Johannisberg - Seite 10 - Der neu ernannte Sekretär des Kapitels, Chev. Wilhelm M. Konsek KCLJ, übergibt Großbailli Fürstin von Metternich-Winneburg ein Erinnerungsfoto an den Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin und einen Blumenstrauß. Links: Großreferendar Chev. Dr. Eckhard Stegenwallner GCLJ, GCMLJ und Kanzler Heinrich Stahl GCLJ, GCMLJ. (Foto: A.Mein)

11 Investiturfeier In der Kapelle des Klosters Marienthal mit ihrem eindrucksvollen Gnadenbild wurde auch die Investiturfeier zelebriert. Im Beisein von Gästen aus den benachbarten europäischen Ländern wurden die Investitur dreier Postulanten, die Ernennung resp. Beförderung einer Reihe von Mitgliedern und verschiedene Ehrungen vorgenommen (s. S. 42). Einen besonderen Höhepunkt der Lazarustage bildete der Festakt anlässlich der Verleihung des Gregorius-Ordens an Confrater Dr. Klaus Winter im Schloß Johannisberg. Zwei hohe Beauftragte des Heiligen Stuhls waren eigens erschienen, um den Orden zu überreichen, wodurch die jahrelange karitative Arbeit des Geehrten und des von ihm geleiteten Hilfswerkes Deutscher Zahnärzte, die in enger Kooperation mit den Salesianern Don Boscos und dem Lazarus-Orden erbracht wird, die Würdigung durch den Papst findet. Der Gregorius-Orden wurde bisher nur selten an einen evangelischen Christen vergeben. Eigene Berichte beschreiben nachfolgend diese durch musikalische Einlagen umrahmte, beeindruckende Feierstunde. Eine Auswirkung hat diese Ehrung auch auf die Großballei Deutschland des Lazarus-Ordens, die in der Würdigungsrede bei der Übergabe eigens Erwähnung findet. Ordensversammlung am 15. November 2003, Halle im Schloß Johannisberg: Bildpräsentation Hospitalischer Projekte Lazarustage Johannisberg - Seite 11 -

12 Home Journal Mai 2002 S. 24 Investiturfeier des Lazarusordens Predigt von Pater Karl Oerder EChLJ, Ordenskaplan, Bonn Pater Karl Oerder Ordenskaplan EChlJ Bonn Lazarustage Johannisberg - Seite 12 - Liebe Mitchristen, als Paulus nach Ephesus kam, fand er eine pulsierende Großstadt vor, ähnlich jenen Städten, in denen viele von uns zu Hause sind. Die Bürger waren fromm, aber auch geschäftstüchtig. Deshalb kam es im Stadion zu einem Aufruhr der Silberschmiede gegen Paulus, der zwischen 55 und 58 n. Chr. längere Zeit in Ephesus weilte. Die Silberschmiede hatten diesen Aufruhr inszeniert, nicht weil die gegnerische Mannschaft verloren hatte, sondern wegen der Predigten des Paulus. Sie fürchteten um Geschäftseinbußen, denn die Produktion der kleinen Artemistempelchen, die an jeder Ecke verkauft wurden, lief auf Hochtouren. Andererseits war der Einfluss der Predigt des Paulus so bedrängend, dass viele Bürger sogar begannen, ihre teuren Zauberbücher zu verbrennen. Die Apostelgeschichte rechnet ihren Wert auf Silberdrachmen. Deshalb taten sich die Silberschmiede zusammen, um endlich diesem Paulus das Handwerk zu legen. Dieser verkündete nämlich im Namen Jesu die Botschaft von der Auferstehung zum Leben und offensichtlich wurden seine Worte durch viele Wunder und Zeichen glaubhaft: Das kann ja alles schön und gut sein, sagte der Silberschmied Temetrius, aber Auferstehung hin, Auferstehung her, wir lassen uns dadurch nicht unser Geschäft verderben. Wir, die wir hier zur Investiturfeier des Lazarusordens versammelt sind, spüren, wie hautnah diese Botschaft in unsere Zeit passt, in der die Aktienkurse den Lauf der Dinge bestimmen. Auferstehung hin, Auferstehung her, wenn es um Geschäftsinteressen, um Lebensinteressen geht, gibt es keine Kompromisse! Wir könnten auch sagen: Lazarus hin, Lazarus her, auferweckt von den Toten oder nicht wir müssen unseren Interessen, unseren Verpflichtungen nachkommen. Damit sind wir beim springenden Punkt des Epheserbriefes, den wir als die Magna Charta der Christusfolge, auch als Magna Charta des Lazarusordens ansehen dürfen, für alle, die Christus nachfolgen wollen, dem Gründer der Kirche, zu der wir alle gehören. Diesen Brief, den Paulus oder seine Schüler in Ephesus verfassten, sehen sie als ihr eigenes Lebensprogramm an. Dieser Brief umreißt nämlich in besonderer Weise die Spiritualität des Lazarusordens und dessen Ziele: er ist ein einziges Loblied auf das Heilshandeln Gottes: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet. Durch unsere Gemeinschaft mit Christus Jesus im Himmel. (Eph. 1,3). Paulus beschwört geradezu seine Mitchristen, nicht aufzuhören mit dem Gebet, um die Erkenntnis der Hoheit Christi. Das gilt auch für uns, die wir hier zusammen sind. Alle denkbaren Anliegen mögen uns in dieser Stunde bewegen. Wir beten um Frieden und Gesundheit, um soziale Gerechtigkeit und für unsere Familien. Aber Paulus mahnt uns besonders zu beten, um die Erkenntnis der Hoheit Christi, denn diese Erkenntnis schließt alle Sorgen mit ein: Wir sind vom Tod zum Leben gelangt durch ihn. Er schenkt uns jene Einheit, die wir selbst nicht schaffen können, denn Jahrhunderte der Trennung liegen auf unseren Schultern. Nein, es ist nicht egal, ob wir katholisch, evangelisch oder orthodox sind. Es ist nicht egal, ob wir Juden oder Heidenchristen sind. Eine oberflächliche Gleichmacherei fördert in keiner Weise jene Einheit, die das vierte Kapitel des Epheserbriefes meint und zu der Paulus aufruft: Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und ein Vater, der über allem und durch alle und in allem ist. (Eph. 4,4). Wir sind also aufgefordert, die Einheit in der Liebe dem Nächsten gegenüber zu wahren, aber auch jene Einheit, welche die christliche Familienordnung bewahrt und viele andere Werte, die in unserer Gesellschaft auf dem Spiele stehen. Dabei ist uns aber bewusst, wie Paulus meint, daß wir uns auch einig sein müssen, nicht nur gegen Fleisch und Blut, sondern auch gegen die Mächte der Finsternis zu kämpfen. Diese lassen sich auch heute nicht verbannen, mag die Lichtreklame noch so intensiv sein und die Werbung uns eine heile Welt versprechen. Es gilt also zu kämpfen. Das 6. Kapitel des Epheserbriefes ist in diesem Sinne ein Aufruf zum

13 Kampf, aber welchen Kampf sollen wir führen? Diese Frage ist nicht unwichtig für den Lazarusorden, der sich militärisch und hospitalisch nennt. Paulus bezieht sich in seinem Kampfaufruf auf die Person Jesu Christi, für ihn gilt es zu kämpfen, denn von ihm ist er fasziniert. Ihm, dem Auferstandenen, ist er persönlich begegnet in der Damaskus- Stunde. Dabei begriff er, der militante Saulus, plötzlich: Verfolgung und Ausschluß sind nicht der richtige Weg für das Heil der Welt, sondern die Umkehr, ja die Bekehrung auf Jesus Christus hin. Aber wer ist Jesus Christus? Ein Pazifist, ein Idealist, ein Überzeugungstäter? Mit welchen Waffen kämpft er? Wie konnte er sich durchsetzen? Waren es die Waffen seiner Beredsamkeit? War es seine Wunderkraft? War es seine einfühlsame Hinwendung zum einfachen Menschen? Er hätte seine Fähigkeiten ausnutzen können, um Herr der Welt zu werden. Dafür ist übrigens die Versuchung Jesu in der Wüste ein entsprechendes Bild. In Dostojewskis Buch wirft der Großinquisitor Jesus vor, seine Chancen zur Verbesserung der Welt verpasst zu haben, weil er seine Fähigkeiten nicht ausgenützt habe, seine Ziele durchzusetzen, auch auf Kosten der Freiheit der anderen. Jesus ist ein anderer! Wehrlos werden das Kind Jesus und seine Eltern verfolgt auf der Flucht nach Ägypten. Wehrlos ruft er Petrus zu, in der Stunde seiner Verhaftung: Stecke dein Schwert in die Scheide! Wehrlos wird er zum Tode verurteilt, aber nicht wehrlos steht er dem Tod des Lazarus gegenüber und ruft in das Grab: Komm heraus Lazarus! Wehrlos ist er auch nicht, Menschen zu finden, die seine Botschaft umsetzen in tätige Nächstenliebe. Mit ihnen gründet er seine Kirche, die heute zu einem großen Zeichen der Hoffnung unter den Völkern geworden ist und deren Pforten von der Hölle nicht überwältigt werden können. auch den Soldaten für Humanität und zum Mut, sogar Befehle zu verweigern, die unmenschlich sind und gegen das Gewissen verstoßen. Gottes Waffen sind anders geschmiedet. Der Glaube an die Auferstehung ist die Kernwaffe, um sie recht zu benutzen, muss sich der Christ gürten mit dem Gürtel der Wahrheit, muss den Harnisch der Gerechtigkeit anziehen und die Schuhe der Bereitschaft, um für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. Sein Helm und sein Schwert sind das Wort Gottes (vgl. Eph. 6,14.18). Paulus mahnt uns, wachsam zu sein im Kampf gegen das Böse und den Bösen. Wer ist der Böse, wo ist er? Wir sollten antworten mit der Erkenntnis, daß überall der Teufel im Detail sitzt, d.h. so viel, daß es im Detail darauf ankommt, wahrhaftig zu bleiben: Wenn es um die Werte des Lebens geht, da gilt kein Klonen, kein Abtreiben und keine Euthanasie und das Ja zur Gerechtigkeit heißt, wahrhaftig gerecht zu sein und nicht zuzulassen, daß ein Teil dieser Welt immer ärmer wird, während der andere im Überfluß verharrt. Was verbleibt uns nun, die wir zusammengekommen sind zu dieser Investiturfeier? Es ist der Aufruf zu beten, um die Hoheit der Erkenntnis Christi: Er erleuchtet die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid. Amen. (Eph. 1, 15-23). Nein, Jesus ist nicht wehrlos. Er findet Gemeinschaften, die mitwirken, daß Malazia, nämlich Bosheit, sich wandelt in Milizia, nämlich Wachsamkeit, wie es Confrater Pfarrer Schöne in seinem Vortrag betonte. Jesus ist wehrlos und wehrhaft. Auf jeden Fall ist er ein Leitbild für unsere Zeit und erst recht für die Mitglieder des Lazarusordens. Denn dieses Leitbild befähigt den Zivi, zu kämpfen und sich einzusetzen für alte, schwerbehinderte Menschen, deren Leben oft als unwert angesehen wird. Dieses Leitbild bewegt aber Lazarustage Johannisberg - Seite 13 -

14 Home Journal Mai 2002 S. 27 ATAVIS ET ARMIS Überlegungen zum Wahlspruch des Ordens anlässlich der Vigil am in Marienthal Ordenskaplan Pfr. Wolfgang SCHÖNE CChLJ Lazarustage Johannisberg - Seite 14 - Als ich vor etlichen Jahren erstmals als Gast bei einer Investitur des Lazarus-Ordens die Predigt übernahm, wurde im liturgischen Verlauf des Gottesdienstes ein Hymnus gesungen, mit dem ich meine Schwierigkeiten hatte:...unser Schwur sei Atavis et Armis. Atavis das klang nach herrschendem Sprachgebrauch so wie atavistisch, was soviel wie rückwärtsgewandt, fixiert auf die Altvorderen bedeutet. Und waren die zur Schau getragenen Chormäntel, Uniformen, das Schwert, die mancherlei Ordenskreuze nicht tatsächlich a- tavistisch? Wer also war gemeint mit jenen Atavi? Welche Bedeutung hatten sie für Christen im 20./21. Jahrhundert? Dann war da noch jenes Folgewort...et armis,...und mit Waffen. Was war da gemeint? Die Kreuzfahrer-Ausrüstung? Oder waren es die subtileren Waffen des gesellschaftlichen Standes, der wirtschaftlichen, sozialkaritativen Macht? Nun gehöre ich als Pfarrer zur waffenbefreiten Bevölkerungsschicht. Bewaffnet und friedensliebend wie geht das zusammen in einer ordensähnlichen Gemeinschaft? Es blieben viele offene Fragen, wenigstens damals. Zwei, drei Jahre später besuchte ich den Davids-Tower, eines der uralten Bauwerke der Jerusalemer Altstadt. Unerwartet stand ich der Gipsstatue eines Mannes gegenüber, an deren Sockel deutlich lesbar stand: Crusader Knight of St. Lazare. Der Ritter trägt einen einfachen, grauen Überwurf, Gürtel, Rundhelm und Stiefel, alles sehr schlicht, ohne ritterlichen Pomp. Mit beiden Händen stützt er sich auf sein Schwert, dennoch strahlt er keinerlei Aggression aus. Das also ist unser Atavus, ging es mir durch den Kopf. Halb Mönch, halb Ritter, ein Christ, dem Hl. Lazarus hingegeben und geweiht. Seine Aufgabe war: Pilger auf ihren gefährlichen Wegen zu beschützen und die von Sultan Hakim dem Wahnsinnigen - niedergebrannte Hl. Grabeskirche des Herrn, die Anastasis, zu beschirmen, halb als Ritter, halb als Mönch. Und da klangen mir wieder die Worte unseres Hymnus im Ohr: Unser Schwur sei Atavis et Armis / in dem Geiste von St. Lazare... Das machte mich nachdenklich. Ich wollte allen offenen Fragen auf den Grund gehen. Und von meiner folgenden, jahrelangen Grundsuche möchte ich Ihnen heute Abend zwei Überlegungen weitergeben, für Sie, zu Ihrer eigenen Spurensuche, zum Gespräch untereinander, zum Wahlspruch unseres Ordens. I.a. Unser Atavus biblicus und Namenspatron ist der in Joh. 11 liebevoll beschriebene El- Azar (Gott steht bei), lateinisch LAZARUS. Mit seinen beiden Schwestern Maria und Marta stammt er aus Betanien und ist ein langjähriger Freund und Gastgeber Jesu. Sie wissen aus Kenntnis der Bibel: Er starb unerwartet, wurde begraben und sein toter Leib stank schon (Joh. 11, 39), als Jesus in das Grab hineinrief: El-Azar, ze hachuzah! Lazarus, komm heraus! Und Lazarus hörte den Ruf, erstand vom Tode, trat heraus und folgte damit Jesus. Er soll, nach altkirchlicher Überlieferung, später in der Provence als Bischof von Marseille gestorben sein. Der 17.Dezember ist sein Namenstag, eine Woche vor Heiligabend. Sollten wir nicht diesen Tag besonders begehen, ganz neu für uns und den Orden gewinnen und feiern? Dieser ist unser Patronatstag. Er ist von Jesu Ruf und Auferstehungsmacht geprägt. Die Freude dieses Festtages sollte jeden von uns veranlassen, den Lazarus-Bericht Joh. 11. zu lesen, ein Dankgebet zu sprechen, für unsere Ordensleitung und geschwister zu beten. Ein gratulierender Telefonanruf bei einem Ordensfreund/-in würde dies alles kräftig unterstreichen. Kurz gesagt: es gebührt uns, unseren biblischen Atavus als unseren Heiligen zu ehren, den Ruf Jesu Komm heraus aus dem Tod als einen persönlichen Christusruf zu vernehmen und sich im Geist von St. Lazare einer Ordens-Aufgabe zuzuwenden. b. Unser Orden empfing seinen Namen, gewissermaßen in zweiter Lesung, von jenem Leprosenhospital der Spitalbrüder vom Hl. Lazarus extra muros Jerusalems, das auf eine kleine armenische Spitalgenossenschaft des Hl. Basilius von Caesarea zurückgeht. Es wird bereits im 6. Jahrhundert schriftlich bezeugt und wir vermuten es vor der nordöstlichen Ecke der Altstadtmauer, nahe dem Stefanstor.

15 Und damit ist unser zweiter Atavus bei Namen genannt, nämlich der Urvater jenes Lazarus-Spitals, der große Kappadozier Basilius von Caesarea. Er war einer der wichtigsten Kirchenlehrer und Mönchsväter der Ostkirche im 4. Jahrhundert. Basilius gründete viele kleine bruderschaftliche Zellen von Männern und Frauen, die ganz gemäß dem Evangelium leben und nach seinen Worten mit Eifer Gott gefallen wollten. Er nannte sie nicht Orden - das Wort existierte noch nicht -, sondern Bruderschaften, Schwesternschaften. Sie sollten als Kerngruppen in den existierenden Ortsgemeinden, innerhalb der etablierten Großkirche dienend leben. Man muß nochmals betonen, daß diese basilianischen Gemeinschaften noch keine Mönchsorden im späteren, westlichen Sinn waren. Vielmehr waren sie ecclesiolae in ecclesia, kleine Kern- o- der Basisgemeinschaften, in denen das Evangelium ganz konsequent, d.h. asketisch, anbetend und barmherzig gelebt wurde. Eine wesentliche Aufgabe dieser Kerngemeinschaften war der Dienst an den Kranken und an ausgestoßenen Leprösen. So entstanden die Spitäler der Basilianer in Caesarea, in Akko und schließlich auch das armenische Basilius-Spital des Hl. Lazarus von Jerusalem. Dies ist äußerst wichtig für uns, denn diese basilianische Gemeinschaft gab unserem Orden seinen Namen und hoffentlich auch den Geist von St. Lazare. Die Gemeinschaft zu leben nach dem Evangelium: das wurde unser Erbe und unsere Verpflichtung aus lange zurückliegender Kirchengeschichte. Wir müssen uns neu auf unsere ostkirchlichen Wurzeln besinnen und sie pflegen. Spitalgemeinschaft wollen wir sein, barmherzige Brüder und Schwestern der Kranken und Hilflosen, und das selbständig, aber innerhalb der Kirche. Der Gedenktag des Hl. Basilius wurde von der Kirche ganz obenan im Jahr gesetzt, nämlich auf den 2. Januar (da der 1. bereits vom Kinde Jesus besetzt war). An diesem zweiten Neujahrstag werden wir uns daran erinnern, daß auch wir eine evangeliums-gemäße, Gott mit Eifer folgende Gemeinschaft von Männern und Frauen sein wollen. Unsere Spiritualität erhält im Hl. Basilius den zweiten, wichtigen Vater = Atavus. Hinzuzufügen ist, daß die sog. Regel des Hl. Basilius, das große und kleine Asketikon, fast ausschließlich aus Worten der Hl. Schrift besteht. Der Hl. Basilius ist ein Wort-Gottes- Theologe und Gemeinschaftsstifter. c. Ein dritter Ordens-Atavus muß genannt werden. Die Haltung jenes Lazarus-Ritters von Jerusalem als halb Mönch, halb Ritter prägt genau die Richtlinie, welche der Hl. Bernhard von Clairvaux den Kreuzfahrer-Rittern gab. Es war um 1120, als er den Tempelrittern, später von den Lazarus-Rittern übernommen, eine von ihnen erbetene Regel gab. Der große Zisterzienser-Abt schrieb für die Kreuzritter seine berühmte Schrift: De laudibus novae militiae. Warum? Da waren anno 1099 europäische Ritter nach Jerusalem gekommen und siedelten auf dem Tempelplatz Salomos: die Tempelritter. Andere, besonders die an Lepra erkrankten Ritter, kamen ins basilianische Hospital extra muros: die späteren Lazarus-Ritter. Sie alle brauchten eine Lebens- und Ordensregel. Der Hl. Bernhard, der selbst aus ritterlichem Hause stammte, gab sie ihnen. Er wusste um den sittlichen und moralischen Verfall des Rittertums und sah nun eine Möglichkeit, es in den Dienst Gottes, in die Nachfolge Jesu zu rufen. Darum sollte die neue Kreuzfahrer-Rittergemeinschaft nicht mehr dem Zeitgeist gemäß leben. Nicht mit seidenen Pferdedecken, bemalten Schilden, Zügeln und Sporen von Gold, kostspieligen Hemden und voll Ruhmsucht und Begier. Vielmehr sollten sie als eine ganz und gar neue nova militia leben: Nahrung und Kleidung ohne jeden Überfluß, Leben in froher und nüchterner Gemeinschaft, ohne jeden Besitz und immer bestrebt, die Einheit des Geistes im Band des Friedens zu wahren (ad mil. II). Für Bernhard sind ritterliche Kreuzfahrer halb Mönch, halb Ritter. Sie sollen leben und kämpfen mit der Sanftmut der Mönche und der Tapferkeit der Ritter. Sie sollen sein nicht eine Malitia, ein Übel für die Menschen, sondern eine Nova Militia Christi, eine Kampfgemeinschaft im Glauben. Bernhard orientierte die neue Ritterschaft und so auch den gerade entstehenden Orden des Hl. Lazarus ganz an seinem eigenen zisterziensischen Mönchtum. Die Spiritualität der armen Zisterzienser, bestehend in Armut und Gehorsam, in Gebet und Arbeit, mit asketischem und gemeinschaftlichem Leben, sollte die gültige Richtschnur und Regel der hospitalischen und nunmehr auch militärischen Orden der Kreuzfahrer sein. Bernhard tat, was besonders wichtig ist, den ersten Schritt, den Kampf der Kreuzritter nicht am Sieg militärischer Waffen, sondern an der Gesinnung des Herzens zu orientieren. Damit machte er den Weg frei, die Waffen der Ritter, nämlich Helm und Panzer, Schild und Schwert, nicht nur materiellmilitärisch zu verstehen, sondern spirituell, Lazarustage Johannisberg - Seite 15 -

16 Lazarustage Johannisberg - Seite 16 - und das heißt geistlich. Waffen sind nötig. A- ber Waffen sind in erster Linie: Glaube, Hoffnung und Liebe. Der ostkirchliche Basilius mit seinem gemeinschaftsbezogenen, spitalischen Lebensengagement und der westkirchliche Bernhard mit seinem neuen militärisch-geistlichen Kampfziel vereinten sich als Richtungsgeber zum geistlichen Endziel: dem Heil der Welt. Die Einheit dieser beiden großen Väter geben unserem Lazarusorden Position und Orientierung, hospitalisch und militärisch, barmherzig und geistlich kämpfend. Wer also den Tag des Hl. Bernhard in seinen Terminkalender aufnehmen will, der tue das mit Datum jeden Jahres. Seine zisterziensische Spiritualität kann uns lehren und beflügeln. Nicht zuletzt war Martin Luther von Bernhards Spiritualität zutiefst beeindruckt und nennt ihn in vielen seiner Predigten. Spätere Verirrungen des Ordens, nämlich Rückfälle ins rein Militärische (Kriegsschulen in Frankreich, Kriegsfregatten mit dem Lazarus-Namen) und das damit verbundene uniform-verliebte Auftreten müssen wir zutiefst bedauern und ablehnen, und das im Geist von St. Lazare, Basilius und Bernhard. Dort, wo dies geschah, etwa im 16. bis 18. Jahrhundert, sind unsere Atavi nicht zu finden. Sie hatten eine andere Gesinnung, die der Nächstenliebe. Die Neugründungen auch unseres Ordens im vergangenen Jahrhundert, und also auch wir, knüpfen bewusst an der Spiritualität unserer drei großen geistlichen Väter Lazarus, Basilius und St. Bernhard an Sie weisen uns, zusammengefasst, auf Jesu Ruf und Beruf: Lazarus, komm heraus! Steh auf von den Toten! auf das Leben als Kerngemeinschaft in den Kirchen mit einem hospitalischen Auftrag (Basilius) auf unseren Dienst als Militia Christi, eine neue, geistlich bewaffnete Ritterschaft (Bernhard). d. Möglicherweise werden wir als Ordensleute unserer Tage jenen Atavi noch den einen oder anderen hinzufügen: die Hl. Elisabeth von Thüringen (Kommende Gotha), die selige Theresa von Kalkutta, Roger Schütz, der uns in Kampf und Kontemplation Wege weist. Wer auch immer: unsere Spiritualität ist vorgezeichnet, klar umrissen im Lauf der Jahrhunderte und sie heißt: Gebet und Arbeit, Caritas und geistlicher Kampf. II.a. Das andere Wahlspruch-Wort Armis weist hin auf Kampf, auf Waffen, auf Sieg. Wir dürften uns nicht länger militärischer Orden nennen, wenn die Militia Christi nicht eine gewichtige Rolle für uns spielte. Der Hl. Paulus schreibt an Timotheus: Leide mit mir als ein guter Streiter Christi... ich (Paulus) habe den Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, Glauben gehalten (2. Tim. 2, 3.4.7). Unser Lazarus-Hymnus nimmt diese apostolischen Worte auf, wenn es heißt: Segne Gott aller Welten und Zeiten unsren ehrlichen Kampf für das Gute. Und sowohl im Gotteslob als auch im Evangelischen Gesangbuch werden wir zu singen angeleitet: Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon (GL 616 / EG 385). Damit ist bereits die richtige Auslegung des Wortes Armis und des bewaffneten Kampfes der Christen gegeben: Christen nehmen teil am Kampf Gottes gegen seine Feinde Teufel, Tod und Sünde und am Golgotha-Kampf Christi, der durch den Tod ins Leben der Auferstehung führt. Weil wir also nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen haben so Paulus -, sondern mit Mächten und Gewalten, ergreifen wir die Waffenrüstung Gottes (Eph. 6, 12.13). Es ist Jesus- und Lazarus-Sache, wider den Tod zu kämpfen, der diese Welt und uns im Griff hält. Ich meine damit nicht nur die vordergründigen tödlichen Mächte unserer Welt und Zeit: Öl und Geld, Kriminalität, irregeleitete Weltanschauungen; ich meine vielmehr die hintergründigen Mächte, die uns umgeben: Lebensfeindlichkeit, Gottes-Anfeindungen durch autonome Vernunft, verharmloste Sünde und satanischen Fanatismus. Gegen diese Mächte kämpft Gott; und wir sind an seine Seite gerufen. Denkt also nicht, schreibt der Augustiner-Mönch Luther, der Satan sei hunderttausend Meilen von euch entfernt. Der böse Geist ist nicht nur in Indien und im Mohrenland, sondern in deiner Kammer, auf unseren Gassen. Die Teufel sind um dich wie die Hummeln (Pred. zu Eph. 6). Christ sein heißt nicht, wie der Zeitgeist uns einflüstern will, total tolerant sein, sondern bewaffnet sein zum Kampf mitten in der säkularen Gesellschaft und ihren Ungerechtigkeiten. Der Friede, den Christus bringen will, heißt nicht toleranter Kompromiß, sondern geistgewapp-

17 neter, barmherzig geführter Kampf. Es geht um das Böse/den Bösen in und um uns. b. Welche Waffen stehen uns heute zur Verfügung? Der bewaffnete Kampf der Kreuzzüge ging 1291 mit dem Fall Akkos zu Ende. Militärisch zu kämpfen heißt heute, in der Militia Christi zu kämpfen und die biblisch festgelegten Waffen zu ergreifen: arma spirituales. Die apostolischen Weisungen zum geist-bewaffneten Kampf sind absolut klar im Brief an die Epheser (Eph.6, 13-17) beschrieben. Dort wird geradezu ein Waffenkatalog aufgezählt mit jenen Waffen, die uns Gott selbst zur Verfügung stellt. Es geht also um einen Kampf mit Gottes eigenen Waffen, die wir mit Kopf und Hand glaubend und liebend zu benutzen haben. Wir sollten sie deshalb sehr genau zur Kenntnis nehmen und uns einprägen: - Welchen Gürtel trägt der Kämpfer? Den Gürtel der Wahrheit. Was ist die Wahrheit? Ich, Christus, bin euch Weg und Wahrheit und Leben (Joh. 14,6). Unser Gürtel der Wahrheit ist also keine dogmatische Sätze- Wahrheit, sondern Weg- und Lebens-Wahrheit Jesus Christus. - Welcher Harnisch schützt uns im Kampf? Der Harnisch der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit wird in der Liebe, der Caritas und Diakonie geschaffen. Sie allein sind unser Schutz und Panzer. - Welche Stiefel trägt der Kämpfer? Stiefel, die das Evangelium vorantragen auf den Wegen, die uns zu den Armen und evangeliumshungrigen Menschen führen. So stiefeln wir getrost unseres Weges. - Welchen Schild tragen wir vor uns her? Den Schild des Glaubens. Welchen Glaubens? Katholisch? Evangelisch? Orthodox? Das auch. Aber viel wichtiger: den (oekumenischen) Schild des Glaubens, der in der Liebe tätig wird (Gal. 5,6). - Welcher Helm schützt unseren Kopf? Der Helm des Heils. Nur durch Heil und Rettung, wie wir sie an Lazarus sehen, können wir behütet und behelmt unsere Aufgaben angreifen. - Welches Schwert hält der Kämpfer in seinen Händen? Das Schwert des Geistes, welcher das Wort Gottes ist. Bisher waren alle genannten Waffen Verteidigungswaffen. Jetzt wird die einzige Angriffswaffe genannt: das Wort Gottes. Dieses Wort ist immer im Angriff auf das Böse in uns, um uns herum und in aller Welt. Dieses Wort ist scharf und durchdringend wie ein zweischneidiges Schwert, erklärt der Brief an die Hebräer (Hebr. 4,12). Man muß also das Wort kennen, lernen, lieben und hochhalten in der Ordens-Militia. Es ist unsere einzige Angriffswaffe ( Das Wort sie sollen lassen stahn... M.Luther). c. Soviel zu unserer Waffenrüstung. Lazarus con armis spiritualibus. Gewiß, es gibt weitere Waffen zum geistlichen Kampf : die ganze Hl. Schrift mit den Seligpreisungen, Psalmen und Evangelien; das Doppelgebot der Liebe, die Sakramente der Kirche, die geschwisterliche Gemeinschaft. Immer aber, wenn wir im Dienst des Ordens stehen und unser ATAVIS ET ARMIS bekennen, werden wir an unseren Atavi Maß nehmen und zugleich cum armis spiritualibus in den Kampf um das Gute eintreten. Das nachfolgende Gebet fand sich in der Todesanzeige des jung an Leukämie verstorbenen Timm Büscher aus Bergisch Gladbach: Darin gebrauchte er eben die Begriffe, die für uns als Ritter des Hl. Lazarus bestimmend sind. Herr, lass mich dein Ritter sein Ich will den Gurt der Wahrheit tragen Die Stiefel der guten Nachricht Den Harnisch der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Den Helm des Vertrauens auf das ewige Leben Den Schild des Glaubens auf Gott Das Schwert des Wortes des Heiligen Geistes. Timm Büscher ( ) Lazarustage Johannisberg - Seite 17 -

18 Home Hospitalischer Bericht 2003 Hospitalier Dr. Axel Mittelstaedt KCLJ, GCMLJ, Düsseldorf Dr. Axel Mittelstaedt Hospitalier Düsseldorf Dieser Bericht umfasst die karitativ-diakonischen Aktivitäten der Großballei Deutschland des Ordens des Heiligen Lazarus von Jerusalem im Jahr Eigene Berichte erstellen der Almosier des Ordens Confrater Dr. Klaus Winter für das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete und Consoeur Dr. med. Hanne von Schaumann- Werder als Hospitalier für die St. Petersburg-Hilfe. In Frumoasa entsteht der Lazarus-Kinderhort, ein Gemeinschaftsprojekt des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte und des Lazarus-Ordens Das im August 2001 eingeweihte Lazarus- Haus Richard Deutsch in Miercurea-Ciuc/ Rumänien zeigt eine erfolgreiche Statistik, die zuletzt für den Zeitraum von Dezember 2002 bis Juli 2003 durch den Leiter Herrn Sandor Molnar vorgelegt worden ist. Der Hospitalier dankt der Lazarus-Stiftung Rumänien unter der Leitung von Pfarrer Stefan Gergely und dem Leiter des Richard- Deutsch-Hauses Sandor Molnar für die erfolgreiche Tätigkeit im Sinne des Ordens. Der Hospitalier dankt Confrater Dr. Klaus Winter für eine Finanzierungshilfe, die dem Lazarus- Haus zugewendet wurde. Schwester Dolore, die Leiterin des Waisenhauses in Frumoasa/Rumänien berichtet fortlaufend über die erfolgreiche Betreuung von 30 Hilfswerk Deutscher Zahnärzte vereinbart worden. Der Lazarus-Kinderhort wird durch das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte finanziert, die Inneneinrichtung wird der Lazarus-Orden in einer Höhe bis zu ,- finanzieren. Der Hospitalier dankt dem Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für die Unterstützung der Autowerkstätte der Lazarus-Stiftung Rumänien unter der Leitung von Pfarrer Stefan Gergely. Der Ergänzungsbau wird unter dem Namen Lazarus-Autowerkstätte geführt werden. Zwei LKW-Hilfstransporte wurden in diesem Jahr nach Rumänien durchgeführt und zwar im Januar 2003 nach Miercurea-Ciuc, mit einem umfangreichen Anteil an Krankenhausbetten und Hilfsgütern, in einem Wert von ,-. Die Transportkosten wurden ebenfalls durch den Orden finanziert. Ein zweiter Transport erfolgte im März 2003, wiederum mit Krankenhausbetten, Matratzen und klinischem Bedarf. Diese Hilfssendungen wurden von der Lazarus-Stiftung Rumänien an das Städt. Krankenhaus in Miercurea-Ciuc übergeben. Auch hier belief sich der Wert der Warengüter auf ,-. Der Hospitalier dankt insbesondere Herrn Johannes Hötzel für die Organisation beider Transporte und den Ordensmitgliedern Klaus Mauersberger und Alexandra Mein. Die Firma Aldi stellte wieder dankenswerterweise eine Halle zur Verfügung, in der die Warengüter gesammelt werden konnten. Hospitalischer Bericht- - Seite 18 - Waisenkindern. Der Orden unterstützt das Waisenhaus durch 30 Patenschaften von Ordensmitgliedern oder Freunden des Ordens. Außerdem erhielt Schwester Dolore Geld und Sachzuwendungen in diesem Jahr. Zur Stabilisierung des Waisenhauses in Frumoasa ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Die karitative Maßnahme zur Unterstützung der Ambulanz der Eucharistinerinnen in Sofia/ Bulgarien wurde mit der Beschaffung medizinischer Geräte erfolgreich durchgeführt und insgesamt medizinisches Instrumentarium im Werte von 4.400,- zur Verfügung gestellt. Ein Höhepunkt der Öffentlichkeitsarbeit des Lazarus-Ordens war die Teilnahme am Ökumenischen Kirchentag vom 29. Mai 2003 bis zum 1. Juni 2003 in Berlin, hervorragend or-

19 ganisiert durch die Mitglieder der Kommende Berlin, die Confratres Eckhard Stegenwallner, Wilhelm Konsek und Klaus-Dieter Herbst. Die Gespräche und Begegnungen mit Menschen eröffneten dem Hospitalier neue Perspektiven und auch Chancen, die hospitalischen Dienste des Ordens auf ein breiteres Fundament zu stellen. Eine angemessene Würdigung dieses Kirchentages ist von berufener Stelle erfolgt. Die hospitalische Fahrt nach Mukachevo in der Ukraine, vom 29. August bis 1. September 2003, erfolgte auf Wunsch von Bischof Maynek, der dem Orden ein Projekt zur Förderung vorgestellt hatte. Teilnehmer waren Herr und Frau Dr. Gerckens, der Ordenskaplan Wolfgang Schöne, Jörg Hennen und der Hospitalier. Die Gruppe flog nach Budapest, wo unter der Teilnahme des Dompropstes von Esztergom Dr. Gaal, dem Ordenskaplan Pfarrer Wolfgang Schöne und dem griechisch-katholischen Geistlichen, ein ökumenischer Gottesdienst mit vielen ungarischen Ordensmitgliedern stattfand. An drei anwesende Ordensmitglieder der Großballei Deutschland wird von Botschafter Dr. Deak die Verdienstmedaille des Großpriorats Ungarn verliehen: Consoeur Margaretha Berger-Böld, Consoeur Ute Harms und den Hospitalier. In Mukachevo/Ukraine ist die Gruppe Gast von Bischof Maynek. Der ehemals schwerkranken Elisabeta werden Medikamente und medizinisches Bedarfsmaterial durch Pfarrer Wolfgang Schöne und den Hospitalier übergeben. Insgesamt zeigt sie eine deutliche Besserung ihrer schweren Erkrankung (Elefanthiasis) nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland. Zum Projektantrag von Bischof Maynek, ein ambulantes Rehabilitationszentrum für Kinder in einem kleinen Dorf in der Nähe von Mukachevo zu errichten, wird nach längerer Überlegung entschieden, diesen Antrag abzulehnen. In einem persönlichen Schreiben an Bischof Maynek wird dieses erklärt. Im Rahmen der hospitalischen Reise wird in Uszkorot, einer Stadt nördlich von Mukachevo, ein Kinderkrankenhaus besichtigt, das dringend der medizinischen Hilfe bedarf. Im Dezember 2003 ist ein Transport durch Confrater, Botschafter Dr. Lazlo Deak und in Zusammenarbeit mit Ordensdame Ute Harms, World Mercy Deutschland, nach der Ukraine durchgeführt worden. Es wurde von der Großballei umfangreiches Klinikmaterial mit Krankenhausbetten, Nachtschränkchen, Matratzen und Sachgütern im Wert von 7.305,00 für die Klinik in Uszkorot/Ukraine, z.hd. Von Herrn Bischof Antal Maynek zur Verfügung gestellt. Es bleibt festzustellen, dass Hilfsprojekte für Bischof Maynek Unterstützung finden sollten, jedoch die Infrastruktur in der Ukraine nicht, wie in Rumänien oder Ungarn, vorhanden ist. Deswegen können nur Projekte unter der Federführung des Bischofs finanzielle Unterstützung durch den Lazarus-Orden erfahren. Im November 2003 konnte der Hospitalier, im Rahmen einer Vorstandssitzung der Deutschen Lazarus-Stiftung, über seine Erfahrungen in der Ukraine berichten und die Projektanträge für eine Soforthilfe mittels Transport nach Mukachevo erreichen. Ebenfalls soll ein Langzeitprojekt, das durch Bischof Maynek vorgestellt wird, am besten im Rahmen des Lazarus- Tages auf Schloß Johannisberg, finanziell unterstützt werden. Im Rahmen des Treffens der Kommende Nordrhein im Theresienhospital Düsseldorf, konnte der Hospitalier, nach dem Vortrag von Pater Laurentius, über die hospitalische Fahrt in die Ukraine berichten und großes Interesse und Hilfsbereitschaft, zur Unterstützung, insbesondere auch des Kinderkrankenhauses in Uszkorot, wecken. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Langzeitprojekte in Rumänien, Stiftung mit Werkstätte, Lazarus-Haus Richard Deutsch und das Waisenhaus in Frumoasa, auch Dank der Unterstützung durch den Orden, ihre sozial-karitative Aufgabe sehr gut erfüllen. Im nächsten Jahr wird die Lazarus-Kindertagesstätte eröffnet, deren Innenausstattung durch den Orden finanziert wird. Das geplante Soforthilfe-Projekt für die Kinderklinik in Uszkorot/Ukraine ist im Dezember durchgeführt worden. Im Jahr 2004 soll eine weitere Unterstützung der Caritas-Station in Sofia, der Eucharistinerinnen durchgeführt werden. Die weiteren Projekte in der Ukraine und in Rumänien werden zum Schwerpunktprogramm des Hospitaliers gehören. Dr. Axel Mittelstaedt Hospitaliers des Lazarus-Ordens Hospitalischer Bericht - Seite 19 -

20 Home Reise nach St. Petersburg Hospitalier Dr. Hanne von Schaumann-Werder DCLJ,GCMLJ, Düsseldorf Dr. Hanne von Schaumann-Werder Hospitalier Düsseldorf Ein Bus musste die Fürstin und mich zum Flughafen bringen, da wir so viel Gepäck hatten und die Koffer so schwer waren, daß wir sie nicht einmal anheben konnten. Meinem Mann war die medizinische Einrichtung einer Allgemeinpraxis in Düsseldorf für Petersburg zur Verfügung gestellt worden. Neben Medikamenten, chirurgischen Instrumenten, Inhalationsgeräten, Verbandsmaterial hatten wir zudem diverse Spielsachen mit. Mit warmen Pullovern, Mänteln, Handtüchern und Bademänteln füllten wir die Zwischenräume. Die Lufthansa verzichtete auf ein Wiegen unseres Gepäcks... I.D. Tatiana Fürstin von Metternich- Winneburg (rechts) mit Prof. V. Sereda (Mitte) Hospitalischer Bericht- - Seite 20 - In St. Petersburg erwartete uns Dr. Orlov und warnte uns vor, daß der Zolldirektor persönlich die Kontrolle durchführe. Ich sah unsere mühsam gesammelten humanitären Hilfen schon im Zoll lagern, als die Fürstin ruhig die Kopie des Schreibens von Präsident Putin herausholte (s. S. 5) und sie als erstes dem Zolldirektor überreichte. Mit einer Handbewegung, ohne eine weitere Frage zu stellen, ließ er uns daraufhin passieren. Vor dem Flughafen wurden die Koffer auf verschiedene Wagen verteilt und wir fuhren in unser Privatquartier. Am 28. September 2003 trafen wir dann die Redakteurin von Arte, welche die Fürstin in St. Petersburg mit ihrem Filmteam begleiten wollte. Unsere erste Station war die Mukoviszidose-Klinik Haus Olga. Neben den speziell gewünschten Medikamenten konnten wir hier die Inhalationsgeräte, Hautsalben unterschiedlicher Art, cortisonhaltige Medikamente und den Kindern kleine Stofftiere überreichen, alles in Begleitung und großer Dankbarkeit der beiden Direktoren der Klinik und unserem Dr. Orlov. Die Klinik feierte in diesem Jahr ihr 50- jähriges Bestehen. Als nächstes besuchten wir unser Heim für Straßenkinder, das Haus Tatiana. Mir fiel gleich auf, daß lauter neue Gesichter da waren, außer dem kleinen Alioscha, der sofort auf mich einredete und mich offensichtlich wiedererkannte. Er nahm mich daraufhin an die Hand und führte mich in sein Zimmer und schenkte mir ein Bild von der Newa, selbst gemalt mit den Stiften, die wir bei unserem letzten Besuch mitgebracht hatten. Groß war die Freude über Spielsachen, warme Mäntel und Pullover. Auch Medikamente, Verbandsmaterial und Salben hatten wir Vasili Sereda für sein medizinisches Ambulatorium mitgebracht. Kinder von der Straße können dort jederzeit durch einen separaten Eingang medizinische Versorgung bekommen. Auf meine Frage, wo die anderen Kinder seien, antwortete mir Prof. Sereda, daß von den 16 Jungen, die jetzt hier zwei Jahre gelebt hatten, nur 4 in Pflegefamilien übernommen worden seien, alle anderen würden nach zweijährigem Heimaufenthalt in Lager gebracht: Gulag ist nichts dagegen 80 % aller Kinder werden kriminell! Wir müssten etwas finden, um dies zukünftig zu verhindern. Das haben wir Vasili Sereda versprochen. Dem Jugendzentrum Wadim Ptscholkin galt unser nächster Besuch. Durch Zufall konnten wir den Musikunterricht von jüngsten Kindern, ca. fünf Jahre alt, miterleben. Wir waren begeistert, ebenso von der Übungsstunde, die Wadim Ptscholkin mit den älteren Kindern abhielt. Zum Schluß unserer Reise besuchten wir das I. Pädiatrische Zentrum in der Letovskajastraße 2, wo wir die restlichen Medikamente, Pinzetten, Skalpelle, Gummihandschuhe, Einmalkittel und wieder kleine, von Patientinnen selbst gestrickte Pullover abgeben konnten. Für die Ärzte und Schwestern brachten wir wie immer persönliche Geschenke mit. An alle Einrichtungen verteilten wir insgesamt ,-, damit medizinische Artikel, die dort deutlich billiger sind, gekauft werden können. Dennoch waren viele Wünsche offen und Bitten vorhanden, die vor Ort nicht erfüllt werden können, und wir sagten unsere Hilfe auch weiterhin zu. Wenn die Spendenfreudigkeit auch insgesamt deutlich abnimmt, können wir doch immer wieder über kleine und spontane Zuwendungen, nicht zuletzt anlässlich von Geburts- und Festtagen, berichten.

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