Hochschulzugang in ausgewählten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union

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1 Hochschulzugang in ausgewählten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union In den EU-Staaten ist der Hochschulzugang sehr unterschiedlich geregelt. Das EuGH-Urteil vom Herbst erlaubte ausländischen Studierenden, auch ohne Studienplatz in ihrem Heimatland an einer österreichischen Universität ihr Studium aufzunehmen. Der darauf folgende immense Zustrom von Studierenden aus dem EU-Ausland zeigte, wie wichtig eine breite Diskussion über Zugangsbeschränkungen im europäischen Vergleich ist. Hier die derzeitige Lage zum Hochschulzugang in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten: Belgien: Innerhalb des französisch-sprachigen Teiles gibt es nur einen Numerus Clausus im Bereich Medizin. In einigen Studienrichtungen werden Einstiegstest (so in beispielsweise Krankenhausmanagement, Klinischer Biologie) abgehalten. - Aufnahmsprüfungen für einige Studienrichtungen - Kein Numerus Clausus - In der Regel unbeschränkte Zulassung mit Reifezeugnis Dänemark: Zum Studium werden nur diejenigen zugelassen, die gewisse Kriterien erfüllen. Diese sind in den jeweiligen Studienrichtungen unterschiedlich und beinhalten beispielsweise gewisse Mindestnoten in verschiedenen Unterrichtsfächern, Praxiserfahrungen oder Zusatzqualifikationen. In einigen Fächern gibt es einen Numerus Clausus. - Ausländer: Quoten für bestimmte Studienrichtungen - Zulassung mit Reifezeugnis; in acht Studienrichtungen Numerus clausus - EU-Bürger: Reifezeugnis; Ablegung von Aufnahmsprüfungen im Herkunftsstaat, wo dies vorgeschrieben ist Deutschland: Studienbewerber aus Staaten der EU ohne deutsche Hochschulzugangsberechtigung müssen einen Sekundarschulabschluss 1

2 nachweisen, der im Herkunftsland zum Hochschulzugang berechtigt, bzw. einen Studienplatz an einer Universität des Herkunftslandes erhalten haben. Darüber hinaus wird von ausländischen Studienbewerbern der Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse verlangt, der durch die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang ausländischer Studienbewerber (DSH) oder eine gleichwertige Prüfung erbracht werden kann. Bundesweite Zulassungsbeschränkungen bestehen für die Mehrzahl der Studiengänge nicht. In einigen Studiengängen (z.b. Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Biologie, Betriebswirtschaft, Pharmazie, Psychologie) bestehen wegen der hohen Bewerberzahlen und der dafür nicht ausreichenden Anzahl Grafik: Hochschulzugang in Europa 1 von Studienplätzen bundesweite Zulassungsbeschränkungen. Für diese Studiengänge werden die Studienplätze von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen in Dortmund durch ein allgemeines Auswahlverfahren vergeben. Rechtsgrundlage dafür ist der Staatsvertrag der Länder über die Vergabe von Studienplätzen, der zuletzt 1999 neu geschlossen wurde. Welche Studiengänge in das bundesweite Auswahlverfahren einbezogen werden, kann von Semester zu Semester unterschiedlich sein. Zum Wintersemester 2002/2003 wurde das Zulassungsrecht für die bundesweit beschränkten Studiengänge leicht verändert. Danach werden die Hochschulen bei der Auswahl der Studierenden für Studiengänge des allgemeinen Auswahlverfahrens stärker berücksichtigt. Durch ein Auswahlverfahren der Hochschulen können 24 % der Studienplätze entweder nach der Abiturnote, nach dem Ergebnis eines Auswahlgesprächs, nach beruflichen Qualifikationen oder nach einer Kombination dieser drei Kriterien vergeben werden. 1 Quelle: BMBWK, 2

3 Frankreich: Im französischen Hochschulsystem ist der Zugang im Prinzip frei. Ausnahmen gibt es allerdings für das Medizinstudium und die Ausbildung an den "Grandes Ecoles". An den medizinischen Fakultäten gibt es eine Art Studieneingangsphase: Seit 1972 gilt für den Übergang vom ersten auf das zweite Studienjahr ein Numerus clausus, die Anzahl der zugelassenen Studenten wird nach den praktischen Bedürfnissen der Berufsgruppe (derzeit pro Lehrjahr ) ausgerichtet. An den Elite-Hochschulen ("Grandes Ecoles"), die gemeinsam knapp fünf Prozent der gesamten Studierenden ausbilden, wird durch Aufnahmeprüfungen gefiltert. Um in die bedeutendsten dieser meist staatlichen Hochschulen aufgenommen werden, müssen die Studenten nach der Matura einen zweijährigen Vorbereitungskurs besuchen. Ingenieure und Naturwissenschafter besuchen die "Polytechnique", die "Ecole Normale Superieure" formt die geisteswissenschaftliche Elite, die HEC ("Haute Ecole de Commerce") ist die bekannteste Wirtschaftshochschule. - Zulassung mit Reifezeugnis; in einigen Studienrichtungen Numerus clausus (an Universitäten ab dem zweiten Studienjahr) - Ausländer: Gleichstellung - EU-Bürger: Gleichstellung Griechenland: In Griechenland reicht ein Mittelschulzeugnis oder ein vergleichbarer Nachweis, um ein Studium aufzunehmen. Des weiteren müssen in allen Studienfächern Einstiegsprüfungen abgelegt werden, die von Richtung zu Richtung unterschiedlich sind. - Zulassung aufgrund eines Mittelschul-Abgangszeugnisses und einer Berechtigungsprüfung. - Ausländer: Besondere Quoten - EU-Bürger: Keine Berechtigungsprüfung, sondern entsprechende Nachweise aus dem Heimatstaat Großbritannien: In Großbritannien muss ein künftiger Student noch vor dem Abschlussexamen (A- Levels) ein Studienfach nennen und eine Liste von fünf Universitäten erstellen, an denen er studieren möchte. Gemeinsam mit einer Prognose seiner Schule über das erwartete Abschlusszeugnis wird der Antrag von einer Zentralverwaltung (UCAS) an 3

4 die betreffenden Universitäten weitergegeben und die Wunschliste auf zwei Universitäten gekürzt, zwischen denen der künftige Student wählen kann. Über die tatsächliche Aufnahme eines Bewerbers entscheidet die Uni aber autonom. Berücksichtigt werden dabei unter anderem das Schulabschlusszeugnis, ein Bewerbungsgespräch und die Verfügbarkeit von Studienplätzen. Das Medizinstudium unterliegt denselben Vorschriften wie alle anderen Studienrichtungen. - Zulassung mit Reifezeugnis; zusätzlich an den meisten Hochschulen weitere spezielle Selektionsmechanismen - Ausländer: Im allgemeinen gleiche Selektionsmechanismen wie für Inländer; eventuell eigene Quoten für bestimmte Studienrichtungen - EU-Bürger: Gleichstellung Irland: Nach dem Abschluss der Sekundarstufe haben Studenten in Irland nicht automatisch ein Anrecht auf einen Platz an einer Universität. Die Plätze für Einsteigerübungen an Universitäten werden aufgrund von je nach Studienrichtungen unterschiedlichen Noten im Abschlusszeugnis (Leaving Certificate) vergeben. Einige Studienrichtungen verlangen darüber hinaus noch zusätzliche Anforderungen. - Zulassung mit Reifezeugnis; zusätzlich an den meisten Hochschulen weitere Selektionsmechanismen (Durchschnittsnoten im Reifezeugnis) - Ausländer: Im allgemeinen gleiche Selektionsmechanismen wie für Inländer; eventuell eigene Quoten für bestimmte Studienrichtungen - EU-Bürger: Gleichstellung. Italien: In Italien gibt es für vier Studienrichtungen einen Numerus Clausus auf gesamtstaatlicher Ebene: Medizin, Zahnheilkunde, Veterinärmedizin und Architektur. Jedes Jahr im September werden dafür Aufnahmetests durchgeführt - wer sie besteht, wird zum Studium zugelassen. Die Festlegung der Zahl der Medizinstudenten erfolgt jedes Jahr durch Unterrichts- und Gesundheitsministerium. Jede Universität hat darüber hinaus das Recht, einen Numerus clausus einzuführen, wenn an einer Fakultät eine Höchstzahl an Studenten überschritten wird. - Zulassung mit Reifezeugnis; in einigen Studienrichtungen Numerus Clausus 4

5 - Ausländer: Quoten für bestimmte Studienrichtungen; Nachweis der Zulassung (eventuell nach Aufnahmsprüfung) im Heimatstaat - EU-Bürger: Nachweis der Zulassung (eventuell nach Aufnahmsprüfung) im Heimatstaat Spanien: Alle Studierenden müssen sich in Spanien zuerst einem Eingangstest zur Universität unterziehen, der zentral gelenkt wird. Dann beginnt ein sogenanntes Orientierungsjahr, in dem die Studenten Basiskenntnisse erwerben und sich an den Universitätsbetrieb gewöhnen können. - Zulassung mit Reifezeugnis; zusätzlich Orientierungsjahr und Aufnahmsprüfung; Numerus Clausus für 70% der Studien. - Ausländer: Ebenfalls Orientierungsjahr und Aufnahmsprüfung; Quoten für bestimmte Studienrichtungen - EU-Bürger: Gleichbehandlung Slowakei: In der Slowakei werden die Studenten derzeit meist auf Grund der Ergebnisse von Aufnahmeprüfungen, welche die einzelnen Departments der Universitäten durchführen, aufgenommen. Den größten Andrang gibt es für die Fächer Jus und Medizin, wo das Verhältnis zwischen Bewerbern und Aufgenommenen in der Regel 15:1 beträgt. Dieses System könnte sich in Zukunft aber ändern: Heuer wird eine für alle Schulen einheitliche Matura eingeführt. Einige Hochschulen haben daher angekündigt, im Rahmen der Aufnahmeprüfungen auch die Reifeprüfungsnoten zu berücksichtigen. Tschechien: In Tschechien bildet in der Regel eine Aufnahmsprüfung das Hauptkriterium für die Zulassung. Schul- bzw. Maturanoten spielen dabei nur eine beschränkte Rolle, sie bringen dem Bewerber im Ausleseverfahren nur einige Extrapunkte (Ausnahmen gibt es für die Medizin und für technische bzw. naturwissenschaftliche Fächer: An der Medizin reicht etwa ein Notenschnitt von 1,20 in der Mittelschule für die Aufnahme (gleiches Notensystem wie in Österreich). Auf Grund des geringeren Andrangs 5

6 weniger streng ist das Limit an einigen technischen oder naturwissenschaftlichen Hochschulen bzw. Fakultäten. Ungarn: In Ungarn wurde bisher der Studienzugang durch Aufnahmsprüfungen reguliert. Ab heuer wird diese Regelung allerdings vollständig durch ein Punktesystem auf Grund des Maturaergebnisses ersetzt. Zusätzlich bekommt man noch Punkte für die Jahreszeugnisse der letzten beiden Schuljahre. Die Maximalzahl der so erreichbaren Punkte ist 120, zusätzliche werden etwa für staatliche Sprachprüfungen vergeben. Neben der landesweit einheitlichen "normalen" Matura gibt es zudem seit einigen Jahren auch Maturaprüfungen "mit erhöhtem Niveau". Deren Absolvierung ist bei bestimmten Studienrichtungen (z. B. Sprachen) Voraussetzung für die Aufnahme. Die Studierwilligen reichen nach eigenen Präferenzen gereihte Aufnahmeanträge an jenen Hochschulen ein, wo sie studieren möchten. Im Jahr 2005 bewarben sich Personen mit insgesamt Anträgen für ein Studium. Die Universitäten veröffentlichen anschließend eine Liste mit den Mindestpunktezahlen für alle Studienrichtungen. Quellen: Michael SCHWEITZER, Gutachten zur EU-Bildungspolitik (Im Auftrag des BMWF) Walter BERKA, Das österreichische Ausländerstudienrecht im Licht des Europäischen Gemeinschaftsrechts (Im Auftrag des BMWF) Stefan GRILLER, Gutachten über die Konformität der österreichischen Regelungen zum Universitätsstudium mit den Regelungen der Europäischen Gemeinschaften (Im Auftrag des BMWF.) BMWK, Auswirkungen des EuGH-Urteils, Rückfragehinweise: Österreichischer Cartellverband Nikolaus Koller

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