Cloud Computing über Logistics Mall die neue Generation der logistischen IT-Unterstützung?

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1 Cloud Computing über Logistics Mall die neue Generation der logistischen IT-Unterstützung? Name: Martin Hofer Funktion/ Bereich: Vorstand Organisation: Wassermann Unternehemensberatung AG Liebe Leserinnen und liebe Leser, mit dem Ansatz des Cloud Computing entwickeln die Fraunhofer- Institute für Materialfluss und Logistik IML und für Software- und Systemtechnik ISST eine neue Generation der logistischen IT- Unterstützung. Durch die enge Zusammenarbeit und die kombinierte Nutzung von Logistik- und IT-Know-how soll nun eine serviceorientierte Plattform entstehen: die Logistics Mall. Die Logistics Mall ist ein virtueller Marktplatz, auf dem vernetzte Dienstleistungen und Softwaresysteme zur Verfügung gestellt werden. Dabei soll es möglich sein, Funktionen unterschiedlicher Anbieter zu einem individuellen Gesamtpaket zusammenzustellen. Das Angebot basiert auf dem Software-as-a-Service-Prinzip und zeichnet sich durch eine nutzungsabhängige Abrechnung aus. Innerhalb von drei Jahren (2012) soll die Logistics Mall Marktreife erlangen und von den Industriepartnern betrieben werden. Die Logistics Mall ist im Grunde ein virtuelles Einkaufszentrum, in dem Software-Anbieter und -Anwender sowie Logistik-Dienstleister zusammenkommen. Die Mall optimiert das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Implementierung neuer Software. Statt wie bisher das Lager durch eine aufwendige Umstrukturierung der Logistikprozesse zu optimieren, wird die logistics.de Seite 1

2 Software individuell und anbieterunabhängig zusammengestellt und»aus der Steckdose«bezogen. In der Logistics Mall bieten Softwarehersteller nicht komplette Module, sondern einzelne Bausteine, die zum Teil nur wenige Funktionen umfassen, an. Der Anwender kann gezielt die Funktionen»mieten«, die er zur Unterstützung seiner Prozesse benötigt. Der Erwerb von Softwarelizenzen ist damit nicht mehr notwendig. Ein Großteil der Anschaffungs- und Instandhaltungskosten für Hardware und Speicherkapazitäten fällt weg. Die Server werden durch internetfähige Computer ersetzt. Die Wartung wird vom Anbieter des virtuellen Servers übernommen. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr Oliver Wolf und das Team von logistics.de! logistics.de Seite 2

3 Frage 1: Akzeptanz des Cloud Computing Serviceorientierte Architekturen, Software as a Service, Application Service Providing: Seit mehreren Jahren diskutiert der Markt alternative Konzepte, um neue Kundengruppen erschließen und alternative Vertriebsformen (abseits eher monolithischer Softwarepakete) anbieten zu können. Mit Cloud Computing als einem der Megatrends der heutigen Zeit scheint der Paradigmenwechsel im privaten wie im geschäftlichen Umfeld langsam Gestalt anzunehmen Können Sie sich vorstellen eine Software oder Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, die nicht bei Ihnen zu Hause betrieben wird? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie? Software as a Service und Cloud Computing bietet Vorteile für beide Seiten Hersteller und Anwender von Software. Dies ist wohl auch einer der Gründe, warum dieses Thema eine solche Wucht entfaltet und den IT-Markt nachhaltig verändern wird. Cloud-Computing-Anwender genießen zahlreiche Vorteile: Skalierbarkeit, nutzungsabhängige Kostenmodelle, Kalkulierbarkeit oder noch oft unterschätzt die Unternehmen sparen sich die Aufwendungen für den Betrieb der Software und Systeme. Nach unseren Erfahrungen sinken auch die Kosten für die Einführung insbesondere weil Cloud-Computing-Anwendungen oft stärker standardisiert sind. Dies wird von Skeptikern oft als Nachteil gesehen, bietet vielen Unternehmen aber die Chance, durch die Übernahme dieser Standardprozesse und -methoden von den Erfahrungen anderer Unternehmen zu profitieren und die Qualität und Stabilität der Prozesse im eigenen Unternehmen über den Einsatz der Software zu erhöhen. Derzeit werden schnelle Einführungen, geringe Anfangsinvestitionen und die sinkenden Betriebskosten als Hauptvorteile gesehen. Langfristig werden weitere Vorteile hinzukommen. So wird es für die Kunden leichter sein, die Software in der Cloud zu wechseln und damit auch wirklich die jeweils beste Software zum Einsatz zu bringen. Günstiger wird Cloud Software dadurch, dass auch die Softwarehersteller ihre Kosten reduzieren. Statt viele Applikationen vor Ort mit Support und Upgrades unterstützen zu müssen, wird lediglich eine zentrale Anwendung im RZ betreut. logistics.de Seite 3

4 Frage 2: Absatzmarkt Als Anbieter von Softwarelösungen und Dienstleistungen auf der Logistics Mall ist es entscheidend, sich mit der Thematik des Absatzmarktes auf der entsprechenden Plattform vertraut zu machen. In diesem Sinne ist die Frage ausschlaggebend, wie man auf der Logistics Mall Geld verdienen kann. Welche Abrechnungsmodelle und -optionen könnten Sie sich im Rahmen der Logistics Mall vorstellen? Welches von Ihnen dargestellte Modell bietet Ihnen dabei den größten Nutzen bzw. die besten Absatzchancen? Ich denke, dass sich bei den Lizenzmodellen verschiedene Abrechnungsmodelle herausbilden werden und diese teilweise auch parallel von den Herstellern angeboten werden müssen. Dabei müssen nachfolgende Anforderungen erfüllt werden: Skalierbarkeit: Dem Kunden muss es möglich sein, flexibel zusätzliche Module oder zusätzliche Nutzungsberechtigungen zu erwerben oder auch zurückzugeben. Modularisierung und Nutzungsabhängigkeit: Entscheidend sind nicht mehr die Möglichkeiten und Funktionalitäten, die die Software überhaupt bietet, sondern nur noch, wie intensiv der Kunde die jeweiligen Einzelfunktionen auch nutzt. Je nach Anwendung kann dies auf Basis der Datenvolumina, Anzahl der Bestellungen/Abrechnungen, Zugriffe oder anderer Faktoren erfasst werden. Hohe Transparenz in der Abrechnung: Um die Kalkulierbarkeit für den Anwender zu erhöhen, werden die Preismodelle klarer werden. Module und Leistungen werden zu Festpreisen oder als Multiplikator für einen Nutzungsparameter (X Euro pro Zugriff, pro GB, pro Nutzer) abgerechnet werden. Wechsel zwischen den Abrechnungsmodellen: Die Kunden und der Einsatz der Software-Anwendungen werden sich wandeln. Ähnlich wie bei den Telefontarifen werden Anwender je nach Entwicklung zwischen verschiedenen Tarifen und Preismodellen wechseln. logistics.de Seite 4

5 Frage 3: Datensicherheit Gegenwärtig ist die Methode des Cloud Computing als neuer Vertriebsweg im Bereich der IT und Logistik nicht mehr wegzudenken. Die Beschäftigung mit diesem Thema führt geradewegs zu Aspekten, wie beispielsweise Datensicherheit, die unmittelbar mit der Methode des Cloud Computing verknüpft sind. Daher ist es uns wichtig zu erfahren, wie wichtig Ihnen der Aspekt der Datensicherheit ist. Wie sehen Sie den Aspekt der Datensicherheit im Kontext der Logistics Mall und welche möglichen Vorteile bietet Ihnen die Anwendung des Cloud Computing in diesem Rahmen? Überzeugende Antworten in puncto Datensicherheit sind eine wichtige Voraussetzung für das Cloud Computing. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einer Public und Private Cloud, aber Sie vertrauen ja auch der SSL-Verschlüsselung vom Homebanking und nicht anders funktioniert es mit vernetzten Softwaresystemen. Auch wenn es faktisch stimmt: Der allgemeine Hinweis darauf, dass ein professionelles Rechenzentrum mit 24/7-Service und bester Sicherheitsinfrastruktur wahrscheinlich mehr Schutz als jeder unternehmensinterne Serverraum bietet, wird den Kunden nicht reichen. Auf die Sicherheitsfragen wird es zudem auch künftig keine allgemeingültige und immerwährende Lösung geben, weil Daten- und IT-Sicherheit ein Wettrennen zwischen Schutz und krimineller Energie bzw. technischer Zuverlässigkeit ist. Dabei wird der Rechtsraum in dem wir uns bewegen immer wichtiger werden. Behördliche oder privatwirtschaftliche Gütesiegel für Cloud Computing Anbieter und Rechenzentren werden an Bedeutung gewinnen, um den potenziellen Kunden Orientierung zu geben. Hier besteht großer Nachholbedarf. logistics.de Seite 5

6 Frage 4: Migration von Daten Ein Unternehmen, welches als Anwender auf der Logistics Mall tätig wird und Produkte oder Dienstleistungen in Anspruch nimmt, muss sich über kurz oder lang mit der Frage auseinandersetzen, wie seine Stammdaten auch in der Mall zugänglich gemacht werden. Somit stellt sich die Frage: Wie migriere ich meine Daten überhaupt in die Cloud? Wie stellen Sie sich einen solchen Realisierungsprozess vor und wie viel Aufwand ist aus Ihrer Sicht mit einer Migration Ihrer Daten verbunden? Als Hersteller von Software sehen wir in der Datenmigration keine spezielle Herausforderung des Cloud Computing. Auch in den Unternehmen mussten bereits ständig Daten zwischen Anwendungen und Systemen migriert werden. Cloud-Computing-Anbieter werden hier verstärkt vereinfachte Konzepte und auf Industriestandards basierende Import-/Export-Schnittstellen entwickeln und bereitstellen. Um die Investitionskosten in der Anfangsphase niedrig zu halten, werden diese Schnittstellen zusätzlich mit sehr komfortablen Wizard ausgestattet werden, damit die Kunden die Daten selbst für den Import aufbereiten können. Ist der Kunde aus technischen oder zeitlichen Gründen oder wegen der mangelnden Qualität der Daten nicht selbst in der Lage, die Migration zu übernehmen, werden die Cloud-Computing-Anbieter mit Dienstleistungen aushelfen. logistics.de Seite 6

7 Frage 5: Auslagerung von Teilen bestehender IT in die Cloud Insbesondere für die Anwender der Logistics Mall stellt sich die Frage, wie die im Unternehmen bereits vorhandene und die auf der Logistics Mall erworbene IT miteinander verknüpft werden müssen. Wie sieht die Vorgehensweise aus, d. h. gibt es für Sie bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um Ihre bereits vorhandene Software mit neuer Software aus der Logistics Mall zu verbinden? Welche Szenarien sind denkbar? Die performante Verbindung zwischen weiterhin intern betriebenen Systemen und Cloud-Computing-Lösungen gehört im Bereich der Logistik-Software und -Prozesse zu den größten Herausforderungen im Cloud Computing. Gerade dort, wo von Spezialisten sehr intensiv mit IT-Lösungen geplant und gearbeitet wird, werden Performance- oder Komfortverluste den Unternehmen und Spezialisten nur schwer zu vermitteln sein. Datenanbindungen, Schnittstellen und Speichermedien werden hier entsprechend weiter zu entwickeln sein. Den Skeptikern allerdings sei gesagt: Verteilte Anwendungen sind kein originäres oder neues Problem des Cloud Computing. Schon heute arbeiten Unternehmen erfolgreich mit Systemen, die Daten aus überregional verteilten, heterogenen Systemen beziehen und verarbeiten. logistics.de Seite 7

8 Frage 6: Realisierung von Schnittstellen Ein wichtiger Prozess in der Cloud ist die Realisierung von Schnittstellen zu 3rd Party Software. Dies dient dem Ziel, Services unterschiedlicher Hersteller zu kundenindividuellen Geschäftsprozessen zu verknüpfen (orchestrieren). In welchen Bereichen liegt aus markttechnischer Sicht das Hauptpotential solcher Schnittstellen und in welchen Bereichen scheint es demnach für die Logistics Mall sinnvoll, orchestrierbare Dienste anzubieten? Wie sieht die Vorgehensweise bzw. die Identifikation einer solchen Realisierung von Schnittstellen aus und welche Szenarien sind vorstellbar? Das Internet und die Diskussion um serviceorientierte IT- Architekturen (SOA) hat die Entwicklung neuer Schnittstellentechnologien bereits extrem vorangetrieben. Fast alle Hersteller von Unternehmenssoftware sind in der Lage, ihre Produkte in IT-Landschaften zu integrieren und über Web Services oder Schnittstellen miteinander zu vernetzen. In frühen Ausbaustufen werden Hersteller kooperieren, um ihren Kunden durch das Zusammenspiel ihrer Softwarekomponenten Komplettlösungen anbieten zu können bzw. über solche Angebote zu neuen Kunden zu kommen. Solche Kooperationen gibt es ja bereits jetzt. In der späteren Ausbaustufe der Logistics Mall sollte es den Kunden möglich sein, verschiedene Softwarepakete zu Systemen zusammenzustellen und deren Datenaustausch via Wizard-ähnlichen Tools zu parametrisieren. Das wird ein langer Weg werden, aber es gibt auch ein paar Faktoren, die dies erleichtern. So sprechen wir hier ja von Anwendungen, die zentral in Rechenzentren betreut werden. Zudem sind Cloud-Computing-Anwendungen standardisierter und weisen damit deutlich einheitlichere Datenstrukturen auf. Vielen Dank für das Interview! logistics.de Seite 8

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