Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.v.

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1 Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.v. Kurzfassung des Abschlussberichtes Evaluation und Wirkungsanalyse der Beratungsstelle für Menschen mit Demenz und deren Angehörige der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.v. in Kooperation mit Facharztpraxen Gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg Dr. C. Ehlers, Verw. Prof., HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Fachgebiet Case Management, Brühl 20,31137 Hildesheim, Tel: , 1

2 Dr. M. Huchthausen, Verw. Prof., HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Fachgebiet Didaktik & Methodik, Hohnsen 1,31137 Hildesheim, Tel: , 2

3 1. Einleitung Rahmenbedingungen der Ausgangssituation Die Versorgung demenziell erkrankter Menschen wird - im Rahmen der demographischen Entwicklung - eine der zentralen Herausforderungen für soziale, pflegerische und medizinische Versorgungssysteme darstellen. Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg hat mit dem Projekt Ein Kooperationsmodell der Zukunft - Enge Verzahnung von psychiatrischfachärztlicher Versorgung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen und psychosozialer Beratung ein Modell gestaltet, das Potentiale einer landesweiten Verbreitung in sich trägt. Seit 2008 existiert die Beratungsstelle für Menschen mit Demenz in Strausberg in Trägerschaft der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.v., die an zwei Facharztpraxen für Neurologie und Psychiatrie angegliedert ist und mit weiteren zwei MedizinerInnen kooperiert. Durch die enge Kooperation zwischen ÄrztInnen, PraxismitarbeiterInnen und SozialarbeiterInnen wurde ein Angebot geschaffen, mit dem eine Verknüpfung von ärztlicher Versorgung und psychosozialer Beratung realisiert wird. Ziel dieses Beratungsansatzes ist es, durch Unterstützungsleistungen für Angehörige die Lebensqualität von Erkrankten und Angehörigen zu steigern und so den Verbleib demenziell Erkrankter in der häuslichen Umgebung zu verlängern. Durch eine enge Kooperation zwischen ÄrztInnen und BeraterInnen können ein guter Zugang zur Beratung initiiert sowie eine kontinuierliche Begleitung der AdressatInnen realisiert werden. Die Umsetzung dieser Ziele, wurde in einem mehrschichtigen Evaluationsverfahren von September bis Dezember 2011 analysiert. Im Rahmen der Evaluation wurden zum einen Daten zur Beschreibung der Beratungsrahmenbedingungen erhoben (quantitative Dokumentenanalyse Stichprobe aus 400 Beratungsprotokollen), zum anderen Einsichten in die Wirkungs- und Funktionsweisen der Beratungsprozesse (qualitative ExpertInneninterviews, N = 12) gewonnen. Anzumerken ist, dass die hier vorgestellten Evaluationsergebnisse aufgrund der zeitlichen und formalen Struktur der Evaluation lediglich als Tendenzwerte einzuschätzen sind. 2. Ergebnisse der Evaluation des Beratungsprojekts Die Analyse der Beratungsformate machte deutlich, dass diese überwiegend in einer Mischform zwischen face-to-face und telefonischer Beratung stattfand. Überraschend war die durchschnittliche Länge der Gesamt-Beratung von 21,9 Monaten und 19,2 Sitzungen.Im Durchschnitt ließen sich die Ratsuchenden 12,6 Mal persönlich, 6,7 Mal telefonisch und 9,0 Mal per beraten. Dies legt die Schlussfolgerung nahe, dass die Beratung nicht überwiegend informationsbasiert als Kurzzeitberatungskonzept erfolgen kann, sondern auf eine langfristige Betreuung und Begleitung der Angehörigen ausgerichtet sein muss. In der Beratung standen vor allem Themen des Umgangs und der Kommunikation mit den Erkrankten im Vordergrund. Die BeratungsnehmerInnen waren zum Erhebungszeitpunkt zwischen 62 und 85 Jahre alt. Im Durchschnitt lag ihr Alter bei 76,4 Jahren. Die Erkrankten zeigten neben der diagnostizierten Alzheimer Erkrankung in 67,5% weitere Erkrankungen, sodass die Multimorbidität im Beratungsalltag eine zentrale Rolle einnimmt und zu vermuten ist, dass dieses Thema auch weiterhin Raum in der Beratung einnehmen wird. 3

4 Darüber hinaus wird in der Analyse der Interviews die Notwendigkeit einer ausgeprägten Sozialkompetenz der BeraterInnen deutlich. Jedoch wird nicht nur die Beratung durch die SozialarbeiterInnen von den BeratungsnehmerInnen unterstützend empfunden, auch der Austausch mit den Peers im Rahmen der Angehörigengruppen erleben die Befragten als große Unterstützung und Entlastung. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass das Beratungsangebot seine stärkste Verbreitung durch Empfehlungen (sei es durch ÄrztInnen oder durch Mund-zu-Mund- Propaganda ) erlangt. Von den interviewten kooperierenden ÄrztInnen wird als wichtiges Ausbau-Anliegen formuliert, den Kreis der an dem Projekt beteiligten MedizinerInnen zu erweitern und das Beratungs-Modell zu übertragen Dieser Ausbau wird jedoch auch mit Hindernissen verbunden sein. Nach den Erfahrungen der befragten ÄrztInnen zufolge sind viele MedizinerInnen sehr skeptisch dahingehend, ob die Mitarbeit an dem Projekt finanziell abgesichert wäre und, was noch wichtiger ist, ob sie nicht eine deutliche Mehrbelastung darstellen würde: Also ganz große Skepsis vor der Kooperation aus Angst, dass daraus wieder mehr Arbeit wird, wieder mehr Bürokratie. Obwohl es ja eigentlich - aus meiner Erfahrung - eher umgekehrt ist (Interview Ärztin 1, S. 3, Z ). So berichten die befragten ÄrztInnen davon, dass sie soziale Beratungsthemen im Rahmen der Kooperation nun an die SozialarbeiterInnen übertragen könnten, was eine deutliche Zeitersparnis und eine generelle Arbeitserleichterung im beruflichen Alltag bedeuten würde. Zudem können sozialrechtliche oder organisatorische Fragestellungen von den BeraterInnen inhaltlich qualifizierter beantwortet werden, so dass eine bessere Trennung von medizinischen und sozialen Themen erfolgen und beide Themen von den ExpertInnen qualifiziert bearbeitet werden können. Ein weiteres spannendes und auch unerwartetes Erfolgsergebnis konnte aus den Interviews mit den kooperierenden MedizinerInnen entnommen werden. Diese gaben an, durch das Beratungsangebot einen deutlich geringeren Verbrauch von Psychopharmaka und Neuroleptika bei den an Demenz erkrankten wahrzunehmen und auch einen längeren Verbleib dieser im häuslichen Umfeld zu beobachten. Dies müsste in weiteren Studien konkretisiert werden. Von Seiten der Beratungs-NutzerInnen wurde hinsichtlich der Qualität der Beratung deutlich, dass die Angehörigen mit dem Beratungsangebot und den BeraterInnen hoch zufrieden waren. Sozial- und Fachkompetenz sowie Wertschätzung und Geduld konnten als Qualitätskriterien für eine gelungene Beratung identifiziert werden. Außerdem lässt sich schlussfolgern, dass der Mix aus individuellen Beratungssitzungen und Formen der Gruppenarbeit zu einer hohen Zufriedenheit der befragten Beratungs- NutzerInnen geführt haben. Die befragten Beratungs-NutzerInnen berichteten insbesondere von Erfolgen des Beratungsangebots hinsichtlich: einer Steigerung der Lebensqualität einer Entspannung auf emotionaler Ebene und einer Reduktion von Stress sowie von einem Abbau an aggressiven Verhaltensweisen einem längeren Verbleib in der Häuslichkeit. 4

5 3. Fazit und Empfehlungen Neben den soeben dargestellten Erkenntnissen über das Beratungsprojekt konnten Empfehlungen für die weitere Forschungsarbeit, aber auch die konzeptionelle Weiterentwicklung gewonnen werden. Kooperationsmodelle zur ärztlichen und psychosozialen Versorgung unter Berücksichtigung von flexiblen und mobilen Beratungsangeboten (aufsuchende Arbeit durch Hausbesuche, Gruppenarabeit) sowie individueller Entlastung und Unterstützung durch ehrenamtliche HelferInnen werden zukünftig zur Sicherstellung der Versorgung der vulnerablen Zielgruppe - Menschen mit demenziellen Erkrankungen einen bedeutenden Baustein darstellen. Eine in diesem Zusammenhang stehende Delegation von ärztlichen Leistungen im Rahmen der Beratung und Begleitung erfordert eine weitere Analyse der Erwartungen, die die ÄrztInnen an Kooperationsbeziehungen haben. Aus den Ergebnissen lässt sich schlussfolgern, dass mehr MedizinerInnen zu einer Kooperation mit solchen Beratungsangeboten motiviert werden könnten, wenn ihnen der beschriebene Nutzen verdeutlicht und die Angst anfallender Mehrbelastung genommen werden könnte. Dies müsste weiter erforscht werden, jedoch sollten die bisherigen Erkenntnisse in zielgruppenspezifischen Informationen (sei es in Form von Broschüren oder in Form von Veranstaltungen) für die MedizinerInnen gestaltet werden. Über Optimierung von Versorgungstrukturen hinaus sollten auf der Prozessebene Standards für die Beratungs- und Betreuungspraxis von demenziell Erkrankten entwickelt werden. Solche interdisziplinären Beratungsleitfäden dienen zum einen Betroffenen und ihren Angehörigen zur Orientierung über ärztliche und psychosoziale Betreuungs- und Beratungsangebote. Auf der anderen Seite bieten die Leitfäden den professionellen HelferInnen eine Grundlage zum Aufbau von Kooperationsbeziehungen. 5

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