Epicondylopathia radialis humeri

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1 AWMF online Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO) AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/019 Entwicklungsstufe: 1 Zitierbare Quelle: Dt. Ges. f. Orthopädie und orthopäd. Chirurgie + BV d. Ärzte f. Orthopädie (Hrsg.) Leitlinien der Orthopädie, Dt. Ärzte-Verlag, 2. Auflage, Köln 2002 Epicondylopathia radialis humeri Synonyme: Tennisellenbogen, Epicondylitis radialis humeri Schlüsselwörter: Epikondylopathie, Epicondylitis, Tennisellenbogen, Denervierung Definition Eine Epicondylopathia radialis humeri ist ein erworbener schmerzhafter Reizzustand im Bereich des Epicondylus radialis humeri am Ursprung der Strecksehnen. Ätiologie, Pathogenese, Pathophysiologie Ätiologie und Pathogenese Akute oder chronische lokale Überlastung, z.b. durch ungewohnte manuelle Tätigkeit, gelegentlich ohne fassbare Ursache. Pathophysiologie Auflockerung der räumlich geordneten Kollagenfibrillenbündel, dann Aufspleißung der Kollagenfibrillen und im späteren Verlauf Verquellung der Kollagenfasern.

2 Klassifikation Medizinische Schlüsselsysteme ICD-10 M77.1Epicondylitis humeri radialism77.9nicht näher bezeichnete Enthesiopathien Anamnese Spezielle Anamnese Schmerzen: Lokalisation, Schmerzausstrahlung, Belastungsabhängigkeit Funktionseinschränkung: Hand-, Armkraft, Unterarmumwendbewegung Frühere Erkrankungen: vorherige konservative oder operative Behandlung, Unfälle, Gelenkerkrankung Allgemeinerkrankungen Familienanamnese Sozialanamnese: Beruf Diagnostik Klinische Diagnostik Inspektion meist unauffällig Beurteilung druckschmerzhafter Punkte Beurteilung des Bewegungsschmerzes, einschließlich Provokationstests (Pronation und Handgelenkstreckung gegen Widerstand) Beurteilung des Ellenbogengelenkes und der HWS Beurteilung von Finger-, Hand- und Schultergelenk sowie HWS Beurteilung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität, einschließlich Nervenengpasszeichen (z.b. Supinator-Tunnelsyndrom) Apparative Diagnostik Notwendige apparative Untersuchung Röntgen Ellenbogengelenk in 2 Ebenen (zur Differentialdiagnose) Im Einzelfall nützliche apparative Untersuchungen Röntgen HWS EMG, NLG Häufige Differentialdiagnosen

3 Zervikalsyndrom Nervenkompressionssyndrom Supinatorschlitz-Syndrom Pronator-teres-Syndrom Subakromialsyndrom (SAS) Arthrose des Ellenbogengelenks Osteonekrose Freier Gelenkkörper Therapie Ziele sind Beschwerdefreiheit, Schmerzreduktion und Funktionsgewinn. Konservative Therapie Beratung Aufklärung über die Erkrankung, deren natürlichen Verlauf sowie Therapiemöglichkeiten Aufklärung über Möglichkeiten der Reduktion und Vermeidung von Überanstrengung und Fehlbelastung in Alltagsleben, Beruf und Sport Medikamentöse Therapie Zur Schmerzreduktion stehen systemische und lokal anzuwendende Substanzen zur Auswahl: Antiphlogistika (NSAR) Injektionstherapie (Lokalanästhetika; Steroide, cave: Fettgewebsnekrose) Physikalische Therapie Kälte (Eis im akuten Stadium, evtl. Kälte-Gele) Wärme (Packung) im chronischen Stadium Querfriktion, Dehnungsübungen Detonisierende Massage Elektrotherapie Sonophorese Ultraschall Extrakorporale Stoßwelle (Indikation und Wertigkeit des Verfahrens werden weiter evaluiert) Orthopädietechnik Epicondylitisbandage Verbände und Mahnbandagen Operative Therapie

4 Allgemeine Indikationskriterien Beschwerdepersistenz trotz konservativer Therapie (inkl. ESW) mit entsprechendem Leidensdruck. Häufige Operationsverfahren Ursprungsnahe Einkerbung der Extensorensehnen nach Hohmann Denervierung am Epicondylus radialis humeri nach Wilhelm (ggf. endoskopisch) Ggf. zusätzlich Dekompression des Supinatorschlitzes bei gegebener Irritation Mögliche Folgen und Komplikationen Allgemeine Risiken und Komplikationen: Wundheilungsstörung, Wundinfekt, Hämatom, Gefäßverletzung, Nervenverletzung, Schmerzpersistenz Postoperative Maßnahmen Frühfunktionelle Behandlung, Wundkontrolle Stufenschema Therapeutisches Vorgehen Orientierungskriterien Schmerz, Leidensdruck, Ausmaß der Funktions- und Belastungsbehinderung, Therapieresistenz Prognose Stufe 1 ambulant Beratung, Medikamente, physikalische Therapie, orthopädietechnische Maßnahmen, Injektionstherapie Stufe 2 ambulant/stationär Beratung, Operation, evtl. ESW Die Prognose hinsichtlich des natürlichen Verlaufes bei nichtchronifizierten Krankheitsbildern ist günstig, wenn auch mit einer oft mehrmonatigen schmerzhaften Bewegungs- und vor allem Belastungsbeeinträchtigung gerechnet werden muss. Mit medikamentöser und physikalischer Therapie sowie Infiltrationsbehandlung ist in vielen Fällen eine Beschwerdebeseitigung möglich. Die Literatur bezüglich eines wissenschaftlichen Nachweises für die Wirksamkeit konservativer Therapieverfahren ist kontrovers, es existieren wenige valide kontrollierte Studien. Ein Teil der Epicondylopathien geht in einen chronifizierten Verlauf über. Prävention Vermeidung der Überlastung und Fehlbelastung, ergonomische Arbeitsbedingungen Literatur: Verfahren zur Konsensbildung:

5 Expertengruppe der Dt. Ges. f. Orthopädie und orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie Autor: G. Dahmen Koautoren: S. Best W. Siebert A. Reichelt Erstellungsdatum: August 1998 Überarbeitung: 01. April 2002 Überprüfung geplant: Zurück zum Index Leitlinien Orthopädie Zurück zur Liste der Leitlinien Zurück zur AWMF-Leitseite

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