Versorgungslage Orthopädische Rheumatologie

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1 Versorgungslage Orthopädische Rheumatologie Friedrichs, A., Stritter, W., Strahl, A. & Morfeld, M. Hochschule Magdeburg Stendal Hintergrund In Deutschland wird im Gegensatz zum europäischen Ausland ein eigener Rheuma Begriff zugrunde gelegt. Dieser fokussiert fast ausschließlich auf entzündliche Gelenk- und Weichteilerkrankungen, die in die Behandlungshoheit der inneren Medizin fallen. Aus europäischer Perspektive zählen zum Rheumabegriff jedoch auch die degenerativen Erkrankungen, die hauptsächlich von Orthopäden versorgt und behandelt werden. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2008 das Memorandum Rheumatologische Versorgung von akut und chronisch Rheumakranken in Deutschland von Prof. Raspe und Kollegen zum zweiten Mal nach 1996 in aktualisierter Form veröffentlicht. Hierin wurde einerseits eine deutliche Unterversorgung der Rheumapatienten festgestellt. Auf der anderen Seite wurde die Versorgung dieser Patienten durch Orthopäden und Orthopädische Rheumatologen nicht berücksichtigt und die Versorgung durch Internisten thematisiert. Ferner wurde darin angeregt, die orthopädischen Aspekte der rheumatologischen Versorgung angemessen abzubilden. Diese Anregung wurde durch den Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und der Assoziation Rheuma Orthopädie (ARO) in Kooperation mit der Hochschule Magdeburg- Stendal und der Hochschule Köln aufgegriffen. Ziel ist die Erstellung eines Memorandums das die Versorgung in der Orthopädischen Rheumatologie abbildet. Fragestellung Wie sieht die tatsächliche orthopädisch-fachärztliche Versorgung orthopädisch rheumatologischer Patienten in Deutschland aus? Wie viele Orthopäden werden für eine zufriedenstellende Versorgung dieser Patientenbenötigt? Wie kann die Versorgungsqualität aus Sicht der niedergelassenen Fachärzte und Kliniker verbessert werden? Inwieweit ist der europäische Rheumabegriff bereits in Deutschland implementiert? Methode 1. Quantitative Datenerhebung zur Versorgung orthopädisch-rheumatologischer Patienten mittels Fragebogen für die im BVOU vereinigten niedergelassenen Orthopäden und Orthopädischen Rheumatologen. 2.Quantitative Datenerhebung zur Versorgung orthopädisch-rheumatologischer Patienten mittels Fragebogen für die Akut-, Universitäts- und Rehabilitationskliniken. 3.Literaturrecherche zu europäischen Ausbildungsgängen der internistischen und orthopädischen Rheumatologen. Die Aufnahme der quantitativen Daten erfolgt über PASW. Die Anonymisierung der erhobenen Daten ist gewährleistet, da in den Fragebögen keine personenbezogenen Angaben zu machen sind. Antizipierte Ergebnisse Abgebildet werden Versorgungsdefizite bei orthopädisch-rheumatologischen Patienten hinsichtlich des Behandlungsaufwandes sowie der suboptimalen Zusammenarbeit zwischen Internistischen und Orthopädischen Rheumatologen. Ferner wird der Bedarf der Verschreibung von Biologika wie TNF- Alpha- Antagonisten durch die Orthopäden und Orthopädischen Rheumatologen ermittelt. Ausbildungsgänge in der deutschen Rheumatologie folgen weniger dem europäischem Vorbild des integrativen Rheumaarztes was bedeutet, dass der europäische Rheumabegriff noch nicht vollständig umgesetzt ist. Dies erkennt man ebenso an der fehlenden Kooperation zwischen dem Internistischen und dem Orthopädischen Rheumatologen sowie der fehlenden Umsetzung der, von der EULAR vorgegebenen Definition der rheumatologischen Erkrankungen als Gesamtheit aller entzündlichen, degenerativen und funktionellen Krankheiten des muskuloskeletalen Systems. Diskussion Einerseits liegt eine Unterversorgung der orthopädisch-rheumatologischen sowie der internistisch-rheumatologischen Patienten vor. Andererseits wird der umfassende europäische Rheumabegriff nicht vollständig in Deutschland umgesetzt. Indem man dieses Verständnis weiter implementiert und die deutschen Ausbildungsgänge an die europäischen angleicht, könnte eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Orthopäden und Internisten erreicht werden. Dies hätte zur Folge, dass mehr Zeit für die Versorgung der Patienten bleiben würde, diese weniger lang auf einen Termin warten müssten, schneller behandelt werden würden und die Qualität der Versorgung insgesamt steigen würde. Literatur Raspe, R. et al. (2008). Memorandum- Rheumatologische Versorgung von akut und chronisch Rheumakranken in Deutschland. (Onlinequelle Kontakt

2 Versorgungslage in der Orthopädischen Rheumatologie A. Friedrichs, W. Stritter, A. Strahl, Prof. Dr. M. Morfeld HS Magdeburg-Stendal, Stendal, 1 Hintergrund Das Verständnis von rheumatologischen Erkrankungen ist in Deutschland ein anderes als im übrigen Europa. Der deutsche Rheumabegriff fokussiert fast ausschließlich auf entzündliche Gelenk- und Weichteilerkrankungen und fällt infolge dessen in die Behandlungshoheit der Inneren Medizin. Aus der europäischen Perspektive zählen zusätzlich zu diesem Rheumabegriff jedoch auch die degenerativen und funktionellen Erkrankungen, die hauptsächlich von Orthopäden versorgt und behandelt werden. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2008 das Memorandum Rheumatologische Versorgung von akut und chronisch Rheumakranken in Deutschland von Prof. Raspe und Kollegen zum zweiten Mal nach 1996 in aktualisierter Form veröffentlicht. Darin wurde einerseits eine deutliche Unterversorgung der Rheumapatienten festgestellt. Andererseits wurde lediglich die Versorgung dieser Patienten durch Internisten und Internistische Rheumatologen erfasst, nicht jedoch die durch die Orthopäden und Orthopädischen Rheumatologen. Dabei wurde angeregt durch weitergehende Forschung, die orthopädischen Aspekte der rheumatologischen Versorgung ebenfalls angemessen abzubilden. Diese Anregung wurde durch den Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und der Assoziation Rheuma Orthopädie (ARO) in Kooperation mit der Hochschule Magdeburg- Stendal und der Hochschule Köln aufgegriffen. Ziel ist die Erstellung eines Memorandums, das die Situation der Versorgung in der Orthopädischen Rheumatologie im niedergelassenen sowie im klinischen Bereich abbildet. 2 Fragestellung Wie sieht die tatsächliche orthopädisch-fachärztliche Versorgung orthopädischrheumatologischer Patienten in der niedergelassenen Praxis sowie im klinischen Setting in Deutschland aus? Wie viele Orthopäden werden für eine zufriedenstellende Versorgung der Patienten benötigt? Wie kann die Versorgungsqualität aus Sicht der niedergelassenen Fachärzte und Kliniker verbessert werden? Wie strukturiert sich die universitäre Ausbildung der Orthopädie unter rheumatologischen Aspekten? Fachhochschule Schmalkalden 1

3 Inwieweit ist der europäische Rheumabegriff bereits in Deutschland implementiert? 3 Methode Das Untersuchungsvorhaben gliedert sich in: 1. Quantitative Datenerhebung zur Versorgung orthopädisch-rheumatologischer Patienten mittels Fragebogen an die im BVOU organisierten, niedergelassenen Orthopäden und Orthopädischen Rheumatologen. 2. Quantitative Datenerhebung zur Versorgung orthopädischrheumatologischer Patienten mittels Fragebogen an die Akut-, Universitäts- und Rehabilitationskliniken. 3. Literaturrecherche zu europäischen Ausbildungsgängen der internistischen und orthopädischen Rheumatologen. Die Fragebögen erfassen jeweils den medizinischen Versorgungsverlauf der orthopädisch-rheumatologischen Patienten bezüglich ihrer Zuweisung und Mitbehandlung durch verschiedene Fachärzte, die Anzahl der Erstkontakte aller Patienten sowie die individuellen Weiterbehandlungskontakte, den geschätzten und optimalen Zeitaufwandes pro Behandlung sowie der Wartezeit bis zum Behandlungstermin. Dies wird für folgende Diagnosegruppen erhoben: Entzündlich rheumatische Gelenkerkrankungen, z.b. rheumatoide Arthritis; Arthrosen der großen und kleinen Gelenke; Systemerkrankungen des Bindegewebes, z.b. Kollagenosen; degenerative und nicht-entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen; Veränderungen der Knochendichte und -struktur, z.b. Osteoporose; funktionelle Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und Bindegewebes, z.b. funktionelle psychosomatische. Krankheiten wie Fibromyalgie-Syndrom sowie sonstige Erkrankungen, z. B. angeborene Fehlbildungen. Des Weiteren soll die Kooperation mit Allgemeinmedizinern, Internisten/ Internistischen Rheumatologen, Physio-/ Ergotherapeuten, Rehabilitationseinrichtungen und Selbsthilfegruppen eingeschätzt werden. Zusätzliche Fragenkomplexe beinhalten die Medikamentenverordnung sowie die Einschätzung der Qualität der Behandlung hinsichtlich Wartezeit bis zum Termin, Behandlungsmethoden, Zeitaufwand pro Patient und leitliniengetreuem Arbeiten. Die Unterstützung der Behandlungssicherheit wird über Kongresse, Fortbildungsveranstaltungen, Informationen über BVOU und DGOOC wie z. B. zu leitliniengerechter Versorgung, Betreuungsangebote durch Herstellerfirmen, Mitarbeit und Einbindung in Qualitätszirkeln und Netzen sowie Versorgungsforschung wie z. B. routinemäßige Erhebung und Zusammenfassung von Versorgungsdaten erfasst. 11. Nachwuchswissenschaftlerkonferenz 14. April

4 Der Fragebogen für die Akut- und Universitätskliniken erfasst zusätzlich die Häufigkeit der verschiedenen operativen und konservativen Interventionsformen aufgeschlüsselt nach ambulanter und stationärer Behandlung. Qualitätskriterien der einzelnen Häuser sollen über die zeitliche Aufwendung zur Qualitätssicherung und Fortbildung, Zertifizierung der Klinik sowie das Vorhandensein von Ambulanzen und Schmerzmanagement erfasst werden. Im Fragebogen der Universitätskliniken werden sowohl die theoretischen als auch die praktischen Aspekte der studentischen orthopädisch-rheumatologischen Ausbildung erfasst. Dies geschieht anhand der Stundenzahlen (Pflicht/ fakultativ), der studentischen Gruppengröße, der Kooperation mit den internistischen Rheumatologen und etwaiger Veränderungen seit der neuen Approbationsordnung für Ärzte Neben strukturellen organisatorischen Fragen gibt es Fragen zu Forschungsprojekten und zur Anwendung des europäischen Rheumabegriffes. Der Fragebogen der Rehabilitationskliniken orientiert sich an dem der Akutund Universitätskliniken und fokussiert auf zusätzliche Aspekte bezüglich der besonderen deutschen rehabiltativen Versorgung. Die Aufnahme der quantitativen Daten erfolgt über PASW. Da in den Fragebogen keine personenbezogenen Angaben gemacht werden, ist die Anonymisierung gewährleistet. 4 Antizipierte Ergebnisse Abgebildet werden voraussichtlich Versorgungsdefizite bei orthopädischrheumatologischen Patienten hinsichtlich des Behandlungsaufwandes sowie der Zusammenarbeit zwischen internistischen und orthopädischen Rheumatologen. Darüber hinaus wird der Bedarf der Verschreibung von Biologika wie TNF- Alpha- Antagonisten durch die Orthopäden und orthopädischen Rheumatologen aufgezeigt. Ausbildungsgänge in der deutschen Rheumatologie folgen weniger dem europäischen Vorbild des integrativen Rheumaarztes, da hierzulande streng nach internistischer und orthopädischer Rheumatologieausbildung getrennt wird. Gleiches gilt ebenso für die entsprechende Unterscheidung in entzündliche rheumatische Erkrankungen einerseits und andererseits die degenerativen und funktionellen Rheumaerkrankungen. Dies bedeutet, dass der europäische Rheumabegriff, der sowohl entzündliche, degenerative und funktionelle rheumatische Erkrankungen beinhaltet, noch nicht vollständig umgesetzt ist. Dies leitet sich aus der fehlenden Kooperation zwischen dem Internistischen und dem Orthopädischen Rheumatologen sowie der fehlenden Umsetzung der, von der EULAR als die europäische Fachgesellschaft vorgegebenen Definition der rheumatologischen Erkrankungen als Gesamtheit aller entzündlichen, degenerativen und funktionellen Krankheiten des muskuloskeletalen Systems ab. Fachhochschule Schmalkalden 3

5 5 Diskussion Da die Datenerhebung noch nicht abgeschlossen ist, lassen sich Ergebnisse hier nur andeuten. Dennoch berichten Prof. Raspe und Kollegen im Jahr 2008 in ihrem Memorandum Rheumatologische Versorgung von akut und chronisch Rheumakranken in Deutschland eine deutliche Unterversorgung der rheumatologischen Patienten durch Internisten bzw. internistische Rheumatologen. Im Memorandum Versorgung in der Orthopädischen Rheumatologie wird ebenfalls eine vermutliche Unterversorgung der Patienten durch Orthopäden bzw. Orthopädische Rheumatologen erfasst. Die Unterversorgung ist gekennzeichnet durch den Fachärztemangel und damit einhergehend die fehlende Zeit zur Behandlung der orthopädisch-rheumatologischen Patienten. Des Weiteren zeichnet sich ab, dass die Kooperation zwischen Internisten und Orthopäden ausbaufähig ist. Vor allem bei der Verordnung neuerer Medikamente aus dem Bereich der Biologika und bei der engeren Vernetzung der Behandlung könnte eine effektivere Behandlung gesichert und Zeit gespart werden. Hinsichtlich des europäischen Rheumabegriffes könnte sich feststellen lassen, dass dieser noch nicht hinreichend in Lehre und Praxis umgesetzt wird. Indem jedoch das europäische Verständnis weiter implementiert wird, bestünde die Möglichkeit der Vereinheitlichung bzw. Angleichung der deutschen Ausbildungsgänge an das europäische Vorbild. Dies könnte zu einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Orthopäden und Internisten führen bzw. die strikte Trennung in der Rheumabehandlung aufheben. Als direkte Folge würde mehr Zeit für die Behandlung rheumatologischer Patienten zur Verfügung stehen. Patienten könnten früher Termine bekommen und würden schneller und optimaler behandelt, was den Genesungserfolg sichern würde. Insgesamt würde dadurch die Qualität der Versorgung rheumatologischer Patienten steigen. Literatur [1] Raspe, R. et al. (2008). Memorandum- Rheumatologische Versorgung von akut und chronisch Rheumakranken in Deutschland. (Onlinequelle: Nachwuchswissenschaftlerkonferenz 14. April

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