4.1 Grundlagen der psychologischen Diagnostik. Wintersemester 2008 / 2009 Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) Frau Prof. Dr. Gabriele Helga Franke

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1 4.1 Grundlagen der psychologischen Diagnostik Wintersemester 2008 / 2009 Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) Frau Prof. Dr. Gabriele Helga Franke

2 1 Einleitung 1.1 Psychodiagnostik in der Praxis: State of the Art? Wie wird heute in der psychologischen Diagnostik gearbeitet? 1.2 Psychologische Aufgaben in der medizinischen Rehabilitation Welche Anforderungen hat die rehabilitationspsychologische Berufspraxis? 2

3 Roth & Herzberg (2008) Klinische Diagnostik und Evaluation, 1, 5-18 PSYCHODIAGNOSTIK IN DER PRAXIS: STATE OF THE ART? 3

4 Psychodiagnostik in der Praxis (Roth & Herzberg, 2008) Befragung von in Deutschland praktisch tätigen Psychologinnen und Psychologen über ihre psychodiagnostische Praxis Anonyme Befragung per Zufall ausgesuchter Mitglieder des BDP (Bund Deutscher Psychologinnen und Psychologen) Bis zum Stichtag ( ) gab es 398 Antworten 4

5 Stichprobenbeschreibung Arbeitsbereiche (Mehrfachnennungen waren möglich) Prozentualer Anteil Klinische Psychologie 72,5% Gesundheitspsychologie 12,1% Pädagogische Psychologie 19,1% Arbeits- und Organisationspsychologie 16,9% Forensische Psychologie 10,1% Verkehrspsychologie 3,8% Forschung 3,8% Andere Bereiche 9,0% 5

6 Anteil der Psychodiagnostik an der Arbeit in % Arbeitsbereiche (Mehrfachnennungen waren möglich) Prozentualer Anteil Klinische Psychologie 24,4% Gesundheitspsychologie 26,2% Pädagogische Psychologie 29,0% Arbeits- und Organisationspsychologie 30,3% Forensische Psychologie 44,1% Verkehrspsychologie 44,1% Andere Bereiche 30,8% 6

7 Unterschiedliche diagnostische Methoden Verfahrensgruppe Bewertung M (SD) Exploratives Gespräch 4,5 (1,0) Verhaltensbeobachtung 3,8 (1,5) Persönlichkeitstests 2,6 (1,4) Intelligenztests 2,4 (1,4) Rollenspiel 2,4 (1,3) Leistungstests 2,3 (1,4) Klinische Verfahren (Erwachsene) 2,2 (1,5) Strukturiertes Interview 2,2 (1,4) Wie häufig setzen Sie diese spezielle psychodiagnostische Methode ein? 1 = sehr selten/nie, 2 = selten, 3 = gelegentlich, 4 = oft, 5 = sehr häufig/immer 7

8 Liste der verwendeten psychodiagnostischen Verfahren Verfahren Rang Freiburger Persönlichkeitsinventar, FPI-R 1 Grundintelligenztest, CFT 2 Becks Depressionsinventar, BDI, BDI-II 3 Symptom-Checkliste, SCL-90-R 4 Aufmerksamkeits-Belastungstest, d2 5 Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder, HAWIK-III, HAWIK-IV 6 Standard Progressive Matrizen, SPM 7 Strukturierte klinisches Interview, SKID 8 Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene, WIE 8 Kaufman Assessment Battery for Children, K-ABC 9 Angstfragebogen für Schüler, AFS 10 8

9 Hitliste der Routineverfahren Verfahren Rang Symptom-Checkliste, SCL-90-R 1 Becks Depressionsinventar, BDI, BDI-II 2 Freiburger Persönlichkeitsinventar, FPI-R 2 Strukturiertes Klinisches Interview, SKID-I, SKID-II 3 Child Behavior Checklist, CBCL, YSR 4 Grundintelligenztest, CFT-20-R 4 Aufmerksamkeits-Belastungstest, d2 4 Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Kinder, HAWIK-III, HAWIK-IV 4 Gießen-Test, GT 5 Kaufmann Assessment Battery for Children, K-ABC 6 9

10 Anschaffungskosten der Routineverfahren Verfahren Symptom-Checkliste, SCL-90-R 96,-- Becks Depressionsinventar, BDI, BDI-II 60,-- Freiburger Persönlichkeitsinventar, FPI-R 99,-- Strukturiertes Klinisches Interview, SKID-I, SKID-II 99,-- Child Behavior Checklist, CBCL, YSR 79,15 86,70 Grundintelligenztest, CFT-20-R 166,-- Aufmerksamkeits-Belastungstest, d2 88,-- Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Kinder, HAWIK-III, HAWIK-IV 887, ,-- Gießen-Test, GT 83,-- Kaufmann Assessment Battery for Children, K-ABC 969,70 10

11 Worringen, U. (2004), internes Papier der BfA Bearbeitet von Gabriele Helga Franke PSYCHOLOGISCHE AUFGABEN IN DER MEDIZINISCHEN REHABILITATION 11

12 Psychologisches Aufgabengebiet in der Rehabilitation Auf indikationsspezifische Besonderheiten der psychologischen Tätigkeit bei der Rehabilitation in den folgenden Bereichen wird nicht eingegangen: Abhängigkeitserkrankungen Kinder und Jugendliche sowie Neurologische Rehabilitation Psychosomatische Rehabilitation 12

13 Psychologisches Aufgabengebiet in der Rehabilitation 1. Psychologische Diagnostik 2. Psychologische Intervention (Einzel- und Gruppenprogramme) 3. Mitwirkung am Gesundheitstraining 4. Dokumentation 5. Sonderaufgaben (z.b. interne Qualitätssicherung, Mitarbeiterfortbildung) 6. Psychologische Berufsgruppen 13

14 1. Psychologische Diagnostik Folgende Aspekte können von psychologischer Seite zu prüfen sein: 1. Psychosoziale Belastungs-, Schutz und Risikofaktoren, die die Entstehung bzw. das Erscheinungsbild der Krankheit(sfolgen) beeinflussen und sich insbesondere auf antizipierte gesellschaftliche Aktivität und Partizipation des Rehabilitanden auswirken 14

15 1. Psychologische Diagnostik 2. Identifizierung individueller, berufs- und problembezogener Bewältigungsstrategien 3. Beschreibung des subjektiven Krankheits(folge)modells des Rehabilitanden 4. Berufsbezogene Persönlichkeitsdiagnostik (z.b. Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM)), die für die Entstehung oder das Erscheinungsbild der berufsbezogenen Leistungseinschränkung und für die Gestaltung des Rehabilitationsplans von Bedeutung sind 15

16 1. Psychologische Diagnostik 5. Gezielte berufsbezogene Leistungsdiagnostik, z.b. Leistungsmotivation, psychomomentane Belastbarkeit und Verhalten unter simuliertem Stress 6. Psychologische Leistungs- und Funktionsdiagnostik, z.b. durch psychometrische Erfassung klinischer Dimensionen wie Angst, Depressivität, Somatisierung 16

17 1. Psychologische Diagnostik Explorationsgespräch Weitere psychometrische Verfahren Zur Untermauerung des rehabilitationspsychologischen Urteils über die psychischen Faktoren der Krankheit bzw. Krankheitsfolgen Zur Definition des Rehabilitationsziels Zur Erstellung des Rehabilitationsplans Zur Absicherung der psychosozialen Dimension in der sozialmedizinischen Beurteilung 17

18 1. Psychologische Diagnostik Zur Identifikation eines psychotherapeutischen Klärungs- und Behandlungsbedarfs wird empfohlen, ein psychologisches Screening aller Rehabilitanden durchzuführen Hospital Anxiety Depression Scale, HADS Gesundheitsfragebogen für Patienten, PHQ-D Etc. 18

19 2. Psychologische Intervention Motivationsförderung Training von Bewältigungsstrategien Stressbewältigung, Entspannungstraining, Krankheitsverarbeitung Verhaltensänderungen Raucherentwöhnungstraining Planung von Alltagstransfer Erarbeiten von Handlungsplänen zur Umsetzung von risikoreduzierendem, gesundheitsförderlichem Verhalten im Alltag 19

20 2.1 Psychologische Beratung und Psychotherapie Psychologische Beratung 1-2 Gespräche zur Erörterung individueller Problemsituationen zum Aufzeigen möglicher Hilfen durch Informationsvermittlung (wohnortnah) Psychologische Psychotherapie Bei psychischer Komorbidität zur Vorbeugung von durch das Krankheitserleben ausgelösten psychischen Fehlentwicklungen Aufbau von Motivation zur ambulanten Psychotherapie 20

21 2.1 Psychologische Beratung und Psychotherapie Psychologische Gruppen Bearbeitung psychischer Folgen der Erkrankung bzw. aufrechterhaltender psychischer Faktoren Einüben neuer Bewältigungs- und Verhaltensweisen Diagnosebezogene Gruppenarbeit zur Krankheitsbewältigung (z.b. Krebs, chron. Darmerkr.) 12 Teilnehmer, 50 min., 4-5 Sitzungen Problemorientierte Gruppenarbeit zur Gesundheitsförderung (Stressbewältigung, TSK) 12 Teilnehmer, 60 min., 4-5 Sitzungen Entspannungstraining (Gruppe: AT, PMR; Einzeln: Biooder Atemfeedback) Psychoedukative Gruppen zu Depression, Angst 21

22 3. Gesundheitstraining Informierende Vorträge und motivierende Gruppendiskussionen über spezielle krankheits- und gesundheitsbezogene Themen Strategien der nachhaltigen Verhaltensänderung Indikationsbezogene Programme zum Gesundheitstraining bieten konkrete Anleitungen zur Vermeidung oder Reuzierung von Risikofaktoren und zum Leben mit chronischen Krankheiten Gestaltung nach lern- und motivationspsychologischen Gesichtspunkten 22

23 4. Dokumentation Dokumentation der Arbeit findet Niederschlag im psychologischen Bericht Eine Zusammenfassung des psychologischen Berichts wird in den ärztlichen Entlassungsbericht vom Stationsarzt nach Prüfung (!) übernommen 23

24 5. Sonderaufgaben Koordinierende Aufgaben Bearbeitung methodisch-konzeptioneller Fragestellungen in der internen Qualitätssicherung Interne Fortbildung von Mitarbeitern Training von Gesprächsführung Planung von Nachsorgestrategien Erarbeiten von handlungsorientierten Patientenarbeitsbögen/-feedbacks zur nachhaltigen Verhaltensänderung 24

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