Vorstellungsgespräche So packen Sie Ihre Chance

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1 Vorstellungsgespräche So packen Sie Ihre Chance Erfolg durch Vorbereitung Phasen des Vorstellungsgesprächs Tipps für den optimalen Gesprächsablauf Wichtige Fragen und Antwortstrategien

2 Inhaltsverzeichnis Entspannt ins Gespräch Die halbe Miete dank guter Vorbereitung 4 Der erste Eindruck Gewinnen Sie von Anfang an 5 Von Kopf bis Fuß gepflegt Haare, Bart und Make-up 6 Richtig verpackt Das passende Outfit 6 Leichtes Erkennungszeichen Was Ihr Auto erzählt 7 Pünktlichkeit Eine unerlässliche Tugend 7 Wenn man Sie warten lässt Unhöflichkeiten höflich begegnen 8 Die typischen Gesprächsphasen Das kommt auf Sie zu 9 So gehts los? Der Gesprächseinstieg 10 Am Anfang war das Wort Begrüßung und Anrede 10 Small Talk Die richtige Atmosphäre schaffen 11 Sympathien Gezielt nutzen und mobilisieren 14 Ja, danke gerne? Getränke und Zigaretten 15 Was Sie bewegt Ihre Bewerbungs- und Leistungsmotivation 15 Heißes Eisen Wenn Sie über Ihren letzten Arbeitgeber reden... 16

3 Inhaltsverzeichnis Erzählen Sie mal... Fragen zu Ausbildung und beruflichem Werdegang 16 Intim beleuchtet Ihr persönlicher, familiärer und sozialer Hintergrund 17 Knifflige Fragen Wie steht s mit Ihrer Gesundheit? 17 Schwierige Fragen Diplomatisch umschiffen 18 Unzulässige Fragen Notlüge erlaubt 19 Fachlicher Hintergrund Ihre berufliche Kompetenz und Eignung 20 Austausch Informationen für den Bewerber 20 Harte Fakten Die Arbeitskonditionen 21 Was wollen Sie wissen? Ihre Fragen sind erwünscht 21 Gelungener Abschluss Ausklang und Verabschiedung 22 Über Geld spricht man nicht? Wenn es ums Gehalt geht 22 Worauf Sie Anspruch haben Erstattung der Reisekosten 23 Guten Appetit Vorstellungsgespräche im Restaurant 24 Warten auf Antwort Was tun, wenn sich keiner meldet? 25 Bildnachweis: Photo Alto: S. 2; S. 3; S. 4; S. 5; S. 8; S. 9; S. 10; S. 14; S. 22; S. 25; PhotoCase.com: S. 6; Stock.XCHNG: S. 3; S. 7; S. 15; S. 21; S. 23; Gio Löwe: S. 18; Pixelio.com: S. 3; S. 16; Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder - auch auszugsweise - ist ohne schriftliche Genehmigung nicht gestattet. Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader 2012, Oranienburger Str. 4-5, Berlin, Tel 030/ , Fax 030/ ,

4 Sie haben eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten? Herzlichen Glückwunsch! Die erste Runde im Bewerbungsverfahren haben Sie erfolgreich überstanden. Vermutlich waren mehrere Personen an der Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber beteiligt, z. B. der Chef, der Personalchef oder der Abteilungsleiter. Aus einer meist großen Zahl von Bewerbungen hat man einige Kandidaten für die erste Gesprächsrunde herausgefiltert, meist sind das etwa drei bis zehn. Das Auswahlgremium möchte nun nach der eingehenden Prüfung der schriftlichen Unterlagen auch einen ganz persönlichen Eindruck von Ihnen als Bewerberin oder Bewerber bekommen. Dabei interessieren sich die Personaler für drei Dinge: Ihre fachliche Kompetenz, Ihre Leistungsmotivation und Ihre Persönlichkeit. Häufig verfügen die ausgewählten Kandidatinnen und Kandidaten über ganz ähnliche fachliche Profile. Was jetzt zählt, ist vor allem Ihre Persönlichkeit und Ihr Auftreten: Wirken Sie sympathisch und vertrauenswürdig? Sind Sie anpassungs- und teamfähig? Passen Sie zur Institution, zum Unternehmen? Personalentscheider konzentrieren sich bei der Beurteilung Ihrer Person zunächst auf äußere Merkmale wie Ihr Aussehen, Ihr Auftreten, Ihre Manieren sowie Ihr sprachliches Ausdrucksvermögen. Daneben zählt aber Ihre vermittelte Leistungsmotivation: Bringen Sie Engagement und Enthusiasmus für die angestrebte Position mit? Sind Sie lernfähig und arbeitswillig? Werden Sie sich mit der Firma bzw. Institution und Ihrer Aufgabe in hohem Maße identifizieren? Natürlich möchte Ihr potenzieller Arbeitgeber auch herausfinden, ob die Angaben zu Ihren Qualifikationen in Ihren Bewerbungsunterlagen auch der Wahrheit entsprechen und ob Sie halten, was Sie versprechen. Sie müssen Ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Aber keine Angst: Im Folgenden erfahren Sie genau, wie Sie im Vorstellungsgespräch auf den drei Gebieten Persönlichkeit, Leistungsmotivation und fachliche Kompetenz überzeugen. 4

5 Entspannt ins Gespräch Die halbe Miete dank guter Vorbereitung Der erste Eindruck Gewinnen Sie von Anfang an Ein Vorstellungsgespräch ist wie eine mündliche Prüfung. Nehmen Sie sich deshalb genügend Zeit zur Vorbereitung. Durchdenken Sie mögliche Fragen und Antworten. Recherchieren Sie vor einem Vorstellungsgespräch noch einmal gründlich und aktualisieren Sie Ihren Kenntnisstand. Aktuelle Branchen- und Unternehmensdaten sind gerade im Vorstellungsgespräch wichtig, denn Sie sollten ganz genau wissen, was sich bei Ihrem potenziellen Arbeitgeber gerade tut. Das hilft Ihnen, die richtige Verkaufsstrategie zu entwickeln. Vor allem aber: Was haben Sie anzubieten, das Unternehmen Ihrer Wahl Gewinn bringen wird? Welche Fähigkeiten besitzen Sie, die Sie gezielt in dieser Position und an diesem Arbeitsplatz einsetzen wollen? Fehlt Ihnen eine wichtige Information, reicht häufig ein Blick ins Internet auf die betreffende Unternehmens-Homepage. Beim ersten persönlichen Kennenlernen mit einem Entscheidungsträger Ihres Wunsch-Arbeitgebers wollen Sie selbstverständlich ein positives Bild vermitteln, denn erste Eindrücke lassen sich nur selten revidieren. Innerhalb der ersten 30 bis 100 Sekunden soll sich der erste Eindruck bilden. Davon kann es abhängen, ob Sie in die engere Auswahl kommen oder nicht. Denn ob Ihr Gegenüber Sie sympathisch findet, das entscheidet er in diesen Sekunden. Der erste Eindruck wird wesentlich bestimmt durch Ihre Erscheinung dazu gehören Ihre Körperhaltung, Ihre Kleidung und Ihr Aussehen Ihre Mimik und Gestik, auch Sprache und Stimme Weniger Was und vielmehr Wie Sie etwas sagen. Ein angenehmes und angemessenes Auftreten auf dem glatten Parkett des Vorstellungsgespräches ist jedoch nicht nur eine Frage von Höflichkeit und guten Manieren. Sie müssen bei Ihrem Gegenüber auch wichtige Sympathiepunkte verbuchen. Sie können den ersten Eindruck zwar nicht komplett steuern, aber Sie können einiges für sein Gelingen tun. 5

6 Von Kopf bis Fuß gepflegt Haare, Bart und Make-up Richtig verpackt Ein erster Blick auf Sie und schon hat Ihr Gegenüber die wichtigsten Informationen gespeichert. Unerlässlich ist daher, dass Sie eine gepflegte Erscheinung abgeben: Ihre Frisur sitzt. Ihr Aktenkoffer oder Ihre Handtasche sind weder angestoßen noch aus billigem Plastik und Ihre Schuhsohlen sind nicht abgelaufen. Bei den Fingernägeln entscheiden Sie sich lieber für eine unauffälligere Nagellackfarbe und verzichten auf allzu extreme Nagellängen. Für den Bart gilt: Gepflegt muss er sein. Bei Makeup und Accessoires greifen Sie besser nicht allzu kräftig in den Farbtopf oder in die Schmuckschatulle. Natürlich sollten Sie Ihren persönlichen Stil dabei nicht aufgeben. Ein optimales Erscheinungsbild erreichen Sie, wenn Sie den Dresscode der jeweiligen Branche durch Ihre persönliche Note angemessen unterstreichen. Dass Sie als Banker nicht in Sneakers und Polohemd zum Vorstellungsgespräch erscheinen, ist klar. Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail. Rock oder Hose, Krawatte und Jackett oder lieber nur Hemd? Denn natürlich ist es unangenehm, hoffnungslos over- oder underdressed dem spöttischen Blick des Gegenübers ausgesetzt zu sein. Als Maßstab gilt die in dem Bereich übliche Kleiderordnung. Orientieren Sie sich an einem typischen Mitarbeiter in der von Ihnen angestrebten Position. Achten Sie darüber hinaus auf die Ausrichtung des speziellen Unternehmens: Ist sie eher konservativ oder modern? Empfehlung: Steigen Sie neu in den Beruf ein und haben keinerlei Erfahrung oder Vergleichsmöglichkeiten? Fotos des zukünftigen Teams auf der Homepage oder in der Image-Broschüre des Unternehmens bieten häufig die nötige Orientierungshilfe. Wichtiger Nebeneffekt: Sie erhalten gleichzeitig einen guten Einblick ins Organigramm, in (personelle) Strukturen und Hierarchien der Firma. Grundsätzlich geht der Trend in vielen Branchen wieder zum konservativ-klassischen Outfit in gedeckten Farben und einfachen Schnitten und Formen. Weder sollten Bluse oder Hemd in grellen Farben leuchten, noch darf der Rock zu knapp sein. Ausnahmen sind die kreativen Branchen. In ihnen geht es lockerer, also meist auch bunter, und vor allem in modischen Sachen recht trendverliebt zu. 6

7 Leichtes Erkennungszeichen Was Ihr Auto über Sie erzählt Empfehlung: Sind Sie nicht sicher, ob Sie mit Ihrem Auto wirklich Staat machen, wählen Sie lieber die öffentlichen Verkehrsmittel. Die haben ganz nebenbei einen entscheidenden Vorteil: Sie vermeiden unerwartete Staus und Straßenbehinderungen und geraten so am Ende nicht in Hektik und Stress. Oder Sie fahren mit dem Taxi. Kleidung, Frisur, Tasche und Schuhe Sie haben an alles gedacht. Nun fahren Sie mit Ihrem Auto auf den Parkplatz des Unternehmens und ziehen dort sofort neugierige Blicke auf sich und Ihr heiß geliebtes Vehikel. Eine Waschanlage hat es leider schon seit längerem nicht mehr gesehen und die eine oder andere kleine Beule hat es auch. Die erstaunten Blicke, als Sie im gepflegten Dress aussteigen, werden Sie wohl so schnell nicht vergessen. Stellt Ihre Kleidung eine zweite Haut dar, so ist Ihr Auto sicherlich die dritte. Es verrät einiges über Sie. Ganz besonders dann, wenn unzählige Sticker von Urlaubsreisen oder politischen Überzeugungen künden, Kissen mit exaktem Nackenschlag Sie als Pedant outen oder im Heckfenster lustig der Wackel- Dackel oder Elvis wippt. Pünktlichkeit Eine unerlässliche Tugend Pünktlichkeit ist absolut notwendig, um von Beginn an Pluspunkte zu sammeln. Und bitte nicht auf die Minute genau! Bereits circa fünf bis zehn Minuten vor Gesprächsbeginn melden Sie sich am besten beim Empfang. Bei der Planung Ihrer Anreise sollten Sie eventuelle Verzögerungen (beispielsweise Staus) mit einbeziehen. Ihr Ziel ist es, möglichst ruhig und gelassen, ohne hektische Flecken im Gesicht oder andere unvorteilhafte Stresssymptome zum Gespräch zu erscheinen. Allerdings gewinnen Sie genauso wenig Sympathie, wenn Sie bereits 30 Minuten vor Gesprächsbeginn eintreffen. Schließlich hat Sie noch keiner erwartet und irgendwo müssen Sie in dem Fall für die nächste halbe Stunde möglichst störungsfrei untergebracht werden. Natürlich müssen Sie nicht im verchromten Edelschlitten vorfahren. Doch wenn Sie sich für gehobene Positionen bewerben, unterziehen Sie Ihr Fahrzeug lieber noch einmal einer kritischen Prüfung. 7

8 Wenn man Sie warten lässt Unhöflichkeiten höflich begegnen Pünktlichkeit ist ein Zeichen der Wertschätzung und des Respekts. Wer vereinbarte Termine nicht einhält, suggeriert: Mir ist etwas anderes wichtiger. Oder noch schlimmer: Mir ist die andere Person so gleichgültig, dass ich ganz einfach frei über ihre Zeit verfüge. Das gilt selbstverständlich für beide Seiten. Trotzdem kann es Ihnen passieren, dass man Sie bei einem Vorstellungsgespräch warten lässt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Häufig dauert ein anderer Termin ein wenig länger als geplant. Der Personalchefin oder dem Personalchef ist tatsächlich etwas Wichtiges dazwischen gekommen. In einigen Fällen kann es auch eine Art der Prüfung sein: Man will herausfinden, wie schnell Sie nervös werden. Oder man möchte Ihnen die eigene Machtposition demonstrieren und Sie von vornherein einschüchtern. Aus welchem Grund auch immer Sie gebeten werden, sich noch ein wenig zu gedulden für Sie sollten fünf bis zehn Minuten Wartezeit kein Grund zur Beunruhigung oder zur Beschwerde sein. Lässt man Sie jedoch deutlich länger als fünfzehn Minuten warten, dann reagieren Sie. Erkundigen Sie sich freundlich, mit wie viel längerer Wartezeit Sie noch rechnen müssen. Weisen Sie höflich, aber bestimmt darauf hin, dass Sie gerne, falls Ihr Besuch heute ganz unpassend ist, gerne einen neuen Termin vereinbaren. Empfehlung: Vertröstet man Sie immer wieder auf unbestimmte Zeit Es dauert eben noch ein Weilchen, bestehen Sie auf eine konkrete Zeitangabe. Bleiben Sie dabei jedoch stets höflich und gelassen. Unterdrücken Sie unbedingt Ungeduld oder gar Aggressivität in Ihrem Tonfall. 8

9 Die typischen Gesprächsphasen Das kommt auf Sie zu Vorstellungsgespräche laufen in der Regel nach einem bestimmten Schema ab. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Personaler testen im Vorstellungsgespräch immer wieder dieselben Eigenschaften ihrer Kandidaten (soziale und fachliche Kompetenz, Motivation, etc.). Es sind immer wieder die gleichen Themen, die in einem Vorstellungsgespräch auftauchen. Ein typischer Gesprächsverlauf gliedert sich in folgende neun Phasen: Begrüßung und Gesprächseinleitung Bewerbungsmotive und Leistungsmotivation Ausbildung und beruflicher Werdegang Persönlicher, familiärer und sozialer Hintergrund Berufliche Kompetenz und Eignung Informationen für den Bewerber Arbeitskonditionen Fragen des Bewerbers Abschluss des Gesprächs und Verabschiedung Klar: Die Reihenfolge und Intensität kann variieren und nicht alle Phasen müssen in einem Gespräch tatsächlich vorkommen. Genauso, wie Sie als Bewerber davon ausgehen sollten, dass die gerade angesprochenen Phasen in allen Vorstellungsgesprächen eine Rolle spielen, können Sie sich auch darauf einstellen, dass immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden: 1. Erzählen Sie uns etwas über sich. 2. Warum bewerben Sie sich für diese Position? 3. Warum sind Sie für uns der/die richtige Kandidat/in? 4. Was erwarten Sie für sich persönlich von uns/dem Job? 5. Was sind Ihre Stärken? 6. Was möchten Sie in 3/5/10 Jahren erreicht haben? 7. Warum machen Sie das, was Sie machen (Beruf/Position/Aufgabe)? 8. Wo liegen Ihre Arbeitsschwerpunkte? 9. Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten/ in Ihrer Freizeit? 10. Welche Fragen haben Sie an uns? Wie viel Zeit diesen Fragen eingeräumt wird, ist wiederum von der Position abhängig, auf die Sie sich beworben haben. Als Richtlinie für die Dauer von Vorstellungsgesprächen können Sie von folgenden Zeiten ausgehen: Auszubildende Sachbearbeitung Jobeinstieg Führungspositionen 20 bis 45 Minuten 45 bis 60 Minuten ein bis zwei Stunden zwei und mehr Stunden Es kommt heute immer häufiger vor, dass mit Bewerbern, insbesondere bei gehobenen Positionen, zwei bis drei Vorstellungsgespräche geführt werden. Die Länge des Vorstellungsgespräches sagt nicht unbedingt etwas über den Erfolg aus auch kurze Gespräche können zum Job führen. Jedoch sind Ihre Chancen gestiegen, wenn das Gespräch verhältnismäßig lange dauert, Sie neuen Personen vorgestellt werden oder zu einem weiteren Gespräch geladen werden. 9

10 So gehts los? Der Gesprächseinstieg sein, als dass ihn die Betreffende nicht schon zigfach gehört hätte. Doppelnamen sollten vollständig genannt werden. Am Anfang war das Wort Begrüßung und Anrede Umgangsformen sind wieder gefragt und vor allem im Berufsalltag wichtig. Wer im Vorstellungsgespräch und bei Chefs ankommen will, sollte die Spielregeln kennen. Den Namen Ihrer Gesprächspartnerin oder Ihres Gesprächspartners haben Sie selbstverständlich parat. Sonst beweisen Sie bereits in den ersten Minuten, dass Sie sich ungenügend auf das anstehende Gespräch vorbereitet haben und dass Ihnen außerdem der nötige Respekt fehlt. Die meisten Menschen reagieren zu Recht ungehalten auf ungewollte Verballhornungen und fehlerhafte Aussprachen ihres Namens. Schließlich zeigt es allzu deutlich, dass einem der andere nicht die Mühe wert war, sich im Voraus mit seinem Namen vertraut zu machen. Natürlich wird Ihr Gegenüber immer verärgerter, wenn Sie die falsche Aussprache häufig wiederholen. Also kontrollieren Sie lieber genau, ob Ihr Gesprächspartner Herr Freihuber oder Herr Freihube heißt. Bei ausgefallenen Namen sollten Sie Assoziationen, die Ihnen dazu einfallen, lieber für sich behalten: Frau Pflanz wie die Pflanze? Denn vergessen Sie nicht: So originell kann Ihr Einfall gar nicht Akademische Grade werden als Bestandteil des Namens genannt. Während Titelträger unter sich auf den Professor oder Doktor häufig verzichten, steht Ihnen als Bewerber das erst nach Aufforderung zu. Bleiben Sie also bei Frau Dr. Bachmann, bis man Sie von dieser Pflicht befreit. Doktor- und Professorentitel werden im Übrigen immer zusammen mit dem Namen genannt, bei mehreren Titeln aber nur der höchste, also nicht Herr Professor Doktor Meyer, sondern nur Herr Professor Meyer. Adelstitel gibt es immer noch und verdrängen bei der Anrede Herr oder Frau. Graf Herbert von Lichtenau wird mit Graf Lichtenau angesprochen. Bei Unsicherheiten sollten Sie nachfragen, sonst wird das Gespräch zur peinlichen Quälerei. Empfehlung: Sind Sie sich über die korrekte Aussprache nicht im Klaren oder haben den Namen etwa am Telefon nicht richtig verstanden, dann fragen Sie lieber noch einmal am Empfang nach. Vergewissern Sie sich, dass Sie richtig informiert sind. Wenn Sie sich nun Namen, Titel und korrekte Aussprache Ihrer Gesprächspartner eingeprägt haben, sind das sehr gute Voraussetzungen für eine freundliche und unverkrampfte Begrüßung. Findet das Vorstellungsgespräch allein zwischen Ihnen und einem Personalverantwortlichen statt, gestaltet sich die Begrüßung recht einfach: Der entsprechende Mitarbeiter des Unternehmens wird Sie am Empfang abholen, Ihnen freundlich die Hand entgegenstrecken, sich Ihnen vorstellen und Sie dann anschließend in sein Büro bitten. 10

11 So gehts los? - Der Gesprächseinstieg Etwas komplizierter wird es, wenn Ihnen im Bewerbungsgespräch auf Arbeitgeberseite mehrere Personen gegenüberstehen. Beim Betreten des Raumes sollten Sie in diesem Fall bei der Begrüßung eine gewisse Rangfolge beachten. Traditionell gilt Folgendes: Der Herr grüßt die Dame, der Jüngere den Älteren, der Einzelne die Gruppe. Wobei im Geschäftsleben darüber hinaus noch berufliche Hierarchien eine Rolle spielen. Es gilt: Der Rangniedrigere wird dem Ranghöheren vorgestellt. Auch beim Händeschütteln sollten Sie die Rangfolge beachten. Die Ranghöheren werden Ihnen die Hand anbieten, nicht Sie ihnen. Beachten Sie jedoch: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Gegenüber erwartet, dass Sie die Initiative ergreifen, sollten Sie sich über diese Regeln hinwegsetzen und die Hand reichen. Empfehlung: Achten Sie beim Handschlag zur Begrüßung besonders auf einen kurzen, ruhigen und kräftigen Händedruck. Er signalisiert Aufrichtigkeit, Offenheit aber auch die nötige Selbstsicherheit. Knochenbrecher erwecken dagegen leicht den Eindruck eines rücksichtslosen Angebers, während eine schweißnasse, lasche Hasenpfote Ihre Unsicherheit und mangelndes Selbstbewusstsein verrät. Achten Sie auf den Blickkontakt während der Begrüßung und vermeiden Sie es, beim Händeschütteln schon den Nächsten anzuschauen. Ebenso ist es unangebracht, die andere Hand lässig in der Hosentasche zu lassen. Small Talk Die richtige Atmosphäre schaffen Beinahe jeder Kontakt beginnt mit einem Small Talk einem kleinen Gespräch mit großer Wirkung. Beim Small Talk geht es darum, bei einer Begegnung oder einem ersten Kontakt einen Anknüpfungspunkt zu finden, über den nett geplaudert werden kann, und die einen in den Augen des Gegenübers sympathisch und interessant erscheinen lassen. Small Talk ist ein wichtiger Schlüssel zu Ihren Mitmenschen. Ob auf der Party, in einem Seminar, am ersten Tag in der neuen Firma, auf der Betriebsfeier und natürlich auch im Vorstellungsgespräch. Dort beginnt das Kennenlernen eines potenziellen Mitarbeiters fast immer mit einem freundlichen Small Talk. Dem sollten Sie mehr Aufmerksamkeit schenken, als es viele Bewerber tun. Denn in einem gut geführten Small Talk können Sie erste Punkte sammeln und ganz entscheidend Ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Sie können den ersten Eindruck, den Sie hinterlassen wollen, zum Teil selbst bestimmen ob schüchtern oder selbstsicher, offen oder distanziert, neugierig oder desinteressiert, interessant oder langweilig oder freundlich oder schwierig. Das Schwierigste scheint für viele der Anfang zu sein. Hatten Sie Schwierigkeiten bei der Anreise? Viele Personalverantwortliche eröffnen das Gespräch mit dieser freundlichen Nachfrage. Gejammer über Staus oder überfüllte Züge und endloses Umherirren in einer Ihnen völlig fremden Stadt sind völlig falsche Killerantworten. Sie beinhalten etwas Negatives und sind mit Garantie nicht das, was der Fragesteller wirklich hören möchte. Sie sollten diese Einstiegsfrage als nett gemeinten Small Talk verstehen, der das Eis zwischen den Gesprächspartnern brechen kann. Nutzen Sie die Gelegenheit, im leichten Plauderton ins Gespräch einzusteigen und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Bedanken Sie sich für die Nachfrage. Loben Sie anschließend beispielsweise die gute Lage des Unternehmens oder machen Sie Komplimente zu der guten Wegbeschreibung oder zum freundlichen Empfang. Auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt eignen sich als Gesprächsthema. So zeigen Sie Interesse am Unternehmen und eröffnen nebenbei einen unverfänglichen Plausch. Allerdings darf diese Einstiegsphase nicht zu lange dauern, denn Vorstellungsgespräche sind nun einmal keine Small Talks. Ist ein Gespräch erst mal angelaufen, haben Sie die größte Hürde überwunden. Wie geht es nun aber weiter? Es macht sicherlich keinen schlechten Eindruck, wenn auch Sie Fragen stellen und nicht nur auf alle Fragen brav antworten. Gerade in der 11

12 So gehts los? - Der Gesprächseinstieg Anfangsphase ist es leichter, Fragen zu stellen. Diese sollten dann aber nicht gleich mit dem potenziellen Arbeitsplatz in zu direkter Verbindung stehen, sondern eher allgemeiner Natur sein. Ein Kompliment ist immer ein guter Small Talk-Einstieg, hat aber auch eine geprächsverlängernde Kraft. Ist das Bürogebäude neu und hat eine interessante Architektur oder eine besonders schöne Lage direkt am Hafen? Haben Sie über die jüngsten Erfolgszahlen des Unternehmens, von einer Auszeichnung oder einer neuen Erfindungen gelesen, so können Sie das gerne zum Thema machen. Damit zeigen Sie auch, dass Sie sich informiert haben. Vermeiden Sie aber typische Small Talk-Fehler oder Fragen zu kritischen Unternehmensaspekten wie ein jüngster Firmenskandal oder ein schlechter Aktienkurs. Preschen Sie mit Ihren Fragen nicht gleich vor, sondern lassen Sie zunächst Ihrem Gesprächspartner den Vorrang, Ihnen Fragen zu stellen. Wie lang ein Small Talk dauern sollte, dafür gibt es keine festen Regeln. Schließlich dient er eher dem ersten Kennenlernen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit und ein paar Tricks gelingt es Ihnen, dass Ihr Gespräch wirklich den Charakter einer leichten und lockeren Unterhaltung bekommt und Sie als angenehmer Gesprächspartner gelten. Achten Sie dabei auf folgende Punkte: Bewusste Wahrnehmung An Gesten und dem Gesichtsausdruck können Sie erkennen, ob Ihr Gesprächspartner an Ihren Ausführungen interessiert ist. Wenn er Ergänzungen macht, zustimmend mit dem Kopf nickt oder Zwischenfragen stellt, können Sie mit gutem Gewissen weiter erzählen. Wenn er dagegen den Blick durch den Raum schweifen lässt, statt Sie anzuschauen, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass er sich langweilt. Dann ist es Zeit, das Thema zu wechseln! Den Gesprächspartner ermutigen Durch Blickkontakt und kurze Bemerkungen zeigen Sie wiederum, dass Sie aufmerksam zuhören. Kommentare wie Das klingt sehr interessant! oder Habe ich schon gelesen! oder auch nur Hm sorgen für ein gutes Gesprächsklima. Aktives Zuhören Das bedeutet, dass Sie nicht nur die Worte hören, sondern auch den wirklich gemeinten Sinn und die Absicht, die hinter der Botschaft steckt, interpretieren können. Kurze Pausen machen Kurze Pausen bewirken erstaunliche Dinge. Warten Sie zwei, drei Sekunden, bevor Sie auf die Aussagen Ihres Gesprächspartners reagieren. So hat der andere die Chance, seinen Gedanken richtig zu Ende zu führen. Ausreden lassen, nicht unterbrechen Irgendetwas kann man zu (fast) jedem Thema sagen. Und wenn es nur kurze Kommentare sind wie Das interessiert mich sehr oder Fand ich schon immer faszinierend. Kurze Bestätigungen sind in Ordnung, aber eben nur kurze. Zusammenfassen Fassen Sie gelegentlich die Aussage des anderen in eigenen Worten zusammen. Zeigen Sie, dass Sie die Worte verstanden haben und auch die Botschaft, die dahinter steht. Fragen und Nachfragen Nicht zu neugierig und nicht zu vorsichtig so sollten die Fragen formuliert sein, die Sie stellen. 12

13 VORWEG-GEHER-GESUCHT.DE WERDEN SIE TOP-CONSULTANT IM SPANNENDEN ZUKUNFTSMARKT ENERGIE. Verstärken Sie die Inhouse-Beratung der RWE. Überzeugen Sie in einem international agierenden Konzern mit strategischem Weitblick, Mut zur Innovation und präzisen Analysen auch über den Projektabschluss hinaus. Welche Aufgaben auf Sie warten und wie wir gemeinsam die Energie der Zukunft sichern, erfahren Sie online _AZ_Berger_emw_210x297.indd :16:44 Uhr 13

14 Sympathien Gezielt nutzen und mobilisieren Häufig ist die Botschaft Wir haben vieles gemeinsam im Vorstellungsgespräch die alles entscheidende. Außerdem gewinnen Sie wichtige Sympathiepunkte, wenn Sie Sympathien können Sie gezielt durch den Einsatz überzeugender verbaler und nonverbaler Kommunikationsmittel für sich gewinnen. Dazu gehören Tonfall und Dialekt, Mimik und Körpersprache, aber auch Kleidung und Haarschnitt. Diese Faktoren prägen den entscheidenden ersten Eindruck ganz besonders. Doch mit einem strahlenden Lächeln und dem richtigen Outfit allein gewinnen Sie das Herz des Gegenübers nur selten für sich. sich auf den Gesprächspartner konzentrieren den anderen ausreden lassen gut zuhören und auf das Gesagte eingehen eine entspannte Körperhaltung haben Blickkontakt halten höflich und selbstbewusst, aber nicht übertrieben auftreten die Reaktionen des Gegenübers beachten weder zu laut noch zu leise reden freundlich, aber natürlich lächeln sich positiv äußern, loben oder ein angebrachtes Kompliment machen möglichst viele Anwesende am Gespräch beteiligen Bieten Sie Ihrem Gegenüber beispielsweise die Gelegenheit, sich mit Ihnen zu identifizieren. Sympathien mobilisieren Sie bei Ihrem Gesprächspartner am ehesten, wenn er weitere Gemeinsamkeiten entdeckt und den Eindruck gewinnt: Das ist bei mir ja ganz genauso oder ganz ähnlich... Besonders biografische Gemeinsamkeiten sorgen für notwendige Identifikationsprozesse: Sie wohnen auch in...? Sie haben auch an der...universität studiert? Sie waren auch schon auf Rügen? Ob Wohnort, Ausbildung, Urlaub oder Hobby: Wer im unverfänglichen Plauderton dem Gesprächspartner signalisiert, auf der gleichen Wellenlänge zu senden, kann entscheidende Sympathiepunkte für sich verbuchen. 14

15 Ja, danke gerne? Getränke und Zigaretten Was Sie bewegt Ihre Bewerbungs- und Leistungsmotivation Warum haben Sie sich eigentlich bei uns beworben? - Wie gut kennen Sie unsere Produkte/ Dienstleistungen? Mit solchen oder ähnlichen Fragen überprüfen Personaler Ihre Motivation und Ihr Interesse am Unternehmen. In vielen Unternehmen gehört es zum guten Ton, den Gästen eine kleine Erfrischung anzubieten. Kaffee, Tee, Mineralwasser oder Säfte alles kein Problem, solange Sie keine Sonderwünsche wie Maracuja- oder Bananensaft äußern. Werden Ihnen alkoholische Getränke angeboten, sollten Sie ablehnen. Alkohol hat in Vorstellungsgesprächen nichts zu suchen. Er senkt die Hemmschwelle und hebt den Blutdruck. In der Regel ist Ihr Adrenalinspiegel in der ungewohnten Situation des Vorstellungsgesprächs ohnehin schon hoch genug und Sie tun gut daran, einen kühlen Kopf zu bewahren. Auch Rauchen ist problematisch, besonders wenn Ihr Gegenüber passionierter Nichtraucher ist. Besser also, Sie lehnen das Rauchangebot dankend ab. Denn nicht zuletzt testet Ihr Gegenüber im Vorstellungsgespräch auch, inwieweit Sie sich an die gängigen Umgangsformen der Geschäftswelt halten: In geschäftlichen Besprechungen in Unternehmen sind Alkohol und Zigaretten tabu. Wie weit geht Ihre Begeisterung? Was bewegt Sie wirklich? Aus welcher Situation heraus bewerben Sie sich? Ist dieser Arbeitsplatz erste Wahl oder nur Kompromiss- bzw. gar Notlösung? Welches Image und welchen Stellenwert hat der potenzielle Arbeitgeber in Ihren Augen? Auf diese Standardfragen müssen Sie wirklich gut vorbereitet sein und sollten wenigstens fünf Minuten lang darauf antworten können. Dies ist die wichtigste Phase des ganzen Gesprächs. Ihre Argumente müssen plausibel klingen und überzeugen. Verlieren Sie sich nicht in Details. Sie wollen diesen Job, weil neue Aufgaben und Herausforderungen Sie reizen. Was Sie noch nicht beherrschen, können Sie lernen. Gern hören Arbeitgeber in diesem Zusammenhang Stichworte wie Zukunftschancen und Image der Firma aber vermeiden Sie unbedingt plumpe Schmeicheleien und Übertreibungen. Empfehlung: Sie sind nervös und Ihre Hände zittern ein wenig? Dann verzichten Sie besser auf den Balanceakt mit der Kaffeetasse auf dem Unterteller. Greifen Sie stattdessen lieber zum Wasserglas. 15

16 Heißes Eisen Wenn Sie über Ihren letzten Arbeitgeber reden... Erzählen Sie mal... Fragen zu Ausbildung und beruflichem Werdegang In den meisten Vorstellungsgesprächen geht es auch um die Frage, warum Sie Ihren letzten Arbeitgeber verlassen wollen oder bereits verlassen haben. Was auch immer die Gründe waren: Plaudern Sie auf keinen Fall aus dem Nähkästchen. Packen Sie keine Interna aus. Geben Sie nur das Notwendige preis und verzichten Sie unbedingt darauf, über ehemalige Vorgesetzte oder Kollegen kritisch oder negativ zu sprechen. Dies ist mit Sicherheit nicht der richtige Zeitpunkt, um sich Konflikte von der Seele zu reden. Illoyalität gegenüber Ihrem jetzigen oder früheren Arbeitgeber wird von keinem Unternehmen gerne gesehen, denn es ist zu befürchten, dass Sie in dem Fall auch über den neuen Arbeitgeber lästern werden. Man wird Sie für einen Querulanten halten, der mit anderen nicht zurechtkommt. Stellen Sie Ihr Verhältnis zum vorherigen Betrieb deshalb möglichst harmonisch dar. Empfehlung: Betonen Sie im Gespräch mit Ihrem Wunscharbeitgeber nicht allzu sehr, warum Sie Ihren alten Arbeitsplatz verlassen möchten oder haben. Viel wichtiger ist es darzustellen, warum Sie sich gerade im neuen Unternehmen für die ausgeschriebene Position bewerben. Fragen zu Ihrem bisherigen Werdegang klingen recht unverfänglich: Erzählen Sie doch mal, was Sie bisher so gemacht haben? - Gerade jetzt ist Ihre Konzentrationsfähigkeit gefragt. Denn was Sie im Anschreiben und im Lebenslauf kunstvoll zu Papier gebracht haben, müssen Sie in dieser Phase überzeugend und gegebenenfalls auch ausführlich verbal darstellen und verkaufswirksam begründen können. Wichtig ist dabei, einen logischen Zusammenhang zwischen den einzelnen Stationen Ihres Lebens herzustellen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Wahl des Berufes oder Studienfachs. Falls Sie beispielsweise Ihr Fach nur studiert haben, weil Sie vor fünf Jahren hilflos im Studentensekretariat standen und die recht ungeduldige Frau hinterm Tresen meinte, mit Soziologie könne man eigentlich nichts verkehrt machen, sollten Sie das jetzt besser verschweigen. Wenn Sie gefragt werden, haben Sie Ihr Fach aus Interesse zum Studiengegenstand oder auch im Hinblick auf spätere Berufschancen gewählt. Ob Studium, Ausbildung oder berufliche Erfahrungen: Zeigen Sie Ihrem Gegenüber deutlich, welche Kompetenzen Sie aufgrund Ihres Werdegangs für die ausgeschriebene Position mitbringen. Selbstverständlich sind auch Auslandsaufenthalte, Praktika oder Nebenjobs wichtige Argumente, die für Sie sprechen. Sie bewerben sich beispielsweise als Junior-Kontakter in einer Werbeagentur? Mit dem Hinweis auf eine Nebentätigkeit im Call-Center machen Sie deutlich, dass Sie es gewohnt sind, am Telefon professionell aufzutreten und zu überzeugen. 16

17 "Erzählen Sie mal..." Intim beleuchtet Ihr persönlicher, familiärer und sozialer Hintergrund In dieser Phase wird ganz speziell Ihre Persönlichkeit getestet. Wer und wie sind Sie? Mit wem leben Sie zusammen? Wie sieht Ihr erweitertes soziales Umfeld (Freunde, Bekannte, Kollegen) aus? Dieser mehr oder minder ausführliche Persönlichkeitscheck hat mehrere Hintergründe: Passen Sie zum Unternehmen und ins Team? Verfügen Sie über soziale Kompetenz? Wie ist Ihre Lebenssituation? Haben Sie einen Partner oder Kinder? Aufdringliche Fragen wie Was sagt Ihr Freund zu Ihren Plänen? sollten Sie umsichtig beantworten. Ihr Wunscharbeitgeber möchte an dieser Stelle keine ausführliche Berichte über vorangegangene Meinungsverschiedenheiten in Ihrer Beziehung oder Ehe. Ihn interessiert vor allem, ob ein Ortswechsel aufgrund Ihrer persönlichen Situation für Sie problematisch wäre. Denken Sie im Vorstellungsgespräch also immer daran, die Dinge möglichst unproblematisch, idealerweise positiv darzustellen. Auch Fragen wie Was sind Ihre Stärken oder Schwächen? oder Was ist Ihr größter Erfolg/Misserfolg? gehören zum Persönlichkeitscheck. Sie sollten einige flüssige Standardantworten parat halten. Sprechen Sie gelassen von positiven und auch von ein paar harmlosen negativen Ereignissen und überlegen Sie sich genau, welche Offenheit Sie sich bei der Darstellung von Schwächen und Misserfolgen leisten können. Empfehlung: Suchen Sie sich eine Schwäche, die gleichzeitig eine Stärke ist. Detail verliebtes, pedantisches Arbeiten ist Ihnen ein Gräuel? Dafür können Sie jedoch gut analytisch denken und begreifen große Zusammenhänge schnell. Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Schwächen auch darauf, auf welche Soft Skills es in der angestrebten Position ankommt. Knifflige Fragen Wie steht s mit Ihrer Gesundheit? Direkt oder indirekt - wer sich nach Ihrem Gesundheitszustand erkundigt, möchte wissen, ob mit überdurchschnittlichen Fehlzeiten im Job zu rechnen ist. Lassen Sie keine Zweifel daran aufkommen, dass es bei Ihnen keine berufsrelevanten Beeinträchtigungen gibt. Fragen wie Waren Sie letztes Jahr mehr als zweimal beim Arzt? sollten Sie mit Vorsicht genießen. Der Arbeitgeber darf sich nur nach aktuellen Erkrankungen erkundigen, die die berufliche Leistungsfähigkeit einschränken. Hier werden häufig die rechtlich zulässigen Fragegrenzen überschritten also aufgepasst. 17

18 Schwierige Fragen Diplomatisch umschiffen Gibt es Fragen, vor denen Sie sich im Vorstellungsgespräch besonders fürchten? Damit Sie entspannter ins Gespräch gehen können, erstellen Sie am besten vorab eine Liste Ihrer persönlichen Angstfragen und notieren sich in Stichworten mögliche Antworten. Schauen Sie sich zur Orientierung die folgenden zehn am häufigsten gestellten unangenehmen Fragen im Vorstellungsgespräch an: 1. Was sind Ihre Schwächen, Defizite und Nachteile? 2. Was haben Sie alles in Ihrem Berufsleben trotz Vorsätzen (noch) nicht erreicht? 3. Was war Ihr größter beruflicher Misserfolg? 4. Wovor fürchten Sie sich? 5. Was kann Sie so richtig wütend machend? 6. Womit haben Sie Schwierigkeiten - bei der Arbeit, am Arbeitsplatz, tätigkeits- und personenbezogen bei Kollegen, Vorgesetzten, sich selbst? 7. Was würden Sie in Ihrem Berufsleben anders machen, wenn Sie noch einmal von vorne anfangen könnten? 8. Wie definieren Sie für sich die Begriffe Verantwortung, Schwäche und Leistung? 9. Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr arbeiten müssten? 10. Was spricht gegen Sie als Bewerber? 11. Was machen Sie, wenn Sie diese Stelle nicht bekommen / wir Sie nicht nehmen? 12. Was mögen Sie nicht oder schätzen Sie bei anderen nicht? 13. Wie und was denken Sie über den Sinn des Lebens? 14. Was dürfte in keinem Fall in Ihrem zukünftigen Job passieren? 15. Warum haben Sie Ihren Job gekündigt? 16. Warum ist Ihr Arbeitszeugnis so schlecht ausgefallen? Denken Sie z.b. beim Beantworten der letztgenannten Frage daran, wie gekonnt Politiker auf unangenehme Fragen reagieren. Da wird zum Beispiel die Frage nach der Wahlniederlage damit beantwortet, dass der Politiker sich zunächst einmal für die großartige Unterstützung bei den Wählern und Helfern bedankt. Anschließend beklagt er sich dann vermutlich, wie brutal die Gegenseite im Wahlkampf aufgetreten ist. Werden Sie also gefragt, was gegen Sie als Bewerber spricht, dann orientieren Sie sich an der gerade beschriebenen Politikerstrategie und heben zunächst einmal die Argumente hervor, die für Sie sprechen. Nach wohl kalkuliertem Zögern nennen Sie dann ein oder zwei Punkte, die natürlich nicht wirklich gegen Sie sprechen. Damit Sie im Vorstellungsgespräch auf kritische Fragen geschickt reagieren, sollten Sie sich diplomatische Antworten vorher genau überlegen. Mit welchen Fragen man Sie auch immer provozieren will wichtig ist, dass Sie gelassen und sachlichprofessionell reagieren. Wirkliche Einwände gegen Sie als Bewerber wird man nicht haben, sonst hätte man Sie schließlich erst gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen. 18

19 Schwierige Fragen Wie reagieren Sie souverän? Bereiten Sie sich auf Fragen vor, auch auf solche, die aus Ihrem Lebenslauf resultieren können. Machen Sie sich eine Liste von für Sie unangenehmen oder provozierenden Fragen. Überlegen Sie sich passende Antworten, wenn Sie zum Beispiel gefragt werden Was spricht gegen Sie als Bewerber für diesen Arbeitsplatz? oder Warum haben Sie die Schule gewechselt oder Wieso haben Sie Ihre Lehre/Schule abgebrochen?. Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen und antworten Sie sachlich. Fragen Sie zurück, ob Sie die Frage richtig verstanden haben. Möglicherweise will Ihr Gegenüber ja nur etwas ganz Bestimmtes herausbekommen: Wie reagieren Sie, wenn Sie persönlich angegriffen, kritisiert oder hinterfragt werden? Ihre Antwort: Führen Sie eher noch einmal aus, was für Sie spricht. Dann zögern Sie und bieten ein, höchstens zwei negative Punkte/Schwächen an, die jedoch in der Position, für die Sie sich bewerben, nicht wirklich gegen Sie sprechen. Überlegen Sie sich diese Punkte vorher genau (zum Beispiel: Sie sind handwerklich ungeschickt, Sie sind im Bereich Fremdsprachen unbegabt etc.) Auch wenn Ihr Gesprächspartner darauf beharren sollte, Sie seien nicht der richtige Kandidat oder eine andere unangenehme Frage sei noch nicht ausreichend genug beantwortet, behalten Sie die Nerven. Schließlich, wenn das wirklich der Fall wäre: Warum hat sich der Interviewer dann die Mühe gemacht, Sie einzuladen? Bei solchen Befragungstechniken geht es immer darum herauszufinden, ob und wie Sie reagieren. Bewahren Sie Gelassenheit. Wirkliche Einwände gegen Ihre Person wird Ihr Gegenüber nie mit Ihnen diskutieren. Unzulässige Fragen Notlüge erlaubt Alles braucht die Personabteilung Ihres potenziellen Unternehmens nicht über Sie zu erfahren. Manches darf man im Vorstellungsgespräch noch nicht einmal fragen. Macht Ihr Gegenüber es dennoch, sind Lügen erlaubt. Dazu gehören beispielsweise Fragen nach Gewerkschafts-, Partei- oder Religionszugehörigkeit und nach Schwangerschaft, Heirats- oder Kinderwunsch sowie Ihren privaten Vermögensverhältnissen. Als Faustregel gilt: Erlaubt sind nur Fragen, die unmittelbar klären, ob Sie für den Job geeignet sind. Die deutschen Gesetze bieten Frauen und Männern also den rechtlichen Schutz ihrer Privat- und Intimsphäre. Dennoch: Überlegen Sie genau, in welchem Ausmaß und in welcher Form Sie von Ihrem Recht, die Aussage zu verweigern, Gebrauch machen möchten. Halten Sie sich am besten einfach bedeckt und versuchen Sie mit diplomatischem Geschick, das beste aus der Situation zu machen. Besonders bei Fragen nach Ihrer familiären Situation ist Fingerspitzengefühl gefragt. Schildern Sie Ihren sozialen und familiären Hintergrund als möglichst harmonisch und krisenfest: Ich lebe seit längerem mit meiner (Ehe-) Partnerin/ meinem (Ehe-) Partner glücklich zusammen. Meine Familie unterstützt meine neuen beruflichen Pläne. Auch einem Umzug stehen Sie offen gegenüber. Unzulässig sind Fragen nach... d e r p o litischen M e in u n g g e w e rkschaftlichem E n g a g e m e n t d e m P rivatp lä n e n in p u n cto H e ira te n, F a m ilie n p la n u n g, F re izeitg e sta ltu n g u n d H o b b ys n a ch e in e r S chw a n g e rschaft n a ch frü h e re n K ra n kheite n n a ch p rivate n V e rm ö g e n sverh ä ltn issen (e vtl. S chuld e n ) F ra g e n n a ch V o rstra fe n, sow e it g a n z a llg e m e in g e fra g t w ird, a lso n icht n u r n a ch e in schlä g ig e n V o rstra fe n (A u snahm e ö ffe n tlicher D ie n st) 19

20 Schwierige Fragen Haben Sie Kinder, müssen besonders Bewerberinnen dem Gesprächspartner deutlich machen, dass die Kinderbetreuung entsprechend geregelt ist und dass keine erhöhte Ausfallzeiten zu erwarten sind. Wenn dies nicht der Fall ist, sollten Sie bei der Wahrheit bleiben, denn Sie benötigen die Kooperationsbereitschaft Ihrer zukünftigen Vorgesetzten. Überlegen Sie sich vorab einige Lösungsmodelle, die Sie Ihrem Gegenüber anbieten können. Sollten Sie zum Zeitpunkt des Vorstellungsgesprächs schwanger sein, so müssen Sie dies Ihren Gesprächspartnern nur mitteilen, wenn Ihre zukünftige Tätigkeit das ungeborene Kind gefährden würde. Doch bedenken Sie: Es kann Ihnen zwar niemand aufgrund des besonderen Kündigungsschutzes für werdende Mütter in der Probezeit kündigen, weil Sie die Schwangerschaft verheimlicht haben. Dennoch schaffen Sie auf diese Weise denkbar schlechte Voraussetzungen für ein Vertrauensverhältnis zu zukünftigen Vorgesetzten und Kollegen. Empfehlung: Möchten Sie für die Kirche arbeiten, so sind Sie verpflichtet, über Ihre Religionszugehörigkeit wahrheitsgemäß Auskunft zu geben. Fragen nach Ihrem augenblicklichen Gehalt müssen Sie nicht zwingend penibel genau beantworten. Sie können zwar auf- und abrunden, sollten aber nicht zu sehr über- oder untertreiben. Wichtig ist, den richtigen Budgetrahmen des potenziellen Arbeitgebers zu treffen und zu wissen, was Sie an Gehalt erwarten dürfen, um mit guter Rhetorik und Charme Ihre neuen Gehaltswünsche zu formulieren. Fachlicher Hintergrund Ihre berufliche Kompetenz und Eignung Ihre berufliche Kompetenz und Eignung erschließt sich nicht zuletzt daraus, ob Sie kompetent mitreden und die Branchensituation richtig einschätzen und beurteilen können. Dabei wird überwiegend Ihr aktueller Wissensstand abgefragt. Haben Sie trotz intensiver Recherche nicht genug Hintergrundwissen, um etwa die Frage nach der aktuellen Marktsituation zu beantworten, dann bekennen Sie sich dazu. Kleinere Kenntnislücken vergibt man Ihnen gerne langwierige Ausführungen, die deutlich zeigen, dass Sie keine Ahnung haben, sind unentschuldbar. Was würden Sie machen, wenn...? So oder ähnlich kann die Frage lauten, wenn eine spontane Arbeitsprobe von Ihnen verlangt wird. Jetzt sind Ihr Improvisationstalent und Ihre Kreativität gefragt. Fühlen Sie sich nicht gedrängt und überlegen Sie in Ruhe. Niemand erwartet, dass Sie auf eine komplizierte Frage gleich die passende Antwort im Nu parat haben. Vermeiden Sie jedoch Lehrbuchantworten. Auch hier sollten Sie im Zweifelsfall lieber Ihre Unkenntnis gestehen, als sich hoffnungslos stotternd im Gestrüpp wilder Vorschläge zu verheddern. Denn auch die Art und Weise Ihres Vortrags wird an dieser wird an dieser Stelle mit bewertet und kann bestimmte Schwächen enttarnen. Austausch Informationen für den Bewerber In dieser Phase ist es besonders wichtig, gut zuzuhören. Denn nun will Ihr Gegenüber über seine Firma/Institution reden. Das befriedigt häufig eine gewisse Lust des Arbeitgebers an Selbstdarstellung und dient in jedem Fall der Imagepflege. Schließlich will das Unternehmen sich Ihnen möglichst positiv präsentieren. Fragen Sie ruhig nach und eröffnen Sie Ihrem Gegenüber dadurch neue Gesprächsfelder. Werfen Sie etwas ein, was Sie selbst schon in Erfahrung gebracht haben. Das macht Ihr Interesse deutlich und zeigt, dass Sie sich bereits vorab mit dem Unternehmen auseinander gesetzt haben. Übrigens: An der Qualität und Quantität des Informationsangebotes und seiner Vermittlung können Sie durchaus das Interesse an Ihrer Person und Ihren Stellenwert als Bewerber erkennen. 20

21 Harte Fakten Die Arbeitskonditionen Was wollen Sie wissen? Ihre Fragen sind erwünscht Auch wenn Sie zunächst nur einer von mehreren Kandidaten sind, wollen Sie vermutlich schon im ersten Gespräch möglichst viel über die Rahmenbedingungen im Unternehmen herausfinden. Nicht zuletzt können für Sie inakzeptable Arbeitskonditionen selbst nach einem sonst gelungenen Vorstellungsgespräch Ihrem Interesse an der ausgeschriebenen Position ein Ende setzen. Zu den Arbeitskonditionen gehören folgende Punkte: Aufgabengebiet Arbeitszeit Probezeit Kündigungsfristen Kompetenzen und Vollmachten Urlaubsregelung Gehalt Geheimhaltungspflichten Konkurrenz-/Wettbewerbsschutz Nebenbeschäftigung Vertragsänderungen sonstige Abmachungen Allerdings: Detailliert verhandelt werden diese Aspekte erst, wenn man wirklich in die absolut engere Wahl gekommen ist, sehr selten gleich im ersten Vorstellungsgespräch. Halten Sie sich also zurück mit Fragen, die zu sehr ins Einzelne gehen. Nun sind Sie an der Reihe. An klugen Fragen erkennt man einen motivierten und kompetenten Bewerber. Sollten Sie um Informationen bitten, die Sie eigentlich im Vorfeld hätten klären können oder durch aufmerksames Zuhören an einer anderen Stelle des Gesprächs längst hätten speichern müssen, erzielen Sie einen negativen Effekt. Und wer zuerst auf die Betriebsrente oder den Urlaub zu sprechen kommt, manövriert sich ins Aus. Ihre Fragen sollten sich u.a. auf folgende Aspekte beziehen: Aufgabengebiet, Zuständigkeit, Verantwortung oder Kooperationspartner. Gehen Sie aber noch nicht zu weit ins Detail. Es kann übrigens einen guten Eindruck machen, wenn Sie schriftlich vorbereitete Fragen aus der Tasche ziehen und sich auch während der Ausführungen Ihres Gegenübers gelegentlich dezent Notizen machen. Auf Ihrem Notizzettel könnten Fragen stehen wie: Ist diese Position neu geschaffen worden oder fester Bestandteil in Ihrem Unternehmen? Haben Sie eine detaillierte Stellenbeschreibung? Darf ich die sehen, mitnehmen? Gibt es ein Organigramm (Organisationsplan), in dem der ausgeschriebene Arbeitsplatz dargestellt wird? Mit welchen Personen, Abteilungen werde ich zusammenarbeiten? Wie ist die Einarbeitungsphase geplant? Welche späteren Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für mich von dieser Position aus? Welche Fort- und Weiterbildungsangebote gibt es in Ihrem Unternehmen? In Ihrer Anzeige (in Ihren Unterlagen) schreiben Sie Was verstehen Sie darunter? 21

22 Gelungener Abschluss Ausklang und Verabschiedung Über Geld spricht man nicht Wenn es ums Gehalt geht Alles gut überstanden? Nun kommt es darauf an, das Gespräch mit einem perfekten Abgang abzurunden. Man wird Ihnen für Besuch, Bewerbung und das Interesse an der Firma/Institution danken. Und auch Sie sollten sich bedanken für die Einladung und die Zeit, die man sich für das persönliche Kennenlernen genommen hat. Machen Sie deutlich, dass Sie das Interesse an Ihrer Person zu schätzen wissen. Bevor Sie gelassen, ruhig und ohne Türenknallen oder mehrmalige Aufforderung zum Ausgang gehen, sollten Sie noch Folgendes klären: Wie wird es weitergehen, also wer voraussichtlich wann zu einer Entscheidung kommt. Dies alles sollten Sie aber ohne Ungeduld vortragen. Kommen Sie bitte nicht auf die Idee, direkt oder verklausuliert zu fragen Wie finden Sie mich? oder gar Wie werden Sie sich entscheiden? Unverfänglich fragen Sie z. B.: Was meinen Sie, wie wollen wir verbleiben? Rufe ich Sie an sagen wir in einer Woche, oder melden Sie sich, bekomme ich Nachricht von Ihnen? Denken Sie daran, Ihr Auftreten wird bis zum letzten Handschlag registriert Über Geld spricht man nicht! Diese alte Benimmregel gilt leicht abgewandelt auch fürs Vorstellungsgespräch: Sprechen Sie keinesfalls zuerst über Geld. Konnten Sie das Interesse des Personalentscheiders im Gespräch wecken, kommt es unter Umständen gegen Ende ihres Treffens zu einer Gehaltsverhandlung. Der erste Schritt in diese Richtung muss jedoch vom Arbeitgeber ausgehen. Er sollte Ihnen weiteres Interesse signalisieren. In vielen Personalabteilungen werden vertragliche Rahmenbedingungen erst in einem, dem Vorstellungsgespräch folgenden Einstellungsgespräch verhandelt. Preschen Sie also in Sachen Gehalt übermütig nach vorn, wirft dies ein ungünstiges Licht auf Sie und Ihre Bewerbung. Bei Ihrem Gegenüber entsteht der Eindruck, als sei Geld Ihre Hauptmotivation und das neue Tätigkeitsfeld, die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und den neuen Kollegen würden Sie nur am Rande interessieren. Empfehlung: Nennen Sie bei Gehaltsverhandlungen immer Gehaltsspannen der Bruttojahresgehälter mit Ober- und Untergrenzen, etwa in bis 5000-Euro-Schritten. Das eröffnet die nötigen Verhandlungsspielräume, auch wenn sich die Unternehmensseite natürlich an der Untergrenze als Vorgabe orientieren wird. 22

23 Worauf Sie Anspruch haben Erstattung der Reisekosten Das Thema Reisekosten ist durchaus heikel. Denn was früher Usus war, ist in wirtschaftlich schlechten Zeiten längst nicht mehr gang und gäbe. Es besteht zwar der rechtliche Anspruch auf Rückerstattung der Fahrt- oder Flugkosten und gegebenenfalls auch der Hotelübernachtungen ( 670 BGB), wenn das Unternehmen nicht ausdrücklich vorab abgelehnt hat, diese Kosten zu übernehmen. Was zum guten Ton gehört, lässt sich jedoch von Ihnen als Bewerberin oder Bewerber nur schlecht einklagen. Schließlich wollen Sie Ihre Aussichten auf den neuen Arbeitsplatz nicht aufgrund einer kleinlichen Meinungsverschiedenheit zum Thema Reisekosten verspielen. Andererseits können Bewerbungen besonders in weiter entfernten Regionen ins Geld gehen. Mit der goldenen Regel Über Geld spricht man nicht! kommen Sie in diesem Fall nicht weiter. Spätestens am Ende eines Vorstellungsgesprächs sollten Sie sich ein Herz fassen und die Erstattung der entstandenen Kosten ansprechen. Weitaus klüger und angenehmer ist es jedoch, diese Frage bereits im Vorfeld am Telefon zu klären. Empfehlung: Wer arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet ist, hat Anspruch auf eine Reisekosten-Rückerstattung durch die Bundesagentur für Arbeit. Das kommt beiden Parteien entgegen. Vergessen Sie also nicht, vorab mit dem für Sie zuständigen Berater die entsprechenden Formalitäten zu klären. 23

24 Guten Appetit Vorstellungsgespräch im Restaurant Für Fisch entscheiden Sie sich besser nur, wenn Sie entsprechende Übung besitzen. Mit Kritik an den Speisen und am Ambiente halten Sie sich lieber zurück, denn schließlich hat Ihr Gesprächspartner diesen Ort gewählt. Alkoholische Getränke konsumieren Sie bitte nur abends, wenn auch Ihr Gegenüber sich ein Gläschen genehmigt und natürlich in Maßen. Vorstellungsgespräche werden nicht zwangsläufig im Büro des Arbeitgebers geführt. Zunehmend findet das erste Kennenlernen auch in Cafés, Restaurants oder Hotellobbys statt. Dort lässt sich dann für Termingeplagte Nützliches mit Notwendigem verbinden: Die Mittagspause wird kurz entschlossen zum Bewerbungsgespräch umfunktioniert. Außerdem gewinnt der Personalverantwortliche während des Vorstellungsgespräch an diesem Ort einen ersten Eindruck, ob Ihr Auftreten und Verhalten gegenüber Geschäftspartnern in ähnlichem Rahmen einwandfrei sein würde. Selbstverständlich sind Sie darauf vorbereitet, gerade auch im Restaurant zunächst mit einem lockeren Small Talk zu beginnen, bevor Ihr Gegenüber das eigentliche Vorstellungsgespräch eröffnet. Empfehlung: Sind Sie unsicher, was Sie aus der Speisekarte wählen sollen? Warten Sie am besten, wie sich der Gastgeber entscheidet und orientieren Sie sich beim Preis und der Anzahl der Gänge an dieser Wahl. Selbstverständlich können Sie auch um die Empfehlung eines Gerichts bitten. So erfahren Sie ganz nebenbei die angemessene Preislage. Gute Tischmanieren und eine gewisse Esskultur sind für derlei Gespräche unerlässlich. Der richtige Umgang mit Messer, Gabel und Löffel ist Ihnen genauso vertraut wie der richtige Umgangston mit dem Servicepersonal. Beim Auswählen der Gerichte sollten Sie sich preislich am besten im Mittelfeld orientieren. Falls Ihre Hände vor Aufregung allzu sehr zittern, verzichten Sie lieber auf Suppe, die im Zweifelsfall sonst auf Ihrer Bluse oder Ihrem Hemd landet. 24

25 Warten auf Antwort Was tun, wenn sich keiner meldet? Distanz die im Brief geschilderten Beweggründe unglaubwürdig erscheinen lässt. Auch wenn Sie schon eine Absage erhalten haben und sich dennoch schriftlich oder telefonisch melden und Ihre Akzeptanz (was bleibt Ihnen auch anderes übrig) aber auch Ihr großes Bedauern zum Ausdruck bringen ( weil Sie doch... so motiviert sind etc.), kann dies immer noch dazu führen, Sie von Platz zwei auf das Siegertreppchen zu bringen. Der letzte Satz im Vorstellungsgespräch ist in der Regel ein vielversprechendes Wir melden uns dann bei Ihnen!. Und dann herrscht häufig erst einmal Funkstille. In den meisten Fällen laden Unternehmen mehrere Kandidatinnen und Kandidaten zum Vorstellungsgespräch ein. Schon deshalb kann das Prozedere der Auswahl länger dauern, als Ihnen lieb ist. Ein bisschen müssen Sie sich schon gedulden, sonst disqualifizieren Sie sich leicht als übermotivierte Nervensäge. Zum Beispiel wenn der erste Kandidat absagt oder in der Probezeit versagt oder der Arbeitgeber sogar einen zweiten Arbeitsplatz einrichtet, weil Sie es ihm wert sind. Aus unserer Erfahrung kommt dies in der Praxis häufiger vor, als Sie es jetzt vielleicht glauben mögen. Das Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader wünscht Ihnen für alle anstehenden Vorstellungsgespräche viel Erfolg und viel Glück! Doch wenn Sie nach sieben Tagen immer noch keinen Bescheid haben, sollten Sie nachhaken und zum Hörer greifen. Betonen Sie dabei Ihr weiterhin bestehendes Interesse. Drängeln Sie nicht, sondern fragen Sie höflich nach, bis wann Sie mit einer Nachricht rechnen können. Eine durchaus stilvolle Art, um direkt nach dem Vorstellungsgespräch Ihr Interesse am Job zu unterstreichen, ist der so genannte Nachfassbrief. In ihm danken Sie für das angeregte Gespräch und stellen noch einmal in wenigen Sätzen Ihre dadurch gesteigerte Motivation dar, in diesem Unternehmen tätig zu werden. Diesen Brief sollten Sie jedoch spätestens drei Tage nach Ihrem Termin abschicken. Sonst laufen Sie Gefahr, dass die allzu lange zeitliche 25

26 KARRIEREENERGIE. MIT Zünden Sie den Turbo für Ihre Karriere mit KarriereEnergie, dem kostenlosen Magazin von RWE für Studenten und Absolventen (m/w). Wir informieren Sie regelmäßig über spannende Einstiegsmöglich keiten bei RWE sowie über interessante Neuigkeiten und Veranstaltungen. Zudem erhalten Sie wertvolle Karrieretipps von unabhängigen Personalberatern. Mit dem Magazin KarriereEnergie starten Sie direkt durch und bleiben den anderen immer eine Nasenlänge voraus. Jetzt online über die RWE Bewerberakademie anmelden: VORWEG-GEHER-GESUCHT.DE

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