Zukunft des Case Managements Zur aktuellen Diskussion in der Sozialpolitik

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1 Zukunft des Case Managements Zukunft des Case Managements Zur aktuellen Diskussion in der Sozialpolitik Prof. Dr. Peter Löcherbach KFH-Mainz Geschäftsstelle zur Zertifizierung von Case Management Sprecher der Fachgruppe Case Management der Deutschen Gesellschaft für Sozialarbeit

2 Zukunft des Case Managements Das erwartet Sie: 1. Aktuelle Diskussion 2. Definition CM 3. Theorie des CM 4. Praxis des CM 5. Anforderungen an CM 6. CM der Zukunft Übersicht Das wäre noch interessant: 1. Ausführliche Beispiele 2. Qualifikation von CM 3. Qualitätsverbesserung durch CM 4. Wirkungen von CM 5. Implementierungsmöglichkeiten von CM

3 1. Aktueller Diskussion Politik Dimensionen des CM Umbau Sozialstaat Zivilorientierung Ökonomisierung Organisation Systemsteuerung I. einzelfallübergreifend II. einrichtungsübergreifend Handeln Fallsteuerung einzelfallbezogen (nach Wendt 2003)

4 1. Aktueller Diskussion Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach 3 Einfluss marktwirtschaftlicher Kräfte (Ewers 2000, 38)

5 Grundlegende Definition: Case Management 2. Definition CM CM umfasst die Organisation (Planung, Begleitung und Evaluation) von (Be-)Handlungsabläufen mit dem Ziel einer effizienten und effektiven Versorgung des Patienten/ Klienten kurz: die Fall- und Systemsteuerung von Hilfeprozessen eine prinzipielle Beteiligung von mehreren Personen die Nutzung vorhandener Arrangements die Erreichung neuer Arrangements CM ist ein zusammenfassender Begriff für ein neues System der Sozial- und Gesundheitsversorgung

6 Kernpunkte eines Case Managements (nach Wißmann 2003) Indikation: Indikation: Partner- Partner- (bzw. (bzw. Problemkomplexität/ Kontinuität in der Hohe Hohe Akteursdichte Akteursdichte Kontinuität in der Kunden) Kunden) Fallintervention Fallintervention und und Paradigma Paradigma -verantwortlichkeit -verantwortlichkeit 3. Theorie des CM Ressourcen- Ressourcen- Orientierung Orientierung Priorität Priorität von von Unterstützungs- Unterstützungs- Funktion Funktion Case Case Management --Essentials- Konsequente Konsequente Realisierung Realisierung des des CM-Regelkreises CM-Regelkreises Überwindung Überwindung segmentiertetierterdienstleistungegen u. u. Strukturen Strukturen segmen- Kontraktgebundenheit Kontraktgebundenheit

7 CM Logik(en) Genereller Ansatz Case Management - Essentials Spezifische CM-Anwendung Medizin Pflege Soziale Arbeit Fallmanagement Praxisnetze Hausarztmodelle Integrierte Versorgung DMP Pflegeprozessmanagement CM im Krankenhaus CPW-Entwicklung Überleitungspflege Orientierung CM-Prinzipen Unterstützungsmanagement Drogen/AIDS Behinderung Rehabilitation Altenarbeit, ASD Beschäftigungsf. Vermittlungs- management

8 3. Theorie des CM Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach Die CM-Funktionen

9 3. Theorie des CM Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach Advocacy oder die anwaltschaftliche Funktion (Ewers 2000, 64)

10 3. Theorie des CM Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach Broker oder die vermittelnde Funktion (Ewers 2000, 67)

11 3. Theorie des CM Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach Gate-Keeper oder die selektierende Funktion (Ewers 2000, 70)

12 3. Theorie des CM Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach Fall = Situation des Klienten CM = Einbeziehung persönlicher, sozialer, medizinischer und pflegerischer Dimensionen oder: Der Klient ist nicht eindimensional (leider)

13 Bedeutung von Screening im CM Screening bedeutet zwischen CM-Fällen und Nicht-CM-Fällen anhand bestimmter Kriterien zu unterscheiden Bildung von Fallgruppen Kriterium: Unterstützungs- bzw. Hilfebedarf oder Integration, Zuordnung von Fallgruppen und Strategien Zuordnung von Fallgruppen und Aufwand ( Case Load ) C M A U F T R A G Die Situation von CM- Klienten ist gekennzeichnet durch mehrdimensionale Problemkomplexität (persönliche und sozialen Ebene) Probleme im Zugang zu Versorgungsangeboten ökonomische Probleme hohe Akteursdichte Besonderheiten

14 CM-Fallführung bedeutet 1. Lotsenfunktion 3. Theorie des CM fallweise Prozesssteuerung Auswahl der passgenauen Hilfen Begleitung Überprüfung der Wirksamkeit

15 CM-Fallführung bedeutet 2. Beratung, Assessment Lotsenfunktion Hilfeplanung Kontrakt 3. Theorie des CM fallweise Handlungskompetenz Prozesssteuerung Kenntnis Auswahl der Infrastruktur der passgenauen Nutzung der Ressourcen Hilfen Vermittlung Vernetzung, Begleitung Anleitung Begleitung, Kontrolle Der Übergang zur Systemsteuerung ist fließend Überprüfung Dokumentation der Wirksamkeit Evaluation

16 CM-Fallführung bedeutet 3 Beratung, Assessment Lotsenfunktion Klarheit/Klärung Hilfeplanung Kontrakt 3. Theorie des CM fallweise Handlungskompetenz Zuständigkeit Prozesssteuerung Kenntnis Auswahl der Infrastruktur der Kompetenzverteilung passgenauen Nutzung der Ressourcen Hilfen Vermittlung Kooperations- bzw. Vernetzung, Begleitung Anleitung Leistungsverbund Begleitung, Kontrolle Überprüfung Dokumentation der Gesundheitsplanung Wirksamkeit Evaluation Grundlagen von Sozial-

17 Integration von Leistungen Beratungs- und Behandlungsmaßnahmen als Gesamtprozess begreifen Teilaspekte aus Sicht von Dienstleistern 3. Theorie des CM vorh. Maßnahmen Aktuelle Situation eigene Erkenntnisse vorhandene Empfehlungen eigene Maßnahmen Internes CM Ansprechpartner Kooperation Sozialarbeit Medizin Pflege Andere DL Anschlussmaßnahmen Anschlussprobleme minimieren CM-Prozess sichern Soziales Netz Prof. Netz Systematische Vorgehensweise Routine für Administration Chancen für Löcherbach Verbesserung

18 Die Steuerungsebenen im CM Systemsteuerung Fallsteuerung 3. Theorie des CM Organisation Träger einzelfallübergreifend Prozessablauf intern Voraussetzung für Qualität ermöglicht limitiert präzisiert Brokering Planing Rückkopplung Handeln einzelfallbezogen fallbezogene Prozesssteuerung Organisation Einricht. einrichtungsübergreifend Versorgungsmanagement Community Planing Bedarfsanalysen Bestandsanalysen Soll-Ist-Vergleich

19 Systemsteuerung und Netzwerke Netzwerkebenen 3. Theorie des CM Trägerebene Dienste vor Ort/intern Verbund (lokal) Verbund (regional) bundesweite Organisation Aufgaben und Funktionen Einrichtungsebene ähnliche Dienste andere Dienste Versorgungsbereich sektorenbezogen sektorenübergreifend Aufbau und Pflege von Kooperationsnetzen Klientenbeteiligung sichern Spezifische Fachthemen behandeln Abstimmung und Anpassung von Maßnahmen

20 4. Praxis des CM Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach Case Management Wo fängt CM eigentlich an?

21 4. Praxis des CM Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach Die Wirkung von Case Management in der Praxis hängt von der Handlungsebene und der Organisationsebene gleichermaßen ab. Case Management umfasst die Fall- und Systemsteuerung

22 Vorschlag zur Systematisierung 4. Praxis des CM CM CM als als eye-catcher Ergänzung CM CM als vollständige Fallmanagement Implementierung

23 4. Praxis des CM Bestehende Abläufe und Verfahren werden mehr oder weniger ungeprüft als Case Management bezeichnet, aufgrund der vermuteten inhaltlichen o. organisatorischen Nähe zum Handlungsansatz unter Bezugnahme auf Begriffe: Vernetzung, Verlinkung, Fallsteuerung, Fallmanagement etc. CM als eye-catcher Über den quantitativen Umfang dieser Vorgehensweise in der Praxis liegen keine gesicherten Daten vor. eine qualitative Verbesserung kann nicht ausgeschlossen werden.

24 4. Praxis des CM Es werden einzelne Verfahrensschritte aus dem CM systematisch zur Verbesserung der Praxis eingesetzt. Die übrigen methodischen Schritte und Verfahrensabläufe bleiben hiervon (mehr oder weniger) unberührt. Der Gegenstandsbereich, auf den sich das Verfahren richtet, ist speziell und umfasst nicht die Gesamtsituation der Kunden CM als Ergänzung Über den quantitativen Umfang dieser Neuerungen in der Praxis liegen keine gesicherten Daten vor, es ist eine steigende Tendenz zu beobachten Es können positive Effekte erzielt werden ohne das Verbesserungspotential voll auszuschöpfen

25 CM als Ergänzung Politischer Kontext Organisatorischer Kontext Setzung strategischer Ziele 4. Praxis des CM Intake Assessment Zielvereinbarung Hilfeplanung Leistungssteuerung Methoden Ablauf Organisation Monitoring

26 4. Praxis des CM CM als Fallmanagement Es werden die Schritte des Fallmanagements (Intake, Assessment, Service- Planing, Monitoring, Re- Assessment, Evaluation) mit bestehenden Konzepten verbunden bzw. es erfolgt eine Umstellung auf CM-Verfahren in der konkreten Fallarbeit. Die Gesamtsituation des Kunden wird einbezogen. Die Systemebene bleibt weitgehend ausgeblendet bzw. wird nur rudimentär beachtet. Über den quantitativen Umfang dieser Neuerungen in der Praxis liegen keine umfassenden Daten vor, aber es gibt Hinweise (Literatur-und Internetrecherche, Expertenbefragung), dass eine Vielzahl von Einrichtungen und eine größere Anzahl von Trägern diese Integration bereits umsetzen bzw. umsetzen wollen Es werden qualitative Verbesserungen in der Fallarbeit erreicht Klientorientiertes Vermittlungsorientiertes Case Management vs. Case Management (Reis)

27 CM als Fallmanagement Politischer Kontext Organisatorischer Kontext Setzung strategischer Ziele Beratung 4. Praxis des CM Assessment Zielvereinbarung Hilfeplanung Wirkungs- Analyse/ Controlling Leistungssteuerung Monitoring

28 4. Praxis des CM Vollständige Implementierung Es wird der Handlungsansatz des CM in der Fall- und der Systemsteuerung implementiert. Sowohl die direkte Arbeit mit Klienten/Patienten als auch die Netzwerkarbeit mit den relevanten Diensten und Einrichtungen wird nach CM-Verfahren umgestellt. Über solche Implementierungen liegen Veröffentlichungen vor, die häufig als Modell- und Forschungsprojekte auch evaluiert werden.

29 Prozess des Case Managements (in Anlehnung an Reis 2002) Politischer Kontext Bedarfsanalyse Bestandsanalyse Organisatorischer Kontext Setzung strategischer Ziele 4. Praxis des CM Intake Assessment Zielvereinbarung Angebotsentwicklung Angebotssteuerung Wirkungs- Analyse/ Controlling Hilfeplanung Leistungssteuerung Monitoring

30 Anforderungen an Case Manager/innen Berufliches Selbstverständnis 2. Anforderungen an CM 5. Anforderung an CM Interdisziplinarität Verhandlungsführung Institutionskenntnisse Systemsteuerung Ressourcenallokation Koordination/Kooperation Fallsteuerung Authentizität Systemkompetenz Sachkompetenz Methodische Kompetenz Soziale Kompetenz Belastbarkeit Selbstkompetenz

31 M 5. Anforderung an C Case Management Diakonie und Wissenschaft Löcherbach Gelingende Kooperation und Koordination bedarf einer systematischen Vorgehensweise oder: Es geht um die Entwicklung einer Kooperationskultur unter Beachtung des Eigensinns der Beteiligten.

32 5. Anforderung an CM Fachgruppe Case Management der DGS Forum Praxis Ausbildungsstand Forschung Abstimmungsbedarf Handlungsbedarf Entwicklung von QS für die Ausbildung Zertifizierung von Ausbildungen Verabschiedung von CM-Richtlinien ( ) Gemeinsam: DGS, DBSH, DBfK Richtlinien für Case Manager/in Richtlinien für Weiterbildungsinstitute Richtlinien für CM- Ausbilder/innen Download:

33 6. Case Management der Zukunft Qualitätsverbesserungen in der Praxis Vorarbeiten (überindividuell/einrichtungsbezogen) Bedarfe der Adressaten (Unterschieden nach Fall/Klient/Kundengruppen) Ziele und grundsätzliche Strategie für die Fallgruppen Leistungen/Maßnahmen für die Fallgruppen Prozessablauf (überindividuell: Rahmen für individuelles Vorgehen) Screening (Unterscheidung CM-Klient/Nicht Klient/Nicht-CM-Klient) Verfahren nach CM (inklusiv Komm./Kooperation) Abschluss Evaluation Einzelfälle, Fallgruppen, Netzwerke Bildung von Kennzahlen (unterschieden nach Kundengruppen) Berater : Klient (z.b. 1:25 für FG CM) Klient : Leistungen (z.b. 1: xy Maßnahmen pro FG 3) Zielerreichungsquoten (z.b. 70% Vermittlung in 1. Arbeitsmarkt für FG 1) n

34 6. Case Management der Zukunft Zukünftige Entwicklung Integration von von Etablierung von von Ausbau eigener CM CM als als Standard-/ Standards in in der der CM-Forschung Regelleistung in in Praxis Praxis und und Versorgungs- Weiterbildung sektoren Orientierung im im CM: CM: consumerdriven CM CM vs. vs. und und Effizienz- Anwendungsbestudien system-driven CM CM reiche bzw. bzw. Implementa- Prozessstandards tionsstudien klient- klient-vs. vs. von Zuständigkeiten Effektivitätsdriven vermittlungs- Zertifizierung von orientiertem CM CM Weiterbildung

35 6. Case Management der Zukunft Thesen zur inhaltlichen Entwicklung Handeln Entwicklung von von Standards für für die die Fallsteuerung Assessment Serviceplanung Evaluationskriterien best best practice Generelle und und anwendungsspezifische Aspekte Fall- und Systemsteuerung Weitergehende Differenzierung der der Zusammenhänge von von Handeln und und Organisation Prozesse der der Systemsteuerung als als Voraussetzung der der Fallsteuerung; Kreisläufe von von Fallunund Systemsteuerung Implementierungsstrategien Fall- Organisation Beschreibung und und Differenzierung der der verschiedenen System- und und Steuerungsebenen Träger Träger Einrichtung Versorgungsbereich

36 6. Case Management der Zukunft Thesen zur Qualifikation Die Die Eine Eine qualifizierte Zur Zur Sicherung der der Implementierung Weiterbildung ist ist Qualität sind sind von von Fallsteuerung notwendig und und Weiterbildungs- ohne ohne System- muss muss standards steuerung ist ist spezifisches unerlässlich. ineffektiv. Die Die Fachwissen und und Die Die CM-Richtliniender DGS DGS Anforderungen Können, sowie sowie linien an an Case Case eine eineethische können als als Manager/innen Grundlage Referenzgröße für für sind sind daher daher sehr sehr vermitteln. andere andere CM- CMhoch. hoch. Weiterbildungen dienen dienen und und sind sind anschlussfähig.

37 6. Case Management der Zukunft Thesen zur Professionalisierung Anschlussmodell CM CM wird wird in in die die Berufsvollzüge integriert CM CM wird wird als als eines eines von von mehreren Verfahren in in die die normale Ausbildung aufgenommen Differenziertes Anschlussmodell CM CM etabliert sich sich als als spezielles Verfahren CM CM bedarf bedarf einer einer gezielten, zertifizierten Weiterbildung Professionali- sierungsmodell CM CM etabliert sich sich als als eigenes Aufgaben- und und Berufsfeld CM CM wird wird ein ein neuer neuer Beruf Beruf mit mit eigener Ausbildung Unter den den Aspekten von von Professionalisierung und und Anwendungsfeldern kann dieser Prozess in in den den Bereichen Pflege/Gesundheit und und Soziale Arbeit allerdings sehr unterschiedlich verlaufen.

38 Zukunft des Case Managments Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf einen interessanten Austausch Kontakt: Internet:www.case-manager.de Kontakt: Internet:www.case-manager.de

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