Trotz günstiger Finanzierungssituation weiterhin Zurückhaltung bei Investitionen und Kreditnachfrage

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1 Zur Lage der Unternehmensfinanzierung 27. Mai 2013 Trotz günstiger Finanzierungssituation weiterhin Zurückhaltung bei Investitionen und Kreditnachfrage Die deutsche Wirtschaft ist im 1. Quartal 2013 nur geringfügig gewachsen. Im vergangenen Jahr waren die Ausrüstungsinvestitionen um fast 5 % eingebrochen. Vor diesem Hintergrund ist die Nachfrage nach Krediten weiterhin verhalten. Der Kreditbestand blieb im 1. Quartal 2013 gegenüber dem Vorjahreswert konstant. Der Kreditzugang ist für die Unternehmen auch weiterhin sehr gut, die Zinsen verharrten zu Jahresbeginn auf ihrem zuletzt historisch niedrigen Niveau. Schwacher Jahresbeginn Die deutsche Wirtschaft ist sehr schwach in das Jahr 2013 gestartet. In den ersten drei Monaten des Jahres konnte die gesamtwirtschaftliche Leistung nur marginal steigen (saisonund kalenderbereinigt +0,1 % gegenüber dem Vorquartal). Da das dürftige Ergebnis zumindest teilweise auch auf den außergewöhnlich langen Winter zurückzuführen ist, ist im 2. Quartal vor allem im Bausektor mit gewissen Nachholeffekten zu rechnen. Die zuletzt etwas gedämpften Stimmungsindikatoren lassen insgesamt aber auch für das 2. Vierteljahr nur ein mäßiges Wirtschaftswachstum erwarten. Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland ist somit vom Frühsommer letzten Jahres an deutlicher und vor allem länger als bislang angenommen ins Stocken geraten. Wesentliche Ursachen für die Schwächephase sind dabei die tiefe Rezession in zahlreichen europäischen Nachbarstaaten sowie die anhaltende Unsicherheit über wirksame Maßnahmen zur Stabilisierung der Euro-Zone. Beide Faktoren haben in Deutschland trotz des extrem niedrigen Zinsniveaus vor allem zu einer überraschend starken Zurückhaltung bei den Investitionen geführt. So sind die Ausrüstungsinvestitionen im vergangenen Jahr um fast 5 % eingebrochen, was angesichts des gesamtwirtschaftlichen Wachstums von immerhin noch 0,7 % eine außergewöhnliche Entwicklung war. Doch auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres hat sich die Investitionsschwäche fortgesetzt (saison- und kalenderbereinigt -0,6 % Seite 1 / 7

2 gegenüber dem Vorquartal). Positive Wachstumsbeiträge kamen hingegen vom privaten Konsum, der inzwischen zum größten Hoffnungsträger für ein etwas dynamischeres zweites Halbjahr wird. Angesichts des schwachen Jahresbeginns wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland, selbst bei einer kontinuierlichen Beschleunigung im weiteren Jahresverlauf, im gesamten Jahr 2013 mit knapp 0,5 % noch hinter der mageren Vorjahresentwicklung zurückbleiben. Bemerkenswert ist allerdings, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland trotz dieses sehr niedrigen Wirtschaftswachstums robust bleibt. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass die strukturellen Wirtschaftsreformen, die in Deutschland in der letzten Dekade auf den Weg gebracht wurden, eine positive Wirkung entfalten. Vor gut zehn Jahren war hierzulande noch ein reales Wirtschaftswachstum von 2 % nötig, um das Beschäftigungsniveau konstant zu halten. Kreditvolumen auch im 1. Quartal 2013 ohne große Änderungen Das Volumen der Kredite an Unternehmen und wirtschaftlich Selbständige lag nach Angaben der Deutschen Bundesbank im 1. Quartal des Jahres 2013 mit insgesamt 873,4 Mrd. leicht (+ 0,3 %) über dem Wert des Vorquartals, gegenüber dem Vorjahreswert blieb das Volumen allerdings konstant. Bei den privaten Banken stieg das Volumen zu Jahresbeginn gegenüber dem Schlussquartal aus 2012 um + 1,1 %, das der Großbanken sogar um + 1,8 % an. Die Volumina der Regionalbanken, der Sparkassen und Genossenschaftsbanken wuchsen stetig weiter. Insgesamt blieb aber auch im 1. Quartal 2013 die Nachfrage und damit die Kreditvergabe noch moderat. Umgekehrt ist der Zugang zu Krediten auch weiterhin überwiegend unproblematisch. Die Erwartungen der privaten Banken hinsichtlich Investitionen und Kreditnachfrage der Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte sind zurückhaltend. Die Entwicklung dürfte aus heutiger Sicht schwach rückläufig bis stabil sein. Seite 2 / 7

3 Kredite an inländische Unternehmen und wirtschaftlich Selbständige (ohne Wohnungsbau und Finanzierungsinstitutionen) Jahr Insgesamt* Kreditbanken Sparkassen und Landesbanken Genossenschaftssektor Stand am Jahres- bzw. Quartalsende in Mrd ,61 220,98 387,56 141, ,36 215,77 384,01 148, ,65 222,23 384,34 151, ,00 222,31 384,51 162,61 1. Q ,39 224,84 383,82 164,88 Veränderung gegenüber Vorjahr (in %) ,6-8,4-3,6 +4, ,0-2,5-0,5 +4, ,6 +0,9 +0,1 +3, ,3-2,3 +0,6 +5,3 1. Q ,0-1,7 +0,2 +5,0 * Zum Berichtskreis gehören zusätzlich: Realkreditinstitute, Bausparkassen und Banken mit Sonderaufgaben. Quelle: Deutsche Bundesbank, Seite 3 / 7

4 Weiterer Anstieg der Anleiheemissionen Im Bereich der Anleiheemissionen setzte sich der Trend der vergangenen zwei Jahre fort. Das Gesamtvolumen der umlaufenden Anleihen nicht-finanzieller Unternehmen stieg im März 2013 auf 103,1 Mrd. und lag damit fast 15 % über dem Vorjahreswert. Vor allem große Unternehmen mit starken Bonitäten nutzen die sehr günstigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt, um sich langfristige Liquidität zu sichern. In diesem Zeitraum gewannen Anleihen im Verhältnis zu ausstehenden Krediten deutlich an Gewicht. Basel III gilt ab 2014 mit Erleichterungen für KMU-Kredite Die vom Baseler Ausschuss verabschiedeten Beschlüsse zur neuen Bankenregulierung treten aller Voraussicht nach zum 1. Januar 2014 als sogenanntes CRD-IV-Paket in der EU in Kraft. Nachdem das Europäische Parlament und der Rat im Frühjahr eine Einigung erzielt haben, stehen die Regelungsinhalte fest. Im Rahmen der erhöhten Eigenkapitalvorschriften für die Banken wird der ursprünglich schon mit Basel II in Europa eingeführte Mittelstandskompromiss beibehalten und sein Anwendungsbereich sogar noch ausgeweitet: In der EU müssen Kredite bis zu einem Gesamtvolumen von 1,5 Mio. (pro Bank) an Unternehmen mit einem Umsatz von unter 50 Mio. nicht mit zusätzlichem Eigenkapital unterlegt werden gegenüber Basel II. Seite 4 / 7

5 Bank Lending Survey in Deutschland In der Umfrage, die von der Europäischen Zentralbank vierteljährlich unter Banken durchgeführt wird (Bank Lending Survey), berichten die Institute aus Deutschland von einer Lockerung bei der Anwendung ihrer Kreditrichtlinien im 1. Quartal rechnen mit einem leichten Anstieg der Kreditnachfrage. Insbesondere der starke Wettbewerb unter den Banken wird als Grund für diese Lockerung angeführt. Bezüglich der Nachfrage nach Krediten berichten die Banken von Zurückhaltung von Seiten der großen Unternehmen. Für das kommende Quartal erwarten die Banken in Deutschland keine Veränderung ihrer Vergabestandards und und im Euroraum Nach Berichten der Banken kam es im gesamten Euroraum im Durchschnitt zu einer weiteren Verschärfung der Kreditvergaberichtlinien zu Jahresbeginn. Obschon sich die Refinanzierungssituation vieler Banken auch in den Krisenstaaten verbesserte und die EZB den Leitzins (zuletzt im Mai 2013) nochmals abgesenkt hat, stockt die Kreditvergabe, in einigen Krisenstaaten ist das Gesamtvolumen ausstehender Kredite sogar stark rückgängig. Grund hierfür ist aber nach Angaben der Banken insbesondere auch die konjunkturelle Lage und Aussicht der Unternehmen und der jeweiligen Volkswirtschaft. Die Nachfrage nach Krediten blieb weiterhin rückgängig. Seite 5 / 7

6 Zinsen weiter gesunken Für neu vergebene Kredite an Unternehmen in Deutschland verharrten die Effektivzinsen zu Jahresbeginn auf ihrem zuletzt sehr niedrigen Niveau. Für Kredite unter 1 Mio. lagen die Zinssätze bei langund kurzfristigen Laufzeiten unter 3,0 %, mittlere Laufzeiten dagegen bei etwas über 3,5 %. Großvolumige Kredite (über 1 Mio. ) wurden zu Zinsen in Höhe von unter 2,0 % (kurzfristig) bzw. unter 3,0 % (mittel- und langfristig) vergeben. Seite 6 / 7

7 Unternehmen müssen SEPA Einführung aktiv vorbereiten Nach Erhebungen der Europäischen Zentralbank sind bislang in Deutschland erst knapp 7 % der Überweisungen und unter 1 % der Lastschriften SEPA-konform. Keine 10 % der Unternehmen in Deutschland sind nach Einschätzung privater Banken auf die ab dem 1. Februar 2014 verpflichtende Umstellung auf den SEPA-Zahlungsverkehr vorbereitet. Viele Unternehmen haben sich mit den notwendigen Vorkehrungen zur Überleitung auf den neuen Zahlungsverkehr noch nicht beschäftigt. Da aber fast alle Unternehmensbereiche von der Umstellung betroffen sind (Buchhaltung, Personalabteilung, Treasury, Kundenbetreuung, Vertrieb, IT), kann diese Umstellung nicht innerhalb weniger Tage nachgeholt werden. In der Folge kann der Zahlungsverkehr beeinträchtigt werden bis hin zur Zahlungsunfähigkeit. Davon sind wiederum andere Unternehmen betroffen, wenn diese keine Zahlungen erhalten können. Den Banken ist es gesetzlich untersagt, ab Februar 2014 noch den Zahlungsverkehr herkömmlicher Art anzubieten. Daher sollten die Unternehmen sofern noch nicht geschehen die Einführung von SEPA in ihrem eigenen Interesse aktiv vorbereiten. Herausgeber: Bundesverband deutscher Banken e.v., Postfach , Berlin, Telefon , Telefax , Bundesverband deutscher Banken e.v. Der Bankenverband ist die Interessenvertretung der privaten Banken in Deutschland. Seite 7 / 7

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