Hochfest der Geburt des Herrn in der heiligen Nacht 24. Dezember Lesejahr ABC

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1 Hochfest der Geburt des Herrn in der heiligen Nacht 24. Dezember Lesejahr ABC : Lk 2,1-14(21) 1. Hinführung (kann vorgetragen werden) Der Evangelist Lukas stellt seinem eine sogenannte Kindheitsgeschichte voran. Anhand von Erzählungen von der Geburtsankündigung bis zum 12-jährigen Jesus im Tempel beschreibt er uns, wer Jesus ist. Heute in der Heiligen Nacht, verkündet uns der Engel des Herrn mit österlichen Heilstiteln, wer Jesus zu unserem Heil ist. Der Engelchor singt uns vor, wie wir lobend und preisend antworten können. Alternativer Text Die lukanische Erzählung von der Geburt Jesu ist ein Kunstwerk. Eingeführt werden wir in die Erzählung mit dem Kaiser Augustus, der gekennzeichnet wird mit dem Stichwort aufzeichnen lassen, das mehrfach vorkommt. Hingeführt werden wir im Lauf der Erzählung immer näher zu Jesus, dessen Name bedeutet Jahwe rettet. Im ersten Drittel der Erzählung geht es um äußeres Geschehen, im zweiten Drittel um inneres Geschehen in der Erscheinung der Engel, im dritten Teil geht es darum, wie Menschen sich von der Frohbotschaft bewegen lassen zu Jesus hin. Genau in der Mitte der Geschichte steht die Engelbotschaft an uns, wer Jesus seinem Wesen nach ist. Sie beginnt mit dem Wort heute. 2. Praktische Tipps zum Vorlesen a. Textzusammenhang Die Erzählung von der Geburt Jesu, Lk 2,1-20, ist wie die gesamte Vorgeschichte Lk 1-2 in sich ein wohl komponiertes Kunstwerk. Die Leseordnung sieht nicht den ganzen Text vor; das letzte Drittel ist für den nächsten Gottesdienst am Morgen vorgesehen. Wenn man dem Text gerecht werden will, müsste man den ganzen Text Lk 2,1-20 in einem Stück lesen. Dies wird hier empfohlen (beim folgenden Text ist der fehlende Teil in eckigen Klammern eingefügt).. Dieser Vorschlag wird unterstützt durch die Tatsache, dass in heutiger Zeit selten Menschen mehrere der Weihnachtsgottesdienste hintereinander weg besuchen und damit den Text ganz aufnehmen können. 1

2 b. Betonen aus dem heiligen nach Lukas 1 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. 2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. 3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. 4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. 5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. 6 Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, 7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. 8 In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. 9 Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, 10 der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: 11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. 12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. 13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: 14 Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. 2

3 [15 Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. 16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. 17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. 18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. 19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. 20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. 21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus.] c. Stimmung, Modulation Lukas erzählt sehr farbig. So darf ruhig sehr lebendig vorgetragen werden. V 1-7 ist geprägt von einem mehr berichtenden Stil, V 8-14 ist voller Gefühle, zuerst Furcht, dann sehr große Freude. Der Verkündigungssatz in der Mitte der Erzählung sollte gut geübt werden: Das Heute soll sehr klar klingen, ebenso die Heilstitel Retter, Messias, Herr und Stadt Davids (Messiashinweisung). Das Lob der Engel darf wirklich als freudiges Preisen hörbar sein. Der dritte Teil V 15-21) ist gekennzeichnet durch die vielen Verben, die so gelesen werden können, dass man die Bewegung allenthalben innerlich mitvollziehen kann. d. Besondere Vorleseform Die drei Teile (markiert) können von 3 Lektor(inn)en gelesen werden, zumal wenn die Hinführung zur Lesung die Struktur bewusst macht. (2. Variante oben) und dadurch deutlich wird, wie wir als HörerInnen geführt werden. Alternative: Ein Lektor/in liest als ErzählerIn. Ein/e andere/r liest die Botschaft des Engels des Herrn, V Zwei bis drei weitere lesen die beiden Sätze, in denen mehrere sprechen, die Engelschar in V14 und die Hirtenäußerung in V 15. 3

4 3. Textauslegung Aus der Reihe Gottes Volk Deutlich legt der dritte Evangelist Wert auf die davidische Überlieferung: Die Stadt Davids, das Hirtenmilieu (1 Sam 16,11), das Wickelkind in der Krippe als Erkennungszeichen ( ) und als Kontrastprogramm (auch zu 1,57-80). Betont ist der Bezug nach unten, zur Krippe, zum Kreuz (Lk 11,29f), zum geburtlichen wie sterblichen Leben. Dieser neue David (Jesus) ist ohnmächtig-mächtig von Anfang an, ein Kind. Vom letzten Plan her wird sich alles ändern, von der "Krippe", dem "Stall", am Rande und im Dreck, im Dunkel und der Finsternis. Das Ganze ist wie im Roman sagenhaft gestaltet: von einer universalen Volkszählung im Reich wissen wir historisch z. B. nichts. Auffällig die Zurückhaltung: die Geburt Jesu wird überhaupt nicht erzählt (oder gar ausgemalt). Entscheidend ist die Botschaft von Vers 11, global und lokal, individuell und sozial alles verändernd, vom letzten Platz her, von ganz unten. Bewusst wird der Bezugsrahmen des Geschehens weltpolitisch, ja kosmisch aufgespannt: So verborgen der kommende Messias auch noch ist, er hat weltgeschichtliche Ausstrahlung, er macht "Augustus" Dampf und Konkurrenz. Was da zur Welt kommt, ist ganz von Gott und von universaler Bedeutung. Nicht Details sind wichtig, wohl die Tonlage und die Botschaft im Ganzen. Alles zielt auf das Faktum der Geburt, das den Hirten und "dem ganzen Volk" (Israel und der Kirche also) von den Engeln erst erschlossen werden muss. "Heute ist Euch der Retter geboren in der Stadt Davids; es ist der Christus (der Messias), der Herr." (Vers 11). Entscheidend dabei ist das "Heute": der "Retter" ist der heilende Messias, der Wendepunkt schlechthin. und Apostelgeschichte werden von ihm und seiner alles revolutionierenden Ausstrahlungskraft erzählen. Am Ende kommt dieses bis nach Rom, in die Hauptstadt des Augustus, und "bis an die Grenzen der Erde" (Apg 1,8). Wenn Gott ins Leben einfallt, verändert sich alles -entsprechend lautet die Doppelspannung im Loblied der himmlischen Heerscharen, auf das alles zuläuft: "Die Herrlichkeit Gottes ist der lebende Mensch - das Leben des Menschen die Anschauung, die Erfahrung Gottes", wie 100 Jahre später der Kirchenvater Irenäus von Lyon formuliert. Vom Wohlgefallen ist die Rede zwischen Gott und Mensch: Ein Beziehungsgeschehen wechselseitiger Art, schlechterdings zuvorkommend von Gott her. Was die Engel den Hirten und dem ganzen Volk mitteilen, ist Präsens und Futur zugleich, Realpräsenz hier und jetzt und Hoffnungsperspektive für das allseits erst ersehnte universale Gelingen. Verherrlicht ist Gott in der Höhe..." - so übersetzt deshalb die Einheitsübersetzung nicht ohne Gründe; die ökumenische liturgische Fassung formuliert, ebenfalls gut begründbar: Verherrlicht sei Gott in der Höhe.... (Gotthard Fuchs, Gottes Volk 1/1999, 72f) Auslegung von der Struktur der Geschichte her: Herrlichkeit in den Höhen Gott und auf Erden Friede unter den Menschen (Lk 2,1-21) Wir leben in einer Welt, in der oft der Schein mehr zählt, als das Sein, wo es darauf ankommt, sich gut in Szene zu setzen. Menschen inszenieren sich vor anderen und wollen als stark, überlegen, erfolgreich erscheinen, als hätte man alles im Griff. Die Werbung gaukelt eine inszenierte Welt des Scheins vor, in der Schwäche und Scheitern nicht vorkommen. Politische Parteien inszenieren sich als Sieger, zumal in Zeiten des Wahlkampfs, und überflügeln sich in der Fähigkeit der Selbstdarstellung. Und auf der großen Bühne der Weltpolitik geht es nicht zuletzt um Inszenierung der Macht. In Lk 2 ist es der Kaiser Augustus, der sich in Szene setzt 4

5 und sich als Friedensbringer mit dem Nimbus göttlichen Glanzes umgibt, ja, er will so etwas wie Erscheinung, Epiphanie göttlicher Macht und göttlichen Lichtglanzes sein. In einer Inschrift aus dem Jahre 9 v. Chr., die in dem kleinasiatischen Städtchen Priene gefunden wurde, wird der Geburtstag des Kaisers entsprechend gerühmt: Dieser Tag... hat der Welt ein anderes Gesicht gegeben. Sie wäre dem Untergang verfallen, wenn nicht in dem heute Geborenen für alle Menschen ein gemeinsames Heil aufgestrahlt wäre... Wer richtig urteilt, wird in diesem Geburtstag den Anfang des Lebens und der Lebenskräfte für sich erkennen. Es ist unmöglich, in gebührender Weise für so große Wohltaten zu danken, die dieser Tag uns gebracht hat. Die Vorsehung, die über allem Leben waltet, hat diesen Mann zum Heile der Menschen mit solchen Gaben erfüllt, dass er uns und den kommenden Geschlechtern als Heiland gesandt ist. Jedem Krieg wird er ein Ende setzen und alles herrlich machen. In seiner Erscheinung sind die Hoffnungen der Vorfahren erfüllt. Er hat nicht nur die früheren Wohltäter der Menschheit allesamt übertroffen. Es ist unmöglich, dass je ein größerer käme. Mit dem Geburtstag des Gottes beginnt für die Welt das, das sich mit seinem Namen verbindet. Die lukanische Geschichte von der Geburt Jesu liest sich auf diesem Hintergrund wie ein subversives Manifest gegen diese Welt des Kaisers und für eine alternative Welt. Die Engelsbotschaft hat in ihren zentralen Worten deutliche Bezüge zur Inschrift von Priene. Allerdings spricht sie von einem Friedensbringer, der so gar nicht in das kaiserliche Bild passt, mit dem sich aber wohl gerade deshalb die Sehnsucht nach authentischem, heilsamem menschlichen Leben und nach wirklichem Frieden verbindet. Er wird nicht als strahlender Sieger beschrieben, sondern als einer, der arm ist und hilfebedürftig; als einer, der nicht hoch zu Ross daher kommt oder in einem Kampfwagen, sondern der als Wickelkind in einer Krippe liegt und für den in der Welt des Kaisers kein Platz ist. Das Kommen dieses Friedenskönigs ist also alles andere als Inszenierung der Macht. Dieser Friedenskönig produziert sich nicht. Er hat es nicht nötig, sich mit der Aura göttlicher Macht und Unbesiegbarkeit zu umgeben. Er erscheint in seiner menschlichen Schwäche und Verletzlichkeit. Er versteckt sich nicht hinter einer Maske des Scheins oder gar hinter einem Panzer vorgegaukelter Überlegenheit. In diesem Friedenskönig erscheint vor unseren Augen ein authentischer Mensch. Das Besondere dieses Friedenskönigs kann ein Satz der Freiburger Philosophin M. Otto unterstreichen: Erscheinen ist Wahrheit, erscheinen wollen ist Lüge (Überwege, Freiburg 1986, S. 24). Erscheinen wollen, als etwas erscheinen wollen, ist Lüge; als etwas erscheinen wollen, was man im Grunde gar nicht ist, sich selbst inszenieren, sich und anderen etwas vormachen, das ist Lüge, die gewalttätige Rivalität stiftet und so immer wieder neu Unfrieden. Das Kind in der Krippe will nicht als etwas erscheinen, es erscheint in seiner zerbrechlichen Menschlichkeit. Der Kaiser Augustus, der als Erhabener, als Retter und Gott erscheinen will, ist trügerischer Schein. Das Kind in der Krippe ist wahrer, lauterer Mensch, Lichtschein der Wahrheit. In ihm geschieht deshalb Epiphanie, Erscheinung Gottes. Wenn endlich die Selbstinszenierungen in unserem Leben aufhörten und wir einander so zeigen könnten, wie wir sind, in unserer Schwäche, Sehnsucht und Verletzlichkeit, in unserer Wahrheit und verborgenen Schönheit; wenn wir in unseren Beziehungen von Du zu Du, im Miteinander von Mann und Frau endlich aufhören könnten, als etwas erscheinen zu wollen, wenn politische Parteien endlich aufhören würden, sich selbst zu inszenieren, wenn internationale Politik endlich etwas anderes wäre als Inszenierung von Macht und Stärke, wenn unser Leben endlich wahr und lauter wäre, zur Wahrheit geläutert, dann könnte sich der 5

6 Reichtum und die Schönheit menschlichen Lebens entfalten, dann würde unser Leben heil werden, dann könnte die Menschheit befriedet sein, dann könnte Frieden werden, Schalom. Die lukanische Weihnachtsgeschichte beginnt mit Augustus, dem Erhabenen, der die Welt beherrscht und auf dessen Befehl sich alle Welt in Bewegung setzen muss. Und sie endet mit dem Namen Jesus: Joschuah, Gott hilft. Wir sind eingeladen, diese Bewegung des Textes nachzuvollziehen und mit den Hirten nach Bethlehem zu gehen, aus einer vom Kaiser beherrschten Welt in die alternative Welt Jesu, in der nicht dem Kaiser Herrlichkeit zukommt, sondern allein Gott. Und in der nicht ein militärisch erzwungener Friede des Kaisers herrscht, sondern der Friede Gottes, der sich ausbreitet, wo Menschen dem Kind in der Krippe Raum geben. (Wolfgang Wieland, in: Frauen schaffen Frieden, FrauenBibelArbeit Bd. 17,62-64)) Dipl.-Theol. Anneliese Hecht 6

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