Die Vision von VMware zielt auf das vollständig durch Software gesteuerte Rechenzentrum. Vom Server-Virtualisierer zum Architekten des Rechenzentrums

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1 26 Übersicht Interview: VMware-Manager Thomas Kühlewein zu Enduser-Computing, Datacenter und Hybrid Cloud...28 Kommentar: Pflege des Ökosystems als kritischer Erfolgsfaktor...30 Die Vision von VMware zielt auf das vollständig durch Software gesteuerte Rechenzentrum. SCANRAIL - FOTOLIA.COM Vom Server-Virtualisierer zum Architekten des Rechenzentrums VMware ist längst über das ursprüngliche Kernthema, die Server-Virtualisierung, hinaus. Der Software-Hersteller nimmt sich inzwischen auch Netzwerk und Storage vor und konzipiert das Rechenzentrum der Zukunft. Gesteuert wird es vollständig durch Management- und Automatisierungs-Tools, die natürlich von VMware kommen sollen. IT-BUSINESS / Michael Hase Ein Innovator muss eine Technologie nicht selbst erfunden haben. Schon vor Apple hatten andere Anbieter digitale Musikspieler, Smartphones und Tablets auf den Markt gebracht. Die Leistung des kalifornischen Unternehmens bestand darin, diese Geräte so weiterzuentwickeln, dass sie sich massenhaft verbreiteten und beinahe allgegenwärtig wurden. Etwas Vergleichbares ist VMware in der IT-Infrastruktur gelungen. Der Software- Hersteller hat das Konzept der Virtualisierung nicht erfunden. Das war IBM, und zwar schon in den 60er-Jahren. Big Blue nutzte die Technologie, um Mainframes logisch in virtuelle Maschinen zu partionieren und so die Auslastung der Großrechner zu verbessern. VMware übertrug das Konzept Ende der 90er-Jahre auf x86-systeme und brachte 2001 das erste Produkt zur Server-Virtualisierung auf den Markt. Mit dieser Pioniertat stieß VMware eine einzigartige Entwicklung an, die letztlich zu dem Paradigmenwechsel führte, der sich momentan in der IT-Infrastruktur vollzieht. Der entscheidende Beitrag von VMware ist eine Software-Schicht, der Hypervisor, mit der sich die Server-Leistung von der Hardware abstrahieren und zu einem Ressourcen-Pool zusammenfassen lässt. Dadurch kann Anwendungen die jeweils benötigte Leistung flexibler zugewiesen werden. Diese Innovation ermöglichte Management- und Automatisierungskonzepte, die wiederum die Grundlage für neue Bereitstellungsmodelle sind. VMware ist der Technologie- Enabler der Cloud, resümiert Thomas Kühlewein, der als Vice President für das VMware-Geschäft in Zentral- und Osteuropa verantwortlich ist und der Manager fügt hinzu, er sehe derzeit keinen anderen (siehe Interview Seite 28). Auch unter Analysten gilt der Anbieter bei Cloud Computing als Technologieführer. Im Cloud Vendor Benchmark 2012 der Experton Group rangiert VMware in den Kategorien Cloud-Middleware und -Management jeweils ganz vorn. Zu Cloud-

2 TITELSTORY 27 Middleware zählt vor allem die Virtualisierungs-Software. Dort sei VMware wegen des breiten und ausgereiften Portfolios der dominierende Anbieter, schreiben die Experton-Analysten Steve Janata und Carlo Velten. Überdies stelle die vcloud-produktfamilie das attraktivste Cloud-Management-Portfolio dar, das sich durch eine hohe Integration der einzelnen Module und deren technologische Reife auszeichne. MICROSOFT HOLT AUF Für ganz so einzigartig, wie sich VMware selbst sieht, halten Janata und Velten den Hersteller aber nicht. Vor allem Microsoft sei dem Marktführer mit den neuesten Versionen von Windows Server, Hyper-V und System Center bei Cloud-Middleware und -Management dicht auf den Fersen. Derweil konzentriert sich VMware nicht mehr allein auf Server und arbeitet daran, den Technologievorsprung seinerseits auszubauen. Unter dem Leitbegriff Softwaredefined Datacenter (SDDC), den der damalige CEO Paul Maritz auf der VMworld 2011 präsentierte, nimmt sich der Anbieter die beiden anderen Infrastruktursegmente Netzwerk und Storage vor: Ressourcen wie Bandbreite und Speicherkapazität sollen künftig genauso flexibel bereitgestellt werden wie Server-Leistung. Das Prinzip dahinter ist das gleiche: Virtualisierung sorgt für die Abstraktion von der physikalischen Netzwerk- und Speicher-Infrastruktur. Mittlerweile ist die Strategie konkreter geworden. Im vergangenen Juli kaufte VMware das Start-up Nicira, einen Spezialisten für Netzwerkvirtualisierung, und im Februar dieses Jahres folgte das ebenso junge Unternehmen Virsto, spezialisiert auf Speichervirtualisierung. VIRTUELLE NETZWERKE Mit der Network Virtualization Platform (NVP) von Nicira lassen sich Netzwerk- Dienste komplett von der Hardware abkoppeln und somit deutlich schneller als mit traditionellen Ansätzen bereitstellen. Nicira selbst spricht von Minuten statt Wochen. Zu den Kunden des Unternehmens zählen AT&T, Ebay und NTT. Die Vision zielt darauf ab, künftig Zehntausende separater virtueller Netze auf beliebigen Netzwerk- Infrastrukturen zu betreiben. Das Virtualisierungskonzept von Virsto orientiert sich, anders als bei herkömmlichen Storage-Systemen üblich, nicht an der Speicherung von Datenblöcken. Vielmehr geht das Start-up von den virtuellen Auf dem Weg zum Software-defined Datacenter: VMware arbeitet daran, die Netzwerk- ebenso wie die Storage-Infrastruktur vollständig zu virtualisieren. Cloud Credits sollen Hybrid-Cloud-Geschäft ankurbeln Mit dem neuen Cloud Credits Purchasing - Programm eröffnet der Software-Hersteller VMware seinen Partnern einen Weg ins Hybrid-Cloud-Geschäft. Der Virtualisierungsspezialist hat das Programm im Februar auf der Channel-Konferenz Partner Exchange 2013 in Las Vegas vorgestellt. Für Partner soll es damit einfacher werden, neben dem Lösungsund Dienstleistungsgeschäft auch Public- Cloud-Services zu vermarkten. Kunden erwerben mit den Cloud Credits eine Art Prepaid-Guthaben. Damit zahlen die Unternehmen für Cloud-Dienste, die sie wiederum von Service-Providern aus dem VMware-Channel beziehen. Das Programm zielt darauf ab, Lösungspartner und Service-Provider zusammenzubringen. Letztere spielen in der Hybrid- Cloud-Strategie von VMware eine tragende Rolle: Die Service-Provider stellen Dienste auf einer Cloud-Infrastruktur bereit, die weltweit einheitlich auf der vcloud-technologie des Herstellers basiert. Über das Cloud Credits Purchasing -Programm sollen wiederum Lösungspartner stärker am Public-Cloud- Geschäft partizipieren. Mit den Cloud Credits, die seit März verfügbar sind, können sie ihren Kunden zusätzliche Leistungen anbieten. Im Gegenzug profitieren vcloud- Service-Provider von Unternehmen, die ihr Guthaben gegen Services eintauschen. Maschinen aus, denen sich Speicherkapazität so wesentlich schneller und effizienter zuweisen lässt. Die Storage-Performance soll sich dadurch um das Zehnfache erhöhen und der Speicherbedarf um 90 Prozent reduzieren. Mit der Technologie von Virsto möchte VMware die Storage-Virtualisierungs- und -Management-Funktionen der vsphere-plattform erweitern. Durch den Vorstoß in Richtung Netzwerk und Storage wird das Geschäft für Partner zwangsläufig umfangreicher und komplexer. Seit Herbst 2011 müssen sie sich bereits intensiv mit Management-Tools befassen, die der Hersteller seinerzeit in drei großen Suiten bündelte. Das SDDC-Konzept zwingt Partner nun, ganzheitlicher über alle Infrastrukturbereiche hinweg zu denken. Dabei unterstützt der Anbieter seinen Channel durch Trainings- und Zertifizierungsprogramme. So führte VMware 2011 die neue Kompetenz Enterprise Management ein, auf die sich Partner spezialisieren können. Jetzt, mit Blick auf das SDDC verdoppeln wir in unserer Partner-Community die Programme, die unseren Partnern langfristige Geschäftsmöglichkeiten in diesem Bereich eröffnen, kündigte Ralf Gegg, bislang Partner Director für Zentralund Osteuropa (seit März Director Enduser-Computing), im Februar zur Channel- Konferenz Partner Exchange 2013 an. Darüber hinaus unterstützt VMware die Partner unmittelbar in SDDC-Projekten. Dabei werden virtuelle Teams von Infrastruktur-Experten des Herstellers und der Systemhäuser gebildet, die gemeinsam die Projekte bei Kunden umsetzen. Auf diese Weise möchte der Virtualisierungspionier den Wissenstransfer fördern. QSC

3 28 INTERVIEW VMware ist der einzige Technologie-Enabler der Cloud VMware positioniert sich heute als strategischer Infrastruktur-Anbieter, wie Thomas Kühlewein, Zentral- und Osteuropachef des Herstellers, betont. Enduser-Computing, Software-defined Datacenter und Hybrid Cloud heißen die großen Themen, von denen auch die Partner profitieren sollen. Allerdings steigen für sie die Anforderungen. IT-BUSINESS / Das Interview führte Michael Hase Zur Person Thomas Kühlewein zeichnet als Vice President CEMEA für das Geschäft von VMware in Zentral- und Osteuropa verantwortlich. Der Manager kam bereits im Oktober 2003 zu dem Virtualisierungsspezialisten. Zuvor war der Wirtschaftsinformatiker sieben Jahre lang bei Adobe beschäftigt und leitete dort zuletzt das Enterprise-Geschäft in Zentraleuropa. Zu den weiteren Stationen Kühleweins gehört der DMS-Anbieter Lars. Der Schwabe begann seine IT-Karriere 1992 als Projekt-Manager beim Stuttgarter Aufzughersteller Haushahn. web ITB: VMware hat im Februar die Horizon Suite gelauncht. Welche strategische Bedeutung hat das Produkt für den Anbieter? Kühlewein: Mit dem Produkt haben wir unsere verschiedenen Technologien für das Enduser-Computing in eine Suite integriert. Neben View, unserer Lösung für die Desktopvirtualisierung, und der Image- Management-Lösung Mirage ist ein neues Produkt hinzugekommen, der Horizon Workspace. Dabei handelt es sich um einen zentralen Service, über den Daten und Applikationen verwaltet werden. Die Integration der Technologien zielt darauf ab, die Installation und den Betrieb zu vereinfachen. Letztlich geht es darum, Anwendungen und Daten zentral zu managen und bei Bedarf auf jedem Gerät, jederzeit und an jedem Ort bereitzustellen. Enduser-Computing ist derzeit eines unserer drei großen Themen neben Software-defined Datacenter und Hybrid Cloud. Zur Cebit haben wir damit begonnen, auch was den Wettbewerb angeht, mit allen drei Themen etwas lauter am Markt zu werden. ITB: Wen meinen Sie konkret, wenn Sie von Wettbewerb sprechen? Welchen Anbietern möchte VMware im Enduser-Computing künftig Marktanteile abnehmen? Microsoft? Citrix? Kühlewein: So denken wir nicht. Wir entwickeln Lösungen zunächst für unsere Kunden, um deren IT schlagkräftiger zu machen und ihre Betriebskosten zu senken. Durch diesen Ansatz gewinnen wir Marktanteile. Unsere Motivation ist es, die beste Lösung für unsere Kunden zu entwickeln. Mit Horizon reagieren wir auf den Markt und die zunehmende Verbreitung unterschiedlicher Endgeräte. Wir gehen den nächsten logischen Schritt, basierend auf unserer Kerntechnologie, unser Lösungsportfolio im Enduser- Computing auszubauen. VMware ist unbestrittener Marktführer in der Server- Virtualisierung. Unsere Kunden erwarten einen flexiblen Zugriff über Smartphone, Tablet oder PC auf personalisierte Daten und Anwendungen, die zentral im Rechenzentrum bereitgestellt werden. Im Vergleich zum Wettbewerb im Enduser-Computing haben wir eine Lösung, die für die IT-Abteilung einfach zu managen und für den Benutzer simpel zu bedienen ist. Wie beim ipad gibt es Icons, die man anklickt, um beispielsweise in sein CRM-System oder seine Human- Resources-Lösung zu gelangen. ITB: Wird mit solchen Lösungen das klassische Desktop-Betriebssystem über kurz oder lang überflüssig? Kühlewein: Technisch betrachtet ist das Betriebssystem dafür verantwortlich, die Hardware-Ressourcen zu verwalten. Diese Aufgabe hat schon lange der Hypervisor übernommen. Und das Betriebssystem verliert weiter an Relevanz. Perspektivisch werden klassische Windows-Lösungen immer weniger benötigt. Das lässt sich auch am Nutzerverhalten ablesen, das sich durch die neuen Formfaktoren verändert hat. Die junge Generation denkt nicht mehr in Desktops und Foldern, sondern in Apps und Apps- Stores, wo sie ihre Dienste herunterlädt, vom Busfahrplan über Social Media bis zur Wettervorhersage. ITB: Als zweites großes Thema haben Sie Software-defined Datacenter (SDDC) genannt. Die Vision stellte der damalige CEO Paul Maritz bereits auf der VMworld im Herbst 2011 in Kopenhagen

4 TITELSTORY 29 Deutsche Unternehmen setzen inzwischen, wenn auch noch zögerlich, auf Hybrid Cloud. vor. Damals präsentierte VMware eine Reihe von Management-Tools, mit denen der Hersteller andeutete, worauf das Konzept abzielt. Wo stehen Sie heute bei der Umsetzung von SDDC? Kühlewein: Mit Software-defined Datacenter begleiten wir unsere Kunden beim Aufbau von Cloud-Architekturen. Damit geht einher, dass Prozesse im Rechenzentrum automatisiert werden müssen, um die IT effizienter zu machen. Wenn zum Beispiel Nutzer mit ihren Smartphones auf eine App im Rechenzentrum zugreifen, wird durch die automatische Zuweisung von Ressourcen sichergestellt, dass der Anwendung stets genügend Rechenleistung zur Verfügung steht. Das ist ein zentraler Aspekt, den wir mit unseren Enterprise-Management-Lösungen fokussiert haben.auch mit dem SDDC gehen wir jetzt den nächsten Schritt: Wir virtualisieren nicht mehr nur Server-Leistung, sondern wir nehmen uns jetzt auch Netzwerk und Speicher vor, sodass am Ende des Tages das Rechenzentrum mit allen Hardware-Ressourcen komplett durch Software gesteuert wird. Die Vision ist, dass jeder Anwendung automatisiert die jeweils benötigte Server- Leistung, Bandbreite und Storage-Kapazität bereitgestellt wird. ITB: Dass VMware über den Server hinausstrebt, wurde mit den Akquisitionen von Nicira im Juli 2012 und Virsto im Februar 2013 deutlich. Bei den Startups handelt es sich um Spezialisten für Netzwerk- beziehungsweise Storage- Virtualisierung. Fürchten Sie nicht, der Nicira-Kauf könnte auf lange Sicht das gute partnerschaftliche Verhältnis zu Cisco belasten? Kühlewein: VMware verbindet eine enge Technologiepartnerschaft mit Cisco, und daran wird sich nichts ändern. Als wir vor gut zehn Jahren mit Server-Virtualisierung in den Markt gingen, bezweifelten viele, dass Intel, AMD, IBM, HP, Dell und Fujitsu das Konzept akzeptieren würden. All diese Unternehmen sind bis heute unsere wichtigsten Technologiepartner. Wir haben eine Software-Schicht geschaffen, mit der sich die Server-Leistung von der Physik abstrahieren und zu Pools zusammenfassen lässt, um die Ressourcen flexibler bereitzustellen. Das heißt aber nicht, dass man keine Physik mehr braucht. Man benötigt weiterhin Server mit CPU und RAM. Ebenso braucht man für Storage und Netzwerk weiterhin Disks und Controller beziehungsweise Switches und Router. Diesen Markt werden wir gemeinsam mit Cisco, Netapp und unserer Konzernmutter EMC weiterentwickeln. ITB: In US-Medien war allerdings nach dem Nicira-Kauf zu lesen, Cisco-Chef John SCANRAIL - FOTOLIA.COM Chambers sei darüber nicht amüsiert. Bahnt sich nicht doch ein Konflikt mit dem Netzwerkriesen an? Kühlewein: Da wird von den Medien viel hinein interpretiert, um Konflikte zu schüren. Cisco stimmt sicher mit uns darin überein, dass man die Nutzung neuer Technologien nicht einschränken kann. Wettbewerber wie Microsoft haben das versucht, indem sie die Server-Virtualisierung anfangs nicht unterstützten. Die Kunden haben das nicht akzeptiert. Wir werden daher weiter eng mit all den genannten Unternehmen zusammenarbeiten, die genau wie wir dazu in der Lage sind, potenzielle Konflikte zu diskutieren und im Interesse gemeinsamer Kunden zu lösen. Als führender Anbieter von Lösungen für die Server-, Storage- und Netzwerk-Virtualisierung ist VMware das einzige Unternehmen, das ein Konzept wie SDDC in seiner Ganzheitlichkeit umsetzen kann. Aber wir haben nie gesagt, dass wir das allein können. Deshalb haben wir unser großes Netzwerk mit zahlreichen Technologiepartnern und Tausenden von Lösungspartnern aufgebaut. ITB: Ein Konzept wie SDDC betrifft die gesamte IT-Infrastruktur und nicht nur eine Hardware-Kategorie wie die Server. Damit wird VMware für die Kunden wesentlich strategischer als in der Vergangenheit. Wie stellt der Anbieter sicher, dass die Partner das Wissen und die Fertigkeiten besitzen, solche ganzheitlichen Konzepte beim Kunden umzusetzen? Kühlewein: Zum einen haben wir unsere Zertifizierungsprogramme. Sobald wir eine neue Technologie auf den Markt bringen, schulen wir unsere Partner intensiv darauf. Ich bin jetzt seit fast zehn Jahren im Unternehmen. Das haben wir von Anfang an konsequent getan, und das werden wir auch in Zukunft tun. Zum anderen übt der Markt Druck auf die Partner aus. Je mehr sich ihre Kunden mit Private- und Hybrid- Cloud-Modellen befassen, desto mehr zwingt der Markt die Systemhäuser, sich umfassend weiterzubilden. Wir alle müssen ganzheitlicher und im Sinne

5 30 INTERVIEW unserer Kunden noch strategischer denken. VMware ist der führende Anbieter für Infrastruktur, die zuverlässig, hochverfügbar und sicher sein muss. Im SDDC liegt eine große Chance für unsere Partner. ITB: Wie unterstützen Sie die Partner konkret in den Projekten? Vor anderthalb Jahren haben Sie darüber berichtet, dass VMware die eigenen Professional Services aufstockt, um Cloud-Computing-Know-how aufzubauen, von dem auch die Partner profitieren sollen. Wie schreitet der Wissenstransfer voran? Kühlewein: Das ist ein andauernder Prozess. Die Herausforderung liegt darin, dass wir virtuelle Teams aus Mitarbeitern der Partner und unseren eigenen Leuten bilden: Wir bündeln das Know-how von Server-, Speicher-, Netzwerk- und Management- Experten und treten gemeinsam gegenüber dem Kunden auf. Dafür müssen beide Seiten offen sein, wir als Technologie-Anbieter und die Systemhäuser. Das gemeinsame Service-Geschäft mit Partnern wächst jedenfalls stark. Eines ist mir dabei wichtig: Wir treten mit unseren Professional Services nicht in Wettbewerb zu unseren Partnern, sondern unterstützen sie mit unserem Knowhow. Der Wissenstransfer funktioniert dann am besten, wenn wir gemeinsam Projekte umsetzen. ITB: Kommen wir zum dritten großen Thema: Hybrid Cloud. Bislang investieren deutsche Unternehmen vor allem in den Aufbau von Private Clouds, halten sich aber mit Ausgaben für Public-Cloud-Services zurück. Ist Hybrid Cloud hierzulande überhaupt schon ein Thema? Kühlewein: Doch, Hybrid Cloud ist auch hierzulande schon ein Thema. Der Großteil der Budgets wird tatsächlich in die Private Cloud investiert. Und vielleicht ist Deutschland ein Markt, der sich etwas schleppender bewegt als andere. Aber es passiert auch bei uns: Wir haben einige große Service-Provider wie T-Systems, Atos und CSC sowie mehrere kleinere Partner, die aus ihren vcloud- Rechenzentren heraus Public-Cloud- Dienste anbieten. Diese Services werden inzwischen von zahlreichen Kunden bezogen, die damit die intern in der Private Cloud bereitgestellten Services ergänzen. Ein gutes Beispiel dafür, wie flexibel das Hybrid-Cloud-Modell sein kann, ist das Vielfliegerprogramm Lufthansa Miles & More: Für ein Online-Preisausschreiben griff das Unternehmen temporär auf IT-Ressourcen unseres vcloud-powered-partners Wusys zurück. ITB: VMware präsentierte das vcloud- Powered-Programm zur Cebit vor einem Jahr. Es richtet sich an mittelständische Service-Provider. Bislang sind rund 25 Partner dabei, die teils aus dem Systemhausgeschäft, dem klassischen Outsourcing oder dem Web-Hosting kommen. Welche Voraussetzungen bringt ein Service- Provider aus Sicht von VMware idealerweise mit? Kühlewein: Ich möchte keine Vorgaben machen. In der Energiebranche gilt der Hausbesitzer, der auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage betreibt und den Strom ins Netz speist, als Stromerzeuger. Ebenso kann in unserer Branche jeder, der ein Rechenzentrum betreibt und über freie Ressourcen verfügt, diese über das Netz anbieten. Unabhängig von der Größe oder dem Geschäftsmodell besteht für jeden die Möglichkeit, sich am Cloud-Markt zu beteiligen. Für uns als Hersteller ist vielmehr entscheidend, dass wir es mit unserer vcloud-technologie ermöglichen, Workloads von der Private in die Public Cloud zu verschieben und wieder zurückzuholen. Damit haben wir einen Standard gesetzt, wozu außer uns kein anderer Anbieter in der Lage gewesen wäre. VMware ist der Technologie-Enabler der Cloud, und ich sehe derzeit keinen anderen. Hintergründe zum Thema: web Kommentar Pflege des Ökosystems als kritischer Erfolgsfaktor VMware ist es gelungen, über die Jahre ein ausbalanciertes Ökosystem aufzubauen. So hat der Hersteller erfolgreiche Technologiepartnerschaften mit allen relevanten Server-Herstellern wie Dell, Fujitsu, HP oder IBM aufgebaut. Und diese Allianzen haben bis heute Bestand, obwohl die Anbieter durch Virtualisierung tendenziell weniger Hardware verkaufen. Die Technologie ist nämlich im Interesse ihrer Kunden, die damit Server wesentlich besser auslasten können. Sie ist aber auch im Interesse der Hersteller selbst, zumindest derjenigen, die vor allem auf die x86- Plattform setzen. Denn Virtualisierung ermöglicht MICHAEL HASE, Redakteur IT-BUSINESS bei Standard-Servern eine höhere Verfügbarkeit, sodass sie in puncto Stabilität und Zuverlässigkeit mit Unix-Systemen konkurrieren können. Die große Frage lautet, wie sich das Ökosystem künftig weiterentwickelt, wenn VMware die Virtualisierungstechnologie immer weiter auf den Netzwerk- und Storage-Bereich ausdehnt. Denn mit dem Software-defined Datacenter (SDDC) dringt der Anbieter tiefer in die Märkte von Herstellern ein, mit denen er bislang eng zusammenarbeitet. Nicht nur, dass auch in der Netzwerk- und Storage-Infrastruktur künftig weniger Hardware benötigt wird. Auch arbeiten alle relevanten Hersteller unter den Schlagworten Software-defined Networking (SDN) und Storage (SDS) an Konzepten, die sich mit dem VMware-Ansatz überschneiden. Die Herausforderung wird darin liegen, mit den Partnern eine ähnliche Symbiose einzugehen wie im Server- Markt zum Teil sind es dieselben Hersteller und mögliches Konfliktpotenzial frühzeitig zu entschärfen. Denn das Ökosystem war bislang die große Stärke von VMware, die nicht wenig zum Erfolg des Unternehmens beigetragen hat.

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