Zur Rolle der sozialen Verantwortung von Unternehmen

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1 Zur Rolle der sozialen Verantwortung von Unternehmen Fariz Gasimli > Vortrag 184

2 Sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist Fariz Gasimli. Ich komme aus Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Dort habe ich zwei Hochschulabschlüsse gemacht in der Betriebswirtschaft und in Öffentlichen Finanzen. Zurzeit studiere ich an der HU im Studiengang MEMS Master of Economics and Management Science. Das Thema meiner Masterarbeit heißt Zur Rolle der sozialen Verantwortung von Unternehmen. Sie wird unter der wissenschaftlichen Betreuung von Herrn Prof. Schwalbach, dem Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der HU, vorbereitet. Die Arbeit wird auf Englisch verfasst und heißt im Original On the role of Corporate Social Responsibility (CSR). Die Abkürzung CSR ist in der Fachliteratur sehr verbreitet, und ich möchte mich auch daran halten. CSR steht für soziale Verantwortung von Unternehmen. Und was ist diese Verantwortung? Was ist CSR? In der modernen Wirtschaftswissenschaft gibt es mehrere Definitionen von CSR. Ich möchte exemplarisch eine davon vorstellen. CSR ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in ihre Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren. Die Quelle ist das Grundbuch der Europäischen Kommission (2001). Im Großen und Ganzen kann CSR in mehreren Unternehmenstätigkeiten Ausdruck finden, darunter in Wohltätigkeit, Umweltschutz, sozialem Engagement, Ergonomie und Arbeitssichertheit des Personals und so weiter. In meiner Masterarbeit möchte ich auf folgende drei Schwerpunkte eingehen: erstens auf CSR und seine Bedeutung heute, zweitens auf die CSR-Modellanalyse am Beispiel einiger Wirt- 185

3 schaftsfaktoren und der praktischen Bedeutung von CSR für die Gesellschaft und Unternehmen, und drittens auf die Gewinnanalyse der aktiven Unternehmens-Leistungen im CSR- Bereich. Die Arbeit wird insgesamt drei Kapitel umfassen. Im ersten Teil wird die CSR-Theorie erarbeitet. Es werden folgende Problemstellungen thematisiert: die Bedeutung des CSR im modernen Unternehmen, die Entwicklungstendenzen, sowie die Rolle der NGOs (Nichtregierungsorganisationen), deren Tätigkeit ein gesondertes Kapitel gewidmet wird. Die NGOs haben einen erheblichen Einfluss auf das Renommee des Unternehmens. Die meinungsbildende Funktion der NGOs ist für die Unternehmen von nicht zu überschätzender Wichtigkeit. Aus diesem Grunde sind die interaktiven Beziehungen zwischen den Unternehmen und den NGOs in meinem Interessenbereich. Das zweite Kapitel befasst sich mit den praktischen Aspekten des CSR. Zu diesem Zweck wird die Tätigkeit einiger konkreter Unternehmen analysiert, und zwar insbesondere deren CSR-Aktivitäten. Es handelt sich vor allem um drei renommierte Unternehmen: Bayer AG, BP (British Petroleum) und Exxonmobil. Bayer AG hat ein ausgesprochenes Renommee im CSR-Bereich und ist deshalb für meine Analyse von Interesse. BP genießt bereits seit langem den Ruf eines Unternehmens mit hohen CSR-Leistungen. Als ehemaliger BP-Mitarbeiter bin ich mit dem entsprechenden Netzwerk so gut vertraut, dass ich quasi über Insider-Wissen verfüge. Dieses Hintergrundwissen wird dazu beitragen, eine fundierte Arbeit vorzulegen. Anders als BP hat ExxonMobil, ebenfalls ein Öl-Unternehmen, nur wenige Aktivitäten im CSR-Bereich. Trotzdem zählt es weltweit zu den größten und erfolgreichsten Unternehmen. Hier liegen zwei gegensätzliche CSR-Strategien vor, die eine Vergleichsanalyse geradezu anregen. Und genau auf diesen Problembereich möchte ich im dritten Kapital meiner Masterarbeit eingehen. Konkret werden zwei unterschiedliche Unternehmensführungen und zwei unterschiedliche Arten von sozialer 186

4 Verantwortung, sowie ihre wechselnde Wirkung am Beispiel dieser zwei Unternehmen untersucht. Es wird vorausgesetzt, dass ausgerechnet die Differenzen in den Unternehmensführungen einen Schlüssel für die Lösung der zentralen Frage bieten können, warum einige Unternehmen von CSR profitieren und einige nicht. Wenn beispielsweise ein Unternehmen von zahlreichen kleinen Aktionären dominiert ist, so wird es in seiner Strategie auf eine kurzfristige Gewinnmaximierung abzielen. Eine CSR-orientierte Unternehmensführung dagegen ist auf langfristige Investition angewiesen. Insgesamt liegt meiner Masterarbeit folgende Hauptthese zugrunde: Durch strategische und gezielte CSR-Politik kann ein Unternehmen seine eigenen wirtschaftlichen Interessen mit sozialem Engagement kombinieren, und zwar so, dass durch diese Kombination beide Seiten profitieren. Es handelt sich um eine zielgerichtete Integration der CSR-Tätigkeit in die Betriebstätigkeit von Unternehmen, z. B. Wohltätigkeit. Es gilt, dass CSR-Aktivitäten einem Unternehmen einen guten Ruf verschaffen, bzw. es vor einem negativen Image schützen. Die Tätigkeit kann aber weiter gefasst werden, und zwar können CSR-Aktivitäten als Ressource des Unternehmens und zeitgleich eine Bereicherung der Gesellschaft aufgefasst werden. Beispielweise kann ein Unternehmen im Entwicklungsland eine Hochschule finanziell unterstützen oder sogar errichten und weiter sponsern. Das wäre ein Musterbeispiel für die Entwicklung der Gesellschaft. Anderseits wäre das eine Investition für die Ausbildung von Arbeitskräften der Unternehmensfilialen in diesem Entwicklungsland. Bekanntlich herrscht in Entwicklungsländern Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften. Ein mögliches Beispiel für das in die Betriebstätigkeit integrierte CSR wäre etwa der Fall, wenn eine Fischfirma Maßnahmen zum Umweltschutz im Meeresrahmen einleitet: Somit wären sowohl der Umweltschutz als auch das Volumen und die Qualität der Ressourcen für den Betrieb gesichert. 187

5 Nach eingehenden Recherchen zu meinem Thema und dem Besuch einiger Vorlesungen und Seminare zur Unternehmensführung und zum Internationalen Management (Prof. Dr. Schwalbach, Dr. Anja Schwerk), in denen ich die Möglichkeit bekam, einen eigenständigen Beitrag zu leisten, ist dank der Betreuung durch Prof. Schwalbach und Frau Dr. Anja Schwerk die Teilnahme an der Konferenz Globalization and Corporate Responsibility (die zweite internationale Konferenz zu CSR) im Oktober 2006 geplant mit einem eigenen Vortrag. Parallel dazu werde ich weitere Kontakte mit den für meine Arbeit relevanten Firmen aufnehmen (etwa mit Frau Elizabeth Wild, Social Performance Managerin von BP) und meine Recherchen fortführen. Ich verspreche mir von den Ergebnissen meiner Bemühungen neue Erkenntnisse für den CSR-Bereich und bin deswegen außerordentlich froh über das gute Arbeitsklima und die Arbeitsmöglichkeiten hier. 188

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