Ein möglichst breites Publikum erreichen: Die Buchreihe Deutsche Zustände

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1 Ein möglichst breites Publikum erreichen: Die Buchreihe Deutsche Zustände // Reaching as Wide a Public as Possible: The Deutsche Zustände Book Series In der von Wilhelm Heitmeyer herausgegebenen Reihe Deutsche Zustände werden jährlich die Ergebnisse zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit anhand der Auswertung von Repräsentativbefragungen vorgestellt. Ziel ist es, sowohl das soziale Klima dieser Gesellschaft zu eruieren als auch Ursachen und Folgen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufzuzeigen und diese einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Die empirischen Analysen zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit beziehen sich auf individuelle Ursachen (Einstellungen, soziodemographische Faktoren etc.) als auch kontextbezogene, also sozialräumliche Ursachen (zum Beispiel Abwanderungsquoten, sozioökonomische Entwicklung von Regionen, Ausländeranteil). Die Untersuchungen werden dabei um exemplarische Beschreibungen, Essays, Interviews zu individuellem und kollektivem Verhalten in Politik und Gesellschaft, Fallgeschichten sowie der Vorstellung eingreifender Menschen erweitert. Dadurch ist ein neues, allgemeinverständliches Format entstanden, in dem quantitative wissenschaftliche Analysen mit darauf bezogenen, zumeist journalistisch recherchierten Fallbeschreibungen verbunden werden. The Deutsche Zustände (Conditions in Germany) series of books edited by Wilhelm Heitmeyer presents an annual survey of findings on group-focused enmity based on analysis of representative surveys. The aim is to establish the social climate of this society, to highlight the causes and consequences of group-focused enmity and to make this information accessible to as wide a public as possible. The empirical analyses of group-focused enmity deal with both individual causes (attitudes, sociodemographic factors, etc.) and with context-related and thus sociospatial causes (e.g. migration rates, regional socioeconomic developments, proportion of foreigners). These analyses are augmented with illustrative accounts, essays, interviews on individual and collective behavior in politics and society, case studies, and profiles of people who intervene practically. This has produced a new, generally understandable format combining quantitative scientific analyses with journalistic reports on related cases. 15

2 Die Mitglieder des Projektes Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: 1. Reihe (unten) von rechts // Front row, from the right: Steffen M. Kühnel, Peter Schmidt, Kirsten Endrikat, Sandra Hüpping, Oliver Christ 2. Reihe (oben) von rechts // Back row, from the right: Jürgen Mansel, Wilhelm Heitmeyer, Carina Wolf, Andreas Zick, Beate Küpper, Ulrich Wagner, Martin Petzke BI.RESEARCH // GRUPPENBEZOGENE MENSCHENFEINLICHKEIT auf der Fremdenfeindlichkeitsskala zwischen Ost- und Westdeutschland aufklären können. Es kann gezeigt werden, wie der positive Zusammenhang zwischen der Abwanderungsrate und der durchschnittlichen Ausprägung von GMF innerhalb eines Stadt- beziehungsweise Landkreises durch die Senkung des durchschnittlichen Bildungsniveaus sowie den Anstieg politischer Machtlosigkeit und Mangel an sozialer Unterstützung vollständig vermittelt wird. Je mehr also eine Region Familienwanderer, Arbeitsplatzwanderer und Ausbildungsplatzwanderer verliert, desto höher ist die durchschnittliche Ausprägung auf diesen Indikatoren im Kreis. Diese wiederum beeinflussen das Klima der Feindseligkeit, verstanden als durchschnittliche Werte der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit im Kreis, beträchtlich: je niedriger das Bildungsniveau und ausgeprägter das Desintegrationsklima, desto höher das GMF-Klima. Es sind hier Bedingungen aufgezeichnet, unter denen ein kommunaler Kontext mit überdurchschnittlich hohen Ausprägungen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entstehen kann. Blindheit von Politik und Gesellschaft Weite Teile in Politik und Gesellschaft operieren mit selektiver Unaufmerksamkeit, vermutlich um ein Grundgefühl von Angst vor Desintegration zu bewältigen. Man ahnt, wie die Verhältnisse sind beispielsweise zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten oder welche sozialen Kosten politische Kursänderungen nach sich ziehen aber man will es nicht so genau wissen oder reagiert zum Beispiel mit kollektiven Identitätskampagnen, um den nationalen Zusammenhang zu sichern. Unsere Analysen lassen erwarten, dass eine Zunahme menschenfeindlicher Einstellungen und Verhaltensweisen davon abhängt, inwieweit immer mehr Menschen in unsichere Arbeits- und Lebensverhältnisse, politische Ohnmachtsempfindungen und instabile emotionale Situationen, kurz: in prekäre Anerkennungsverhältnisse geraten. In soziologischen Gegenwartsdiagnosen werden neuerdings wieder verstärkt Warnungen vor gesellschaftlicher Spaltung betont. Dies geschieht nicht ohne Grund, denn die Erfahrungen bedrängender sozialer Ungleichheit und Anerkennungszerfalls können als Reaktion zu rabiaten Auffassungen einer Ungleichwertigkeit von Anderen führen. In diesen Zeiten haben schwache Gruppen und Fremde keine guten Chancen, dass die gegen sie vorgebrachten Aversionen und Diskriminierungen auf die politische und gesellschaftliche Tagesordnung geraten. Eine insofern blinde Gesellschaft wird gleichwohl hohe Folgekosten zu tragen haben; die Frage ist nur noch, in welchen zerstörenden Formen. becomes even more interesting when objective context variables are included in the studies. Using current complex GFE analyses, it can be shown that the rate of migration can be chiefly explained in terms of the individual variations in xenophobia between east and west Germany. The positive correlation between the migration rate and the average level of GFE within a city or district can be explained entirely in terms of a fall in the average level of education or a rise in the feeling of political powerlessness and in the perception that social support is lacking. In other words, the more people a region loses because they go elsewhere to join their families, to work, or to train, the more marked on average these indicators are in these areas. These, in turn, have a major influence on the climate of hostility, measured in terms of the average levels of group-focused enmity in a given area: the lower the level of education and the more marked the atmosphere of disintegration, the greater the level of group-focused enmity. These are the conditions under which a community with an above-average level of group-focused enmity can emerge. Political and Social Blindness Many politicians and members of society engage in a kind of selective inattention, probably to counter an underlying feeling of fear. Although they sense what the real state of affairs is for example, in relations between the social majority and minority groups or what social costs changes in policy may imply, they either avoid looking too closely or else f.e. react with collective identity campaigns to secure national coherence.our analyses lead us to expect that an increase in hostile attitudes and behavior will depend on the extent to which an increasing number of people are in unstable employment and living situations, feel politically disempowered or are in emotionally unstable situations in other words, in situations where their social recognition is threatened. In sociological analyses of the current state of affairs the danger of social divisions has recently received renewed emphasis. Not without reason, for the growing perception of a society plagued by inequality and by a loss of acceptance for many of its members may well trigger extreme views about the unequal status of groups perceived as different. These days the chances of weaker social groups and foreigners overcoming prejudice and discrimination and getting themselves onto the political and social agenda are rather slim. A society that engages in this kind of blindness is likely to have to pay a high price: the only question is how destructive a form this will take. 16

3 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im europäischen Vergleich // European Comparisons on Group-Focused Enmity Syndrome Im Jahr 2004 wurde von Wilhelm Heitmeyer und Andreas Zick das Projekt Group-focused Enmity in Europe konstituiert, das aus dem Projekt Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hervorgegangen ist. Zentraler Fokus ist die kulturvergleichende Studie eines Syndroms menschenfeindlicher Einstellungen und die Frage, welche sozialen Gruppen in welcher Kultur aufgrund welcher Ursachen Abwertungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind. Zwar liegen Umfragen zu Vorurteilen in Europa vor, diese sind jedoch kaum vergleichbar, da sie unterschiedliche Theorien und Instrumente heranziehen. Eine Gruppe von Forschern aus neun europäischen Ländern hat zur Analyse menschenfeindlicher Einstellungen und Diskriminierungen ein interdisziplinäres Integrations- Desintegrationsmodell entwickelt. Zusätzlich wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ein Young Scientist Network on Social Disintegration and Devaluation konstituiert, das von Beate Küpper koordiniert wird. Ein erster Vortest im Herbst 2006 in neun Ländern zeigte, dass Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auch in anderen Ländern ein Thema ist. Vorurteile werden gegenüber Gruppen geäußert, die anders sind; andersgläubig, anderer Herkunft, anderen Aussehens, anderen Lebensstils. Doch während in Deutschland vor allem deswegen Ressentiments gegenüber Zuwanderern bestehen, weil sie als Fremde wahrgenommen werden, werden Immigranten in einigen europäischen Ländern, vor allem aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe oder aufgrund ihrer anderen Ethnie abgewertet und diskriminiert. Derzeit bestehen intensive Kontakte des Projektes zu privaten europäischen und amerikanischen Stiftungen, um eine repräsentative Erhebung in den neun europäischen Ländern im Jahr 2007 durchführen zu können. In the year 2004, Wilhelm Heitmeyer and Andreas Zick started the Group-Focused Enmity in Europe project as an offshoot of the Group-Focused Enmity Syndrome project. The European project s main focus is on the comparative study of a syndrome of hostile attitudes and on the reasons why certain social groups are subject to denigration and discrimination in certain cultures. While there have been surveys on prejudice in Europe, their results are difficult to compare because they are based on differing theories and instruments. A group of researchers from nine European countries has developed an interdisciplinary integration/disintegration model to analyze hostile attitudes and discrimination. Additionally, a Young Researchers Network on Social Disintegration and Devaluation was founded with the help of funding from the Ministry of Education and Research and coordinated by Beate Küpper. An initial pretest in the fall of 2006 in nine countries showed that Group-Focused Enmity is an issue in other countries as well. Prejudices are expressed against groups that are different having different faiths, origins, physical appearances, and/or lifestyles. However, while prejudice against immigrants exists in Germany largely because they are regarded as alien, immigrants in some other European countries are devalued and discriminated mainly because of their dark skin or other ethnic background. The project is currently working closely with private foundations in Europe and the United States on the realization of a representative survey in the nine European countries in the year

4 Für weitere Informationen über das GFE Projekt // For more information on the GFE //project please visit: BI.RESEARCH // GRUPPENBEZOGENE MENSCHENFEINLICHKEIT Wichtige Informationen zur GMF-Studie Finanziert wird die Studie von einem Stiftungskonsortium unter der Federführung der VolkswagenStiftung mit Beteiligung der Möllgaardund Freudenberg-Stiftung. Zu den Kooperationspartnern gehören DIE ZEIT und der Suhrkamp-Verlag. Zentrale Ergebnisse werden jeweils im Dezember eines jeden Jahres in der ZEIT veröffentlicht. Im Suhrkamp-Verlag erscheint gleichzeitig ein jährlicher Report Deutsche Zustände, in dem die wissenschaftlichen Befunde verbunden sind mit Essays, Reportagen, Interviews etc. Die Publizierung in öffentlichen wie fachwissenschaftlichen Medien soll sowohl für Problemlagen sensibilisieren als auch staatliches wie frühzeitiges zivilgesellschaftliches Engagement fördern. Zu diesem Zweck werden die aktuellen Befunde zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit immer Anfang Dezember in Berlin der Presse vorgestellt. Geleitet wird das Projekt von Wilhelm Heitmeyer (Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, Universität Bielefeld). Das aktuelle GMF-Team besteht aus folgenden Personen: Frank Asbrock, Oliver Christ, Kirsten Endrikat, Sandra Hüpping, Beate Küpper, Jürgen Mansel, Martin Petzke, Andreas Zick. Die wissenschaftliche Durchführung erfolgt in Kooperation mit den Professoren Steffen Kühnel (Universität Göttingen), Jürgen Mansel (Universität Bielefeld), Peter Schmidt (Universität Gießen) und Ulrich Wagner (Universität Marburg). Important information on the GMF study The study is financed by a consortium of foundations led by the Volkswagen Foundation and with the participation of the Möllgaard and Freudenberg Foundations. Other partners include the weekly newspaper DIE ZEIT and the Suhrkamp publishing house. The key findings of the study are published in DIE ZEIT each December. Parallel to this Suhrkamp publishes an annual report Deutsche Zustände (the state of affairs in Germany), in which the research findings are presented alongside essays, reportages, interviews, etc. The publication of the findings of the study in both public and specialist media is intended to heighten public sensitivity to the problems involved and also to encourage the state and citizens groups to take preemptive action. The project is led by Wilhelm Heitmeyer (Institute for Interdisciplinary Research on Conflict and Violence, University of Bielefeld). The GFE team currently consists of the following people: Frank Asbrock, Oliver Christ, Kirsten Endrikat, Sandra Hüpping, Beate Küpper, Jürgen Mansel, Martin Petzke, and Andreas Zick. The research is being carried out in cooperation with Professors Steffen Kühnel (University of Göttingen), Jürgen Mansel (University of Bielefeld), Peter Schmidt (University of Gießen), and Ulrich Wagner (University of Marburg). 18

5 // KIRSTEN ENDRIKAT Dr. Kirsten Endrikat studierte an der Universität Bielefeld Psychologie auf Diplom und im Lehramt Psychologie, Sport und Pädagogik und promovierte dort über Jugend, Identität und sportliches Engagement. Von 2000 bis 2002 arbeitete sie als Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Wien. Seit Mai 2002 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Dr. Kisten Endrikat studied psychology and grammar school teaching at Bielefeld University and earned her doctorate on youth, identity and involvement in sports. From 2000 to 2002 she was assistent lecturer at the University of Vienna. Since May 2002 she is involved in the research project Group-Focused Enmity by the Institute for Interdisciplinary Research on Conflict and Violence. // SANDRA HÜPPING Dipl.-Soz. Sandra Hüpping studierte Soziologie an der Philipps-Universität in Marburg und arbeitet seit 2005 im Projekt Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit am IKG. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Anomietheorien, Vorurteile und abweichendes Verhalten. Sandra Hüpping studied sociology at the Philipps-University of Marburg. She has been a researcher in the project Group Focused Enmity at the Institute for Interdisciplinary Research on Conflict and Violence since Her main research interests are: Anomie theory, Prejudices and deviant behavior. // MARTIN PETZKE Dipl.-Soz. Martin Petzke studierte Soziologie, Psychologie und Informatik an der Universität Trier. Seit 2006 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Martin Petzke received his M.A. in sociology with the minors psychology and computer science at the University of Trier. Since 2006 he has been working as a research assistant in the project Group-Focused Enmity. // BEATE KÜPPER Dr. Beate Küpper arbeitet derzeit im Projekt Group-focused Enmity in Europe, in dem Vorurteile gegen eine Reihe von Adressatengruppen in neun europäischen Ländern untersucht werden. Sie analysiert insbesondere Einflüsse des sozialen Status und von Statusverlusten in der Biographie von Befragten auf die Bereitschaft, u.a. Zuwanderer, homosexuelle und obdachlose Menschen oder Frauen abzuwerten und auszugrenzen. Grundlage ihrer Forschung ist die aktuell in der Sozialpsychologie viel diskutierte Theorie der Sozialen Dominanz Orientierung. Dr. Beate Küpper is reserach manager in the project Group-focused Enmity in Europe that analyses prejudices toward several target groups in nine European countries. She analyzes in particular the impact of social status and status loss in the respondents biography on their approval to devalue and exclude i.e., immigrants, homosexual and homeless people, or women. Her research is based on the Social Dominance Theory that is actually hotly debated in Socialpsychology. // ANDREAS ZICK Dr. Andreas Zick ist wissenschaftlicher Angestellter am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung. Seit 2004 leitet er das Projekt Group-Focused Enmity in Europe. Von 2006 bis 2007 hat er die Professur für Sozialpsychologie an der TU Dresden vertreten. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Vorurteile, Konflikte zwischen Gruppen, Sozialpsychologie der Akkulturation. Dr. Andreas Zick is research manager at the Institute for Interdisciplinary Research on Conflict and Violence. Since 2004 he has operated the project Group-focused Enmity in Europe he was on leave at the professorship for Socialpsychology at the University of Technology Dresden. His major research interests are: prejudices, inter-group conflicts, socialpsychology of acculturation. 19

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