Zur aktuellen Wirtschafts- und Finanzsituation in Europa

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1 Finanzsituation in Europa Veranstaltung im Rahmen der Reihe Wissenschaft trifft Schule, Erzbischöfliches Gymnasium Marienberg Neuss Forum Marienberg, 12. März 2012 Folie 1

2 Indikatoren Krise? Welche Krise? Woran erkennt man eine Krise? Finanzkrise? Zinsen Wechselkurs Inflationsrate Rating Wirtschaftskrise? Wirtschaftswachstum Arbeitslosigkeit Insolvenzen Geschäfts-/Konsumklimaindex Börsenkurse Folie 2

3 Zinsen Zinsen: Preis für die vorübergehende Überlassung von Kapital Quelle: Folie 3

4 Zinsen und Renditen Renditen und Geldmarktsätze Rendite 10-j. Staatsanleihen USA 3,3 1,9 Deutschland 3,0 1,8 Italien 4,8 7,0 niedrig, Liquidität vorhanden, großes Angebot Geldmarkt: 3- Monatszinssatz USA 0,2 0,0 Deutschland 0,9 1,3 Quelle der Daten: Consensus Inc., HSBC Folie 4

5 Interbankengeschäft Einlagenfazilität: Geschäftsbanken können bei der Zentralbank kurzfristig nicht benötigtes Geld anlegen (Übernachtanlage) Die Banken befinden sich im Stadium der Rekonvaleszenz. Sie gesunden langsam, aber die Gefahr von Ansteckungen ist noch hoch. Elke König, Präsidentin BaFin, FAZ Quelle: Verbesserungen seit Finanzkrise: Internationale Abstimmung der Aufseher Höhere Eigenkapitalvorschriften Höhere Vorschriften für Risikomanagement Folie 5

6 Wechselkurs Wechselkurs USD/EUR: aktuell ( ): 1 EUR = 1,3191 USD Preis bildet sich an Märkten gemäß Angebot und Nachfrage Importe und Exporte von Gütern und Dienstleistungen Exporte und Importe von Kapital Quelle: Folie 6

7 Wechselkurs Ist die Bewertung angemessen? Vgl. z.b. Big Mac Index Ein Big Mac kostet in USA 4,20 USD. Ein Big Mac kostet in Europa 3,49 EUR. Die Kaufkraftparität liegt bei 1,20 USD/EUR, d.h. der USD ist im Moment um 9,9% unterbewertet. Ein Big Mac kostet in der Schweiz 6,50 CHF. Der aktuelle Wechselkurs ist 1,2053 CHF/EUR. Die Kaufkraftparität liegt bei 1,86 CHF/EUR, d.h. der CHF ist im Moment um 54% überbewertet. Verschuldung Schweiz 38,4% des BIP in 2010 (47% in 2006) Vgl. Quelle: The Economist, 12. Januar 2012, Folie 7

8 Wechselkurs Beispiel: Wir verkaufen 10 Autos in die USA im Wert von je EUR (insgesamt EUR). Der Käufer in den USA geht zu seiner Bank und tauscht USD in EUR, um damit die 10 Autos zu bezahlen und erhöht so die Nachfrage nach EUR. Was machen wir jetzt mit den EUR? Legen wir das Geld in Deutschland an? Oder lieber in den USA? Oder lieber in der Schweiz? (Dann tauschen wir EUR in CHF was die Nachfrage nach CHF erhöht.) Welche Zinsen/Rendite bekommen wir dafür in Deutschland und im Vergleich dazu in den USA und in der Schweiz? Wie werthaltig schätzten wir den EUR ein (Inflation) und im Vergleich dazu den USD und den CHF? Folie 8

9 Inflation Werthaltigkeit Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes EZB-Ziel: Inflationsrate nahe 2% Quelle: Folie 9

10 Rating Rating/Bonität Indikator für die Kreditwürdigkeit eines Schuldners, d.h. seiner Fähigkeit, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Je schlechter die Bewertung (das Rating), desto mehr Risiko für Gläubiger, desto mehr Zinsen müssen gezahlt werden. Kann das aus den laufenden Erträgen geleistet werden? Oder müssen zusätzliche Schulden aufgenommen werden, um den Zinsverpflichtungen nachzukommen? S&P aktuell: Deutschland: Frankreich: Spanien: Italien: Portugal: AAA AA+ A BBB+ BB Schuldner höchster Bonität, Ausfallrisiko sehr gering Sichere Anlage, leichtes Ausfallrisiko Durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist mit Problemen zu rechnen Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist mit Ausfällen zu rechnen Folie 10

11 Haushaltsdisziplin Staaten müssen Ausgaben finanzieren Steuereinnahmen (laufende Erträge) Veräußerung von Vermögen (einmalige Erträge) Aufnahme von Schulden (Aufnahme von Kredit, mit der Erwartung entsprechend höherer Erträge in der Zukunft, so dass Schulden beglichen werden können) EU-Haushaltsdisziplin gemäß Konvergenzkriterien (Maastricht- Vertrag) und Stabilitäts- und Wachstumspakt Haushaltsdefizit maximal 3% des BIP Öffentliche Verschuldung maximal 60% des BIP Zukünftig: Transfer fiskalpolitischer Souveränität an die EU Spätestens mit dem Vertragsbruch durch Deutschland und Frankreich nicht mehr ernst genommen Folie 11

12 Verschuldung in % des BIP GEO/TIME (Quelle der Daten: EUROSTAT) Europäische Union (27 Länder) 61,0 60,4 61,9 62,3 62,8 61,5 59,0 62,5 74,7 80,1 Euroraum (17 Länder) 68,1 67,9 69,1 69,5 70,1 68,5 66,3 70,1 79,8 85,3 Belgien 106,5 103,4 98,4 94,0 92,0 88,0 84,1 89,3 95,9 96,2 Bulgarien 66,0 52,4 44,4 37,0 27,5 21,6 17,2 13,7 14,6 16,3 Tschechische Republik 23,9 27,1 28,6 28,9 28,4 28,3 27,9 28,7 34,4 37,6 Dänemark 49,6 49,5 47,2 45,1 37,8 32,1 27,5 34,5 41,8 43,7 Deutschland 59,1 60,7 64,4 66,3 68,6 68,1 65,2 66,7 74,4 83,2 Estland 4,8 5,7 5,6 5,0 4,6 4,4 3,7 4,5 7,2 6,7 Irland 35,2 31,9 30,7 29,4 27,2 24,7 24,8 44,2 65,2 92,5 Griechenland 103,7 101,7 97,4 98,6 100,0 106,1 107,4 113,0 129,3 144,9 Spanien 55,6 52,6 48,8 46,3 43,1 39,6 36,2 40,1 53,8 61,0 Frankreich 56,9 58,8 62,9 64,9 66,4 63,7 64,2 68,2 79,0 82,3 Italien 108,2 105,1 103,9 103,4 105,4 106,1 103,1 105,8 115,5 118,4 Zypern 61,2 65,1 69,7 70,9 69,4 64,7 58,8 48,9 58,5 61,5 Lettland 14,1 13,6 14,7 15,0 12,5 10,7 9,0 19,8 36,7 44,7 Litauen 23,0 22,2 21,0 19,3 18,3 17,9 16,8 15,5 29,4 38,0 Luxemburg 6,3 6,3 6,1 6,3 6,1 6,7 6,7 13,7 14,8 19,1 Ungarn 52,7 55,9 58,6 59,5 61,7 65,9 67,0 72,9 79,7 81,3 Malta 60,9 59,1 67,6 71,7 69,7 64,1 62,1 62,2 67,8 69,0 Niederlande 50,7 50,5 52,0 52,4 51,8 47,4 45,3 58,5 60,8 62,9 Österreich 66,8 66,2 65,3 64,7 64,2 62,3 60,2 63,8 69,5 71,8 Polen 37,6 42,2 47,1 45,7 47,1 47,7 45,0 47,1 50,9 54,9 Portugal 51,2 53,8 55,9 57,6 62,8 63,9 68,3 71,6 83,0 93,3 Rumänien 25,7 24,9 21,5 18,7 15,8 12,4 12,8 13,4 23,6 31,0 Slowenien 26,5 27,8 27,2 27,3 26,7 26,4 23,1 21,9 35,3 38,8 Slowakei 48,9 43,4 42,4 41,5 34,2 30,5 29,6 27,8 35,5 41,0 Finnland 42,5 41,5 44,5 44,4 41,7 39,6 35,2 33,9 43,3 48,3 Schweden 54,7 52,5 51,7 50,3 50,4 45,0 40,2 38,8 42,7 39,7 Vereinigtes Königreich 37,7 37,5 39,0 40,9 42,5 43,4 44,4 54,8 69,6 79,9 Island : : : : 26,0 27,9 28,5 70,3 87,9 92,9 Norwegen 29,2 36,1 44,3 45,6 44,5 55,4 51,5 49,1 43,1 44,0 Kroatien : 40,0 40,9 43,2 43,7 35,5 32,9 28,9 35,3 : Türkei 104,4 93,0 85,1 59,2 52,3 46,1 39,4 39,5 45,4 : Folie 12

13 Nettoneuverschuldung Deutschland Haushaltsplan 2012: Steuereinnahmen 249,2 Mrd. EUR Sonstige Einnahmen 30,9 Mrd. EUR 4,3% des BIP > Maastricht-Kriterium für Haushaltsdefizit Folie 13

14 Staatsausgaben Ausgaben im Haushaltsplan 2012 für Deutschland Folie 14

15 Defizit und Verschuldung Entwicklung von Defizit und Verschuldung in Griechenland, Irland und Portugal Irland (wie auch Spanien): Zusammenbruch nach Immobilienblase mit gravierenden Folgen für Banken und Staat Auseinanderdriften von Wachstum- und Lohnentwicklung, Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, Leistungsbilanzdefizite NZZ, , S. 36 Folie 15

16 Griechenland Folie 16

17 Griechenland Risikoprämien für Griechenland Folie 17

18 Griechenland Rettung Griechenlands Umschuldung Sparmaßnahmen Effektivität der Einnahmen Folie 18

19 Griechenland Folie 19

20 Umschuldung Umschuldung Griechenlands Anleihe des Euro- Rettungsfonds EFSF: Nennwert 150 EUR Fälligkeit innerhalb von zwei Jahren Neue Anleihe von Griechenland: Nennwert 315 EUR Rückzahlung in 2042 Anfangs 2% Zinsen, ab % Zinsen, ab ,3% Zinsen Folie 20

21 Rettungsschirm EURO-Rettungsschirm (EUR 750 Mrd.): EFSF: Europäische Finanzstabilitätsfazilität (EUR 440 Mrd.) Unternehmen im Besitz der EU-Mitgliedsstaaten, beste Bonität, Sitz in Luxemburg, existiert seit Mai 2010 EUR 60 Mrd. Bürgschaft von EU-Kommission EUR 250 Mrd. bereitgestellt durch IMF Erste Nutzer : Irland (85 Mrd. EUR), Portugal (78 Mrd. EUR) Folie 21

22 Rettungsschirm ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus): Vertrag vom 21. Juli 2011, soll bis Mitte 2012 von den Parlamenten der einzelnen Staaten ratifiziert werden Ersetzt Provisorium vom Mai 2010, das Juni 2013 ausläuft Zahlungsunfähige bzw. überschuldete Mitgliedsstaaten werden unterstützt: Notkredite und Bürgschaften Mit subventionierten Kondition (z.b. günstigen Zinssätzen) Makroökonomische Anpassungsprogramme (verpflichtend) Technische und finanzielle Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Folie 22

23 Wirtschaftswachstum Moderates Weltwirtschaftswachstum für 2012 erwartet Wirtschaftswachstum (% gg. Vorjahr) e Nordamerika 3,0 1,8 2,1 Westeuropa 1,9 1,5 0,1 Asien/Pazifik 7,1 4,4 5,0 Osteuropa 4,4 4,4 2,9 Lateinamerika 6,3 4,2 3,7 Quelle der Daten: Consensus Inc., HSBC Folie 23

24 Europa Beispiel Deutschland in 2009 (VDA): Exporte Pkw: -17% Exporte Nutzfahrzeuge: -57% Umsatz Branche: -20% Quelle: Folie 24

25 Leistungsbilanzen weltweit Quelle: Folie 25

26 Arbeitslosigkeit 11,7% 7,3% EU: 10,7% Folie 26

27 Unternehmensinsolvenzen In Europa , kein einheitliches Insolvenzrecht Spanien +18% Italien, Portugal +17% Irland +8% Griechenland +27% Vgl. Folie 27

28 Geschäftsklima Folie 28

29 Konsumklima Deutschland im Februar 2012: 5,9 Folie 29

30 Konsumklima Deutschland im Februar 2012: 41,3 Folie 30

31 Konsumklima Deutschland im Februar 2012: 39,2 Folie 31

32 Börsenkurse Dax-Entwicklung der letzten 10 Jahre Kein Abbild der rein nationalen (deutschen) Gegebenheiten Unternehmen sind global agierende Konzerne Quelle: Folie 32

33 Risiken Risiken für Deutschland: Sich abschwächendes Weltwirtschaftswachstum Abschreibungen aus Umschuldung Griechenlands voraussichtlich 20 Mrd. EUR (davon 14 Mrd. EUR beim Staat) FMS Wertmanagement (Bad Bank der Hypo Real Estate) 8,9 Mrd. EUR Erste Abwicklungsanstalt (Bad Bank der WestLB) 700 Mio. EUR KfW-Bankengruppe 210 Mio. EUR Weitere Landesbanken rund 1 Mrd. EUR und weitere Sparkassen Commerzbank 2,2 Mrd. EUR (vgl. FAZ vom 9. März 2012) Garantien etc. im Rahmen des EURO-Rettungsschirms Eigene Schuldpositionen (teilweise intransparent) Folie 33

34 Aufgaben Herausforderungen für Europa: Konsolidierung der öffentlichen Finanzen der einzelnen Mitgliedsstaaten Strukturelle Reformen im Hinblick auf die Heterogenität der Mitgliedsstaaten Folie 34

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