MARKT- UND ZINS- NEWSLETTER 47/2011

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1 MARKT- UND ZINS- NEWSLETTER Überblick Wochenvergleich Trend Woche Monat Jahr Dax 5.800,24 MDax 8.626,15 EONIA 0,72% Umlaufrendite 1,64% Dow Jones ,16 S&P ,65 EUR/ USD 1,3525 Gold in EUR 1.275,49 Öl in EUR 72,21 Allgemeines Nachdem Griechenland in den letzten Monaten mehrere Wochen die Schlagzeilen und die Entwicklung an den internationalen Kapitalmärkten beherrscht hat, richtete sich der Fokus wie von uns in der letzten Woche dargestellt allerdings nur kurzfristig auf Italien. Anders als von vielen Marktteilnehmern erwartet, hielt die Beruhigung durch die neue Regierung nur kurze Zeit an und half den internationalen Aktienmärkten nur in den ersten Handelsstunden der letzten Woche weiter. Stattdessen hat die EUR-Schuldenkrise nun sehr schnell die mit besten Bonitätsnote AAA bislang außerhalb jeden Zweifel stehenden Staaten wie Österreich und Frankreich getroffen. Dort erreichten die Aufschläge bei Kreditausfallversicherungen von bis zu 230 Basispunkten ein bislang nicht gekanntes Niveau und zeigen vor allem, wie wenig Vertrauen in die Eurozone insgesamt und in die Problemlösungskompetenz der Politik im Besonderen besteht. Selbst für die Bundesrepublik Deutschland, bei der Politiker immer wieder gern hervorheben, wie sicher dort emittierte Anleihen sind und wie niedrig das Zinsniveau ist, hat sich der Aufschlag bei Kreditausfallversicherungen auf inzwischen knapp 100 Basispunkte seit dem Jahresanfang mehr als verdoppelt. Diese Zweifel belasten natürlich auch die europäische Gemeinschaftswährung, die aufgrund der uneinheitlichen Strategie der verschiedenen Staaten unter Druck bleibt, allerdings weiterhin deutlich über ihrem fundamental gerechtfertigten Niveau von ca. 1,29 notiert. Die Differenzen, die über die Eurostaaten hinaus gehen, zeigen vor allem Gespräche am letzten Freitag zwischen Deutschland und Großbritannien. Hier wird seitens des weiterhin an seiner Währung GBP festhaltenden EU-Staats eine schnelle Lösung der EUR-Schuldenkrise verlangt, umso über eigene Schwächen des Währungssystems hinweg zu täuschen. Überraschend war zudem, dass alle Assetklassen die Woche mit Verlusten beendeten und neben dem deutschen Leitindex Dax, der über 4% verlor, auch der US-Leitindex Dow Jones fast 3% und die zweite börsenreihe des MDax mit fast 6% am stärksten verlor. Aber auch deutsche Staatsanleihen mit einem Minus im Bund-Future von knapp 0,4% und vor allem Gold, auf dessen Minus von fast 4% wir separat im Detail eingehen, wurden ihrem Ruf als sicherer Hafen nicht gerecht. Faktisch ist aus Sicht führender Wirtschaftswissenschaftler, aber vor allem aus dem Blickwinkel internationaler Investoren der derzeit als Rettungsmechanismus fungierende EUR-Rettungsschirm EFSF bereits gescheitert. Damit wird auch die dauerhafte Lösung ESM, die ab 2013 gelten soll, nicht mehr als Lösung wahrgenommen. Die europäische Politik bleibt so Getriebene der aktuellen Marktentwicklungen und wird trotz des derzeit noch relativ starken deutschen Widerstands nicht umhin kommen, die Europäische Zentralbank (EZB) noch stärker in die Pflicht zu nehmen.

2 Der seit amtierende neue EZB-Präsident Mario Draghi hat dies zum Ende der letzten Woche schon angedeutet, in dem er die politischen Entscheidungen in der Eurozone stark kritisierte. Somit wird die EZB trotz ihres eigentlichen Auftrags, für Geldwertstabilität zu sorgen, sich stärker an der US-Notenbank Federal Reserve orientieren, die ihrerseits daneben das weitere Ziel der Unterstützung eines stabilen wirtschaftlichen Wachstums verfolgt und daher bereits in der Vergangenheit zweimal massive Anleihekäufe vorgenommen hat und hier aktuell auslaufende Papiere in längere Laufzeiten im Rahmen der sogenannten Aktion twist tauscht. Aufgrund der weiterhin relativ schwachen Entwicklung der US-Konjunktur wird davon ausgegangen, dass dieses Programm fortgesetzt wird, zumal die politische Einigung über ein Konzept zum Schuldenabbau in den USA wieder in weite Ferne gerückt ist. Insofern steigt auch hier der Druck auf die EZB innerhalb der Eurozone ähnliche Modell umzusetzen. Dies wird nicht nur durch Staaten wie Italien und Spanien, die beide inzwischen für 10-jährige Anleihen knapp 7% p. a. zahlen müssen, gefordert, sondern die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone Frankreich steht einem solchen Modell positiv gegenüber. Der Staat hat aus Sicht der Kapitalmärkte schon lange die Topbewertung verloren, da er beispielsweise mit knapp 3,5% p. a. im zehnjährigen Bereich ein ähnliches Zinsniveau hat, wie das aktuell von Überschwemmungen geprägte Thailand, obwohl unabhängig von den aktuellen Entwicklungen die wirtschaftliche Leistungskraft Frankreichs um ein Vielfaches höher ist. An der Haltung Spaniens wird sich durch den Wahlsieg der bislang oppositionellen, konservativen Partei, die wohl die absolute Mehrheit erreicht hat, nichts ändern. Auch dem EUR wird dies nur kurzfristig helfen. Ähnliches gilt für Griechenland, bei der sich die Expertenregierung weigert, eine schriftliche Zusicherung der Einhaltung der Sparziele an die EU zu geben. So wird der Staatsbankrott zunehmend wahrscheinlich. Insgesamt ist spürbar, dass sich internationale Anleger zunehmend aus der Eurozone, aber auch aus Europa als Gesamtmarkt zurückziehen. So hat das als sicherer Hafen beliebte Segment der norwegischen Staatsanleihen innerhalb der letzten Woche ebenfalls mit fallenden Kursen zu kämpfen, während der Aktienmarkt dort und auch unsere Statoil relativ stabil war. Auf den ersten Blick überraschend hat dies die norwegische Währung nicht belastet, aber im Wochenverlauf war deutlich wahrzunehmen, dass hier Investoren ausschließlich auf fallende Kurse bei norwegischen Staatsanleihen spekulierten. Als sich nicht genügend Druck aufbauen ließ und die angestrebten Kursverluste nicht eintraten, stabilisierten sich die Kurse auf nur leicht niedrigerem Niveau wieder. Diese Entwicklung zeigt aber dennoch, wie groß die Unsicherheit ist bzw. wie hoch die spekulativen Elemente sind. So kam es teilweise zu einer Explosion mancher Anleiherenditen. Inzwischen sind zweistellige Renditen keine Seltenheit mehr. So hat die nach unserer Einschätzung nicht überlebensfähige Fluggesellschaft AirBerlin eine drei Jahre laufende Anleihe mit einem Zinskupon von 11,5 % emittiert und konnte dies mit dem entsprechenden Risikoaufschlag auch platzieren. Aus einem anderen Grund kamen Nachranganleihen der Commerzbank AG, die wir weiterhin im Bankensegment ähnlich schwach positioniert sehen wie AirBerlin als Fluggesellschaft, unter Druck. Hier wird zunehmend die Gefahr für bonitätsschwächere Kreditinstitute eingepreist, ihre Jahresabschlüsse durch Neubewertungen zu optimieren, in den beispielsweise Wertermäßigungen nur im absolut notwendigen Rahmen bilanziell berücksichtigt werden. Das Kreditinstitut ist nach unserer Einschätzung nur mit neuerlicher Staatshilfe zu stabilisieren. Nicht nur für Staaten wie Italien, sondern auch für den Finanzsektor insgesamt war es eine nachrichtenstarke Woche. Bei dem deutschen Branchenprimus im Kreditgewerbe der Deutsche Bank AG wird zwar die Gefahr einer kreativen Bilanzierung als niedrig eingestuft, dennoch hat das Institut eine schwierige Woche hinter sich, nachdem bekannt wurde, dass zum einen gegen Verantwortungsträger der Bank im Zusammenhang mit dem Verfahren des inzwischen verstorbenen Medienunternehmers Kirch hinsichtlich Prozessbetrug ermittelt wird und dort Durchsuchungen stattgefunden haben. Zum anderen wurde aber völlig überraschend bekannt, dass der bisherige Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann anders als geplant nicht im Mai 2012 auf die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden wechseln wird.

3 Nun wird bereits über einen vorzeitigen Rücktritt als Vorstandsvorsitzender spekuliert, was für den Finanzplatz Deutschland kaum schlechter sein könnte, weil zum einen die Deutsche Bank AG international das einzig maßgebliche Kreditinstitut aus Deutschland ist und entsprechenden Einfluss hat. Zum anderen ist der dortige Vorstandsvorsitzende momentan einer der wenigen Bankmanager international, die sich aktiv an der Lösung der EUR-Schuldenkrise beteiligen und dabei nicht nur neuen Liquiditätshilfen der Staaten und/oder Notenbanken fordern. Nun werden die Gerüchte lauter, dass Josef Ackermann an die Spitze des Verwaltungsrats des schweizerischen Versicherers Zurich wechseln werde. Nur eine Randnotiz ist eine (weitere) Klagegegen die Deutsche Bank AG in den USA, die im Zusammenhang mit der Insolvenz von MF Global eingereicht wurde. Die Erfolgsaussichten sind auch hier nach unserer Einschätzung gering. Kaum marktbeeinflussende Relevanz hatte die z. T. überfällige, beispielsweise aber bei der NordLB nicht nachzuvollziehende Herabstufung von sechs Landesbanken durch die Ratingagentur Moody s. Dies zeigt zwar die Risiken im öffentlich-rechtlichen Sektor, aber stellt auch klar dar, wie einseitig die Ratingbewertung der US-dominierten Ratingagenturen ist. Würden hier für US-Kreditinstitute ähnliche Maßstäbe eingefordert, wäre die durchschnittliche Note der US-Kreditinstitute mit C vermutlich auf dem Niveau Griechenlands. International sorgte die italienischen Bank UniCredit, zu der auch in Deutschland die HypoVereinsbank gehört, für überraschende Schlagzeilen: Durch die aktuellen Marktverwerfungen, aber vor allen Dingen durch erheblichen Abschreibungsbedarf an Beteiligungen in Osteuropa, die im 3. Quartal 2011 zu einem Verlust von über 10 Mrd. EUR geführt haben, wurde auf niedrigem Niveau eine Kapitalerhöhung durchgeführt, die von 13 Kreditinstituten u. a. Goldman Sachs und Deutsche Bank garantiert wird. Zwar sind damit die Schlagzeilen UniCredit sucht verzweifelt Kapital falsch, wir rechnen aber unabhängig von der Entwicklung in Italien allerdings mit einem ähnlichen Verlauf wie bei der Commerzbank AG, die schon in der ersten Jahreshälfte 2011 auf niedrigem Niveau eine Kapitalerhöhung durchgeführt hatte. Dies war uns damals unverständlich, weshalb der Vorstand des Kreditinstitutes mit einem so logischen Schritt so lange gezögert hatte. Dies wird nun erklärlich, nachdem der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank alle Staatsanleihen als spekulativ eingestuft hat. Wir sind gespannt, wie er auf Basis dieser Aussage sein eigenes Institut bewertet und vor allem wie er bei der nächsten Hauptversammlung seine Anlagestrategie erklären will. Ähnliche Fehler hinsichtlich der Kapitalerhöhung wiederholt nun die UniCredit, weshalb wir dort wie auch weiterhin bei der Commerzbank AG - mit deutlich fallenden Kursen rechnen. Diese Einschätzung halten wir auch beim Goldpreis aufrecht, zumal sich am letzten Donnerstag eine sehr interessante Entwicklung in den USA darstellte, auf die wir im Bereich Währung und Rohstoffe näher eingehen. Das dort dargestellte Szenario gilt nicht nur für Goldpreis, sondern kann auch andere Anlageklassen negativ beeinflussen, wenn vor allem institutionelle Anleger vorhandene Gewinne nutzen, um Verluste in anderen Segmenten zu kompensieren. Dies wird durch das niedrige Handelsvolumen in allen Segmenten begünstigt, das so niedrig wie seit Juli 2011 nicht mehr ist. So haben wir wie wir im Bereich Rentenmarkt darstellen in unseren Vermögensverwaltungsmandaten unter Tradinggesichtspunkten eine relativ kurz laufende österreichische Staatsanleihe erworben. Normalerweise handelt es sich hierbei um ein sehr liquides Wertpapier, das nahezu über alle Kreditinstitute problemlos erworben werden kann. Allerdings ist dies derzeit aufgrund des geringen Umsatzvolumens und der inzwischen spürbar geringen Eigenhandelsaktivitäten der Kreditinstitute aktuell nur noch wenige Banken zu einem fairen Kurs überhaupt lieferfähig. Für Anleger, die nur mit ein oder zwei Kreditinstituten zusammenarbeiten, führt dies dazu, dass diese aktuell nur eingeschränkt Zugang zu attraktiven Wertpapieren mit marktkonformen Preisen haben. Dies gilt noch wesentlich stärker für das von uns weiterhin favorisierte Segment der Unternehmensanleihen, bei denen derzeit nur länger laufende und vor allem eng limitierte Orders erteilt werden sollten, weil hier in dem aktuellen Umfeld teilweise schon fünfstellige Beträge den Kurs maßgeblich beeinflussen können.

4 Damit scheinen die Kapitalmärkte international aber vor allem in Europa in eine Lethargie verfallen zu sein, die sehr überrascht. Traditionell sinkt das Handelsvolumen ab Anfang Dezember eines Jahres etwas, weil das Geschäftsjahresende von sogenannten Spezialfonds, bei denen speziell auf das jeweilige Anlegerziel ein Fonds aufgelegt wird, bereits am eines Jahres ist und dort nicht wenige Manager solcher Spezialfonds für uns nicht nachvollziehbar - Transaktionen zum Jahresende scheuen. Diese Entwicklung tritt nun trotz der eigentlich sehr marktrelevanten Unsicherheiten nun zwei Wochen eher, weshalb sich ein Szenario anzudeuten scheint, dass dieses Jahr, das bei vielen Investoren negativ verlaufen ist, vorzeitig beendet wird, um so die Risiken zu reduzieren. Perspektivisch stellt dies eine massive Gefahr dar, weil damit dann ähnlich wie bei der Finanzkrise 1.0 im Jahre 2008 liquide Anlagen besonders gesucht sind und diese wie schon mehrfach beschrieben spätestens unter Berücksichtigung der Inflation eine Garantie zur Kapitalvernichtung darstellen. Viel schlimmer ist jedoch die Gefahr einer Blasenbildung, bei der immer mehr Geld in liquide Anlagen vor allem in den Finanzsektor fließt und dort zur Erzielung einer positiven Rendite immer spekulativer angelegt wird. Damit drohen Zahlungsausfälle, die aufgrund des immer stärker steigenden Volumens in liquiden bzw. angeblich sicheren Anlagen jedes Sicherungssystem ins Wanken bringen könnten und damit die Finanzkrise 2.0, die durch die Staatsschulden ausgelöst ist und wir aktuell erleben, ohne Unterbrechung in eine Finanzkrise 3.0 führen könnte, die bislang gültige Regeln sehr schnell auf den Kopf stellen könnte. Geldmarkt Vor diesem Hintergrund sollte man im Geldmarkt nur die notwendige Liquidität anlegen und diese über verschiedene Kreditinstitute und Sicherungssysteme diversifizieren. Nicht vergessen sollte man dabei, dass man in anderen Anlageklassen unabhängiger vom Finanzsektor agieren sollte und Anleihen und/ oder Aktien von Finanzunternehmen nur erwerben sollte, wenn diese eine signifikanten Überrendite wie beispielsweise Charlottenburg Capital (s. Rentenmarkt) bieten. Neben den sicherlich seit dem Jahr 2009 wieder kontinuierlich gestiegenen und weiter steigenden Ausfallrisiken drücken die aktuellen Erwartungen zu weiteren Maßnahmen der EZB, die nach unserer Einschätzung noch vor dem Jahreswechsel 2011/2012 kommen werden, auf die Renditen. Ein weiterer Zinsschritt im kommenden Monat auf das Niveau von 1% p. a. ist wahrscheinlich und wird nach unserer Einschätzung spätestens dann mit der Ankündigung der Notenbank verbunden sein, unbegrenzt Anleihen der Eurostaaten zu kaufen. Möglicherweise erfolgt dies im Rahmen einer abgestimmten Aktion mit der Bank of England und der Eidgenössischen Notenbank, die ohnehin zu den größten Käufern deutscher Staatsanleihen gehört, um so die eigene Währung CHF zu schwächen. Daher wird die im Wochenvergleich weitgehend unveränderte Zinskurve im Geldmarkt kein temporäres, sondern länger anhaltendes Problem sein, bei dem gerade auf den Geldmarkt angewiesene, konservative Anleger mit weiter sinkenden Zinsen rechnen müssen. Die Liquidität und fällig werdenden Anlagen sollte man weiterhin kurzfristig mit Anbindung an den Tagesgeldzinssatz EONIA anlegen, weil wir mit einem saisonalen Zwischenhoch im Geldmarkt zum Jahreswechsel rechnen. Dann sollte man analog unserer vor einigen Wochen wieder über verschiedene Laufzeiten gestreut anlegen. Wer so agiert hat, konnte wie im gesamten Jahresverlauf mit unseren en leichte Überrenditen erzielen. Weiterhin sollte man ausschließlich auf erstklassige Kreditinstitute setzen und im Geldmarkt nicht spekulieren. Bietet eine Bank oder Sparkasse in allen Laufzeitbereichen über dem Markt liegende Renditen, sollte man sehr vorsichtig sein. Dann ist der höhere Zins auch mit einem höheren Risiko verbunden. Nicht benötigte Liquidität sollte man in kürzer laufende Segmente (bis 3 ½ Jahren) des Rentenmarkts überführen, weil sich dort insbesondere im Segment der Unternehmensanleihen sowie selektiv bei Staatsanleihen attraktive Anlagemöglichkeiten ergeben.

5 Rentenmarkt Wie schon im allgemeinen Teil beschrieben, erreichte die EUR-Schuldenkrise in kaum vorstellbarer Zeit auch bislang Staaten, die sich sicher fühlten wie Frankreich oder Österreich. Aufgrund dieser Entwicklung wird es sehr wahrscheinlich sein, dass die EZB Staatsanleihen in unbegrenztem Umfang aufkauft und so den EUR als Währung rettet. Ordnungspolitisch ist dies bedenklich, aber vor allem risikoreich, wenn die Staaten damit ihre Reformanstrengungen zurückfahren oder sogar ganz einstellen. Umgekehrt bietet diese Entwicklung für Anlagen in kürzer laufenden Staatsanleihen aus Frankreich oder Belgien, aber vor allem Österreich Anlagechancen. Wer beispielsweise dem österreichischen Staat mit geringer Arbeitslosigkeit und solider mittelständischer Wirtschat für 3 ½ Jahre Geld zur Verfügung stellt, erhält mit fast 2,4% p.a. deutlich mehr Rendite, als wenn man das Geld dem deutschen Staat für zehn Jahre leiht. Daher sind deutsche Staatsanleihen oder Pfandbriefe unter Inflations- und Risikoaspekten nicht empfehlenswert, während man selektiv Marktchancen bei den genannten Staatsanleihen nutzen kann. Neben deutschen Staatsanleihen sind wir weiterhin sehr negativ eingestellt für Papiere aus Griechenland und Spanien. Die Marktchancen für Italien stufen wir besser ein, allerdings schwanken diese Papiere zu stark. Ähnliches gilt auch für das Segment der Unternehmensanleihen, bei denen aufgrund der geringen Umsätze die Kursfeststellung schon fast willkürlich anmutet. Hier sollte man Verkäufe meiden, weil zu viele größere Marktteilnehmer ihre Bücher schon geschlossen haben bzw. kurz vor Jahresschluss für uns nicht nachvollziehbar keine Positionen mehr aufbauen wollen. Selektiv bieten sich so hervorragende Kaufgelegenheiten, die man nicht verstreichen lassen sollte. Aktienmarkt Dies galt in der letzten Woche für die Anleihe der Freenet AG und ist aktuell bei vor allem bei Nachrangpapieren von Allianz, Charlottenburg Capital, Deutsche Bank und Münchener Rück festzustellen. Ebenfalls sehr interessant ist die Anleihe von Hapag- Lloyd, die bei der fälschlicherweise geführten Diskussion um eine weltweite Rezession unter Druck kam. Selektiv sind Käufe von französischen, belgischen, aber vor allem österreichischen Staatsanleihen interessant. In Italien wurde von Unternehmern ein starkes Signal an die Kapitalmärkte gegeben, weil diese massiv in italienische Staatsanleihen investieren wollten. Dies zeigt die wirtschaftliche Stärke dieser Volkswirtschaft, so dass wir hier unabhängig vom dem wahrscheinlichen, unbegrenzten Anleihekaufprogramm der EZB mit einer Normalisierung der Situation rechnen. Im Rentenmarkt bleibt Flexibilität weiterhin bedeutend, so dass die Gesamtduration vier Jahre weiterhin nicht übersteigen sollte und Einzeltitel mit Laufzeiten von bis zu sieben Jahren möglich sind. Der Dax hat in der vergangenen Woche rund 4,2% verloren. Während dies in den Vorwochen häufig in einem sehr volatilen Umfeld mit Gewinnen und Verlusten im Bereich von 3% bis 5% erfolgte, gab der deutsche Leitindex in der letzten Woche jeden Tag leicht nach, so dass wir den Beginn eines Abwärtstrends nicht ausschließen wollen. Dies gilt insbesondere, wenn die charttechnisch wichtige Marke von Punkten nach unten durchbrochen wird. Wie im allgemeinen Teil dargestellt, täuschte dies zusammen mit den schwachen Umsätzen über die relative Marktschwäche hinweg, weil sich nahezu alle Marktteilnehmer auf deutlich heftigere Bewegungen eingestellt hatten. Vermutlich ist auch in der kommenden Handelswoche jedoch von einer Schwankungsbreite zwischen und Punkten auszugehen, so dass wir uns derzeit in einer breiten Seitwärtsbewegung befinden. Damit notiert der Dax allerdings immer noch 16% unter dem Jahresanfang, während der US-Leitindex Dow Jones derzeit knapp 2% im Vergleich zum Jahresbeginn im Plus ist und der marktbreitere S&P500 auch nur knapp im Minus ist. Insofern konzentrieren sich die US-Börsen wieder stärker auf die Situation auf dem Heimatmarkt, bei der aufgrund der geschickten öffentlichen Darstellung und der Kritik an Europa die Schuldenkrise keine Rolle spielt.

6 Viel entscheidender sind die sich leicht bessernden Konjunkturdaten, auf die wir im Weiteren noch detaillierter eingehen, und die gut verlaufende Berichtsaison zum 3. Quartal Unabhängig davon betrachten die USA die europäische Schuldenkrise auch mit Sorge, weil ein nennenswerter Anteil der US-Exporte auch in die Eurozone erfolgt und die US-Banken moderat ebenfalls in Papieren aus den Schuldenstaaten der Eurozone investiert sind. Dann ist es wenig verwunderlich, wenn die Aussage der Ratingagentur Fitch, die US-Banken könnten bei einem Zusammenbruch der Eurozone Probleme bekommen, fast 200 Punkte Minus im Dow Jones innerhalb einer Handelsstunden nach sich zieht. Die Amerikaner haben die Globalisierung in der Breite wohl noch nicht realisiert. Dies scheint momentan darüber hinwegzutäuschen, dass die USA ohne erkennbare Reformbemühungen ähnlich wie Japan derzeit deutlich höher verschuldet ist. Die Konjunkturdaten wurden wie momentan eigentlich immer nur zur Kenntnis genommen, obwohl in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt um 2,5% im Vergleich zum Vorjahr stieg, aber diese Wachstumsdynamik im kommenden Jahr wohl nicht halten wird. In den USA war der Einzelhandelsumsatz sehr stabil und lag über den Erwartungen. Hier überzeugten ebenfalls Daten von der Industrieproduktion und vom Immobilienmarkt. Eine Rezession sieht anders aus. Allerdings darf man nicht vergessen, dass das Niveau weiter sehr niedrig ist. Neben der im allgemeinen Teil beschriebene Personalie bei der Deutsche Bank AG sorgte eine weitere Personalentscheidung bei einem anderen Unternehmen aus dem deutschen Leitindex Dax für negatives Erstaunen. Die Deutsche Telekom verliert nach lediglich 1,5 Jahren ihren Technologievorstand, der vom US-Informationskonzern Cisco nach Deutschland gekommen war. Dies belastete die Aktie in dem insgesamt negativen Umfeld nur leicht. Im MDax sorgte SGL Carbon für einen deutlichen Kursgewinn, nachdem es BMW gelungen ist, sich einen 15igen Anteil an dem Unternehmen zu sichern und sich damit in einer Übernahme einen Vorteil gegenüber dem ebenfalls interessierten Volkswagen-Konzern zu verschaffen. Kredit Wer unserer aus der letzten Woche zu Gewinnmitnahmen gefolgt ist, konnte spürbare Überrenditen erzielen. Dies galt insbesondere bei Gewinnmitnahmen im MDax und bei Stada. Deutsche Telekom (trotz der beschriebenen Personalie), K+S, bei denen eine Dividendenerhöhung ansteht und das saisonale Streusalzgeschäft wohl hervorragend läuft, sowie Salzgitter bleiben in diesem Umfeld ebenso interessant wie ein marktbreiter Kauf des MDax. Insgesamt ist mit stärkeren, zunächst vermutlich leicht aufwärtsgerichteten Schwankungen zu rechnen, die vermutlich bis an die Marke von Punkten heranreichen können. Sollte jedoch die Marke von Punkten nachhaltig nach unten durchbrochen werden, wird der deutsche Leitindex unter die Marke von Punkten fallen, weshalb man momentan eher defensiv und in qualitativ erstklassige Titel investieren sollte. Tendenziell fallen die Zinsen auf der Kreditseite weiter, obwohl es gerade für gewerbliche Kreditnehmer augenscheinlich schwieriger wird, sich mit Darlehen zu versorgen. Insofern sind Ermäßigungen, die sich im Bereich von ein bis zwei Prozentpunkten bewegen, weniger relevant als die Frage, ob es zu einer Kreditklemme kommen könnte. Momentan ist dies zu verneinen, aber der z. T. richtigerweise vorhandene negative Fokus auf Verbindlichkeiten zeigt, dass es für bonitätsschwächere Kreditnehmer und bonitätsschwächere Kreditinstitute immer schwieriger wird, sich zu adäquaten Preisen mit Krediten zu versorgen. Dies ist aber eher ein Zukunftsthema, das man nicht außer acht lassen sollte, sondern vorhandenen Kreditbedarf gerade vor diesem Hintergrund zügig eindecken sollte, auch wenn mit einer weiteren Leitzinssenkung weiteres Abwärtspotenzial gegeben ist.

7 Daher ändert sich aktuell in unserer nichts. Man sollte in diesem Segment ähnlich wie im Geldmarkt nicht spekulieren und vorhandenen Kreditbedarf schnell eindecken. Auf weiter sinkende Zinsen zu hoffen, kann aufgehen, aber die Auswahl der finanzierenden Kreditinstitute wird eher geringer und die Bonitätsanforderungen steigen. Weiterhin sollte man verschiedene Anbieter idealerweise aus unterschiedlichen Kreditinstitutsgruppen miteinander vergleichen. Neben den Konditionen und der Unveräußerlichkeit der Kreditforderung gehören Sondertilgungsmöglichkeiten ebenso zu einem guten Finanzierungsangebot wie ebenfalls kostenfreie Ratenanpassungen, Forward-Angebote u. ä. Eine möglichst realistische Beurteilung der zur Verfügung stehenden Sicherheiten ist notwendig, um die bestmögliche Kondition zu erhalten, ohne zu viele Sicherheiten zur Verfügung zu stellen. Bei dem günstigen Zinsniveau erscheint das Instrument einer variablen Finanzierung nur begrenzt interessant. Kreditart Zinsbindungsempfehlung Nominalzinssatz Besonderheiten Privat 10 Jahre 3,01% p. a. inkl. 10% p. a. Sondertilgungsoption Gewerblich 6 Jahre 2,96% p. a. inkl. EUR p. a. Sondertilgungsoption Währung und Rohstoffe Bislang wurde richtig oder nicht Gold als Schutz vor allen Unwägbarkeiten gesehen. Das Edelmetall sollte in einem moderaten Szenario vor Inflation schützen und in einem worst-case als Ersatzzahlungsmittel fungieren. Dabei wurde ähnlich wie bei Immobilien außer acht gelassen, dass es sich um ein Spekulationsobjekt handelt. Dies trat in der letzten Woche allerdings nochmals deutlich zu Tage, als der Goldpreis nahezu parallel mit dem US-Aktienmarkt fiel, was Berichte zum Wochenanfang untermauerte, das zumindest selektiv das Vorgehen von Hedgefonds aufzeigten: So hat einer der stärksten Goldinvestoren in den USA seine in einem Hedgefonds gehaltenen Positionen deutlich zurückgefahren, um so die erheblichen Verluste in anderen Assetklassen zu kompensieren. Dieses Vorgehen zeigt ein weiteres Risikoszenario für die Entwicklung des Edelmetallpreises: Neben dem Risiko von staatlichen Interventionen, die durch Maßnahmen der jeweiligen Notenbank noch verstärkt werden könnten, steigt der Druck auf viele Investoren, ähnlich wie im allgemeinen Teil beschrieben auch in anderen Assetklassen die Gewinne in USD gerechnet ca. 20 % seit Jahresanfang im Gold zu realisieren und so ggf. Verluste an anderer Stelle zu kompensieren. Gewinnt dieser Trend an Dynamik, wird eine starke Abwärtsspirale in Gang gesetzt, weil dann ähnlich wie im Sommer bei Aktien oder aktuell bei einigen Staatsanleihen ein starker Abwärtstrend einsetzt. Während es für den Goldpreis also weiter abwärts gehen könnte, nimmt der Ölpreis wieder an Fahrt auf und macht sich durch z. T. deutlich gestiegene Energiekosten bemerkbar. Es wird auch zunehmend deutlich, dass es sich bei vielen Energieträgern um endliche Güter handelt, bei denen die langsam spürbare Knappheit zu steigenden Preisen führt. Auf der Währungsseite ist von einer Verknappung wenig zu erkennen. Die Notenbanken scheinen eher nach dem Motto zu verfahren, wer zu langsam druckt, hat verloren und pumpen die Märkte weiterhin mit Liquidität voll. Dies ist zwar ein Irrweg, wie der Blick auf Japan zeigt, aber die Entwicklung des Außenwerts des JYN zeigt auch, dass selbst eine hohe Verschuldung mit strukturellen Defiziten eine starke Währung nicht verhindern kann, wenn nur andere Währungen in diesem Fall USD und EUR nur noch schwächer sind.

8 Daher bleibt das Währungssegment ein Bereich, indem vor allem die politische Entschlusskraft den Devisenkurs beeinflusst. Insofern zeigt das im allgemeinen Teil dargestellte Beispiel der NOK, dass neben politischen, vor allem spekulative Faktoren eine Rolle spielen und fundamentale Aspekte kaum eine Rolle spielen. Insofern sollte man Währungen meiden und nur unter Diversifikationsgesichtspunkten AUD, CAD, CNY, DKK und NOK beimischen. Dies sollte man aber erstklassige Werte auf der Aktien- und Rentenseite wie Santos in Australien, Bang&Olufsen in Dänemark oder Statoil in Norwegen beimischen. Dann ist man bei spekulativen Angriffen auf die Währungen bzw. entsprechende Staatsanleihen gut geschützt. Unsere Verkaufsempfehlung zum Goldpreis war richtig und wir halten diese auch aufrecht. Beimischungen von 10% in Silber und vor allem Öl sind allerdings ebenfalls unter Diversifikationsgesichtspunkten weiterhin sinnvoll. Disclaimer Der DVAM Markt- und Zins-Newsletter ist für die Information der Ecclesia-Unternehmensgruppe und deren Kunden vorgesehen. Die DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH hat diese Veröffentlichung auf Basis von Informationen und Auswertungen vorgenommen, die als verlässlich eingeschätzt werden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben oder Prognosen wird nicht übernommen. Die Informationen können eine Beratung nicht ersetzen. Die im DVAM Markt- und Zins-Newsletter enthaltene Analyse genügt nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen. Die Analyse unterliegt zudem nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen. Verantwortlich für den DVAM Markt- und Zins-Newsletter ist Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH. Die zuständige Aufsichtsbehörde der DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12 in Frankfurt. DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH Klingenbergstraße 4 Telefon +49 (0) Detmold

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