Möglichkeiten und Grenzen der Eingliederung - Themenkreis: Psychische Gesundheit & Arbeit

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1 Möglichkeiten und Grenzen der Eingliederung - Themenkreis: Psychische Gesundheit & Arbeit 1

2 Informationen über Eingliederungsmassnahmen der SVA Zürich Beatrice Kubli Eingliederungsberaterin der SVA Zürich, informiert über Eingliederungsmassnahmen 2

3 Invalidenversicherung Leistungen Eingliederungsmassnahmen Frühinterventions- und Integrationsmassnahmen Berufliche Massnahmen Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und -bezügern Hilfsmittel Geldleistungen Taggelder und Reisekostenvergütung Renten Hilflosenentschädigung 3

4 Prozessphasen FE FI EM Früherfassung Ab 30. Krankheitstag IV-Anmeldung prüfen Frühintervention Max. 360 Tage IV-Anmeldung erforderlich Eingliederungsmassnahmen (nach Rechtsanspruch) Integrationsmassnahmen Berufliche Massnahmen 4 Massnahmen bis max. CHF möglich, ohne Taggeld

5 Arbeitsplatzerhaltung Aufrechterhaltung eines bestehenden Arbeitsplatzes oder Umplatzierung im bisherigen Betrieb, resp. der Verhinderung einer allfälligen Kündigung aus gesundheitlichen Gründen -> Instrumente der Frühintervention Versicherte Person droht wegen ihres Gesundheitsschadens ihren bisherigen Arbeitsplatz zu verlieren 5

6 Aktive Unterstützung bei der Stellensuche Gemeinsam mit dem Versicherten das gesundheitlich angepasste berufliche Suchfeld definieren Bewerbungsstrategie erarbeiten Akquisition von Arbeitsplätzen (Eingliederungsberatende stehen aktuell mit ca Arbeitgebern im Kanton Zürich in Kontakt) Einbezug eines Job Coaches Zusammenarbeit mit involvierten Partnern (Round Table bei Bedarf) 6

7 Arbeitsversuch Definition Als Arbeitsversuch werden alle Massnahmen bezeichnet, die bei einem Arbeitgeber im 1. Arbeitsmarkt durchgeführt werden Der Arbeitsversuch schafft klare Rechtsverhältnisse Massnahme der IV es entsteht kein Arbeitsverhältnis Ziel Leistungsabklärung, Praxisgewinnung, Austesten eines potenziellen Mitarbeiters Dauer Max. 180 Tage 7

8 Integrationsmassnahmen Ziel Als niederschwellige Möglichkeit einer späteren Integration in den 1. Arbeitsmarkt, dienen sie der Vorbereitung auf berufliche Massnahmen. Voraussetzungen Die Wahrscheinlichkeit der Eingliederungsfähigkeit in die freie Wirtschaft nach Integrationsmassnahmen muss hoch sein. Honorierung an Arbeitgebende CHF /Tag Entschädigung für zusätzlichen Betreuungsaufwand Angebote Belastbarkeits- und Aufbautraining in Institutionen, Arbeit zur Zeitüberbrückung, WISA (Wirtschaftsnahe Integration mit Support am Arbeitsplatz) 8

9 Job Coaching für Versicherte mit psychischen Problemen Job Coaches der SVA Zürich haben psychologisches und psychiatrisches Know-how Engmaschige Beratung und Unterstützung des kranken Mitarbeitenden Unterstützung des Arbeitgebenden und des Teams im Umgang mit dem psychisch Erkrankten Dauer der Begleitung 6 Monate bis ein Jahr 9

10 Arbeitgeberanreize Einarbeitungszuschuss Finanzielle Entschädigung während maximal 180 Tagen für Arbeitgebende; bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmenden in der Einarbeitungszeit. Beiträge an Arbeitgeber Max. CHF pro Tag für Arbeitgebende, die bereit sind, Arbeitnehmende wieder einzugliedern. Entschädigung für Beitragserhöhung CHF bis CHF pro Krankheitstag für Arbeitgebende bei Prämienerhöhung in der 2. Säule und in der Krankentaggeldversicherung. 10

11 Wiedereingliederung von Rentenbezügern Schutzfrist Schutzfrist von 3 Jahren nach Anstellungsbeginn Weiterversicherung bei bisheriger Pensionskasse während dieses Zeitraums (keine Abzüge für Arbeitgeber) Rasches Wiederaufleben der Rente für den Fall eines erneuten gesundheitlichen Einbruchs 11

12 Invalidenversicherung Anmeldung Wer ist bei der IV versichert? Grundsätzlich alle Personen, die in der Schweiz wohnen oder In der Schweiz erwerbstätig sind Wer muss die Anmeldung wo machen? Die versicherte Person bei der IV Stelle des Wohnkantons 12

13 Teil 2 Plattfom 13 Integration vom

14 Versicherungsmedizinische Abklärung psychischer Störung im Rahmen der Invalidenversicherung Peter F. Zeising Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Facharzt für Neurologie, RAD Nordostschweiz, SVA Zürich informiert über die versicherungsmedizinischen Abklärungen bei psychischen Störungen im Rahmen der Invalidenversicherung 14

15 Die Elemente der Invalidität MEDIZINISCHES ELEMENT Körperlicher oder geistiger Gesundheitsschaden WIRTSCHAFTLICHES ELEMENT Voraussichtliche bleibende oder längerfristige Erwerbsunfähigkeit KAUSAL-ZUSAMMENHANG 15

16 Arbeitsunfähigkeit = Erwerbsunfähigkeit Der Unterschied ARBEITSUNFÄHIGKEIT Aufgrund Gesundheitsschaden nicht mehr arbeitsfähig im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich Grad der Arbeitsunfähigkeit wird durch den Arzt festgelegt ERWERBSUNFÄHIGKEIT Aufgrund Gesundheitsschaden keine Erwerbsarbeit auf dem in Betracht kommenden Arbeitsmarkt mehr möglich Invaliditätsgrad wird von der IV- Stelle festgelegt 16

17 Abklärung psychischer Störungen Artikel 7 ATSG Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 17

18 Abklärung psychischer Störungen Wenn ein Gesundheitsschaden die Erwerbsfähigkeit langfristig beeinträchtigt, ist der Gesundheitsschaden invalidisierend. Kriterien für die Unterscheidung invalidisierender Gesundheitsschäden von solchen, die keine Invalidität bewirken, sind insbesondere die Begriffe der Zumutbarkeit (von Arbeitsleistung oder von Eingliederungsmassnahmen) und der längeren Dauer. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur dann vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. 18

19 Abklärung psychischer Störungen So ist ein Gesundheitsschaden invalidisierend, wenn der versicherten Person die Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur in vermindertem Masse oder überhaupt nicht zumutbar ist, die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit trotz Ergreifens der möglichen und zumutbaren medizinischen (z.b. auch psychotherapeutischen), beruflichen oder anderen Massnahmen langdauernd sind, die versicherte Person wegen des Gesundheitsschadens von der Arbeitsumwelt als unzumutbar empfunden wird und das Ergebnis der erwerblichen Abklärungen damit übereinstimmt. 19

20 Beginn des Rentenanspruchs (Wartefrist) Mindestens 40 % bleibend, d.h. unwiderruflich erwerbsunfähig, d.h. Gesundheitszustand weder sich verbessernd noch sich verschlechternd (Ausnahmefall) oder Durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig während eines Jahres (Regelfall) In der Regel Wartefrist von 1 Jahr ab Eintritt der mindestens 40%- igen Arbeitsunfähigkeit Wartefrist gilt nur für den Rentenbezug, nicht für Eingliederungsmassnahmen! 20

21 Abklärung psychischer Störungen Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Keine Gesundheitsschädigung: (IV-fremde Gründe) - fortgeschrittenes Alter - Mangelhafte Schul- oder Berufsbildung - Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten - Arbeitsentwöhnung - soziokulturelle Umstände (Mentalität, Migration, Analphabet) - psychosozial (Ehekonflikt, Doppelbelastung, Überarbeitung) - Aggravation - Sucht (primär) 21

22 Abklärung psychischer Störungen Eine Erwerbsunfähigkeit ist zudem nur zu berücksichtigen, soweit sie für die vp aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Das subjektive Empfinden der vp (z.b. Schmerzen) ist dabei nicht massgebend. Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung: - Dissoziative Bewegungsstörung - Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen - Fibromyalgie - HWS-Verletzungen ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle - Neurasthenie und CFS - Nichtorganische Hypersomnie - Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom - PTBS und Persönlichkeitsänderung bei PTBS - leichte und mittelgradig depressive Episode 22

23 Abklärung psychischer Störungen Aufgabe des Rechtsanwenders Er hat zu prüfen, ob eine festgestellte psychische Komorbidität hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vorliegen, um gesamthaft den Schluss auf eine im Hinblick auf eine erwerbliche Tätigkeit nicht mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbare Störung zu erlauben. 23

24 Abklärung psychischer Störungen Aufgabe des Mediziners Der Mediziner hat den psychischen Gesundheitszustand und das (objektiv) vorhandene Leistungspotenzial zu beurteilen. Er hat sich bei seiner Einschätzung an den Foerster-Kriterien zu orientieren. Dabei massgeblich ist eine Gesamtwürdigung, aber in Kombination mit Aussagen zur Konsistenz und zu den Ressourcen. 24

25 Abklärung psychischer Störungen Foerster-Kriterien - psychiatrische Komorbidität - auffällige prämorbide Persönlichkeitsstruktur bzw. entwicklung - chronisch körperliche Begleiterkrankungen - Verlust der sozialen Integration im Verlauf der psychischen Erkrankung - hoher primärer und /oder sekundärer Krankheitsgewinn - primär chronifizierter Krankheitsverlauf ohne länger dauernde Remissionen - mehrjährige Krankheitsdauer mit stabiler oder progredienter Symptomatik - unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent und korrekt durchgeführter Behandlungsmassnahmen - gescheiterte stationäre Therapien 25

26 Abklärung psychischer Störungen Was zeichnet einen guten Arztbericht aus? Optimal Diagnose mit oder ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nach ICD-10 Anamnestische Angaben zur Krankengeschichte und Erwerbsbiographie Subjektive Angaben des Versicherten Psychopathologischer Befund Beschreibung der funktionellen Einschränkungen Nachvollziehbare Bezifferung der Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und angepassten Tätigkeit Beginn der Arbeitsunfähigkeit Beschreibung eines Ressourcenprofiles (ICF) Beschreibung weiterer therapeutischer Massnahmen 26

27 Abklärung psychischer Störungen Was zeichnet einen guten Arztbericht aus? Das Gütekriterium der Plausibilität Der Längsschnitt ist bedeutsamer als der Querschnitt Denken Sie an die angepasste Tätigkeit /Ressourcen Je schneller desto besser 27

28 Abklärung psychischer Störungen Der Anspruch der Juristen: Der Sachverhalt wurde für die strittigen Belange umfassend beruhend auf allseitigen Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden in Kenntnis der Vorakten abgeklärt und ist in der Beschreibung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und in den Schlussfolgerungen begründet. 28

29 Danke für Ihr Interesse 29

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