Europäischer Vergleich der Netzzugangsentgelte auf der überregionalen Ferngasstufe

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1 Zusammenfassung Europäischer Vergleich der Netzzugangsentgelte auf der überregionalen Ferngasstufe für die überregionalen Ferngasgesellschaften in Deutschland Jens Hobohm Marcus Koepp Csaba Marton Berlin, September

2 Prognos AG Geschäftsführer Christian Böllhoff Basel Aeschenplatz 7 CH-4010 Basel Telefon Telefax Berlin Karl-Liebknecht-Straße 29 D Berlin Telefon Telefax Düsseldorf Kasernenstraße 36 D Düsseldorf Telefon Telefax Bremen Wilhelm-Herbst-Straße 5 D Bremen Telefon Telefax

3 Europäischer Vergleich der Netzzugangsentgelte auf der überregionalen Ferngasstufe - Zusammenfassung (1) Die vorliegende Untersuchung analysiert die Netzzugangsentgelte der 5 deutschen Ferngasgesellschaften mit Netzen der überregionalen Transportstufe auf der Basis eines europäischen Benchmarking-Ansatzes. Ziel der Analyse ist es, eine Grundlage für einen europäischen Vergleichsmarkt der Ferngasentgelte zu legen. Als Vergleichsländer dieser Untersuchung werden Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Österreich herangezogen. (2) Voraussetzung eines Benchmarkings ist es, dass strukturelle Unterschiede zwischen den Teilnehmern eines Benchmarkings in angemessener Weise berücksichtigt und möglichst solche miteinander verglichen werden, die sich durch ähnliche Strukturen auszeichnen. Bei einem Vergleich von Unternehmen mit stark divergierenden Ausgangsbedingungen und Strukturen in der Gasversorgung besteht hingegen die Gefahr der Fehlinterpretation von Ergebnissen, da strukturelle Unterschiede Auswirkungen auf die Auslegung eines Netzsystems und in Folge dessen auch auf die darstellbaren Entgelte des Betreibers haben. Bereits in der Vorgängeruntersuchung zu der vorliegenden Studie wurde ein Vergleichsansatz entwickelt, der die strukturellen Unterschiede zwischen den Vergleichssystemen berücksichtigt. 1 In anderen internationalen Vergleichen der Transportentgelte sind entsprechende Ansätze bisher nicht enthalten oder wurden dort nur nachrichtlich betrachtet. Mit der Berücksichtigung dieses Zusammenhangs geht die vorliegende Untersuchung somit über die bisherigen Entgeltvergleiche hinaus. Im Ergebnis können die deutschen Entgelte fundiert in den internationalen Kontext eingeordnet werden. (3) Die vorliegende Studie analysiert deshalb zunächst die gaswirtschaftlichen Strukturdaten der genannten Länder im Vergleich zu Deutschland. Anhand von Indikatoren werden strukturelle Vorteile bzw. Nachteile erkennbar. Diese Analyse führt zu einem Länderranking der gaswirtschaftlichen Struktur, wobei wir unterstellen, dass in einem Land mit strukturellen Vorteilen tendenziell auch niedrigere Netzzugangsentgelte realisiert werden können. In dieser Betrachtung hat lediglich Frankreich strukturelle Nachteile 1 Prognos AG, Europäischer Vergleich der Netzzugangsentgelte auf Ferngasstufe, Berlin, Juli Diese Studie umfasste sowohl den regionalen wie auch den überregionalen Ferngastransport.

4 gegenüber Deutschland. Österreich, Italien, Großbritannien, Belgien und die Niederlande verfügen über strukturelle Vorteile, wobei der Vorteil gegenüber der deutschen Gaswirtschaft in der Reihenfolge der Nennung zunimmt. (4) Für den Entgeltvergleich werden 12 repräsentative Abnahmefälle aus einer Kombination von Abnahmemenge, Abnahmestruktur (Volllaststunden bzw. load factor ) und Transportentfernung gebildet. Die betrachteten Transportentfernungen betragen 100 km, 200 km und 350 km im überregionalen Netz, wobei die Entfernung 350 km nicht mit einem load factor von unter 50 % kombiniert wurde. Der regionale Ferngastransport wurde nicht betrachtet. Hieraus ergeben sich Einschränkungen für die Vergleichbarkeit der Entgeltsysteme, da in den Niederlanden, Belgien und Österreich keine gesonderten Entgelte für die überregionale Ebene existieren. Somit kann der direkte Vergleich der überregionalen Transportstufe in Deutschland nur mit Frankreich, Italien und Großbritannien geführt werden. (5) Die Entgelte werden in zweifacher Hinsicht verglichen: Einerseits statistisch durch einen paarweisen Vergleich der Entgelte Deutschlands und der anderen Länder ("in x % der Fälle sind die Entgelte für den Abnahmefall höher/ niedriger/ vergleichbar hoch"). Andererseits wird für jedes Land über alle betrachteten Abnahmefälle ein Mittelwert der Entgelthöhe gebildet. (6) Der rein quantitative Vergleich mit den Ländern Frankreich, Italien und Großbritannien zeigt, dass die deutschen Entgelte im Mittel in 36 % der Fälle um mindestens 10% niedriger sind als die entsprechenden Entgelte in den drei genannten Ländern. Im Mittel sind in 40 % der Fälle die Entgelte um mindestens 10 % höher und in 24 % der Fälle vergleichbar hoch (+/- 10 %). Der Vergleich ist somit etwa ausgewogen, wobei die Zahl der Fälle, in denen deutsche Entgelte höher liegen, leicht überwiegt. Bei der Einzelauswertung nach Ländern fällt besonders das gute Abschneiden der britischen Tarife ins Auge. Dieses korrespondiert mit den deutlichen strukturellen Vorteilen Großbritanniens. Für Frankreich gilt dies umgekehrt in ähnlicher Weise, da Frankreichs Gaswirtschaft leichte strukturelle Nachteile gegenüber der deutschen aufweist und somit auch die Entgelte erwartungsgemäß in der Mehrzahl der Fälle etwas über den deutschen Entgelten liegen. Für die italienischen Entgelte ist dieser Zusammenhang hingegen nicht erkennbar.

5 Abbildung 1: Statistischer Vergleich der Entgelte auf Länderebene 100% 80% In Prozent der untersuchten Fälle 60% 40% 20% 0% 20% 40% 44% 36% 25% 17% 17% 8% 92% 83% 60% 80% 100% Min. Max. Min. Max. Min. Max. Min. Max. Summe aus Frankreich, Italien, Großbritannien Frankreich Italien Großbritannien Deutsche Tarife sind: mehr als 10% niedriger vergleichbar (+- 10%) mehr als 10% höher (7) Die Ergebnis-Synthese aus Strukturvergleich und Entgeltvergleich ist in der nachfolgenden Abbildung 2 dargestellt. Die Abbildung zeigt die über alle Abnahmefälle gebildeten Entgelt-Mittelwerte in Abhängigkeit vom Gesamtergebnis des Strukturvergleichs. Die überregionalen Netzzugangstarife in Frankreich liegen im Mittel erwartungsgemäß etwas über den deutschen Entgelten. Die Entgelte in Großbritannien sind deutlich niedriger als die deutschen Entgelte, was aufgrund der strukturellen Vorteile ebenfalls zu erwarten war. Die italienischen Entgelte dürften aufgrund der strukturellen Vorteile unter den deutschen Entgelten liegen. Diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Die Ursachen hierfür konnten im Rahmen diese Untersuchung nicht geklärt werden.

6 Abbildung 2: Mittelwerte der Entgelthöhe in Abhängigkeit von den Gesamtergebnissen des Strukturvergleichs relativer Strukturvorteil Mittelwert aller untersuchten Abnahmefälle [EUR/MWh] 3,00 2,75 2,50 2,25 2,00 1,75 1,50 1,25 1,00 0,75 0,50 0,25 Dargestellt sind nur Länder mit eigenem Tarif für den überregionalen Ferngastransport Italien Frankreich Deutsch- Großlanbritannien Legende Mittelwert... der Maxima der Minima Länder mit strukturellen Nachteilen Länder mit strukturellen Vorteilen Gesamtergebnis des gaswirtschaftlichen Strukturvergleichs (8) Die Ergebnisse des Entgeltvergleichs sind signifikant von der Transportentfernung abhängig. Hier zeigt sich, dass Deutschland im Vergleich mit Frankreich, Italien und Großbritannien bei Transportstrecken bis etwa 200 km in der Mehrzahl der Fälle niedrigere, bei 350 km Transportentfernung hingegen höhere Entgelte aufweist. (9) Ein weiterer Einflussfaktor der Höhe des Netzentgeltes ist die Struktur ( load factor bzw. Volllaststunden) der Abnahmefälle. Je höher der load factor der bezogenen Leistung des jeweiligen Abnahmetypen, desto besser schneiden die deutschen Entgelte im Vergleich ab. Bei gleichem load factor schneiden kleine Verbraucher im Vergleich mit den anderen Ländern in Deutschland besser ab als große, da in Deutschland gegenwärtig keine feste (kapazitätsunabhängige) Entgeltkomponente existiert. (10) Das Fazit des Ländervergleichs lautet daher wie folgt: Die Netzzugangsentgelte der überregionalen Ferngasebene in Deutschland sind im internationalen Vergleich mit den Ländern Frankreich, Italien und Großbritannien angemessen.

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