Ausschreibungsunterlagen und Projektbeschreibung. Düsseldorf, 14. Dezember 2007

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1 Expertise Förderung der Medienkompetenz sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Konzept zur inhaltlichen, didaktischen und strukturellen Ausrichtung der medienpädagogischen Praxis in der Kinder- und Jugendarbeit Ausschreibungsunterlagen und Projektbeschreibung Düsseldorf, 14. Dezember 2007 Bitte beachten Sie unbedingt auch die Bedingungen für die Übersendung der Projektanträge auf der letzten Seite.

2 Ausgangslage Im Rahmen des Projektes Förderung der Medienkompetenz von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, das von der LfM initiiert und gefördert wurde, wurden über anderthalb Jahre vier Modellprojekte an unterschiedlichen Standorten in Nordrhein- Westfalen durchgeführt. Die Modellprojekte hatten das Ziel, sozialpädagogische Fachkräfte, die insbesondere mit Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligenden Verhältnissen arbeiten, für die medienpädagogische Arbeit zu sensibilisieren und zu qualifizieren. Im Rahmen der Qualifizierung, die in den Einrichtungen selbst statt fanden und die mit der Durchführung eines entsprechenden Projektes verknüpft waren, war zudem die Vernetzung unterschiedlicher Institutionen vor Ort von Relevanz, um hierdurch die Nachhaltigkeit der Projektaktivitäten erhöhen zu können. Die Einrichtungen, die Modellprojekte zur Förderung der Medienkompetenz sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher durchgeführt haben, wurden durch die Stiftung Digitale Chancen als externe Projektbegleitung unterstützt. Ihre Aufgabe war es, die Kooperationspartner hinsichtlich der Projektdurchführung zu beraten, den Projektverlauf und die -ergebnisse zu dokumentieren und das Projekt zu evaluieren. Auf der Basis der Evaluation konnten eine Reihe von Schlussfolgerungen bezogen auf 1. die Qualifizierung der Mitarbeiter 2. die Medienkompetenzförderung der Zielgruppe und 3. die Arbeit in Netzwerken gezogen werden. 1 Auf der 11. Medienpädagogischen Fachtagung der LfM im März dieses Jahres wurden die Ergebnisse sozialpädagogischen Fachkräften, Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, Medienpädagogen, bildungspolitischen Akteuren, etc. präsentiert und mit ihnen diskutiert. Grundsätzlich wurde deutlich, dass entsprechende Projekte, wie sie von der LfM gefördert wurden, bezogen auf eine Förderung der medienpädagogischen Praxis im sozialpädagogischen Bereich eine wichtige Maßnahme darstellen. Darüber hinaus wurde jedoch insbesondere die Politik adressiert, Medienpädagogik verbindlich in die Ausbildungspläne von Sozialpädagogen zu integrieren. Da jedoch ein solcher Ansatz erfahrungsgemäß nicht kurzfristig umgesetzt wird, besteht nach wie vor der Bedarf, den Ein- 1 Croll, Jutta/ Brüggemann, Marion: Förderung der Medienkompetenz sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Beratung, Begleitung und Evaluation von vier Modellprojekten. Düsseldorf 2007, Schriften- 2

3 richtungen wenn auch nicht flächendeckend so zumindest doch punktuell Unterstützung anzubieten. Um die Qualifizierung sozialpädagogischer Fachkräfte nun strukturiert zu gestalten, soll insbesondere auf der Basis der Erkenntnisse der vier bewusst sehr unterschiedlich angelegten Modellprojekte ein Qualifizierungskonzept entwickelt werden. Expertise: inhaltliches, didaktisches und strukturelles Konzept Ein solches Konzept zur inhaltlichen, didaktischen und strukturellen Ausrichtungen der medienpädagogischen Praxis in der Kinder- und Jugendarbeit muss - aufbauend auf den Erkenntnissen der vier Modellprojekten - den Bedarfen der Institutionen vor Ort, den Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen, die erreicht werden sollen, sowie den jeweiligen Medien gerecht werden. Auf der Basis einer solchen Expertise können dann konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Inhaltliche und didaktische Ansatzpunkte Als einige Ergebnisse aus den Modellprojekten konnte festgestellt werden, dass Produktorientierung in der medienpädagogischen Arbeit die Motivation der Kinder erhöht, praktische Arbeit besser funktioniert als kognitive und eine soziale Orientierung an den Stärken der Kindern zu besseren Ergebnissen führt. Bezogen auf die inhaltliche Ausrichtung der vier Modellprojekte stand bei allen Maßnahmen die gestaltende Medienarbeit im Vordergrund. Allerdings steht in Frage, ob z. B. durch das Produzieren eines Films eine kritischere Auseinandersetzung mit dem eigenen Medienkonsum tatsächlich gefördert wird. Sicherlich werden durch die gestaltende Medienarbeit die eigene Ausdrucksfähigkeit und auch der technische Umgang mit den jeweiligen Medien geschult. Auch findet eine Auseinandersetzung mit dem thematischen Gegenstand des Gefilmten statt, der häufig einen Bezug zur Lebenswelt der Kindern und Jugendlichen aufweist; das ist richtig und wichtig. Gleichwohl wird der Bereich des reflexiven, kritischen und selbst bestimmten Medienhandelns, insbesondere bezogen auf die alltägliche Nutzung von Fernsehen, Internet, Computerspielen oder auch des Handys vernachlässigt. Insbesondere bezogen auf die Zielgruppe ist dies jedoch ein Kernbereich, den es zu fördern gilt. reihe LfM-Dokumentation Band 32. 3

4 Im Rahmen der Expertise soll daher auf der Basis dieser Prämisse ein inhaltliches und didaktisches Konzept entwickelt werden, das den Aspekt der kritisch-reflektierenden Auseinandersetzung mit Medien in den Mittelpunkt stellt und dabei die alltägliche Mediennutzung von Internet/Chat, Handy, Computerspielen, Fernsehen/Castingshows der Kinder und Jugendliche aufgreift. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die kritischreflektierende Auseinandersetzung den Fähigkeiten der Jugendlichen und den Rahmenbedingung der sozialpädagogischen Arbeit insbesondere im Freizeitbereich entsprechen muss. Nach wie vor sollte daher der Schwerpunkt auf praktische und nicht auf kognitive Arbeit gelegt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass zwingend Medien zum Einsatz kommen müssen, vielmehr kann die Thematisierung von Medienhandeln und Medieninhalten auch über nichtmediale praktische Arbeit erfolgen. Dies ist insbesondere vor der Erkenntnis zu berücksichtigen, dass die Handhabung und der Einsatz von Technik der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen so Ergebnisse der Evaluation -, sei es im Rahmen einer Videoproduktion oder der Gestaltung von Webseiten, häufig eine Hürde bezogen auf das eigenständige Aufgreifen medienpädagogischer Projekte darstellt. Auch die Ausstattung der entsprechenden Einrichtungen mit PCs, Videokameras, etc. ist sehr unterschiedlich. Hiervon sollten Maßnahmen der Medienkompetenzförderung insbesondere unter dem Aspekt der Förderung von Medienkritik jedoch nicht abhängig gemacht werden. Bei der inhaltlichen und didaktischen Konzeptentwicklung bei der neben der Evaluation auch andere Projekterfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen sollen liegt die zentrale Herausforderung somit darin, die Themen weniger kognitivverschult, sondern vielmehr spielerisch aufzugreifen. Neben der inhaltlichen Aufbereitung von relevanten Themen sind zudem fachdidaktisches Wissen sowie fachspezifische Vermittlungsmethoden aufzubereiten. Entsprechende Ansatzpunkte sollen dabei ganz nah an dem Alltag und der Arbeitsweise der Einrichtungen ansetzen. 4

5 Strukturelle Ansatzpunkte In einem zweiten Schritt geht es neben der Ausarbeitung eines Konzepts zur inhaltlichen und didaktischen Auseinandersetzung im Rahmen der Expertise auch um die strukturelle Ausrichtung entsprechender Qualifizierungsmaßnahmen. Hierbei ist es wichtig, die Bedarfe und Strukturen der unterschiedlichen Einrichtungen in Nordrhein- Westfalen zu kennen und einzubeziehen. Nach wie vor sind die Gesamtentwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe und im sozialpädagogischen Bereich so einzustufen, dass finanzielle und personelle Ressourcen begrenzt sind und externe Fortbildungen seltener wahrgenommen werden. Darüber hinaus konkurriert das Thema Medienkompetenzförderung als zu allen Themenbereichen querliegendes Thema 2 mit vielen anderen Themen, die bezogen auf die Zielgruppe bei den Pädagoginnen und Pädagogen einen relevanteren Stellenwert einzunehmen scheinen, weil sie die grundsätzlicheren Probleme und Bedürfnisse der Jugendlichen betreffen (häuslicher Gewalt, schulischer Probleme, Armut, etc.). Die Relevanz dieser Probleme nicht von der Hand weisend gilt es jedoch bei der Anlage der Fortbildung darum, die Notwendigkeit der Sensibilisierung der Fachkräfte für das Thema Medienkompetenz zu berücksichtigen. Bei den Modellprojekten hat sich ferner das Prinzip bewährt, die pädagogischen Fachkräfte in ihren Einrichtungen projektbegleitend aufzusuchen und nicht zu einer externen Fortbildung aus ihren Institutionen herauszuholen. Wie insbesondere das Modellprojekt der FH Münster zeigte, erwies sich vor allem die Einbindung von Studierenden der Sozialpädagogik in die Qualifizierungsmaß als Erfolg. Auf der einen Seite hatten die Studenten die Möglichkeit, das an der Universität Erlernte in der Praxis zu erproben. Auf der anderen Seite erfuhren die pädagogischen Fachkräfte in ihrem Arbeitsalltag zum Thema Medienkompetenz projektbegleitend Unterstützung. Diese Erfahrungen sollten bei der Konzeption bedacht und neben entsprechenden Studiengängen mögliche weitere nordrhein-westfälische Ausbildungsinstitutionen in diesem Feld identifiziert werden, die für solche Kooperationen in Frage kommen würden. 2 Vgl. Pluto, Liane/ Gragert, Nicola/ van Santen, Eric/ Seckinger, Mike: Kinder- und Jugendhilfe im Wandel. München 2007, S. 565ff. 5

6 Die Expertise soll dann als Basis für die Umsetzung konkreter und strukturierter Maßnahmen zur Qualifizierung einer medienpädagogischen Vermittlungskompetenz von sozialpädagogischen Fachkräften in der Kinder- und Jugendarbeit dienen. Für die Expertise stehen Mittel in Höhe von bis zu ,- zur Verfügung. Eine eventuelle Umsatzsteuer ist in diesem Betrag enthalten. Die Expertise sollte im März 2008 beginnen und eine Laufzeit von vier Monaten nicht überschreiten. 6

7 Der Antrag sollte neben Ausführungen zum konkreten Vorgehen einen Zeit- und Kostenplan beinhalten. In dem Kostenplan ist die ggf. abzuführende Umsatzsteuer auszuweisen. Sollten hierzu keine Angaben gemacht werden, geht der Auftraggeber davon aus, dass in der genannten Summe die ggf. abzuführende Umsatzsteuer enthalten ist. Darüber hinaus ist dem Antrag eine 1- bis 2-seitige Zusammenfassung beizufügen. Ende der Ausschreibungsfrist ist Donnerstag, der 24. Januar 2008 (Datum des Poststempels). Anträge dürfen nicht per Fax oder per eingereicht werden. Für Rückfragen steht Ihnen bei der Landesanstalt für Medien NRW Antje vom Berg unter der Tel.-Nr. 0211/ oder per zur Verfügung. Sollte das Projekt Ihr Interesse finden, übersenden Sie Ihre Unterlagen in einem verschlossenen Umschlag an folgende Anschrift: Landesanstalt für Medien NRW Bereich Förderung Kennwort: Expertise Medienkompetenzförderung sozial Benachteiligter Postfach Düsseldorf Bei persönlicher Übergabe können Sie den Projektantrag bei der Landesanstalt für Medien NRW unter der Adresse Zollhof 2, Düsseldorf, einreichen. Bitte geben Sie unbedingt das Kennwort an! 7

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