ARCHIV - [Wissenswertes] 2012

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1 ARCHIV - [Wissenswertes] 2012 Inhaltsverzeichnis WW 1. Quartal 2012 WW 2. Quartal 2012 WW 3. Quartal 2012 WW 4. Quartal 2012 INVENTARISIERUNG ZUR BESTANDSAUFNAHME IM MUSEEN Eine Abhandlung als Leitfaden zur Qualitätsverbesserung Dr. Sylvia Mader, selbständige Kunstwissenschaftlerin und Museum Stadtarchäologie Hall, freie Mitarbeiterin Museumsservicestelle Tirol INVENTARISATION UND DOKUMENTATION Am Beispiel der archäologischen Funde aus dem "Stoffelhäusl" in St. Gertraudi Mag. Sarah Leib, Universität Innsbruck, Arbeitsgemeinschaft Mittelalter- und Neuzeitarchäologie II AUF DEN KOPF GESTELLT; MIT EINER NUMMER VERSEHEN UND NIE WIEDER VERGESSEN Inventarisierung im Museum Kunst in Schwaz, im Rabalderhaus, Schwaz Dr. Inge Praxmarer, selbständige Kunstwissenschaftlerin, freie Mitarbeiterin Museumsservicestelle Tirol VON SCHÄDELN, KNOCHEN, ORGANEN UND EINEM RIESENSKELETT Die Digitalisierung des Anatomischen Museums Innsbruck Christian Lechner, freier Mitarbeiter Museumsservicestelle Tirol Archiv_Wissenswertes_2012.doc 1/20

2 [Wissenswertes 1. Quartal 2012] INVENTARISIERUNG ZUR BESTANDSAUFNAHME IM MUSEEN Eine Abhandlung als Leitfaden zur Qualitätsverbesserung In meiner langjährigen Praxis als Mitarbeiterin der Museumsservicestelle wurde ich in verschiedenen Museen häufig mit dem Problem konfrontiert, dass die wesentlichen Informationen über Museumsobjekte im Kopf des Sammlers (oft in Personalunion mit dem Museumsleiter) gespeichert waren. Als wir 1990 begannen, landesweit Informationen zu den Museen zu sammeln und die Sammlungsgegenstände ab 1994 in einer Datenbank zu speichern, schien der erste Schritt zur Objektivierung geglückt. Gleichzeitig startete die Museumsservicestelle, damals noch unter dem Namen Kunstkataster/ Museen bekannt, eine Kampagne zur Spezialisierung der Museen. Jedes Museum sollte sein eigenes Profil entwickeln. Im Sinne dieses Profils kann/soll die Sammlung auch erweitert werden. Dies erfordert leider eine gewisse Bürokratie. Sprachliche Eindeutigkeit vor individuellen Kürzeln Jeder Neuzugang in einem Museum muss registriert und in einem gebundenen Eingangsbuch vermerkt werden. Der Eintrag sollte so verfasst sein, dass keine Abkürzungen, keine Verwendung von persönlichen Bezeichnungen usw. die Lesbarkeit der Aufzeichnungen erschweren. Zur Illustration sei ein Beispiel gestattet, das ich von einem Museumskollegen kenne: In den Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen war man damit beschäftigt, Daten einzelner Schmetterlinge in die Datenbank einzugeben. Mehrere Falter wiesen ein Etikett mit der Bezeichnung "Peppi Häusl" auf. Die Frage, welche Koordinaten hat "Peppi Häusl", um den Fundort in der Landkarte einzutragen, konnte erst nach langem Rätseln beantwortet werden. Einer der älteren Kollegen, der den inzwischen verstorbenen Schmetterlingsforscher persönlich gekannt hat, wusste von dessen Schwester Josefina (Peppi) zu berichten, dass sie eine Almhütte besaß. Unweit der Hütte befand sich ein Plumpsklo, um das sich Schmetterlinge tummelten, die der Forscher zu Untersuchungszwecken gesammelt hatte. Fazit: Standort, Fundort usw. müssen exakt und unmissverständlich angegeben werden, um späteren Bearbeitern die Möglichkeit der Identifizierung zu geben. Erst durch diese Angaben wird ein Objekt für die Natur- und analog für die Kulturwissenschaft wertvoll. Datensätze oder Karteikarten? Viele Museen haben sich mit finanzieller und fachlicher Unterstützung der Kulturabteilung im Amt der Tiroler Landesregierung bereits zu einer digitalen Inventarisierung entschlossen. Damit ist die Struktur bereits vorgegeben. Der Entschluss zum Inventarisieren ist nicht zwangsläufig mit dem Erwerb einer Datenbank verbunden. Anstelle der digitalen Inventarisierung (Datenbank mit Datensätzen = Dateiblättern) kann man z.b. in MS-Word für jedes Objekt ein Beschreibungsblatt (links) erstellen, dieses auf Karton ausdrucken, auf die Rückseite das Objektfoto kleben und die Karteikarte sodann in einen Pultordner oder in eine Karteibox geben bei 300 Museumsobjekten misst diese etwa 1 lfm. Für kleinere Sammlungsbestände mag eine Kartei durchaus den Anforderungen entsprechen. Die Inventarnummern werden immer rein numerisch! z.b. in der Reihenfolge des Eingangsdatums oder einfach in der Reihenfolge der Bearbeitung vergeben. Datensicherung (Wunsch-)Ziel der Tiroler Museumsservicestelle ist die Erfassung des gesamten Kulturgüterbestandes im Land. Dies kann nur mittels einer Datenbank sinnvoll bewerkstelligt werden. Die Museumsservicestelle arbeitet mit einem sehr einfachen, benutzerfreundlichen Inventarisierungsprogramm der Firma Valentini, Archiv_Wissenswertes_2012.doc 2/20

3 Landeck, das auf Basis der Papier-Karteikarte gemeinsam mit Frau Dr. Claudia Gadner, 1993 entwickelt und seitdem in ihren Ansprüchen weiter gesteigert wurde. Im Falle einer Zusammenarbeit zwischen Museum und Museumsservicestelle erhält das Museum, das selbst keine Datenbank erwerben will, die auf Papier gedruckten Karteikarten plus Objektfoto der Sammlung in Kopie ausgefertigt. In der Museums-Datenbank sind mittlerweile an die Datensätze (an sich pro Objekt ein Datensatz, Ausnahmen mit Mehrvergabe von Objekten zu einer Inventarnummer sind nach vorgegebenen Regeln üblich) zentral gespeichert. Diese wird regelmäßig gewartet, sodass ein Datenverlust unter normalen Umständen nicht zu befürchten ist. Egal für welche Art der Inventarisierung man sich entschieden hat, es muss immer(!) mindestens eine Sicherheitskopie angelegt werden, die räumlich getrennt aufbewahrt wird. Zum Beispiel: Museum XY kauft eine Inventarisierungsprogramm. Die Datensätze befinden sich in der eigenen Datenbank, eine Kopie wird in die zentrale Datenbank der Museumsservicestelle eingespielt (derzeit klappt das nur bei Verwendung gleicher Software, Exportmöglichkeit umgekehrt ist vorhanden, Kopien werden mit Adaptierungsarbeiten durchgeführt). Egal welche Software im Museum verwendet wird, ein Datenexport (ohne Einspielen in die Zentraldatenbank) ist immer möglich. Dieser kann z.b. als pdf-kopie an die Museumsservicestelle übermittelt werden. Eine Kopie für die Museumsservicestelle wird dringend empfohlen und ist bei geförderten Inventarisierungsprojekten der Abteilung Kultur sogar Grundbedingung. Das Zusammenführen kulturhistorischer Informationen an zentraler Stelle (im öffentlichen Dienst) müsste aber an sich im Interesse jedes Kulturverantwortlichen liegen, um so zur Aufbereitung des Kulturerbes beizutragen. Ob man zusätzlich noch von jedem Dateiblatt einen Ausdruck mit Foto in einem Pultordner ablegt, ist Ermessenssache. Bei drei Sicherungsarten (Datensicherung auf externer Festplatte/eigenem Server, bei der Museumsservicestelle und auf Papier) bleibt im Notfall, je nach Art der (hoffentlich nicht eintretenden) Katastrophe zumindest eine Version erhalten, mit der Sie oder Ihre Nachfolger arbeiten können. Die Wahl der Datenbank Das Angebot an Software für die Inventarisierung von Museums-, Archiv- und/oder Bibliotheksbeständen ist mittlerweile recht vielfältig. Nicht nur Firmen, auch Institutionen haben Datenbanken entwickelt, die zu unterschiedlichen Preisen, manchmal sogar gratis angeboten werden. Die Stärken der einzelnen Datenbanken liegen in verschiedenen Bereichen, so kann gewissermaßen jeder Nutzer/Konsument das Richtige für seinen Bedarf finden. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und gewerblicher Instabilität lohnt es sich vielleicht auch, einen Blick auf das Profil einer Firma zu werfen. Böse Überraschungen wie der Konkurs der Softwarefirma und in weiterer Folge das Ausbleiben von Service, Updates oder Anpassung an neue Microsoft-Betriebssysteme, können jahrelange Inventarisierungsarbeit zunichte machen. Die Entscheidung für das richtige Produkt ist also keineswegs einfach, insbesondere deshalb, weil man zum Zeitpunkt des Erwerbs einer Datenbank nicht einschätzen kann, was man braucht. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die EDV-Welt eine andere Sprache spricht als wir. Vorbereiten zum Inventarisieren Sobald der Kauf einer Datenbank rechtskräftig ist, erfolgt im Normalfall eine Einschulung durch die Software-Firma. Danach können die Vorbereitungsarbeiten beginnen: Wünschenswert bzw. ideal wären: Eine Fotostation mit Tisch, einfarbig weißem oder hellgrauem Hintergrund nebst Kamera auf Stativ und zwei billigen Scheinwerfern, z.b. aus einem Baumarkt, ist eingerichtet. Der Laptop steht bereit, die Datenbank ist installiert. Wer ohne Datenbank arbeitet, hat zumindest ein Formblatt angelegt, das beliebig reproduzierbar ist (siehe: Anhang) Für die Nummerierung am Objekt werden Kärtchen für die Inv.-Nr., Plakatstift, Bleistift, Pinsel, Schreibfedern, Acrylfarbe oder Tusche, Wasser, Zaponlack, das passende Lösungsmittel (Nitroverdünnung) zum Reinigen der Pinsel, bereitgestellt (Details siehe unten). Archiv_Wissenswertes_2012.doc 3/20

4 Pro Objekt ein Datenblatt/eine Karteikarte Jedes Datenblatt sollte neben den wesentlichen Angaben zum Objekt auch ein Foto enthalten. Digitale Fotos sind bei Datenbanken je nach Produkt mehr oder weniger einfach zu integrieren. Ins word-file können sie eingefügt (Achtung: benötigt viel Speicherplatz und ist als Abbildung nicht weiter verwendbar!) oder besser separat mit derselben Inventarnummer als jpg-file oder tiff-file abgespeichert und anschließend auf den Ausdruck geklebt werden. Die Museumsservicestelle empfiehlt, jedes Objekt mit seiner zugeordneten Inv.-Nr. zu fotografieren. Die Mindestanforderung an Feldern eines Datenblattes/einer Karteikarte illustriert die Abbildung 1 auf Seite 1. Bei M-Box, einer Inventarisierungssoftware für Museen, Archive und Bibliotheken, die in Schwaz in Tirol entwickelt wurde, kann man die Felder selbst bestimmen. Das selbst erstellte Datenbank-Formular sollten neben den Feldern zur Klassifizierung des Objektes unbedingt auch Felder zur Verwaltung des Museumsbestandes enthalten. Letztere sind nur für den internen Gebrauch bestimmt. Die Vorlage im Anhang ist sowohl als Datenbankmaske (Datenblatt-Formular) als auch als Formblatt als word.doc bzw. word.docx anwendbar. Wie erkennt man, was zusammengehört? Die Datenbanken verfügen meistens über eine Beschlagwortung. Mit Hilfe der Schlagwörter kann nach zusammengehörigen Objekten gesucht werden, z.b. alle Objekte aus Holz oder alles aus dem Bereich Hausrat oder alle Objekte innerhalb einer geographischen oder zeitlichen oder stilistischen Eingrenzung, oder alle Objekte zu einem Handwerk, usw. Während die von der Museumsservicestelle verwendete Datenbank bereits eine von Dr. Claudia Gadner entwickelte Beschlagwortung (Suchbaum) enthält, muss man sie bei manchen anderen Datenbanken, wie z.b. M-Box selbst erstellen. Das System erleichtert diese Arbeit,- dennoch sind gewisse Fachkenntnisse vonnöten. Als hilfreich erweisen sich dabei auch die vom Verbund oberösterreichischer Museen erstellte Objektsystematik (siehe: oder die Systematik des Museumsverbandes Hessen 1 (in: Schriftenreihe des Museumsverbandes Hessen). Besteht der Wunsch, die Karteikarten nach Sachgebieten oder Sammlungszusammenhängen zu ordnen, so empfiehlt sich der Ausdruck auf verscheiden farbigem Papier, keineswegs sollen jedoch Buchstaben vor die Inventarnummer gesetzt werden (wie z.b. Vk245 od. Arch1294). Die Inventarnummern müssen ja immer auch auf das Objekt geschrieben werden. Bei einer Modernisierung bzw. späteren digitalen Inventarisierung müsste man dann alle Nummern nicht nur neu vergeben, sondern eine zweite Inventarnummer auf jedes Objekt aufbringen. Objektbeschriftung Sie sollte unbedingt zeitgleich mit dem Anlegen der Dateiblätter/ Karteikarten erfolgen. Jedes Objekt erhält seine persönliche Nummer, indem man folgendermaßen vorgeht: Die Beschriftung sollte an einer unauffälligen Stelle erfolgen, damit die Nummer bei der Präsentation nicht sichtbar ist. Das Beschriftungsmaterial richtet sich nach dem Objektmaterial. An den Objekten möglichst konsequent an der gleichen Stelle eine dünne Schicht Zaponlack mit Flachpinsel aufbringen, trocknen lassen, 1 Kornelia Wagner, Systematik zur Inventarisierung kulturgeschichtlicher Bestände in Museen, in: MuseumsVerbandsTexte, Band 3, herausgegeben vom Hessischen Museumsverband e. V., Kassel 1993, 4. überarbeitete Auflage (CD-ROM) 2003 Archiv_Wissenswertes_2012.doc 4/20

5 dann mit Tuschfeder oder feinem Haarpinsel und Acrylfarbe die Inventarnummer (weiß oder schwarz je nach Untergrund) schreiben, trocknen lassen und ggf. nochmals eine Schicht Zaponlack zwecks besserer Haltbarkeit aufbringen. - Achtung: Bitte nur bei Materialen mit geschlossener Oberfläche verwenden! Zum Aufschreiben der Inventar-Nummer kann man auch einen schwarzen/weißen wasserunlöslichen, lichtechten Stift, z.b. einen CD-Marker, der nicht verwischt, verwenden. Der Stift muss unbedingt lösungsmittelfrei sein, damit das Material nicht angegriffen wird. Am einfachsten ist die Beschriftung von Objekten aus Papier: Auf die Rückseite wird mit weichem(!) Bleistift die Inventarnummer geschrieben. Für die Beschriftung von Textilien, Schmuck usw. kann man kleine Etiketten aus Karton mit Bindfaden (im Handel erhältlich) verwenden, d.h. am Objekt anhängen. Winzige Objekte gibt man besten in eine kleine Schachtel aus säurefreiem Karton, den man problemlos beschriften kann. Das Objekt kann (wieder) in die Schausammlung integriert oder im Depot gelagert werden. Zuletzt noch den Standort im Datenblatt eintragen! Fertig. Land Tirol, Dr. Sylvia Mader, Text und Abbildungen Abbildungen: 1 - Karteikarte für ein Sammlungsobjekt eines (Heimat-)Museums, Vorlage für den Papierausdruck, Museumsservicestelle Tirol 2 - Bildschirmansicht einer Karteikarte (von 1994) für ein Sammlungsobjekt eines Museums der Datenbank der Museumsservicestelle Tirol 3 - Inventarisierungsarbeiten im Felixe-Minas-Haus in Tannheim 4 - Sammlungsobjekt mit beigefügter, zugeordneter Inventarnummer, Foto für die Karteikarte 5 - Bildschirmansicht einer Karteikarte, Stadtarchäologie Hall in Tirol 6 - Beschriftung eines Sammlungsobjektes mit der zugehörigen Inventarnummer (Weiterführende) Literatur: Aus der reich bebilderten Reihe Museumsbausteine, hrsg. Von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern: Bd. 3: Werner Endres, Gefäße und Formen. Eine Typologie für Museen und Sammlungen, München 1996 Bd. 8: Möbel, eine Typologie für Museen und Sammlungen Bd. 7: Technisches Kulturgut Bd. 12: Archäologische Funde im Museum. Erfassen Restaurieren Präsentieren (mit systematischem Abbildungsteil: Geeignete Stellen für das Ausbringen der Inv.-Nr. auf Geschirr, Gläsern, Ofenkacheln, Wetzsteinen, Pfeifen usw.) Archiv_Wissenswertes_2012.doc 5/20

6 VORLAGE FÜR EIN DATENBLATT Name des Museums oder Briefkopf [Achtung: Briefkopf benötigt mehr Speicherplatz!] Inv.-Nr. [international üblich: numerisch aufsteigend, beliebige Reihenfolge der Objekte; wird vom Bearbeiter vergeben bzw. erfolgt bei Datenbanken automatisch] Alte Inv.-Nr. [z.b. von früheren Inventarisierungen, die sich bereits am Objekt befinden] Gegenstand/Objektbezeichnung (Arbeits-)Titel [nur bei Kunstwerken] Beschreibung [Der Informationsgehalt von Fotos wird generell überschätzt. Das Objekt soll immer so beschrieben werden, dass eine eindeutige Zuordnung ohne vorhandene Abbildung dazu leicht möglich ist! Daher sind einige Angaben vonnöten: Grundform (zylindrisch, quaderförmig, gebaucht, spitz, usw.), Dekor (wo befindet sich der Dekor, wie erzeugt: geritzt, gekerbt, gemalt, usw., Art des Dekors: z.b. Muscheln, Blumen, Rocaille, flächendeckend, filigran), Spätere Veränderungen/Ergänzungen, Verwendung des Objektes] Auf oder Inschriften am Objekt [Verweis auf Makro-Aufnahme/ Detailfotos, Nr. genügt] Schmiedemarken, Porzellanstempel, etc. [Verweis auf Makro-Aufnahme/ Detailfotos, Nr. genügt] Material/Technik Datierung [ist meist ein Nummernfeld, daher empfiehlt sich ein zusätzliches Feld für die Information, woher die Datierung übernommen wurde] Datierung/Zusatz [am besten zum Ankreuzen] _eigene Einschätzung _aus Literatur _von Experten (Titel, Name, Institution, Ort) Vergleichsobjekt (plus nähere Angaben zum Vergleichsobjekt) Künstler Signatur Hersteller [sollte exakt abgeschrieben werden] [bei Gebrauchsgraphik, technischen Objekten und industriell gefertigten Gegenständen] Im Folgenden die internen Informationen zum Objekt, die Sie im Falle einer Leihe nicht senden/für den Leihnehmer ausdrucken: Standort [in der Schausammlung Raum/Vitrine; im Depot: Stellagen- und Fachnummer] Zustand [z.b. Schimmelbildung, Holzwurmbefall, Blatt geknickt, rechte untere Ecke umgebogen ("Eselohr"), Verluste: rechte Hand, Kurbel, Farbschicht an mehreren Stellen, usw.] Eingangsdatum [wann kam das Objekt ins Museum? Zumindest das Jahr oder eine Zeitspanne sollte bekannt sein; ansonsten Gründungsdatum des Museums angeben] Art des Erwerbes Leihgabe Schenkung Kauf [am besten zum Ankreuzen] Erwerb von [Nachname, Titel, Vornamen, Adelsprädikat (z.b. "von"), Straße Haus-Nr., Plz Ort] Versicherungswert [Währung unbedingt angeben!] Entlehnt am [Jahr-Monat-Tag, xxxx-xx-xx] Rückgabe am [Jahr-Monat-Tag, xxxx-xx-xx] Leihverkehr Anmerkungen [freies Feld für Notizen, wie Leihvertragsnummern, Versicherungen, Sonderkonditionen, Transport-Vereinbarungen] Archiv_Wissenswertes_2012.doc 6/20

7 [Wissenswertes 2. Quartal / 2012] INVENTARISATION UND DOKUMENTATION Am Beispiel der archäologischen Funde aus dem "Stoffelhäusl" in St. Gertraudi Jährlich finden in Tirol dutzende archäologischer Grabungen statt. Dabei kann es sich um Notgrabungen handeln, die oft nur wenige Stunden oder Tage andauern bis hin zu mehrwöchigen baubegleitenden Untersuchungen. Auch Forschungsgrabungen werden regelmäßig durchgeführt, u.a. von der Universität Innsbruck, Institut für Archäologien. Jede Grabung, jeder Eingriff in den Boden bringt eine zwar kontrollierte aber unwiederbringliche Zerstörung der Befunde mit sich. Daher wird schon während der Grabungsarbeiten großen Wert auf eine lückenlose Dokumentation aller Befunde und Strukturen sowie aller darin enthaltenen materiellen Hinterlassenschaften des Menschen gelegt (Abb. 1, 2). Die Funde können in Kombination mit den Befunden 2 zu einer Rekonstruktion früherer Lebensweise, des Alltags und einer bestimmten Geisteshaltung führen. Deshalb stellt die Ausgrabung selbst nur ein Teil der wissenschaftlichen Arbeit eines Archäologen dar. Gleich bedeutend ist ein nachhaltiger und verantwortungsvoller Umgang mit dem geborgenen Kulturgut, eine gewissenhafte Dokumentation und Inventarisation, bevor die Funde schließlich bearbeitet und ausgewertet werden. Jedes Objekt erhält seine Nummer Die Inventarisation Der erste Weg nach der Ausgrabung führt in das Labor oder den Bearbeitungsraum, wo die Funde ihren individuellen Erfordernissen entsprechend gereinigt werden 3. Sobald dieser Arbeitsschritt getan ist, erfolgt die Inventarisierung der Objekte. Jedes einzelne Stück erhält nun eine eigene, fortlaufende Nummer. Gerade für Sammlungen oder Museen empfiehlt es sich dafür eine Datenbank zu verwenden. Neuzugänge können auf diese Weise leicht hinzugefügt werden. Ein gezieltes Suchen nach bestimmten Kriterien oder Fundgruppen wird dadurch möglich. Arbeiten mehrere Personen mit der Datenbank, empfiehlt es sich einen Thesaurus 4 zu verwenden. Wer mehr über die Auswahl der passenden Datenbank und alternativer Inventarisationsmöglichkeiten erfahren möchte, dem sei der vorangegangene Artikel von Dr. Sylvia Mader zu empfehlen. Die Inventarnummer wird auf eine möglichst unauffällige Stelle, wie der Rückseite, im Randbereich etc., angebracht. Als Untergrund für die Beschriftung dient ein schmaler Streifen (Zapon)Lack 5. Sobald dieser angetrocknet ist, kann mit Tusche oder Acryllack (weiß oder schwarz je nach Objektfarbe) die Inventarnummer aufgetragen werden. Mit einer zweiten Schicht Acryllack wird diese dann versiegelt. Diese Methode eignet sich für Keramik, Glas, Metall und manche Holze. Für Materialien wie Textilien, Papier, Kunststoff oder Leder muss auf andere Beschriftungsmöglichkeiten zurückgegriffen werden 6. Auf den Nenner gebracht Die deskriptive Erfassung Gemäß den Richtlinien des Bundesdenkmalamtes für archäologische Maßnahmen soll jeder Fund mit 2 Unter Befund werden die Fundumstände bzw. der Fundkontext verstanden. 3 In manchen Fällen empfiehlt sich zusätzlich eine fotografische Dokumentation des Objekts in seinem Fundzustand, d.h. vor etwaigen Restaurierungsmaßnahmen. 4 Darunter wird in der Dokumentationswissenschaft ein kontrolliertes Vokabular, eine vorgegebene Begrifflichkeit verstanden. 5 Waller 2001, Eine übersichtliche Zusammenstellung unterschiedlicher Materialien und das Anbringen von Inventarnummern wurde von Christoph Waller zusammengestellt: Waller 2001, 130. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 7/20

8 einer Reihe von Informationen versehen werden. Dazu zählen Fundnummer, Fundort, Datum, Bearbeiter, Material und im Falle von archäologischen Grabungen auch die stratigrafische Einheit und Angaben zur Fläche, dem Schnitt oder dem Profil, aus dem der Fund stammt 7. Drüber hinaus dürfen die Maße und der Erhaltungszustand des Objekts nicht fehlen. Die Beschreibung soll in einfachen, möglichst allgemeingültigen, standardisierten Ausdrücken erfolgen 8. Erst wenn eindeutige Begrifflichkeiten verwendet werden, können Abfragen nach Stich- oder Schlagworten erfolgreich durchgeführt werden. Eine Datenbank für archäologische Funde zur gezielten Aufnahme einer Fundgruppe in diesem Fall von Ofenkeramik kann z.b. wie in Abb. 3 aussehen. Das Puzzle beginnt Das Anpassen einzelner Bruchstücke Nach der erfolgten Beschreibung und Inventarisation können nun passende Bruchstücke zusammengefügt werden. Für Keramik eignet sich z.b. ein Holzleim sehr gut, da dieser reversibel, d.h. wieder löslich ist. Abzuraten ist von Heißklebern oder ähnlichen Materialien, da sie z.t. irreparable Schäden an den Objekten hinterlassen 9 (Abb. 4). Bitte lächeln Die fotografische Dokumentation Eine fotografische Dokumentation nach archäologischen Standards unterscheidet sich deutlich von einem reinen Inventarfoto. Dieses wird in der Regel mehr oder weniger schräg von oben gemacht. Eine archäologische Aufnahme beinhaltet mehrere Ansichten: die Frontal-, Rück- und Seitenansicht (Abb. 5). Fallen wichtige Details, wie Produktionsspuren oder -fehler, Beschädigungen o.ä. am Fundstück auf, sollen diese ebenfalls fotografisch festgehalten werden (Abb. 6, 7, 8). 7) 5) 6) 8) Auf dem Markt gibt es inzwischen eine Vielzahl an erschwinglichen "mobilen Mini-Fotostudios", teilweise sogar mit integrierter Halterung für eine digitale Kompaktkamera und seitlicher Beleuchtung. Allerdings reichen auch schon einfache Mittel, wie ein weißes oder hellgraues Papier, ein Tuch oder ein Stück Leinwand als Hintergrund aus. Im Baumarkt u.a. gibt es günstige Scheinwerfer, in die am besten Tageslichtlampen eingesetzt werden. Tageslichtlampen entsprechen mit ca Kelvin 10 am besten dem Wert von natürlichem Licht. Damit können Aufnahmen mit bestmöglicher Farbechtheit erzielt werden. Im direkten Vergleich wird der Unterschied zu einem in Kunstlicht und mit Tageslicht fotografierten Fundstück durch die intensivere Rotfärbung deutlich (Abb. 9). In der Archäologie ebenfalls üblich ist das Fertigen einer Querschnittzeichnung von einem Fundobjekt. 7 Eine vollständige Auflistung der benötigten Informationen sind zu finden in der aktuellsten Version (Version 2) der Richtlinien für archäologische Maßnahmen unter: 8 Auch hierfür bieten sich die Richtlinien für archäologische Maßnahmen an (siehe Anm. 3). Eine Liste mit gängigen Abkürzungen ist auf S. 34 zusammengefasst. Eine ausführlichere Zusammenstellung von Abkürzungen wurden in den Redaktionsrichtlinien der Fundberichte aus Österreich publiziert (http://www.bda.at/documents/ pdf). 9 Eine Liste von Klebestoffen, Reinigungs- und Festigungsmitteln findet sich u.a. bei Joachim Hucke und Rolf-Dieter Bleck, Chemikalien und Rezepte, Restaurierung und Museumstechnik 3, Weimar Kelvin ist die Einheit für die Farbtemperatur, d.h. der Lichtfarbe. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 8/20

9 Bildbearbeitung Einzelansichten zusammenfügen Mit Bildbearbeitungsprogrammen, wie Adobe Photoshop oder The GIMP, werden die verschiedenen Ansichten eines Objekts ausgeschnitten und zur einer Tafel zusammengefügt. Die Fotos werden entzerrt, perspektivisch angepasst und skaliert. Als nächstes kann jeder fotografierte Fund "ausgeschnitten" werden. D.h. der Hintergrund des Fotos wird entfernt, sodass nur noch das Objekt selbst auf einem weißen Untergrund übrig bleibt. Am Bespiel von im Stoffelhäusl in St. Gertraudi gefundenen Ofenkachel-Bruchstücken kann die Vorgehensweise veranschaulicht werden. Dort traten im Zuge von Renovierungsarbeiten im Bereich der ehemaligen Küche diverse Ofenkachel- Fragmente zu Tage 11. Auf Abb. 10 sind die fotografierten Objekte zu sehen. Im nächsten Arbeitsschritt wurde der Hintergrund entfernt, sprich die einzelnen Funde freigestellt sowie entzerrt und skaliert (Abb. 11). Unter Zuhilfenahme einer identen Kachel aus einem Ofen des 16. Jahrhunderts aus dem Tiroler Volkskunstmuseum (Abb. 12) gelang es außerdem das Motiv der Ofenkachel aus dem Stoffelhäusl vollständig zu rekonstruieren (Abb. 13) ) 11) 12) 13) Die Information hinter dem Objekt Fundauswertung Bei der weiteren Suche nach vergleichbaren Materialien stellte sich heraus, dass das Motiv des Hirsches fast immer in Kombination mit Jägerabbildungen anzutreffen ist. Es handelt sich um Öfen mit Jagddarstellungen, deren Verbreitung sich auf das Unterinntal beschränkt. Die Fundorte mit identen Motiven erstrecken sich von Schwaz bis Kufstein. Hier produzierte und handelte vermutlich ein Hafner, der im Unterinntal zu lokalisieren ist, seine Ofenkacheln bzw. seine Model. Der Ofen aus dem Volkskunstmuseum in Innsbruck gibt eine Vorstellung, wie die Heizanlage im "Stoffelhäusl" in St. Gertraudi, allerdings in kleinerem Maßstab, ausgesehen haben könnte (Abb. 14). In vielen kleinen, unscheinbaren Scherben steckt also mehr, als auf den ersten Blick zu erwarten ist! Land Tirol, Sarah Leib, Text und Abbildungen (2010) Abbildungen (1, 2) Martin Reiter, 2010 Abbildungen: 1 - Beim Lokalaugenschein auf der Fundstelle. 2 - Fund in situ während der Restaurierungsarbeiten. 3 - Ausschnitt aus einer Access Datenbank zur Dokumentation von Ofenkeramik durch leichte Adaptionen ist so eine Datenbank an jede Fundgruppe anzupassen. 4 - Restaurierungsschäden die Rückseiten der Ofenkacheln wurden mit einem Beton-Mörtel- Gemisch gefüllt. Ohne großen Aufwand oder massive Zerstörung kann dieses Material nicht mehr entfernt werden. 11 Mehr zu den Renovierungsarbeiten, den dendrochronologischen und archäologischen Arbeiten in: Leib/Pfeifer/Reiter Gschnitzer/Menardi 1986, Kat.Nr. 28. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 9/20

10 5 - Beispiele für eine fotografische Dokumentation und Darstellung nach archäologischen Kriterien. Falls nötig, können noch Details hinzugefügt werden oder auch (mehrere) Querschnittzeichnungen, die den Aufbau des Artefakts verdeutlichen sollen (Foto und Bearbeitung: Sarah Leib, 2010). 6 - Verschiedene Details von Ofenkacheln aus dem Stofflhäusl in St. Gertraudi. Auf mehreren Kacheln konnten Abdrücke eines Tuchs dokumentiert werden ein wichtiger Hinweis auf den Herstellungsprozess und die vom Hafner verwendeten Hilfsmittel (Foto und Bearbeitung: Sarah Leib, 2010). 7 - Detail des Bodens einer Keramik aus St. Gertraudi. Bei genauerer Betrachtung fallen hier längliche Rillen auf. Der Hafner schabte den Topf z.b. mit einem dünnen Holzstück o.ä. vom Untergrund auf der Drehscheibe weg und zog dabei kleine Steinchen im noch feuchten Ton mit. Dadurch entstehen diese charakteristischen "Schleifspuren". Im Gegensatz dazu ist auf dem Boden der Napfkachel ein bogenförmiges Muster zu erkennen. Das entsteht, wenn eine Schnur zum Loslösen des Gefäßes vom Boden zum Einsatz kommt. 8 - Im Rumpf dieser Blattkachel befinden sich Lehmreste mit darin enthaltenen organischen Materialien (ev. Spelzen), sekundär verwendete Ziegelbruchstücke und ältere, grün glasierte Kachelfragmente. Sie geben einen sehr guten Einblick in das ursprünglich zum Ofenbau verwendete Material. 9 - Aufnahme mit (links) und ohne (rechts) Tageslichtlampen Ein Teil des Fundmaterials aus St. Gertraudi kurz nach der Bergung Ein Teil des gereinigten Kachelmaterials Frontalansicht Bergung Das rekonstruierte Motive mit springendem Hirsch vor einem floral und ornamental verzierten Hintergrund Bergung Das Referenzobjekt aus dem Tiroler Volkskunstmuseum, 16. Jahrhundert Bergung Der Kachelofen im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck (2011). (Weiterführende) Literatur Werner Endres, Gefäße und Formen Eine Typologie für Museen und Sammlungen, Museums- Bausteine 3, München Manfred Hartmann, Susanne Nickel, Günter Bernhard, Inventarisierung, Dokumentation, Bestandsbewahrung, Materialien aus dem Westfälischen Museumsamt 1, Münster Winfried Helm, Marie-Luise Segl, Pragmatischer Leitfaden zur Inventarisierung von Textilien in den Freilichtmuseen Finsterau und Massing, Finsterau Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hrsg.), Sammlungsdokumentation. Geschichte Wege Beispiele. Museums-Bausteine Band 6, München-Berlin Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hrsg.), Archäologische Funde im Museum. Erfassen Restaurieren Präsentieren. Museums-Bausteine Band 12, München-Berlin Christoph Waller, Das Anbringen von Inventarnummern Methoden und Materialien. In: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hrsg.), Sammlungsdokumentation. Geschichte Wege Beispiele. Museums-Bausteine Band 6, München-Berlin 2001, Archiv_Wissenswertes_2012.doc 10/20

11 [Wissenswertes 3. Quartal / 2012] AUF DEN KOPF GESTELLT, MIT EINER NUMMER VERSEHEN UND NIE WIEDER VERGESSEN Inventarisierung im Museum Kunst in Schwaz, im Rabalderhaus, Schwaz Allgemeine Beobachtungen Ein Museum hat so manch Kontroverses und daher auch oft unerwartet Spannendes zu bieten. In der Schausammlung stellen sich die Exponate sehr repräsentativ dar. Sie wurden vom Staub befreit, auf Hochglanz gebracht und auf den Sockel gehoben oder an der Wand befestigt. Nicht nur bei der Präsentation, sondern auch bei der beigefügten Beschriftung kann schon so mancher Zweifel bezüglich der Professionalität aufkommen. Hier lässt sich der tatsächliche Umgang mit den ausgestellten Werken erahnen. Dies bezieht sich auch auf die nicht gezeigten Objekte. Die Museumsdepots stellen eine den Besucherinnen und Besuchern abgewandte Seite der Sammlung dar. Welche Aufmerksamkeit ihnen an diesem Ort zukommt, ist oft ganz konträr. Um an beiden Orten den gesammelten Gegenständen gerecht zu werden, gehört eine professionelle Museumsarbeit, die zum einen aus dem Sammeln, Bewahren und Konservieren besteht, zum anderen auch das Forschen, die wissenschaftliche Aufarbeitung des Bestandes mit einbezieht. All diese Arbeit wird dann in der Schausammlung, aber auch in den Sonderausstellungen und nicht zuletzt im Depot augenfällig. Die Basis dazu stellt die Dokumentation, die Inventarisierung, welche die wissenschaftliche Aufarbeitung beinhaltet, dar. Sie gehört sozusagen zu den Basics jedweder Museumsarbeit. Das Erstellen eines Inventars, eine Inventarliste zu Dokumentationszwecken ist von entscheidender Bedeutung. Sie greift jedoch für eine professionelle Museumsarbeit zu kurz. Über die Dokumentation hinaus geht die Erfassung des Sammlungsbestandes, wie sie die Museumsservicestelle des Landes Tirol den Museen Tirols anbietet. Ein spezielles Beispiel Für das Jahr 1999 entschloss sich die Stadt Schwaz die Kunstwerke, welche bisher im Museum auf Schloss Freundsberg ausgestellt waren, aufgrund des Platzmangels und nicht adäquater konservatorischer Voraussetzungen ins Rabalderhaus zu geben. Hier wurde, verbunden mit den Werken aus der Sammlung des Museums- und Heimatschutzvereins sowie Leihgaben aus privatem sowie öffentlichem Besitz, ein neues Museum zunächst nur im ersten Stock des alten Gewerkenhauses eingerichtet. So konnte mittels qualitätvollster Arbeiten die Kunstgeschichte der Stadt Schwaz von der Spätgotik bis zur Gegenwart gezeigt werden. Im Zuge dieser Museumseröffnung wurden alle Kunstwerke, sowohl die im Museum ausgestellt sind, als auch die sich im Depot befinden, vom Tiroler Kunstkataster, Sachbereich Museen, (heute Museumsservicestelle) inventarisiert. Im Jahr 2008 wurde dann das Museum um ein Stockwerk erweitert, sodass auch eine Auswahl aus den Neuzugängen der dazwischen liegenden neun Jahre gezeigt werden kann. Die Präsentation von Werken von Schwazer beziehungsweise mit Schwaz in Verbindung stehender Künstlerinnen und Künstler der Malerei, Bildhauerei und des Kunstgewerbes erfolgt nun in fünfzehn Räumen. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 11/20

12 Derzeit wird die Inventarisierung fortgesetzt, da inzwischen zahlreiche neue Erwerbungen und Leihgaben nicht nur im Museum hinzugekommen sind, sondern auch etliche, die auf Sonderausstellungen warten und inzwischen im Depot aufbewahrt werden. Zum Beispiel hat die Sparkasse Schwaz immer wieder Bilder und Skulpturen angekauft und dem Rabalderhaus als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt. Im vergangenen Jahr waren es vor allem Gemälde von Maria Anna Moser, aber auch Arbeiten von Ludwig Penz, Hans Ebenbichler und Hans Pontiller. Ein Steckbrief der besonderen Art Bei der Aufnahme von Kunstgegenständen ist es notwenig, eine besonders detaillierte Bestandsaufnahme vorzunehmen. Die Erhebung vor Ort, das heißt im Museum und im Depot umfasst eine umfassende sachbezogene und fotografische Dokumentation. Die Recherche wird dann in den jeweiligen Fachbibliotheken fortgesetzt. Die Ergebnisse werden in den entsprechenden Feldern einer digitalen Datenbank eingetragen. Gerade bei einer EDV-gestützten Inventarisierung gilt es sowohl bei der Vorgehensweise, als auch Formulierung ein genaues Schema einzuhalten. Der Aufbau entspricht dem eines Archivs. Die Gestaltung der Maske ist der einer traditionellen Karteikarte angepasst. Eine entsprechenden fotografische Dokumentation ist eingefügt oder angeschlossen. Der Gegenstand erhält zunächst eine Benennung. Der Titel wird, wenn er von der Künstlerin oder dem Künstler so vorgenommen wurde, unter Anführungszeichen gesetzt. Näheres, wie zum Beispiel ob der Titel auf dem Bild vermerkt ist oder ob er der Überlieferung entnommen ist, wird bei der Beschreibung festgehalten. Bezüglich des Materials wird die Technik, wie zum Beispiel, Öl oder Federzeichnung sowie der Bildträger, unter anderem Leinwand oder Papier, angegeben. Unter die Notierung des Erhaltungszustandes fallen die Restaurierungsarbeiten, die an dem Objekt jemals vorgenommen wurden. Nützlich ist es, hierbei die Jahreszahlen sowie Restauratorinnen und Restauratoren zu vermerken. So einfach die Bezeichnung Maße erscheint, so differenziert müssen sie festgehalten werden. Bei Bildern gilt immer Höhe x Breite, bei Druckgrafiken sind die Maße der Druckplatte von denen des Blattes zu unterscheiden. Wichtig ist auch die Angabe der Rahmenmaße, das kann bei einem Verleih von Bedeutung sein. Bei Skulpturen und Plastiken kommt die Tiefe hinzu. Außerdem ist zu notieren, ob mit oder ohne Sockel, ob mit oder ohne raumgreifendem Attribut (z.b. Fahne) eine Figur gemessen wurde. Jegliche Abweichungen vom Standart sind auf alle Fälle anzugeben. Das größte Feld nimmt die Beschreibung des Objektes ein. Hierbei wird näher auf das Thema und die Darstellungsweise eingegangen. Stilistische Analysen und kunsthistorische Vergleiche kommen hinzu. Wichtig ist, dass die Bildbezeichnungen vermerkt werden, wie und wo ein Werk signiert und/oder datiert ist, welche Notierungen sich eventuell auf der Rück-, Innen- oder Unterseite angebracht befinden. Hier ist für die verschiedensten Notizen Platz, die ergänzende Auskünfte über das Objekt geben. In einem eigenen Feld wird der Name der KünstlerInnen eingetragen. Wichtig ist im oben erwähnten Beschreibungsfeld das Wissen darüber zu dokumentieren. Dasselbe gilt für die Angabe der Entstehungszeit. Falls der Entstehungsort und die Herkunft bekannt sind, sollen auch diese festgehalten werden und von wem und wann der Gegenstand erworben wurde, vor allem in wessen Besitz es sich heute befindet. Um einzutragen, ob es sich um einen Kauf, ein Geschenk oder eine Leihgabe handelt, gibt es ebenfalls eigene Felder, gleichfalls für Kaufpreis und Versicherungssumme. Immer wichtiger wird die Rubrik Verleih, hier müssen Ein- und Ausgangsdaten eines verliehenen Werkes eingetragen werden. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Angabe von Quellen und entsprechender Fachliteratur. Abschließend sei das Festhalten des Standortes innerhalb eines Museums und die Vergabe einer Inventarnummer sowie Fotonummer genannt, sie befinden sich meist am Kopf einer Karteikarte beziehungsweise eines Aufnahmeblattes, da sie automatisch vergeben, das heißt eingefügt werden. Die Inventarisierung eines Museumsbestandes stellt keine einmalige Aktion dar. Sie macht nur Sinn, wenn immer wieder Ergänzungen bei Neuzugängen erfolgen. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 12/20

13 4) 5) 6) 7) Auf den Datenhighway geschickt Die Museumsservicestelle sammelt all die Daten und verwahrt und verwaltet somit eine umfassende Datenbank. Ergänzend wurde ein ikonografischer-, Sach- und KünstlerIn-Index angelegt. Diese Datenbank stellt ein immer dichter werdendes Netzwerk dar, das auch genützt werden soll! Es ermöglicht allen Museumsfachleuten, KuratorInnen, AutorInnen von Katalogen, Büchern und Berichten sowie ChronistInnen, PolizistInnen u.a.m. bei ihrer Arbeit darauf zurückzugreifen. Schön, mächtig, reich, stark und weise Wie nützlich diese Datenbank unter anderem für RestauratorInnen sein kann, zeigt ein ganz spezielles Beispiel: Im Rabalderhaus in Schwaz befindet sich seit 2008 im "Museum Kunst in Schwaz" ein interessantes barockes Vanitas-Bild 13. Es handelt sich um eine wertvolle Leihgabe des Schwazer Franziskanerklosters. Dargestellt sind fünf antike Sarkophage, die sich in einer südlichen, kulissengleichen Landschaft befinden. Sie sind geöffnet. In ihnen liegen die Skelette von Helena, Alexander d. Große, Krösus, Samson und Salomon. Diese Figuren der Geschichte, antiken Mythologie und Bibel personifizieren Schönheit, Macht, Reichtum, Stärke und Weisheit. Zahlreiche, reich gekleidete und geschmückte Frauen und Männer umgeben sie. Mehrere bezeichnete Felder und Schriftbänder geben Aufschluss über die ganz spezielle Darstellung von Tod und Vergänglichkeit. Zwei im Bildvordergrund befindliche Putti halten ein Schriftband, auf dem steht: "MORE VLTIMA LINEA RERVUM". Das Zitat des römischen Dichters Horaz wurde bei der Restaurierung falsch ergänzt, das zeigt eine frühere Aufnahme im Zuge der Inventarisierung der Kunstgegenstände des Schwazer Franziskanerklosters durch den Tiroler Kunstkataster. Richtig heißt es "MORS VLTIMA LINEA RERVUM" ("Der Tod steht am Ende aller Dinge"). Dasselbe gilt für das beschriftete Feld am Sarkophag der Helena. Der vollständige Text lautete ursprünglich HIER LIGT HEL(ENA) DI(E) SC(HÖNE). Nützliche Begleitumstände Das Inventarisieren von Kunstwerken zieht meist weitere wichtige Tätigkeiten einer professionellen Museumsarbeit mit sich. Dazu zählt das Einrichten eines Depots. 13 Siehe auch: Praxmarer, Inge: "DER TOD STEHT AM ENDE ALLER DINGE". Von Ruhm, Macht, Reichtum, Schönheit, Eitelkeit und Vergänglichkeit. Ein symbolhaftes Gemälde im Museum Rabalderhaus in Schwaz. Objekt des Monats Mai Online unter: Zugriff: Archiv_Wissenswertes_2012.doc 13/20

14 Die Voraussetzung ist, ein für die Werke geeigneten Raum mit entsprechender Sauberkeit und geeignetem Raumklima einzufordern. Der Aufnahme der deponierten Kunstwerke geht das Schaffen von Ordnung mit System einher. Hinzu kommt das Festhalten der Richtlinien für eine dem Material der Werke gerecht werdende Behandlung. Zentral ist die Beachtung konservatorischer Belange. All diese Punkte zeigen, dass die Inventarisierung die Grundlage für einen fachgerechten Umgang mit den Objekten einer Sammlung darstellt. Auf sie können weitere entscheidende Säulen der Museumsarbeit gestellt werden. Land Tirol; Dr. Inge Praxmarer, Text und Abbildungen Museum Kunst in Schwaz, im Rabalderhaus, Schwaz Öffnungszeiten: Mai - Oktober, Dezember: Do bis So, 16:00 bis 19:00 Uhr; Museumsführungen für Gruppen ganzjährig nach tel. Vereinbarung: +43 (0) 664 / oder +43 (0) 650 / Adresse: A-6130 Schwaz, Winterstellergasse 9 Tel. +43 (0) 5242 / Mail: Abbildungen: 1 - Museum Kunst in Schwaz, "In Freier Natur - Landschafts- und Tierbilder des frühen 20. Jahrhunderts" (3. OG, Raum 1) 2 - Josef Wopfner, Frau im Heuboot, , Öl auf Leinwand auf Karton, 39 x 47,5 cm, bez. u. r.: J. Wopfner (Stadt Schwaz) 3 - Christian Hess, Monreale, 1928, Öl auf Karton, 27 x 39 cm (Rabalderhaus) 4 - Porcia und Yppo, Ulrich Funk d. J. (zugeschrieben), um 1536, Fesko und Sekko, 109 x 107 cm (Stadt Schwaz) 5 - Anbetung der Könige, Ende 16. Jh., Öl auf Leinwand, 148 x 110 cm (Stadt Schwaz) 6 - Franz Xaver Nissl (zugeschrieben), Hl. Notburga, um 1780, Holz, farbig, golden und silbern gefasst, Rückseite ausgehöhlt, 118 cm h (Stadt Schwaz) 7 - Maria Anna Moser, Porträt Sabine Gessel, 1817, Öl auf Leinwand (Rabalderhaus) 8 - Vanitas, 17./18.Jh., Öl auf Leinwand (Franziskanerkloster, Schwaz) 9 - Depot Archiv_Wissenswertes_2012.doc 14/20

15 [Wissenswertes 4. Quartal / 2012] VON SCHÄDELN, KNOCHEN, ORGANEN UND EINEM RIESENSKELETT Die Digitalisierung des Anatomischen Museums Innsbruck Die Stadt Innsbruck bietet dem Kulturinteressierten eine Vielzahl von verschiedenen Museen und Galerien an. Dazu zählt auch das am hiesigen Institut beheimatete Anatomische Museum, welches unter den Innsbrucker Sammlungen eine gewisse Besonderheit darstellt. Zuallererst sei hier die Eigenart der Ausstellungsobjekte erwähnt. Es gehört, außer für den Anatom, wohl eher nicht zum Alltäglichen, menschliche Skelette und präparierte Organe zu betrachten. Ein künstlerisches Gemälde allerdings mag man selbst zu Hause aufgehängt haben. Des Weiteren muss bedacht werden, dass nicht eine jede Stadt der Öffentlichkeit eine anatomische Sammlung zur Verfügung stellen kann. In Österreich wäre ein derartiger Museumsbesuch ansonsten nur mehr in Wien (Anatomisch-pathologische Sammlung im Narrenturm) möglich. Zudem sei in diesem knappen Rahmen vielleicht noch auf die besondere Schwierigkeit des Erwerbens und Erhaltens von menschlichen Exponaten verwiesen. Die Innsbrucker Anatomie darf hierbei mit Stolz auf vergangene Vorstände zurückblicken, welchen die heutige Sammlung von mehr als 5000 Objekten zu verdanken ist. Die Geschichte der Anatomie und ihres Museums Mit Beschluss vom 22. April 1689 wurde am darauf folgenden 2. Mai die erste und somit älteste Lehrkanzel für Anatomie in Österreich begründet und Theodor Friedrich Statlender (Leitung ) als ihr erster Vorstand berufen. 14 Damit besaß die Medizinische Fakultät neben den Medizinischen Institutionen (Theorie) und der Medizinischen Praxis nunmehr ihren dritten Lehrstuhl. Wenn man so will, könnte man mit dem gleichen Datum auch den Beginn des Museums ansetzen, sahen es die jeweiligen Inhaber der Professur doch als ihre Aufgabe an, dem Institut für Anatomie neue Präparate zu verschaffen. 15 Hieronymus Leopold Bacchetoni sei hier als einer von Statlenders Nachfolger erwähnt. Während seiner Leitung zwischen 1737 und 1749 verfasste er mit seiner "Anatomia" eines der ersten österreichischen Lehrbücher für Anatomie. 16 Zwischenzeitlich zu einem Lyzeum degradiert, setzte sich Karl Dantscher, Ritter von Kollesberg, der die Lehrkanzel von 1846 bis 1882 übernommen hatte, für die Wiedererrichtung der Medizinischen Fakultät ein. Dies wurde 1869 erreicht und brachte Dantscher den Ehrentitel "Vater der Fakultät" ein. 17 Auch für das Museum konnte er viele neue Objekte gewinnen. Als Meister der Korrosionspräparation 18 verdankt ihm die heutige Sammlung die so genannten "Dantscher-Nieren" eines Rindes. Man kann daraus schließen, dass selbst Ende des 19. Jahrhunderts die Sektion menschlicher Leichname nicht alltäglich war. Dieser Mangel zwang die Anatomen des Öfteren zum Ausweichen auf tierische Kadaver. Der wohl bekannteste Wiener Anatom, Joseph Hyrtl, war ein Kommilitone Dantschers. Beide fungierten als Experten für die Korrosionspräparation. 14 Universität Innsbruck (Hg.), Die Medizinische Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, in: Veröffentlichungen der Universität Innsbruck 190, Innsbruck 1992, S Platzer, Werner, Anatomie Innsbruck , Innsbruck 1989, S Huter, Franz, Hieronymus Leopold Bacchetoni, Innsbruck 1985, S Platzer, Anatomie, S Auch: Injektionspräparation, aushärtende Flüssigkeiten werden in Hohlraumsysteme, zum Beispiel in Blutgefäße, injiziert, das umgebende Gewebe kann, wenn gewünscht, danach chemisch entfernt werden. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 15/20

16 Aber der wohl auffälligste Beitrag Dantschers zum heutigen Museum war die Beschaffung des 1866 im Dom zu St. Jakob gefundenen "Riesenskelettes". Bei diesem handelt es sich nach heutiger einheitlicher Meinung um Nikolaus Haidl (+1491), den Leibwächter Erzherzog Sigmunds von Tirol, genannt der Münzreiche, ( ). Mit einer Größe von ungefähr 2,22 m dürfte er für solch einen Beruf geradezu geschaffen worden sein. 19 Da sich zu diesem Zeitpunkt die Räume der Anatomie immer noch im alten Universitätsgebäude (heutige Katholisch- Theologische Fakultät) befanden, kann man sich die entsprechende Raumnot und die inadäquate Einrichtung leicht vorstellen. Als Beispiel sei hier die angedachte Verwendung des Billardzimmers als Sezierraum erwähnt. 20 Wohl bereits von Dantscher vorgeschlagen, konnte sein Nachfolger Moritz Holl (Leitung ) erfolgreich einen Neubau am heutigen Standort in der Müllerstraße 59 durchsetzen. Eröffnet wurde dieser allerdings erst am 12. November 1889 von seinem Nachfolger Wilhelm Roux (Leitung ). Die weitere Geschichte des Institutes und des Museums wäre keine vollständige ohne die kurze Erwähnung von Ferdinand Hochstetter, Vorstand von 1895 bis Dessen Studien über das menschliche Gefäß- und Nervensystem zeigen sich den Besuchern heute noch in Form der beeindruckenden Trockenpräparate. Ohne Zweifel darf man diese Objekte zu den schönsten der Sammlung zählen. Zwischen 1918 und 1946, das heißt vom Beginn der Zwischenkriegszeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, stand das Institut unter der Leitung von Felix Sieglbauer. Gemeinsam mit seinem Präparator Franz Zima erweiterte er die Sammlung um Primaten- und Vogelskelette und um eine Vielzahl von Feuchtpräparaten. Die mühsam zusammengetragene Schädelsammlung wurde aber leider wie ein Großteil des Gebäudes durch einen Bombentreffer am 15. Dezember 1943 zerstört. 21 Der Wiederaufbau fand unter der Führung von Gustav Sauser statt, ein ehemaliger Schüler Sieglbauers. Von unermüdlichem Tatendrang, bekleidete Sauser als Professor für Anatomie und Histologie/Embryologie gleich zwei Lehrkanzeln gleichzeitig und fand nebenbei noch die Energie zum Betreiben einer Praxis für Allgemeinmedizin. Als Vorstand des Anatomieinstitutes wirkte er von 1946 bis Auch im Museum blieb er nicht untätig, er konnte die Schädelsammlung durch Funde in den Ossuarien in Hallstatt, Pürgg, Ebbs, Galtür und Ötztal erweitern. 22 Nach Sausers plötzlichem Tod 1968 wurde das Institut zwischen 1969 und 1997 Werner Platzer anvertraut. Die Liste seiner Errungenschaften für die Anatomie ist lang. Das Museum verdankt ihm eine Erweiterung der Räumlichkeiten (1975/76) und neue Vitrinen. 23 Die Gliederung des Museums Werner Platzer teilt dieses in fünf Abschnitte ein. Menschliche Skelette, Schädel, Feucht- und Trockenpräparate sowie Modelle aus Holz, Kunststoff, Wachs oder Metall stellen den ersten Teil dar. Die Entwicklungsgeschichte von Mensch und mehreren Tieren bildet den zweiten Bestandteil. Der dritte Abschnitt beinhaltet die Objekte der vergleichenden Anatomie mit vielen Wirbeltierpräparaten. Zusätzlich werden auch die Ölbilder und Aquarelle von Franz Batke zum dritten Teil gezählt. Die vierte Gruppe besteht rein aus anthropologischen Objekten. 19 Platzer, Anatomie, S Huter, Bacchetoni, S Universität Innsbruck, Medizinische Fakultät, S Platzer, Anatomie, S Ebd., S. 8. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 16/20

17 Der letzte Abschnitt enthält historische anatomische Arbeitsgeräte, zum Beispiel Präparierlupen, Mikroskope, Mikrotome und Injektionsgeräte. 24 Aus alten Karteikarten entsteht ein digitales Inventar Neben den teilweise noch originären Inventar- und Eingangsbüchern, die verschlossen noch der Aufarbeitung harren, verfügt das Museum über einen an sich schon historisch interessanten Satz von alten Karteikarten, die in einem Archivschrank aufbewahrt werden. Dieser stand zuvor eher unbeachtet und eingestaubt auf dem Dachboden des Instituts. Die herannahende Pensionierung des momentanen Kustos des Museums, Dr. Karl Mager, hat die Institutsleitung nun auf den Gedanken gebracht, das Museumsinventar zur verbesserten Nutzbarkeit und allgemeinen Zugängigkeit zu digitalisieren. Wie man dem Artikel zum 1. Quartal 2012 von Dr. Sylvia Mader entnehmen kann, trägt eine digitale Datenbank nämlich besonders bei großen Sammlungsbeständen nach der anfänglich massiven Mehrarbeit zu einer immensen Arbeitserleichterung nach Fertigstellung bei. 25 Dieses Vorgehen stellt einen angebrachten Schritt zum aktuellen Zeitpunkt dar, verliert man doch mit der Person Dr. Mager einerseits sowohl das ansehnliche Wissen und den großen Überblick über den Sammlungsbestand im Ganzen als auch im engeren Sinn seine fachliche Kompetenz bezüglich der einzelnen Museumsobjekte. So kann man bei schwer zu identifizierenden Präparaten oder solchen ohne Karteikarte jetzt noch beim amtierenden Kustos Auskunft erhalten, was gerade bei den üblichen Anfangsschwierigkeiten höchst willkommen ist. Mit der Zeit werden die entsprechenden Mittel und Wege zur eindeutigen Identifizierung damit auch den Projektmitarbeitern für die Erfassung weitergegeben. Unter fachlicher Hilfestellung und in Zusammenarbeit mit der Museumsservicestelle Tirol wurde nun das weitere Vorgehen zur Digitalisierung festgelegt, um die Richtlinien der bestehenden Museumsinventar- Datenbank-Tirol einzuhalten. Zunächst musste natürlich eine den vorliegenden spezifischen Gegebenheiten angepasste Datenbank geformt werden, dafür wurde das Datenbankverwaltungssystem FileMaker Pro verwendet. Wichtig dabei war von Anfang an, dass man diese im Laufe der Arbeiten den Ansprüchen der zu erfassenden Objekte gemäß stetig adaptieren kann. Am Anfang stand die noch nicht auf eindeutige Weise stattgefundene Bezeichnung der Standorte. Dabei wurde ein recht einfaches und leicht nachvollziehbares System angewandt, das Museum wurde kurzerhand in zwei fiktive Räume geteilt. Dabei erstreckt sich der südliche Raum 1 von der Eingangstüre bis zu Säulen, zwischen denen drei Stufen zum nördlichen Raum 2 führen, der damit auf einem höheren Niveau liegt. Des Weiteren wurden beide Teile nochmals in Ost und West unterteilt. Bezüglich der Vitrinen unterscheidet man freistehende und an der Wand befestigte. Innerhalb der Vitrinen befinden sich einzelne Tablare. Die Vitrinen und die Regalbretter werden durchnummeriert, wenn möglich, von oben und links beginnend und in Richtung unten und rechts fortführend. Nachdem durch das entsprechende Beschriften der jeweiligen Vitrinen eine Standortangabe möglich wurde, macht man sich zunächst an die Identifizierung der einzelnen Objekte der Lagerungsflächen. Dies lässt sich am einfachsten mit Block und Bleistift an der Vitrine selbst erledigen. Jedes Präparat ist zum Teil an der Halterung, zum Teil am Objekt selbst mit einer bereits vergebenen, sprich alten Inventarnummer versehen, welche man sich notiert. Bei diesem Arbeitsschritt ist es noch nicht notwendig, die einzelnen Objekte aus den Vitrinen herauszuheben, was bei manchen aufgrund der Größe ohnehin kaum möglich ist und sich bei anderen wegen ihrer scheinbaren oder tatsächlichen Gebrechlichkeit von vornherein ausschließen lässt. 24 Platzer, Anatomie, S Mader, Sylvia, Inventarisierung Zur Bestandsaufnahme in Museen, S. 1. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 17/20

18 Nachdem man nun Vitrine um Vitrine durchgegangen ist und sich die einzelnen Nummern notiert hat, beginnt die eigentliche Digitalisierung am Computer. Neben diesem steht angenehmerweise der alte Karteikartenkasten als zuverlässige Basis für die Übertragung der Daten und als Nachweis der Anwesenheit des Objekts. Die Objektdetails der Karteikarte beinhalten folgende fachspezifischen Kategorien: Zuallererst wird der Gegenstand, d.h. das Exponat selbst, bezeichnet. Da es sich beim Anatomischen Museum um ein medizinisches Fachmuseum handelt, geschieht dies laut der Terminologia Anatomica. Bei der Sprache handelt es sich demgemäß um Latein. Die deutsche Übersetzung für den Nichtmediziner findet sich allerdings gleich in der folgenden Rubrik, der Beschreibung, an erster Stelle. Dabei wird auch der Erhaltungszustand angegeben und eventuell Fehlendes am Präparat aufgezählt, um die Möglichkeit der Erstellung einer Dringlichkeitsliste für konservatorische Belange nicht auszulassen. Mit möglichst genauer Formulierung wird das Objekt charakterisiert, damit man es im Notfall auch ohne Foto identifizieren kann. Auch die augenfällige Art der Objektpräsentation, zum Beispiel ob im Glasbehältnis oder freistehend aufbewahrt oder die Besonderheit der Montage eines Trockenpräparats auf einer Basis, findet hier ihren Platz. Der Hersteller oder Autor wird in die nächste Sparte eingetragen, überwiegend handelt es sich bei dieser Sammlung um die Arbeiten von Ferdinand Hochstetter, Felix Sieglbauer, Franz Zima und Gustav Sauser. Ebenfalls aufgenommen in das neue System in einer separaten Kategorie werden die alten Inventarnummern. Wie bereits erwähnt, finden sich diese auf den einzelnen Objekten notiert. Dies hat den Vorteil, dass man damit gegeben falls in alten Aufzeichnungen nachschauen bzw. den Sammlungsbestand damals und heute nachvollziehen kann. Das Entstehungsjahr und das entsprechende Alter sind ebenfalls von Interesse, gilt es, die Ausstattung und den Zuwachs der anatomischen Sammlung unter den verschiedenen Vorständen des Lehrstuhls zu zuordnen. Die Sektion für Klinisch-Funktionelle Anatomie stellt sowohl den Erzeugungsort als auch den Eigentümer dar, eine obligate Grundeigenschaft einer jeden Sammlung. Bei Kategorie/Material gibt es dafür wieder mehr auszuwählende Möglichkeiten: Trocken-, Feuchtpräparat, Knochen, Modelle aus Wachs, Kunststoff, Holz, Metall und Gips. 26 Es gibt auch die zusätzliche Möglichkeit noch weitere Materialien und Werkstoffe hinzuzufügen, sollten die vorgegebenen dem Objektmaterial nicht entsprechen, das heißt diese wichtige Kategorie ist laufend erweiterbar. Die obligatorische Standortangabe, durch welche das Auffinden erleichtert und beschleunigt wird, stellt die nächste wichtige Rubrik dar. Eines der noch fernen Endziele der Digitalisierung der anatomischen Sammlung und der Modernisierung des Museums wäre die Möglichkeit, auch als externer Interessierter via Internet mit einem zugesprochenen Passwort in der Datenbank nach bestimmten Objekten suchen zu können. Dafür ist eine erweiterbare Indexierung, d.h. dementsprechende Schlüsselwörtervergabe für den Suchmodus, angelegt worden, welche man auf Deutsch und Latein in der nächsten Sparte einfügt. Bei den Hinweisen kann man spezielle Probleme des Präparates vermerken, zum Beispiel ob die jeweilige Karteikarte überhaupt fehlt, doppelt vorliegt, falsch oder unzureichend ist. Auch eventuell vorhandene Vermerke auf den Karteikarten finden hier ihren Platz. Die Fotonummer deckt sich mit der neuen Inventarnummer und ist vierstellig (beginnend bei 0001 ff.), Detailaufnahmen zum jeweiligen Objekt werden von einem Unterstrich und einer weiteren fortlaufenden Nummer angekündigt. Wenn zum Beispiel vier Fotos für Objekt 0345 benötigt werden, um möglichst viele Blickwinkel mit einzubeziehen, wären das die Bildnummern 0345_1 bis 0345_4. Die Abmessungen des jeweiligen Präparates werden einerseits zum besseren und einfacheren Erkennen in die Objektdetails mit aufgenommen, andrerseits lässt man sich die Möglichkeit einer eventuellen Entlehnung, zum Beispiel für eine Sonderausstellung, und der damit verbundenen notwendigen Vitrinengröße offen. 26 Trockenpräparat: menschlichem oder tierischem Gewebe wird mittels physikalischen und chemischen Methoden möglichst viel Flüssigkeit entzogen, wodurch es haltbar gemacht wird. Feuchtpräparat: Gewebe wird in Formalin (Lösung mit unter 10% Formaldehyd) eingelegt und dadurch dauerhaft haltbar. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 18/20

19 Viele dieser Punkte sind in der Regel mit der zum Objekt gehörenden Karteikarte beantwortbar, manche Dinge, wie zum Beispiel die Beschreibung, sollten allerdings im neuen System etwas ausführlicher ausfallen. Auch die Schlüsselwörter mussten komplett neu definiert werden. Dieser ausführlichen Beschreibung mittels Karteikarte folgt als nächster Schritt das Fotografieren der einzelnen Objekte. Wieder empfiehlt es sich, von Vitrine zu Vitrine vorzugehen, um nichts auszulassen. Dabei hängt es von der Art bzw. vom Erhaltungszustand des Präparates ab, ob es einfach und ohne Schäden anzurichten aus den Vitrinen herausgenommen werden kann, wie zum Beispiel bei den Schädeln, oder aufgrund der Zerbrechlichkeit gezwungenermaßen in den Vitrinen stehen gelassen werden muss. Je nach Beschaffenheit und damit verbundener Anforderung ist die ansprechende Einzelaufnahme des Sammlungsgegenstandes vor einem neutralen Hintergrund möglich oder eben nur eine Gesamtaufnahme, die den Anforderungen an eine Dokumentation und dem Objekt selbst leider nicht gerecht wird. Auf die Mitführung der neuen fortlaufenden Inventarnummer, einem Grundsatz in der Museumsarbeit, musste auf Wunsch des Instituts leider verzichtet werden, die Projektmitarbeiter versuchen jedoch, die Exponate mit der alten Inventarnummer gut sichtbar bildhaft darzustellen. Probleme bei der Digitalisierung Die eben beschriebenen Arbeitsschritte vom Notieren der alten Inventarnummer, über das Eintragen der Objektdetails zum Fotografieren der einzelnen Präparate spiegeln natürlich nur den perfekten Ablauf wider. Leider tauchen während der Inventarisierung immer wieder kleinere Probleme auf, von denen hier zumindest zwei kurz angesprochen werden sollen. Eine Schwierigkeit ergibt sich durch Objekte, welche zwar eine alte Inventarnummer aufweisen, bei denen jedoch die entsprechende Karteikarte nicht auffindbar ist. Dieser Umstand verlangt sowohl einerseits die entsprechende Fachausbildung und das anatomische Wissen der Projektmitarbeiter und andererseits sind abschließende Recherchen in den originären Inventar- und Eingangsbüchern unumgänglich, um eine mögliche Zuordnung der Museumsexponate sicherstellen oder ablehnen zu können. Dieser Arbeitsschritt wird allerdings erst am Ende der digitalen Inventarisierung passieren, sprich nach Aufnahme aller Objekte mit Karteikarte in die Datenbank. Zusätzlich ergibt sich durch die Fachrichtung des Museums ein weiteres Erschwernis in der entsprechenden Fachsprache, diese ist, wie bereits erwähnt, Latein. Da die Datenbank aber nicht nur für Mediziner und ähnliche Berufe gedacht ist, gehört die Übersetzung zum unbedingten Bestandteil der Objektdetails Nicht alle lateinischen Bezeichnungen der Terminologia Anatomica lassen sich allerdings ohne Recherche in den entsprechenden deutschen Begriff übersetzen. Manchmal existiert für bestimmte lateinische Termini auch gar kein vorgegebenes deutsches Äquivalent, in diesen Fällen wird sich wohl die wörtliche Übersetzung als Methode der Wahl erweisen. Zum Schluss Aufgrund der Vielzahl an Objekten wird dieses Inventarisierungsprojekt noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Momentan sind wegen der beschränkten räumlichen Möglichkeiten zwei Mitarbeiter mit der Erfassung und Digitalisierung betraut. Motivation und Förderung der beiden von Projektanfang an involvierten Mitarbeiter ist von der Museumsservicestelle gewünscht, um die einheitliche "Handschrift" der Dokumentation zu gewährleisten. Auf die Fertigstellung der Aufnahme aller im Anatomischen Museum ausgestellten Objekte folgen die im Haus in Schränken deponierten und die in den Gängen des Instituts ausgestellten Präparate. Den Abschluss dieses Projekts bildet die Erfassung der so genannte "Antiqua-Sammlung" des Instituts, eine nicht geringfügige Anzahl nicht zugängiger, historischer, antiker Lehrbücher, die man an ein öffentlich zugängiges Bibliotheksprogramm anzuhängen gedenkt (dzt. Wissenstand). Wie schnell oder inwieweit diese Datenbank dann über das Internet der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, darüber kann an dieser Stelle nur gemutmaßt werden. Auf jeden Fall macht die Anatomie mit der Digitalisierung ihres Museumsinventars einen Schritt in eine moderne Zukunft. Eine wünschenswerte Folge auf die momentane Beschäftigung mit dem Museum wäre ein größeres Interesse der Öffentlichkeit. Denn trotz ungemein, nicht nur für die Fachrichtungen Medizin und andere anerkannte Heilberufe, interessanter Exponate wird das Museum kaum von Besuchern (oder Studenten der Medizin) aufgesucht. Archiv_Wissenswertes_2012.doc 19/20

20 Eine Begründung mag man einerseits in den kurzen Öffnungszeiten sehen, das Hauptproblem dürfte allerdings am geringen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung selbst liegen. Eine forcierte Öffentlichkeitsarbeit und neue Ideen zur besseren Vermarktung könnten dem vielleicht abhelfen. Mit bestem Dank der Division für klinisch funktionelle Anatomie für die Fotogenehmigung. Land Tirol, Christian Lechner, Text und Abbildungen (2012) Abbildungen: 1 - Blick ins Anatomische Museum von der Eingangstüre aus 2 - Der "Burgriese" Nikolaus Haidl 3 - Department für Anatomie, Histologie und Embryologie 4 - Hochstetter-Trockenpräparat 5 - Bemalter Schädel aus Kappl im Paznauntal, bez.: Der tugendsame Franz Kleinheinz von Ulmig [gemeint ist der Weiler Ulmich, Gemeinde Kappl] Archivschrank 7 - Beispiel einer alten Karteikarte 8 - Am Notieren der alten Inventarnummern 9 - Ausgefüllte digitale Karteikarte 10 - Metallausgussmodell der Bronchien eines Erwachsenen Bibliographie und weiterführende Literatur: Fuger, Walter (Hg.), Kreilinger, Kilian (Hg.), Sammlungsdokumentation. Geschichte Wege Beispiele, in: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hg.), MuseumsBausteine, Band 6, München Berlin Huber, Heinz, Geschichte der Medizinischen Fakultät Innsbruck, Wien Huter, Franz, Hieronymus Leopold Bacchetoni, Innsbruck Huter, Franz, Hundert Jahre Medizinische Fakultät Innsbruck , I. und II. Band, Innsbruck Platzer, Werner, Anatomie Innsbruck , Innsbruck Universität Innsbruck (Hg.), Die Medizinische Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, in: Veröffentlichungen der Universität Innsbruck (Hg.), 190, Innsbruck Weblinks: Die Geschichte des Institutes für Anatomie: https://www.i-med.ac.at/ahe/institut/historyde.html#h2gaber Das Anatomische Museum in Innsbruck: https://www.i-med.ac.at/ahe/institut/museum-de.html Das Anatomische Museum Innsbruck: Mader, Sylvia, Inventarisierung Zur Bestandsaufnahme in Museen: Archiv_Wissenswertes_2012.doc 20/20

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