Supplier Collaboration mit SAP SNC

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1 Mohamed Hamady, Anita Leitz Supplier Collaboration mit SAP SNC Bonn Boston

2 Auf einen Blick 1 Einleitung Adaptive Supply Chain Network Lieferanten-Collaboration in einem Beispielunternehmen Geschäftsprozesse in SAP SNC SAP SNC Architektur Integration von SAP SNC mit anderen SAP-Lösungen Datenreorganisation A Glossar B Beratungsservices-Portfolio der SAP-Beratung C Die Autoren

3 Inhalt Vorwort Einleitung An wen richtet sich dieses Buch? Wie ist dieses Buch aufgebaut? Adaptive Supply Chain Network Anforderungen Collaboration als Schlüsselfunktion Lieferanten-Collaboration Lieferanten-Collaboration in einem Beispielunternehmen Analyse der Beschaffungsprozesse eines Beispielunternehmens Analyse des Geschäftsbereichs I Analyse des Geschäftsbereichs II Analyse des Geschäftsbereichs III Analyse des Geschäftsbereichs IV Abbildung der analysierten Geschäftsprozesse mit SAP SNC Geschäftsprozessanalyse des Geschäftsbereichs I Geschäftsprozessanalyse des Geschäftsbereichs II Geschäftsprozessanalyse des Geschäftsbereichs III Geschäftsprozessanalyse des Geschäftsbereichs IV Geplante Systemlandschaft Weiteres Vorgehen

4 Inhalt 4 Geschäftsprozesse in SAP SNC Generische Stammdaten Supplier Managed Inventory (SMI) Prozessüberblick SMI-spezifische Stammdaten Ermittlung und Übertragung der Bruttobedarfe und Bestandsinformation Nachschubplanung Variante Lieferaviserstellung zu Nachschubvariante Wareneingang Nachschubplanung Variante Erstellung verbindlicher Zugänge zu Nachschubvariante Lieferaviserstellung zu Nachschubvariante Wareneingang Monitoring der Nachschubplanung mit Supplier Managed Inventory (SMI) Berechnung des projizierten Bestandes im SAP SNC-System Pflege von Nachschubserviceprofilen Zuordnung der Einstellungen für die Nachschubplanung Automatische Planung Herunterladen der SMI-Daten Lieferabrufabwicklung Prozessüberblick Lieferabrufabwicklungsspezifische Stammdaten Lieferabruf erstellen und übermitteln Lieferabruf bestätigen oder ablehnen Mengen/Termine bestätigen Lieferavis erstellen und veröffentlichen Wareneingang und Lieferempfangsbestätigung Monitoring der Lieferabrufabwicklung Bestellabwicklung Prozessüberblick

5 Inhalt Bestellabwicklungsspezifische Stammdaten Bestellung anlegen und übermitteln Bestellung ablehnen Bestellbestätigung Genehmigung der Bestellbestätigung Lieferavis erstellen und veröffentlichen Wareneingang und Lieferempfangsbestätigung Monitoring der Bestellabwicklung Lohnbearbeitung Prozessüberblick Lohnbearbeitungsspezifische Stammdaten Lohnbearbeitungsbestellung anlegen und übermitteln Lohnbearbeitungsbestellung ablehnen Bestellbestätigung Genehmigung der Bestellbestätigung Monitoring der LB-Bestellabwicklung Supply Network Inventory Prozessüberblick SNI-spezifische Stammdaten Integration der Kundendaten Integration der Lieferanten- und Partnerdaten Überprüfung der Kennzahlen und Bestände Monitoring und Abstimmung Arbeitsauftragskooperation Prozessüberblick Arbeitsauftragsspezifische Stammdaten Bestellung anlegen und übermitteln Arbeitsauftrag erzeugen und veröffentlichen Arbeitsauftrag bestätigen Arbeitsauftragsbestätigung genehmigen Arbeitsauftrag mit Istdaten aktualisieren Lieferavis und Wareneingang Monitoring und Abstimmung

6 Inhalt 4.8 Kanban Prozessüberblick Kanbanspezifische Stammdaten Übermittlung einer Kanban-Anforderung Lieferaviserstellung Wareneingang buchen Monitoring des Kanban-Prozesses Anliefersteuerungsmonitor Prozessüberblick ASM-relevante Stammdaten Ermittlung und Übertragung der Bestandsinformation Lieferaviserstellung Wareneingang buchen Monitoring der Nachschubplanung mit Anliefersteuerungsmonitor Dynamische Wiederbeschaffung Prozessüberblick Stammdaten der dynamischen Wiederbeschaffung Kundenbedarfe übertragen Lieferantenzugänge pflegen Abweichungen berechnen und überprüfen Monitoring und Abstimmung Lieferavisabwicklung Lieferavisbearbeitung Lieferavisaktualisierung aus dem Wareneingang Rechnungskooperation Prozessüberblick Rechnungsspezifische Stammdaten Rechnung anlegen und veröffentlichen Rechnungsprüfung Optional: Rechnungsbestätigung veröffentlichen Rechnungsbearbeitung und Zahlungslauf Nachträgliche Belastung oder Entlastung anlegen und veröffentlichen

7 Inhalt Gutschrift anlegen und veröffentlichen Neubewertung anlegen und veröffentlichen Monitoring der Rechnungskooperation SAP SNC Architektur Aufsetzen eines SAP SNC-Systems Systemlandschaft Basisdienste Stammdatenintegration Validierung der Geschäftsdaten Management von Ausnahmen Enterprise SOA-Konzepte Von SOA zu Enterprise SOA Enterprise SOA in der Lieferanten-Collaboration Integration von SAP SNC mit anderen SAP-Lösungen Einordnung von SAP SNC in die verschiedenen Geschäftsprozesse der Lieferanten-Collaboration Collaboration Folders SAP NetWeaver Business Intelligence SAP Event Management SAP NetWeaver Portal SAP Advanced Planning & Optimization SAP Supplier Relationship Management Datenreorganisation Vorgehensweise Reorganisation der Bewegungsdaten Reorganisation der Stammdaten Archivierung von Bewegungsdaten

8 Inhalt Anhang A Glossar B Beratungsservices-Portfolio der SAP-Beratung B.1 Einführung einer SAP SNC-Lösung B.2 SNC02 Strategische Roadmap-Entwicklung für die Lieferanten-Collaboration B.3 SNC00 Rapid SAP SNC Footprinting B.4 SNC01 Einführung in die Lieferanten- Collaboration mit SAP SNC B.5 SNC04 Ramp-Up Application Hosting B.6 SNC05 Lieferanten-Backend-Integration im SAP SNC-SMI-Prozess B.7 SNC06 SAP SNC mit SAP NetWeaver Portal B.8 SNC07 Expert-Lösungen in SAP SNC C Die Autoren Index

9 Worum geht es in diesem Buch? Für wen ist es geschrieben? Wie ist das Buch aufgebaut, und wie können Sie es am besten lesen und verstehen? Diese Fragen klären wir in der Einleitung. 1 Einleitung Collaboration ist die Zusammenarbeit mehrerer Einzelpersonen oder einer Gruppe von Personen. Verschiedene Parteien z.b. Lieferanten und Kunden arbeiten gemeinschaftlich daran, komplexe Probleme zu lösen, um einen Mehrwert für den Kunden zu schaffen. Voraussetzung dafür sind effiziente unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse. Die Entscheidung für eine Lieferanten-Collaboration verbessert die Leistungsfähigkeit und Profitabilität von Unternehmen. Durch die Zusammenarbeit entstehen strategische Partnerschaften, die das Ziel haben, sich durch die gemeinsame Nutzung von Informationen und bessere Verzahnung der Geschäftsprozesse wechselseitig Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die Basis für eine erfolgreiche Collaboration ist das gegenseitige Vertrauen der beteiligten Partner und die Bereitschaft, Informationen zu teilen. Um den Erfolg der Zusammenarbeit zu überprüfen ist es jedoch auch wichtig, Service Level Agreements (SLA) und Werkzeuge für die Leistungsbeurteilung einzuführen. Branchenunabhängig wird die Lieferanten-Collaboration auf folgenden Ebenen durchgeführt: Collaboration Grundlagen und Ziele Ebenen der Collaboration Strategische Ebene Hier werden zwischen den Partnern gemeinsame Entscheidungen bei strategischen Themen getroffen. Beispiele sind bindende Vereinbarungen von Produktionskapazitäten, gemeinsames Produktdesign und langfristige Preisvereinbarungen. Taktische Ebene Auf dieser Ebene werden z.b. Vorschaudaten, Produktions- und Transportpläne miteinander geteilt. Die taktische Ebene betrifft 15

10 1 Einleitung auch Kapazitäten im mittelfristigen Zeitraum, Stücklisten und Lagerbestände, Materialverfügbarkeit oder Kontraktvereinbarungen. Operative Ebene Für einen kurzfristigen Zeitraum werden z.b. Bestellungen, Produktionsaufträge, Rechnungen oder Gutschriften ausgetauscht. SAP Supply Network Collaboration SAP Supply Network Collaboration (SNC) ist eine webbasierte Komponente innerhalb von SAP Supply Chain Management (SCM) und unterstützt viele Geschäftsprozesse in der Lieferanten- und Kunden- Collaboration. Der globalen Vision von adaptiven Supply-Chain- Netzwerken wird innerhalb der Lieferanten-Collaboration, vor allem in den Bereichen der Beschaffungsplanung, Beschaffungsabwicklung und Fakturierung, Rechnung getragen. Somit findet die Collaboration sowohl auf der taktischen als auch auf der operativen Ebene statt. In diesem Buch werden Ihnen die Geschäftsprozesse und die technische Architektur von SAP SNC (Release 5.1) umfassen erklärt. Anhand eines fiktiven Beispielunternehmens werden Sie Beschaffungsprozesse, in denen eine Lieferanten-Collaboration sinnvoll ist, kennenlernen. 1.1 An wen richtet sich dieses Buch? Zielgruppen Das Buch ist an Projektleiter und Teammitarbeiter gerichtet, die sich mit der Optimierung und Umsetzung von Lieferanten-Collaboration- Prozessen mit SAP SNC befassen. Sie lernen, warum Collaboration nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig ist und für welche Beschaffungsprozesse eine Lieferanten-Collaboration in Frage kommt. Wir zeigen Ihnen anhand eines fiktiven Unternehmens beispielhaft, welche Beschaffungsprozesse mit welchen Geschäftsszenarien in SAP SNC abzubilden sind. Des Weiteren erfahren Sie etwas über die Systemarchitektur, die Sie beim Aufbau eines SAP SNC-Systems beachten sollten. Voraussetzung für das Verständnis sind grundlegende betriebswirtschaftliche Kenntnisse in Logistik und Beschaffung, sowie Grundkenntnisse in SAP ERP in den Bereichen Materialwirtschaft und Produktionsplanung. 16

11 Wie ist dieses Buch aufgebaut? Wie ist dieses Buch aufgebaut? Das Buch gliedert sich in neun Kapitel: Inhalt des Buches Kapitel 2,»Adaptive Supply Chain Network«, informiert zunächst über die Schwierigkeiten, denen sich ein global agierendes Unternehmen in einer immer stärker vernetzten Geschäftswelt stellen muss. Das Kapitel beschreibt, warum Collaboration essentiell ist und wie Maßnahmen zur Verbesserung der Leistungs- und Reaktionsfähigkeit in der Supply Chain aussehen. Es zeigt die besondere Bedeutung der Collaboration mit den Geschäftspartnern und geht auf die Lieferanten-Collaboration mit SAP SNC ein. Kapitel 3,»Lieferanten-Collaboration in einem Beispielunternehmen«, analysiert die Beschaffungsprozesse eines Unternehmens und bildet diese Geschäftsprozesse mit der SAP SNC-Lösung ab. Kapitel 4,»Geschäftsprozesse in SAP SNC 5.1«, beschreibt die in SAP SNC 5.1 vorhandenen Geschäftsprozesse der Lieferanten-Collaboration. Die einzelnen Prozessabläufe und -schritte werden genau erklärt. Sie erhalten einen Überblick über die generischen und die szenarioabhängigen Stammdaten. Kapitel 5,»SAP SNC Architektur«, beschreibt die Architekturaspekte, die Sie bei Aufbau und Integration eines SAP SNC-Systems berücksichtigen sollten. Wir bieten Ihnen einen Überblick über die Basisdienste und Services an, die eine auf SAP SNC basierende Lieferanten-Collaboration ermöglichen. Kapitel 6,»Integration von SAP SNC mit anderen SAP-Lösungen«, beschäftigt sich mit der optionalen Integration von SAP SNC mit anderen Produkten von SAP. Anhand von Beispielen wird Ihnen gezeigt, welche SAP-Systeme für eine allumfassende Lieferanten-Collaboration sinnvoll sind. Kapitel 7,»Datenreorganisation«, befasst sich mit den Tools zur Reorganisation von Bewegungs- und Stammdaten. Im ersten Teil des Anhangs finden Sie ein Glossar, das Ihnen wichtige Begriffe erläutert.»beratungsservices Portfolio der SAP-Beratung«, richtet sich vor allem an die Kunden, die ein Projekt im Bereich der Lieferanten-Collaboration mit SAP SNC starten wollen. Die SAP-Beratung bietet dazu einige Best-Practice-Beratungsservices an. 17

12 Dieses Kapitel beschreibt die in SAP SNC 5.1 unterstützten Geschäftsprozesse der Lieferanten-Collaboration. Die einzelnen Prozessabläufe und -schritte werden detailliert erklärt. Außerdem erhalten Sie einen Überblick über die generischen und szenarioabhängigen Stammdaten. 4 Geschäftsprozesse in SAP SNC 5.1 Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den in SAP SNC 5.1 unterstützten Geschäftsprozessen der Lieferanten-Collaboration. Der erste Abschnitt befasst sich dabei mit den generischen Stammdaten. Danach werden die verschiedenen Geschäftsprozesse, die in SAP SNC 5.1 vorhanden sind, in je einem eigenen Abschnitt detailliert dargestellt. Neben den auftragsbasierten Prozessen, wie Lieferabrufabwicklung, Bestellabwicklung, Lohnbearbeitung, Arbeitsauftragskooperation, Anliefersteuerungsmonitor und Kanban-Abwicklung, werden auch die bedarfsbasierten Prozesse, wie Supplier Managed Inventory und Dynamic Replenishment, sowie die geschäftsprozessunabhängigen Funktionen, Lieferavise, Wareneingang und Rechnungsabwicklung, vorgestellt. Pro Geschäftsprozess erhalten Sie einen Überblick über den Prozessablauf, die geschäftsprozessabhängigen Stammdaten sowie eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Prozessschritte, eventueller Neuerungen zu SAP SNC 5.1 und des notwendigen Customizings. 4.1 Generische Stammdaten Die in SAP SNC benötigten Stammdaten werden in generische Stammdaten, die in allen Geschäftsszenarien genutzt werden, und in geschäftsprozessabhängige Stammdaten unterschieden. Generische Stammdaten Die generischen Stammdaten in SAP SNC bestehen aus: Lokation Eine Lokation bezeichnet sowohl eine Auslieferlokation des Lieferanten als auch ein Produktionswerk des Kunden. Eine Unterscheidung erfolgt durch den Lokationstyp. 55

13 4 Geschäftsprozesse in SAP SNC 5.1 Produkt Für die Geschäftsprozesse in SAP SNC sind lokationsabhängige Produkte erforderlich. Geschäftspartner Grundsätzlich wird zwischen Geschäftspartnern vom Typ Organisation und Person unterschieden. Geschäftspartner vom Typ Organisation repräsentieren ein Unternehmen. Diesem können mehrere Lokationen zugeordnet werden, aber eine Lokation nur einem Geschäftspartner vom Typ Organisation. Ein Geschäftspartner vom Typ Person entspricht einer realen Person, die im SAP SNC-Webbrowser arbeitet und somit einen Benutzerzugang besitzt. Durch die Zuordnung eines Geschäftspartners vom Typ Person zu einem Geschäftspartner vom Typ Organisation wird letztendlich eine Verbindung zwischen der Lokation und dem einzelnen Benutzer hergestellt. Einem Geschäftspartner vom Typ Organisation können mehrere Benutzer zugewiesen werden, aber ein Benutzer nur einem Geschäftspartner vom Typ Organisation. Fremdbeschaffungs- und Transportbeziehung Die Lieferbeziehung zur Beschaffung eines Produktes zwischen einer Auslieferlokation und einer Kundenlokation wird durch die Fremdbeschaffungs- und Transportbeziehung abgebildet. Abbildung 4.1 zeigt das grundlegende Stammdatenmodell in SAP SNC. Geschäftspartner Organisation (Lieferant) Geschäftspartner Organisation (Kunde) Geschäftspartner Person (Benutzer) Geschäftspartner Person (Benutzer) Produkt Lieferantenlokation Kundenlokation Fremdbeschaffungs- und Transportbeziehung Abbildung 4.1 Grundlegendes Stammdatenmodell in SAP SNC Modell, Planversion Die generischen Stammdatenobjekte, wie Produkt, Lokation, Fremdbeschaffungs- und Transportbeziehung, müssen in SAP SNC dem 56

14 Supplier Managed Inventory (SMI) 4.2 aktiven Modell 000 und der aktiven Planversion 000 zugeordnet sein. Die geschäftsprozessabhängigen Stammdaten werden in den einzelnen Abschnitten zu den Geschäftsprozessen beschrieben. 4.2 Supplier Managed Inventory (SMI) In diesem Abschnitt erhalten Sie zunächst einen Überblick über den Geschäftsprozess Supplier Managed Inventory mit SAP SNC 5.1 (siehe Abbildung 4.2). Anschließend werden die einzelnen Prozessschritte und Einstellungen in SAP SNC näher betrachtet. Monitoring und Abstimmung Übermittlung Bruttobedarfe und Bestandsinfo Nachschubplanung Wareneingang und LEB Optional: Erstellung Nachschubauftrag Lieferaviserstellung Rechnungsabwicklung Abbildung 4.2 Prozessablauf der Nachschubplanung mit SMI Prozessüberblick Falls ein Kunde die Nachschubplanung an seinen Lieferanten auslagert, ermittelt dieser die Menge, die in jeder Periode des Planungszeitraums geliefert werden muss, um die Bedarfe des Kunden rechtzeitig zu decken. Die Planung wird auf der Basis der Daten (Bruttobedarfe, Bestände) durchgeführt, die der Kunde aus seinem SAP ERP-System an SAP SNC sendet. Nachschubplanung mit SMI Ein Ergebnis der Planung sind die berechneten Zugänge. Diese Kennzahl gibt für jede Periode Auskunft über die Menge, die der Lieferant an den Kunden liefern will. Der Lieferant muss die geplanten Zugänge so festlegen, dass der projizierte Bestand immer zwischen dem Mindest- und Höchstbestand liegt. Der projizierte Bestand repräsentiert die Produktmenge, die am Ende jeder Periode dem Kunden zur Verfügung steht. Bei der Berechnung des projizierten Bestandes werden der aktuelle Lagerbestand sowie die Bedarfe und Zugänge berücksichtigt. Welche Bedarfe und Zugänge im Einzelnen bei der Kalkulation des projizierten Bestandes berücksichtigt werden sollen, ist im Customizing einstellbar. Die vom Lieferanten gepflegten Zugänge sind unverbindlich und nur in SAP SNC sichtbar. Im 57

15 4 Geschäftsprozesse in SAP SNC 5.1 Anschluss an die Planung kann der Lieferant wahlweise folgende Dokumente erzeugen, die an das Backend-System des Kunden geschickt werden: Nachschubauftrag Bei der Veröffentlichung eines Nachschubauftrages werden im Kunden-Backend-System eine Bestellung und optional im Lieferanten- Backend-System ein Kundenauftrag angelegt. Der Nachschubauftrag repräsentiert einen verbindlichen Zugang beim Kunden. Lieferavis Abhängig davon, ob ein Nachschubauftrag verwendet wird, legt der Lieferant ein Lieferavis wahlweise zum Nachschubauftrag oder direkt zum geplanten Zugang an. Mit dem physischen Empfang der Ware und deren Einlagerung beim Kunden erfolgt die Wareneingangsbuchung. Durch eine Lieferempfangsbestätigung wird dem Lieferanten die tatsächlich beim Kunden vereinnahmte Menge zurückgemeldet. Darüber hinaus können Gründe für eventuell aufgetretene Mengendifferenzen und das Rückmeldedatum mitgeteilt werden. Die Rechnungskooperation erfolgt entweder mit Bezug zum Nachschubauftrag oder zum Lieferavis und kann grundsätzlich auf der Basis eines Rechnungsabwicklungs- oder Gutschriftverfahrens stattfinden (siehe Abschnitt 4.12,»Rechnungskooperation«). Zur Überwachung der Nachschubplanung zwischen Kunde und Lieferant werden die Nachschubmonitore und Alerts zum Aufdecken von Ausnahmesituationen eingesetzt. Die Nachschubplanung führt zur Vereinfachung des Beschaffungsprozesses. Das Material wird nicht mehr durch den Kunden über einen MRP-Lauf, sondern vom Lieferanten innerhalb einer Minimum- und Maximumgrenze geplant. Die Reduzierung der Lagerbestände beim Kunden und beim Lieferanten sind die Folge, da der Lieferant Einblick in die zukünftigen Bedarfe erhält. Der Lieferant hat dadurch auch die Möglichkeit, seine Kapazitäten auszugleichen, da er nun aufgrund der ihm mitgeteilten Bedarfe im Vorfeld besser agieren kann. 58

16 Supplier Managed Inventory (SMI) 4.2 Alternativen der Nachschubplanung In der Nachschubplanung finden Sie zwei unterschiedliche Nachschubvarianten. Bei beiden Varianten pflegt der Lieferant die geplanten Zugänge im System. In der ersten Variante werden die Lieferavise direkt zu den geplanten Zugängen gepflegt. Als Einkaufsbelegart ist ein Lieferplan zugeordnet, auf den auch beim Wareneingang im SAP ERP-System des Kunden referiert wird. Nachschubvarianten Der Vorteil dieser Variante liegt im schlanken Prozess. Der Lieferant hat genau zwei Schritte auszuführen: Pflege der geplanten Zugänge und Anlegen der Lieferavise zu diesen geplanten Zugängen. Eine Sichtbarkeit der Daten im Backend-System des Kunden ist bis zum Anlegen und Veröffentlichen des Lieferavises nicht gegeben. Da die Planungshoheit jedoch in den Händen des Lieferanten liegt und dieser die Verantwortung dafür trägt, dass das Material immer innerhalb der Mindest- und Höchstbestandsgrenze vorhanden ist, sollten weitere Informationen im Backend-System überflüssig sein. In der zweiten Variante pflegt der Lieferant neben den geplanten Zugängen noch Bestellungen, sogenannte Nachschubaufträge, denen er die Lieferavise zuordnet. Diese Nachschubaufträge werden an das Backend-System des Kunden übertragen. Somit wird die Planung des Lieferanten relativ früh sichtbar in diesem Backend-System und dient hauptsächlich der Kontrolle, ob die Waren rechtzeitig eintreffen. Für den Lieferanten bedeutet dies zunächst einmal mehr Pflegeaufwand, ohne einen eigenen Nutzen zu haben; außer man bietet ihm an, dass das System aus diesem Nachschubauftrag einen Vertriebsauftrag generiert, der an das Backend-System des Lieferanten verschickt wird, womit er sich den manuellen Aufwand für die Anlage eines Auftrages in seinem eigenen System erspart. Die Problematik bei dieser Variante liegt darin, dass der Aufwand, die geplanten Zugänge und insbesondere die bereits veröffentlichten Nachschubaufträge den Änderungen anzupassen, bei Bedarfsschwankungen enorm hoch ist. Dies kann zum Beispiel dadurch gemildert werden, dass der Kunde mit dem Lieferanten eine Vereinbarung trifft, die Nachschubaufträge nur innerhalb eines relativ kurzfristigen Zeitraums zu pflegen, da in dieser Zeit nur noch wenige Bedarfsschwankungen erwartet werden. 59

17 4 Geschäftsprozesse in SAP SNC 5.1 Neu in SAP SNC 5.1 sind die beiden unterschiedlichen Monitore, abhängig davon, ob der Lieferant mit Nachschubaufträgen (Min-/Max-Nachschubmonitor) oder nur mit Lieferavisen (SMI- Monitor) arbeitet. Bei der Nutzung von Nachschubaufträgen können diese nun auch bei der Berechnung des projizierten Bestandes als Zugänge berücksichtigt werden. Die Prozessflüsse der Nachschubplanung mit SMI werden in den Abbildungen 4.3 und 4.4 dargestellt. Lieferant Kunde Alert: projizierter Bestand Backend-System Bruttobedarf Bestandsinfo SAP SNC 5.1 Bedarfs- und Bestandsaktualisierung Verfügbarkeitsprüfung Nachschubplanung (min-/maxbasiert) Versenden der Ware Erstellen/Senden Lieferavis Erstellen/Senden Lieferavis Aktualisierung des Einkaufsobjektes Sichtbarkeit des Lieferempfangs Wareneingang Aktualisierung (Lieferavis schließen) Wareneingang XML-Message-Integration Optionale XML-Integration Web UI, Alert- , Herunterladen und Drucken Integration Abbildung 4.3 Nachschubvariante ohne Nachschubauftrag Lieferant Kunde Alert: projezierter Bestand Backend-System - Bruttobedarf - Bestandsinfo SAP SNC 5.1 Bedarfs- und Bestandsaktualisierung Verfügbarkeitsprüfung Erstellen Kundenauftrag Versenden der Ware Erstellen/Senden Lieferavis Nachschubplanung (min/maxbasiert) Erstellen Nachschubauftrag Erstellen/Senden Lieferavis Erstellen Bestellung Aktualisierung des Einkaufsobjekts Sichtbarkeit des Lieferempfangs Wareneingang Aktualisierung (Lieferavis schließen) Wareneingang XML-Message-Integration Optional XML-Integration Web UI, Alert- , Herunterladen und Drucken Integration Abbildung 4.4 Nachschubvariante mit Nachschubauftrag 60

18 Supplier Managed Inventory (SMI) SMI-spezifische Stammdaten Neben den generischen Stammdaten sind für den SMI-Prozess folgende zusätzliche Stammdaten notwendig: Stammdaten für die Nachschubvariante ohne Nachschubauftrag: Einkaufslieferplan für die Nachschubvariante mit Nachschubauftrag: Einkaufskontrakt Ermittlung und Übertragung der Bruttobedarfe und Bestandsinformation Damit ein Lieferant die Bedarfs- und Bestandsdaten in SAP SNC anschauen kann, müssen diese vom Kunden-Backend-System übertragen werden. Dazu existiert ein Standard-Report RSMIPROACT in SAP ERP, der den IDoc-Typ PROACT01 erzeugt (siehe Abbildung 4.5). Bewegungsdaten Abbildung 4.5 Report zur Übertragung der Bedarfe und Bestände 61

19 4 Geschäftsprozesse in SAP SNC 5.1 Ab SAP ECC 6.0 Enhancement Package 2 kann alternativ auch der Report RSMIPROACT2 verwendet werden, der wahlweise direkt die XML-Nachricht vom Typ ProductActivityNotification anlegt. Grundsätzlich sind für den SMI-Prozess auch mehrere Lieferanten pro Material (Multi-Sourcing) zulässig. Bei der Übertragung beachten Sie bitte Folgendes: Multi-/Single- Sourcing Wird der Report für Single-Sourcing ausgeführt, muss als Voraussetzung ein gültiger Eintrag im Orderbuch vorhanden sein. Beim Multi-Sourcing akzeptiert das System die Quelle im Orderbuch, wenn mehrere Bezugsquellen für das Material und eine Quote für jede Bezugsquelle angelegt sind. Der tägliche Bedarf wird entsprechend den Quoten auf die Lieferanten verteilt. Die Bestände müssen über das Chargenmanagement oder über die Lieferanten- Konsignationsbestände den Lieferanten eindeutig zuordenbar sein. Abbildung 4.6 Bedarfs- und Bestandsliste 62

20 Supplier Managed Inventory (SMI) 4.2 Der Report berücksichtigt die gleichen Bedarfsdaten, wie sie in der Bedarfs-/Bestandsliste (Transaktion MD04) angezeigt werden (siehe Abbildung 4.6) Nachschubplanung Variante 1 Möchten Sie die Nachschubplanung mit einem Mindest- und einem Höchstbestand, aber ohne Nachschubaufträge steuern, verwenden Sie den SMI-Monitor in SAP SNC. Der SMI-Monitor ist über das Menü Nachschub SMI-Monitor SMI-Übersicht zu erreichen (siehe Abbildung 4.7). Abbildung 4.7 SMI-Übersichtsmonitor Neu in SAP SNC 5.1 ist, dass Sie bereits im Übersichtsmonitor die berechneten Zugänge vom System interaktiv planen lassen können. Dazu müssen Sie die Zeilen der zu planenden Lokationsprodukte markieren und über den Button Services die Funktion Gepl. Zugänge vorschl. aufrufen (siehe Abbildung 4.8). Das System erzeugt dadurch geplante Zugänge für die ausgewählten Produkte. Abbildung 4.8 Interaktive Planung im SMI-Übersichtsmonitor 63

21 4 Geschäftsprozesse in SAP SNC 5.1 Nach der Markierung einer oder mehrerer Zeilen kann der Lieferant in den Detailmonitor springen, indem er den Button Details anklickt. Der SMI-Detailmonitor zeigt pro Material/Kundenlokation (Werk) die in Tabelle 4.1 genannten Kennzahlen. Daten Bedarf Durchschnittsbedarf Nettobedarf, roh Geplante Zugänge Unterwegsmenge Projizierter Bestand Reichweite Mindestvorschlag Maximalvorschlag Mindestbestand Höchstbestand Beschreibung der gesamte Bruttobedarf in einer Periode SAP SNC mittelt die tatsächlichen Bruttobedarfe und zeigt diese als errechnete Durchschnittsbedarfe an. Im Standard stehen die folgenden beiden Mittlungsverfahren zur Verfügung: Berechnung des gleitenden Mittelwertes Berechnung des arithmetischen Mittelwertes Die Festlegung der zur Berechnung nötigen Parameter findet im Customizing statt (siehe Abschnitt ). Der ungerundete Nettobedarf des Kunden in einer Periode, den der Lieferant in dieser Periode tatsächlich decken muss. Im Gegensatz zum Bruttobedarf sind bereits die vorhandenen Bestände und Zugänge mit berücksichtigt. die Gesamtmenge, die der Lieferant in einer Periode an den Kunden liefern will die Gesamtmenge einer Periode, die zum Kunden unterwegs ist, für die jedoch noch kein Wareneingang erfolgt ist der Bestand, der am Ende einer Periode voraussichtlich dem Kunden zur Verfügung stehen wird (siehe Abschnitt ) Diese Kennzahl gibt an, wie lange der projizierte Bestand einer Periode ausreicht, um die Bedarfe der darauffolgenden Perioden zu decken. die Menge, die der Lieferant in einer Periode an den Kunden liefern muss, wenn der projizierte Bestand am Ende der Periode den vereinbarten Mindestbestand erreichen soll die Menge, die der Lieferant in einer Periode an den Kunden liefern muss, wenn der projizierte Bestand am Ende der Periode den vereinbarten Höchstbestand erreichen soll die Menge, die beim Kunden mindestens auf Lager sein muss die Menge, die beim Kunden maximal auf Lager sein sollte Tabelle 4.1 Kennzahlen im SMI-Detailmonitor 64

22 Supplier Managed Inventory (SMI) 4.2 Im SMI-Detailmonitor kann der Lieferant die geplanten Zugänge nun manuell pflegen (siehe Abbildung 4.9). Abbildung 4.9 SMI-Detailmonitor mit geplanten Zugängen Möchte der Lieferant die geplanten Zugänge nicht manuell pflegen, hat er auch vom Detailbildschirm aus die Möglichkeit, sich interaktiv vom Planungsservice die geplanten Zugänge vorschlagen zu lassen. Dazu muss er den Button Gepl. Zugänge vorschl. anklicken (siehe Abbildung 4.10). Die Menge der geplanten Zugänge ist einerseits abhängig vom Bruttobedarf und den Beständen beim Kunden, andererseits von der Kalkulation des projizierten Bestandes (siehe Abschnitt ,»Berechnung des projizierten Bestandes im SAP SNC-System«) und der im Customizing gewählten Nachschubmethode (siehe Abschnitte ,»Pflege von Nachschubserviceprofilen«, und ,»Zuordnung der Einstellungen für die Nachschubplanung«). Geplante Zugänge pflegen 65

23 4 Geschäftsprozesse in SAP SNC 5.1 Abbildung 4.10 Serviceaufruf zum interaktiven Planen im SMI-Detailmonitor Lieferaviserstellung zu Nachschubvariante 1 Nachdem die geplanten Zugänge gespeichert wurden, sind die Lieferungen in der Fälligkeitsliste für geplante Zugänge (SMI) sichtbar. Die Fälligkeitsliste kann entweder direkt aus dem SMI-Detailmonitor heraus oder aber über das Menü Lieferung Zugänge und Bedarfe Fälligkeitsliste für geplante Zugänge (SMI) (siehe Abbildung 4.11) angesprungen werden. Abbildung 4.11 Aufruf der Fälligkeitsliste für geplante Zugänge (SMI) In der Fälligkeitsliste für geplante Zugänge (SMI) sind alle geplanten Zugänge, die entweder manuell oder automatisch vom System geplant wurden, sichtbar (siehe Abbildung 4.12). Der Lieferant kann nun eine oder mehrere Zeilen auswählen, für die er ein Lieferavis erzeugen will (siehe Abbildung 4.13). Dazu klickt er auf den Button Lieferavis anlegen. 66

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