PRESSEMITTEILUNG. Hohe Auszeichnung für lebensrettende Blutkrebs-Therapie bei Kindern

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1 PRESSEMITTEILUNG Hohe Auszeichnung für lebensrettende Blutkrebs-Therapie bei Kindern Der Robert Pfleger-Forschungspreis 2014 geht an zwei führende deutsche Mediziner aus Frankfurt und Tübingen für ihre Entwicklung der wirkungsvollen Immuntherapie von Krebserkrankungen sowie der erfolgreichen Stammzell-Transplantation bei Leukämien im Kindesalter Bamberg, 5. Juli Die beiden Krebsforscher und Kinderärzte Professor Dr. med. Rupert Handgretinger und Professor Dr. med. Thomas Klingebiel wurden heute im Rahmen eines Festaktes mit dem Robert Pfleger-Forschungspreis ausgezeichnet, einem der höchst dotierten und angesehenen deutschen Forschungspreise. Die Mediziner erhalten die Auszeichnung für ihre Beiträge zur Immuntherapie pädiatrischer Krebserkrankungen und für die Entwicklung der haploidenten Stammzell-Transplantation bei Leukämien und malignen Lymphomen im Kindesalter. Professor Dr. med. Rupert Handgretinger ist Ärztlicher Direktor der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie/Onkologie an der Kinderklinik der Universität Tübingen und Professor Dr. med. Thomas Klingebiel ist Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Frankfurt. Ende der 90er Jahre hatten beide ihre gemeinsame Forschung in Tübingen begonnen. "Den beiden Preisträgern verdanken wir einen entscheidenden Fortschritt in der Stammzell- Transplantation, nicht nur bei der Behandlung von Leukämie und Lymphomen. Auch Immundefekte können dank deren Forschungsergebnissen korrigiert werden. Im Anschluss an die Transplantation entfällt zudem die lang andauernde immunsuppressive Therapie, die eine Abstoßung der Spender-Zellen verhindert", würdigte Laudator Professor Dr. Michel Eichelbaum, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Doktor Robert Pfleger-Stiftung, die wissenschaftliche Leistung von Professor Handgretinger und Professor Klingebiel.

2 Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml würdigte das Engagement der Robert Pfleger- Stiftung für die bayerische und deutsche Wissenschaftslandschaft: "Der Robert Pfleger- Forschungspreis gehört zu den renommiertesten medizinischen Wissenschaftspreisen in Deutschland. Diese Auszeichnung leistet einen wichtigen Beitrag für die Stärkung des Medizinstandorts Bayern. Die medizinische Grundlagenforschung hilft, Leben zu retten, Leiden zu lindern und Krankheiten vorzubeugen. Damit ist sie ein elementarer Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung." Eltern spenden Stammzellen für ihre Kinder Die medizinische Forschung der beiden Preisträger trägt in erster Linie dazu bei, das Leben zahlreicher, an akuter lymphoplastischer Leukämie erkrankter Kinder zu retten - und das weltweit. Die von Professor Dr. Handgretinger mit aufgebaute Abteilung für Stammzellen- Transplantation am St. Jude Children''s Research Hospital in Memphis ist inzwischen sogar das größte Institut für diese Anwendung in den USA. Dort ist für die afro-amerikanischen und hispanischen Patienten die Chance, einen Spender außerhalb der Familie zu finden, aufgrund der ethnischen Wurzeln sehr gering - ebenso wie in Europa bei der türkisch-stämmigen Bevölkerung und anderen ethnischen Minderheiten, die außerhalb ihrer Heimat leben. Die akute lymphoblastische Leukämie gehört zu den häufigsten bösartigen Krankheiten im Kindesalter. Etwa 4,4 von Kindern erkranken daran. Bei einem Großteil der Patienten lässt sich die Leukämie mit Chemotherapie heilen, für die anderen ist eine Knochenmark- oder Stammzelltransplantation die einzige Chance auf Gesundung. Jedoch können nur für etwa zwei Drittel dieser Kinder ein passender Geschwisteroder Fremdspender gefunden werden, der Stammzellen zur Regeneration des Immunsystems liefert. Für das verbleibende Drittel haben Professor Dr. Rupert Handgretinger und Professor Dr. Thomas Klingebiel eine Alternative gefunden: Die haploidente Stammzell- Transplantation. Sie ermöglicht es, dass auch die Eltern als Spender infrage kommen.

3 "Die Spender sitzen jetzt direkt am Krankenbett und müssen nicht mehr weltweit gesucht werden. Die Eltern kamen bislang nicht in Betracht, weil jedes Kind vom Vater und von der Mutter nur jeweils die Hälfte seiner Gewebsmerkmale bekommt. Das heißt, die Eltern passen je nur zur Hälfte, sind also haploidentisch, oder auch halbidentisch", erläutert Professor Handgretinger. Um zu vermeiden, dass die Spenderzellen mit den nichtidentischen Merkmalen lebensbedrohliche Abstoßungsreaktionen beim Empfänger hervorrufen, hat er gemeinsam mit Professor Klingebiel eine Methode entwickelt, die unverträgliche Zellen aus dem Transplantat entfernt. Das neue Immunsystem eliminiert die Tumorzellen Das Ergebnis der jahrelangen Forschungsarbeit ist beeindruckend: Während zu Beginn der Forschungsarbeiten in den 90er Jahren noch 35 Prozent der erkrankten Kinder verstarben, ist dieser Anteil heute auf sieben Prozent und weniger gesunken. Inzwischen ist die haploidente Transplantation eine weltweit etablierte Plattform, um das Immunsystem des Kindes auszutauschen. "Das alte Immunsystem wird dabei quasi ausradiert und das von einem der beiden Eltern eingesetzt. Das neue gesunde Immunsystem kann die trotz Chemotherapie verbliebenen Tumorzellen entdecken und eliminieren", so Professor Klingebiel. Wir sind sehr dankbar, dass wir Krankheiten heilen können, die früher unweigerlich zum Tod geführt haben. Weil die natürlichen Killerzellen mit ihrem antileukämischen Effekt jetzt mit übertragen werden, lässt sich die Intensität der Chemotherapie reduzieren, die im Vorfeld einer Transplantation das kranke Knochenmark zerstören soll und die eine hohe Belastung für den Patienten darstellt. Dadurch spielen sie auch eine wichtige Rolle dabei, Rückfälle zu vermeiden. Die Stammzellenspende funktioniert auch umgekehrt, dann Spenden die Kinder der Patienten. Eine solche Stammzellen-Spende war früher mit schweren bis zum Tod führenden Komplikationen verbunden, da die so genannten T-Lymphozyten lebensbedrohliche Abstoßungsreaktionen verursachen. "Wir haben

4 über die Jahre Methoden entwickelt, diese weitgehend zu entfernen und arbeiten auch jetzt noch ständig an Neuentwicklungen, um sie endgültig auszuschalten. Die natürlichen Killerzellen des Spenders sollen im Körper des Patienten rasch expandieren und die Überwachungsfunktion übernehmen", erläutert Klingebiel. Ein großer Vorteil ist, dass die Eltern als Spender nicht nur einmalig zur Verfügung stehen: Wird ein Rückfall befürchtet, lassen sich jederzeit weitere Immunzellen aus einer Blutspende gewinnen. Die Übertragung des Immunsystems könnte künftig auch die Folgewirkungen von Organtransplantationen mildern. Nach einer Lebertransplantation zum Beispiel, bei der dem Kind ein Stück des Organs von Vater oder Mutter eingesetzt wird, müssen diese Patienten in der Regel für den Rest ihres Lebens Medikamente einnehmen, um die Abstoßung zu vermeiden. "Solche Patienten laufen Gefahr, Organschäden davonzutragen. Kombinieren wir jedoch eine Organ- mit einer Stammzelltransplantation, erkennt das vom Elternteil übertragene Immunsystem das Organ nicht als fremd, Abstoßungen werden also vermieden", so Professor Handgretinger. Die von den beiden Medizinern entwickelte Therapie-Plattform lässt sich auch zur Heilung weiterer lebensbedrohlicher Kinderkrankheiten wie der Sichelanämie, der Thalassämie und der Leukodystrophie einsetzen. Der Robert Pfleger-Forschungspreis ist ein deutscher Medizinpreis, der seit 1986 von der Bamberger Doktor Robert Pfleger-Stiftung alle zwei Jahre verliehen wird. Er ist benannt nach dem deutschen Chemiker und Pharmaunternehmer Robert Pfleger. Mit dem Preis werden herausragende wissenschaftliche Leistungen aus dem Themenbereich Grundlagen und Perspektiven der Medizin ausgezeichnet. Dabei werden Einzelpersonen, aber auch Forscherteams berücksichtigt. Über die Vergabe des Preises entscheidet der Stiftungsrat. Die Auszeichnung ist mit Euro dotiert. Über die Doktor Robert Pfleger-Stiftung: Die Doktor Robert Pfleger-Stiftung ist eine gemeinnützigen Zwecken dienende Stiftung in privater Unternehmensträgerschaft. Alle Stiftungserträge dienen ausschließlich der

5 Förderung medizinischer Forschungsvorhaben an Hochschulen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie der Erfüllung sozial-caritativer Zwecke, insbesondere auf dem Gebiet der Jugend- und Altenfürsorge sowie der Vergabe des Doktor Robert Pfleger-Forschungspreises. Mit einem Betrag von bis zu Euro ist der im zweijährigen Turnus vergebene Doktor Robert Pfleger-Forschungspreis einer der höchstdotierten Preise im deutschen Medizinbereich. Vita Prof. Dr. Rupert Handgretinger Rupert Handgretinger wurde 1955 in Biberach/Riß geboren. Er studierte Medizin an den Universitäten Essen, München und Tübingen promovierte er an der Universität Tübingen und wurde 1996 an derselben Universität zum Privatdozenten ernannt. Von 1989 bis 1994 absolvierte er seine Facharztausbildung für Kinderheilkunde an der Universitäts-Kinderklinik Tübingen und spezialisierte sich auf das Fach Pädiatrische Hämatologie/Onkologie. Im Jahr 2000 erhielt er einen Ruf als Full Professor an das St. Jude Children's Research Hospital in Memphis, U.S.A. und als Professor of Pediatrics an die University of Tennessee in Memphis. Von 2000 bis 2005 war er der Direktor der Abteilung für Stammzelltransplantation am St. Jude Children's Research Hospital in Memphis. Im Jahr 2005 wurde er auf den Lehrstuhl für Hämatologie/Onkologie und Allgemeine Pädiatrie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Tübingen berufen. Dort ist er der Ärztliche Direktor dieser Abteilung und seit 2010 der Geschäftsführende Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Tübingen. Vita Professor Dr. Thomas Klingebiel Thomas Klingebiel wurde 1953 in Fulda geboren. Er studierte an den Universitäten Marburg und Lübeck Medizin promovierte er zum Dr. med. und wurde Wissenschaftlicher Mitarbeiter/Arzt am Pathologischen Institut und an der Kinderklinik der Universität Tübingen wurde er Facharzt für Kinderheilkunde erfolgte die Habilitation für das Fach Kinderheilkunde an der Universität Tübingen erfolgte der Ruf als Professor und Direktor der Klinik III, Kinder- und Jugendmedizin der J.W. Goethe-Universität in Frankfurt, wo er in der Folge den Schwerpunkt Pädiatrische Hämatologie und

6 Onkologie für die Landesärztekammer und insbesondere die Stammzelltransplantation weiterentwickelte. Von 2006 bis 2012 war er Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie. Seit 2007 fungiert er als Prodekan des Fachbereichs Medizin der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt. Ansprechpartner für die Presse: Heiner Sieger Redaktion München Zugspitzstraße Vaterstetten

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