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1 IngSight 10 das Magazin für unsere Ingenieure und Architekten April 2012

2 Inhalt Inhalt Editorial: Jürgen Röder, Olaf Hoffmann 3 Nachrichten aus der Gruppe 4 Leuchtturmprojekt: Lusail -Städtebauprojekt der Superlative in Katar 8 Dorsch aktuell: Umweltconsulting im Zeichen des Klimawandels 10 Interview: Michael Schleusener, BDC Berlin 14 Berichte der Gesellschaften 18 Kurz notiert 20, 24 facebook und twitter 29 Impressum 29 2

3 IngSight 10 April 2012 Editorial Katar der Aufstieg eines Phönix Katar steht für eine allgemeine Entwicklung der internationalen Planungsbranche der nächsten Jahre und Dorsch ist dabei. Öl und Gas erbringen in Katar heute mehr als 50% des Bruttoinlandsproduktes, machen 85% der Exporte und 70% der Staatseinnahmen aus. Dennoch wird mit wirtschaftspolitischen Methoden dafür gesorgt, dass auch andere, nicht-ölgetriebene Wirtschaftszweige etabliert werden, um sich für die Nachölzeit zu wappnen. Ziel ist es, ab 2020 eine Rohstoffexportunabhängige Wirtschaft zu etablieren. Der Fünfjahresplan National Development Strategy (NDS) ist Teil der Qatar National Vision 2030, die die ökonomischen Entwicklungsstrategien des Staates vorgibt. Katar will demnach in den nächsten sechs Jahren ca. 50% aller Regierungsinvestitionen in den Nicht-Energie-Sektor lenken. Bereits vor der Vergabe der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2022 wurden zahlreiche Infrastrukturprojekte in dieser Richtung ausgeschrieben. Die Entwicklung der wachsenden Gesamtbauvolumina in Kombination mit verkürzten Zeitplänen durch den FIFA Zuschlag führt dazu, dass Einzelprojekte größer werden und zusätzlich immer größere Planungspakete geschnürt werden. Das bedeutet für Planungsbüros, dass einer die Rolle des Metaplaners übernehmen muss, der in einer Schnittstelle alle Leistungsbilder über alle Leistungsphasen abbildet und gleichzeitig als Integrator alle an der Planung Beteiligten führt und koordiniert. Gefragt sind also Großbüros wie die Dorsch Gruppe. So konnten wir im April diesen Jahres den Auftrag für alle neun ausgeschriebenen Leistungspakete zum Projekt Lusail City mit einem Gesamtbauvolumen von 45 Mrd. US$ unterzeichnen. Zu diesem und anderen Themen werden Sie mehr in dieser Ausgabe unseres IngSight-Magazins lesen können. Viel Spaß bei der Lektüre. Ihre Jürgen Röder und Olaf Hoffmann Gesellschafter der Dorsch Gruppe Konferenzraum der Dorsch Holding in Offenbach 3

4 Nachrichten aus der Gruppe Dorsch International Amman BM Dirk Niebel auf Jordanienreise mit GWP-Delegation Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bereiste Ende Januar im Rahmen einer Nahost-Reise auch Jordanien. Die German Water Partnership (GWP) wurde gebeten, für diesen Teil der Reise eine GWP-Delegation aus Unternehmensvertretern zu benennen, wozu auch Herr Dr. Vestner, Geschäftsführer der Dorsch International, gehörte. Ziel der GWP ist es, die deutsche Expertise und Qualität Made in Germany weltweit zu etablieren und die Positionierung der deutschen Wasserwirtschaft in den internationalen Märkten zu stärken. Herr Dr. Vestner leitet zusammen mit Herrn Heidebrecht (DWA) das Länderforum Ägypten/Jordanien der GWP. Neben zahlreichen offiziellen Terminen im jordanischen Wasserministerium, der deutschen Botschaft und der Deutsch-Jordanischen Universität stand bei der Reise auch der Besuch konkreter Projekte im Wassersektor mit Beteiligung deutscher Unternehmen auf dem Programm. In der Pumpstation Baqoria informierte sich Herr Niebel über ein Pilotprojekt in V.l.n.r.: Mousa Al Jamani (Minister für Wasser und Bewässerung), Richard Vestner (Dorsch International), Minister Dirk Niebel, Stefan Girod (German Water Partnership), Peter Stamm (WILO SE) (Quelle: Trutschel, Photothek) öffentlich-privater Partnerschaft zur Energieeinsparung. Durch optimierte Auslegung, den Einsatz energieeffizienter Pumpentechnik und automatisierten Betrieb wurden eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs und eine erhebliche Steigerung der Fördermenge erzielt. Mit einer Machbarkeitsstudie sowie der Entwicklung möglicher institutioneller Umsetzungsmodelle legten die Kolleginnen und Kollegen des DI-Regionalbüros Amman im Rahmen eines OMS-Projektes bereits 2008 den Grundstein für die Projektrealisierung. Auf Grundlage der Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt arbeitet das jordanische Wasserministerium derzeit an einem landesweiten Maßnahmenplan zur Energieeffizienz im Wassersektor. Ziel ist es, den Energieverbrauch von Pumpstationen und Quellenförderung um 25% zu senken und dadurch jährliche Einsparungen von rund 15 Millionen zu generieren. Bundesminister Dirk Niebel mit Delegation beim Besuch des PPP-Pilotprojektes in der Pumpstation Baqoria 4

5 IngSight 10 April 2012 Zusätzliche GIS- und Leckortungs- Kurse wurden in Amman abgehalten, sodass die jemenitischen Angestellten ihre Systeme selbst bedienen konnten, jedoch mit Fernsupport durch das OMS-Team in Amman. Von links nach rechts: Thomas de Beyer, Hakim Saada (beide DI Amman); HE. Abedulsalam Razaz, Jemenitischer Wasser- und Umweltminister trifft OMS- Projektteam in Jordanien H.E. Abedulsalam Razaz, Minister für Wasser und Umwelt in Jemen, und die Direktoren für Wassereinrichtungen in Sana a, Hodeidah und Ibb trafen unser OMS-Projektteam in Amman. Seit März 2011 wurden alle unsere Projekte im Jemen ausgesetzt wegen der Jemenitischen Revolution und den Unruhen. Ausländische Mitarbeiter kehrten nach Amman zurück. Minister für Wasser und Umwelt; General Manager von Sana a LC Ibrahim Al Mahdi konnten ohne Unregelmäßigkeiten durchgeführt werden. Unsere DCMMS Maintenance and Repair-Software war dabei ein wichtiges Werkzeug, um die Arbeit vor Ort zu koordinieren, da weniger als ein Viertel der Angestellten ihre Arbeitsstätten erreichen konnten. Dank der GIS-Verbindung zur Buchhaltungssoftware konnten die Wassereinrichtungen ihre Kunden erreichen, die seit Beginn der jemenitischen Revolution aufgehört hatten, ihre Rechnungen zu bezahlen. H.E. der Wasser- und Umwelt-Minister A. Razaz wurde erst vor kurzem ins Amt gesetzt und benötigte deshalb ein Briefing zu Status und laufenden Aktivitäten. Die von den Direktoren und dem OMS-Team gehaltene Präsentation hat den Minister sichtlich zufrieden gestellt. H.E. betonte ausdrücklich die Bedeutung von Hands-on -Projekten wie das OMS. Ein solches Projekt wird den Wassereinrichtungen helfen, ihre öffentliche Versorgung aufrecht zu erhalten. Das DI-Büro musste seinen Standort wechseln, aber die Belegschaft hat ununterbrochen während der Revolution weiter gearbeitet und wird mit Sicherheit weiterhin den jemenitischen Wasser- und Abwassersektor mit dem bestmöglichen Service unterstützen. Wir alle wünschen dem neuen Jemen großen Erfolg bei der Demokratisierung und den Wiederaufbauprojekten. Dorsch International Consultants wird dabei immer ein verlässlicher Partner bleiben. Eine Ausnahme war das OMS-Projekt (Operations & Management Support). Obwohl fast alle Experten nach Jordanien abreisen mussten, unterstützen wir weiterhin die Wassereinrichtungen. Während harter Zeiten mit unterbrochener Stromzufuhr konnte die Bevölkerung zwar auf eine nur eingeschränkte, aber doch beständige Wasserversorgung zurückgreifen. In Sana a musste der Hauptsitz der Wassereinrichtungen nach einem Granateneinschlag, der Teile des Serverraums zerstörte, evakuiert werden. Ein neues Intranet-Setup rettete die kontinuierliche Verwaltung und den Kundendienst. Keine wichtigen Daten sind verloren gegangen und die Abrechnungen Das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Sana a ist das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Jemens 5

6 Vortrag von unserer Kollegin Daphne Voss zum komplexen Thema Abwasserlösungen in Tourismusregionen Dorsch International Teilnahme am 16. African Water Congress im Februar 2012 in Marrakesch, Marokko In Marrakesch, Märchenstadt aus 1001 Nacht und gleichzeitig moderne Boomtown Nordafrikas, fand vom 20. bis zum 23. Februar 2012 der 16. African Water Congress (AFWA 2012) statt. Die alle zwei bis drei Jahre stattfindende AFWA ist die zentrale Veranstaltung der afrikanischen Wasserbranche. Im Jahr 2012 stand dei AFWA unter dem Motto Gemeinsame Mechanismen und Innovationen für nachhaltige Entwicklung des Wasser- und Abwassersektors in Afrika (Collaborative mechanisms and innovations for sustainable development water and sanitation sectors in Africa). Nahezu sämtliche afrikanischen Länder waren auf dem Kongress vertreten, sowohl durch Teilnehmer aus den Wasserbehörden der Regierungen als auch durch Vertreter der wichtigsten Consultants, Universitäten, NGOs (wie der Bill and Melinda Gates Foundation) und Banken, u.a. auch der African Development Bank und der Weltbank. Auch Deutschland war angemessen vertreten, unter anderem mit einem repräsentativen Stand der German Water Partnership. Der Kongress ermöglicht auch der Dorsch Gruppe, den überwiegenden Teil unserer potentiellen und bestehenden Auftraggeber und Partner in Afrika zu treffen sowie Informationen und Erfahrungen auszutauschen. Mit Dr. Laure Nicolet-Misslbeck und Daphne Voss nahmen auch zwei unserer DI-Wasserexpertinnen mit eigenen Vorträgen an der hochkarätigen Veranstaltung teil. Beide Vorträge mit den Titeln Energy Optimization and Reduction of Greenhouse Gas Emissions at Wastewater Treatment Plants (Dr. Laure Nicolet- Misslbeck) und : Innovative technologies for wastewater collection, treatment and reuse solutions for touristic areas (Daphne Voss) wurden vom anwesenden Fachpublikum mit hohem Interesse aufgenommen. Die Vorträge und Expertenmeetings auf dem Kongress boten Anlaß zu vielfältigen und interessanten Fachgesprächen und regen Diskussionen. Vor allem die immense Vielfalt des afrikanischen Kontinents und die unterschiedlichen Entwicklungsstände der einzelnen Länder kamen immer wieder deutlich zur Geltung. Dabei wurde auch klar, dass einige Länder inzwischen auf dem besten Weg sind, die Millenium Development Goals der UNO zu erreichen.

7 IngSight 10 April 2012 Dazu zählt unter anderem auch Marokko selbst. Die im Jahr 2000 von 198 UNO-Mitgliedsstaaten unter der Leitung von Kofi Annan festgelegten Millenium Goals definieren weltweit die wichtigsten 8 Entwicklungsziele für das Jahr 2015 für die Bereiche Frieden, Sicherheit und Abrüstung, Entwicklung und Armutsbekämpfung, Schutz der gemeinsamen Umwelt, Menschenrechte, Demokratie und gute Regierungsführung. Die im Plenum gestellte Frage von Daphne Voss, ob Wasserversorgung bzw. Abwasserbeseitigung und -behandlung hintereinander oder parallel zueinander stattfinden sollen, beantwortete Dr. Glen Daigger, Präsident der International Water Association, persönlich mit einer klaren Aussage: Beide Entwicklungsziele sind gleichermaßen wichtig und sollten auch möglichst gleichzeitig stattfinden. Marrakesch, lebendige Märchenmetropole und Schauplatz marokkanischer Lebensart 7

8 Leuchtturmprojekt Lusail -Städtebauprojekt der Superlative in Katar Die Dorsch Gruppe hat den Wettbewerb für die Ingenieurberatungsleistungen zum prestigeträchtigen Städtebauprojekt Lusail City in Doha / Katar gewonnen, und wird somit elf verschiedene Teilbauprojekte in verschiedenen Ingenieurdisziplinen überwachen. Wie Katars staatlicher Großprojektentwickler Lusail Real Estate Development Company (LREDC) jetzt bekannt gab, konnte sich Dorsch dabei erfolgreich gegen zahlreiche internationale Mitbewerber durchsetzen. Die katarische LREDC ist eine Tochter des staatlichen Unternehmens Qatar Diar, welches neben anderen Großprojekten auch für den gesamten Neubau der Eisenbahn und Nahverkehrsinfrastruktur in Katar verantwortlich ist. Rendering der geplanten Stadterweiterung von Doha Lusail City (Quelle: Lusail Real Estate Development Company Ltd.) Das Konzept für Lusail geht weit über das einer gewöhnlichen modernen Stadt hinaus; es ist vielmehr der futuristische Entwurf herausragender Technologien und fantastischer Ideen. Gleichzeitig steht Lusail für eine reiche Geschichte, die das authentische Erbe und die Werte der bemerkenswerten Kultur Katars vereint.katar startet mit Lusail City die Stadterweiterung der modernen Golfmetropole Doha und damit ein Projekt der Superlative in Vogelperspektive des Stadterweiterungsprojekts Lusail, Katar (Quelle: Hochtief ViCon) 8

9 IngSight 10 April 2012 Rendering der geplanten Marina von Lusail City (Quelle: Lusail Real Estate Development Company Ltd.) der Arabischen Welt. Das gesamte Städtebauprojekt Lusail City wird circa 45 Milliarden US$ kosten und auf einer bisher kaum bebauten rund 38 Quadratkilometer großen Wüstenfläche im Nordosten Dohas errichtet werden. Die Fläche erstreckt sich sieben Kilometer nördlich entlang der Küste und verläuft bis fünf Kilometer landeinwärts. Für die Dorsch Gruppe, deren Kernkompetenz darin besteht, umfassende Planungs- und Managementleistungen aus einer Hand anzubieten, ist dieses Projekt damit das umfangreichste ihrer über 60-jährigen Geschichte. Auf diesem Areal sollen einmal mehr als Menschen leben, Menschen arbeiten und Besucher ihren Urlaub verbringen können, so dass die geschätzte Gesamtbevölkerung von Lusail einmal Menschen betragen soll. Aufgrund unserer internationalen Erfahrung und unserer starken regionalen Präsenz sind wir sehr gut für diese Herausforderung gewappnet. Dieser Zuschlag ermöglicht uns zukünftig sehr gute Chancen für weitere anspruchsvolle Aufträge und Wachstum in Katar, sagte Ayman Haikal, verantwortlicher Manager für die Aktivitäten von Dorsch in Katar. Das stark islamisch geprägte, aber liberale Katar verfügt über eine hohe politische und soziale Stabilität. Das souveräne arabische Land gehört zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsnationen in der Welt und steht auf der Forbes-Liste der reichsten Nationen ganz oben. Katar verfügt neben den weltweit drittgrößten Erdölreserven über das größte Gasfeld in der Welt, das sog. North Gas Field unter dem Meer mit Kubikkilometern. Katar ist eine der branchenführenden Nationen in der Gasverarbeitung / Gasverflüssigung und führt die Liste der Gasausfuhrländer mit etwa 77 Millionen Tonnen an Exporten pro Jahr an. Das ganze Projekt soll so rechtzeitig und fristgerecht fertiggestellt sein, damit im Jahr 2022 der FIFA World Cup hier stattfinden kann. Wir werden das Projekt vor Ort mit unseren ortsansässigen Mitarbeitern aus unserem neu gegründeten Büro in Doha heraus betreuen, erklärt CEO Olaf Hoffmann. Grünflächen und wassernahes Bauen sorgen für einen hohen Lebensstandard (Quelle: Lusail Real Estate Dev. Co. Ltd.) 9

10 Dorsch aktuell Satellitenbild des fruchtbaren und überbesiedelten ägyptischen Nildeltas mit einer Übersicht der Zielgebiete des Improved Water and Wastewater Services Programme Umweltconsulting im Zeichen des Klimawandels von Bernd Müssig, Fachgruppenleiter Umweltplanung, Dorsch International Der Klimawandel ist in aller Munde. Er betrifft auch unsere Ingenieurtätigkeit, rahmensetzende Pläne und Programme genauso wie konkrete Vorhaben in einem bestimmten räumlichen Umgriff. Seine Auswirkungen zu erfassen, zu beurteilen und Maßnahmen vorzuschlagen ist eine neue Aufgabe der strategischen Umweltplanung und -prüfung geworden. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurden seit einigen Jahren immer neue gesetzliche Regelungen, Richt- und Leitlinien veröffentlicht. Auch die Geldgeber in der internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit haben in diesem Bereich Zeichen gesetzt. In diesem Zusammenhang wollen wir das umweltplanerische Instrument der Strategischen Umweltprüfung (SEA), hier mit integrierter Prüfung zu den Auswirkungen des Klimawandels (Climate Change Assessment) und das zu beurteilende Programm Improved Water and Wastewater Services Programme (IWSP) näher vorstellen. Hintergrund Insgesamt betrachtet hat Ägypten in den letzten Jahren große Fortschritte in der geregelten Wasserversorgung für die Bevölkerung sowohl in Bezug auf Quantität wie auch Qualität erzielt. Jedoch gilt dies vorwiegend für die urbanen Zentren, die ländlichen Räume weisen diesbezüglich noch erhebliche Entwicklungsdefizite auf. Die Abwasserentsorgung hat mit dieser Entwicklung noch nicht in equivalenter Weise Schritt gehalten, so beträgt die landesweite Abdeckung in der Abwasserentsorgung ca. 40%, in den ländlichen Gebieten dagegen nur ca. 10% der Bevölkerung. Das Nildelta ist bereits heute eine der am dichtesten besiedelten und am intensivsten genutzten Regionen weltweit. Hier leben ca. 35% der Bevölkerung Ägyptens, was aktuell einer Bevölkerungszahl von 34 Mio. Einwohnern auf einer Fläche von der Größe Belgiens entspricht (dort leben ca. 11 Mio. Menschen Angaben für 2011). Mit einem durchschnittlichen Bevölkerungswachstum von ca. 2,5% pro Jahr in den Gouvernoraten im Nildelta ist bereits ein wesentlicher Punkt der Problematik in der Zukunft genannt. Aktuelle Herausforderungen und Konfliktfelder liegen in: Intensivnutzung nahezu jeden Quadratmeters im Delta, Zunehmende Bebauung und Flächenversiegelung auf Kosten wertvoller landwirtschaftlicher Nutzfläche, Unzureichende Abfallentsorgung, Gefahren für Mensch und Umwelt durch unkontrollierte Entsorgung und Deponierung (auch in / an Gewässern), Unzureichende Abwasserreinigung und -entsorgung, Zunehmend problematische Gewässergüte aller Oberflächengewässer Rapide sinkender Grundwasserspiegel, Zunehmende Problematik in der Versorgung mit sauberem Trinkwasser, Versalzung von Boden und Grundwasser, Verunreinigtes Wasser gelangt in die landwirtschaftliche Bewässerung, Bedrohung durch Auswirkungen des Klimawandels (Anstieg des Meeresspiegels). Was ist das IWSP? DI ist seit Ende 2010 mit der Federführung eines Joint-Ventures und der Projektleitung für die Technische 10

11 IngSight 10 April 2012 Unterstützung der ägyptischen HCWW (Holding Company for Water and Wastewater, Kairo) im Rahmen des Improved Water and Wastewater Services Programme (IWSP) beauftragt. Dieses multi-donor-finanzierte Rahmenprogramm (im Sinne eines Masterplans) zur nachhaltigen Verbesserung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung ist räumlich beschränkt auf vier Gouvernorate im Nildelta (Behira, Damietta, Gharbia, Sharkia). Aktuell umfasst die zu versorgende Bevölkerung ca. 16 Mio. Menschen. Das Investvolumen von knapp 300 Mio. Euro wird u.a. von der Europäischen Investment Bank (EIB), der African Development Bank, der EU und der KfW (Führung der Geberorganisationen) bereitgestellt. Das Consultinghonorar für die technische Unterstützung der Holding Company beträgt ca. 4 Mio. Euro für zwei Jahre. Die Gesamtprojektdauer ist auf 5 Jahre angelegt (inklusive der Investments). Ziele des Programms Die Hauptziele des Programms sind: Verbesserung der hygienischen Gesamtsituation im Wassersektor und damit der Erhöhung der Gesundheit der Bevölkerung in den Zielregionen, Belüfter auf der Kläranlage Ras el Bar (Damietta); Schlechter Wartungs- und Erhaltungszustand, Verbesserung der allg. Umweltbedingungen in den Zielregionen, Verbesserung der gesamten Rahmenbedingungen im Wasser- und Abwassersektor. Daraus ergeben sich wesentliche Kernaufgaben im Consulting von DI: Stärkung der organisatorischen und personellen Kapazitäten in der Holding Company und den nachgeordneten Wasserbehörden in den Gouvernoraten, Verbesserung von Qualität und Serviceleistungen, Aufstellen von Leitlinien und Hauptstromverbraucher und damit Hauptverursacher von (indirekten) CO 2 -Emissionen operationellen Standards, Effizienzsteigerung und Erhöhung der Einnahmen, Optimierung der Betriebskosten, Koordination, Ausschreibung und Mitwirkung bei der Vergabe für die konkreten Projektinvestments. Die konkreten Maßnahmen sollen zur nachhaltigen Verbesserung der Wasserversorgungsinfrastruktur sowohl bezogen auf die Leitungsnetze als auch die Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung beitragen. Im Abwassersektor geht es vorrangig um die Erhöhung des Anschlussgrades an die Abwasserentsorgung, die Ertüchtigung des Leitungsnetzes und die Qualitätsverbesserung des gereinigten Abwassers. Das Programm unterteilt sich in zwei Phasen mit einem jeweils entsprechenden Projekt- bzw. Maßnahmenpaket: Phase 1: Dringende Sofortmaßnahmen Projektalltag: Workshop in Kairo Maßnahmen Phase 1: Sofortmaßnahmen für die Reparatur und Instandsetzung von Leitungsnetzen und Anlagen der Wasserversorgung, 11

12 Sofortmaßnahmen zur Wasserverlusterkennung und -reduktion, Instandsetzung von Leitungsnetzen und Anlagen der Abwasserentsorgung, Einleiten / Festlegen von Standards für Wartung und Unterhaltungsmaßnahmen. Phase 2: Neue Investments ausschließlich im Bereich der Abwasserentsorgung und -behandlung Maßnahmen Phase 2: Ausbau der Abwassernetze, Erweiterung von Kapazitäten in der Abwasserentsorgung durch Reparatur und Ergänzung bestehender Anlagen sowie Neubau von Kläranlagen. Was ist eine SUP bzw. engl. SEA? In der EU gilt seit Juni 2001 die Richtlinie 2001/42/EG über die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme (engl. SEA-Directive, dt. SUP-Richtlinie). SEA steht dabei für Strategic Environmental Assessment oder SUP für Strategische Umweltprüfung. Die Richtlinie, die mittlerweile in allen Mitgliedsstaaten der EU in nationales Recht umgesetzt wurde, gilt unmittelbar für alle von der EU mitfinanzierten Pläne und Programme (Art. 2), die voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen haben. Ziel der Richtlinie ist es, im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung ein hohes Umweltschutzniveau sicherzustellen und dazu beizutragen, dass Umwelterwägungen bei der Ausarbeitung und Annahme von Plänen und Programmen einbezogen werden. Die SEA prüft daher in systematischer Art und Weise mögliche Umweltauswirkungen von Plänen und Programmen, um diese Belange in einem möglichst frühen Zeitpunkt in den (politischen) Entscheidungsprozeß mit einzubringen. Auf diese Weise ist es möglich, etwaige nachteilige Entwicklungen zu erkennen und Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung sowie zur Modifizierung der Pläne und Programme erwirken zu können. Die SEA untersucht und behandelt die Umweltbelange frühzeitig auf höherer Abstaktionsebene, die konkrete Beurteilung der Umwelt- und Sozialverträglichkeit von Projekte erfolgt auf der nächsten Ebene, der Planung und Genehmigung von Einzelprojekten aus den Plänen und Programmen. Das umweltplanerische Instrument hier ist die ESIA / UVP (Environmental and Social Impact Assessment / Umweltverträglichkeitsprüfung). Die SEA in Projekten der EZ / FZ Auf der Grundlage der EU-SUP-Richtlinie haben sämtliche Organisationen der finanziellen und Entwicklungs- Zusammenarbeit (EZ / FZ) eigene Leit- oder Richtlinien sowohl für ihr umwelt- und sozialverträgliches Handeln als auch für die Durchführung von Strategischer Umweltprüfung und Umweltverträglichkeitsprüfung verabschiedet. In den jüngsten Updates dieser Leitlinien ist nun vielfach die Verpflichtung zur Beurteilung der Auswirkungen von Plänen, Programmen und Projekten auf den Klimawandel hinzugekommen (engl. Climate Change Impact Assessment). Hierbei geht die Intention in zwei Richtungen: Einmal um die Abschätzung von Auswirkungen von Programmen / Projekten auf den Klimawandel, zum anderen um mögliche Anpassungsstrategien der beabsichtigten Projekte und Maßnahmen an negative Auswirkungen des Klimawandels. Die SEA hat in diesem Kontext wie auch in unserem Fall stets auch die Aufgabe zur Rechtfertigung der verwendeten Finanzmittel im Sinne einer nachhaltigen, umwelt-, sozialund klimaverträglichen Entwicklung beizutragen. Richtlinie Plan Programm Projekte Strategische Umweltprüfung Umweltverträglichkeitsprüfung Ebenen der Umweltprüfung 12

13 IngSight 10 April 2012 Ergebnisse der SEA Die SEA für das IWSP weist neben den grundlegenden Aufgaben einer solchen Umweltprüfung eine Reihe von Besonderheiten bzw. nicht alltägliche Zusatzleistungen auf: Rahmensetzung / Grundlage für die Umweltleitlinien der HCWW, Integrierte Klimaprüfung mit zusätzlicher Untersuchung der Möglichkeiten von sogenannten. Climate Smart Investments auf einer Beispielkläranlage, Rahmensetzung für nachfolgende Projekt-EIAs im Sinne einer Kategorisierung der Einzelprojekte nach den Richtlinien der ägyptischen Umweltgesetzgebung. Ergebnisse der Umweltprüfung Es bestehen nach aktuellem Stand der geplanten Maßnahmen keine Konflikte mit den Belangen des Naturschutzes, der Bewahrung des kulturellen Erbes sowie mit Einrichtungen des Tourismus. nennen, Einsatz von Solarenergie bzw. Photovoltaik-Anlagen, Energiegewinnung aus Biogas, Abdeckung von Belüftungs- und Absetzbecken und nicht zuletzt die notwendige, erhebliche Verbesserung der Die Strategische Umweltprüfung konnte grundsätzlich die beabsichtigten positiven Umweltauswirkungen des IWSP bestätigen, sofern alle Projekte sorgfältig und nachhaltig geplant, im zeitlichen Rahmen realisiert und die in der Umweltprüfung genannten Maßnahmen umgesetzt werden. Das IWSP steht im Einklang mit existierenden Umweltgesetzen und vorhandenen Zielen anderer Pläne und Programme. Insbesondere für den Wassersektor besitzen alle Maßnahmen der Instandsetzung, Erneuerung und Erweiterung der Infrastruktur erheblich positive Auswirkungen auf die Ver- und Entsorgungssituation. Durch die verbesserte Versorgung mit sauberem Trinkwasser und weiteren Maßnahmen im Abwassersektor werden auch die gesundheitlichen Bedingungen für die Bevölkerung erheblich verbessert. Dringend erforderlich sind jedoch weitergehende Maßnahmen in der Schlammbehandlung, zum einen, um die Anzahl der pathogenen Keime deutlich zu reduzieren, bevor der Klärschlamm auf landwirtschaftliche Flächen verbracht wird, zum anderen wird durch weitere Behandlung die Klimaschädlichkeit vermindert. Zusätzlich wurden in der Studie die Risiken benannt und den Zielen des Programms abträgliche Entwicklungen thematisiert. Hier sind insbesondere ungebremstes Bevölkerungswachstum, steigende Nachfrage nach den natürlichen Ressourcen (v.a. Trinkwasser), ungeklärte Abfallproblematik, existierende Umweltzerstörungen und weiter steigende Flächennachfrage für menschliche Aktivitäten (v.a. Bebauung und Verkehrswege) zu nennen. In der Klimaverträglichkeitsprüfung werden bestehende Szenarien bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels im Nildelta diskutiert und mögliche Risiken und Gegenmaßnahmen in der Planungsregion thematisiert. Am Beispiel der Kläranlage Ras el Bar werden verschiedene Maßnahmen diskutiert, wie mit möglichst geringen finanziellen Investments eine möglichst hohe Energieeinsparung und damit eine Reduktion der Treibhausgasemissionen erzielt werden kann. Hier sind neue und energieeffiziente Pumpen und Belüfter zu Schlammtrocknungsbecken der Ras El Bar-Kläranlage Damietta Wartung, Unterhaltung und Steuerung der Anlagen. Ausblick In der Strategischen Umweltprüfung und vor allem auch in der Klima- (verträglichkeits-)prüfung für Pläne, Programme und Projekte sehen wir künftig ein wachsendes Betätigungsfeld im Umweltconsulting für die DI. Gerade in der internationalen Kooperation, bei Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und der finanziellen Zusammenarbeit mit Ländern ausserhalb der EU gelten bereits heute ebenfalls EU- oder äquivalente Weltbank-Richtlinien. Für alle Vorhaben, die potentiell klimarelevante Auswirkungen haben, werden diese zu erfassen und zu bewerten sein. Im Sinne einer umfassenden und ganzheitlichen Consulting-Tätigkeit ist die DI bereits darauf eingestellt und bereit für kommende Aufgaben in diesem Sektor. 13

14 Interview Michael Schleusener, BDC Berlin Was ist Ihre Position und wie lange arbeiten Sie schon bei BDC? Ich bin seit nunmehr fast neun Jahren bei der BDC, meinem insgesamt vierten Anstellungsverhältnis, beschäftigt. Seit etwa fünf Jahren leite ich den Geschäftsbereich Berlin/Brandenburg, derzeit mit etwa 40 fest angestellten und Freien Mitarbeitern und seit 1. Januar 2010 bin ich darüber hinaus als Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung im Team mit Bernd Gütschow und Rolf Schmidt auch mit für die strategischen Planungen des Unternehmens zuständig. Daneben gehören die Betreuung unseres neuen Bürostandortes in Hannover, die Redaktion der regelmäßig erscheinenden BDC news sowie die Betreuung der Außendarstellung der BDC zu meinen Aufgaben. Was haben Sie studiert? Was ist Ihre Qualifikation? Ich war in der glücklichen Situation, als DDR-Bürger die Spezialschule für Fremdsprachen in Berlin besuchen zu dürfen. Für die damalige Zeit eine eher seltene Gelegenheit und definitiv eine wichtige Grundlage für meinen weiteren Lebensweg. Mein Bauingenieurstudium habe ich an der Technischen Universität Dresden im Jahr 1993 mit dem Titel Diplom-Ingenieur erfolgreich abgeschlossen. Studienschwerpunkt waren die Themen Stadtbauwesen und Verkehr. Demzufolge habe ich mich in meinen ersten Berufsjahren intensiv Aufgaben im Bereich der Verkehrsplanung gewidmet. An welchen Projekten arbeiten Sie gerade? Zu meinen Aufgaben gehört seit dem Jahr 2011 auch die Anbahnung und Koordination von Auslandsaufgaben sowie die Betreuung und Weiterentwicklung des Dorsch-internen Global Network für die BDC. Aktueller Schwerpunkt ist die Betreuung eines gemeinsamen PPP-Projektes mit der Universität Rostock im Bereich Abfallwirtschaft in Brasilien. Vertragspartner für Dorsch ist die sequa ggmbh, ein Durchführungsorgan des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Darüber hinaus steht die Akquisition weiterer Vorhaben im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Dorsch- Gesellschaft in Brasilien im absoluten Fokus. Diese Aktivitäten laufen in enger Abstimmung mit Joachim Haab von DI und Michael Kadow von Dorsch Business Development. Vor diesem Hintergrund haben wir uns Michael Schleusener, Mitglied der BDC-Geschäftsleitung erst jüngst im März mit Jürgen Röder und Bernd Gütschow in Offenbach zu einem persönlichen Austausch zu Märkten, Strategien und Aufgaben getroffen. Wir waren bisher kaum in Südamerika aktiv. Welches Potential bietet der brasilianische Markt für Dorsch? Als Dorsch das letzte Mal auf dem südamerikanischen Kontinent relevant aktiv war, war ich wahrscheinlich noch ein Kind. Insofern ist es wirklich höchste Zeit, hier wieder aktiv zu werden. Dieser boomende und spannende Markt bietet zahlreiche Chancen. Der enorme Investitionsbedarf allein im Bereich Infrastruktur kann mit den einheimischen Ingenieuren nicht abgedeckt werden. Diese Lücke dürfte in den nächsten Jahren noch eher zunehmen. Die m lange 138 m hohe Schrägseilbrücke Ponte Estaiada Octávio Frias de Oliviera über den Rio Pinheiros, São Paulo Für ausgewählte Ingenieurleistungen besteht ein nachweislicher Bedarf für externes Know-How, der uns gegenüber in Meetings vor Ort immer wieder zum Ausdruck gebracht wurde. Schwerpunkte, die sich nach den ersten Gesprächen abzeichnen, liegen in den Bereichen Airports, Häfen, Gleisbau, Green Cities, Regenerative Energien, Abfallwirtschaft, Wasser, Umwelt und Stadtplanung. Der deutsche Ingenieur ist auf dem brasilianischen Markt gefragt, und das zu attraktiven Preisen. Aktuell lassen sich je nach Region, Qualifikation und Projekt Stundensätze zwischen 100 und 350 $R erzielen (entspricht 14

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