Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

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1 Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Schulversuch /171 vom 25. Juli 2008 Lehrplan für das Berufskolleg Kaufmännisches Berufskolleg II Übungsfirma Schuljahr 1 Der Lehrplan tritt am 1. August 2009 in Kraft.

2 2 Übungsfirma Vorbemerkungen Die besondere pädagogische Konzeption der Übungsfirma ermöglicht die praktische Anwendung der theoretischen Inhalte des Fachunterrichts und den Aufbau einer beruflichen Handlungskompetenz. Im kaufmännischen Berufskolleg II steht dabei die Vertiefung, Analyse und Reflexion der Prozesse in der Übungsfirma im Vordergrund. Dies macht die Abbildung der Geschäftsprozesse mit Hilfe einer Integrierten Unternehmenssoftware sowie den Einsatz der Software der Zentralstelle der Übungsfirmen erforderlich. Ihr Einsatz ist deshalb verpflichtend. Besondere Bedeutung kommt zudem dem unternehmerischen Denken und Handeln zu. Dabei soll neben dem Lernen im Modell auch ein Lernen am Modell ermöglicht werden. Durch die Arbeit in der Übungsfirma, die Planung, Durchführung und Reflexion von Projekten sowie die Teilnahme an einer Übungsfirmenmesse erwerben die Schülerinnen und Schüler soziale Kompetenzen, verbessern dabei ihre Kommunikations- und Teamfähigkeit. Sie erfahren sich in diesem Zusammenhang als Teil eines Teams und entwickeln ihre personalen Kompetenzen im Hinblick auf Verantwortungsbewusstsein, Eigenständigkeit und Entscheidungsfähigkeit. Zum Erwerb einer beruflichen Handlungskompetenz muss zudem die Anwendung und Weiterentwicklung von Fach-, Methoden- und Projektkompetenz die Basis der Übungsfirmenarbeit bilden. Das unternehmerische Denken und Handeln wird zunehmend von einem gesteigerten Qualitätsbewusstsein bestimmt. In der Übungsfirma wird durch den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems dieser Entwicklung Rechnung getragen. Die Überprüfung einzelner Kernbereiche der Übungsfirma durch operationalisierbare Unternehmensziele bildet dafür die Ausgangsbasis. Dabei ist der Einsatz eines Qualitätshandbuches und einer Prozessmanagementsoftware verpflichtend. Die Schülerinnen und Schüler erkennen in diesem Zusammenhang den Verbesserungskreislauf als Instrument zur Weiterentwicklung ihrer Übungsfirma. Für die Übungsfirmenarbeit sind die Lehrplaneinheiten 1 bis 4 sowie ein Modul aus den Lehrplaneinheiten 5 bis 7 verbindlich. Die Lehrplaneinheiten 2 bis 4 bilden die Kernbereiche der Übungsfirma ab. Die in Lehrplaneinheit 1 angeführten Inhalte unternehmerisches Denken, reflektierte Projektbearbeitung und der Qualitätsgedanke sind sowohl Grundlage als auch übergeordneter Leitgedanke bei der Bearbeitung der übrigen Lehrplaneinheiten. Das freie Modul der Lehrplaneinheit 7 bietet die Möglichkeit, die Arbeit in der Übungsfirma zu vertiefen bzw. zu erweitern. Vor dem Hintergrund der Gesamtzielsetzungen des Lehrplans soll dabei die spezifische Ausrichtung der Übungsfirma berücksichtigt werden.

3 Übungsfirma 3 Lehrplanübersicht Schuljahr Lehrplaneinheiten Zeitrichtwert Gesamtstunden Seite 1 1 Grundlagen der Übungsfirmenarbeit 5 2 Absatz 5 3 Beschaffung 6 4 Personal und Finanzen verwalten 6 Wahlthemen 5 Produktion* 7 6 Jahresabschluss* 8 7 Freies Modul* * Es ist eine Lehrplaneinheit auszuwählen. 200

4 4 Übungsfirma

5 Übungsfirma 5 Schuljahr 1 Zeitrichtwert 1 Grundlagen der Übungsfirmenarbeit Die Schülerinnen und Schüler kennen die organisatorische Struktur und das Sortiment ihrer Übungsfirma. Sie erkennen deren betriebswirtschaftlichen Charakter, beachten die Ziele ihrer Übungsfirma und richten ihr Denken und Handeln entsprechend kunden- und mitarbeiterorientiert aus. Den Erfolg ihres Handelns überprüfen und analysieren die Schülerinnen und Schüler unter Verwendung der Daten der eingesetzten Unternehmenssoftware. Die Ergebnisse präsentieren und reflektieren die Schülerinnen und Schüler in Besprechungen und in Teams. Daraus leiten sie Strategien und entsprechende Maßnahmen für die weitere Geschäftsentwicklung ab. Die Schülerinnen und Schüler erkennen die Notwendigkeit der Qualitätsentwicklung in der Übungsfirma und wenden ein Instrument zur Qualitätssicherung an. Sie verstehen den vollständigen Evaluationskreislauf als Grundlage eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Sie arbeiten auf der Basis eines Qualitätshandbuches und kennen Möglichkeiten der Prozessdarstellung. Hierzu kennen die Schüler grundlegende Begriffe eines Geschäftsprozessmanagements und wenden eine Prozessmanagementsoftware an. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten übungsfirmenspezifische Problemstellungen in Projekten und verstehen diese als Möglichkeit, interne Prozesse zu verbessern und das Auftreten der Übungsfirma weiterzuentwickeln. Sie kennen die Phasen des Projektablaufs und wenden Instrumente und Arbeitstechniken des Projektmanagements an. Leitfaden zur Selbstevaluation Instrumente des Projektmanagements Arbeitstechniken des Projektmanagements Z. B. Lastenheft, Projektstrukturplan, Protokoll Z. B. Brainstorming, Mind-Map 2 Absatz Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten Kundenaufträge und vertiefen die erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten in der Auftragsbearbeitung. Sie analysieren den Übungsfirmenmarkt und entwerfen entsprechende Marketing-Maßnahmen. Die Schülerinnen und Schüler gestalten das Sortiment ihrer Übungsfirma unter Berücksichtigung der Bedingungen des Übungsfirmenmarktes und des Sortiments der Patenfirma. Sie wenden preispolitische Maßnahmen auf Basis unterschiedlicher Preisstrategien an. Sie kennen mögliche Absatzwege ihrer Übungsfirma und entwerfen geeignete kommunikationspolitische Maßnahmen. Als Vorbereitung für die Beteiligung an einer Übungsfirmenmesse führen die Schülerinnen und Schüler ein Verkaufstraining durch und planen den Messeauftritt ihrer Übungsfirma. Sie überwachen das Zahlungsverhalten ihrer Kunden und ergreifen geeignete Maßnahmen. Auftragsannahme, Kundenreklamation Marktforschung Marketing-Mix Verkaufskatalog Preispolitik Handelskalkulation Deckungsbeitragsrechnung Flyer, Anzeigenblatt des Übungsfirmenrings

6 6 Übungsfirma Forderungsmanagement Bonitätsprüfung Mahnwesen Abschreibungen auf Forderungen 3 Beschaffung Die Schülerinnen und Schüler planen, bearbeiten und analysieren die Beschaffung von Waren, Anlagegütern, sonstigen Gütern und Dienstleistungen. Im Rahmen der Beschaffung und Verwaltung der Anlagegüter führen sie die Investitionsplanung und die Abschreibung durch. Sie bearbeiten Vertragsstörungen und ergreifen geeignete Maßnahmen. Die Schülerinnen und Schüler nutzen Dispositionshilfen zur Optimierung der Beschaffung. Sie verwalten ein fiktives Lager, beurteilen dessen Wirtschaftlichkeit anhand von Lagerkennziffern und erarbeiten Maßnahmen zu deren Optimierung. Anschaffungskosten Liquiditätsprüfung Nicht-Rechzeitig-Lieferung Schlechtleistung ABC-Analyse Bestellpunktverfahren 4 Personal und Finanzen verwalten Die Schülerinnen und Schüler definieren die Stellen ihrer Übungsfirma mit Hilfe einer Stellenbeschreibung und entscheiden über den Personaleinsatz. Die Schülerinnen und Schüler führen alle im Rahmen der Personalverwaltung erforderlichen Tätigkeiten durch. Sie bearbeiten Sonderfälle der Gehaltsabrechnung und erkennen deren Bedeutung für die Personalkosten des Unternehmens. Die Schülerinnen und Schüler ermitteln Kennzahlen der Personalstatistik, analysieren deren Entwicklung und interpretieren die Ergebnisse. Im Rahmen der Personalführung und -entwicklung erarbeiten sie Möglichkeiten zur Verbesserung der Mitarbeitermotivation und -qualifikation. In diesem Zusammenhang erkennen Sie die Bedeutung der Instrumente der Personalbeurteilung. Die Schülerinnen und Schüler erörtern im Rahmen der Finanzplanung verschiedene Arten der Geldanlage und Kapitalbeschaffung und führen diese durch. Sie nehmen die Kontenabstimmung in Vorbereitung auf den Jahresabschluss vor. Personalverwaltung Wechsel Steuerklasse Wechsel Krankenkasse Gehaltsabrechnung Sonderzahlungen Vorschüsse vermögenswirksame Leistungen geringfügige Beschäftigte Bundesknappschaft

7 Übungsfirma 7 Personalstatistik Fehlzeitquote Arbeitsproduktivität Gehaltsquote Darlehensarten, Effektivzins Möglichkeiten der Geldanlage im Übungsfirmenmarkt Bilanzkonten 5 Produktion (Wahlthema) Die Schülerinnen und Schüler planen die Produktion ihrer Übungsfirma und erfassen die Stammdaten in ihrer Unternehmenssoftware. Die Schülerinnen und Schüler fertigen Zeichnungen für die Erzeugnisse ihrer Übungsfirma an, leiten aus der Erzeugnisstruktur adäquate Stücklisten ab und erstellen für die Erzeugnisse ihrer Übungsfirma Arbeitspläne. Auf der Basis der eingehenden Kundenaufträge bearbeiten die Schülerinnen und Schüler die einzelnen Fertigungsaufträge. Dabei stellen sie anhand von Bedarfsauflösungen den Materialbedarf für die Komponenten der Erzeugnisse fest und führen die Auftragsterminierung, Kapazitätssteuerung und Auftragsüberwachung durch. Produktionsziele Stammdaten Erzeugnisse und Komponenten Betriebsmittel- und Arbeitsplatzdaten Kundendaten Lieferantendaten Fertigungsauftragsbearbeitung

8 8 Übungsfirma 6 Jahresabschluss (Wahlthema) Die Schülerinnen und Schüler erstellen den Jahresabschluss ihrer Übungsfirma am Ende des Geschäftsjahres. Sie bewerten das Anlage- und Umlaufvermögen ihrer Übungsfirma. Sie führen vorbereitende Abschlussbuchungen durch. Die Schülerinnen und Schüler erstellen für ihre Übungsfirma unter Beachtung der Gliederungsvorschriften nach HGB die Gewinn- und Verlustrechnung, die Bilanz und einen Lagebericht. Sie entwickeln aus der Jahresbilanz eine Strukturbilanz und werten diese anhand geeigneter Kennzahlen aus. Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Ergebnisse anhand von Vergleichsdaten und erarbeiten Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Unternehmenssituation. Abschreibung auf Sachanlagen Abschreibung auf Forderungen Abschluss der Unterkonten Zeitliche Abgrenzung Rückstellungen Kennzahlenanalyse Kapitalstruktur Liquidität Vermögensstruktur Rentabilität 7 Freies Modul (Wahlthema) Das freie Modul bietet die Gelegenheit, die Arbeit in der Übungsfirma zu vertiefen bzw. zu erweitern. Die Wahl des freien Moduls richtet sich an den spezifischen Gegebenheiten der Übungsfirma aus. Es kann ein Aspekt der Übungsfirmenarbeit fortlaufend oder in einem gewissen Zeitabschnitt -auch in Projekten- bearbeitet werden. Dabei obliegt es den Übungsfirmenleiterinnen und Übungsfirmenleitern, einen sinnvollen Aspekt der Übungsfirmenarbeit auszuwählen. Mögliche Themen für das freie Modul sind die Organisation einer eigenen regionalen Übungsfirmenmesse, die Durchführung eines Kooperationstages, die Durchführung von internationalen Handelsgeschäften, das Erstellen eines Katalogs der Übungsfirma, die Einrichtung eines Webshops, die Durchführung von Betriebsbesichtigungen, das Durchführen von Verkauf- und Produktschulungen, die Organisation eines Tages der Offenen Tür oder die Erstellung einer Betriebszeitung. Die Schülerinnen und Schüler vertiefen und erweitern ihre Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sie können beispielsweise Fremdsprachen anwenden und erweitern, Fähigkeiten in der Planung und Organisation ausbauen, ihre sozialen und kommunikativen Kompetenzen verstärken sowie theoretische kaufmännische Inhalte praktisch anwenden.

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