Die Ökonomie von Glücksspielen

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1 Die Ökonomie von Glücksspielen Teil I: Einführung Dr. Ingo Fiedler

2 Organisatorisches Di 16-18Uhr, WiWi B1 6 Leistungspunkte und eigenständiges Bearbeiten einer Übungsaufgabe statt Vorlesung (Verbesserung der Gesamtnote bis zu zwei Notenschritte) Voraussichtlich einmaliges Vorlesungsangebot Kontakt: 2

3 Klausur 1ter Klausurtermin: , 16-17Uhr 2ter Klausurtermin: , 16-17Uhr Zur Klausurvorbereitung: Vorlesung UND Literaturstudium Literatur in weiten Teilen englischsprachig 3

4 Ökonomie als Werkzeugkasten Ökonomie besteht aus einer Reihe an Methoden und Modellen (=Werkzeuge) Ziel der Ökonomie: Maximieren bzw. Minimieren Ursprüngliches Anwendungsgebiet: Wirtschaft Inzwischen: Anwendung auf viele weitere Gebiete, z.b. Kriminalitätsbekämpfung oder Umweltschutz Entscheidend ist normative Zielsetzung Ökonomie ist nur eine Möglichkeit, Glücksspiele zu analysieren; 4

5 Exkurs: Klausurnoten und Zufall Link: Exceltabelle

6 Exkurs: Klausurnoten und Zufall Einfluss des Zufalls auf Klausurnoten Stärker gleichverteilt Schlecht für gute Studenten Einfluss des Zufalls auf Abschlussnoten Stärker gleichverteilt Schlecht für gute Studenten Gut für schlechte Studenten Gründe Notenskala unten und oben abgeschnitten Notenskala ist ordinal und nicht kardinal (Durchschnittswerte haben verzerrte Aussagekraft) Statt einer 1,7 eine 3,7 geschrieben: Wie oft muss zum Ausgleich eine 1,3 geschrieben werden? 6

7 Notenskala: Ordinal Exponentieller Anstieg des Arbeitsaufwands/nötigen Kompetenz für bessere Note Arbeitsaufwand Klausurnote 7

8 Exkurs: Klausurnoten und Zufall II Effekt von mehreren Versuchen bei 5,0 Kein Effekt auf Noten guter Studenten Schwächt Zufallswirkung für 3er-Kandidaten ab Stark positiver Effekt auf Noten schlechter Studenten Reizt zu strategischem Verhalten an Lernen auf Lücke Anmelden, Klausurstellung ansehen, dann mitschreiben oder Klausur durchstreichen 8

9 Ende Exkurs

10 Rechtliche (=enge) Definition von Glücksspielen Ein Glücksspiel wird in 3 Abs. 1 GlüStV in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung und Literatur wie folgt definiert: Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Drei Kriterien Gebühr (über Bagatellgrenze 0,50 ) Potentieller Gewinn Spielergebnis hängt überwiegend vom Zufall ab Drei Arten von Spielen Geschicklichkeitsspiele Glücksspiele Mischspiele 10

11 Abgrenzung Glücks- und Geschicklichkeitsspiele 11

12 Beispiele für Glücksspiele Lotterien Spielautomaten Roulette Sportwetten Rubbellose Bingo Poker (oder ein Geschicklichkeitsspiel?) TV-Gewinnspiele (oder unter Bagatellgrenze?) 12

13 Beispiele für Mischspiele Preisskat Backgammon Black Jack Verschiedene Formen des Pokerspiels 13

14 Unterscheidung Glück/Geschick bei Mischsspielen Überwiegender Geschicklichkeitsanteil Geschicklichkeit operatioanlisiert als adjustierter Erwartungswert (durchschnittlicher Erwartungswert korrigiert um Geschicklichkeitsanteil) Streuung operationalisiert als Standardabweichung 14

15 Unterscheidung Glück/Geschick bei Mischsspielen II Einfluss des Geschicks wächst linear mit zunehmenden Spielwiederholungen Einfluss des Zufalls wächst degressiv mit zunehmenden Spielwiederholungen Bei Mischspielen gibt es einen Punkt, ab dem das Spiel von einem Glücks- zu einem Geschicklichkeitsspiel wird 15

16 Die kritische Wiederholungshäufigkeit Die kritische Wiederholungshäufigkeit (CRF) bezeichnet den Punkt, ab dem ein Mischspiel zu einem Geschicklichkeitsspiel wird 16

17 Die kritische Wiederholungshäufigkeit II 17

18 Der Einfluss von Wiederholungen in Bezug auf die Bagetellgrenze Beispiel Fernsehquizsendungen (9live &Co. aber Mitmachsendungen ) Kosten Anruf: 0,49 Einsatz pro Spiel: 0,49 Anruffrequenz: alle 3 Sekunden Einsatz pro Minute: 9,8 Call-In Shows als Glücksspiel? Zumindest im Rahmen dieser Vorlesung! 18

19 Dimensionen von Glücksspielen 1. Erwartungswert Summe der Ergebnisse gewichtet mit den jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeiten Beispiel Münzwurf: 10 bei Kopf, -11 bei Zahl 0,5*10 + 0,5(-11 ) = -0,5 2. Streuung Abweichungen im Einzelfall von dem Erwartungswert Operationalisiert durch die Standardabweichung Standardabweichung (σ): Wurzel aus den quadrierten Abweichungen vom Mittelwert 3. Anzahl an Wiederholungen Der Glücksspielbegriff dieser Vorlesung ist weit gefasst 19

20 Teilnahmeprävalenz von Glücksspielen 20

21 Der Markt für Glücksspiele 21

22 Der Markt für Onlineglücksspiele 22

23 Klassische Erklärung für Glücksspielnachfrage: Spielfreude 23

24 Spielfreude und Spielerverluste 24

25 Spielerverluste = Anbietereinnahmen 25

26 Interessengruppen bei Glücksspielen und ihre Motivation Anbieter: Geld verdienen Spieler: Spielfreude und Kosten aus Sucht Staat: Einnahmen ( freiwillige Steuer) Gesellschaft: Soziale Kosten aus Glücksspielsucht 26

27 Der Preis von Glücksspielen 27

28 Umsatz Ertrag 100 Umsatz bei betfair = 2,5 Ertrag/Spielerverlust 100 Umsatz bei Oddset = 49 Ertrag/Spielerverlust 28

29 Wer spielt = wer verliert? Verlust pro Volljährigem: 55,43 pro Jahr Verlust pro Spieler: ~500 pro Jahr Doch Verluste sind hochkonzentriert auf wenige Spieler Verluste von mehreren tausend pro Monat nicht unüblich unter pathologischen Spielern 29

30 Gewinnillusion der Spieler Gruppe der Automatenspieler gibt nur 2,9% ihrer Verlusten in Befragungen an! 30

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