Wie wird eine Netzwerkkarte eingebaut?

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1 3 Wie wird eine Netzwerkkarte eingebaut? Zuerst soll geklärt werden, was eine Netzwerkkarte genau ist. Danach wird mit einer kleinen Entscheidungshilfe die Auswahl einer geeigneten Karte erleichtert. Anschließend wird schrittweise die Installation der Karte und der benötigten Treiber erklärt. Wer zwei Computer nur über ein paralleles Kabel verbinden möchte, um Dateien auszutauschen, der kann den Einbau der Netzwerkkarte überspringen und gleich zur PC- Direktverbindung" im vierten Kapitel springen. Die Parallelportverbindung ist zwar keine Alternative für ein wirkliches Netzwerk, besonders wegen der fehlenden Erweiterbarkeit, kann aber als einfache Einstiegslösung benutzt werden, um kleinere Datenmengen zwischen zwei Computern auszutauschen. Die Netzwerkkarte hat eine ausschlaggebende Funktion in einem Netzwerk. Sie übernimmt die Aufgabe des eigentlichen Datentransports zwischen dem Computer und dem Netzwerkkabel. Sie nimmt die Daten des Rechners entgegen und setzt sie in eine Form um, die über das Kabel übertragen werden kann. Beim Glasfaserkabel wird dies besonders deutlich, da hier die Informationen als Lichtsignale übertragen werden. Bei einer normalen Netzwerkkarte erfolgt die Anbindung an das Netzwerkkabel über einen, vom Token-Ring her bekannten Transceiver, der die jeweils benötigten Signale erzeugt. Jeder Computer, der an das Netzwerk angeschlossen werden soll, benötigt eine eigene Netzwerkkarte. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für einen Server, der viele Benutzer gleichzeitig bedienen soll. Eventuell benötigt er sogar eine bessere Anbindung an das Netzwerk, weil sich die Anfragen der vielen Benutzer im Server aufsummieren. Kapitel 3 10 Mbit/s-Ethernet-ISA-Netzwerkkarte mit BNC und Twisted-Pair-Anschluss. 37

2 Kapitel 3 Die Netzwerkkarte selbst wird, wie jede andere Karte (z.b. ISDN-Karte), in einen der Erweiterungsslots beziehungsweise Steckplätze des Computers eingebaut. Die Wahl der richtigen Netzwerkkarte Die anzuschaffenden Netzwerkkarten müssen den an das Netz gestellten Anforderungen entsprechen. Wie Sie schon gesehen haben, gibt es unterschiedliche Typen von Netzwerken. Nicht jede Netzwerkkarte ist auch für jedes Netzwerk geeignet. Das Ziel muss also sein, die richtige Karte herauszufinden, die sowohl zum Netz, dem Rechner als auch dem Einsatzgebiet passt. Die Wahl einer geeigneten Netzwerkkarte hängt von drei Faktoren ab: Dem gewählten Netzwerktyp (siehe vorheriges Kapitel). Dem Erweiterungssteckplatz, der im Rechner vorhanden und frei ist. Der Aufgabe und Qualität der Karte. Einflussfaktor Netzwerktyp Wenn wir von den gebräuchlichsten Systemen ausgehen, gibt es die Wahl zwischen 10 Mbit/s BNC (Busverkabelung) oder Twisted-Pair (Sternverkabelung) und 100 Mbit/s Twisted-Pair (Sternverkabelung). X Netzwerktypen Kurz noch einmal zur Auffrischung die gebräuchlichen Netzwerktypen und ihre Charakteristika. Thin-Ethernet (BNC-Bustopologie) ist besonders einfach und preisgünstig zu verkabeln. Es ist dafür etwas anfälliger gegenüber Kabelschäden und kann nur mit 10 Mbit/s betrieben werden. Twisted-Pair Ethernet (Sterntopologie mit Kategorie-3-Kabeln) ist bei der Verlegung der Kabel deutlich aufwendiger dafür zuverlässiger und benötigt zusätzlich einen Hub als zentralen Verteiler. Die geringe Geschwindigkeit von 10 Mbit/s kann bei Bedarf und der Verwendung von Kategorie-5-Kabeln (besser) einfach auf Fast-Ethernet erhöht werden. Twisted-Pair Fast-Ethernet (Sterntopologie mit Kategorie-5-Kabeln) ist genauso aufwendig bei der Verlegung der Kabel wie Ethernet. Es benötigt einen für 100 Mbit/s geeigneten Hub und passende Netzwerkkarten. Die Leistung ist auch für viele Personen oder anspruchsvolle Aufgaben geeignet. 38

3 Eine normale Ethernet-Netzwerkkarte (10Base-T) besitzt in der Regel einen Anschluss für Thin-Ethernet (10Base-2) und Twisted-Pair Ethernet (10Base-T). Sie ist also nur für diese beiden Netzwerktypen verwendbar und kann nicht mit 100 Mbit/s betrieben werden. X Nur ein Netz! An eine normale Netzwerkkarte kann immer nur ein Netzwerk gleichzeitig angeschlossen werden, auch dann, wenn sie zwei oder drei Anschlüsse aufweist. Das sind nur alternative Anschlüsse, die nicht gleichzeitig benutzt werden können. Eine Fast-Ethernet-Netzwerkkarte hingegen hat nur einen Twisted-Pair-Anschluss (RJ-45- Westernstecker). Dort kann man entweder ein 10 Mbit- (10Base-T-) oder ein 100 Mbit- (100Base-T-)Twisted-Pair-Netzwerk anschließen. Diese Netzwerkkarten können sich also an die Geschwindigkeit des eingesetzten Netzwerks anpassen. Dafür besteht keine Möglichkeit, ein Thin-Ethernet-Kabel anzuschließen. Slotblech einer 100 Mbit-Netzwerkkarte mit RJ-45-Anschluss und drei Leuchtdioden (LNK, ACT, 100TX). Es besteht also immer nur die Wahlmöglichkeit zwischen den Typen 10Base-2 und 10Base-T oder 10Base-T und 100Base-T von Netzwerken, weshalb man sich vorher gut überlegen sollte, welchen Typ man einsetzen möchte. Die Entscheidung kann einem aber auch durch schon vorhandene Rechner abgenommen werden, wenn diese gemeinsam an das gleiche Netzwerk angeschlossen werden sollen. 39

4 Kapitel 3 X Ausnahmen von der Regel Es gibt auch außergewöhnliche Netzwerkkarten, die diverse Netzwerktypen oder mehrere Netze gleichzeitig unterstützen. Sie sind jedoch in der Regel überdurchschnittlich teuer, kompliziert einzurichten und für besondere Aufgabengebiete konzipiert und daher im Rahmen dieses Buches nicht weiter interessant. Einflussfaktor Erweiterungssteckplatz Nachdem Sie sich jetzt für einen bestimmten Netzwerktyp entschlossen haben stellt sich als Nächstes die Frage, wo die Netzwerkkarte eingebaut werden kann oder soll. X Netzwerktyp noch unklar? Haben Sie noch Fragen zum Netzwerktyp oder sind Sie sich noch nicht ganz im Klaren, welches Netzwerk für Sie geeignet ist, dann sollten Sie das Kapitel Wie wird ein Netzwerk sinnvoll aufgebaut? oder "Wie funktioniert ein Netzwerk?" lesen. Jeder Computer bietet die Möglichkeit, Erweiterungskarten einzubauen. Sie werden in so genannte Steckplätze oder Slots auf der Hauptplatine eingesteckt. X Die Hauptplatine Die Hauptplatine ist das große und vollgestopfte elektronische Bauteil, an dem alle Kabel angeschlossen sind und auch der Prozessor eingesteckt wird. Die Hauptplatine, auch Motherboard genannt, ist das zentrale Verbindungsstück zwischen allen Komponenten, aus denen ein Computer besteht. Von diesen Slots auf der Hauptplatine gibt es drei aktuelle Ausführungen. Der AGP-Slot (braun, oben in der Nähe des Prozessors) existiert nur in ganz neuen Computern und ist der Grafikkarte vorbehalten und nicht für Netzwerkkarten geeignet. Ist die Grafikkarte gleich auf der Hauptplatine integriert, fällt der AGP-Port ganz weg. Der PCI-Slot (32-Bit, weiß, Mitte) ist der im Moment gebräuchlichste Erweiterungssteckplatz. Er hat eine gute Anbindung an den Prozessor und ermöglicht dadurch hohe Geschwindigkeiten in der Datenübertragung. Er ist gut für jede Art von Erweiterungskarten geeignet und wenn nötig einfach zu konfigurieren. Leider ist er in ganz alten Computern eventuell noch nicht vorhanden. 40

5 Der ISA-Slot (16-Bit, schwarz, unten) ist ein früher Vorgänger des heutigen PCI-Slots. Trotzdem findet man ihn noch in den meisten Computern. Man versucht gerade, diesen Standard aus der nächsten Rechnergeneration zu verbannen, ist aber wegen der Kompatibilität mit alten Systemen nicht besonders erfolgreich. Neben der geringeren Geschwindigkeit muss man beim Einbau einer Netzwerkkarte unter Umständen noch manuelle Einstellungen vornehmen. Wer also noch einen alten Computer hat, sollte ihn mal aufschrauben und nachsehen, welche Erweiterungsmöglichkeiten bestehen. X Achtung Lebensgefahr! Bei Arbeiten am Computer immer vorher den Netzstecker ziehen, um einen elektrischen Schlag zu vermeiden. Besonders bei aktuellen PCs (ATX-Format) kann er durch Eingriffe von Außen unvermittelt starten, obwohl er ausgeschaltet zu sein scheint. Das führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Zerstörung einzelner Teile des Computers. Hauptplatine mit drei weißen PCI-Slots und drei schwarzen ISA-Slots. Allgemein kann man sagen, dass sowohl ISA- als auch PCI-Steckplätze für Netzwerkkarten geeignet sind. Allerdings kann man von einer 16-Bit-ISA-Karte keine Höchstleistungen erwarten, deshalb empfiehlt es sich in jedem Fall, auf die leistungsfähigere 32-Bit-PCI- Netzwerkkarte zurückzugreifen. Vor dem Hintergrund der verschwindenden ISA-Slots 41

6 Kapitel 3 kann die Karte so auch noch in der nächsten Rechnergeneration weiterverwendet werden. Bei alten oder langsamen Computern spielt die Wahl der Netzwerkkarte keine große Rolle, da der Computer die Daten sowieso nicht so schnell anliefern kann. In so einem Fall sollte man sich viel eher daran orientieren, welche Steckplätze vorhanden und unbenutzt sind. PCI-Netzwerkkarte mit Anschlussmöglichkeit für Thin- und Twisted-Pair-Ethernet. Einflussfaktor Aufgabengebiet und Qualität Im Gegensatz zu einem Arbeitsplatzrechner sollte für einen Server unbedingt eine PCI- Netzwerkkarte eingeplant werden. Der Server ist die ausschlaggebende Komponente für die Leistungsfähigkeit des gesamten Netzwerks, deshalb sollte gerade hier nicht gespart werden. Sparen kann man auch an der Qualität der Netzwerkkarte. Für einen einfachen PC sind so genannte No-Name-Karten (Karten ohne einen namhaften Hersteller) völlig ausreichend. Sie haben zwar in der Regel doch einen Namen wie zum Beispiel Realtek oder LevelOne, beinhalten aber keinen außergewöhnlichen oder sogar alle den gleichen Chip. Bei Markenqualität hingegen, wie sie zum Beispiel Dell oder Intel bieten, kann man davon ausgehen, dass ein guter und schneller Chip (die Intelligenz auf der Karte) verwendet wird. Neben der Qualität der Karte selbst kann auch von den mitgelieferten Treibern ein erweiterter Funktionsumfang und eine Verfügbarkeit für die verschiedensten Betriebssysteme erwartet werden. Einige Funktionen ermöglichen zum Beispiel eine komfortable Überwachung des Netzwerkverkehrs und Statistiken über aufgetretene Fehler, die bei einer Problemlösung hilfreich sein können. 42

7 Soll ein Server oder eine Workstation mit Windows NT installiert werden, sollte man unbedingt darauf achten, dass es für die Netzwerkkarte auch die entsprechenden Treiber gibt. Bei Markenqualität oder aktuellen PCI-Karten sollte das kein Problem sein, im Gegensatz zu irgendwelchen alten Karten, von denen eventuell nicht einmal mehr der Hersteller herauszufinden ist. Wenn zum Beispiel in einem Server mehrere Netzwerkkarten eingebaut werden müssen, sollte man unbedingt zu Markenqualität greifen, da teilweise nur diese die Kombination von mehreren Karten unterstützen und auch sinnvoll eingerichtet werden können. Als Anhaltspunkt für die mit einer Netzwerkkarte verbundenen Kosten kann man von unter 50 DM ausgehen. Das gilt sowohl für normale ISA- als auch PCI-Karten. Sie unterscheiden sich nur unwesentlich in Preis und Leistung. Für Fast-Ethernet-Karten hingegen müssen um die 50 DM bis hin zu gut 100 DM für qualitativ hochwertige Karten eingeplant werden. Der Einbau der Netzwerkkarte Jetzt können wir uns dem Einbau der Netzwerkkarte zuwenden. Auch für jemanden, der seinen PC noch nie geöffnet hat, sollte der Einbau kein Problem darstellen. Die Konstrukteure haben aus ihren Fehlern gelernt und inzwischen gestaltet sich so ein Eingriff auch für ungeübte Benutzer kinderleicht. Vorher sollte beachtet werden, dass man bei besonders alten Netzwerkkarten oder manchen ISA-Modellen über kleine Schalter oder so genannte Jumper Werte wie Adressen (I/O) oder Interrupts (IRQ) einstellen kann. Die Einstellungen sollten vorerst nicht verändert werden, da sie (theoretisch) auf funktionierende Werte voreingestellt sind. Aber Sie sollten sich unbedingt aufschreiben, was eingestellt ist, um bei der Installation der Treiber auftauchende Fragen beantworten zu können. Erst wenn sich später herausstellt, dass die Netzwerkkarte nicht funktioniert, kann mit Hilfe dieser Jumper auf andere, noch freie Interrupts ausgewichen werden. Die Jumper einer ISA-Netzwerkkarte zum Einstellen einer I/O-Adresse und eines Interrupts (IRQ). 43

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