Rundbrief Nr. 4 / Dezember 2012

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1 Rundbrief Nr. 4 / Dezember 2012 Von Andreas Keller / Ausbildung von HIV positiven Kindern und Jugendlichen an Computern in Harare / Simabwe Ein Personaleinsatz der Bethlehem Mission Immensee Einleitung Liebe Familie, Freundinnen und Freunde und Bekannte Und plötzlich geht alles ganz schnell... Die Einleitung dieses Rundbriefes war schon geschrieben und ich zuversichtlich, als ich nur eine Woche vor Weihnachten von der Immigrationsbehörde die Nachricht bekam, dass meine am 1. Dezember ausgelaufene Arbeitsbewilligung nicht verlängert würde und ich das Land innert 2 Wochen verlassen müsse. Etwas vorbereitet darauf war ich allerdings schon, da das Ende August eingereichte Gesuch erstinstanzlich bereits abgelehnt worden war und zur Zeit praktisch niemand der für eine Nichtregierungsorganisation (NGO) arbeitet eine Arbeitsbewilligung erhält. Begründet werden diese Ablehnungen nicht, doch liegt der Grund auf der Hand es stehen Wahlen an. Für die Bethlehem Mission Immensee und mich blieb so etwas Zeit einen Plan B auszuarbeiten. auseinandersetzen, wie ich mich bei Afya Mzuri engagieren könnte. Diese ebenfalls im Bereich HIV und AIDS tätige NGO hatte ich bereits im vergangenen Jahr bei meinem Besuch in Lusaka kennen gelernt und war von ihrer Arbeit beeindruckt, mehr davon aber sicherlich im nächsten Rundbrief. Ich nehme das Ganze als eine neue Herausforderung, der ich mich zu stellen gewillt bin und schaue der Zukunft zuversichtlich entgegen. Natürlich, Abschied nehmen fällt mir nicht einfach, zumal Africaid bereits am vergangenen Freitag die Büros geschlossen hat und ich mich so weder von meinen Arbeitskollegen, welche z.t. bereits in die ländlichen Gegenden verreist sind, noch von den Kindern und Jugendlichen verabschieden kann. Sicherlich werde ich Africaid aber als E Mentor erhalten bleiben und auch versuchen eine grenzüberschreitende Kooperation in Gang zu bringen. Euch allen wünsche ich frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Der Plan B sieht so aus, dass ich meine kleine Habe ins Auto packe und gegen Ende Jahr nach Lusaka fahre. In der zweiten Januarwoche werden wir uns dann damit Kontaktadresse Im Moment habe ich gerade keine physische Adresse. Wer diesen Rundbrief neu oder nicht mehr erhalten möchte, melde sich bitte bei: Die Kosten für meinen Einsatz trägt die Bethlehem Mission Immensee. Angaben zu Spendenmöglichkeiten finden sich auf der letzten Seite. mission.ch 1

2 Kurs (International Computer Driving License) an einem College absolvierten, diesen erfolgreich abschliessen. Die Gründe dafür waren verschieden: Einige waren wegen Sehschwächen schlicht nicht im Stande zu sehen, was am Monitor geschah und konnten die Arbeitsanweisungen nicht lesen. Andere waren zwischenzeitlich krank und verpassten so weite Teile des Kurses. Anderen wiederum kamen familiäre Angelegenheiten dazwischen. Viele aber brauchten schlicht mehr Zeit zum Üben. Dies ergab eine Analyse nach Abschluss des College Kurses. Glücklicherweise war Sungano eine der beiden, welche den Kurs bestanden. Zusammen mit Lawrence war sie bereits im Vorfeld dazu bestimmt Das fertige Support Zentrum an der Wilkins Klinik Das fertige Computer Labor Community Support Zentren Das erste Community Support Zentrum, von dem ich im letzten Rundbrief geschrieben habe, ist seit einigen Wochen in Betrieb und drei Mal die Woche bieten jeweils zwei unserer Jugendlichen Beratungen für HIV positive Kinder und Jugendliche und/oder deren Erziehungsberechtigten an. Das Zentrum wird rege genutzt und bei Bedarf wird auch unser neu angestellter Sozialarbeiter oder eine unserer zwei Krankeschwestern entweder zu einem Folgegespräch im Support Zentrum, oder aber zu einem Hausbesuch herbeigezogen. Derzeit sind zwei weitere solche Zentren im Bau und wir freuen uns darauf, diese Anfangs 2013 in Betrieb nehmen zu können. Im Verlaufe des Jahres sollen dann noch zwei weitere Zentren hinzukommen, deren Standort aber noch nicht genau geklärt ist. Das Computer Labor Leider konnten wir uns wegen diverser Vorschriften nicht als Bildungseinrichtung registrieren lassen, dennoch wurde das Labor seit Juli rege für Ausbildung genutzt. Wie es sich herausstellte, konnten nur zwei der 30 Jugendlichen, welche den ICDL worden, die Computerkurse künftig in unserem Computer Labor durchzuführen. Zusammen erarbeiteten wir dann weitere Übungsaufgaben für die andern Jugendlichen und konnten dann bis zum Ende der Rechnungsperiode dieses Projektes noch weitere 12 Jugendliche durch die Tests bringen. Seit Ende August arbeite ich mit Sungano und Lawrence intensiv an der Webseite sowie am Africaid Newsletter. Vor allem Sungano stellt sich hier als sehr schreibgewandt und wissbegierig heraus, während Lawrence oft mit sehr kreativen Lösungen überrascht. Beide sehen in ihrer Tätigkeit und ihrer mission.ch 2

3 Ausbildung eine Chance für die Zukunft. Leider verstarben zwischenzeitlich zwei der 30 Jugendlichen, welche den Computer Kurs belegen durften. Ausweitung der Aktivitäten / Das Zvandiri Toolkit Im vergangenen halben Jahr haben wir unsere Aktivitäten auf drei weitere Provinzen ausgeweitet und arbeiten dort mit jeweils Partnerorganisationen zusammen. In allen drei Provinzen haben wir zudem jeweils einen Mitarbeiter eingestellt, der sozusagen als Relais zwischen uns und den Partnerorganisationen wirkt. Aufgabe dieser Mitarbeiter ist es auch, die Partnerorganisationen im Umgang mit dem Zvandiri Toolkit zu schulen und sie sind auch Drehscheiben für Fälle, welche an andere Organisationen oder Institutionen verwiesen werden müssen. Das Zvandiri Toolkit ist eine Art Werkzeugbox mit verschiedenen Aktivitäten und Informationen bezüglich HIV/AIDS und reproduktiver Gesundheit. Entstanden ist es in Zusammenarbeit der Africiad Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Jugendlichen, welche als Freiwillige Mitarbeiter vor allem als Berater in den Aussenbezirken arbeiten. Anlässlich des 10jährigen Bestehens von Africaid durfte die gesamte Belegschaft zu einem verlängerten Team Building Wochenende nach Victoria Falls. So konnten wir denn auch die vier jüngst rekrutierten neuen Mitarbeiter besser kennen lernen und sie uns. Das Africaid Team am Schreiben des Toolkits Die Produktepalette wurde in den letzten Monaten um Bilderrahmen ergänzt, diese sind ein Kassenschlager. Income Generating Activity Mittlerweile sind von den fünf Jugendlichen noch zwei geblieben; diese kommen dreimal die Woche, um nach wie vor die Kronkorkenfiguren herzustellen, vor allem aber, um die neu entwickelten Bilderrahmen für Fotos und Postkarten zu fertigen. Diese verkaufen sich auf dem lokalen Markt so gut, dass Anesu und Ephraim mittlerweile etwas Geld für Reisepässe und einen Farbdrucker sparen konnten. Mit den Reisepässen wollen sie in naher Zukunft nach Moçambique, Botswana oder Südafrika reisen, um sich dort mit günstigen Produkten einzudecken und diese dann in Simbabwe zu verkaufen. Zum Farbdrucker soll dann noch eine Kamera hinzukommen, damit sie ihr eigenes, kleines Fotostudio mit selbst gemachten Bilderrahmen betreiben können. Auch durften wir für das Zvandiri Toolkit 250 Spiralfedern herstellen, wobei die Jungs das Werkzeug erst einmal selbst entwickeln und dann bauen lassen mussten. Anhand der Spiralfedern erarbeitete ich mit ihnen eine Kosten Preiskalkulation, um ihnen zu zeigen, welche Kosten in das Endprodukt miteinfliessen und wie hoch der Preis mission.ch 3

4 festgelegt werden muss, um den erwünschten Gewinn zu erzielen. Dank dem, dass sie schneller arbeiteten als geplant, fiel dann der Gewinn auch etwas höher aus. Mit den Spiralfedern veranschaulichen wir die Wirkung der ARVs (Antiretrovirale Medikamente), welche das Virus lediglich unterdrücken (Druck auf Feder), nicht aber unschädlich machen. Lässt man die ARVs nun weg, wird das Virus sofort wieder aktiv (Feder springt hoch). Moesta, Alex und Loice Loice, Modesta und Alex gehören zu unseren Stars, alle drei haben sie eine eigene, sehr bewegende Lebensgeschichte und konnten sie dank Africaid gut verarbeiten. Modesta und Alex unterrichten Krankenschwestern Alle drei sind bzw. waren CATS (freiwillige Mitarbeiter in den Vororten), wurden von der Mutter mit HIV infiziert und haben kein Problem sich öffentlich zu zeigen und über HIV/AIDS zu sprechen und dabei auch ihren eigenen Status preis zu geben. Dies ist nach wie vor sehr selten. Doch nun zu den einzelnen. Modesta ist 21 und Halbwaise. Als Kind war sie ständig krank und musste oft ins Spital. Kurz nachdem ihre Mutter nach längerer Krankheit verstorben war, fand sie auf dem Nachttischchen des Vaters eine Schachtel Medikamente, sie entwendete den Beipackzettel und ging damit zu ihrer besten Freundin, um gemeinsam herauszufinden, was für Medikamente es waren. Die Freundin identifizierte die Medikamente als ARVs, die auch ihre HIVpositiven Eltern einnehmen. Somit war klar, dass Modestas Vater auch positiv war. Wieder daheim konfrontierte Modesta ihren Vater mit dem Resultat ihrer Recherche und dieser wurde wütend. Gab aber letztlich Modestas Wunsch, selbst auch getestet zu werden, nach. Modesta hatte zwar aufgrund ihres Vorwissens erwartet, dass der Test positiv ausfallen würde, dennoch war der Befund ein Schock. Da auch ihr Bruder ständig krank war, insistierte sie, auch ihn testen zu lassen. Das Resultat war identisch. Beide schlossen sich einer Africaid Selbsthilfegruppe an und konnten so ihre Geschichte verarbeiten. Heute steht Modesta dafür ein, dass Kinder möglichst früh von ihrem Status erfahren und lernen damit umzugehen. Sie ist der Ansicht, dass Kinder und vor allem Jugendliche ihre Medikamente viel eher und zuverlässiger nehmen würden, wenn sie verstehen würden, wozu diese gut sind, bzw. was geschehen würde, falls sie sie nicht nähmen. Modesta posiert auch sehr gerne für Fotos und sie hat einige Songs aufgenommen, welche gelegentlich auch am Radio gespielt werden. Alex ist 22 und sehr gut im Umgang mit Kleinkindern. Er war es denn auch, der in seinem Vorort als Leiter einer Selbsthilfegruppe solch grossen Zulauf hatte, dass diese letztlich aufgeteilt werden musste, um allen Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden. Seine Fähigkeiten blieben auch seiner Kirche nicht verborgen und diese hat ihn uns abgeworben. Er arbeitet jetzt als eine Art Sozialarbeiter, der Diskussionsrunden, Vorträge, Weiterbildungen und Lager organisiert, aber auch Hausbesuche macht. Die Kirche wird ihm wohl auch die Ausbildung zum Sozialarbeiter ermöglichen, wenn er das dafür notwendige Mindestalter erreicht. Sporadisch kommt er aber auch bei uns noch zum Einsatz, dies vor allem im Umgang mit Medien und für Trainings von Krankenschwestern und pflegern. Die ersten Male als er zu Africaid gekommen sei, so wird berichtet, hätte er längere Zeit nur in einer Ecke gesessen und nichts gesagt und sei dann wieder gegangen. mission.ch 4

5 Nichts deutete damals darauf hin, dass er sich innert nur weniger Jahre zu dem Menschen entwickeln würde, welcher er heute ist. Loice ist 20 und ein kleiner, äusserst fröhlicher Wirbelwind wenn immer sie ins Büro kommt, hört man sie schon aus grosser Entfernung. Doch dem war nicht immer so. Als ihr mit 13 gesagt wurde, dass sie HIV positiv sei, wusste sie nur, dass Menschen mit HIV sterben und wurde darin bestätigt, als ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder verstarben. Auch wurde sie von ihren Altersgenossen von Spiel und anderen Aktivitäten ausgeschlossen und in der Schule wollte niemand ein Buch mit ihr teilen. Heute lebt sie bei einer Tante und wird dort nicht immer fair behandelt. Aus Angst, dass sich der Rest der Familie ebenfalls mit dem Virus anstecken könnte, darf sie etwa nicht denselben Besen oder dasselbe Geschirr verwenden. Dies führte gar dazu, dass sie sich selbst das Leben nehmen wollte und nur dank der raschen Reaktion der Africaid Krankenschwestern, welche alarmiert wurden, überlebte. Sie erlebte so selbst, wie schwierig es ist, mit HIV umzugehen, wenn das eigene Umfeld nicht über die richtigen Informationen verfügt und ist daher sehr motiviert, Informationen mit möglichst vielen Menschen zu teilen. Sie träumt davon, irgendwann eine Infotainment Show am Fernsehen zu haben und nutzt jede Gelegenheit für ein Radio oder Videointerview, um diesem Ziel etwas näher zu kommen. Hauptberuflich möchte sie aber Sozialarbeiterin werden. Loice wird von Deutsche Welle interviewed Teile des Advocacy Teams in den im Wettbewerb gewonnenen T Shirts Das Advocacy Team Das nationale Advocacy Team besteht aus ca. 40 Jugendlichen aus vier Provinzen, welche sich vierteljährlich in Harare treffen, um Strategien zu entwickeln, wie die Öffentlichkeit mehr zu Themen wie HIV/AIDS und Stigma sensibilisiert werden kann. Das Team entschied sich, auf verschiedenen Kanälen aktiv zu werden: via Zeitungsartikel, Lieder, Poster und Theater. Im Mai verfasste die Theater Gruppe eine Geschichte, welche als Grundlage für ein Theater eingesetzt werden könnte und reichte diese bei einem internationalen Wettbewerb für Geschichten aus Afrika ein und belegte dort den dritten Platz. Die Gruppe tut sich aber noch etwas schwer, diese Geschichte nun in ein Theater umzuschreiben. Mittlerweile sind aber einige gute Lieder entstanden und im kommenden Jahr werden wir wohl Mittel und Wege suchen, diese Lieder aufzunehmen. Zudem sollen in Zukunft Produktionen des Advocacy Teams, aber auch von Kindern und Jugendlichen, welche nicht Teil dieser Gruppe sind, auf der Webseite veröffentlicht werden. Damit soll die Webseite zusehends zu einer Plattform werden, auf der Jugendliche auf ihre Probleme mission.ch 5

6 Rundbrief Nr. 6 / Mai 2011 Regenzeit sind sie zwar auch vorhanden, aber da dann praktisch überall Wasser zu finden ist, sind sie nicht auf die oft künstlich angelegten Wasserstellen angewiesen und können sich viel besser im dann sehr dichten und hohen Busch verstecken. Aber sicherlich gehört auch immer eine gehörige Portion Glück dazu, um die Tiere zu sehen, welche man sehen möchte und eine Garantie dafür gibt es nicht. In den Matopos bei Bulawayo gibt es nur noch wenige Wildtiere, aber umso eindrücklichere Felsformationen und eine sehr grosse Dichte an Felsmalereien, welche davon zeugen, dass in dieser Region einst eine grosse Dichte an Wildtieren herrschte. Die weltberühmten Victoria Fälle und deren mögliche Lösungen hinweisen können. Simbabwe als Reiseland Simbabwe ist entgegen seines schlechten Rufes ein äusserst interessantes und abwechslungsreiches Reiseland. Vielen sind sicherlich die Viktoria Fälle bekannt, welche sehr eindrücklich sind und sich je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich präsentieren. Manche haben wohl auch von den Ruinen von Great Zimbabwe bei Masvingo gehört und evtl. auch vom Kariba Stausee, der wie die Victoria Fäll ebenfalls an der sambisch simbabwischen Grenze liegt. Sicherlich, dies sind jene Destinationen, welche von Touristen häufig angelaufen werden. Zudem aber verfügt Simbabwe über mehrere zum Teil sehr grosse Nationalparks, in welchen vor allem in der Trockenzeit sehr viele Wildtiere zu sehen sind. In der Bethlehem Mission Immensee Postfach 62 CH 6405 Immensee Tel mission.ch mission.ch PC Konto: Ihre Spende zählt! Die Bethlehem Mission Immensee deckt alle Kosten meines Einsatzes. Deshalb ist sie auf Ihre Spende angewiesen. Diese kommt vollumfänglich meinem Einsatz zugute. PC Konto Vermerk: Andreas Keller, Afrika mission.ch 6

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