Außenfinanzierung: Beteiligungs- und Kreditfinanzierung

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1 IV Grundformen der Finanzierung Außenfinanzierung: Beteiligungs- und Kreditfinanzierung Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 1

2 Es lassen sich verschiedene Arten der Finanzierung unterscheiden 1. Herkunft der Mittel 2. Entstandene Rechtsbeziehung zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer 3. Art des Kapitals Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 2

3 Differenzierungsmöglichkeiten der wesentlichen Finanzierungsarten Eigenfinanzierung Innenfinanzierung Fremdfinanzierung BeteiligungF SelbstF AbschreibungsF UmschichtungsF RückstellungsF KreditF Außenfinanzierung Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 3

4 Beteiligungs- und Kreditfinanzierung unterscheiden sich grundlegend Kriterium Beteiligungsfinanzierung Kreditfinanzierung Entscheidungsrechte ja nein Insolvenzhaftung unbegrenzt nein Gewinnbeteiligung ja nein Zins nein ja Laufzeit unbefristet befristet Anspruchsgrundlage Quotenanspruch Nominalanspruch Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 4

5 Welche Faktoren über die Art der Außenfinanzierung maßgeblich entscheiden 1. Rechtsform des Unternehmens 2. Abgabe von Entscheidungskompetenz ohne Kapitalkosten vs. Einbehalten von Entscheidungskompetenz mit Kapitalkosten (Abfluss) 3. Wirtschaftliche Leistungskraft und Liquidität des Unternehmens Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 5

6 Wesentliche Charakteristika der Kreditfinanzierung Anlass grundsätzlich: Beschaffung von Geld oder geldwerten Einlagen Sicherstellen der Liquidität Kauf von Waren, Rohstoffen,... Sachinvestitionen Erschließung neuer Märkte Zinsen (Kredit) Raten (Leasing) Kosten Größenordnung geringe Geldmengen für einen kurzen Zeitraum... große Geldmengen (> 1 Mrd. / $) für einen langen Zeitraum verbleibt beim Kapitalgeber verbrieft und handelbar gemacht Handelbarkeit des Kapitalrechts Kreditfinanzierung Wer gewährt? Handel Banken Unternehmen Staaten Lieferantenkredit Kundenanzahlung Handelskredite Kontokorrentkredit Lombardkredit Wechseldiskontkredit Bankkredite Kreditleihe Akkreditive Außenhandelskredite... Commercial Paper Investitionsdarlehen Bankkredite Öffentliche Kreditprogramme kurzfristig Laufzeit Sicherheiten Personen Sachen Ratings Bürgschaft Garantie Hypothek Grundschuld Sicherheitsübereignung Sicherheitsabtretung Eigentumsvorbehalt Festzinsanleihen Floating Rate Notes Zerobonds Schuldverschreibungen mittel- und langfristig Schuldscheindarlehen Projektfinanzierung Leasing sonstige Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 6

7 Das Rating entscheidet nachhaltig über den Zugang zu und die Kosten der Kreditfinanzierung Financial Times Deutschland, Topbonität: Welche Unternehmen noch ein "AAA" haben Die USA haben das Qualitätssiegel der höchsten Bonität verloren. Auch bei Unternehmen gibt es nur noch wenige, die uneingeschränkt solide sind. Ein Überblick. von Marcell Haag, Frank Bremser und Jens Ressing Nur noch neun börsennotierte Unternehmen haben weltweit die Spitzennote. Für sie gilt: Es ist nahezu ausgeschlossen, dass sie ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Die Note "AAA" ist die höchste Gunst, die Ratingagenturen einem Staat oder einem Unternehmen erweisen können. Die neun "AAA"-Unternehmen zeichnen sich unter anderem durch eine geringe Verschuldung, einen hohen Bargeldbestand, eine grundsätzlich solide Unternehmensführung und eine dementsprechende Bilanz aus. Firmen mit einem hohen Rating müssen niedrigere Zinsen für ihre Anleihen zahlen. Einige der "AAA"-Unternehmen sind so solide, dass sie überhaupt keine Anleihen ausgeben, wie zum Beispiel Automatic Data Processing (ADP). Für Privatanleger kaum zu stemmen sind etwa Anleihen von Johnson & Johnson mit einer Mindeststückelung von Euro. Im Gegensatz zu Staaten ist es für Unternehmen vergleichsweise schwierig, die Finanzierung sicherzustellen. Kommt ein Staat in eine Einnahmenkrise, kann er Steuern erhöhen und sich so Geld verschaffen - eine Option, die Unternehmen fehlt. Zudem muss ein Staat keine Zukäufe stemmen, sich in keinem internationalen Wettbewerb stellen und sich auch nicht mit fordernden Aktionären auseinandersetzen. Auch hat die Finanz- und Wirtschaftskrise am Kapital vieler Unternehmen gezehrt. Dies verdeutlichen auch einige Ex-"AAA"-Unternehmen, etwa General Motors, Ford oder Shell. Bekannte Firmen, die ebenfalls zeitweise ein AAA hatten, sind auch Coca-Cola, IBM, Nestlé, Novartis und Siemens. Jüngste Abgänge aus der Riege der Sicherheitsschuldner sind Toyota und General Electric im Jahr 2009 sowie Pfizer Auch die verbliebene Riege der neun ist nicht lupenrein. Bei einigen hat nur eine Agentur das Toprating, bei anderen ist der Ausblick negativ.! Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 7

8 Unternehmen mit AAA-Ranking ADP Der IT-Servicekonzern mit Sitz in New Jersey, USA, ist der größte Anbieter für Personalmanagement in Nordamerika, Europa, Lateinamerika und dem Pazifikraum. Automatic Data Processing (ADP) übernimmt für seine weltweit rund Kunden Geschäftsprozesse wie Personalbeschaffung und -abrechnungen. Zudem bietet das Unternehmen Softwarelösungen im Einkauf für Automobilhersteller und -verkäufer. Im vergangenen Geschäftsjahr kam ADP auf einen Umsatz von 9,9 Mrd. Dollar. Zum hatte der Konzern Sicherheiten in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar. Basellandschaftliche Kantonalbank Die Universalbank gehört zu 74 Prozent dem Schweizer Kanton Basel-Land, das ebenfalls mit "AAA" bewertet ist. Der Kanton hat das alleinige Stimmrecht und haftet laut Gesetz für die Verbindlichkeiten der Bank (Staatsgarantie). Dass es zum Ernstfall kommt, scheint sehr unwahrscheinlich. Die Bank steht finanziell gut da: Im vergangenen Jahr machte die Kantonalbank einen Jahresgewinn von 108,8 Mio. Schweizer Franken. Der Betriebsertrag lag bei 361,4 Mio. Schweizer Franken. In 26 Niederlassungen in der Wirtschaftsregion Basel arbeiten 700 Mitarbeiter für die Bank - damit nach Mitarbeiterzahl das kleinste Unternehmen in dieser Liste. Exxon Mobil Das Unternehmen ist der weltweit größte börsennotierte Mineralölkonzern und geht zurück auf Rockefellers Standard Oil Company. Exxon Mobil erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Gewinn von 30,5 Mrd. Dollar und hatte einen Umsatz von mehr als 370 Mrd. Dollar. Es ist der weltweit größte Vermarkter von Erdölprodukten und gehört zu den weltweit größten Chemieunternehmen. Zum Konzern gehört der Tankstellenbetreiber Esso. Imperial Oil Imperial Oil ist der größte Mineralölkonzern Kanadas. Zuletzt machte der Konzern bei einem Umsatz von rund 25 Mrd. Dollar einen Gewinn von 2,2 Mrd. Dollar. Er fördert und produziert Öl und Erdgas. Darüber hinaus gehören chemische Produkte für die Industrie zum Angebot. Mehrheitlich dominiert wird der 1880 gegründete Konzern vom anderen "AAA"-Konzern Exxon Mobil. Dadurch betreibt Imperial in Kanada Tankstellen unter der Marke Esso. Das Toprating hat hier nur S&P vergeben; Moody's zog das Bewertung zurück. Johnson & Johnson Der Konsumgüter- und Pharmakonzern besteht aus mehr als 250 Unternehmen in 57 Ländern. Johnson & Johnson ist unter anderem bekannt für die Marken Penaten, o.b., carefree und Neutrogena. Zudem ist das Unternehmen wichtiger Arzneimittelhersteller und größter Medizintechnikhersteller der Welt. Zuletzt verbuchte der amerikanische Konzern mit Mitarbeitern einen Gewinn von 13,3 Mrd. Dollar bei einem Umsatz von 61,6 Mrd. Dollar. 102,9 Mrd. Dollar stehen an Vermögenswerten in den Büchern. Die Ratingagentur Moody's hat den Ausblick dennoch auf negativ gesenkt. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 8

9 Unternehmen mit AAA-Ranking Microsoft Der weltgrößte Softwarehersteller ist bekannt für seine Windows-Betriebssysteme. Bill Gates und Paul Allen schufen ab 1975 einen Giganten, der lange Jahre die weltweite Computerindustrie dominiert. Microsoft bietet Betriebssysteme und Anwendungssoftware für Verbraucher und Geschäftskunden, bietet Serverlösungen und produziert mit der X-Box auch Spielekonsolen. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 62,5 Mrd. Dollar und einen Nettogewinn von 18,76 Mrd. Dollar. Weltweit beschäftigt Microsoft Mitarbeiter. MTR Mass Transit Railway Corporation (MTR) ist ein Nahverkehrsunternehmen mit Sitz in Hongkong. Es betreibt die dortige U-Bahn, ist mittlerweile aber weltweit tätig. Dazu gehören auch Bahnlinien in Peking, die Stockholmer Metro sowie die Nahverkehrszüge in Melbourne. Zudem ist MTR an der Londoner Underground beteiligt. Die Regierung von Hongkong hält 77 Prozent der Anteile. Zwar haftet die Regierung offiziell nicht für Schulden des Unternehmens. Standard & Poor's hält es aber für sehr wahrscheinlich. Zudem habe MTR eine gute Marktposition und anhaltend stabile Umsätze durch den Bahnbetrieb. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Umsatz von 29,5 Mrd. Hongkong-Dollar (2,64 Mrd. Euro) und einen Gewinn von 12,1 Mrd. Hongkong-Dollar. An Vermögenswerten hält MTR 181,7 Mrd. Hongkong-Dollar. Für Moody's und Fitch ist das nicht genug: Im Gegensatz zu Standard & Poor's vergeben die Agenturen nur die zweitbeste Note (Moody's Aa1, Fitch AA+). Singapore Technologies Engineering Der Konzern ist ein Konglomerat von mehr als 130 Unternehmen, die sich in Luftfahrt, Elektronik, Schifffahrt und Verteidigung engagieren. So wartet Singapore Technologies beispielsweise Flugzeuge, entwickelt Lösungen für Satellitenkommunikation und entwickelt und produziert Militärfahrzeuge und Schiffe. Singapore Technologies Engineering machte zuletzt einen Umsatz in Höhe von 6 Mrd. Dollar und einen Nettogewinn von 491 Mio. Dollar. Das Unternehmen hat Kunden in mehr als 80 Ländern. Mehrheitseigner ist die Investmentbank Temasek aus Singapur. SMRT Singapore Mass Rapid Transit (SMRT) ist der Anbieter von öffentlichen Verkehrsmitteln in Singapur. SMRT betreibt die Metro mit rund 110 Kilometern Länge sowie 93 Buslinien und 3000 Taxis. Mit 6500 Mitarbeitern macht das Unternehmen einen Umsatz von jährlich 970 Mio. Dollar und erwirtschaftete zuletzt einen Gewinn von 161,1 Mio. Dollar. Die Vermögenswerte des Unternehmens werden mit 1,6 Mrd. Dollar angegeben. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 3 Mrd. Dollar. Mehrheitseigner mit rund 54 Prozent ist wie bei Singapore Technologies die Investmentbank Temasek aus Singapur. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 9

10 Unternehmensanleihen als Fremdfinanzierung im Mittelstand (1/3) Handelsblatt, Mittelständler versuchen wieder ihr Glück Die Kapitalmärkte verbreiten wieder mehr Optimismus, und schon sind auch Mittelständler wieder frohen Mutes. Einige bekannte Marken-Hersteller wollen Anleihen begeben. Für die Firmen bedeutet das große Veränderungen. Peter Rentsch hat sich viel vorgenommen. Der Chef des traditionsreichen deutschen Hemdenherstellers Eterna blättert durch eine Broschüre: Jünger sollen die Hemden daherkommen - und gleichzeitig weiter die ältere Kernkundschaft ansprechen. "Unser Ziel ist es, langfristig die begehrteste Hemdenmarke Europas zu werden", sagt der Modemanager, der das Geschäft unter anderem beim spanischen Großkonzern Inditex mit seiner Kette Zara kennengelernt hat. Für sein Ziel braucht er Geld. Mittel zum Zweck: Eterna begibt eine Mittelstandsanleihe. 35 Millionen Euro will Rentsch so einnehmen - bei nur 96,5 Millionen Euro Umsatz. Seit die Kapitalmärkte freundlicher gestimmt sind, versuchen wieder etliche bekannte Mittelständler, sich Geld über solche Anleihen zu besorgen. Die Meldungen häuften sich in den vergangenen Wochen. Doch eine Anleihe verändert Mittelständler nachhaltig. Ihren Anlegern muten sie oft einiges an Risiko zu. Finanzierungsquelle Gerd-Oliver Seidensticker etwa hat bereits erfahren, was eine Anleihe bedeutet. "Wir sind jetzt quasi an der Börse", scherzt er. Als der Bielefelder Hemdenfabrikant vor einigen Wochen die Lizenz der US-Marke Arrow übernahm, musste der Mitinhaber erst einmal Stillschweigen bewahren. Schließlich gelten für Firmen mit Anleihe ähnliche Regeln wie für börsennotierte Unternehmen. Seidensticker muss also Anleger gleichzeitig informieren - per offizieller Mitteilung. Auch die Halbjahreszahlen sind jetzt transparenter denn je. Und: Plötzlich braucht das Familienunternehmen eine Wachstumsstory, um die Anleger bei der Stange zu halten. Für Gerd-Oliver Seidensticker sind das eigene Läden: Derzeit lädt er Geschäftspartner zur Eröffnung eines großen neuen Ladens in der Essener Innenstadt ein. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 10

11 Unternehmensanleihen als Fremdfinanzierung im Mittelstand (2/3) Für die meisten Mittelständler bedeutet das ungewohnte Werben um Anleger einen erheblichen Mehraufwand. Um Investoren zu gewinnen, schalten sie Agenturen ein, die auf Kapitalmarkt-Kommunikation spezialisiert sind. So bereitet etwa gerade der Apfelkorn-Hersteller Berentzen zusammen mit der süddeutschen Agentur Engel & Zimmermann die Märkte darauf vor, dass Berentzen eine Anleihe begeben könnte. Wachstumsstory hier: Berentzen expandiert ins Ausland. Vergangene Woche erst verschickte die Agentur im Auftrag von Berentzen die Meldung, die Brennerei habe in China eine zusätzliche Vertriebspartnerschaft geschlossen. Eigentlich keine große Sache: Der börsennotierte Mittelständler ist schon länger in China aktiv - bislang mit mäßigem Erfolg. Doch Klappern gehört zum Handwerk: Anleger zu finden ist zentral für die Anleihen, die häufig keine Selbstläufer sind. Etliche Mittelstandsanleihen sind im Laufe des Jahres 2012 von den Ratingagenturen herabgestuft worden - das macht die Anleger nervös. Der Anlagenbauer Biogas Nord etwa musste im August die Begabe einer Anleihe über zehn Millionen Euro verschieben. Mit dem Windkraft-Anlagenbauer SIAG Schaaf kennt der Mittelstandsanleihen-Markt seit März dieses Jahres den ersten Pleitier. Anleger-Blätter wie die "Fuchsbriefe" warnen bereits vor Mittelstandsanleihen als Hochrisikoanlage - vergleichbar mit Junk-Bonds. Anleihen verändern Mittelständler Das hohe Risiko der Mittelstandsanleihe spiegelt sich im Zins-Coupon wider. So bietet etwa die mittelständische deutsche Karlsberg-Brauerei 7,375 Prozent an. Das liegt noch unter dem Durchschnittscoupon von 7,8 Prozent, den die Börse Stuttgart in einer Studie ermittelt hat. Dennoch dürfte der Zins über dem eines üblichen Bankkredits liegen. Schwache Margen und sinkende Umsätze sind keine gute Werbung für die Karlsberg-Anleihe über 30 Millionen Euro. Daher verspricht die Brauerei mit der Marke Mixery etwa Mindesteigenkapitalquoten. Auch so verändern Anleihen Mittelständler: Sie sind im unternehmerischen Handeln weit weniger frei. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 11

12 Unternehmensanleihen als Fremdfinanzierung im Mittelstand (3/3) Ist die Platzierung erfolgreich, können Unternehmer mit dem Geld der Anleger jedoch ins Risiko gehen - auch bei Projekten, die Banken so wohl kaum finanzieren würden. Der börsennotierte Online-Shop Getgoods etwa steht in harter Konkurrenz: Amazon ist etabliert, der Dax-Konzern Metro greift mit seinem neuen Online-Ableger Redcoon an. Um in dieser Situation wachsen zu können, setzt Getgoods-Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies auf eine Anleihe. Zuletzt ist der Anbieter aus Frankfurt an der Oder stark gewachsen: Für das erste Halbjahr meldet Getgoods ein Umsatzplus von 39 Prozent auf 173,4 Millionen Euro. Als Gewinn standen unter dem Strich 2,8 Millionen Euro. Auch er verspricht Wachstum: Für das Gesamtjahr 2012 plant Rockstädt-Mies 400 Millionen Euro Umsatz. Die Anleihe soll im September bis zu 30 Millionen Euro in die Kasse bringen. Das soll die Liquidität sichern und helfen, Getgoods zu einer bekannten Marke zu machen. Auch andere börsennotierte Internet-Firmen planen Anleihen - etwa der Reiseanbieter Travel24. Getgoods ist nach Unternehmensangaben vor vier Jahren als Händler entstanden, der über Ebay und Amazon hauptsächlich Technik vertrieb. Später kamen Online-Shops etwa für Handys dazu. Die zwei wichtigsten Plattformen, Handyshop und Getgoods, erweitern derzeit ihr Sortiment. Rockstädt-Mies will die Anleihe mit sieben bis 7,5 Prozent verzinsen. Zugleich ist das junge Unternehmen an der Börse: 72 Prozent gehören den Gründern, der Rest wird frei gehandelt. Die Aktie ist allerdings weit von ihrem Höchststand vor einem Jahr entfernt. Eine Kapitalerhöhung sei wegen der Verwässerung der bestehenden Aktien für ihn keine Option gewesen, sagte Rockstädt-Mies. Das heißt: Künftig hat er - wie Berentzen - zwei Klassen von Investoren: Aktionäre und Halter der Anleihe. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 12

13 Aufgabe zur Finanzierung mit Anleihen 1. Diskutieren Sie den Vorteil von Unternehmensanleihen aus Sicht der Emittenten. 2. Was bewegt die Anleger zu einem möglichen Kauf? 3. Wo sehen Sie Risiken sowohl aus Sicht der Kreditnehmer als auch aus Sicht der Kreditgeber. 4. Recherchieren Sie weitere Anleihen von Unternehmen. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 13

14 Charakteristika und Formen der Unternehmensschuldverschreibungen Merkmal Kapitalart Emittent Laufzeit Tilgung und Kündigung Verzinsung Sonderformen Ausprägung Fremdkapital Unternehmen Mittel- und langfristig: schwerpunktmäßig 3 bis 10 Jahre In seltenen Fällen unbefristet als ewige Anleihen Tilgung: endfällig oder in Teilbeträgen Vorzeitige Kündigung: meistens nach Ablauf einer bestimmten Frist seitens des Emittenten möglich, seltener seitens des Anlegers Festzinsanleihe: fester Zinssatz für die gesamte Laufzeit der Anleihe Floating Rate Notes: Zinssatz wird regelmäßig Referenzzinsatz angepasst Zerobonds (i.a. Abzinsungsanleihe): Emissionspreis < Rückzahlung Wandelanleihe: gewährt das Recht auf Tausch gegen Aktien Optionsanleihe: gewählt das Recht auf zusätzlichen Kauf von Aktien Aktienanleihe: Rückzahlung zum Nominalbetrag oder mit Aktien Anlegerschutzklauseln: Emittent verpflichtet sich, vereinbarte Finanzkennzahlen oder andere Bedingungen einzuhalten, andernfalls erhöhte Verzinsung oder Kündigungsrecht Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 14

15 Die gewählte Rechtsform beeinflusst massiv die Möglichkeiten der Außenfinanzierung Rechtsform GbR KG GmbH KGaA AG Gesellschaft bürgerlichen Rechts Kommanditgesellschaft Gesellschaft mit beschränkter Haftung Kommanditgesellschaft auf Aktien Aktiengesellschaft Beispiel leicht Zugang zu Beteiligungen schwer schwer Zugang zu Fremdkapital leicht Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 15

16 Die Beteiligungsfinanzierung bei Aktiengesellschaften IPO (Initial Public Offering) Ausgabe junger Aktien Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 16

17 Fallbeispiel Mailand Flughafen Handelsblatt, Flughafenbetreiber SEA sagt Börsengang ab Zu wenige Interessenten gab es im Vorfeld für Aktien des Betreibers der beiden Mailänder Flughäfen SEA. Der Börsengang ist daher abgesagt worden. Zwei Großaktionäre hatten zudem zu unterschiedliche Interessen. Der Mailänder Flughafenbetreiber SEA hat seinen geplanten Börsengang wegen mangelndes Interesse abgesagt. Die Nachfrage habe unter dem Angebot gelegen, teilte die Firma am Freitag zur Begründung mit. Zu Quoten äußerte sich SEA nicht. Marktkreisen zufolge gab es bis Freitagmittag lediglich Interesse für 30 bis 40 Prozent der 58,5 Millionen angebotenen Aktien. SEA wollte mit der Emission bis zu 252 Millionen Euro einnehmen. Die Preisspanne lag bei 3,2 bis 4,3 Euro je Anteilsschein. Als erster Handelstag wurde der 6. Dezember angepeilt. Bei dem IPO sollten 23,8 Prozent des Betreibers der beiden Mailänder Flughäfen Malpensa und Linate an die Börse gebracht werden. Er wurde jedoch von einem Streit zwischen zwei Großaktionären begleitet. Hauptaktionär ist mit 56 Prozent die Stadt Mailand, die den Börsengang unterstützte. Der Investmentfonds F2i, der im Besitz von knapp unter 30 Prozent ist, kritisierte jedoch die Wahl des Zeitpunkts und die Bedingungen. F2i hatte im vergangenen Jahr fünf Euro je Aktie gezahlt und hätte einen Teil abschreiben müssen, wenn die Emission zu einem geringeren Preis über die Bühne gegangen wäre. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 17

18 Fallbeispiel OSRAM Handelsblatt, Der Weg zur Börse kostet bei Osram Tausende Jobs Auf dem Weg zum Börsengang fallen bei Osram Tausende Stellen weg. Viele davon im Ausland und über Werksschließungen. Der Stellenabbau und andere Maßnahmen sollen bis 2015 eine Milliarde Euro an Ausgaben einsparen. Die Siemens-Tochter Osram baut auf ihrem Weg an die Börse tausende Stellen ab. Bis 2014 würden weitere 4700 Arbeitsplätze gestrichen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Davon falle die große Mehrheit im Ausland weg, 400 seien es in Deutschland. Verglichen mit dem Stand vom Herbst 2011, als der Traditionshersteller noch Mitarbeiter hatte, will der Leuchtmittelhersteller künftig zwischen 7300 und 8000 Menschen weniger beschäftigen. Osram-Chef Wolfgang Dehen drückt damit im Vorfeld der anstehenden Börsennotierung im kommenden Jahr auf die Kosten. Bis 2015 sollen die Ausgaben um insgesamt eine Milliarde Euro sinken, hieß es. Die Hälfte der Einsparungen solle über einen günstigeren Einkauf kommen. Die Kosten für das Sparprogramm veranschlagte Osram auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Ziel der Aktion sei es, ein nachhaltiges Profitabilitätsniveau zu erreichen und neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Siemens will seine ungeliebte Leuchtmitteltochter vom Gesamtkonzern abspalten. Aktionäre sollen für 10 Siemens- Aktien eine zusätzliche Osram-Aktie erhalten. Viele Fragen sind allerdings noch offen. Von den 4300 Stellen, die der Börsenkandidat im Ausland abbauen will, würden etwa die Hälfte über Werksschließungen erreicht, sagte ein Firmensprecher. Ende 2011 betrieb Osram 44 Fabriken in 16 Ländern. Osram steht durch die starke Konkurrenz aus Asien unter Druck. Seit der Verkündung der ersten Einsparrunde Anfang des Jahres sei der Preis für die zukunftsträchtigen Leuchtdioden (LED) im Durchschnitt um ein Fünftel gesunken, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen will darauf auch mit einer Änderung seiner Fertigungsstrategie reagieren. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 18

19 Fallbeispiel OSRAM Während hochwertige Lampen wie etwa Autoscheinwerfer nach wie vor mit Osram-LEDs bestückt würden, sei es im hart umkämpften Markt der Allgemeinbeleuchtung auch denkbar, dass Osram die Dioden für seine Lampen bei Zulieferern einkaufe. "Wir gehen konsequent den Weg des Firmenumbaus und schreiten dabei in das digitale Lichtzeitalter voran", erklärte Dehen. "Dabei sinkt bei LED-basierten Produkten unsere eigene Wertschöpfungstiefe im Vergleich zum traditionellen Geschäft deutlich. Daher kann der Stellenaufbau in den Zukunftsfeldern die Anpassungen im traditionellen Bereich leider nur teilweise kompensieren. Die Siemens-Tochter Osram bereitet sich auf ihren Weg an die Börse vor. Als Osram Licht AG soll das Unternehmen nach der Abspaltung von Siemens im Frühjahr gehandelt werden. Doch einige Hürden müssen noch genommen werden. Im Geschäft mit den Energie sparenden und langlebigen LED-Lampen geriet Osram zuletzt ins Hintertreffen. Vor allem die koreanischen Hersteller Samsung und LG setzen den Münchnern zu. In Deutschland läuft bereits eine Sparrunde. Binnen Jahresfrist hat Osram zuletzt weltweit bereits 2000 Stellen abgebaut. Die Mutter Siemens will nicht mehr in das Lichtgeschäft investieren und plant, Osram abzuspalten und gut vier Fünftel der Tochter an seine Aktionäre zu verschenken. Je zehn Siemens-Aktien sollen die Eigner im nächsten Jahr einen Osram-Schein als Dreingabe erhalten. Über den angepeilten Wert der Titel hat sich der Konzern noch nicht geäußert. Analyst Heinz Steffen von Alphavalue rechnet basierend auf dem Buchwert der Tochter vor, dass der Wert bei knapp 25 Euro je Anteilsschein liegen dürfte. Demnach wäre das gesamte Unternehmen rund 2,1 Milliarden Euro wert - deutlich weniger als Experten bei Bekanntwerden der Abspaltungspläne erwartet hatten. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 19

20 Fallbeispiel 0 2 Handelsblatt, Größter Börsengang seit fünf Jahren Die Aktie der Telefonica-Tochter O2 feiert ein erfolgreiches Börsendebüt. Die Aktie schnellte am ersten Börsentag knapp vier Prozent in die Höhe. Der Telefonkonzern nimmt 1,45 Milliarden Euro ein. Der größte Börsengang in Deutschland seit mehr als fünf Jahren ist perfekt. Der Mobilfunkbetreiber O2 feierte sein Debüt an der Frankfurter Börse am Dienstag mit Kursgewinnen. Wer die Papiere gezeichnet hatte, konnte zur Premiere 4,2 Prozent Kursgewinn mitnehmen. Die zu 5,60 Euro ausgegebenen Aktien stiegen bis auf 5,84 Euro. "Der Appetit auf unsere Aktien ist überwältigend, und wir sind hocherfreut", sagte Rene Schuster, der Chef der Telefonica Deutschland Holding, die vor allem durch die Marke O2 bekannt ist. Kurz nach 9.00 Uhr hatte Schuster den Handel an der Frankfurter Börse mit der Glocke eingeläutet. Mit einem Volumen von 1,45 Milliarden Euro ist O2 der größte Börsengang in Deutschland seit Juli 2007, als der Motorenhersteller Tognum zwei Milliarden Euro erlöste, und der drittgrößte in Deutschland seit zehn Jahren. Die spanische Mutter Telefonica hält nach der Erstnotiz noch 77 Prozent an der deutschen Tochter, 23 Prozent wurden an Investoren verkauft. Das dürfte Bankern zufolge aber reichen, um O2 im Dezember einen Platz im Nebenwerteindex MDax zu sichern. Telefonica Deutschland kommt zum Ausgabepreis auf einen Börsenwert von 6,3 Milliarden Euro. Anleger vor allem aus Großbritannien und den USA hatten ein Mehrfaches der 259 Millionen Aktien geordert. Dort kam gut an, dass O2 nur in Deutschland vertreten ist - das Land gilt in der Euro-Schuldenkrise als sicherer Hafen. An deutsche Investoren gingen laut Bankern nur knapp zehn Prozent der Anteilsscheine. "Dass die Preisfestsetzung richtig war, zeigt auch die gute Nachfrage an der Börse nach der Aufnahme des Handels", sagte Joachim von der Goltz von der UBS, die den Börsengang zusammen mit der US-Bank J.P. Morgan organisiert hatte. Viele Anleger, deren Orders nur zu einem kleinen Teil bedient wurden, kauften nach. Der Ausgabepreis der Aktien lag in der unteren Hälfte der Preisspanne, die mit 5,25 bis 6,50 Euro breit ausgefallen war. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 20

21 Fallbeispiel 0 2 Der erfolgreiche Start könne auch anderen Börsenkandidaten Mut machen, sagte J.P.-Morgan-Banker Stefan Weiner. "Das war zwar jetzt der Eisbrecher, aber in diesem Jahr werden O2 nicht mehr viele Unternehmen an die Börse folgen. Im kommenden Jahr sehe ich für ein halbes Dutzend deutscher Firmen gute Chancen für Börsengänge in einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro." Telefonica sei eines von wenigen Unternehmen gewesen, die zur rechten Zeit vorbereitet gewesen seien, sagte von der Goltz. Zuvor hatte im Herbst nur der Versicherer Talanx einen dreistelligen Millionenbetrag mit einem Börsengang eingesammelt. Der spanische Telefonriese will mit dem Erlös seine mehr als 57 Milliarden Euro schwere Schuldenlast verringern. Das Geld fließt deshalb komplett nach Spanien, O2 muss seine geplante Aufrüstung auf den neuen Mobilfunkstandard LTE aus eigener Kraft finanzieren. Schuster, einen Amerikaner mit deutschen Eltern, schrecken die Kosten des Ausbaus nicht: Die könne O2 auch selbst erwirtschaften. Zudem habe sich Telefonica in der Vergangenheit großzügig gezeigt und mehr als 6,5 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Das unterstrich Telefonica-Chef Cesar Alierta, der extra für die Börsenpremiere aus Madrid angereist kam: "Wir sind vollkommen vom deutschen Markt überzeugt. O2 ist mit 18,4 Millionen Kunden der kleinste Mobilfunkbetreiber in Deutschland nach den Marktführern Telekom und Vodafone und der KPN -Tochter E-Plus. Die landesweiten Netze verschlingen viel Geld. Schuster kann sich deshalb Netzkooperationen mit Rivalen wie E-Plus vorstellen. "Die Zukunft ist, dass wir mehr miteinander arbeiten. Die Investitionen sind in unserer Branche enorm", sagte der 50-Jährige. Wegen des Börsengangs sei keine Zeit für Verhandlungen gewesen, aber 2013 könnte es losgehen. O2 sei für Partner sehr attraktiv. "Wir haben viel zu bieten, etwa ein tolles Netz und eine gute Frequenzausstattung." O2 und E-Plus hatten im Laufe der Jahre wiederholt Chancen einer Fusion ausgelotet, zuletzt im Frühsommer. Allerdings waren die Gespräche an unterschiedlichen Vorstellungen über die Bewertung der Firmen gescheitert. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 21

22 Börsengang eröffnet einem Unternehmen den Zugang zu weitgefächerten und großen Eigenkapitalquellen Primärmarkt Sekundärmarkt Zeichnung - Bezugspreis Aktie - Emissionserlöse Emittent - Anleger - Emissionskonsortium Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 22

23 Aufgabe zur Finanzierung mit Aktien 1. Skizzieren Sie den Ablauf des Börsengangs eines Unternehmens. 2. Wie bildet sich der Preis einer Aktie? Wovon ist der Preis mittelbar und unmittelbar abhängig. 3. Welche Vorteile hat der Börsengang als Finanzierungsquelle für ein Unternehmen? Welche Nachteile gibt es? 4. Was erwartet der Markt von einem an die Börse gehenden Unternehmen? 5. Recherchieren Sie weitere erfolgreiche und weniger erfolgreiche Börsengänge. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 23

24 Interessenskonflikte bei der Beteiligungsfinanzierung auf dem Sekundärmarkt 1. Durch die Ausgabe junger Aktien beschafft sich eine AG neues Eigenkapital. 2. Bestehende Aktionäre sollen ihren Stimmrechtsanteil wahren, ihr Anteil am Vermögen halten und vor Wertverlust ihrer Aktien geschützt werden. 3. Die Ausgabe junger Aktien bedarf der Zustimmung der Hauptversammlung.. Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 24

25 Handelbare Bezugsrechte ermöglichen den Interessenausgleich Grundkapital der AG (Mio. ) 60 geplante Erhöhung (Mio. ) 20 Kurs der Aktie ( ) 40 Preis der jungen Aktie ( ) 32 Bezugsverhältnis (BV) Wert und Berechnung Das BV gibt an, für wie viele alte Aktien eine junge bezogen werden kann Bisheriges GK / GK-Erhöhung = 60/20 = 3:1 D.h., für den Kauf einer jungen Aktie benötigt man 3 Bezugsrechte Das Bezugsrecht ist handelbar Wert des Bezugsrechts ( ) (Kurs alt Preis der jungen Aktie) / (BV+1) = 8/4 = 2 Erwarteter neuer Kurs der Aktie nach der Ausgabe der jungen Aktien ( ) ( ) / 4 = 38 Investition und Finanzierung - Wintersemester 2012/13 25

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