Die Schöne und das Biest

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1 Die Schöne und das Biest frei nach dem gleichnamigen französischen Märchen in 5 Akten von Martha Carmen

2 Inhalt: Belle ist die jüngste Tochter eines reichen Kaufmanns. Ihr Vater verliert seine Schiffe, als diese auf hoher See in einen Sturm geraten. Fortan führt die Familie ein Leben in Armut. Jahre später erfährt Belles Vater, dass eines seiner Schiffe unbeschädigt dem Sturm entkommen ist. Überglücklich macht er sich auf den Weg zum Hafen. Zuvor erkundigt er sich bei seinen Kindern, was er ihnen aus der Stadt mitbringen soll. Seine ältesten Töchter wünschen sich neue Kleider. Belle hingegen wünscht sich eine Rose, die er auf seinem Weg findet. Am Hafen stellt der Kaufmann fest, dass es sich bei dem heimgekehrten Schiff, nicht um eines seiner Schiffe handelt. Somit kann er für seine ältesten Töchter keine neuen Kleider kaufen. Auf dem Nachhauseweg kommt der Kaufmann an einem Schloss vorbei. Er entdeckt im Schlossgarten eine Rose, die er Belle mitbringen möchte. Doch als er die Rose pflückt, steht plötzlich ein Tier in Menschengestalt vor ihm. Das Biest ist über den Diebstahl erbost und es droht dem Kaufmann eine Bestrafung an. Die Kreatur sagt, dass der Kaufmann zwar heimkehren, aber er oder eines seiner Kinder, unverzüglich zum Schloss zurückkehren muss. Als Belle davon erfährt, fühlt sie sich schuldig und sie beschließt, an Stelle ihres Vaters zum Schloss zu gehen Spieldauer: ca. 60 Minuten Personen: 5 (2 m / 3 w) (Anmerkungen und Auftritte s. Anhang!) Belle die jüngste Tochter Biest / Prinz ein Tier in Menschengestalt als Biest, prachtvolle Kleidung als Prinz Kaufmann geschmackvoll gekleidet 1. Tochter Schwester von Belle, aufgedonnert gestylt (Kleidung und Frisur) 2. Tochter Schwester von Belle, aufgedonnert gestylt (Kleidung und Frisur) Bühnenbilder: 1 Ein Schloss mit Garten. Auf der linken Seite (vom Publikum aus gesehen) liegt das Schloss. Es gibt einen reichhaltig gedeckten Tisch mit mindestens einem Stuhl. Neben einer Feuerstelle steht ein Sofa. Das Schloss verfügt über eine Eingangstür, die in den Garten führt. Auf der rechten Seite ist der Schlossgarten mit Rosenbüschen. Holzscheitel liegen auf dem Boden vor dem Vorhang. Insgesamt sind 3 Abgänge nötig. Links führt 1 Abgang vom Schloss zu den restlichen Zimmern. 1 Abgang rechts hinten führt in den Garten. 1 Abgang ist rechts vor dem Vorhang. Requisiten: 1 Spielball - 1 Weidenkorb 1 Handspiegel 1 Ring Speisen und Getränke 1

3 1. Akt I, 1. Szene (Belle) (Der Vorhang ist geschlossen. Auf dem Boden vor dem Vorhang liegen Holzscheitel.) (Auftritt Belle von rechts vorne. Sie tänzelt vergnügt vor dem verschlossenen Vorhang über die Bühne und spielt mit einem Ball.) (entzückt) Was für ein schöner Tag. Und was für ein schönes Spiel. Der Ball ist mein liebstes Spielzeug. I, 2. Szene (Belle, Kaufmann) (Auftritt Kaufmann von rechts vorne. Er bemerkt Belle nicht sofort.) (verzweifelt) O je! O je! O je! Was für eine schreckliche Nachricht! Was mache ich nur? Was ist jetzt zu tun? Wie soll ich jetzt meine Familie ernähren? Wir werden verhungern! Kinder! Ihr Kinder! Wo seid ihr? Ich bin hier, Vater! (unterbricht ihr Spiel) (entdeckt Belle, aufgeregt) Belle, grüß dich mein Kind. (läuft ihm entgegen, besorgt) Warum bist du denn so aufgeregt, Vater? Belle, mein Kind, sag mir, weißt du wo deine Geschwister sind? Ich weiß nicht wo die alle sind, Vater. Ich muss sofort mit euch allen sprechen. Es ist dringend. Was ist passiert, Vater? 2

4 Etwas ganz Schlimmes, mein Kind. Was ist denn so schlimm? O je! O je! O je! Was soll ich nun tun? Kann ich dir irgendwie helfen, Vater? Niemand kann mir jetzt noch helfen. Ich bin verloren. Wir sind alle verloren! Ich verstehe nicht, Vater. Belle, lauf und such nach deinen Geschwistern. Ich muss sofort mit euch allen sprechen. Es ist dringend! Ist gut Vater. Beeil dich, Belle. Ich mach mich sofort auf den Weg und such nach ihnen. Ist gut. (Belle geht rechts vorne ab. Der Kaufmann läuft verstört umher.) I, 3. Szene (Kaufmann, 1. Tochter, 2. Tochter) (Auftritt 1. Tochter und 2. Tochter von rechts vorne.) Vater, du wolltest uns sprechen? (aufgeregt) Ja, Kinder. Kommt her! Wo sind eure Geschwister? 3

5 Belle sucht nach ihnen. Was ist los, Vater? Etwas Schreckliches ist passiert, Kinder! Was denn, Vater? Etwas ganz Schreckliches! Nun sag` schon, Vater! Was ist los? (stammelt verzweifelt) Ich war heute am Hafen Und? Du gehst fast jeden Tag zum Hafen. Was ist los? Ich habe schlechte Nachrichten erhalten, Kinder. Was für schlechte Nachrichten, Vater? Ich trau mich gar nicht es laut auszusprechen! Nun sag uns endlich was los ist, Vater! Am Hafen sagte man mir, dass all meine Schiffe in einen schlimmen Sturm geraten sind! Und was heißt das? Ich hab all meine Schiffe verloren! Die Schiffe waren beladen mit kostbaren Gütern. Ich habe mein ganzes Geld in meine Schiffe und die Ladung investiert. Nun ist alles verloren. Ich habe keine Schiffe mehr! Versteht ihr jetzt? Na ja, wir haben noch unser großes Haus und wir haben unsere schönen Kleider. 4

6 Ja, Vater. Solange wir unser Haus und unsere schönen Kleider haben, ist doch alles in Ordnung oder nicht? Unser schönes Haus werden wir nicht behalten können! Was? Warum nicht? Wir werden in ein kleines Haus umziehen müssen, denn unser großes Haus können wir uns ab sofort nicht mehr leisten. Du willst mit uns in ein kleines Haus ziehen? Ja. Das werden wir tun müssen. Ich will aber nicht in einem kleinen Haus wohnen. Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, Kinder. Werde ich in dem kleinen Haus mein eigenes Zimmer haben? Ein kleineres Haus bedeutet weniger Platz für uns alle. Ihr werdet etwas zusammenrücken und euch ein Zimmer teilen müssen. Ich will aber ein Zimmer ganz für mich alleine haben. Wo soll ich sonst all meine schönen Kleider unterbringen? Wir werden uns in Zukunft einschränken müssen. Uns einschränken wie sich das anhört. Was meinst du mit uns einschränken müssen? Wir werden sehr sparsam sein müssen. Das heißt, dass wir uns keinen Luxus mehr leisten können. 5

7 Neue Kleider sind doch kein Luxus! Du willst doch sicher, dass wir hübsch aussehen, Vater! Das sehe ich genauso! Sollen wir in Zukunft in Lumpen herumlaufen? Nein. Ihr werdet eure alten Kleider auftragen müssen. Ich will aber nicht meine alten Kleider tragen. Ich will mir neue Kleider kaufen können. Außerdem brauche ich immer wieder neue Bänder für mein Haar. Es tut mir Leid, Kinder. Aber so sieht es aus. Ich werde sehr viel mehr arbeiten müssen, damit wir nicht verhungern. Wenn du mehr arbeitest, dann ist doch genug Geld da für neue Garderobe. Das stimmt! (seufzt) Ach, Kinder. Neue Kleider werden unser kleinstes Problem sein. Für mich nicht. Für mich auch nicht. Das Wichtigste wird in Zukunft sein, dass wir genug zu essen auf dem Tisch haben. Ein kleineres Haus, kein eigenes Zimmer, nicht genug zu essen und keine neuen Kleider mehr. Was für ein schreckliches Leben! Ja, was für ein grausames Leben! Kommt! Wir sehen nach, wo eure Geschwister sind. 6

8 (Kaufmann, 1. Tochter und 2. Tochter gehen rechts vorne ab.) I, 4. Szene (Belle) (Auftritt Belle von rechts vorne. Mittlerweile sind einige Jahre vergangen. Sie trägt einen Weidenkorb auf dem Rücken. Belle nimmt den Weidenkorb ab, stellt ihn auf den Boden und beginnt, Holzscheitel vom Boden aufzusammeln.) Seit Vater seine Schiffe verloren hat, sind viele Jahre vergangen. Wir haben oft nicht genug zu essen. Vater muss hart arbeiten und wir müssen alle mithelfen. Aber ich mache es gerne. Ich helfe gerne mit. Wenn wir alle zusammenhalten, kriegen wir das schon hin. Irgendwann wird es uns bestimmt wieder besser gehen. I, 5. Szene (Belle, Kaufmann) (aus dem OFF) Kinder! Kinder! Ja! Ich bin hier, Vater! (aus dem OFF) Wer hat das gesagt? Ich! (aus dem OFF) Wer ist ICH? (amüsiert) Na, ich! Belle! Wo bist du? Na, hier! 7

9 (Auftritt Kaufmann von rechts vorne.) Was machst du denn da, Belle? Ich sammle Holz für den Kamin, damit wir uns heute Abend ein Feuer machen können. Weißt du, wo deine Geschwister sind? Im Haus sind sie nicht. Ich weiß nicht, Vater. Ich habe gute Nachrichten. Was für gute Nachrichten? Stell dir vor I, 6. Szene (Belle, Kaufmann, 1. Tochter, 2. Tochter) (1. Tochter und 2. Tochter kommen von rechts vorne angelaufen.) Hast du gerufen, Vater? Da seid ihr ja. Was ist los, Vater? Ich habe gute Nachrichten, Kinder. Was für gute Nachrichten? Unser Leben in Armut hat womöglich ein Ende. 8

10 Wie meinst du das, Vater? Ich habe heute erfahren, dass eines meiner Schiffe unbeschädigt den Hafen erreicht hat. Du hast nicht all deine Schiffe verloren? Anscheinend nicht. Das sind ja tolle Nachrichten, Vater. Das sind wirklich gute Nachrichten. Und was heißt das jetzt für uns? Das heißt, dass wir in Zukunft keine Geldsorgen mehr haben werden. Wir haben wieder Geld? So sieht es aus. Dann können wir uns wieder neue Kleider leisten? Ja. Können wir uns dann wieder ein größeres Haus leisten? Ja. Dann kann jede von uns wieder ein eigenes Zimmer haben? Das wäre dann wieder möglich. Endlich! 9

11 Dann musst du nicht mehr so hart arbeiten, Vater? Nein. Das sind wirklich gute Neuigkeiten, Vater. Kinder, ich mache mich jetzt auf den Weg zum Hafen, um meine Schiffsladung zu sichten. Vielleicht kann ich meine Ladung gleich verkaufen. Ich möchte euch etwas aus der Stadt mitbringen. Was wünscht ihr euch? Was kann ich euch mitbringen? Ich hätte gerne ein Kleid aus Seide mit Spitzen. Und dazu hätte ich gerne passende Bänder für mein Haar. Ich hätte gerne neue Schuhe und einen Hut. Ein Tuch wäre noch schön, das ich mir um die Schultern legen kann. Belle, was kann ich dir mitbringen? Vater, solltest du auf deinem Weg in die Stadt eine Rose sehen, dann bring mit bitte eine Rose mit. Du willst eine Rose? Was ist das denn für ein sonderlicher Wunsch? Ja, Belle, was ist das denn für ein Wunsch? Ich brauche kein neues Kleid, keine neuen Schuhe und auch keinen neuen Hut. Ich wünsche mir einfach nur eine Rose. (spöttisch) Eine Rose unsere liebe Schwester wünscht sich eine Rose. Naja, wenn sich unsere Schwester nur eine Rose wünscht, kannst du mehr Geld für uns ausgeben, Vater. Außer den Schuhen, dem Hut und dem Tuch, kannst du mir dann auch ein neues Kleid kaufen, Vater. 10

12 Dann hätte ich gerne zu meinem Kleid aus Seide die passenden Schuhe dazu, Vater. Nun gut, ihr Mädchen. Ihr bekommt eure Garderobe und Belle bekommt ihre Rose. Wann gehst du denn zum Hafen? Ich mache mich sogleich auf den Weg. Dann haben wir bald schon unsere neuen Kleider. Das ist toll. Gut, dann gehe ich jetzt. Ihr könnt mich noch ein Stück auf meinem Weg begleiten. (Kaufmann, Belle, 1. Tochter, 2. Tochter, gehen rechts vorne ab.) 2. Akt II, 1. Szene (Kaufmann) (Vorhang auf.) (Auftritt Kaufmann von rechts hinten. Er wirkt bedrückt. Da er diesen Weg noch nie gegangen ist, bemerkt er das Schloss nicht sofort.) Ich armer Mann! Ich armer, armer Mann! Nun bin ich endgültig verloren! Wie soll ich das meiner Familie beibringen? Ich war am Hafen und was musste ich feststellen? Dieses Schiff, das den Hafen unbeschädigt erreicht hat, war nicht mein Schiff. Es war das Schiff eines anderen Mannes. Ich bin verloren! Nun muss ich nach Hause gehen und meinen Kinder mitteilen, dass wir weiter in Armut leben müssen. - Ich habe einen anderen Heimweg gewählt. Diesen Weg bin ich noch nie gegangen. Es ist ein längerer Weg zurück nach Hause. Aber so 11

13 habe ich mehr Zeit zum Nachdenken, wie ich meiner Familie (bleibt stehen, erstaunt) Na, was ist denn das für ein schönes Gemäuer? Ich wusste gar nicht, dass es so ein schönes Schloss in unserer Gegend gibt. Wem dieses Schloss wohl gehören mag? (überlegt) Ein langer Weg liegt hinter mir. So langsam werde ich müde. Ich will zum Schloss gehen und anklopfen. Ich will fragen, ob ich mich drinnen ein wenig ausruhen kann. Etwas zu essen brauche ich auch. Ich bin hungrig und ich habe Durst. (geht zur Eingangstür und klopft an) Hallo! (wartet einen Augenblick und klopft erneut an) Hallo! Ist jemand da? (lauscht und klopft erneut an die Tür) Hallo! Darf ich eintreten? (drückt mit der Hand gegen die Tür) (Die Tür geht auf. Der Kaufmann ist beeindruckt von dem Schloss und sieht sich um. Als er den gedeckten Tisch entdeckt, geht er auf den Tisch zu und staunt.) Der Tisch ist gedeckt mit Speisen und Getränken. Es gibt Brot und Käse da liegt ein saftiger Schinken frisches Obst und Kuchen gibt es auch. Hier steht eine Karaffe Wein und ein Glas. Ich bin so schrecklich hungrig. Ob ich mir von dem Essen nehmen darf? Ich würde ja gerne fragen, ob ich etwas zu essen und zu trinken haben darf. Aber wen soll ich fragen? (Geht im Zimmer umher und sucht nach dem Hausherrn.) Entschuldigung! Gibt es hier einen Hausherrn oder eine Hausherrin? Hallo! (Als er keine Antwort erhält, geht er zurück zum Tisch und nimmt sich etwas zu essen.) Schmeckt das gut. Ich merke, wie ich wieder zu Kräften komme. Noch einen Schluck Wein und dann will ich meinen Weg nach Hause fortsetzen. (füllt das Glas und trinkt) War das gut. Das hat mir gut geschmeckt. Jetzt bin ich nicht mehr hungrig und durstig. Mein Magen ist gefüllt und nun will ich mich auf den Heimweg machen. (Er verlässt das Haus. Im Garten entdeckt er Rosenbüsche.) Was blühen denn da für schöne Rosen? Die Rosen sind wunderschön. Meine ältesten 12

14 Töchter haben sich neue Kleider gewünscht. Die Kleider konnte ich nicht kaufen. Aber ich kann meiner jüngsten Tochter Belle eine Rose mitnehmen. Belle ist so ein bescheidenes Kind und sie hat sich nichts weiter als eine Rose gewünscht. Ich will eine Rose pflücken und sie Belle mitbringen. (unschlüssig) Aber welche Rose soll ich pflücken? Die sind alle so schön. 13

15 Anhang: Anmerkungen: Für das Biest bleibt nicht viel Zeit zum Umziehen, wenn es sich in den Prinzen verwandelt und umgekehrt. Deshalb ist aus Zeitgründen für das Gesicht des Biestes kein aufwendiges Make-up zu empfehlen, sondern eine Maske, die man schnell aufsetzen bzw. abnehmen kann. Auftritte: 1. Akt 1. Szene: Belle 2. Szene: Kaufmann, Belle 3. Szene: Kaufmann, 1. Tochter, 2. Tochter 4. Szene: Belle 5. Szene: Belle, Kaufmann 6. Szene: Belle, Kaufmann, 1. Tochter, 2. Tochter 2. Akt 1. Szene: Kaufmann 2. Szene: Kaufmann, Biest 3. Akt 1. Szene: Kaufmann, Belle, 1. Tochter, 2. Tochter 4. Akt 1. Szene: Belle 2. Szene: Belle, Biest 3. Szene: Belle 4. Szene: Belle, Prinz 5. Szene: Belle 6. Szene: Belle, Biest 7. Szene: Biest 8. Szene: Belle, Biest 5. Akt 1. Szene: Belle, 1. Tochter, 2. Tochter 2. Szene: 1. Tochter, 2. Tochter 3. Szene: 1. Tochter, 2. Tochter, Belle 4. Szene: Biest 5. Szene: Biest, Belle 6. Szene: Belle 7. Szene: Belle, Prinz 14

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