Lehrveranstaltung 13 Kapitalflussrechnung

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1 Finanzwirtschaftliche Analyse 13-1 Lehrveranstaltung 13 Kapitalflussrechnung Gliederung 1. Bewegungsbilanzen 2. Kapitalflussrechnung Finanzwirtschaftliche Analyse 13-2 Analyse der Finanzgebarung Ziel der Analyse der Finanzgebarung ist die Feststellung der Finanzzu- und abflüsse einer Periode und zwar sowohl in ihrer größenmäßigen als auch ihrer artmäßigen Gliederung, um daraus eine wertende Beurteilung des Finanzgeschehens für das bilanzierende Unternehmen im Hinblick auf das finanzielle Gleichgewicht durchzuführen. Praktische Umsetzung des obigen Ansatzes: - Bewegungsbilanzen - Kapitalflußrechnungen 1

2 Finanzwirtschaftliche Analyse 13-3 Analyse der Finanzgebarung II - Bewegungsbilanz Bilanzgleichung: Mittelverwendung = Mittelherkunft Strukturbild der Bewegungsbilanz I. Investierung III. Finanzierung = Aktivmehrung = Passivmehrung II. Definanzierung IV. Desinvestierung = Passivminderung = Aktivminderung Grundschema einer Bewegungsbilanz Mittelverwendung einschließlich Verlustzunahme Gewinnabnahme Mittelherkunft einschließlich Gewinnzunahme Verlustabnahme Finanzwirtschaftliche Analyse 13-4 Kapitalflussrechnung Die Kapitalflussrechnung ist eine liquiditätsbezogene Zeitraumrechnung, die aus der Anfangs- und Schlussbilanz sowie den Aufwands- und Ertragspositionen eines Geschäftsjahres abgeleitet wird. Das Ziel ist, die Investitions- und Finanzierungströme eines Unternehmens so darzustellen, dass ihre Auswirkungen auf dessen Liquidität deutlich werden. 2

3 Finanzwirtschaftliche Analyse 13-5 Kapitalflussrechnung - Aufgaben und Adressaten Informationsfunktion über: - finanzielle Lage des Unternehmens durch Ausweis der Struktur der Ausund Einzahlungen - Darstellung der Mittelherkunft und - verwendung der Zahlungsströme Adressaten: - Gläubiger - Investoren - Öffentlichkeit - Unternehmensleitung Finanzwirtschaftliche Analyse 13-6 Kapitalflussrechnung - Allgemeine Grundsätze - Nachprüfbarkeit - Wesentlichkeit - Stetigkeit - Beachtung des Bruttoprinzips - Darstellung in Staffelform (dabei Unterteilung in 3 Tätigkeitsfelder) 3

4 Finanzwirtschaftliche Analyse 13-7 Kapitalflussrechnung - Tätigkeitsfelder 1. Bereich der lfd. Geschäftstätigkeit Mittelzuflüsse resultieren aus: - Umsatztätigkeit (Verkauf, Service, Produktion) - Zinserträgen und Dividenden - Verkauf von Wertpapieren des Handelsbestandes - sonstigen Einzahlungen (z.b. Versicherungsentschädigungen) Mittelabflüsse resultieren aus: - Wareneinkäufen einschl. Rückzahlungen von Lieferantenkrediten - Lohn- und Gehaltszahlungen - Zinsaufwendungen, Zöllen, Steuern, Gebühren usw. - Kauf von Wertpapieren des Handelsbestandes - sonstigen Auszahlungen (z.b. Spenden) Finanzwirtschaftliche Analyse 13-8 Kapitalflussrechnung - Tätigkeitsfelder 2. Bereich der Investitionstätigkeit Mittelzuflüsse resultieren aus: - Tilgungen oder Abtretung von Darlehensforderungen und anderen Gläubigerpapieren - Verkauf oder Rückführung von Beteiligungen oder Wertpapieren - Verkauf von Sach- und sonstigen Anlagen der Produktion Mittelabflüsse resultieren aus: - Vergabe von Darlehen und Erwerb anderer Gläubigerpapiere - Erwerb von Beteiligungen und Wertpapieren - Erwerb von Sachanlagen und sonstigen Anlagen der Produktion 4

5 Finanzwirtschaftliche Analyse 13-9 Kapitalflussrechnung - Tätigkeitsfelder 3. Bereich der Finanzierungstätigkeit Mittelzuflüsse resultieren aus: - Kapitalerhöhungen - Kreditaufnahmen (z.b. Anleihen, Darlehen, Wechsel) Mittelabflüsse resultieren aus: - Dividenden und sonstigen Vergütungen an die Kapitaleigner - Kapitalrückführungen - Tilgung von Kreditaufnahmen Finanzwirtschaftliche Analyse Kapitalflussrechnung - Regelungen - nach 297 HGB Aufstellungspflicht für Konzerne - Aufstellung erfolgt seit 1999 nach DRS 2 (Deutscher Rechnungslegungsstandard) - Bei Börsennotierungen in den USA Bilanzierung nach US-GAAP erforderlich, also Kapitalflussrechnung nach SFAS No Nach IAS besteht eine Aufstellungspflicht für alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Rechtsform. 5

6 Finanzwirtschaftliche Analyse Kapitalflussrechnung - Finanzmittelfonds Definition: Bestand an Finanzmitteln, auf den Zahlungsvorgänge (cash flows) i.s. v. Zugängen bzw. Abgängen flüssiger Mittel bezogen werden sollen. Die Aussagekraft der Kapitalflussrechnung hängt von der Abgrenzung dieses Finanzmittelfonds ab. Zusammensetzung: Zahlungsmittel (cash) - Kasse und tägliche fällige Sichteinlagen Zahlungsmitteläquivalente (cash equivalents) Kurzfristige (max. 3 Monate Laufzeit), äußerst liquide Finanzmittel, - die als Liquiditätsreserve gehalten werden, - jederzeit als Liquiditätsreserve gehalten werden, - keinen Bewertungsschwankungen unterliegen. (Unvermeidliche Bewertungsschwankungen müssen im Anhang offengelegt werden.) Finanzwirtschaftliche Analyse Kapitalflussrechnung - Abgrenzungsformen Nettoumlaufvermögen: Saldo aus liquiden Mitteln und kurzfristigen Passivposten + kurzfristigen Aktivposten (Vorräte, Anzahlungen, RAP) Nettogeldvermögen: Liquide Mittel + Saldo aus Geldforderungen und -verbindlichkeiten mit maximaler Restlaufzeit bis zum Bilanzstichtag Problem: Falsche Interpretation einer Veränderung des Finanzmittelfonds durch Nichtzahlungsvorgänge wie Bewertungsänderungen. 6

7 Finanzwirtschaftliche Analyse Kapitalflussrechnung - Formen Originär: - Daten werden im laufenden Geschäftsjahr in der Finanzbuchhaltung erfasst und aufbereitet. - Unterteilung in zahlungswirksame, zahlungsunwirksame und sowohl als auch Vorgänge erforderlich. Derivativ: - Die Zahlen werden im Nachhinein aus der Bilanz bzw. GuV durch Abzug der nichtzahlungswirksamen Vorgänge errechnet. Finanzwirtschaftliche Analyse Kapitalflussrechnung - Formen Direkte Methode: - Ansatz bei den Umsatzerlösen (GuV) - Nichtzahlungswirksame Vorgänge und Abgrenzungsposten werden abgezogen - Vorgeschriebene Darstellungsform für die Bereiche Finanzierung- und Investitionstätigkeit - Wahlmöglichkeit im Bereich der laufenden Geschäftstätigkeit zwischen dieser und der indirekten Methode Indirekte Methode: - Ansatz bei Jahresüberschuss/ - fehlbetrag (Bilanz) - Nichtzahlungswirksame Aufwendungen werden addiert - Nichtzahlungswirksame Erträge werden subtrahiert (z.b. Abschreibungen, Rückstellungen) 7

8 Finanzwirtschaftliche Analyse Kapitalflussrechnung - Formen Retrospektive Kapitalflussrechnung: - bezieht sich rückblickend auf die Ist-Zahlen der vergangenen Jahre Prospektive Kapitalflussrechnung: - errechnet sich auf der Basis von Planzahlen künftiger Perioden pro Monat, wobei eine ständige Aktualisierung notwendig ist Finanzwirtschaftliche Analyse Die Fondsrechnung Die Erkenntnis, dass Finanzabrechnungen Bestandteil des Jahresabschlusses sein sollten, hat sich zuerst im anglo-amerikanischen Wirtschaftsraum durchgesetzt. Die Fondsrechnung kann als Kapitalflußrechnung mit Fondsausgliederung bezeichnet werden. Die Konzeption der Fondsrechnung geht von zwei, für die Darstellung der Finanzlage relevanten Tatbeständen aus: - dass die Zahlungsfähigkeit einer Unternehmung von der aktuellen Verfügbarkeit über Finanzmittel und den fälligen Schulden abhängt, d.h. von zwei Größen, die gegensätzlich determiniert sind, laufenden Veränderungen unterliegen und trotzdem wieder zur Deckung gebracht werden - dass die Finanzuflüsse und - abflüsse des Wirtschaftsgeschehens in der Kasse der Unternehmung am Anfang und am Ende eines finanzwirtschaftlichen Wertekreislaufes stehen, der sich in der Finanzbuchhaltung niederschlägt und in der Bilanz seinen stichtagsbezogenen Ausdruck findet 8

9 Finanzwirtschaftliche Analyse Die Fondsrechnung II Ziel der Fondsrechnung ist es, aus der Fondsart und Fondsgröße, insbesondere aber aus der Fondsänderung, Rückflüsse auf die finanzielle Beweglichkeit der Unternehmung und damit auf ihre Zahlungsfähigkeit zu ziehen. Ein Fond ist eine ausgegliederte Mittelgesamtheit von kurzfristigen Werten, die durch Finanzmittelzu- und -abflüsse laufenden Veränderungen unterworfen sind. Die bekanntesten Fond sind: - Netto-Finanzmittelfonds (net-money-assets) - Netto-Umlaufmittelfonds (net-working-capital) Finanzwirtschaftliche Analyse

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