Wahrheit und Täuschung Studiumdigitale

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1 Wahrheit und Täuschung Studiumdigitale Prof. Dr. Bernd Trocholepczy Prof. Dr. Detlef Krömker Goethe-Universität, Frankfurt Graphische Datenverarbeitung

2 Wahrheit und Täuschung Im SS 05 Seminar (für Lehramtsstudierende) Ab dem WS 05/06: Ringvorlesung + Seminar Neue Medien und Gesellschaft Wahrheit und Täuschung In mehreren Studiengängen: Lehramtsstudiengänge + Bachelorstudiengänge ( Medienkompetenz ) ( Ergänzung ) 2

3 Übersicht Graphische Datenverarbeitung Computer Graphics Bildmanipulation ist mein (unser) Geschäft Trau keinem Bild, das du nicht selbst gefälscht hast! Die Möglichkeiten der Manipulation T Optische Täuschungen Illusionen, Wahrnehmungsphänomene T Lügen mit Fotografien/Filmen - Bildretusche,, Animation T Falsche Visualisierungen 3

4 InViVo 4D Bildgebende Verfahren in der Medizin Echo-cardio Datensatz 3 Orts- & 1 Zeitdimension

5 Wechsel zwischen verschiedenen Abstraktionen und Modellen 5

6 Fraktale Modellierung 6

7 Grammatiken 7

8 Grammatiken 8

9 The purpose of computation is insight, not numbers. Hamming, 1973 The purpose of visualization is insight, not pictures. 9

10 Optische Täuschungen - Illusionen Unsere Wahrnehmung ist nicht objektiv! Das gibt Anlass für viele Spielereien sehr viel mehr, als Sie hier sehen. 10

11 Unmögliches und Kurioses 11

12 Bildmanipulation ist unser Geschäft Bilder erfassen, generieren, repräsentieren, manipulieren und präsentieren, mit ggf. sehr unterschiedlichen Zielen: T Erkenntnisse gewinnen T Kenntnisse vermitteln T Unterhalten T Verführen T Täuschen T Lügen Wir alle haben die Tendenz, Bilder als besonders glaubwürdig zu betrachten. Die Aussage "ich habe es ja selbst gesehen" gilt oft als Wahrheitsbeweis. Jedes Bild trägt jedoch selbst ohne Fälschungsabsicht die Tendenz einer Unwahrheit oder Teilwahrheit in sich. 12

13 Meinungen hier Karl Prümm Allmählich kommt aber auch ins Bewußtsein, daß die Techniken der Digitalisierung tief in die Wahrnehmungsordnungen eingreifen. Mehr noch als für Text und Schrift gilt dies für die visuellen Medien, für die Bilderwelten, die seit dem 19. Jahrhundert zunehmend unsere Kultur prägen,. Das digitalisierte, täuschend nachgemachte Wirklichkeitsbild macht Schluß mit einem solchen Mißbrauch der Fotografie als Beglaubigungsinstrument. Es macht unmißverständlich klar, daß die Bilder immer lügen, daß sie nie mehr sind als ästhetische Transformation von Wirklichkeit, zufällige und subjektive Blicke, die durch eine unendliche Reihe anderer Blicke widerlegt werden. Die Krise des dokumentarischen Bildes hat etwas Produktiv- Enthüllendes. aus Medienwissenschaft rezensionen reviews Heft 3 (1996). S

14 Stellungnahme des Schweizer Presserates vom 28. Dezember 1992 zur Manipulation des Pressefotos durch elektronische Bildverarbeitung 1. Bildmanipulationen, die fotografische Originalvorlagen im Sinn einer Veränderung von deren Aussagen verfälschen bzw. als Retortenfotos" den Betrachter irreführen, weil dieser eine Abbildung der Wirklichkeit" vor sich zu haben glaubt, stellen grundsätzlich eine Verletzung der Erklärung der Pflichten und Rechte des Journalisten" dar. 2. Fotobearbeitungen und Bildmontagen sind bei deren Publikation ausdrücklich als solche zu bezeichnen. 3. Die Fotografen der Originalvorlagen, die für eine Bildbearbeitung oder - montage verwendet werden, sind um ihr Einverständnis zur ihnen vorzulegenden Form eine Bildbearbeitung oder -montage anzugehen. 4. Der/die Urheber der Originalvorlage(n) sowie der Verantwortliche für die Bildbearbeitung oder -montage sind bei deren Publikation zu nennen. Soweit der Kodex aber eine einfache Wahrheit dominiert: Microsoft-Gründer Bill Gates: "Wer die Bilder beherrscht, beherrscht die Köpfe." 14

15 Die Möglichkeiten zur Manipulation Das "Lügen-ABC" Das gestellte Bild die Filme des berühmten TV-Fälschers Michael Born über angebliche Umtriebe des Ku-Klux-Klan und PKK-Terroristen in Deutschland gehören in diese Kategorie Das Bild mit falscher Unterschrift oder in falschem Zusammenhang so geschehen etwa mit dem Bild aus einer Kinderkrippe in der Nähe von Leipzig. Aus Kindern in gestreiften Frotteeanzügen wurden 1978 in der westdeutschen christlichen Kampfbroschüre "Stimme der Märtyrer" Häflinge in einem DDR-Kinder-KZ. Das veränderte Bild hierzu einige Beispiele 15

16 Hier ist es sicher nur ein Spaß 16

17 Inside Stalin's Darkroom Artikel im Hoover Digest, Stanford University, 1998 Original aus der 1938 im Moskauer Exil erschienenen Geschichte der KPdSU Kurzer Lehrgang. Es zeigt Stalin mit Woroschilow, Molotow und Nikolaj Jeshow. Letzterer, als Vertrauter Stalins mitverantwortlich für die Durchführung der Säuberungen" 1937/38, fehlt auf dem unteren Foto, das der Kurze Lehrgang in der 1945 im KPD-Verlag Berlin erschienenen Ausgabe (angeblich ein wörtlicher Nachdruck") zeigte. Jeshow war nämlich 1939 selbst verhaftet und schließlich erschossen worden. 17

18 Lügen mit Fotografien - Bildretusche Der heiße Kuss Verflixt, warum schaut er nicht zu ihr hin!" Fälschung und Original mag ein Redakteur des "Mirror" geflucht haben. 18

19 Blutspur des Grauens Nach dem Attentat im ägyptischen Luxor (November 1997) titelt das Schweizer Boulevardblatt Blick Ein Land wie im Krieg" Darüber das Foto mit der Bildunterschrift: Blutspur des Grauens: Der Platz vor dem Tempel der Hatschepsut ist geräumt, die Spuren des Massakers aber sind noch deutlich zu sehen." Das Original von Associated Press offenbart, dass die Redaktion des Blick bei der Blutspur" nachgeholfen hatte. 19

20 Noch ein sehr makabres Beispiel Anonym ins Web gestellt Aber leicht (?) als Fälschung zu identifizieren: Überschärfe, falsche Schatten Freistellungen hinterlassen leicht Spuren, JPEG offenbart dies Abgasstrahl fehlt Falsche Richtung des Fliegers Falscher Maschinentyp Boing 757 statt

21 Allgemeine Anforderungen Eine Visualisierung soll expressiv, möglichst effektiv und dabei angemessen sein. 21

22 Expressivität (Ausdrucksfähigkeit) Kriterium: Unverfälschte Wiedergabe der Daten Nur die in den Daten enthaltenen Informationen und nur diese sollen durch die Visualisierung dargestellt werden. 22

23 Beispiel Expressivität Scatterplot Balkendiagramm nach Mackinlay 86 Das Balkendiagramm ist nicht expressiv, da es kontinuierliche, geordnete Werte auf der Abszisse suggeriert. 23

24 Fehlerhafte Nutzung der Perspektive The standard required an increase in mileage from 18 to 27.5, an increase of 53%. The magnitude of increase shown in the graph is 783%, for a whopping lie factor = (783/53) = 14.8! 24

25 Was nehmen wir war? Größe, Fläche, Volumen? Eine eindimensionale Größe wird fälschlicherweise auf die Höhe der Figur abgebildet: Wir nehmen sein Volumen war! 25

26 Gummiband-Skalen 26

27 Diskussion Expressivität Die Expressivität ist abhängig von der Struktur und der Art (Typ, Wertebereich,...) der Daten. Expressivität ist oft keine binäre Eigenschaft sondern graduell. Die Wahl eines oder mehrerer (maximal, genügend) expressiven Vis-verfahrens oder einer Vis-technik ist i.d.r. der erste Schritt bei der Visualisierung. 27

28 Effektivität Kriterium: Unter Beachtung der Randbedingungen 1. Zielsetzung 2. Anwendungskontext 3. visuelle Fähigkeiten des Betrachters 4. Eigenschaften (und Einstellungen) des Graphiksystems wird ein optimales Vis-Verfahren oder eine optimale Vis-Technik gesucht. 28

29 Beispiel Effektivität Visualisierung von Grundstückspreisen in einer Region (nach Bertin 82) Die rechte Visualisierung ist effektiver, da die Größen der Kreise direkt die richtige Assoziation erweckt. 29

30 Diskussion Effektivität Das Effektivitätskriterium gibt Aufschluss über die Fähigkeit einer Darstellungsform, die in ihr enthaltenen Informationen zu veranschaulichen und auf intuitive Weise an den Betrachter zu vermitteln. Im allgemeinen sucht man daher nach der effektivsten Darstellungsform für eine gegebene Datenmenge, aber nicht immer ist jedoch die effektivste Visualisierung auch die beste Wahl Angemessenheit 30

31 Angemessenheit setzt Aufwand und Nutzen in Relation nicht nur Technologiekosten zählen, sondern auch und insbesondere der T zeitlicher, T kognitiver, T physischer und T psychischer Aufwand / (die Belastung) für den Betrachter. eng mit Effektivität verknüpft: Unangemessene Visualisierungen können nicht effektiv sein. 31

32 Eine miserable Graphik verletzt alle Grundregeln Ein Wort kann mehr als tausend Bilder sagen! 32

33 Zusammenfassung Hauptqualitätskriterien bei einer Visualisierung: Effektivität Effizienz Angemessenheit Akzeptierte formale Beschreibung (=Modell der Wahrnehmung) ist offener Forschungsgegenstand Assistenzsysteme sind möglich und hilfreich können gravierende Fehler vermeiden Gute Visualisierungen zu erstellen ist (und bleibt?!) eine KUNST! aber man kann es lernen! 33

34 Zum Schluss Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde Welche Geschichte erzählen diese Bilder? 34

35 Studiumdigitale elearning Strategie der Goethe-Universität Schnellschuss ==> Netzwerke etablieren ausgestalten weiterentwickeln collegium Studiumdigitale Interdisziplinarität leben 35

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