Politik und Markt setzen CH-Milchproduktion unter Druck!

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1 Delegiertenversammlung SMP 14. April 2015 Eröffnungswort des Präsidenten Hanspeter Kern Politik und Markt setzen CH-Milchproduktion unter Druck! Es gilt das gesprochene Wort Geschätzte Milchproduzentinnen/Milchproduzenten und Delegierte der SMP, Sehr geehrte Gäste Ich begrüsse Sie herzlich zur ordentlichen Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten SMP an der BERNEXPO. Ein alten Sprichwort sagt: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! In diesem Kontext lässt sich einiges einreihen, was gegenwärtig rund um die Milchproduktion vor sich geht. Wenn wir gegen Ende 2014 auf ein herausforderndes Milchjahr 2015 eingestellt waren, so müssen wir heute doch feststellen, dass es mit den aktuellen Rahmenbedingungen nicht nur anspruchsvoll, sondern im Markt und in der Politik äusserst anspruchsvoll geworden ist. Milchmarkt weltweit im Wellental Gegen Ende 2014 haben die Preise für Standardmilchprodukte auf den internationalen Märkten so tiefe Notierungen erreicht wie letztmals im Februar Die Produktion war in der zweiten Hälfte 2014 doch weltweit deutlich grösser als die Nachfrage. So sanken die Preise auf dem Weltmarkt in Europa für Butter auf pro Tonne und für Magermilchpulver auf pro Tonne. Dass dieser Druck auch in der EU zeitgleich Spuren hinterlassen wird, war insgesamt keine Überraschung. Anschliessend setzte früher als erwartet eine kontinuierliche Preiserholung ein. Es schien, dass das preisliche Wellental per Ende 2014 durchschritten sei. In den letzten drei Wochen sind hingegen wieder zwei markante Korrekturen gegen unten eingetroffen, so dass sich der Markt weiterhin eher seitwärts bewegt. Insgesamt bleibt die Lage sehr anfällig für Marktschwankungen und für die Milchproduzenten somit von Unsicherheit geprägt. Eine spezielle Rolle spielt dabei die EU. Situation EU klar und unklar zugleich Die EU ist bekanntlich der grösste Milchproduzent auf der Welt und ein sehr bedeutender Milch-Exporteur auf den Weltmarkt. Sie ist per 1. April dieses Jahres offiziell aus der Quote ausgestiegen. Doch in den Köpfen der EU-Milchbauern hat dieser Prozess schon viel früher begonnen. So sagte kürzlich ein EU-Milcherzeuger in seinem Referat am Deutschen Milchforum in Berlin vom 12. März 2015: Das DV SMP vom 14. April 2015 Eröffnungswort des Präsidenten 1

2 Quotenende beginnt bei mir nicht in 18 Tagen, sondern es hat vor 5 Jahren begonnen, als wir die Kapazitäten ausgebaut haben. Die EU hat letztes Jahr die Produktion so fast flächendeckend bei sinkenden Milchpreisen um 4.6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Die Zunahme entspricht der doppelten schweizerischen Jahresproduktion. Der grösste Teil dieser Menge geht zudem in den Export. Dieses und weitere Signale deuten also darauf hin, dass sich die EU-Milcherzeuger nach dem Quotenende wohl nicht anders verhalten werden als ihre Schweizer Berufskollegen beim Ende der Milchkontingentierung. Die EU beeinflusst aber mit ihrem Verhalten nicht nur massgeblich den Weltmarktpreis für Milch-Commodities, sondern setzt mit dem EU-Milchpreis eine zentrale Rahmenbedingung für den Schweizer Milchmarkt. Doch niemand weiss heute so genau, wie sich die Milchmenge und der Milchpreis in der EU genau entwickeln werden. Kurz vor dem Ende der Quote war eine leichte Abflachung der Produktionsdynamik festzustellen. Diese Entwicklung kann aber ebenfalls als kurzfristige Optimierungsmassnahme gegen eine drohende Superabgabe per Ende März 2015 interpretiert werden. Irland beispielsweise hat wiederholt proklamiert, bis 2020 die Milchproduktion um 50 Prozent zu steigern. Es bleibt deshalb unsere permanente Aufgabe, dieses Umfeld laufend sehr aufmerksam zu verfolgen. Schwarzer Donnerstag und seine Folgen 2014 wurde in der Schweiz eine Rekordmenge an Milch produziert und zu einem zunehmend sinkenden Preis verkauft. Die Produktion war eine Reaktion auf die verbesserten Preise ab Seit August 2014 ist dieser Produktionstrend allerdings wieder gebrochen. Die Entwicklung auf dem Milchmarkt um uns herum hat seit Oktober 2014 deutlich negative Auswirkungen für uns gehabt. Per Januar 2015 wurde der A-Richtpreis der Branchenorganisation Milch als Folge davon zudem um 3.0 Rappen angepasst. Die Produzentenvertreter haben diesem Schritt zugestimmt und sich ein stipuliertes Gegenrecht bei Änderung der Marktlage ausgehandelt. Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank, den Frankenkurs am 15. Januar 2015 gegenüber dem Euro der Marktentwicklung zu überlassen, hat alle überrascht. Der Druck auf die Schweizer Milchwirtschaft und die Milchproduktion ist unmittelbar eingetroffen und ein Ende ist nicht absehbar. Die Auswirkungen für die Milchproduktion in der Schweiz sind deshalb gravierend: 1. Die neue Wechselkurssituation schwächt die Milchwirtschaft in der Schweiz grundlegend, indem der Importdruck steigt und die Exporte erschwert werden. Kaum ein anderer Landwirtschaftssektor in der Schweiz ist auf der Erlösseite so dem direkten EU-Wettbewerbsdruck (EU-Milchmarkt) ausgesetzt. 2. Beim Absatz von Milch und Milchprodukten schweizerischer Herkunft entstehen Einbussen und auf dem Milchmarkt werden kurzfristig, trotz rückläufiger Milchproduktion, grosse Molkerei- und Käsereimilchmengen verfügbar. Bei den Sortenkäsen und der Käsereimilch wurde je nach Exportsituation bisher DV SMP vom 14. April 2015 Eröffnungswort des Präsidenten 2

3 sehr unterschiedlich reagiert. Hier kann erst in einigen Monaten eine Bilanz gezogen werden, wenn klar ist, wie sich die Preisanpassungen an der Verkaufsfront ausgewirkt haben. 3. Die Milchproduktionsbetriebe haben im Mittel neben den deutlichen Einbussen bei den Direktzahlungen durch die AP (Tierbeiträge, Wegfall Übergangsbeiträge etc.) zusätzlich tiefere Milchpreise entgegenzunehmen. Die Agrarpolitik in der Schweiz ist auf dieses Szenario nicht eingerichtet. Sie behandelt die verschiedenen Sektoren heute unabhängig von der übergeordneten Wettbewerbssituation und der komparativen Eignung gleich. Am 15. Januar 2015 haben die Regeln geändert. Diese Botschaft ist in der Agrarpolitik noch nicht (restlos) angekommen. Massnahmen und Forderungen Die SMP als Dachorganisation aller Schweizer Milchproduzenten hat in dieser Situation verschiedene Massnahmen und Forderungen eingeleitet. Es geht darum, den Schaden für die Milchproduktionsbetriebe und die Schweizer Milchwirtschaft zu minimieren: 1. Politische Forderungen Wir haben die Forderung zur Aufstockung des Schoggigesetz-Nachtrags-Kredites zusammen mit der Milchbranche und dem Schweizer Bauernverband deutlich verstärkt. Damit soll ein durchschnittlicher Erstattungssatz von 85 Prozent erreicht werden, wie es im Parlament in Aussicht gestellt wurde. Diese Massnahme ist direkt milchpreiswirksam. Wir lassen uns in diesem Prozess auch nicht gegen Branchenpartner ausspielen. Im Weiteren erwarten die Milchproduzenten zusätzliche Absatzförderungsmittel für ausserordentliche Massnahmen im Inland und für den Käseabsatz. Eine weitere Hilfestellung besteht ebenfalls in einer unbürokratischen Verlängerung der Allgemeinverbindlichkeit der verschiedenen Selbsthilfemassnahmen. Ich versichere Ihnen, wir werden keine Möglichkeit verstreichen lassen, unsere Einschätzungen und unsere Forderungen gegenüber der Verwaltung, dem Bundesrat und den gewählten Parlamentariern sachlich nachhaltig einzubringen. 2. Mitverantwortung Marktpartner Die Schweizer Milchproduzenten SMP setzen sich mit Vehemenz beim Detailhandel und den Milchverarbeitern gegen unnötige Preissenkungen auf dem Rücken der Milchproduzenten ein. Wir erwarten von unseren Marktpartnern auch eine gewisse Mitverantwortung in dieser speziellen Situation. Anpassungen sind nach transparenten Regeln vorzunehmen. DV SMP vom 14. April 2015 Eröffnungswort des Präsidenten 3

4 3. Spielregeln Milchbranche Innerhalb der Branchenorganisation Milch setzen sich die SMP-Vertreter zusammen mit den weiteren Produzenten für eine klare und konsequente Umsetzung der Reglemente zur Segmentierung der Milchmengen ein. Ebenfalls in diesem Bereich braucht es eine Verlängerung der Allgemeinverbindlichkeit der beschlossenen Massnahmen durch den Bundesrat. Die Kontrolle und allfällige Sanktionen sind Sache der BO Milch. Damit können Spekulationen vorgesorgt und Diskussionen auf eine sachliche Ebene gelegt werden. Eine reglementskonforme Umsetzung der Segmentierung kann hingegen die nationale Milchmenge in der Schweiz nicht steuern. Auch bei der nächsten A-Richtpreisfestsetzung werden die Milchproduzenten gefordert sein, das zu erreichen, was ihnen versprochen wurde. 4. Marktstabilisierung Der Vorstand SMP und der Verwaltungsrat von LactoFama AG haben beschlossen, Marktstabilisierungsmassnahmen situationsgerecht ab 1. Februar 2015 umzusetzen. Insbesondere soll damit auf die kurzfristig frei verfügbare Milchmenge reagiert werden. Wir nehmen diese Aufgabe aktuell wahr. Die in diesem Jahr bereits (notwendigerweise) getätigten Butterexporte zeigen aber einen Ausschnitt dieser Aktivitäten. Ein wesentlicher Teil dieser C-Milch ist übrigens Einschränkungsmilch aus Käsereien. Damit zeigen die Milchproduzenten auch Selbst- und Eigenverantwortung in einer schwierigen Situation. 5. Swissmilk inside Swissmilk-Marketing hat kurzfristig ein Projekt Swissmilk inside lanciert, welches die Konsumentinnen und Konsumenten ab Mai für den Kauf von Milchprodukten aus Schweizer Mich sensibilisieren und animieren soll. Man könnte es auch als vorgezogene Swissness für Milch taxieren. Damit hat SMP innerhalb von kürzester Frist auf die neue Situation reagiert. Unter einem anderen Traktandum wird noch im Detail über die Sondermassnahme Swissmilk inside orientiert, so dass ich mich hier kurz fassen kann. Wir dürfen heute auch mit Genugtuung auf unsere langjährige Marketingarbeit zurückblicken, wenn im 20 Minuten getitelt steht: Butter, Käse. sind gesund! 6. Politische Rahmenbedingungen Die generelle Situation verdeutlicht aber mit prägender Eindrücklichkeit, dass sich mittelfristig eine Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen für die standortgerechte und nachhaltige Milchproduktion im Gras- und Milchland Schweiz grundlegend aufdrängt. Die heutige Agrarpolitik ist, wie bereits erwähnt, nicht auf die gegenwärtige Situation eingerichtet. Die heutige Situation lässt aber sehr konkret erahnen, was eine sektorielle Milchmarktöffnung gemäss der Studie des Bunderates für die Milchproduzenten zu bedeuten hätte. Wenn es für einzelne in Politik und DV SMP vom 14. April 2015 Eröffnungswort des Präsidenten 4

5 Verwaltung noch eines weiteren Beweises bedarf, dass eine sektoriellen Marktöffnung keine ökonomisch verlässliche Option für die Schweizer Milchwirtschaft darstellt, wäre er schon durch die heutige Situation wohl gegeben. Eckpunkt Strategie 2014 hat SMP zusammen mit den grössten Milchvermarktungsorganisationen mit dem Projekt LactoFama eine der letzten Hauptmassnahmen der Strategie vom Herbst 2013 umgesetzt. Die Strukturen und die Prozesse wurden nun in schlanker Ausführung in kurzer Zeit funktionsfähig aufgebaut und können bei Bedarf und wenn der Wille besteht, eingesetzt werden. LactoFama hat das Geschäftsjahr 2014 inzwischen abgeschlossen: 2014 wurden 42.4 Mio. C-Milch aufgekauft und exportiert. Die Finanzvorgaben des SMP-Vorstandes wurden vollumfänglich eingehalten. Das Aktionariat wurde noch 2014 um 4 auf 15 Aktionäre ausgeweitet. Eine Evaluation wurde durchgeführt. Sie haben am 25. November 2014 der Finanzierung für das Jahr 2015 mit einem Ja-Stimmenanteil von 93 Prozent zugestimmt. Über die Weiterführung der Massnahmen in den milch- und frankenstarken Monaten 2015 habe ich bereits orientiert. Ich bin mir bewusst, dass ein solches Projekt aus der betrieblichen Perspektive unterschiedlich beurteilt werden kann. Wir respektieren alle Meinungen. SMP orientiert sich bei seiner Entscheidfindung jedoch an demokratischen Spielregeln. Es gehört in der Schweiz zu den basisdemokratischen Spielregeln, dass einerseits die Meinung der (doch sehr deutlichen) Mehrheit umgesetzt wird, anderseits die Minderheit im Geiste der Toleranz die Regeln der Demokratie ebenfalls anerkennt. Und zum Schluss erlaube ich mir noch zwei Bemerkungen: Erstens möchte ich mich bei unseren Mitgliedsorganisationen für die Mithilfe bei der Umsetzung unserer Massnahmen bedanken. Und zweitens wird es auch wichtig sein, sehr geehrte Delegierte und Milchproduzenten, dass die Schweizer Land- und Milchwirtschaft im Herbst im Parlament weiterhin kompetent und zahlreich vertreten ist. Mit diesen Worten eröffne ich die heutige Frühjahrs-Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten SMP und heisse Sie in Bern herzlich willkommen. Zeichen: (inkl. Leerzeichen) DV SMP vom 14. April 2015 Eröffnungswort des Präsidenten 5

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