NOWEDA eg GENOSSENSCHAFTSBLATT 4/2008. für Rheinland und Westfalen. Energiekosten: RWGV fordert Entlastung. Was bringt das NRW-Sparkassengesetz?

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1 GENOSSENSCHAFTSBLATT 4/2008 Energiekosten: RWGV fordert Entlastung Seite 12 Was bringt das NRW-Sparkassengesetz? Seite 16 für Rheinland und Westfalen Schulze-Delitzsch: eine Marke! Seite 22 NOWEDA eg Eine Genossenschaft auf Erfolgskurs

2 Pfandbriefbank seit 1877 Erfolg braucht einen Partner mit Weitsicht. Ein Unternehmen der WGZ BANK-Gruppe Schnell, flexibel und stets hellwach - als Spezialist für leistungsstarke Baufinanzierung haben wir Ihre Belange immer im Blick. Schauen Sie ruhig genauer hin, denn wir überzeugen Sie gern mit Übersicht und vollem Einsatz, zukunftsfähigen Produkten und hoher Servicequalität. Profitieren Sie von unserem vielfältigen Leistungsspektrum und maßgeschneiderten Lösungen für Ihre Finanzierung. In der Immobilienfinanzierung reicht unsere Produktpalette von Forwarddarlehen über Darlehen zur Zwischenfinanzierung bis hin zu Darlehen mit Sondertilgungsmöglichkeiten für den privaten und gewerblichen Bereich. Im Segment der Öffentlichen Kunden stehen wir Ihnen u. a. mit klassischen Kommunalfinanzierungen, strukturierten Finanzierungen, Schuldenmanagement und PPP-Finanzierungen zur Seite. WL BANK Münster I Berlin I Düsseldorf I München Sentmaringer Weg Münster Tel Fax Im FinanzVerbund der Volksbanken Raiffeisenbanken

3 INHALT Liebe Leserin, lieber Leser, Durchs wilde Kurdistan so heißt ein Titel des phantasiebegabten deutschen Schriftstellers Karl May. Das Reisen war immer schon eine große Leidenschaft der Menschen. Jetzt, da die Hauptreisezeit dieses Jahres zu Ende geht, werden Sie vielleicht auch auf Ihren Urlaub zurückblicken. Vermutlich wird es in den seltensten Fällen das wilde Kurdistan gewesen sein. Die Deutschen reisen zwar in alle Welt, aber noch lange nicht überall hin. Im Sommerurlaub sind Strände gefragt. Natürlich die Strände der Balearen, bei üppigerem Geldbeutel auch die der Karibiken. Die Strände Asiens sind schon lange kein Geheimtipp mehr eher wären es die Strände Polens. Wer Zoppot kennt, kann auf Nizza verzichten. Gleichwohl werden die europäischen Strände des Mittelmeers wiederum den nordafrikanischen vorgezogen. Und wem das alles zu umständlich ist, der hält es mit den Ärzten und singt: Ohhh ich hab' solche Sehnsucht/Ich verliere den Verstand!/Ich will wieder an die Nordsee, ohoho/ich will zurück nach Westerland! Und die Gegenfraktion trällert mit Martha Müller-Grählert: Wo die Ostseewellen trecken an den Strand! Und am Strand liegt auf dem Bauch ein Reiseroman. Gerade der Strand, dieses kulturlose Etwas zwischen Zivilisation und Ozean scheint uns oft als ideales Umfeld, um zu träumen, uns in fernen Welten zu wähnen, in Abenteuern, die uns im wirklichen, gut versicherten Leben mehrere Kragenweiten zu groß wären. Wir sind mit Karl May im Sudan, mit Marco Polo auf der Seidenstraße, wir vermessen die Welt und ergründen das Geheimnis der Sandbank. Wir sind dem größten Helden Deutschlands ganz nah. Wie Karl May ziehen wir ins Abenteuer, ohne je da zu sein. Und wer beständig online ist, kann sogar im Internet auf Satelliten-Fotos die Reisewege und Stationen nachvollziehen. Die perfekte Illusion. Vorbei! Der Urlaub ist zu Ende, die Realität hat uns wieder. Im Genossenschaftsblatt berichten wir Ihnen deshalb nicht von phantastischen Begebenheiten, sondern von den tatsächlichen Themen und Aktionen der genossenschaftlichen Familie in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Thorsten Weiland Das Thema: NOWEDA: Logistische Meisterleistung 4 Im Interview: Wilfried Hollmann 7 RWGV intern Landwirte entlasten 12 Vorgestellt: Sterbegeldkasse 14 Impressum 14 Was bringt das neue NRW-Sparkassengesetz? 16 Mitgliederversammlung Landwirtschaft 19 Hintergrund & Analyse Finanzsituation der Deutschen 20 Aus dem Verbund FinanzVerbund: Konsoldierte Bilanz 21 Schulze-Delitzsch eine Marke 22 IGT Mit Mikrokrediten aus der Armut 25 DG Hyp richtet sich neu aus 26 Kurz gemeldet 28 Banken Unternehmerforum Kurz gemeldet 32 Landwirtschaft Landgard wächst 43 Im Blickpunkt: OGA Soest 44 Jobmotor Landwirtschaft 46 Humana Milchunion zieht Bilanz 47 Naturland-Bauern fordern mehr Qualität 48 Kurz gemeldet 49 Gewerbe Ein Dorf auf dem Holzweg 52 Mit Energie in die Zukunft 54 Nachgefragt bei der Genogyn Rheinland eg 55 Kurz gemeldet 56 Namen und Nachrichten 57 Der Bote aus Babel 61 Zu guter Letzt 62 GB 4/2008 3

4 DAS THEMA Zwischen Bestellung und Lieferung liegen zum Teil nur wenige Stunden. Um das zu gewährleisten, arbeiten die NOWEDA-Mitarbeiter an den bundesweit zehn Standorten der Genossenschaft nach dem Ameisenprinzip: schnell, effizient und auf festen Routen. Fotos: Marco Stepniak Eine logistische Meisterleistung Genossenschaften im Porträt: Die NOWEDA eg Apothekergenossenschaft gehört zu den 300 größten Unternehmen Deutschlands und wächst weiter dank eines guten Teams, erstklassiger Technik und ausgeprägter Kundenorientierung. Essen/Frechen. Es rattert und klappert wohin man auch geht in dieser Halle. Nicht laut. Eher dezent, aber stetig. Es sind die glänzenden, kleinen Rollen des fast vier Kilometer langen Förderbandes, die hier den Rhythmus vorgeben. Das leise Rauschen der blauen Behälter, die munter auf dem Fließband an Regalen, Schränken und Kühlboxen vorbei ihre Runden drehen, fällt da kaum auf. Dabei sind eigentlich sie es, die so genannten Wannen, die hier die Musik machen: Plastikbehälter verlassen täglich allein das Lager der Apothekergenossenschaft NOWEDA in Frechen. In der Kölner Bucht steht eine der größten Niederlassungen der Genossenschaft, die seit fast 70 Jahren dafür arbeitet, dass Patienten in ihren Apotheken über Mittag mit den notwendigen Medikamenten versorgt werden. Das ist eine logistische Meisterleistung, die man nur mit einem guten Team, mit erstklassiger Technik und ganz viel Erfahrung vollbringen kann, weiß Wolfgang Piltz, Betriebsleiter der NOWEDA in Frechen. Mehr als 2,5 Milliarden Euro setzt die NOWEDA jedes Jahr um und gehört damit seit Jahren zu den 300 größten Unternehmen Deutschlands. Das Unternehmen wurde zudem erst kürzlich in einer bundesweiten Umfrage des Branchendienstes markt intern zum dritten Mal in Folge zum besten deutschen pharmazeutischen Großhändler gewählt (siehe GB 3/2008). Just-in-time-Lieferung von über Artikeln Für unsere über Mitglieder realisieren und optimieren wir die gesamte Beschaffung und Just-in-time-Lieferung von über Erscheinungsformen in den Bereichen Arzneimittel und apothekenübliche Produkte, erklärt Alexander von Chiari, Mitglied der Geschäftsleitung, nicht ohne Stolz. Erscheinungsformen : das sind > 4 GB 4/2008

5 DAS THEMA > nicht nur Aspirin, Viagra oder Meditonsin. Ein Blick in die unzähligen Schubladen in der NOWEDA-Halle zeigt vielmehr, dass Apotheken hier auch Stofftiere, Fieberthermometer und Kaffee bestellen können. Kaffee? Ja, das gehört zwar, ebenso wie beispielsweise Sekt, nicht zu den Rennern, aber 20 Pfund Kaffee werden hier monatlich sicherlich von den Mitglieder-Apotheken geordert, so Piltz. Wenn Wolfgang Piltz von hier spricht, meint er das erst vor drei Jahren erweiterte Logistikzentrum der Apothekergenossenschaft im Gewerbegebiet in Frechen. Die weiße Flotte mit dem Schriftzug Die Apotheke hilft schwärmt aber auch von neun weiteren Standorten aus: in Essen, Dortmund, Münster, Bielefeld, Oldenburg, Leipzig, Erfurt, Berlin und seit einem Jahr auch in Gießen-Langgöns. Mehr als Mitarbeiter arbeiten bei der Genossenschaft. Sie alle helfen, die Mitglieder-Apotheken jederzeit mit den gewünschten Artikeln zu versorgen. Just in time: Zwischen Bestellung und Lieferung liegen zum Teil nur wenige Stunden. Um das zu gewährleisten, arbeiten die NOWEDA-Mitarbeiter nach dem Ameisenprinzip: schnell, effizient und auf festen Routen. Ein Strichcode an der Wanne, der mit digitalen Lesegeräten im Handumdrehen dechiffriert werden kann, weiß alles: I muss hier hinein! Im Spurtschritt geht es für die Mitarbeiterin zum passenden Regal, Platz I : hier lagert Tetrazepam. Gesucht, gefunden, auf den Weg gebracht: Wer je einen Hexenschuss hatte, wird froh sein, dass die Packung schon nach wenigen Minuten via Wanne auf dem Weg zur Apotheke ist. Immer wieder hält der Behälter auf seinem langen Weg über das Fließband durch die Halle an. Es ist eine eigene Welt mit einer eigenen Sprache. Hier gibt es Defektjäger und Schnelldreher. Und der Warenausgang nennt sich Bahnhof. Schnelldreher? Das sind Produkte, die besonders häufig gefragt sind. Die liegen nah in Regalen am Förderband. Im Sommer sind das vor allem Heuschnupfenmittel, im Winter in erster Linie Grippetabletten, macht Wolfgang Piltz deutlich und blickt dabei skeptisch auf das Transportband. Es steht. Ein Stau. Da hat sich was verkantet, erklärt er. Mit einem Ruck am Wannenrand löst eine junge Frau das Dilemma und sorgt bei Piltz für Erleichterung. Denn Stillstand darf es bei der NOWEDA nicht geben. Fast Wannen gehen an den zehn Standorten täglich auf Reisen. In der Mittagszeit fährt hier minütlich ein Auto vom Hof und steuert die Apotheken auf seiner Route an, so der Betriebsleiter. Umsatz stieg von Reichsmark auf 2,5 Milliarden Euro So schnell, wie heute hinter den Kulissen der NOWEDA gearbeitet wird, so schnell hat sich auch das Unternehmen entwickelt. Denn als am 1. September 1939 die Nordwestdeutsche Apothekergenossenschaft aus der Taufe > Es rattert und klappert wohin man auch geht in dieser Halle. Nicht laut. Eher dezent, aber stetig. Es sind die glänzenden, kleinen Rollen des fast vier Kilometer langen Förderbandes, die hier den Rhythmus vorgeben. GB 4/2008 5

6 DAS THEMA > gehoben wurde, konnte noch keiner ahnen, dass gut 70 Jahre später nicht nur der Name um die Himmelsrichtungen Süd und Ost erweitert werden müsste. Auch die Umsatzzahl hat einige Nullen hinzugewonnen: Von Reichsmark im Gründungsjahr ist der Umsatz zu Beginn des neuen Jahrtausends auf 2,5 Milliarden Euro angestiegen. Nach der aktuellen Übernahme des pharmazeutischen Großhandels W. Kapferer in Mosbach/Baden-Württemberg wird der Umsatz gar 3,2 Milliarden Euro betragen (siehe Kasten auf S. 10). Heute liegt die eg in den Händen von über Mitgliedern Lediglich 156 Mitglieder zählte die NOWEDA, als sie 1945 die Arbeit langsam wieder aufnahm. Mit Erfolg, wie sich schon wenige Jahre später zeigen sollte, denn 1949 lag der Umsatz bereits bei Mark. Die Weichen waren damit auf Wachstum gestellt: Schon sechs Jahre später konnte die Essener Genossenschaft einen Umsatz von fünf Millionen Mark ausweisen, 1975 lag er bereits bei 200 Millionen Mark wurde eine weitere Hürde genommen: In diesem Jahr gehörte die Genossenschaft über Mitgliedern heute liegt die eg in den Händen von über selbstständigen Apothekerinnen und Apothekern, die vom stetigen Wandel und Wachstum ihrer Genossenschaft profitieren. Denn längst ist die NOWEDA nicht mehr nur ein Unternehmen, das eine pünktliche, vollständige und preiswerte Belieferung mit Arzneimitteln garantiert. Wir haben nach und nach auch eine ganze Reihe von Dienstleistungen für die Mitglieder-Apotheken in unser Portfolio aufgenommen. Das ist das dritte Standbein unseres Geschäftsmodells, bemerkt Alexander von Chiari. So wurde beispielsweise vor rund zehn Jahren die Aktionsgemeinschaft Sprechstunden- und Praxisbedarf ins Leben gerufen. Fachleute der NOWEDA beraten Apotheken in betriebswirtschaftlichen, finanziellen und technischen Fragen. Allein im letzten Geschäftsjahr haben wir über 170 praxisorientierte Fortbildungen an insgesamt zwölf Veranstaltungsorten angeboten. Es standen 40 aktuelle Themen zur Auswahl, um sich im Bereich der pharmazeutischen Betreuung oder persönlichkeitsbildend weiterzuentwickeln, so von Chiari, der aber deutlich macht, dass trotz des Wandels eines Bestand hat: Die Idee der Gründungsmitglieder der NOWEDA eg, den Weg des Arzneimittels vom Hersteller bis in die Mitglieder-Apotheken in eigener Verantwortung zu sichern und zu organisieren, ist aktueller denn je. Wolfgang Koschny Ordnung ist oberstes Gebot. Das weiß Wolfgang Piltz, Betriebsleiter der NOWEDA aus eigener Erfahrung: Erscheinungsformen in den Bereichen Arzneimittel und apothekenübliche Produkte wären sonst kaum zu bändigen. 6 GB 4/2008

7 DAS THEMA Wir haben bundesweite Präsenz erreicht Wilfried Hollmann, Vorstandsvorsitzender der NOWEDA eg, zieht drei Jahre nach seinem Amtsantritt eine positive Bilanz und gibt Entwarnung: Der Versand- oder Onlinehandel mit Arzneimitteln ist unverändert ein Nischenvertriebsweg und er wird es in Zukunft bleiben. Wilfried Hollmann Herr Hollmann, am 1. Juli 2005 haben Sie Dr. Dietrich Meyer als langjährigen Vorstandsvorsitzenden der NOWEDA eg abgelöst. Sie haben also dreijähriges Dienstjubiläum gefeiert. Gab es besondere Wünsche? Wilfried Hollmann: Es ist wohl eine Selbstverständlichkeit, dass man in der Funktion eines Vorstandsvorsitzenden, zumal in einem apothekereigenen Unternehmen, einen Strauß an Wünschen und Zielen hat. Ich will mich auf zwei Wünsche konzentrieren. An erster Stelle wünsche ich mir, dass Politik und Presse die Arbeit, die Stellung und den Wert der öffentlichen, inhabergeführten Apotheken für die Gesellschaft richtig wahrnehmen, richtig bewerten. Leider folgt die Presse derzeit immer nur dem Prinzip der Zerstörung. Apotheken waren und sind die Garanten für eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung. Sie sorgen für die jederzeitige Verfügbarkeit aller Arzneimittel, also auch der seltenen und damit ökonomisch weniger interessanten Produkte. Rund um die Uhr! Darüber hinaus nehmen sie in vielfältiger Art und Weise Gemeinwohlaufgaben wahr. Mein zweiter Wunsch bezieht sich auf die Apothekerinnen und Apotheker, die erkennen müssen, dass inhabergeführte Apotheken, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, nur als Mitglied einer Solidargemeinschaft wettbewerbsfähig bleiben können. Die NOWEDA ist eine solche Gemeinschaft. Sie muss für jede Apothekerin und jeden Apotheker der geborene Partner sein. Wie fällt Ihre ganz persönliche Bilanz nach diesen drei Jahren an der Spitze eines Unternehmens mit fast Mitarbeitern aus? Wilfried Hollmann: Die Bilanz ist außerordentlich positiv. In den ersten drei Geschäftsjahren konnten wir den Umsatz um mehr als 450 Millionen Euro erhöhen, was einem jährlichen Wachstum von mehr als acht Prozent entspricht. Unsere Umsatzentwicklung liegt damit deutlich oberhalb der Marktentwicklung. Positiv ist auch die Mitgliederentwicklung. Die Zahl der Mitglieder hat sich um mehr als 500 erhöht. Beides, die positive Umsatzund Mitgliederentwicklung in einer vom Verdrängungswettbewerb gekennzeichneten Branche, sind Beweise für die Attraktivität der NOWEDA als apothekereigenes Unternehmen. Wenn Sie die NOWEDA noch einmal neu gründen dürften: Was würden Sie anders machen? Wilfried Hollmann: Nichts. Die Zielsetzung der NOWEDA ist seit ihrer Gründung unverändert. Der Förderauftrag für die Apothekenbetriebe und die Wahrnehmung der Interessen der Apothekerinnen und Apotheker auf der Großhandelsstufe stehen seit jeher im Mittelpunkt unser Arbeit. An dieser Zielsetzung ist in der Vergangenheit sehr erfolgreich gearbeitet worden. Die Apothekerinnen und Apotheker können stolz sein, ein solches Unternehmen ihr Eigen nennen zu können. Als die NOWEDA nach dem 2. Weltkrieg wieder ihre Geschäfte aufnahm, hatte Sie gerade einmal 156 Mitglieder erreichte Ihr Unternehmen einen Umsatz von Mark. Heute gehört die NOWEDA mit einem Umatz von über 2,5 Milliarden Euro und über Mitgliedern zu den 300 größten Unternehmen Deutschland. Was ist das Erfolgsrezept? Wilfried Hollmann: Sie werden verstehen, dass ich vor dem Hintergrund des intensiven Branchenwettbewerbs die Erfolgsrezepte der NOWEDA hier nicht dezidiert darlegen möchte. Aber so viel kann ich sagen: Der uneingeschränkte und kompromisslose Einsatz für die inhabergeführten Apotheken auf allen Ebenen ist ein Erfolgsfaktor. Ein überdurchschnittliches Maß an Kundenorientierung im Tagesgeschäft und das Engagement auf der gesundheitspolitischen Ebene für die Funktion der inhabergeführten Apo- > GB 4/2008 7

8 DAS THEMA gravierend verändert. Worin sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen, worin die besten Chancen für Ihr Unternehmen? Wilfried Hollmann: Gestatten Sie mir zunächst eine Klarstellung. Drogerie- Discounter dürfen keine Arzneimittel verkaufen. Sie dürfen aufgrund der aktuellen Rechtsprechung einzig und allein Bestell- und Abholpunkte für eine Versandapotheke einrichten, was vor dem Hintergrund der Arzneimittelsicherheit im Grundsatz nicht hinnehmbar ist. Keinesfalls dürfen Sie aber apothekenpflichtige Arzneimittel in ihr Sortiment aufnehmen oder gar Arzneimittelberatung durchführen. Leider wird dieser Tatbestand von der meistens mit wenig Sachwissen ausgestatteten Presse falsch dargestellt. Es trifft aber zu, dass sich das Apothekenwesen in einem Strukturwandel befindet. Dennoch: Der Versand- oder Onlinehandel mit Arzneimitteln ist unverändert ein Nischenvertriebsweg und er wird es in Zukunft auch bleiben. Nur rund zwei Prozent des Arzneimittelumsatzes werden über Versand abgewickelt und der Umsatzanteil ist schon wieder rückläufig. Fehlende Beratung und damit fehlendes Vertrauen, aber auch geringe ökonomische Vorteile, sind hierfür die Ursachen. Selbst das Bundeskriminalamt warnt vor den Gefahren des Versandhandels. Kompromissloser Einsatz für die inhabergeführten Apotheken Fotos: Marco Stepniak > Die Apothekerinnen und Apotheker können stolz sein, ein solches Unternehmen ihr Eigen nennen zu können. theke wird von den Mitgliedern anerkannt, was diese dann wiederum mit einer intensiven Zusammenarbeit würdigen. Der Versandhandel mit Arzneimitteln ist seit 2004 erlaubt, Online-Apotheken werben immer intensiver für ihre Dienste und selbst Drogerie-Discounter dürfen inzwischen Medikamente verkaufen: Die Marktbedingungen haben sich also auch für die NOWEDA und ihre Mitglieder Welche Aufgabe kommt dabei der NOWEDA und den Apotheken zu? Wilfried Hollmann: Wir haben eine gemeinsame Aufgabe, nämlich die Politik und die Presse von den überragenden Vorteilen der inhabergeführten, wohnortnahen Apotheken im Vergleich zu möglichen Kettenapotheken zu überzeugen. Fakt ist nämlich, dass mit der Zulassung von konzerneigenen Kettenapotheken die Versorgung eben nicht besser, sondern eher schlechter wird. Kettenapotheken können keine Probleme lösen, die > 8 GB 4/2008

9 DAS THEMA > heute nicht schon von den inhabergeführten Apotheken gelöst werden. Die Herausforderung ist zugleich auch eine große Chance für die NOWEDA. Wenn uns diese Überzeugungsarbeit gemeinsam mit den Apothekern gelingt, und daran habe ich keine Zweifel, werden noch mehr Apothekerinnen und Apotheker den Weg zur NOWEDA finden. Das ist eine gute Basis auch für den zukünftigen Erfolg der NOWEDA. NOWEDA heißt wörtlich Nordwestdeutsche Apothekergenossenschaft. Nordwestdeutschland das ist fraglos die Keimzelle der NOWEDA, die am 1. September 1939 in Essen von einigen praktisch denkenden Apothekern als Genossenschaft gegründet wurde. Im hessischen Langgöns steht nun Ihre jüngste, die bundesweit zehnte Niederlassung. Nordwestdeutschland ist also längst nicht mehr das einzige Betätigungsfeld Ihres Unternehmens. Welche Pläne haben Sie noch? Wilfried Hollmann: NOWEDA hat zwar seinen Ursprung in der Bezeichnung Nordwestdeutsche Apothekergenossenschaft, aber diese räumliche Eingrenzung haben wir schon vor vielen Jahren abgelegt. Mit dem Engagement in den neuen Bundesländern, in denen wir drei Niederlassungen in Berlin, Leipzig und Erfurt unterhalten, sind wir schon deutlich über unsere ehemaligen Grenzen hinaus gewachsen. Mit Gießen/Langgöns haben wir im letzten Jahr erstmals eine Niederlassung in Hessen etabliert. Es ist ein Prinzip der NOWEDA, eine möglichst große räumliche Nähe zu den Mitgliedern zu suchen. Das haben wir auch in Hessen getan. Wir sind den dortigen Mitgliedern entgegengekommen, damit diese vom Logistik-, Serviceund Dienstleistungsangebot optimal profitieren können. Mit der Übernahme der Firma W. Kapferer KG in Mosbach (siehe dazu Seite 10 dieser Ausgabe; Anm. d. Red.) sind wir nun auch im Süden der Republik tätig. Wir haben also die bundesweite Präsenz erreicht. Wenn Sie schon nach den Plänen fragen: Wir wollen mit den heutigen Kapferer-Niederlassungen auch den süddeutschen Apothekerinnen und Apothekern die anerkannt guten NOWEDA-Leistungen anbieten. Das Warengeschäft ist seit Gründung vor fast 60 Jahren Kern des Geschäftsmodells der NOWEDA. Sie gehen aber auch weit darüber hinaus, laden zu Fortbildungsseminaren ein und beraten vor Ort bei Neuinvestitionen und Umbauten. Welchen Stellenwert haben aus Ihrer Sicht diese Nebenschauplätze für Ihr Unternehmen? Wilfried Hollmann: Neben der reinen Warenlogistik und der Interessenvertretung sind die Dienstleistungen die dritte, gleichberechtigte Säule unseres Geschäftsmodells. Es ist unsere Aufgabe, die Mitglieder-Apotheken in jeder Hinsicht auf dem Weg zum Erfolg zu unterstützen. Unseren Apotheken bieten wir Service von A wie Apotheken- > Ein überdurchschnittliches Maß an Kundenorientierung im Tagesgeschäft und das Engagement auf der gesundheitspolitischen Ebene für die Funktion der inhabergeführten Apotheke wird von den Mitgliedern anerkannt, was diese dann wiederum mit einer intensiven Zusammenarbeit würdigen. GB 4/2008 9

10 DAS THEMA > technik bis Z wie Zentralregulierung an, stets getreu dem genossenschaftlichen Motto Einmal erfinden und vielfach anwenden. Das sind die Synergieeffekte, die die inhabergeführten Apotheken heute benötigen, aber noch viel mehr, sollten sich die Rahmenbedingungen einmal in Richtung Fremdbesitz ändern. Die steigenden Treibstoffkosten bereiten erhebliche Sorgen. Ihre weiße Flotte mit den vielen Lieferfahrzeuge, die unter Ihrer Flagge unterwegs sind, schlägt die Brücke zwischen Warenlager und Apotheke. Machen Ihnen die Kostenexplosionen für Treibstoffe und die Diskussion um allgemeine Mautgebühren Sorgen? Wilfried Hollmann: Um eine jederzeitige, schnelle und umfassende Arzneimittelversorgung sicherstellen zu können, sind die Apotheken und damit die Bevölkerung auf eine schnelle Logistik angewiesen. Die steigenden Treibstoffkosten, die den zweitgrößten Kostenblock ausmachen, bereiten erhebliche Sorgen. Insbesondere deshalb, weil diese Kosten nicht auf die Arzneimittelpreise aufgeschlagen werden dürfen. Der pharmazeutische Großhandel arbeitet mit einer staatlich fixierten Spanne. Kostensteigerungen gehen daher stets zu Lasten des Ertrages oder führen zu Leistungseinschränkungen, auch zum Nachteil der Bevölkerung, die eine schnelle Vorsorgung fordert. Seit letztem Jahr sind Sie als Nachfolger von Joachim Siebert Präsident des Zentralverbandes gewerblicher Verbundgruppen (ZGV). Bei Ihrem Amtsantritt haben sie gesagt, dass es aus Ihrer Sicht bis zu einer umfassenden mittelstandsfreundlichen Wirtschaftspolitik noch einige dicke Bretter zu bohren gäbe. Sind die Bretter inzwischen eher dünner oder noch dicker geworden? Wilfried Hollmann: Es gibt noch genügend dicke Bretter zu bohren, weil bei der derzeitigen Bundesregierung von einer mittelstandsorientierten Wirtschaftspolitik wenig zu spüren ist. Ich denke da an die Erbschaftssteuerreform mit ihren Regelungen, die in Zukunft viele mittelständische Betriebe in Schwierigkeiten bringen könnte. Ich denke aber auch an die Unternehmenssteuerreform, die eine überzogene Anrechung von Zinsanteilen aus Mieten, Pachten und Lizenzen bei der Gewerbesteuer vorsieht und die damit zu einer nicht hinnehmbaren Kostenbelastung führt. Aber auch die Strukturveränderungen bei der Unfallversicherung führen zu erhöhten Beiträgen bei Unternehmen mit wenig gefahrengeneigter Arbeit und das sind in vielen Fällen insbesondere mittelständische Handelsunternehmen. Und lassen Sie mich noch einen Punkt erwähnen, nämlich den Bürokratieabbau. Zunehmend bürdet der Staat den Unternehmen immer neue Aufgaben auf, die erhebliche Belastungen für mittelständische Unternehmen darstellen. Wir brauchen dringend eine mittelstandsfreundlichere Politik, denn gerade diese Unternehmen bleiben mit ihren Standorten in Deutschland, fühlen sich den jeweiligen Regionen verbunden und stellen den weitaus größten Anteil an Arbeitsplätzen. Wolfgang Koschny Aktuell: NOWEDA wächst weiter Essen. Die NOWEDA eg Apothekergenossenschaft übernimmt rückwirkend zum 1. April 2008 die inhabergeführte pharmazeutische Großhandlung W. Kapferer KG mit Sitz in Mosbach. Das 1884 gegründete Familienunternehmen Kapferer betreibt vier Niederlassungen, vornehmlich in Süddeutschland, und zwar in Mosbach/Neckar, Friedrichsthal/Saarland, Rossau/Sachsen und Garching/München. Für uns als private Unternehmer ist die NOWEDA ein Glücksfall, so Wolfgang Kapferer, genau wie wir spricht sich die NOWEDA eindeutig für die inhabergeführte Apotheke aus, mit Inhabern, die Apotheker sein müssen. Wir freuen uns auch für unsere Kunden, die bestimmt von der Stärke des apothekereigenen Wirtschaftsunternehmens NOWEDA profitieren werden. Wilfried Hollmann, Vorstandsvorsitzender der NOWEDA, sieht die Übernahme von Kapferer genauso positiv: Die NOWEDA wird alles dafür tun, den Kunden des traditionsreichen Unternehmens Kapferer die Leistungen und Vorteile zukommen zu lassen, die die Mitglieder-Apotheken der NOWEDA jetzt schon genießen. Wir freuen uns auf diese Herausforderung in einem Gebiet, in dem die NOWEDA bisher im Wesentlichen nicht vertreten war. Die beiden Inhaber der W. Kapferer KG bleiben dem Unternehmen auch nach der Übernahme verbunden. Claus Kapferer: Wir sind davon überzeugt, dass wir für unsere treuen Kunden und unsere langjährigen Mitarbeiter eine richtungsweisende Entscheidung getroffen haben, die Sicherheit und Erfolg für die Zukunft verspricht. Deshalb werden wir dem Unternehmen auch weiterhin engagiert mit Rat und Tat zur Seite stehen. Durch die Übernahme der W. Kapferer KG wird die NOWE- DA bundesweit vertreten sein und einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro ausweisen. Das Bundeskartellamt muss der Übernahme noch zustimmen. 10 GB 4/2008

11 Heute bestes Strandwetter. Morgen beste Aussichten. Union Investment erhielt zum sechsten Mal in Folge fünf Sterne für Fondsqualität, Fondsmanagement, Produktpalette und Service.* Empfehlen Sie Ihren Kunden die Fonds einer ausgezeichneten Fondsgesellschaft. Zum Beispiel den Investmentfonds UniRak, der in den letzten 5 Jahren durchschnittlich 7 Prozent Ertrag pro Jahr erzielte.** *Capital Nr. 5/2003, Nr. 5/2004, Nr. 4/2005, Nr. 4/2006, Nr. 4/2007, Nr. 4/2008. **Berechnung nach BVI-Methode. Betrachtungszeitraum: bis Zukünftige Ergebnisse können sowohl niedriger als auch höher ausfallen. Der Fondsanteilwert weist aufgrund der Zusammensetzung des Fonds und/oder der für die Fondsverwaltung verwendeten Techniken eine erhöhte Kursschwankung auf. Die Verkaufsprospekte erhalten Sie bei Union Investment Privatfonds GmbH, Wiesenhüttenstraße 10, Frankfurt am Main. Weitere Informationen unter oder unter (0,09 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise können abweichen).

12 RWGV INTERN Höhere Kosten fressen höhere Erträge auf Die landwirtschaftlichen Genossenschaften in Rheinland und Westfalen plädieren für die Entlastung der heimischen Landwirte. Münster. Einmal den Schlepper volltanken kostet inzwischen soviel wie eine Woche all-inclusive Urlaub auf Mallorca, sagt Hans Pfeifer, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV) und unterstützt damit die Forderung des Deutschen Bauernverbandes nach Entlastungen für die deutschen Landwirte. Der Bauer ist bei einem Literpreis für Diesel von bisweilen über 1,50 Euro und einem 350 Liter Tank nach dem Stopp an der Zapfsäule um über 500 Euro leichter, erläutert Pfeifer das Rechenbeispiel. Die gestiegenen Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe könnten die höheren Aufwendungen nicht mehr ausgleichen. Die von Herrn Sonnleitner erhobenen Forderungen zur Senkung der Dieselsteuer gehen daher in die richtige Richtung, so der RWGV-Vorstandsvorsitzende. Die Preise für Getreide und Ölsaaten hätten sich zwar in den vergangenen 24 Monaten sehr positiv entwickelt, doch auch hier wüchsen die Bäume nicht in den Himmel, spricht Pfeifer das derzeit leicht gesunkene Preisniveau für die Feldfrüchte an. Konnten die Genossenschaften den Landwirten für eine Doppelzentner Brotweizen im vergangenen Jahr noch bis zu 25 Euro zahlen, so liegt der Preis derzeit bei etwa 19 Euro. Zieht man als Vergleichsgröße die 13 Euro aus dem Jahre 2006 heran, ist die Steigerung hier schon nicht mehr so beeindruckend, so Pfeifer. Der Dieselpreis, der im gleichen Zeitraum um mehr als 25 Prozent gestiegen ist, sei auf dem besten Wege, die Mehreinnahmen der Ackerbauern aufzufressen. Hinzu komme der rasante Preisanstieg bei Düngemitteln. Der Stickstoffdünger Kalkamon kostete den Landwirt vor Jahresfrist noch 21,50 Euro je Doppelzentner, heute sind wir bei über 35 Euro, so Pfeifer. Ähnliche Anstiege seien bei Flüssigdünger zu verzeichnen. Hätten unsere Genossenschaften den Phosphatdünger nicht vor Monaten schon günstig eingekauft, würde er aufgrund unerschwinglicher Preise schon gar nicht mehr nachgefragt, sagt Pfeifer. Angesichts steigender Preise für Heizöl, Gas, Strom und Baustoffe hält Hans Pfeifer eine Dieselsteuersenkung für geboten. Als sehr interessant bezeichnet Pfeifer den Vorschlag Sonnleitners zur Schaffung einer steuerfreien Rücklagemöglichkeit für Landwirte. Denkbar wäre, dass der Gesetzgeber den Landwirten zehn Prozent ihres Gewinns vor Steuern als Risikovorsorge überlässt, erläutert Pfeifer. In Zeiten volatiler Märkte könnten sich die Landwirte damit gegen Preisrisiken absichern. Stefan Legge Verbandstag 2008 Düsseldorf. Der Verbandstag des RWGVs nähert sich mit großen Schritten: Am Mittwoch, 17. September 2008, sind alle Mitgliedsgenossenschaften ins CCD Süd Congress Center auf der Messe Düsseldorf eingeladen. Den Gastvortrag wird die Schweizer Wirtschaftswissenschaftlerin Professor Dr. Weder di Mauro halten. Die Ökonomin ist Mitglied des deutschen Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Informationen zum Verbandstag bei Judith Oberlack (RWGV), , und bei Martin Müller (RWGV), CCD Süd Congress Center, Messe Düsseldorf 12 GB 4/2008

13 Alles unter einem Dach Gut, dass der Verbund sogar eine Schweizer Privatbank hat. MehrWert für Ihr Vermögen DZ PRIVATBANK (Schweiz) AG Münsterhof Zürich Telefon Fax Repräsentanz Düsseldorf Telefon Alles aus einer Hand das ist das Erfolgsgeheimnis des FinanzVerbundes. Dabei darf eine verbundeigene Privatbank in der Schweiz nicht fehlen. Zeigen Sie, dass Sie auch für Ihre vermögenden Privat- und Firmenkunden die kompetente Adresse sind. Und nutzen Sie dabei das Angebot der DZ PRIVATBANK Schweiz.

14 IMPRESSUM GENOSSENSCHAFTSBLATT Herausgeber: Rheinisch-Westfälischer Genossenschaftsverband e. V. (RWGV) Mecklenbecker Str Münster Redaktion: Dr. Thorsten Weiland, Sabine Bömmer, Wolfgang Koschny (CvD), Stefan Legge Telefon: Fax: Titelbild: Noweda eg Aus den Regionen: Pressebüro Süd: Julia Böing Telefon: Pressebüro Rhein-Ruhr: Ralf Bröker Telefon: Pressebüro Münsterland: Hans-Peter Leimbach Telefon: Pressebüro für Südwestfalen und östliches Rheinland: Karl E. Rinas Telefon: Pressebüro Ostwestfalen-Hellweg: Rainer Stephan Telefon: Anzeigenverwaltung: geno kom Werbeagentur GmbH Mecklenbecker Straße Münster Telefon: Telefax: Gestaltung: geno kom Werbeagentur GmbH Mecklenbecker Straße Münster Druck: LV Druck GmbH & Co. KG, Münster Bei verspätetem Erscheinen oder Nichterscheinen infolge höherer Gewalt entfallen alle Ansprüche. Für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder und Bücher wird keine Gewähr übernommen. Nachdruck von Beiträgen nur mit Quellenangabe und nur mit Zustimmung der Redaktion. Namensartikel geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Beilagenhinweis: Raiffeisen Magazin für Rheinland und Westfalen Nächste Ausgabe: Redaktions- und Anzeigenschluss für die nächste Ausgabe ist der 26. September Mit Erfahrung Die Sterbegeld-Unterstützungskasse wirbt verstärkt für Mitglieder im Verbandsgebiet. Münster. Früher zahlte die gesetzliche Krankenkasse beim Tod eines Versicherten ein ordentliches Sterbegeld als Zuschuss zu den Bestattungskosten. Aufgrund gesetzlicher Neu- Dieter Gernemann regelungen wurde das Sterbegeld zum Januar 2003 gekürzt. Ab dem 1. Januar 2004 ist es sogar ganz gestrichen. Nach dem so genannten GKV-Modernisierungsgesetz werden bestimmte Leistungen in die Eigenverantwortung der Versicherten übertragen. Die Krankenkassen haben sich aus der Pflicht genommen, beschreibt Dieter Gernemann, Geschäftsführer der Sterbegeld-Unterstützungskasse der rheinisch-westfälischen Genossenschaften VVaG mit Sitz in Münster, die aktuelle Situation. Um Angehörige zu entlasten ist es daher sinnvoll, sich schon frühzeitig über Bestattung und Vorsorge zu informieren auch über die Finanzierung einer Beerdigung beispielsweise. Finanzielle Rückladen können da im Trauerfall vor einigen bösen Überraschungen bewahren, so Gernemann. Die Kosten für eine Bestattung belaufen sich auf durchschnittlich bis Euro. Der Abschluss einer entsprechenden Sterbegeldversicherung bietet in diesem Fall die nötige finanzielle Sicherheit. Ein erfahrener Anbieter einer solchen Versicherung mit langer Tradition ist die Sterbegeld-Unterstützungskasse der rheinisch-westfälischen Genossenschaften. 280 Versicherte und mehr als 50 erfolgreiche Geschäftsjahre zeigen, dass Vorsorge bis heute nicht nur wichtig ist, sondern auch gewünscht wird. Die Kasse dient den Versicherten als zusätzliche Versorgungseinrichtung, fasst Gernemann das Anliegen der Sterbegeld-Unterstützungskasse zusammen. Mitglied der Kasse können ausschließlich die Genossenschaften aller drei Sparten, also nicht natürliche Personen, werden. Vorstand oder Geschäftsführung ermöglichen schließlich verdienten Mitarbeitern, in die Sterbegeldunterstützungskasse aufgenommen zu werden. Dies wird gerne genutzt zur Mitarbeiterbindung und der Vertrauenssicherung zwischen Genossenschaft und Mitarbeiter, erläutert Gernemann, der mit Zuversicht in die Zukunft blickt: In Westfalen sind wir bis dato noch stärker verankert, daher freuen wir uns besonders über neue Mitglieder aus dem rheinischen Teil unseres Verbandsgebietes.. Die Beiträge der Sterbegeld-Unterstützungskasse sind nach dem Eintrittsalter gestaffelt und bleiben über die gesamte Laufzeit konstant. Bis zum 30. Lebensjahr zahlt das Mitglied (Genossenschaft) einen Jahresbeitrag von lediglich 55 Euro, maximal werden derzeit 130 Euro Jahresbeitrag erhoben. Aufnahmeanträge sind der Kasse formlos unter Angabe von Vor- und Zuname, Berufsstellung, Geburtsdatum der zu versichernden Person einzureichen. Im Abstand von fünf Jahren wird ein versicherungsmathematisches Gutachten erstellt, infolge dessen die Beiträge für Neumitglieder als auch die Höhe des Sterbegeldes festgesetzt werden konnte die Versicherungsleistung somit erhöht werden, wobei sich die Berechnung des Sterbegeldes nach dem aktuell gültigen Tarif richtet. Bei einer zehnjährigen Mitgliedschaft beläuft sich der ausgezahlte Betrag einschließlich Gewinnzuschlag derzeit auf Euro, so Gernemann, der deutlich macht: Abschließbar ist die private Sterbeversicherung bis zum 50. Lebensjahr, Ausnahmen hiervon sind jedoch mit Beschluss des Vorstandes zulässig. Katharina Kemler

15 WAS ZÄHLT DER AUSBLICK. Chancen erkennen, Ertragspotenziale nutzen. Die Zukunft Ihrer Bank gehört dem Firmenkundengeschäft. Nur diejenigen Institute, die heute bereits den Blick auf morgen richten, werden alle Potenziale nutzen und hohe Erträge generieren. Das bedeutet: den Erwartungen der Kunden stets einen Schritt voraus zu sein. Die VR LEASING bietet Ihnen ein breites Spektrum an mittelstandsorientierten Finanzierungsprodukten wie Leasing, spezialisierte Kredite, Einkaufsfinanzierung und Factoring. Wir begleiten Sie auf dem Weg zum Allfinanz-Anbieter, damit auch künftig das Geschäft dort gemacht wird, wo es hingehört: in Ihre Bank. Sie wollen mehr wissen? Rufen Sie uns an: +49(0) VR-LEASING AG BankPartner Schiessstraße Düsseldorf Telefon +49(0) Telefax +49(0) Im FinanzVerbund der Volksbanken Raiffeisenbanken

16 RWGV INTERN Öffentlich-rechtlicher Einfluss wird zementiert Hans Pfeifer, Vorstandsvorsitzender des RWGVs, zu den Änderungen des Sparkassengesetzes in NRW und den Auswirkungen auf die Genossenschaftsbanken. Hans Pfeifer, Vorstandsvorsitzender des RWGVs Das neue Sparkassengesetz sieht vor, dass durch die Umwidmung von Teilen der Sicherheitsrücklage oder durch neue Einlagen so genanntes Trägerkapital gebildet werden kann. Worum geht es hier eigentlich? Hans Pfeifer: Das hat NRW-Finanzminister Dr. Helmut Linsen im Juni 2008 bei der Vorstellung des Gesetzentwurfes deutlich gesagt: Der Gesetzgeber beabsichtigt Voraussetzungen zu schaffen, die es dem Träger ermöglichen, über genau dieses Trägerkapital seine enge Beziehung zur Sparkasse zu betonen. Dieses Trägerkapital ist anders als in Rheinland-Pfalz, wo sieben von 26 Sparkassen Stammkapital gebildet haben, nicht in Teilen übertragbar oder frei nutzbar. Dennoch sehen die Opposition im Landtag und auch die Sparkassenorganisation in der Schaffung von Trägerkapital den Einstieg in die Privatisierung der Sparkassen. Haben damit die bürgerlichen Parteien beim Sparkassengesetz liberale Positionen, die sie noch bei der Reform der Gemeindeordnung verfolgt hatten, aufgegeben? Hans Pfeifer: Ja, statt Privat vor Staat so der Tenor bei der Gemeindeordnung wird bei der Änderung des Sparkassengesetzes der öffentlich-rechtliche Einfluss zementiert. Allerdings kann in der Tat nicht ausgeschlossen werden, dass gegen die vorgesehenen Einschränkungen, das Kapital nach freiem Willen zu nutzen, seitens der europäischen Rechtsprechung Einspruch erhoben wird. Der freie Kapitalverkehr genießt in der europäischen Politik einen hohen Stellenwert. Die privaten Banken haben an dieser Stelle bereits Kritik geäußert und inwieweit Pläne existieren, gegen diese Beschränkungen juristisch vorzugehen, muss abgewartet werden. Beim Trägerkapital bleibt es zwar politisch und juristisch spannend, für die Genossenschaftsbanken als primäre lokale und regionale Konkurrenten der Sparkassen sind, wenn man in den Paragraf 25 des Entwurfes zum neuen Sparkassengesetz blickt, aber die neuen Regeln zur Verwendung des Jahresüberschusses von viel größerer Bedeutung. Woran liegt das? Hans Pfeifer: Sparkassen sollen künftig die Möglichkeiten bekommen, 100 Prozent statt wie bisher 35 Prozent der Gewinne auszuschütten. Gleichzeitig soll die Vorgabe zur gemeinnützigen Verwendung dieser Beträge aufgehoben werden und den Kommunen gestattet sein, Mindestrenditen vorzugeben. Das macht die Sparkassen zum profitablen Unternehmen der Kommunen und zur Quelle zusätzlicher weitgehend frei verfügbarer Finanzmittel. Ganz konkret: Gewinne von Sparkassen könnten künftig zur Ausstattung von Kindergärten und Schulen genutzt werden, aber auch zur Finanzierung des neuen Dienstwagens des Bürgermeisters. Welches Interesse haben die Kommunen und deren Entscheidungsträger dabei? Hans Pfeifer: Sie haben so ein wachsendes Interesse, die Sparkassen optimal in der lokalen Wirtschaft zu verankern, denn jeder Euro Gewinn für die Sparkasse könnte direkt an den kommunalen Haushalt gehen und den Finanzierungsspielraum erweitern. Sparkassen würden nicht mehr ausschließlich als Instrument der kommunalen Struktur- und Sozialpolitik genutzt werden, sondern sie würden ein wichtiges wirtschafts- und finanzpolitisches Instrument der Kommunen werden. Die Bedeutung der Sparkassen für die Kommunen würde zudem mit dem Grad der Verschuldung korrelieren. So liegt die Gefahr auf der Hand, dass die Kommunen zumindest implizit bei der lokalen Wirtschaft für die Sparkassen werben. Eine damit einhergehende schleichende Marginalisierung anderer Finanzdienstleister als Partner der lokalen Wirtschaft würde insbesondere die Kreditgenossenschaften treffen. Wenn Sparkassen nun zu Sparschweinen der Kommunen werden, sind Auswirkungen auf die Solidität des Finanzplatzes zu fürchten? Hans Pfeifer: Es ist in der Tat zu befürchten, dass Jahres- > 16 GB 4/2008

17 Digital werben, genial einfach! Mehr bewegen mit bewegten Bildern: Geno-InfoMonitor setzt Informationen und Werbung gekonnt in Szene. Aktuelle Spots mit bank- und verbundspezifischen Inhalten, kombiniert mit den individuellen Angeboten Ihrer Bank so wirbt man heute am Point of Sale! Dazu ein attraktiver Mix aus Nachrichten, Wetter-Infos und Börsen-News: das alles realisieren wir für Sie schnell, unkompliziert und topaktuell in Ihren Bankfilialen. Mehr Infos und Demo-Spot zum kostenlosen Download unter: Ihr Ansprechpartner Andreas Aurich, Produktmanagement e-service Geschäftsbereich MarktService Telefon: (06 11) Partner im genossenschaftlichen Verbund

18 RWGV INTERN > überschüsse der Sparkassen bis an die Grenze des Vertretbaren für die Finanzierung kommunaler Aufgaben herangezogen werden. Denn über das Verhältnis von Ausschüttung zu Rücklagen bestimmen die Empfänger des Geldes, ohne dass ein Gegengewicht in Form einer Haftung oder Nachschusspflicht existiert. Die Entscheidung für eine hohe Ausschüttung wird zumindest erleichtert. Und Finanzmittel von Privatpersonen stehen anders als bei Genossenschaften oder Aktiengesellschaften ohnehin nicht zur Disposition. Welche Befürchtungen haben Sie? Hans Pfeifer: Zwar schreibt das Gesetz vor, dass bei der Höhe der Ausschüttung die künftige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Sparkasse und die Erfüllung ihres öffentlichen Auftrages berücksichtigt werden müssen, aber das sind dehnbare Begriffe, und es ist zu befürchten, dass die Auseinandersetzungen hierüber in den Verwaltungsräten eher politisch motiviert geführt werden als ökonomisch. Das ist sicher auch eine besondere Herausforderung für Prüfung und Bankenaufsicht hier genau hinzuschauen, auch im Interesse anderer Bankengruppen. Denn wie exogene Schocks auf das Bankensystem wirken und dass Bankenkrisen nicht an den Grenzen einer Gruppe halt machen, wissen wir nicht erst seit der aktuellen Subprime-Krise, in der auch die Kreditgenossenschaften die IKB stützen mussten. Wie geht es nun weiter? Hans Pfeifer: Der RWGV wird zur Expertenanhörung am 11. September 2008 im Landtag seine kritische Position vertreten. Allerdings sind die Erfolgsaussichten, Änderungen zu erreichen, als gering einzuschätzen, da der Gesetzesvorschlag ja schon von den Parteien eingereicht wurde, denen man wirtschaftsliberale Positionen im Sinne von Raiffeisen und Schulze-Delitzsch unterstellen müsste. Offenbar gibt es bezüglich der Ausschüttungsmöglichkeiten keinen politischen Dissenz. Politiker aller Fraktionen haben scheinbar die Gestaltungsspielräume des neuen Sparkassengesetzes erkannt. Dennoch wird der RWGV auf den strukturellen Mangel der Ausschüttungsregeln dieses Gesetzes hinweisen und im Sinne der politischen Machbarkeit eine Rückkehr zur alten Regelung einfordern. Der Gesetzgeber in Rheinland-Pfalz jedenfalls hat sicher nicht nur aus Versehen die Verwendung des Jahresabschlusses klar geregelt: Mindestens ein Drittel muss in die Rücklagen eingestellt werden und die an die Träger ausgeschütteten Finanzmittel müssen für gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Hintergrund Seit Sommer 2005 wird in NRW eine Modernisierung des Sparkassenrechts diskutiert. In dem aktuell vorliegenden Gesetzesentwurf will die Landesregierung den öffentlichen Bankensektor in Nordrhein-Westfalen zukunftsfähig und zukunftsfest machen. Dazu gehört auch, dass das neue Gesetz EU-konform wird. Regionalprinzip, Kontrahierungspflicht und die Rechtsform als Anstalten des öffentlichen Rechtes sollen erhalten bleiben, während die vertikale (gesetzliche Vorgabe der Sparkassenzentralfunktion der WestLB sowie Festschreibung des S-Finanzverbundes) und horizontale Integration (Verbändefusion bis 2012) durch die Gesetzesinitiative vorangetrieben werden sollen. Weitergehende Informationen zur Änderung des Sparkassengesetzes in NRW bei Asmus Schütt, , Facelifting für die RWGA in Münster Foto: Sabine Bömmer Münster. Es wurde geschabt, geschleppt und reichlich geklebt: Die Sommerpause der Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsakademie (RWGA) nutzen die Handwerker, um nach zwölf Jahren die Seminar- und Verwaltungsräume erstmals wieder mit neuen Teppichen zu versehen. Auf Quadratmetern wurde der grau-blaue Teppich verlegt. Darüber hinaus wurden auch für den Außenbereich der Kantine neue Sitzmöbel und große Sonnenschirme angeschafft. In der Sommerpause wurde kräftig renoviert. 18 GB 4/2008

19 RWGV INTERN Landwirte in die Kommunalpolitik Johann Prümers dankte Minister Uhlenberg (links) für seinen Besuch. Münster. Ein stärkeres Engagement von Landwirten in der Kommunalpolitik mahnte Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg (CDU) vor der Mitgliederversammlung der Fachvereinigung Landwirtschaft des RWGVs an. Angesichts einer zunehmenden Konkurrenz um die Flächennutzung und die allfälligen Diskussionen um die Akzeptanz landwirtschaftlicher Produktion müssten Bauern stärker Flagge zeigen: Landwirtschaft muss von der Bevölkerung akzeptiert werden. Mit immer neuen Bauund Gewerbegebieten muss Schluss sein, so der Minister. Mit Blick auf die Landespolitik reklamierte er ein neues Klima des Vertrauens zwischen Ministerium und Landwirtschaft für seine Amtszeit. Dazu trage auch der Einsatz des Ministeriums in Fragen gentechnisch veränderter Futtermittel bei. Versorgungsengpässe aufgrund mangelnder Genehmigungen in Verbindung mit der Nulltoleranz dürfe es nicht geben. Wenn Zulassungsverfahren nicht abzukürzen seien, müsse über eine Schwellenwertregelung nachgedacht werden. Der Vorsitzende der Fachvereinigung, Johann Prümers, dankte Minister Uhlenberg nach ausführlicher, engagierter und durchaus kontroverser Diskussion für seinen Besuch mit einem genossenschaftlichen Weinpräsent. Anzeige Hamburg Oldenburg Celle Münster Magdeburg Wuppertal Dialog vor Ort Bonn Präsentationen, Informationen, Gespräche Willkommen zum GAD Treffpunkt 2008 vom 22. Oktober bis zum 26. November an unterschiedlichen Standorten unseres Geschäftsgebietes. Informieren Sie sich über das bank21-release und aktuelle IT-Themen aus dem Verbund. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich mit Spezialisten und Anwendern auszutauschen. Wir freuen uns auf Sie vor Ort. Weitere Informationen und die Online-Anmeldung finden Sie unter

20 HINTERGRUND & ANALYSE Klamme Kassen WGZ BANK-Umfrage zeigt: Aktuell bezeichnet mehr als die Hälfte der Bundesbürger ihre finanzielle Situation als mittelmäßig. Düsseldorf Die hohen Preissteigerungen vieler Güter belasten die Zufriedenheit der Bundesbürger mit ihrer persönlichen Finanzsituation, so Sabine Könner, Marktforscherin der WGZ BANK. Aktuell bezeichnet mehr als die Hälfte der Bundesbürger (54 Prozent) ihre finanzielle Situation als mittelmäßig, ein Fünftel als schlecht (17 Prozent) oder sehr schlecht (vier Prozent). Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der GfK unter Personen im Auftrag der WGZ BANK. Wirklich zufrieden mit der persönlichen Finanzlage ist aktuell nur jeder vierte Bundesbürger (25 Prozent), unter den 30- bis 39-Jährigen nicht einmal jeder Fünfte (19 Prozent). In dieser Altersgruppe empfinden zwei von drei Befragten (64 Prozent) ihre gegenwärtige Finanzsituation lediglich als mittelmäßig so viele wie in keiner anderen Altersgruppe. Deutlich unzufriedener als ohne Trauschein zusammen lebende Paare und Verheiratete sind die Alleinstehenden. Jeder dritte ledige Single (31 Prozent) beurteilt seine finanzielle Situation als schlecht oder sehr schlecht, weitere 43 Prozent als mittelmäßig. Ähnlich fallen die Bewertungen in der Gruppe der Verwitweten, Geschiedenen und getrennt Lebenden aus, wo die gegenwärtige Finanzsituation von 28 Prozent als schlecht oder sehr schlecht und von weiteren 53 Prozent als mittelmäßig empfunden wird. Jeder dritte Alleinlebende (33 Prozent) ist mit seinen Finanzen unzufrieden, aber nur jeder Siebte in einem Zwei-Personen- Haushalt Lebende (15 Prozent). Selbst unter Familien mit vier und mehr Personen ist der Anteil der Unzufriedenen mit 20 Prozent deutlich geringer als unter den Alleinlebenden. Die Mehrheit der Bundesbürger (88 Prozent) glaubt nicht an eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation in den kommenden Monaten. Während 63 Prozent der Befragten von gleich bleibenden Verhältnissen im Jahresverlauf ausgehen, rechnet bundesweit jeder Vierte (25 Prozent) eher mit einer weiteren Verschlechterung seiner Finanzen. Die Hoffnung, dass sich seine persönliche Finanzsituation verbessern wird, hat nur jeder zehnte Befragte. Hierbei handelt es sich zum Großteil um Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 29 Jahren, von denen viele eine Schuloder Berufsausbildung absolvieren und deren aktuelles Einkommen daher relativ gering ausfallen dürfte. Der Anteil der Pessimisten steigt tendenziell mit zunehmendem Alter: So erwartet von den 50 bis 59-Jährigen und in der Gruppe 70plus jeder Dritte, dass sich seine Finanzsituation wahrscheinlich verschlechtern wird. Ähnlich pessimistisch sind auch die Personen mit einem mittleren Haushalts-Nettoeinkommen von bis Euro. Während die Beurteilung der gegenwärtigen Finanzsituation durch Männer und Frauen nahezu gleich ausfällt, bewerten Männer ihre zukünftige finanzielle Situation tendenziell positiver als Frauen. Alleinstehende sind besonders unzufrieden Die Einschätzungen von Männern und Frauen sind nahezu deckungsgleich. Dagegen ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit und dem Wohnverhältnis der Bundesbürger festzustellen. Von den in einer Eigentumswohnung lebenden Personen sind 43 Prozent der Meinung, dass es ihnen finanziell gut oder sehr gut geht. Unter den Hauseigentümern fällt dieser Anteil mit 31 Prozent zwar geringer aus, liegt aber ebenfalls noch deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 25 Prozent. Auffällig ist der Zusammenhang zwischen der Schulbildung der Bundesbürger und ihrer Zufriedenheit mit der persönlichen Finanzlage. So sind mit 39 Prozent doppelt so viele Personen mit Abitur und/oder abgeschlossenem Studium mit ihrer Situation zufrieden als Personen die über einen Hauptschulabschluss verfügen. Von den Bürgern mit niedrigem Bildungsstand befindet sich nach eigenen Angaben jeder Vierte (25 Prozent) in einer schlechten oder sehr schlechten Lage unter den Befragten mit Abitur/- Studium nur jeder Sechste bis Siebte (15 Prozent). Im Vergleich der Berufsgruppen schneiden die Beamten am besten ab: Fast zwei Drittel (65 Prozent) berichten von einer guten finanziellen Lage. Unter den Selbstständigen und Freiberuflern liegt der Anteil bei 37 Prozent, unter den Angestellten bei 31 Prozent. Dagegen werden viele Arbeiter von finanziellen Sorgen geplagt: In dieser Berufsgruppe bezeichnet lediglich jeder Elfte (neun Prozent) seine gegenwärtige Situation als gut, zwei Prozent als sehr gut. Zwei Drittel (65 Prozent) der Arbeiter beschreiben die eigene Lage derzeit nur als mittelmäßig. Aufgrund der Arbeitsmarktsituation ist die Stimmung in Westdeutschland besser als im Osten. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Bürger in den alten Bundesländern bewertet ihre gegenwärtige finanzielle Situation als gut oder sehr gut. Im Osten trifft dies auf jeden fünften Befragten zu. Insgesamt gilt: Je niedriger das Haushalts- Nettoeinkommen, umso größer die Unzufriedenheit mit den persönlichen Finanzen. Rolf Drees, WGZ BANK 20 GB 4/2008

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