Fachdienst. der Lebenshilfe. Praxis gestalten Innovation wagen. Vorwort. Nr. 3/2001, September 2001 ISSN X Postvertriebsstück: G 13840

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1 Fachdienst der Lebenshilfe Praxis gestalten Innovation wagen Nr. 3/2001, September 2001 ISSN X Postvertriebsstück: G Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, Bundesvorstand und Bundeskammer der Lebenshilfe haben bei der verbandlichen Ziel- und Aufgabenplanung für die laufende Arbeitsperiode des Bundesvorstands neben anderen organisatorischen und konzeptionellen Aufgaben auch der Entwicklung eines vergleichsorientierten Informationssystems durch die Bundesvereinigung besondere Bedeutung zugemessen. Eine Überlegung ist die Einführung eines Benchmarking-Systems in der Lebenshilfe (Vereine/Einrichtungen). Deshalb widmen die Redaktionen von Fach- und Verbandsdienst dem Thema einige Beiträge. Schwerpunktthema im Fachdienst 3/2001 ist Benchmarking für die Felder Wohnen und Arbeit, die Verbandsdienste 3/2001 und 4/2001 stellen allgemeine Konzeption, Zielsetzungen, konkrete Verfahrensweise und Nutzen dar. Die Beiträge stammen von Stefan Löwenhaupt, der zusammen mit Prof. Dr. Halfar (beide Nürnberg) ein Benchmarking-Verfahren für soziale Organisationen entwickelt und in verschiedenen Feldern des sozialen Sektors auch mit einer Reihe bayerischer Lebenshilfen durchgeführt hat. Ihr Konzept lehnt sich an das EFQM- Modell (vgl. VD 3/99 und VD 4/2001) an, das als Qualitätsinstrument wie das Führungsinstrument Balanced Scorecard (vgl. Beiträge in VD 3/2001 und VD 4/2001) auf Kennzahlen und Indikatoren für quantitative und qualitative Vergleichsmerkmale setzt. Nach Prüfung verschiedener Benchmarking-Konzepte will die Bundesvereinigung Lebenshilfe eng mit den hier genannten Personen und ihren Unternehmungen in diesem Projekt zusammenarbeiten. Sie legt besonderen Wert darauf, dass neben den Indikatoren/Kennzahlen für das Einrichtungsmanagement auch die Arbeitsfelder Vorstand und Vereinsmanagement sozialer Organisationen in einem (vorläufigen) Katalog der Indikatoren und Kennzahlen angemessen repräsentiert sind. Dafür haben wir Prof. Dr. Langnickel Leser(inne)n des Verbandsdiensts um seine Mitarbeit gebeten. Im Folgenden wird das Benchmarking als Methode beschrieben und nach dem Verfahren der Qualidata-GmbH, das der Autor vertritt, vorgestellt. Ihre Fachdienst-Redaktion Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 mit geistiger Behinderung e.v. 1

2 INHALT Inhalt Fachtagung: Familien mit behinderten Angehörigen: Lebenswelten Bedarfe Anforderungen Schwerpunkt Vorwort... 1 Benchmarking für Wohneinrichtungen und Werkstätten... 3 Übergreifendes Lebenshilfe schafft mit der Bruderhilfe-PAX- Familienfürsorge neues Versicherungsangebot für Menschen mit geistiger Behinderung...12 Bessere Unfall- und Sterbegeldversicherung...13 Lebenshilfe hilft beim Start ins Arbeitsleben...13 Preis für innovative Erwachsenenbildung...14 Neue Heilmittel-Richtlinien in Kraft...14 REHADAT-CD-ROM Kindheit und Jugend Förderpreis 2001 des vds...18 Arbeitsleben Zugang zu Integrationsfachdiensten...18 Arbeit durch Arbeitsassistenz...19 Anhebung des Ausbildungsgelds...19 Neues zum Arbeitsförderungsgeld...19 Anerkannter Abschluss: Geprüfte Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung in Werkstätten für behinderte Menschen...22 Neues Selbstverständnis der Eltern- und Betreuerbeiräte...23 Berufliche Bildung im Berufsbildungsbereich der Werkstätten für behinderte Menschen...23 Neues Beratungsmaterial der Bundesvereinigung Lebenshilfe zu Rechtsfragenin der WfB: Juli Wohnen LEWO II Ein Instrument für fachliches Qualitätsmanagement...25 Eltern und Familie Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung: Ich würde mir ein Leben ohne meine Kinder nicht mehr vorstellen können Offene Hilfen Neue Pflegegesetze und ihre Bedeutung für den FED: Pflegequalitätsicherungsgesetz (PQsG) Offenen Hilfen zum Durchbruch verhelfen Wahlalternativen ausbauen und absichern: Ergebnis der Umfrage bei den Landesverbänden (aus 12/2000) Freizeit und Sport III. Internationales Integratives Fußballtreffen der Bundesvereinigung Lebenshilfe vom Juni Kunst Das Magazin Ohrenkuss da rein, da raus Wieder unterwegs: Don Quijote Die Spielschachtel Cartagena oder die (äußerst spannende) Flucht aus der Festung...35 Fort- und Weiterbildung Angebote der Bundesvereinigung Lebenshilfe...36 Fort- und Weiterbildungsangebote anderer Träger Veranstaltungen Publikationen & Medien Zeitschrift Geistige Behinderung 3/ aus dem Lebenshilfe-Verlag Marburg...42 Weitere Publikationen und Medien Zeitschriftenumschau...46 Personalia Barbara Seeber verlässt den Fachdienst Nächste Ausgabe: Fachdienst 4/2001 Erscheinungszeitraum: Dezember 2001 Redaktionsschluss: 5. Oktober Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

3 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN Benchmarking für Wohneinrichtungen und Werkstätten Stefan Löwenhaupt Bei Benchmarking-Projekten handelt es sich um Angebote, die den Teilnehmern in vielfältiger Weise Vergleichsmöglichkeiten und insbesondere wechselseitiges Lernen ermöglichen. Zum Einsatz kommt dabei jeweils ein Verfahren zur vergleichenden Qualitätsmessung, zur systematischen Stärken- und Schwächenanalyse und zur Entwicklung von Benchmarks. Im folgenden Beitrag soll das zugrunde liegende Benchmarkingkonzept für die Lebenshilfe vorgestellt, wobei Herausgeber: Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.v. Raiffeisenstraße 18, Marburg Telefon: (06421) 491-0, Telefax: (06421) Internet: Bundesgeschäftsführer: Dr. Bernhard Conrads Redaktion: Dr. Theo Frühauf (verantwortlich), Regina Humbert, Isabel Horstmann Redaktionelle Mitarbeit: Wolfgang Klammer, Klaus Kräling, Ulrich Niehoff, Wilfried Wagner-Stolp Gestaltung: Heike Hallenberger Druck: Hausdruckerei Vertrieb: Lahn-Werkstätten-Marburg Anzeigen: Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 4 vom , bitte anfordern. Bezugsbedingungen: Erscheinungsweise viermal im Jahr. Jahresabonnement einschl. Zustellgebühr und gesetzlich vorgeschriebener MwSt. 30, DM, für Mitglieder der Lebenshilfe 24, DM; Einzelheft 8, DM, für Mitglieder der Lebenshilfe 6, DM zzgl. Porto und Verpackung. Postvertriebsstück: G 13840, Auflage: ISSN: X Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung der Verfasserin/des Verfassers wieder. Nachdruck mit Quellenangabe honorarfrei zwei Belegexemplare erbeten. Druck auf chlorfrei gebleichtem Papier das Augenmerk auf eine mögliche Operationalisierung und Umsetzung des Verfahrens speziell für Wohneinrichtungen und Werkstätte für Behinderte gerichtet ist. Benchmarking: Das Konzept Mit Benchmarking wird ein Verfahren bezeichnet, mit dessen Hilfe Wirtschaftsunternehmen, Behörden oder auch soziale Einrichtungen organisiert und systematisch im Rahmen eines Vergleichs nach alternativen, besseren Problemlösungen bei anderen Einrichtungen, Unternehmen und Organisationen ( Best in class, Best in Process ) suchen. Lassen sich im Rahmen des Vergleichs besonders gute Problemlösungen identifizieren, so können sie als Orientierungswerte (Benchmarks) für rationellere Produktionsprozesse, mehr Professionalität und/ oder mehr Qualität in der eigenen Organisation dienen. Benchmarking wurde als Verfahren und Methode in den 70er und 80er Jahren in den USA entwickelt, war zunächst aber nur einem kleinen Kreis von Experten bekannt (vgl. SPENDOLINI 1992, 5). Breitere Aufmerksamkeit erfuhr das Verfahren erst durch eine Publikation von Robert CAMP (1989), einem Mitarbeiter des USamerikanischen Kopiererherstellers Rank Xerox, der als Erfinder des Verfahrens gilt. Zusätzliche Aufmerksamkeit erfuhr das Verfahren vor allem in der Diskussion um Qualitätsmanagementkonzepte. So ist Benchmarking z.b. Bestandteil des Malcom Baldrige National Quality Award (US-Qualitätspreis), der Vorbild für das europäische EFQM-Modell (EQA) war. Das Benchmarking-Verfahren kam zwar auch in Europa und speziell in Deutschland zunächst primär im privatwirtschaftlichen Bereich zum Einsatz (laut einer Befragung nutzten 1998 bereits 82% aller deutschen Firmen das Instrument Benchmarking; vgl. WiWo 31/ 1999), inzwischen wird es allerdings verstärkt auch im Non-Profit-Sektor zur gezielten Suche nach alternativen und interessanten Problemlösungen angewendet (die Idee des Benchmarking für NPOs über datenbankgestützte Betriebsvergleiche wurde bereits 1996 von Halfar dargestellt; vgl. HALFAR 1995, 111ff.). Aus unserer Sicht sprechen mehrere Gründe dafür, dieses Verfahren, das bislang in der Behindertenhilfe nur in wenigen Einzelfällen zum Einsatz gekommen ist, nun für Einrichtungen und verbandliche Strukturen der Lebenshilfe e.v. zu nutzen: Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 3

4 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN a) Lernen am Modell Das Konzept knüpft unmittelbar an die Vorstellung an, dass das Lernen am Modell der einfachste Weg ist, organisationale Lernprozesse in Gang zu setzen und vorhandenes Wissen zu nutzen. In gewisser Weise geht das Verfahren also von der Prämisse aus, dass es bei der Suche nach Lösungen für organisationsinterne Probleme nicht sinnvoll ist, das Rad jeweils neu zu erfinden, sondern vielmehr zunächst vorhandene Wissensund Innovationspotenziale zu nutzen. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Vorgehensweise effizient ist: die Organisationsmitglieder müssen nicht permanent in die ressourcenzehrende Neuentwicklung von z.b. Konzepten oder Qualitätsstandards verstrickt werden, sondern können über den gezielten Vergleich vorhandene Problemlösungspotenziale sondieren und diese Potenziale später nutzen. Die praktische Relevanz dieses Aspekts ergibt sich unmittelbar, wenn man sich z.b. verdeutlicht, dass sich im Lauf der letzten Jahre zahlreiche Einrichtungen der Lebenshilfe auf den Weg zur Entwicklung von Qualitätsmanagementsystemen gemacht haben. Einige haben dabei auf eine Zertifizierung nach Din ISO 9001 ff. gesetzt, andere haben sich dem EFQM Model verschrieben und wieder andere haben eigene Systeme entwickelt. Dabei wurden vermutlich z.t. pfiffige und innovative Lösungen z.b. für die Organisation von Wohneinrichtungen oder Werkstätten für Behinderte gefunden, ohne dass dies jeweils einer größeren innerverbandlichen Öffentlichkeit bekannt wäre. Was liegt also näher, als die unterschiedlichen Lösungen im Rahmen eines Benchmarking systematisch miteinander zu vergleichen? So kann jede Einrichtung für sich erstens überprüfen, ob sie mit dem eingeschlagenen Pfad der Qualitätsentwicklung richtig liegt oder ob noch zusätzlicher Anpassungsbedarf besteht. Zweitens bestünde die Möglichkeit von anderen Lebenshilfeeinrichtungen am Modell zu lernen bzw. diesen Hilfestellung zu bieten. b) Lernen durch Vergleiche Das Verfahren knüpft an der Erkenntnis an, dass Menschen ohnehin permanent durch Vergleiche lernen. Wer Kinder hat, kennt den Mechanismus: Warum darf X, was ich nicht darf? Aber auch Kollegen tauschen ihre Erfahrungen aus oder fragen nach, wie z.b. bestimmte Prozesse in anderen Einrichtungen organisiert sind. Der Unterschied zum Benchmarking ist, dass solche Lernprozesse zumeist nicht sehr systematisch, häufig nur punktuell und eher en passant verlaufen. Beim Benchmarking geht es dagegen um organisierte und systematische Vergleiche von Organisationen/Einrichtungen (oder Teilen davon) hinsichtlich relevanter Merkmale auf der Ebene der Organisationsstrukturen, -prozesse und -ergebnisse, die systematisches und bewusstes Lernen sowie die gezielte Adaption von interessanten Problemlösungen anstiften sollen. Benchmarking liegt also keine elaborierte Theorie zugrunde, sondern es ist vor allem eine fruchtbare pragmatische und einfach zu erlernende Methode zur Qualitätsentwicklung. c) Relationaler Qualitätsbegriff Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist, dass ihm kein absoluter, sondern ein relationaler Qualitäts- bzw. Erfolgsbegriff zugrunde liegt, was gerade im Hinblick auf die Analyse von sozialen Dienstleistern/NPO s (z.b. Wohneinrichtungen, Werkstätten) wichtig ist. Nicht zuletzt deshalb, weil eine Messung des Gelingens sozialer Dienstleistungen (an der Leistungsgeber und -nehmer gleichermaßen mitwirken müssen) sowie die Zuordnung von Ursache und Wirkung bei deren Scheitern notorisch problematisch sind. Lassen sich Qualität und Erfolg sozialer Dienstleistungen aber nicht nach absoluten Maßstäben messen und bewerten, bietet es sich an, auf relationale Verfahren wie das Benchmarking zurückzugreifen, die Erfolg und Qualität im und durch den Vergleich mit anderen messen. Die Frage ist dann nicht mehr, wie sieht (theoretisch) das optimale Betreuungssetting in einer Wohngruppe für behinderte Menschen mit dem Betreuungsbedarf X aus, sondern durch welche Merkmale zeichnet sich jene Wohngruppe aus, die im Vergleich mit Anderen hinsichtlich bestimmter Parameter am Besten abschneidet. Die so ermittelten Referenzwerte bilden dann gewissermaßen die Surrogate für fehlende objektive Kriterien und Zielgrößen. d) Stärken-/Schwächenanalysen und Positionierung Über den systematischen Vergleich liefert das Verfahren Referenzwerte, die eine Analyse eigener Stärken und Schwächen erlauben sowie eine Positionierung der eigenen gegenüber anderen Organisationen. Diese Feststellung ist nicht banal: Führen z.b. Werkstätten für Behinderte alleine Befragungen unter ihren nichtbehinderten Mitarbeitern durch und erhalten die Rückmeldung, dass auf einer 5er-Skala (1 = sehr zufrieden; 5 = ganz unzufrieden) die Antworten zur Mitarbeiterzufriedenheit im Mittel bei 2,8 liegen, stellt sich sofort die Frage Ist das gut oder schlecht? Welches Maß an Zufriedenheit ist in Werkstätten der Lebenshilfe unter welchen Rahmenbedingungen eigentlich üblich? Antworten zu diesen Fragen, aber auch zu Fragen, die eher Strukturen, Prozesse, Finanzen und Vereinsführung betreffen, liefert das Benchmarking. 4 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

5 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN Das Verfahren Einrichtungsvergleich als Basis Ein spezielles Problem bei der Übertragung des in der gewerblichen Wirtschaft entwickelten Benchmarkingkonzepts auf soziale Dienstleister und NPO s bildet die Tatsache, dass häufig nicht bekannt ist, welche Einrichtung in Deutschland, in Bayern oder auch nur in Oberfranken denn eigentlich Best in Class ist oder Best Practices betreibt. Hier fehlt es zum einen an Transparenz und zum zweiten fehlen vielfach aber auch eindeutige Kriterien, nach denen dies zu beurteilen wäre. Im Rahmen des Verfahrens steht deshalb auch weniger die Frage im Mittelpunkt, wer denn eigentlich der Beste ist (das wird auch ermittelt), sondern eher die Frage, welche Wissens- und Lernpotenziale denn in den einzelnen Einrichtungen schlummern, wer über innovative Lösungen verfügt und welche Stärken und Schwächen einzelne Einrichtungen aufweisen. Die Anzahl der Einrichtungen, die nur Stärken oder ausschließlich Schwächen aufweisen, liegt im übrigen unter der statistischen Nachweisgrenze. Ausgangspunkt unseres Verfahrens bildet deshalb ein Einrichtungsvergleich, der eine gewisse Markttransparenz und damit auch eine informationelle Chancengleichheit zu den Kostenträgern verschafft, die schon lange über entsprechende Vergleichsdaten verfügen, einen systematischen Vergleich mit anderen ermöglicht und letztlich die Grundlage für gemeinsame/individuelle kontinuierliche Lernprozesse (Benchmarking) der Teilnehmer im Anschluss an eine Vergleichserhebung bildet. Mit der Betonung gemeinsamer Lerneffekte knüpft das Verfahren im Übrigen auch an die Präferenzstrukturen aus Werkstätten für Behinderte an: Im Rahmen einer 1999 durchgeführten Befragung (vgl. LÖWENHAUPT 2001, 6f.) unter 106 WfB (Arbeiterwohlfahrt: 26,4%, ASB: 20,8%, andere Träger : 38,7% mehrheitlich Lebenshilfeeinrichtungen) aus dem gesamten Bundesgebiet, gaben zwar nur 15% der Einrichtungen an, das Verfahren bereits einzusetzen (primär im Bereich Finanzen) das Interesse daran war aber groß. So hatten 37,2% der Befragten schon daran gedacht Benchmarking einmal auszuprobieren, weitere 36,3% waren noch unschlüssig. Immerhin 86% der Befragten waren der Überzeugung, dass das Verfahren einen konkreten Nutzen biete. Dieser konkrete Nutzen wurde vor allem darin gesehen, besonders gelungene Verfahren, Ideen, Problemlösungen kennen zu lernen und von anderen lernen zu können 69% bezeichneten diesen Aspekt als sehr wichtig. Von etwa der Hälfte der Befragten (46%) als sehr wichtig eingeschätzt wurde die Möglichkeit, sich mit anderen messen zu können, sich selbst positionieren zu können. Hinsichtlich jener Bereiche der Werkstätten, die man einem Benchmarking unterziehen würde, dominiert ganz klar der Bereich BWL/Finanzen (80%), gefolgt von den Bereichen Personalwirtschaft (66%), Auftragsakquise (62,3%), behinderte Mitarbeiter (60,4%) und Konzeption (58,5%)..RQNUHWHUÃ1XW]HQÃYRQÃ7HLOQDKPHÃDQÃ %HQFKPDUNLQJÃYRUVWHOOEDU" QHLQ È MDÃDEHUÃQXUÃLQÃ 7HLOEHUHLFKHQ È Basis: 106 befragte WfB; Quelle: Löwenhaupt 2000: 6f MD È Grundprinzipien des Verfahrens Ausgangspunkt unseres Verfahrens ist ein Benchmarking in Form eines anonymisierten datenbankgestützten Einrichtungsvergleichs, wobei das Konzept an Verfahren der Selbstevaluation anknüpft. Damit wird die Möglichkeit des Lernens aus einer detaillierten Selbstwahrnehmung eröffnet, die lediglich von außen gestützt wird. Diese Selbstbeobachtung kann dann zum Ausgangspunkt für gezielte Maßnahmen bzw. für Beratung werden. Auf der Basis von Erhebungsinstrumenten wird eine relationale mehrdimensionale Datenbank entwickelt, in der z.b. betriebswirtschaftliche, personalwirtschaftliche, unternehmenskulturelle, fachlich-konzeptionelle oder räumlich-sachliche Informationen gesammelt, aufbereitet und ausgewertet werden. Die Daten beziehen sich im Idealfall sowohl auf verschiedene Qualitätsdimensionen (Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität) als auch auf verschiedene Teilaspekte der Organisation, um eindimensionale z.b. ausschließlich an Kosten orientierte Betrachtungen zu vermeiden. Ein weiteres Grundprinzip ist die Anonymität der Auswertungen, die durchgeführt werden. D.h., die Teilnehmer wissen zwar, wie gut sie im Vergleich zu anderen sind, sie wissen aber nicht, wer der Beste oder Schlechteste ist. Die Kostenträger bleiben bei diesem Verfahren ohnehin völlig außen vor und auch der Bundessowie die Landesverbände der Lebenshilfe erhalten Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 5

6 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN keinen Einblick in die Daten einzelner Einrichtungen. Kontakte zwischen einzelnen Einrichtungen werden über den Datenbankbetreiber hergestellt. Nur der Betroffene erhält also Kenntnis über seine Schwachstellen und natürlich auch über seine Stärkepotenziale. Die Wohneinrichtungen bzw. die Werkstatt weiß dann, wie es um ihre Leistungsfähigkeit im Vergleich mit anderen bestellt ist und kann sich gezielt, und eben nicht blamiert, auf den Weg der Qualitätsverbesserung machen. Der Benchmarking-Zyklus Das Verfahren umfasst die in der nachstehenden Tabelle aufgelisteten Phasen. Im Idealfall bilden diese Phasen einen Benchmarking-Zyklus, der mit den gleichen oder weiteren Fragestellungen mehrfach durchlaufen wird. Benchmarking wird hier als ein längerfristiges Projekt begriffen, das sich nicht in einem einmaligen Vergleich erschöpft. Vielmehr geht es darum, den Mitarbeitern in Wohneinrichtungen und Werkstätten kontinuierlich Daten und Informationen an die Hand zu liefern, die im Sinne des Konzepts einer lernenden Organisation (SENGE 1997) kontinuierliche Lernprozesse auf der Basis von Vergleichsdaten ermöglichen. Das Projekt richtet sich im übrigen zwar vorwiegend an Einrichtungen der Lebenshilfe, eine spätere Öffnung des Verfahrens für andere Anbieter wird aber nicht ausgeschlossen. Festlegung der Benchmarking-Objekte Suche nach Benchmarking-Partnern: Aufbau von Vergleichsringen Gemeinsame Entwicklung von Instrumenten, Kennzahlen und Messgrößen Startphase: Einbindung der Mitarbeiter sowie der Einrichtungsleitung Einrichtungsvergleich: Gleichzeitige Datenerhebung bei allen Benchmarking-Partnern Datenerfassung durch Datenbankbetreiber Datenauswertung durch Datenbankbetreiber Rücklauf der Daten zu den Teilnehmern Datenauswertung und Dateninterpretation bei den Teilnehmern Stärken- und Schwächenanalysen für die eigene Einrichtung Benchmarking mit anderen Teilnehmern: Best Practices Qualitätsstandards: Neu entwickeln oder vorhandene optimieren Qualitätsmonitoring und -sicherung Im Mittelpunkt des Verfahrens steht der Einrichtungsvergleich. Diesem vorgeschaltet ist die Bildung von Vergleichsringen, also der Zusammenschluss von Interessenten aus Wohneinrichtungen oder Werkstätten für Behinderte der Lebenshilfe, die sich an diesen Vergleichsringen beteiligen möchten. Interesse kann sowohl über die Bundesvereinigung Lebenshilfe als auch über die Qualidata GmbH angemeldet werden. Da die Vorarbeiten zur ersten Erhebung 2002 in diesem Jahr beginnen, können Interessenten, die sich auch an der Entwicklung der Erhebungsinstrumente beteiligen möchten, bereits jetzt ihre Anmeldungen abgeben. Detaillierte Zeitpläne zu den jeweiligen Projekten können im Übrigen ab Oktober auf einer entsprechenden Homepage der Bundesvereinigung Lebenshilfe abgerufen werden. 6 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

7 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN Im Vorfeld des Einrichtungsvergleichs steht die Definition des Benchmarking-Objekts (Was soll genau im Rahmen des Benchmarkings untersucht werden?) sowie die Entwicklung von Instrumenten und Kennzahlen auf dem Programm. Das vereinbarte Prozedere sieht vor, dass die Qualidata GmbH und andere (z.b. Fachreferenten beim Bundesverband oder einzelne Einrichtungsleiter) im Vorfeld eines Benchmarkings eine Vorschlagsliste möglicher Fragestellungen anfertigen und einem breiteren Kreis von Interessenten und Experten zukommen lassen. Diese werden dann zu Workshops eingeladen und erarbeiten gemeinsam die endgültige Liste der abgefragten Kennzahlen und Variablen, die dann in ein Fragebogenformat gebracht werden. Entscheidend ist dabei, dass a) die Instrumenten-Workshops offen sind für alle Interessenten aus Wohneinrichtungenen und Werkstätten, b) die Teilnehmer dieser Workshops wesentlich die Benchmarking-Objekte und deren Operationalisierung in Form von Fragen und Kennzahlen bestimmen und c) die Liste der erhobenen Merkmale nicht ein für alle mal festgeschrieben ist, sondern lediglich Ausdruck eines aktuellen Erkenntnisinteresses ist. Die Endredaktion der Instrumente übernimmt wiederum die Qualidata GmbH. Die entwickelten Erhebungsinstrumente werden, einem festen Zeitplan entsprechend, zusammen mit Handbüchern und Informationsmaterialien allen teilnehmenden Wohneinrichtungenen und Werkstätten zugeschickt. Auf der Basis der Instrumente führen die Einrichtungen zunächst eine Untersuchung über sich selbst durch (Selbstevaluation) und schicken das von ihnen und Dritten ausgefüllte Material an die Qualidata GmbH zurück. Hier werden die Daten der Einrichtungen anonymisiert, in die Datenbank eingegeben und anschließend ausgewertet. Als erste Serviceleistung erhalten die Teilnehmer einen Tabellenband mit den Ergebnissen für alle abgefragten Variablen und Dimensionen sowie einen kurzen Stärken-/Schwächenreport. Dabei werden die Daten einer Einrichtung in Beziehung gesetzt zu den Daten a) aller übrigen Einrichtungen oder b) zu einzelnen Untergruppen aller teilnehmenden Einrichtungen (z.b. Wohngruppen, deren Bewohner einen vergleichbaren Hilfebedarf aufweisen, Arbeitstrainingsbereich in Werkstätten). Zu jedem Merkmal bzw. zu jeder Kennzahl werden verschiedene Berechnungen durchgeführt und die Ergebnisse ausgewiesen: z.b. Mittelwert, Maximum, Minimum, Standardabweichung und der Rangwert einer Einrichtung, wobei eine Rangberechnung über alle Merkmale einer Einrichtung unterbleibt. Anschließend werden die Daten einrichtungsintern auf Stärken und Schwächen hin ausgewertet, wobei sich ein Top-Down-Verfahren anbietet, d.h., vom Management ausgehend werden alle Mitarbeiter mit den Daten, soweit diese sie betreffen, vertraut gemacht. In einem nächsten Schritt treffen sich die Teilnehmer dann in sogenannten Benchmarking-Workshops, in denen die Ergebnisse gemeinsam ausgewertet und analysiert werden. Hier ist der Ort, wo interessierte Teilnehmer sich danach erkundigen können, wie bestimmte Ergebnisse zustande kommen, wer sich hinter besonders interessanten Ergebnissen verbirgt. Es gibt dabei zwar keine Pflicht, sich zu outen, in der Regel entwickelt sich aber eine Kultur des wechselseitigen Gebens und Nehmens, die auf einem wechselseitigen Vertrauensvorschuss und einem Kodex zur Verschwiegenheit über Daten anderer Teilnehmer basiert. Wer diesen Kodex verletzt, wird ausgeschlossen. In den Einrichtungen können die Ergebnisse des Workshops zur Planung und Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen genutzt werden (z.b. um neue Qualitätsstandards einzuführen oder bestehende zu überarbeiten; oder aber um Prozesse neu zu organisieren und Strukturen zu verändern). Den Abschluss des Benchmarking-Zyklusses bilden einrichtungsinterne Überlegungen dazu, wie Veränderungs- und Verbesserungsmaßnahmen in bestehende Routinen und Prozesse integriert und letztlich im Rahmen eines Qualitätsmonitorings- und Qualitätssicherungskonzepts verbindlich geregelt werden können. Mit dem Einstieg in einen neuen Einrichtungsvergleich kann dann überprüft werden, inwieweit die Verbesserungsmaßnahmen gegriffen haben. Durch die erneute Teilnahme von Einrichtungen, die bereits an den eigenen Schwachstellen gefeilt haben, aktualisiert und modernisiert sich die Datenbank permanent selbst, die Standards erhöhen sich und das Qualitätsmanagement wird beschleunigt. Liegen für mehrere Erhebungszeitpunkte Daten vor, kann das einzelne Heim sich im Laufe der Zeit zudem mit sich selbst im Längsschnitt vergleichen, über Fortschritte, Rückschritte oder Seitwärtsbewegungen bei verschiedenen Dimensionen nachdenken. Über den regelmäßigen erneuten Einsatz der Instrumente wird Qualitätssicherung gleichsam zu einem Dauerprojekt. In dieser Dynamik liegt natürlich auch die Botschaft, die gegenüber Partnern, Kostenträgern und (potentiellen) Mitarbeitern kommuniziert wird. Die Botschaft lautet: Wir wollen (noch) besser werden und sind systematisch auf der Suche nach Fehlern und Schwachstellen. Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 7

8 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN Instrumente und Dimensionen des Einrichtungsvergleichs für Wohnstätten und Werkstätten Prinzipiell versucht die Qualidata GmbH für Einrichtungsvergleiche bei sozialen Dienstleistern ein mehrdimensionales Untersuchungsdesign zu realisieren. Nicht zuletzt deshalb, weil Dienstleistungsprozesse komplex sind und ihnen nur selten einfache Ursache- Wirkungszusammenhänge zu Grunde liegen. Will man zum Beispiel die Qualität von Werkstätten für Behinderte miteinander vergleichen, dürfte es nicht ausreichen, sich ausschließlich auf die Finanzdaten und den ökonomischen Erfolg einer Einrichtung zu konzentrieren, da dies anderen Qualitätszielen, die sich an der beruflichen und sozialen Eingliederung der behinderten Menschen orientieren, diametral entgegen stehen kann. Es genügt nicht einmal, bestimmte Personalschlüssel sowie das Qualifikationsniveau von Mitarbeitern mit einander zu vergleichen. Von Interesse dürften vielmehr auch eine ganze Reihe von weiteren Aspekten sein: So weisen z.b. einzelne Werkstätten ein mehr oder weniger hohes Maß an Zentralisierung/Dezentralisierung auf, das entsprechende Differenzierungen bei der Datenerfassung und analyse erfordert. Darüber hinaus wird ein Vergleich nur sinnvoll sein, wenn man einzelne Funktionsbereiche in der Werkstatt, wie den Arbeitsbereich, den Arbeitstrainingsbereich und Fördergruppen gesondert analysiert, und z.b. hier anfallende Kosten und Erträge sowie Personalschlüssel und Gruppengrößen entsprechend differenziert betrachtet. Zudem ist auch zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Dienstleistungs- und Produktionsprozesse wie etwa in einem Wäschereibetrieb oder einer Schlosserei möglicherweise Effekte auf die Vergleichsergebnisse haben und deshalb ebenfalls zu berücksichtigen sind. Interessante Indikatoren sind in diesem Zusammenhang auch die unterschiedlichen Akquise-Strategien in einzelnen Bereichen. Des Weiteren sind in WfB unterschiedliche Ausstattungsstandards, Personalschlüssel, Nutzerstrukturen und konzeptionelle Vorgaben im Hinblick auf ihre Effekte für die Einrichtungs- und Betreuungsqualität zu berücksichtigen. Daneben ist für einen Qualitätsvergleich zusätzlich die Frage von Bedeutung, wie die in der Werkstatt arbeitenden behinderten Menschen ihre Arbeitssituation, die Zusammenarbeit mit ihren behinderten und nichtbehinderten Kollegen, die Arbeitsplatzausstattung und die Ausstattung der Einrichtung insgesamt bewerten. Darüber hinaus dienen auch die Rückmeldungen der Mitarbeiter, z.b. deren Arbeitszufriedenheit, zur Erklärung unterschiedlicher Qualitätsniveaus von Werkstätten beitragen könnten und ob nicht die Urteile verschiedener Kundengruppen Kooperationspartner, Angehörige zentrale Indikatoren für einen Leistungsvergleich von Werkstätten für Behinderte bilden. Die folgenden Tabellen enthalten einen Vorschlag für Dimensionen, Indikatoren und Kennzahlen, die für einen Werkstattvergleich von Interesse sein könnten. Dimensionen/Instrumente des Einrichtungsvergleiches A. Organisations-Check Ø 1. BWL/Finanzen 2. Personal Ø B. Mitarbeiterbefragung 3. Infrastruktur Ø C. Behinderte Menschen 4. Konzeption Ø D. Angehörige 5. Nutzerstruktur Ø E. Kooperationspartnerbefragung Neben einem Organisationscheck, der die Bereiche BWL/ Finanzen, Personalwirtschaft, Infrastruktur, Nutzerstruktur und konzeptionelle Aspekte beinhalten und eher die harten Vergleichsdaten liefern, werden zusätzlich weiche Einstellungsdaten als Qualitätsindikatoren vorgeschlagen. Prinzipiellist ja auch noch zu entscheiden, in welchem Umfang und mit welchem Gewicht quantitative und qualitative Indikatoren in einen Vergleich eingehen sollten. 8 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

9 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN Dimensionen, Indikatoren und Kennzahlen für den Bereich Werkstätten für Behinderte A. Organisationscheck BWL Personalwirtschaft Infrastruktur Nutzerstruktur Konzeption/ Leistungsmerkmale Entwicklungmöglichkeiten allgemeinen Arbeitsbedingungen Identifikation Wichtigkeit von: Betrieblichen Leistung e n Information und Kommunikation Vorgesetztenverhalten Kollegenbeziehungen Entwicklungmöglichkeiten allgemeinen Arbeitsbedingungen Identifikation Bewertung: Wo liegen die hauptsächlichen Problembereiche? Wo liegen die eigenen Stärken? Wo liegen die eigenen Schwächen? Selbsteinschätzung: Wie gut ist unsere Dienstleistungsqualität? Wie bewerten die Nutzer unsere Qualität? Verfügbare Innen- und Außenflächen für einzelne Leistungsbereiche (Nutzflächen, Verkehrsflächen, Nebennutzflächen, differenziert nach Werkstattbereich, Verwaltung, Begleitender Dienst, Wirtschaft und Versorgung) je Mitarbeiter Zentralisierung/Dezentralisierung der Einrichtung, Differenzierung nach Haupt- und Zweigwerkstätten sowie nach Außenstellen Anbindung an ÖPNV Gebäudekategorien Flächen für umsatzstärkste Produktions- und Sämtliche Daten werden getrennt für den Arbeitsund Arbeitstrainingsbereich sowie für Fördergruppen erfasst: Anzahl behinderte Mitarbeiter Art der Behinderung Arbeitserfahrungen vor Eintritt in WfB Geschlechter- und Altersverteilung geplante Dauer der Hilfemaßnahme C. Betreute Personen Verweildauer der behinderten Mitarbeiter in der Werkstatt Bildungsabschlüsse der behinderten Mitarbeiter Berufsqualifikationen Fluktuationen bei behinderten Mitarbeitern Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt Zufriedenheit mit: Arbeitssituation Betreuer, Gruppenleiter etc. Beziehungen zu anderen behinderten Mitarbeitern Arbeitsplatzausstattung, Arbeitsorganisation Essen/Kantine Bezahlung Kommunikation Werkstattrat Fahrdienst Etc. Wichtigkeit von: Arbeitssituation Betreuer, Spezifisches Leistungsangebot der Werkstatt im Arbeits-, Arbeitstrainingsund Förderbereich: Regelangebote und Zusatzangebote besondere Betreuungsangebote Spezialisierungen auf Behinderungsarten besondere geschlechtsspezifische Angebote zusätzliche Angebote Verteilung der Plätze auf Arbeits-, Arbeitstrainingsund Förderbereich Personalschlüssel im Arbeits-, Arbeitstrainingsund Förderbereich Konzeption der Einrichtung Konzeptionen für einzelne Maßnahmen Prozesse und Verfahren Eingangsverfahren: Dauer und Ergebnis Förderplan und Dokumentation Gruppenleiter etc. Beziehungen zu anderen behinderten Mitarbeitern Arbeitsplatzausstattung, Arbeitsorganisation Essen/ Kantine Bezahlung Kommunikation Werkstattrat Fahrdienst Etc. Bewertung: Was sollte geändert werden? Wo gibt es Probleme? Was funktioniert gut? Was funktioniert schlecht? D. Angehörige Dienstleistungsbereiche Zustand der Produktionsanlagen Investitionen in Produktionsanlagen Software (z.b. Anzahl der Programme, Standardprozeduren die mit EDV bearbeitet werden, Servicezeiten, Betriebszeiten etc.) Hardware (z.b. Investitionen je Mitarbeiter, Reparaturkosten je Mitarbeiter oder Betriebsstunde etc., Wartungskosten pro Arbeitsplatz) Sonstige Ausstattung Gemeinschaftsräume Zufriedenheit mit: Arbeitssituation Kommunikation mit Werkstattmitarbeitern Informationspolitik der WfB Reaktionsfähigkeit Zuverlässigkeit der Mitarbeiter Personalstruktur Stellenanteile Mitarbeiter nach Bereichen und Beschäftigungsstatus (Angestellte, Honorarkräfte), Alter, Geschlecht, Qualifikation, Beschäftigungsdauer, Beschäftigungsform (Voll-/Teilzeit) Stellenanteile je betreuter Person, Freiwillige Leistungen des Arbeitgebers Gehaltssummen nach Leistungsbereichen Personalfluktuation unbesetzte Stellen Ausfalltage durch Krankenstand nach Bereichen Prozess der Personalrekrutierung Personalbedarfsplanung Stellenbeschreibungen Einarbeitungsphase Beurteilungswesen fachliche Betreuung der Mitarbeiter Fort- und Weiterbildungsbudgets je Mitarbeiter Aus den Arbeitsgruppen liegen zusätzliche Kennzahlen vor, auf die zurückgegriffen werden kann. Gewinne/Verluste Kosten Kostenarten Kostenstellen z.b. Arbeitsbereich, Arbeitstrainingsbereich, Förderbereich, begleitender Dienst, medizinischer Dienst, Geschäftsführung, Produktionsbereiche etc. Erträge Kostenträger, Zuschüsse, Erträge aus Produktion, Verkauf von Dienstleistungen, Spenden etc. Kennzahlen Kosten je Leistungstag nach Kostenarten und Kostenstellen für verschiedene Behinderungsarten Erträge je Leistungstag nach Kostenarten und Kostenstellen für verschiedene Behinderungsarten Kosten und Erträge je Mitarbeiter, je betreutem Menschen, je produzierter Einheit, Höhe Arbeitsentgelte für Behinderte Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 9

10 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN B. Mitarbeiter Zufriedenheit mit: Wichtigkeit von: Bewertung: Selbsteinschätzung: Betrieblichen Leistungen Information und Kommunikation Vorgesetztenverhalten Kollegenbeziehungen Entwicklungmöglichkeiten allgemeinen Arbeitsbedingungen Betrieblichen Leistungen Information und Kommunikation Vorgesetztenverhalten Kollegenbeziehungen Entwicklungmöglichkeiten allgemeinen Arbeitsbedingungen Wo liegen die hauptsächlichen Problembereiche? Wo liegen die eigenen Stärken? Wo liegen die eigenen Schwächen? Wie gut ist unsere Dienstleistungsqualität? Wie bewerten die Nutzer unsere Qualität? Identifikation Identifikation C. Betreute Personen Zufriedenheit mit: Arbeitssituation Betreuer, Gruppenleiter etc. Beziehungen zu anderen behinderten Mitarbeitern Arbeitsplatzausstattung, Arbeitsorganisation Essen/Kantine Bezahlung Kommunikation Werkstattrat Fahrdienst etc. Wichtigkeit von: Arbeitssituation Betreuer, Gruppenleiter etc. Beziehungen zu anderen behinderten Mitarbeitern Arbeitsplatzausstattung, Arbeitsorganisation Essen/Kantine Bezahlung Kommunikation Werkstattrat Fahrdienst etc. Bewertung: Was sollte geändert werden? Wo gibt es Probleme? Was funktioniert gut? Was funktioniert schlecht? D. Angehörige Zufriedenheit mit: Wichtigkeit von: Bewertung: Arbeitssituation Kommunikation mit Werkstattmitarbeitern Informationspolitik der WfB Reaktionsfähigkeit Zuverlässigkeit der Mitarbeiter Einfühlungsvermögen Essen Fahrdienst etc. Arbeitssituation Kommunikation mit Werkstattmitarbeitern Informationspolitik der WfB Reaktionsfähigkeit Zuverlässigkeit der Mitarbeiter Einfühlungsvermögen Essen Fahrdienst etc. Wo gibt es Probleme? Was funktioniert gut? Was funktioniert schlecht? Was sollte geändert werden? 10 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

11 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN E. Kooperationspartner Kostenträger, Auftraggeber, Firmen, Institutionen, Verwaltungen,... Image der Werkstatt Bewertung der Zusammenarbeit Bewertung der Maßnahmen Zufriedenheit Reaktionsfähigkeit, Flexibilität, Termintreue, Zuverlässigkeit, Produktqualität,... Bewertung des Preis-Leistungsverhältnisses Veränderungswünsche Stärken und Schwächen Welche dieser Dimensionen, Indikatoren und Kennzahlen letztlich tatsächlich zum Einsatz kommen, ist Gegenstand der oben angesprochenen Instrumenten- Workshops; d.h., die späteren Teilnehmer entscheiden über die im Rahmen des Benchmarkings zu vergleichenden Inhalte, Themen und Gegenstände. Dies schließt ein, dass zusätzlich weitere oder auch ganz andere Fragestellungen in das Instrumentarium Eingang finden können die vorliegenden Übersichten haben also nur Vorschlagscharakter. Ähnliche Überlegungen wie für die WfB, lassen sich auch für den Bereich der Wohneinrichtungen für Behinderte anstellen. Dies gilt z.b. für die Fragen nach den personellen und finanziellen Ressourcen, wobei allerdings Spezifika des jeweiligen Einrichtungstyps im Hinblick auf diese beiden Bereiche zu berücksichtigen wären. Darüber hinaus ist es auch im Bereich der Wohnstätten angezeigt, die Rückmeldungen der Mitarbeiter, der Bewohner, der Kooperationspartner und der Angehörigen zu berücksichtigen. Von besonderer Bedeutung für den Wohnstättenbereich ist z. B. die Ausstattung von Wohngruppen: Ausstattung von Wohngruppen: Anzahl Betten je Zimmer; qm Fläche je Bewohner; Telefon, PC, Internet; Qualität von Sanitäranlagen; Standards der Möblierung; Organisation von Prozessen; Gestaltungsmöglichkeiten der Bewohner bei der Ausstattung der Wohngruppe; Freiheitsgrade der Bewohner bei der Gestaltung des Tagesablaufs; Einbindung der Wohngruppe in das Wohnumfeld; Kochen, Essen, Waschen; besondere Aktivitäten im Jahresverlauf; Ergebnisse der Arbeit; gesetzlich Verpflichtung zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben; Grad der Verselbständigung. Zu klären ist auch, in welchem Umfang man den Träger der Wohngruppen in die Befragung mit einbeziehen sollte, weil dieser z.b. spezielle Fachdienste unterhält, die für einzelne Wohngruppen von Bedeutung sind. Weitere Fragestellungen ergeben sich beim Vergleich von Wohngruppen z.b. im Hinblick auf die Bewohnerstruktur: Welche Behinderungen und welche Hilfebedarfe weisen z.b. einzelne Bewohner einer Wohngruppe auf bzw. welche Anforderungen ergeben sich durch die individuellen Hilfebedarfe insgesamt; welche Ziele sollen mit den Bewohnern erreicht werden und welche Aktivitäten sind mit diesen zusammen geplant? Des Weiteren: Behandelt man betreute Wohnformen und Wohngruppen gleich oder bildet man hierzu Teilsamples? Auch hier wäre im Rahmen von Instrumenten-Workshops im einzelnen zu klären, welche Merkmale erhoben werden sollen und in welcher Form eine Auswertung der Daten sinnvoll ist. Unabhängig davon, ob man nun Instrumente für Wohnstätten oder für Werkstätten entwickelt, sollte als Grundsatz gelten, dass man sich nicht von der Komplexität einzelner Arbeitsfelder abschrecken lässt. Auch wenn zu Beginn nichts vergleichbar scheint weil die meisten Organisationen an ihre Einzigartigkeit glauben und diese betonen: die Gemeinsamkeiten zwischen einzelnen Wohnheimen und Werkstätten, das hat inzwischen die Praxis gezeigt, liegen vermutlich eher bei 75% als bei 25%. Zudem haben Benchmarking-Instrumente immer den Status des Vorläufigen und müssen Erhebungswelle für Erhebungswelle neu angepasst, gepflegt und überarbeitet werden, z. B. weil sich gesetzliche Regelungen verändert haben, einige Fragestellungen inhaltlich abgearbeitet und neue Fragestellungen aufgeworfen wurden. Benchmarking verlangt in dieser Hinsicht also ein gewisses Engagement, was aber kein Spezifikum dieses Verfahrens darstellt. Jeder Versuch Instrumente zu entwickeln, mit denen man Qualität sinnvoll messen und beschreiben kann, verlangt Einsatz. Benchmarking ist dieser Hinsicht sogar eher effizient, weil die entwickelten Instrumente in mehreren Organisationen eingesetzt werden können. Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 11

12 BENCHMARKING FÜR WOHNEINRICHTUNGEN UND WERKSTÄTTEN / ÜBERGREIFENDES Anschlussfähigkeit an andere Qualitätsmanagementverfahren Für die Einführung von Benchmarking in Einrichtungen der Behindertenhilfe spricht, dass Benchmarking keine neue Management-Sau ist, die aktuell durchs Dorf gejagt wird (HALFAR 2000), sondern dass es sinnvolle Anknüpfungspunkte zu bestehenden Qualitätsmanagementverfahren bietet. Im Rahmen des EFQM- Modells wird ja z.b. explizit ein Benchmarking der Einrichtung/Organisation gefordert (im Übrigen gibt hinsichtlich der zu bewertenden Qualitätskriterien Überschneidungen). Darüber hinaus kann im Anschluss an ein Benchmarking auch ein Qualitätssicherungssystem entlang der Normen-Reihe DIN ISO 9001ff./ 2000 aufgebaut werden, wenn das Benchmarking z.b. besondere Schwächen im Prozessmanagement offenbart hat; ob man sich dann tatsächlich auch zertifizieren lässt, ist erst in einem zweiten Schritt zu entscheiden. Umgekehrt können aber auch bereits zertifizierte Organisationen das Bedürfnis verspüren, sich mit anderen im Rahmen eines Einrichtungsvergleichs zu messen und neue Ideen für die eigene Arbeit zu finden. Hier sind also Schnittstellen gegeben, zumal ein Benchmarking, das sich auf einen regelmäßig durchgeführten mehrdimensionalen Einrichtungsvergleich stützt, eine umfassende Datenressource darstellt, mit der sich auch andere Qualitätsverfahren füttern lassen. Abgesehen von diesen wechselseitigen Anschlussmöglichkeiten lassen sich für das Benchmarking zusätzliche Anknüpfungspunkte zum Konzept der Lernenden Organisation finden (Senge, 1997). Für das im Rahmen des Konzepts geforderte Denken in Systemen kann es höchst sinnvoll sein, die eigene Einrichtung umfassend im Rahmen eines Benchmarking zu untersuchen einmal, weil dadurch Bezüge und Interdependenzen zwischen einzelnen Organisationsteilen offengelegt werden, und zum zweiten, weil der Binnenperspektive eine externe hinzugefügt wird, die die Wahrnehmung der eigenen Organisation als System unterstützt. Zusammenfassung Benchmarking ist ein Verfahren, das einen Einstieg in ein umfassendes und systematisches Qualitätsmanagementsystem bzw. eine Unterstützung und Flankierung bestehender Systeme durch selbstinitiierte Lernprozesse eröffnet, gleichzeitig aber auch Anschlussmöglichkeiten zu anderen Verfahren hat und gerade dadurch flexibel im Bereich der Behindertenhilfe eingesetzt werden kann besonders für Wohnstätten und Werkstätten. Literatur: CAMP, R.: Benchmarking. The Search for Industry Best Practices That Lead to Superior Performance. Milwaukee, Wisconsin 1989 HALFAR, B.: Betriebsvergleich statt Zertifizierung. Socialmanagement Heft 6/1995 HALFAR, B.: Ein Schweinchen namens Bench. Verbandsdienst der Lebenshilfe 1/2000 LÖWENHAUPT, St.: Verfahren im Qualitätsmanagement. Interesse am Benchmarking wächst bei Werkstätten für Behinderte. Sozialmarkt Aktuell 3/2000 S. 6 7 SENGE, Peter M.: Die fünfte Disziplin Kunst und Praxis der lernenden Organisation SPENDOLINI, M. J.: The Benchmarking Book. New York, 1992 Stefan Löwenhaupt Geschäftsführer Qualidata GmbH, Frauentorgraben 73, Nürnberg Tel.: (09 11) Fax: (09 11) Übergreifendes Lebenshilfe schafft mit der Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge neues Versicherungsangebot für Menschen mit geistiger Behinderung Der geistig behinderte Michael K. hat beim Geburtstagskaffee in der Nachbarschaft versehentlich eine wertvolle Vase vom Regal gestoßen. Der Schaden beträgt 3000 Mark, ein typischer Fall für die private Haftpflichtversicherung. Denkste! Die Versicherung zahlt nicht, weil Michael K. als deliktunfähig gilt. Eine unangenehme Situation für die ganze Familie K. entweder sie zahlt den Schaden aus eigener Tasche oder das gute nachbarschaftliche Verhältnis geht wie die Vase zu Bruch. Auf Initiative der Bundesvereinigung Lebenshilfe bietet jetzt für solche Fälle die Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge, der Versicherer im Raum der Kirchen, echten Schutz an. Nach der Unfall- und Sterbegeldversicherung wurde eine private Haftpflichtversicherung für Menschen mit geistiger Behinderung entwickelt. Der 12 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

13 ÜBERGREIFENDES Versicherungsnehmer hat hier die Möglichkeit, die Deliktsunfähigkeit aus der Versicherungspolice zu streichen. Pro Jahr sind damit Schäden von maximal 5000 Euro abgedeckt. Fallbeispiele sollen das neue Angebot verdeutlichen: Der Mensch mit geistiger Behinderung lebt bei den Eltern (oder einem Geschwisterteil), und diese haben bereits eine Familien-Haftpflichtversicherung bei der Bruderhilfe. Für einen Zusatzbeitrag von 25 Mark können die Eltern eine Zusatzversicherung für ihr Kind mit Behinderung abschliessen. Es wird dann Der Mensch mit geistiger Behinderung lebt alleine oder in betreutem Wohnen. Hier wird zu prüfen sein, ob eine eigenständige Haftpflichtversicherung für den Menschen mit Behinderung abzuschliessen ist. Muss er Teile seines Werkstattlohns ans Sozialamt abgeben, kann er Versicherungsbeiträge in Abzug bringen ( 76 Absatz 2 Nr. 3, Bundessozialhilfegesetz). Auch Bezieher von Sozialhilfe können sich somit eine Haftpflicht- oder Unfallversicherung leisten. Bundesvereinigung Lebenshilfe als auch die Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge betreten mit diesem Haftpflichtkonzept Neuland. Die Praxis wird zeigen, an welchen Stellen der Versicherungsschutz noch verbessert werden kann. Kontakt: Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge Doktorweg 2-4, Detmold (Tel.: , Fax: ). Bessere Unfall- und Sterbegeldversicherung Werner Keller, Mitarbeiter der Bübinger Werkstätten namentlich im Versicherungsantrag und Versicherungsschein aufgeführt. Wenn bislang überhaupt keine Haftpflicht für die Familie bestand, kann ein Gesamtpaket geschnürt werden. Der Mensch mit geistiger Behinderung lebt bei den Eltern (oder einem Geschwisterteil) und diese haben keine Familien-Haftpflichtversicherung bei der Bruderhilfe. Dann besteht für die Eltern die Möglichkeit, eine Haftpflichtversicherung für das Kind mit Behinderung für einen Jahresbeitrag von 140,20 Mark abzuschließen. Die Eltern ihrerseits können ihren bestehenden Haftpflichtversicherungsvertrag fortführen oder zu einem Ende bringen, um darauf die in Fall 1 beschriebene Familien-Haftpflichtversicherung bei der Bruderhilfe zu wählen. Der Mensch mit geistiger Behinderung lebt in einer Einrichtung. Hier ist, da das Merkmal mit dem Versicherungsnehmer in einer häuslichen Gemeinschaft lebend nicht erfüllt ist, eine Absicherung nicht möglich. Jedoch können die Menschen mit Behinderung über eine zusätzliche Privathaftpflichtdeckung der Betriebshaftpflichtversicherung der Einrichtung versichert werden. Diese Zusatzdeckung, die separat beantragt wird, ist jedoch kein Muss. Hier sollte die Einrichtung ihre Versicherungssituation überprüfen. Im März 2000 konnte die Bundesvereinigung Lebenshilfe mit der Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge eine Partnerin vorstellen, die erstmalig auch Unfall- und Sterbegeldversicherungen für Menschen mit geistiger Behinderung anbietet. Zahlreiche Abschlüsse kamen seither zu Stande. Eine weitere Verbesserung vor allem bei der Unfallversicherung bedeutet, dass jetzt eine Einrichtungs-Tätigkeit lediglich zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses vorgelegen haben muss. Unschädlich ist ein Wegfall der Einrichtungs-Tätigkeit während der Vertragslaufzeit. Über das Spannungsverhältnis zwischen den Leistungen dieser Versicherungen und dem Sozialhilferecht wird im Lebenshilfe-Rechtsdienst 3/2001 berichtet. Lebenshilfe hilft beim Start ins Arbeitsleben Jetzt anmelden zum Berufsvorbereitenden Sozialen Jahr ein Beitrag gegen Jugendarbeitslosigkeit und Zivildienstabbau Eine einmalige Chance bietet jetzt die Lebenshilfe allen, die nach dem Schulabschluss noch nicht wissen, welcher Beruf für sie der richtige ist. Der Verband mit seinem bundesweiten Netz aus 540 örtlichen Vereinigungen startet sein so genanntes Berufsvorbereitendes Soziales Jahr kurz BSJ. Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 13

14 ÜBERGREIFENDES Junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren erhalten hier die Möglichkeit, erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Der staatlich verordnete Abbau an Zivildienststellen zwingt uns, kreative neue Wege einzuschlagen, erklärt der Bundesgeschäftsführer der Lebenshilfe, Dr. Bernhard Conrads. Wie der Zivildienst, soll auch das BSJ die so wichtigen sozialen Kompetenzen vermitteln, die in unserer Ellenbogengesellschaft sonst mehr und mehr verschwinden. Daneben könne die Lebenshilfe-Initiative einen wertvollen Beitrag im Kampf gegen die immer noch hohe Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland leisten. Das BSJ wird in einer der rund Lebenshilfe-Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung absolviert und monatlich mit 800 Mark vergütet. Es handelt sich um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit 26 Urlaubstagen und Anspruch auf mindestens fünf Fortbildungstage. Am Ende erhält jede Absolventin und jeder Absolvent ein Zeugnis. Im BSJ werden die jungen Menschen mit bewährten hauptamtlichen Kräften der Lebenshilfe zusammenarbeiten. Dabei können die Teilnehmer(innen) unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Begleitung von Reisen geistig behinderter Menschen; individuelle Betreuung in der Familie, im Kindergarten, beim Schulbesuch, bei Freizeit und Sport; Mitwirkung bei Kunst- und Kulturprojekten; Assistenz innerhalb verschiedener Wohnangebote oder am Arbeitsplatz behinderter Menschen. Mehr zum BSJ unter der Hotline 01 80/ (Montag bis Freitag) oder im Internet unter Hier sind alle Lebenshilfe-Einrichtungen aufgelistet, bei denen sich Interessierte bewerben können. Preis für innovative Erwachsenenbildung Zum ersten Mal vergibt die Gesellschaft Erwachsenenbildung und Behinderung e. V. einen Preis für innovative Erwachsenenbildung. Es können praxisorientierte Beiträge eingereicht werden, die Impulse für neue Aufgabenfelder setzen und zur Fortentwicklung von Kursangeboten für Menschen mit Lernschwierigkeiten beitragen. 3 Themenbereiche stehen zur Auswahl: Wie kann ich als behinderter Mensch Karriere machen? Wir schaffen Bildungsmöglichkeiten und Kursangebote im ländlichen Raum. Thema Europa: Offen für Länder und Mitbürger. Bewerben können sich Personen einzeln oder als Team die sich mit praktischer Erwachsenenbildung befassen. Die Beiträge sollen zukunftweisend für die Erwachsenenbildung von Menschen mit geistiger Behinderung sein und sich innerhalb der Praxis allgemeiner Bildungseinrichtungen realisieren lassen. Zugelassen sind Arbeiten aus allen europäischen Ländern, sie müssen jedoch in deutscher Sprache verfasst sein. Der Umfang der Beiträge sollte 15 bis 30 Seiten betragen. Die Autor(inn)en erklären sich mit der Veröffentlichung ihrer Beiträge durch die Gesellschaft Erwachsenenbildung und Behinderung e. V., Deutschland einverstanden. Das Urheberrecht der Autor(innn)en bleibt dabei gewahrt. Die Jury setzt sich aus Mitgliedern der Gremien der Gesellschaft und Sponsoren zusammen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 1. Preis: 2000, DM 2. Preis: 1000, DM 3. Preis: 500, DM Einsendeschluss ist der 31. Oktober Ausführliche Unterlagen sind erhältlich bei: Gesellschaft Erwachsenenbildung und Behinderung, Postfach , D Berlin. Neue Heilmittel-Richtlinien in Kraft Folgen für die gesundheitliche Versorgung Norbert Schumacher Gesetzlich Versicherte können bei Krankheit einen Anspruch auf Versorgung mit Heilmitteln haben, vgl. 27 Abs. 1 Nr. 3, 32 Sozialgesetzbuch, Fünftes Buch (SGB V). Die gesundheitliche Versorgung mit Heilmitteln hat für Menschen mit Behinderung eine große Bedeutung, da sie überdurchschnittlich häufig und zum Teil dauerhaft auf die Inanspruchnahme von Heilmitteln angewiesen sind. Was Heilmittel sind, wird in den vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen erarbeiteten Richtlinien über die Verordnung von Heilmitteln näher erläutert. Die Richtlinien bilden sozusagen die Grundlage für die gesamte Heilmittelversorgung. Sie sind für alle an der gesundheitlichen Versorgung Beteiligten (Ärzte, Krankenkassen und Leistungserbringer) verbindlich und somit von ihnen zwingend zu beachten. Damit haben die Richtlinien auch unmittelbare Auswirkungen für die 14 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

15 ÜBERGREIFENDES Versicherten, da Ärzte grundsätzlich keine Heilmittel außerhalb des in den Richtlinien aufgeführten Heilmittelkatalogs verordnen und Leistungserbringer keine Leistungen außerhalb des Heilmittelkatalogs mit den Krankenkassen abrechnen dürfen. Nach mehrfachen Verzögerungen, u.a. bedingt durch Beanstandungen seitens des Bundesministeriums, sind zum 01. Juli 2001 die Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Verordnung von Heilmitteln in der Vertragsärztlichen Versorgung (Heilmittel-Richtlinien/HMR) in Kraft getreten. Die rechtliche Grundlage für die Heilmittel- Richtlinien bilden 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6, Abs. 6 ivm. 138 SGB V. Sie ersetzen die bisher geltenden Heil- und Hilfsmittelrichtlinien. Mit der Vorlage der neuen Heilmittel-Richtlinien wurden diese somit von den Hilfsmittel-Richtlinien abgetrennt, so dass es künftig keinen gemeinsamen Heilund Hilfsmittel-Katalog mehr gibt. Die Neugestaltung der Hilfsmittel-Richtlinien wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Ob es weiterhin ein kombiniertes Budget für Arznei- und Heilmittel geben wird oder ob die Heilmittel in Zukunft aus der Budget-Berechnung herausgenommen werden, ist derzeit noch offen. Umsetzung des Partnershaftsmodells Die Neufassung der Heilmittel-Richtlinien war aufgrund einer gesetzlichen Neuregelung notwendig geworden. Wegen der ständig steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen hatte die damalige Bundesregierung 1996 geplant, die Heilmittel aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen und in (freiwillige) Gestaltungsleistungen der Krankenkassen umzuwandeln. Vor allem aufgrund einer großen gemeinsamen Protestaktion der Heilmittel-Erbringer konnte dieses Vorhaben abgewendet werden. Statt dessen wurde das sog. Partnerschaftsmodell eingeführt. Künftig sollen Ärzte, Krankenkassen und Leistungserbringer für die Sicherstellung einer wirtschaftlichen und qualitativ hochwertigen Versorgung durch gemeinsames partnerschaftliches Zusammenwirken sorgen. Als Instrumentarium zur Durchsetzung dieser Ziele sollen die Heilmittel-Richtlinien gem. 92 SGB V und die Rahmenempfehlungen gem. 125 SGB V dienen. Drei Heilmittelgruppen Der Heilmittelbegriff ist wie eingangs ausgeführt in den Heilmittel-Richtlinien konkretisiert. Danach sind Heilmittel persönliche medizinische Leistungen, die überwiegend äußerlich angewendet werden. Üblicherweise werden hierzu die Maßnahmen der physikalischen Therapie oder Physiotherapie (u.a. Krankengymnastik u. Massagen, Elektro- und Lichttherapie), der Sprachtherapie (Therapie von Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen) und der Ergotherapie (Arbeits- und Beschäftigungstherapie) gezählt. Heilmittel können zu Lasten der Krankenkassen nur verordnet werden, wenn sie notwendig sind, eine Krankheit zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern, eine Schwächung der Gesundheit zu beseitigen, einer Gefährdung der gesundheitlichen Entwicklung eines Kindes entgegenzuwirken oder Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu vermindern. Aufbau der Heilmittel-Richtlinien Die neuen Heilmittel-Richtlinien gliedern sich in zwei Teile, die einander ergänzen: Im ersten Teil findet sich der Richtlinientext, in dem die allgemeinen Grundsätze einer wirtschaftlichen Heilmittelverordnung dargelegt sind. Der zweite Teil umfasst den indikationsbezogenen Katalog der verordnungsfähigen Heilmittel zu den drei Anwendungsgebieten physikalische Therapie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie und Ergotherapie. In einer Anlage sind im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht verordnungsfähige Heilmittel aufgeführt. In einer weiteren Anlage ist das Verfahren bei der Einführung neuer Heilmittel und neuer Indikationen geregelt. Das Ablaufschema bei der Verordnung ist für alle drei Heilmittel identisch. Ausgangspunkt Regelfall Grundlage für jede Heilmittel-Verordnung ist der sog. definierte Regelfall. Er geht von der Vorstellung aus, dass mit dem der Indikation zugeordneten Heilmittel und mit den entsprechenden Verordnungsmengen typischerweise das angestrebte Therapieziel erreicht werden kann. Da es von jeder Regel Ausnahmen geben kann, schließt der definierte Regelfall nicht jede weitere Verordnung aus. Wenn das Behandlungsziel innerhalb des Regelfalls nicht erreicht wurde, können weitere Verordnungen ausgestellt werden. Sie bedürfen jedoch einer gesonderten Begründung des Arztes sowie der Genehmigung der Krankenkasse. Bei rezidivierenden oder neuen Erkrankungsphasen ist die Verordnung als erneuter Regelfall erst möglich, wenn ein behandlungsfreies Intervall von mind. 6 Wochen (physikalische Therapie) bzw. mind. 12 Wochen (Ergotherapie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie) abgelaufen ist. Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 15

16 ÜBERGREIFENDES Heilmittelkatalog Zentraler und neuer Bestandteil der Heilmittel-Richtlinien ist der Heilmittel-Katalog. Hier erfolgt die Zuordnung der Heilmittel zu den Indikationen. Der Katalog ist systematisch gegliedert, führt die Regelfälle abschließend auf und umfasst die gültigen Heilmittel- Bereiche. Im Einzelnen wird jedes Störungsbild systematisch einer Grundstruktur zugeordnet. Der Katalog soll es dem Arzt ermöglichen, nachdem er die Indikation für eine Heilmittel-Verordnung gestellt hat, Art und Menge des Heilmittels so festzulegen, dass im Regelfall das therapeutische Ziel ausreichend und auf wirtschaftliche Weise erreicht wird. Bei den Heilmitteln unterscheidet der Katalog zwischen dem vorrangigen Heilmittel (a), dem optionalen Heilmittel (b) und dem ergänzenden Heilmittel (c). Bei gegebener Indikation ist das vorrangige Heilmittel zu verordnen. Alternativ kommt das optionale Heilmittel in Frage, aber nur dann, wenn das vorrangige Heilmittel nicht angewandt werden kann. Das ergänzende Heilmittel kann allenfalls zusätzlich verordnet werden. Wie bisher kann jeder Arzt die Maßnahmen verordnen, deren therapeutischen Nutzen er selbst abschätzen kann. Ziel der neuen Heilmittel-Richtlinien ist auch die Verbesserung der Kommunikation zwischen Arzt und Therapeut. Bislang war nicht nur der Umfang der therapieleitenden Informationen spärlich, sie flossen auch zumeist in Form einer Einbahnstraße vom Arzt zum Therapeuten. Ob es zu einer Rückmeldung kam, war eher dem Zufall überlassen. Künftig soll der Leistungserbringer dem behandelnden Arzt über den Erfolg seiner Therapie informieren. Die Rückmeldung soll dem Arzt Erkenntnisse über die Reaktion auf das verordnete Heilmittel, ob weitere Behandlungen notwendig sind oder ob der Therapieplan geändert werden muss, geben. Neue Heilmittel dürfen zur Behandlung einer im Heilmittel-Katalog nicht genannten Indikation nur verordnet werden, wenn der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen zuvor in den Heilmittel-Richtlinien den therapeutischen Nutzen anerkannt und Empfehlungen für die Sicherung der Qualität bei der Leistungserstellung abgegeben hat. Aufteilung in Erst-, Folge- und Langfristverordnung Die Darstellung der Heilmittel-Therapie als Behandlungsprozess ist eine der wesentlichen Neuerungen der Richtlinien. Zukünftig gibt es drei Arten von Verordnungen: Nach einer Erstverordnung können max. zwei Folgeverordnungen und danach nur noch Langfristverordnungen ausgestellt werden. Für jede medizinische Indikation ist die zulässige Verordnungsart im Heilmittel-Katalog angegeben. Sollte im Einzelfall eine andere Verordnungsart als notwendig angesehen werden, dann bedarf auch dies der Begründung durch den Arzt und der Genehmigung durch die Krankenkassen. Für ihre Entscheidung über die Genehmigung kann die Krankenkasse den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MdK) einschalten. Langfristverordnungen werden im Katalog immer dann aufgeführt, wenn aus dem Störungsbild schon von vornherein erkennbar wird, dass ein längerfristiger Heilmittel-Versorgungsbedarf besteht. In Langfristverordnungen ist die Anzahl der Behandlungen individuell festzulegen, um seitens des Arztes den Therapieverlauf nach einem bestimmten Zeitabschnitt erneut überprüfen zu können. Die gleichzeitige Verordnung von Heilmitteln der physikalischen Therapie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie und Ergotherapie ist bei einer entsprechenden Indikation zulässig. Hausbesuchsregelung Die Behandlung ist grundsätzlich in der Praxis des Therapeuten durchzuführen. Die Richtlinien schliessen aber nicht aus, dass der Therapeut die Leistung ausserhalb seiner Praxisräume erbringt. Hausbesuche (einschließlich der Besuche in Einrichtungen) kann der Arzt nur verordnen, wenn medizinische Gründe vorliegen. Der Patient darf den Therapeuten aus medizinischen Gründen nicht aufsuchen können, oder der Hausbesuch ist aus sonstigen medizinischen Gründen zwingend notwendig. Andere Gründe, wie z.b. die Vermeidung einer organisatorischen Unannehmlichkeit oder fehlende Gelegenheit zur Begleitung der Patienten, stellen keine Indikation für die Verordnung eines Hausbesuches dar. Da eine Behandlung als Hausbesuch künftig nur dann verordnungsfähig ist, wenn der Hausbesuch aufgrund der Beschaffenheit der Erkrankung medizinisch erforderlich ist, ist davon auszugehen, dass die Verordnung von Hausbesuchen für die Behandlung behinderter Menschen in Einrichtungen der Behindertenhilfe und Schulen nicht mehr von den Heilmittel-Richtlinien erfasst ist. Allerdings kann es im Einzelfall aus medizinischen Gründen notwendig sein, einen Hausbesuch z. B. in einem integrativen Kindergarten durchzuführen (z. B. zur Verbesserung des sozialgerechten Verhaltens). Durch die Neuregelung entstehende finanzielle Nachteile für die Therapeuten sind entweder von diesen selbst oder von den Einrichtungen zu tragen. Denkbar wäre z.b., dass der Einrichtungsträger den in der Einrichtung behandelnden Therapeuten die notwendigen Fahrtkosten erstattet. 16 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

17 ÜBERGREIFENDES Abgrenzung zu heil- und sonderpädagogischen Maßnahmen In den vergangen Jahren wurden behinderten Menschen notwendige Heilmittel von den Krankenkassen z.t. mit der Begründung verweigert, dass die Behandlungen behinderungsbedingt, aber nicht krankheitsbedingt seien. Für den Bereich der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie und der Ergotherapie versuchen die Richtlinien, medizinische Maßnahmen von heilpädagogischen Leistungen abzugrenzen. Es bleibt abzuwarten, ob hierdurch die notwendige Trennschärfe erreicht wird. Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie und der Ergotherapie dürfen bei Kindern nicht verordnet werden, wenn eine an sich störungsbildspezifische, sonder- oder heilpädagogische Maßnahme zur Beeinflussung der Störung geboten ist. Heilmittel dürfen folglich nur bei einer medizinischen Indikation verordnet werden. Dies bedeutet zugleich, dass behinderte Kinder, die Einrichtungen oder Schulen besuchen und dort heil- oder sonderpädagogische Maßnahmen erhalten, auch Heilmittel der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet bekommen können. Nach den Richtlinien soll lediglich ausgeschlossen werden, dass anstelle notwendiger heilbzw. sonderpädagogischer Maßnahmen medizinischtherapeutische Maßnahmen eingesetzt werden. Rahmenempfehlungen über die einheitliche Heilmittelversorgung Trotz jahrelanger Verhandlungen sind die Rahmenempfehlungen gemäß 125 SGB V, die die Ebene der Leistungserbringung und die Zusammenarbeit der Leistungserbringer mit den Krankenkassen und Ärzten regeln sollen, noch nicht zustande gekommen. Dies ist insofern problematisch, weil beide Regelwerke (Heilmittel-Richtlinien und Rahmenempfehlungen) ineinandergreifen und zusammenwirken sollen. Schlussbemerkung In ersten Stellungnahmen haben die neuen Richtlinien eine Bewertung von extrem gut bis extrem schlecht erfahren. Daher soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass die Richtlinien den Leistungskatalog und Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung nicht verändert haben. Die Aufgabe der Richtlinien beschränkt sich darauf, die Art und Weise der Leistungserbringung zu regeln. Zu Leistungsausschlüssen mittels Richtlinien ist der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen nicht befugt. Dennoch wäre es verfehlt, davon auszugehen, dass die neuen Richtlinien keinerlei Einfluss auf die gesundheitliche Versorgung gesetzlich Versicherter mit Heilmitteln haben. Da die Auswirkungen der neuen Heilmittel-Richtlinien in der Praxis z.zt. nicht abschätzbar sind, wird eine wissenschaftliche Begleitstudie durchgeführt. Diese soll die Leistungs- und auch die Kostenentwicklung überprüfen. Für einen Arzt, der sich richtlinientreu verhält, sollte sich die Überschreitung seiner Verordnungsvolumina nicht negativ auswirken dürfen. Hiervon kann nach dem geltenden Recht jedoch nicht sicher ausgegangen werden. Aus diesem Grund wäre es wünschenswert, wenn der von der Bundesregierung vorgelegte Gesetzentwurf zur Ablösung des Arznei- und Heilmittelbudgets möglichst schnell die parlamentarischen Hürden nimmt. REHADAT-CD-ROM REHADAT das Informationssystem zur beruflichen Rehabilitation behinderter Menschen stellt seit Mai 2001 allen Interessenten die aktuelle Ausgabe der CD- ROM kostenfrei zur Verfügung. Mit etwa verschiedenen Informationen bietet sie sowohl Betroffenen als auch Mitwirkenden auf dem Gebiet der Rehabilitation umfassende Hilfestellung im beruflichen und persönlichen Alltag. Die verschiedenen Themenbereiche wie z. B. Technische Hilfsmittel, Adressen oder Praxisbeispiele sind auf den neuesten Stand gebracht und halten umfangreiches Wissen bereit. REHADAT wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung gefördert und gilt inzwischen weltweit als das umfassendste und am besten verbreitete Informationssystem auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation. Die CD-ROM kann unter der Rufnummer 02 21/ (Frau Gall) bestellt werden. Um REHADAT sinnvoll als Arbeitsinstrument nutzen zu können, bietet das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln im hausinternen PC-Schulungsraum kostenfrei eintägige Grund- und Aufbauseminare an, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden. Im Einführungsseminar wird die Handhabung des Informationssystems und ein Überblick über die einzelnen Datenbankinhalte theoretisch und mit praxisbezogenen Übungen am PC vermittelt. Im Aufbauseminar wird auf erweiterte Recherchefunktionen eingegangen und die Datenbankinhalte vertieft. Man kann sich für beide Seminare oder nur für ein Seminar entscheiden. Die Schulungstermine können telefonisch unter der Rufnummer 02 21/ (Frau Görgens) oder per Fax unter 02 21/ erfragt werden. Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 17

18 KINDHEIT UND JUGEND / ARBEITSLEBEN Kindheit und Jugend Förderpreis 2001 des vds Der vds, Verband Deutscher Sonderschulen, Fachverband für Behindertenpädagogik, unterstützt und fördert engagierte Projekte und Aktivitäten im Bereich sonderpädagogischer Förderung. Alle zwei Jahre werden anlässlich der Hauptversammlung interessante Förderkonzepte, Schulentwicklungsprojekte, gemeinsame Aktivitäten behinderter und nichtbehinderter Kinder, die das Ziel einer individuellen und optimalen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und deren soziale Integration verfolgen, ausgezeichnet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Förderpreis 2001 ist mit DM dotiert. In diesem Jahr wird er anlässlich der Hauptversammlung 2001 in Marburg in der Region Hessen ausgeschrieben. Vorschläge werden bis zum 30. September 2001 an den vds-landesverband Hessen erbeten; über die Prämierung eines der eingegangenen Projekte entscheidet der Bundesverband. Information sowie Einsendungen: vds-landesverband Hessen, Geschäftsstelle Frau Magdalene Georg Feytiatring 20, Leun (Tel.: /23 08; Fax: /87 20). Arbeitsleben Zugang zu Integrationsfachdiensten Der Landschaftsverband Rheinland (NRW) hat im Mai 2001 ein Papier vorgelegt, in dem vorgeschlagen wird, eine halbjährige Vorbereitungphase für den Zugang zu den Integrationsfachdiensten für schwerbehinderte Schulabgänger(innen) und Werkstattbesucher(innen) sowie Menschen mit einer psychischen Behinderung von einem halben Jahr vorzusehen. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass durch die die Novelle des Schwerbehindertengesetzes nach 37a SchwbG weniger geistig behinderte Schulabgänger und Besucher von Werkstätten für Behinderte von Integrationsfachdiensten betreut werden als zuvor durch die psychosozialen Dienste der Hauptfürsorgestellen. So ist der Prozentsatz von WfB-Mitarbeiter(inne)n bei der Klientenstruktur von 15% auf 9% zurück gegangen und die Vermittlung von Schüler(inne)n von 21% auf 9%. Menschen mit geistiger Behinderung wurden vor der Novelle mit 37% berücksichtigt, jetzt nur noch mit 24%. Für diese Verschlechterung wird die Zuweisungspraxis der Arbeitsämter verantwortlich gemacht. Während im Bereich des Landschaftsverband Rheinland vor der Novellierung 144 Menschen mit geistiger Behinderung vom Integrationsfachdienst der Hauptfürsorgestelle betreut wurden, sind jetzt von der Arbeitsverwaltung nur 32 Zuweisungen erfolgt. Es wird weiter kritisiert, dass das Qualitätsmerkmal Niedrigschwelligkeit nicht mehr vorhanden sei. Jeder Klient, der vom Integrationsfachdienst begleitet werden möchte, müsse zunächst von der Arbeitsverwaltung zugewiesen werden, die dazu in der Regel Arbeitslosigkeit verlange (also keine WfB-Beschäftigung). Vorbereitungsphase berufliche Integration Durch Forschungs- und Modellprojekte ist belegt, dass eine qualifizierte Vorbereitungsphase für behinderte Mitarbeiter aus Werkstätten notwendig ist. Dazu zählen vor allem: Schritte der Motivationsabklärung; Die Erarbeitung einer realistischen beruflichen Perspektive; Die Erstellung eines Neigungs- und Interessensprofils anhand von Praktika der sorgfältigen Diagnostik und; Die Passung von Arbeitsanforderung und Fähigkeiten; Anleitung zur Beantragung der Anerkennung einer Schwerbehinderteneigenschaft (Menschen mit einer psychischen Erkrankung). Diese Aufgaben setzen eine Vernetzung mit anderen Dienstleistungsangeboten in der Region voraus. Die einzelfallbezogene Vergütung, wie sie die Arbeitsverwaltung für die IFD vornimmt, deckt diese einzelfallübergreifende Aktivitäten nicht mehr ab. Zum Beispiel wird die Beratung in Schulen und WfB nicht mehr finanziert, die Teilnahme am Runden Tisch- Arbeit oder anderen Vernetzungsgesprächen ist nicht mehr gewährleistet. Diese Tatsache wird nach Ansicht der Autoren zu einem Qualitätsproblem für die Arbeit der Integrationsfachdienste führen. 18 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

19 ARBEITSLEBEN Lösungsvorschlag: Finanzierung der Vorbereitungsphase in Intergrationsfachdiensten In dem Papier des Landschaftsverbands Rheinland wird vorgeschlagen, dass die bisherigen Mitarbeiter der psychosozialen Dienste der Hauptfürsorgestellen (BBD) diese Aufgabe übernehmen, wobei pro Arbeitsamtsbezirk eine personelle Ausstattung von 01-1 Personalstelle gedacht wird. Die Übertragung auf die bisherigen BBD-Träger solle erfolgen, weil diese behinderungsspezifisch erfahren und in den regionalen Netzwerken bereits etabliert seien und den neuen IFD-Strukturen vertreten seien. Für den Bereich Landschaftsverband Rheinland würde dies 14,5 Personalstellen bedeuten mit einem Finanzvolumen von 2 Mio entsprechen. Arbeit durch Arbeitsassistenz Die BAG Unterstützte Beschäftigung hat ein Projekt Arbeit durch Arbeitsassistenz eingerichtet. Im Rahmen dieses Projekts werden Dienstags und Mittwochs zwischen und Uhr Anfragen zum Thema Arbeitsassistenz beantwortet. Gegenwärtig wird außerdem durch eine Umfrage die Bewilligungspraxis der zuständigen Leistungsträger untersucht und Fallbeispiele gesammelt. Außerdem werden Seminare und Schulungen entwickelt. Information: BAG UB, Berrit Blesinger oder Jörg Schultz Schulterblatt 36, Hamburg (Tel.: 0 40/ ). Weitere Informationen gibt es außerdem auf der Fachtagung der BAG UB vom (s. Veranstaltungshinweise). Bezug von Information über die Bundesvereinigung Lebenshilfe, Beratungsmaterial Rechtsfragen in der WfB, WfB B 4, Textsammlung Übergang zum allgemeinen Arbeitsmarkt für DM 7,. In dieser Textsammlung sind auch die vorläufigen Empfehlungen der Hauptfürsorgestelle zur Arbeitsassistenz enthalten. Internet: Anhebung des Ausbildungsgelds Zum wird das Ausbildungsgeld der Bundesanstalt für Arbeit im Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich angehoben und zwischen den alten und neuen Bundesländern vereinheitlicht (Streichung des 414 SGB III). Das Ausbildungsgeld wird danach monatlich 110, DM im ersten und 130, DM im zweiten Jahr der beruflichen Bildungsmaßnahme betragen. Die Anhebung des Ausbildungsgelds um 5, DM hat auch eine Anhebung des Grundbetrags des Werkstattlohns um die gleiche Höhe zur Folge. Dies ergibt sich aus 138 Abs. 2 SGB IX, wonach das Arbeitsentgelt sich aus einem Grundbetrag in Höhe des Ausbildungsgelds, das die Bundesanstalt für Arbeit nach den für sie geltenden Vorschriften behinderten Menschen im Berufsbildungsbereich zuletzt leistet und einem leistungsangemessenen Steigerungsbetrag zusammensetzt. Diese Vorschrift entspricht im wesentlichen 54b Abs. 2 SchwbG alte Fassung, wobei allerdings der Zusatz entfallen ist, dass der Steigerungsbetrag nur dann auszuzahlen ist, soweit das Arbeitsergebnis die Zahlungen zulässt. Der Wegfall dieses Zusatzes kann den Eindruck entstehen lassen, als ob die Lohnzahlungspflicht in Zukunft unabhängig von der Höhe des Arbeitsergebnis bestände. Dies ist aber fraglich, weil unverändert in 12 Abs. 5 WVO die Zahlungen der Arbeitsentgelte nach 138 Abs. 2 SGB IX auf in der Regel im Umfang von mind. 70% des Arbeitsergebnisses beschränkt ist. Es ist daher davon auszugehen, dass es eine darüber hinausgehende Lohnzahlungspflicht nicht gibt. Falls dies dazu führt, dass die Anhebung des Grundbetrags nur über eine Kürzung der Steigerungsbeträge für leistungsstärkere Mitarbeiter finanziert werden kann, müssen darüber Gespräche mit dem Werkstattrat geführt werden. Dieser hat nach der seit geltenden Mitwirkungsverordnung in 5 Abs.1 Nr.3a ein Mitwirkungsrecht bei der Aufstellung von Entgeltordnungen. Dieses erstreckt sich auch auf die Darstellung und Verwendung des Arbeitsergebnisses, insbesondere Höhe der Grund- und Steigerungsbeträge unter Darlegung der dafür maßgeblichen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse. Neues zum Arbeitsförderungsgeld Sabine Wendt Im Fachdienst 2/01 hatten wir darüber berichtet, dass es bei der Bewertung der Frage, ob das Arbeitsförderungsgeld (AFöG) eine eigenständige Sozialleistung oder lediglich Bestandteil des von der WfB auszuzahlenden Lohns ist, Differenzen gibt. Von dem Bundesarbeitsministerium (BMA) liegt inzwischen eine Stellungnahme vom vor, in der folgende Argumente vorgetragen werden: Ist das AFöG eine Sozialhilfeleistung? Dies wird von dem BMA verneint, weil auch andere Reha-Träger wie die Unfallversicherung zur Zahlung verpflichtet sind. Es sei keine besondere Sozialhilfeleistung i.s.d 19 Abs.4, 21 Abs.3 BSHG. Fachdienst der Lebenshilfe 3/01 19

20 ARBEITSLEBEN Dabei wird aber übersehen, dass das AFöG als Leistung zur Teilhabe im Arbeitsleben in 43 SGB IX über 40 Abs.1 Nr.3 BSHG den Sozialhilfeträger verpflichtet, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach 33 SGB IX als Eingliederungshilfeleistungen zu erbringen. Weder 19, Schaffung von Arbeitsgelegenheiten, noch 21 Abs.3, Hilfe zum Lebensunterhalt in Einrichtungen, sind daher für die Bewertung einschlägige Rechtsnormen, weil sie andere Sachverhalte regeln. Nach 39 Abs.1 BSHG haben behinderte Mitarbeiter in WfB einen individuellen Rechtsanspruch auf Eingliederungshilfe, zu dem nach 40 Abs. 1 Nr.3 auch das AFöG als Leistung der Teilhabe am Arbeitsleben zählt. Alle Reha-Träger sind verpflichtet, diese Teilhabeleistung zu gewähren, wenn sie in ihren Zuständigkeitsbereich gehört, also auch die Unfallversicherung (siehe 6 SGB IX). Ist das AFöG eine Leistung an die Werkstatt oder an den behinderten Mitarbeiter? Nach Auffassung des BMA ist das AFöG eine Vergütung an die WfB für Leistungen im Arbeitsbereich der WfB nach 41 Abs.3 SGB IX. Nach 43 SGB IX habe die WfB einen unmittelbaren Anspruch gegen den zuständigen Reha-Träger auf Auszahlung des AFöG, der zusätzlich zu dem Anspruch auf Vergütung nach 41 Abs.3 SGB IX bestehe. Damit sei das AföG zwar nicht Teil dieser Vergütung (die in Abschnitt 7, 93ff BSHG geregelt ist, 41 Abs.3 Satz 2 SGB IX).Da allerdings die WfB mit der Beschäftigung behinderter Mitarbeiter Leistungen für den Reha-Träger erbringe, habe das AFöG in diesem Rechtsverhältnis den Charakter einer Vergütung an die WfB für diese Leistungen. Dafür spreche auch, dass höhere Vergütungen der Werkstattleistungen aufgrund der Neuzuordnung der Kosten im Arbeitsbereich ( 41 Abs.3 BSHG/SGB IX), die zu einer Erhöhung der Arbeitsentgelte der behinderten Mitarbeiter geführt haben, auf das AFöG nach 43 Satz 4 SGB IX angerechnet werden könnten. Die WfB habe jedoch bei der Verwendung des AFöG nicht den Handlungsspielraum, den sie bei den Vergütungen nach 41 Abs.3 SGB IX i.v.m. 12 Abs.5 WerkstättenVO habe, sondern müsse dieses ungeschmälert an die behinderten Beschäftigten auszahlen. Dieser Auffassung wäre zuzustimmen, wenn das AFöG wie bei einem Lohnkostenzuschuss an den Arbeitgeber, der schwerbehinderte Arbeitnehmer beschäftigt, die WfB in ihrer Lohnzahlungspflicht nach 138 Abs.2 SGB IX entlasten soll, und somit an ein sonst von der WfB zu zahlendes Arbeitsentgeld tritt. Dann wäre das AFöG tatsächlich eine Leistung i.s.d. 41 Abs.2,138 SGB IX. Dies ist aber nicht der Fall, das AFöG soll nicht die WfB entlasten, sondern ausschließlich den behinderten Mitarbeitern zusätzliche Leistungen bringen. Damit wird die WfB aber lediglich Zahlstelle einer in ihrer Summe an der individuellen Löhnhöhe der einzelnen behinderten Mitarbeiter orientierten Leistung der Reha-Träger an die behinderten Mitarbeiter. Fraglich ist auch, wie die Aussage des BMA zu bewerten ist, das AFöG sei zwar nicht Teil der Vergütung nach 93 BSHG, käme aber ihrem Charakter nach einer Vergütung gleich. Dies widerspricht Sinn und Zweck der Regelung des 41 Abs.3 Satz 2 SGB IX, wonach bei einer Zuständigkeit des Trägers der Sozialhilfe die Vorschriften des Abschnitt 7 des BSHG anzuwenden sind. Mit dieser Regelung sollte sicher gestellt werden, dass für die Vergütung der WfB durch den Sozialhilfeträger durch das SGB IX auch weiterhin ausschließlich die Spezialvorschriften des BSHG gelten. Wenn dies richtig ist, zählt das AFöG nicht zu der Maßnahmepauschale nach 93 a Abs. 2 BSHG und kann deshalb auch nicht mit nach 93 vereinbarten Vergütungsleistungen bei einer Überzahlung verrechnet werden kann. Wenn es den Charakter einer Vergütung hat, müssten damit originäre Dienstleistungen der WfB bezahlt werden. Da die WfB aber keine Aufwandsentschädigung für die Ermittlung und Auszahlung des individuellen Auszahlungsbetrags des AFöG in Abzug bringen darf, fehlt dem AFöG auch dieser Vergütungscharakter. Eine verbindliche Klärung dieser Fragen wird erst möglich sein, wenn eine gerichtliche Bewertung anlässlich der Entscheidung eines Rechtsstreits über die Auszahlung vorliegt. Wer kann die Auszahlung des AFöG durch den Reha-Träger einklagen? Wenn es Streit gibt, in welcher Höhe das Arbeitsförderungsgeld auszuzahlen ist, haben die behinderten Mitarbeiter nach Auffassung des BMA (siehe RdLh 2/ 01 S.57) nur gegen die WfB, nicht aber gegen den das AFöG auszahlenden Sozialleistungsträger ein Klagerecht. Der Rechtsanspruch auf Lohnzahlung richte sich nach 138 Abs. 3 SGB IX nur gegen die Werkstatt. Da das Rechtsverhältnis zwischen behindertem Mitarbeiter und Werkstatt arbeitnehmerähnlich sei und somit dem Zivilrecht zugeordnet werde, sei eine ausschließliche Zuständigkeit der Arbeitsgerichte gegeben. Zu bedenken ist aber, dass das Arbeitsgericht die WfB zur Zahlung nur dann verurteilen kann, wenn zweifelsfrei 20 Fachdienst der Lebenshilfe 3/01

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