Ingenieur und Wirtschaft: Der Wirtschafts-Ingenieur

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1 Ingenieur und Wirtschaft: Der Wirtschafts-Ingenieur Eine Denkschrift fiber das Studium von Wirlschaft und Technik an Technischen Hochschulen von Dr. rer. pol. W. Prion o. Professor &. d. Technischen HochschuIe zu Berlin Berlin Verlag von Julius Springer 1930

2 AIle Rechte, insbesondere das der "Ubersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Copyright 1930 by Julius Springer in Berlin. ISBN-13: e-isbn-13: DOl: /

3 Vorwort. In der Praxis liegen Wirtschaft und Technik eng beieinander; noch mehr: Das eine ist mit dem anderen aufs innigste verbunden. Nur mit Hille der Technik ist es der Wirtschaft moglich, ihre Aufgaben zu erfullen. Anderseits kann die Technik den Inhalt ihres Konnens nur durch die Wirtschaft ausschopfen. Beide durchdringen und beeinflussen sich gegenseitig: sie bilden ein unlosbares Ganzes. Diese Verbundenheit mangelt den beiden Lehren, die von diesen Dingen handeln, der Wirtschaftslehre und der Techniklehre. Hier: in der gedanklichen und systematischen Erfassung der Wirklichkeit, eben in der wissenschaftlichen Behandlung der Wirtschaft und der Technik ist die Einheit auseinandergerissen worden, gibt es eine Lehre von der Wirtschaft und eine solche von der Technik, ist sogar eine ortliche Absplitterung eingetreten: Die technischen Wissenschaften haben ihre Pflege an den Technischen Hochschulen gefunden. Naturlich ist dies nicht zufallig und nicht aus boser Laune geschehen. Abgesehen von dem Umfang, und Inhalt, den beide Wissensgebiete inzwischen angenommen haben, sind es die besonderen Grundlagen -- hier Philosophie und Recht, dort Mathematik und Naturwissenschaften - sowie die besonderen Methoden der wissenschaftlichen Erfassung der ihnen zugrunde liegenden Tatbestande, die diese Trennung fordern und herbeigefiihrt haben. Und es kann keinem Zweifel unterliegen, dab diese Arbeitsteilung zu einer wesentlichen Vorbedingung fur die Entwicklung der Wissenschaft auf beiden Gebieten geworden ist. Doch ebenso natiirlich ist, dab sich fur die Ausbildung derjenigen, die spater die Technik in der Wirtschaft zur Durchfiihrung zu bringen haben, gewisse Mangel ergeben mussen, wenn nicht eine bestimmte Zusammenfuhrung beider Lehren, eine Wiedervereinigung von Wirtschaftslehre und Techniklehre stattfindet: DaB sich bei einer solchen Synthese Schwierigkeiten einstellen, die sich aus dem Umfang der beiden Wissensgebiete, der Verschiedenartigkeit ihrer Gedankenarbeit sowie aus der Betonung des eigentlichen Berufszieles ergeben, liegt auf der Hand. Doch will es mir scheinen, als ob bei den neuerdings wieder in Gang gekommenen Erorterungen uber die wirtschaftliche Ausbildung der Ingenieure die Erkennung des Moglichen und Erwunschten dadurch getriibt wird, dab die Vertreter der beiden Gebiete sich nicht immer ganz verstehen und daher haufig aneinander vorbeireden, dab zudem zahlreiche MiBverstandnisse aus nicht einheit Hch verwendeten Begriffen unterlaufen sind - nicht zuletzt, wie mir scheint, auch eine Folge der Trennung von Techniklehre und Wirtschaftslehre. In der nachfolgenden Niederschrift soil der Versuch gemacht werden, eine Klarung der einschlagigen Fragen herbeizufuhren, wobei zugleich Wert darauf gelegt wird, die vielen MiBverstandnisse aus der Welt zu schaffen. Deshalb ist ausfuhrlich von der Wirtschaft und der Wirtschaftslehre die Rede. Doch nicht etwa in dem Sinne - und das m6chte ich den Lesern sagen, die diese Dinge schon kennen -, dab

4 IV Vorwort. das, was Wirtschaft ist und worauf sich die Lehre bezieht, geklart werden soli. Vielmehr soli es darauf ankommen, den technisch vorgebildeten Leser so weit in das, was wir Wirtschaft nennen, einzufiihren, dab ein einheitlicher Ausgangspunkt gefunden wird fur die Erorterung der Fragen, die mit der wirtschaftlichen Ausbildung der lngenieure zusammenhangen. Dem technisch vorgebildeten Leser darf ich vielleicht noch sagen, dab ich nicht lngenieur bin und ich die technischen Wissenschaften nicht studiert habe. Wenn ich es trotzdem unternehme, iiber diese Dinge hier zu sprechen, so liegt das daran, dab ich an einer Hochschule tatig bin, wo man die technischen Wissenschaften studiert und Ingenieur werden kann, und dab es an diesen Technischen Hochschulen Unterrichts- und Ausbildungsprobleme gibt, bei denen das Fach, das ich vertrete, eben die Wirtschaftslehre, eine gewisse Rolle spielt. Wie schon betont, mochte ich eigentlich nur iiber die Wirtschaftslehre sprechen; doch hangen die hier zu behandelnden Fragen so eng mit dem technischen Unterricht, mit der Technik und dem praktisch tatigen Ingenieur zusammen, dab ich nicht gut anders konnte, als so unvorsichtig zu sein, gelegentlich auch die Technik mit in den Kreis der Erorterungen zu ziehen. lch darf an alle lngenieure, die dies oder jenes besser wissen ala ich, die Bitte richten: 1. mir zu glauben, dab ich mich nur so weit auf das Gebiet dertechnik vorwage, als es unbedingt erforderlich ist, um den Umkreis, wo Technik und Wirtschaft zusammentreffen, zu klaren, 2. eine etwaige Richtigstellung meiner Ausfuhrungen, die die Technik betreffen, unter derselbenzielsetzung vorzunehmen und 3. zu versuchen, mich auch dort richtig zu verstehen, wo von Wirtschaft die Rede ist. Auf das letztere mochte ich entscheidenden Wert legen: deshalb habe ich mich insbesondere mit Ingenieuren auseinandergesetzt, die iiber Wirtschaft und Wirtschaftslehre geschrieben haben; deshalb bin ich auch in einfachen Dingen, die schon so oft gesagt (aber leider hiiufig mibverstanden) worden sind, sehr ausfuhrlich geworden; deshalb habe ich mich bemuht, hinter abstrakte Begriffe wie Wirtschaft, wirtschaftlich, Wirtschaftlichkeit und Wirtschaftslehre etwas Inhalt und Anschauung zu setzen - alles dies, um eine Grundlage fur den Fortgang der Erorterungen zu schaffen; nun aber hoffentlich nicht mehr mit MiBverstandnissen und Aneinandervorbeireden. Wie anderswo, so auch hier: wenn erst einmal die Sachlage geklart ist, so ist schon die halbe Reform getan. "Ober das, was noch ubrig bleibt, ist dann leicht eine Verstandigung zu erzielen. Und da ich nicht der Ansicht bin, dab ich mit meiner Meinung uberall und immer allein recht habe, so mochte ich im Interesse der Sache - und diese ist wichtig - wunschen, dab recht viele Meinungen geaubert wiirden. Fiir eilige Leser: Die Niederschrift zerfallt in zwei selbstandig gehaltene Teile: A. das Problem, B. das Studium, von denen jeder fur sich gelesen werden kann. Berlin, den 1. Juli w. Prion.

5 Inhaltsverzeichnis. Sette A. Das Problem. 1. Der lngenieur a) Die Reformen S. 1 - b) Der technische Unterricht S. 3 - c) Die Allgemeinbildung S. 9 - d) Die wirtschaftliche Ausbildung S Die Wirtschaft a) Wirtschaft im SiJlne dertechniker S.17 - b) Wirtschaft und Technik s c) Wirtschaft und Betrieb (Unternehmung) S d) Wirtschaftliches Denken in der Wirtschaftslehre und in der Technik S Der Ingenieur in der Wirtschaft a) Der Konstrukteur S b) Der Betriebs-Ingenieur S c) Der Wirtschafts-Ingenienr S d) Kaufmann oder Techniker in der Leitung von Betrieben S. 51 B. Das Studium. 1. Die Wirtschaftslehre im Studium der Technik-Ingenieure. 60 a) In der Vorpriifung S b) Wahlfacher in der Hauptpriifung S c) Der Inhalt der Vorlesungen S d) Vorschlage von Baas, Wilhelm, Schilling S e) Die Promotion mit Wirtschaftslehre S Das Studium Wirtschaft mit Technik I. Technische Hochschule Berlin a) Wirtschaft mit Technik S b) Der Studienplan S c) Der Inhalt der Vorlesungen S d) Die Priifungen S. 96 II. Das wirtschaftlich-technische Studium an anderen Bochschulen a) Dresden S gleiche S. 104 b) Miinchen S c) Vergleiche und Aus III. Kritik und Antikritik a) Einwande der Techniker-Verbande S b) Zusammenspiel der drei Facher: Technik, Wirtschaft und Recht S c) Die technischen Facher insbesondere S d) Die Vorschlage Lippart Frolich S. 129 IV. Die Titelfrage a) Die Ziele S b) Zusammenspiel der drei Facher: Technik, Wirtschaft, Recht S Der Verwaltungs-Ingenieur a) Der Technik-Ingenieur S b) Der Wirtschafts-Ingenieur S. 146 C. Die Praxis. 1. Die Vorbildung Die praktische Vorbildung der Technikstudenten. Die Ausbildung im Siemens-Konzern

6 VI Inhaltsverzeichnis. 2. Der Wirtschaftsstudent als Praktikant Die Ausbildungsrichtlinien Besichtigungen, Studienreisen und ihre Organisation 2. Die Ausbildung Die Ausbildung der Kaufleute und der Ingenieure.. 2. Die zuktinftige Ausbildung des Wirtschaftsingenieurs. 3. Die Fortbildung Ziele, Formen und Gebiete der Fortbildung. 2. Die Fortbildung des Wirtsehaftsingenieurs. N amenverzeichnis Sachverzeichnis.. Seite

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