A. Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für Familienunternehmer

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1 1 A. Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B. Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis... 1 Abbildungsverzeichnis... 2 Tabellenverzeichnis Unternehmer-Vermögensstruktur Unternehmen wichtiger als Familienvermögen? Intelligente Finanzierungen? Nie mehr abhängig von Banken Finanzierungsgrundsätze Finanzmanagement beginnt auf der Aktivseite Instrumente des Working-Capital-Managements Rating: Große Bedeutung für die Finanzierbarkeit von Unternehmen Notenbankfähigkeit erleichtert Unternehmensfinanzierungen Eigenkapitalstrategie Value Based Management Mezzanine-Finanzierungen Kurzfristige Bankkredite Der Kontokorrentkredit Wechsel- oder Diskontkredit Festsatzkredit Avalkredit Langfristige Bankkredite Akquisitionsfinanzierungen Öffentliche Fördermittel Club Deal, Unternehmensanleihen Off Balance/Leasing Finanzierungsstruktur - Entscheidungskriterien Fazit... 42

2 2 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für Abbildungsverzeichnis Abbildung B - 1: Insolvenzen und Forderungsverluste in Deutschland... 3 Abbildung B - 2: Krisenursachen... 4 Abbildung B - 3: Übergabegründe bei Unternehmensnachfolgen 5 Abbildung B - 4: Entwicklung von Factoring-Umsätzen Abbildung B - 5: Bonitätsklassen Abbildung B - 6: Kennziffern-Ermittlung für Bonitätsklassen Abbildung B - 7: Werttreiber Abbildung B - 8: Direkte Akquisition Abbildung B - 9: Akquisition durch NewCo Tabellenverzeichnis Tabelle B - 1: Ratingbedingte Ausfallwahrscheinlichkeit Tabelle B - 2: Möglichkeiten der Kapitalerhöhung Tabelle B - 3: Mezzanine-Modalitäten Tabelle B - 4: Geldmarktsätze Tabelle B - 5: Entscheidungskriterien für Finanzierungsarten 41

3 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 3 1 Unternehmer-Vermögensstruktur Das Ergebnis einer Vermögensbilanz für die Unternehmerfamilie war ernüchternd: Gut 95 % des Gesamtvermögens machte der aktuelle Marktwert des Unternehmens aus. Knapp 5 % des Gesamtvermögens entfielen auf das private Wohnhaus, Lebensversicherungen sowie relativ geringe liquide Mittel. Diese Vermögensstruktur, die mit der sehr vieler Unternehmerfamilien vergleichbar ist, wirft die Frage auf, ob das Familienvermögen risikoarm strukturiert ist. Bei dem erkennbaren Klumpenrisiko wird sichtbar, dass von risikoarmer Vermögensstrukturierung nicht die Rede sein kann wurde für Unternehmen ein Insolvenzantrag gestellt wird mit Fällen der vorläufige Höhepunkt erwartet. Wie sich Insolvenzen und Forderungsverluste in Deutschland entwickelt haben, verdeutlicht diese Übersicht: Abbildung B - 1: Insolvenzen und Forderungsverluste in Deutschland Eine noch viel höhere Zahl von Unternehmen hat aufgrund eines schlechten Ratings große Probleme, die Unternehmensfinanzierung sicherzustel-

4 4 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für len. Infolge dessen kommen des Öfteren folgende Fragen auf: Ist das Unternehmen zukunftsfähig? Können die derzeitigen Produkte im Vergleich zu Wettbewerbern auch noch nachhaltig mit Gewinn verkauft werden? Lassen sich die Investitionen finanzieren, die für eine wirtschaftliche Produktion und den erfolgreichen Verkauf der Produkte auf den Märkten nicht nur sinnvoll, sondern auch erforderlich sind? Lässt sich die, im Zuge der Marktentwicklung erforderliche, Internationalisierung finanzieren? Antworten auf diese Fragen beeinflussen den Marktwert von Unternehmen der bei Insolvenzen stets vollständig vernichtet wird. Für das Scheitern von Unternehmen gibt es diese Krisenszenarien: Strategische Krisen, Ertragskrisen und Liquiditätskrisen. Dazu können endogene Ursachen wie Managementfehler und Führungsschwäche zählen häufig jedoch auch exogene Ursachen wie Marktsättigung, Preisverfall, Preissteigerung bei Rohstoffen/Zulieferern/ Währungen und letztlich auch Änderungen des Kaufverhaltens. Unternehmenskrisen sind in den seltensten Fällen auf eine einzige Misserfolgsursache zurückzuführen. Empirische Untersuchungen belegen vielmehr, dass sie regelmäßig erst durch das Aufeinandertreffen mehrerer Ursachen, die sich teilweise auch gegenseitig bedingen, entstehen. Die Analyse von 142 Kreditprotokollen von insolvent gewordenen Unternehmen verdeutlicht die Multikausalität der Ursachen: 80% 68% 60% 60% 36% 39% 42% 40% 28% 6% 8% 11% 15% 21% 21% 21% 20% 0% Unzureichende Nachfolgeregelung Krankheit im Management Schlechte Materialwirtschaft Falsche Produktpolitik Mangelnde Kapazitätsauslastung Zu hohe (gewinnübersteigende) Entnahmen Kalkulationsmängel Unzureichendes Rechnungswesen Ausfall von Abnehmern/Lieferanten Konjunktureinflüsse/Marktveränderungen Überhastete Expansion Mangelnde Managementqualifikation Mangelndes Eigenkapital Quelle: Hauschildt, Krisenmanagement. Eine Herausforderung für die Betriebswirtschaftslehre, Abbildung B - 2: Krisenursachen

5 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 5 Der Erfolg von Unternehmen wird in der Regel durch Unternehmerpersönlichkeiten geprägt. Was ist, wenn dieser Unternehmer plötzlich durch Tod oder Krankheit ausfällt? Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn erwartet für den Zeitraum von 2010 bis 2014 Nachfolgeregelungen bei n. Bei etwa 14 % wird als Übergabegrund Tod und Krankheit erwartet. Dies verdeutlicht die folgende Übersicht: Unternehmen mit ca Beschäftigten 86 % 10 % 4 % Übergabegrund Alter Unternehmen mit ca Beschäftigten Übergabegrund Tod Unternehmen mit ca Beschäftigten Übergabegrund Krankheit 900 Unternehmen mit ca Beschäftigten Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn Abbildung B - 3: Übergabegründe bei Unternehmensnachfolgen Fällt der Unternehmer ungeplant aus, kann dies für Unternehmen gravierende Auswirkungen haben. Das Vertrauen bei Kunden, Lieferanten, Banken und Mitarbeitern wird plötzlich auf den Prüfstand gestellt. Ist es verantwortbar, den Nachfolgern einer ungeplanten Nachfolgeregelung das bisherige Vertrauen zu schenken? Oder ist es nicht sinnvoller, Kreditlinien zu kürzen, die Lieferantenbasis zu erweitern oder sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen? Nicht selten führen auch derartige Situationen zu Unternehmensinsolvenzen und insbesondere zur Zerschlagung des unternehmerischen Vermögens. 1.1 Unternehmen wichtiger als Familienvermögen? Für die meisten Unternehmer sind die Unternehmen nicht nur Einkommensquelle, sondern auch der Mittelpunkt der Familie. Alles Denken und Streben konzentriert sich primär auf die Unternehmen, die häufig auch im Vordergrund familiärer Gespräche und Überlegungen stehen. Letztlich

6 6 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für wird die persönliche Wertschätzung und das Ansehen der Familienmitglieder durch die Unternehmen maßgeblich beeinflusst. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass alles getan wird, um die Unternehmen finanziell zu stärken. Gewinne werden thesauriert, Gesellschafterdarlehen zur Verfügung gestellt. Häufig wird fehlendes Eigenkapital von Unternehmen durch persönliche Bürgschaften oder durch die Bereitstellung von Privatvermögen zur Absicherung betrieblicher Kredite ersetzt. So kommt es zur unerwünschten Vermischung von Firmen- und Privatvermögen, sodass auch zum Teil nennenswerte Teile des Privatvermögens von der wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmen abhängig sind. Deshalb gewinnt in Unternehmerfamilien die Überlegung einer risikoarmen Vermögensstrukturierung immer mehr an Bedeutung. Ziel ist es, die Altersversorgung nicht mehr auf Unternehmenserträgen aufzubauen, sondern hierzu risikoarm angelegtes Privatvermögen zu verwenden. Auf diese Weise versuchen viele Unternehmer die strategische Ausrichtung ihres Unternehmens nicht durch Altersvorsorgepläne zu belasten. Liquiditätsanforderungen kommen in Nachfolgesituationen häufig in nennenswerten Größenordnungen auf Unternehmerfamilien zu: Erbschaftssteuerzahlungen, Zahlungen an weichende Erben, Pflichtteilsansprüche und ggf. auch güterrechtliche Ansprüche von Ehepartnern. Neben dem Wunsch, für die Sicherung der Altersversorgung und die finanziellen Anforderungen im Nachfolgeprozess Privatvermögen zu bilden, gewinnen Überlegungen, bei denen das Unternehmen letztlich als Vermögensanlage behandelt werden muss, immer mehr an Bedeutung. Immer mehr Unternehmerfamilien sind bemüht, das Gesamtvermögen unter Einbeziehung des Unternehmens so zu strukturieren, dass nicht mehr von einem dominierenden Klumpenrisiko gesprochen werden kann. Dies führt auch zu der Bereitschaft, die Aufnahme von Minderheitsgesellschaftern zur Stärkung der Kapitalbasis nicht nur zu akzeptieren, sondern auch aktiv zu fördern. Sogenannte reiche Familien, Finanzinvestoren, jedoch auch geeignete strategische Partner stehen zur Verfügung. Gerade durch strategische Minderheitsgesellschafter lässt sich häufig nicht nur die Kapitalbasis von Unternehmen, sondern auch die strategische Position stärken. So können geeignete strategische Partner z. B. die verfügbare Vertriebsstruktur nutzen, um Produkte von Familienunternehmen weltweit zu vermarkten.

7 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 7 Auch ist durch geeignete Minderheitsgesellschafter die Internationalisierung erreichbar, ohne die Finanzierung von Unternehmen unverhältnismäßig zu belasten. Gleichzeitig wird somit auch Privatvermögen freigesetzt, welches risikoarm angelegt werden kann. Die Möglichkeiten, durch Minderheitsgesellschafter die Eigenkapitalbasis von Unternehmen zu stärken und gleichzeitig Privatvermögen zu bilden, sind vielfältig. In zunehmendem Umfang werden diese Möglichkeiten von Familienunternehmen genutzt. Nicht wenige Unternehmer entscheiden sich, bei den Überlegungen bzgl. einer sinnvollen, zukunftsfähigen Vermögensstruktur für die Familie, zum Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen, bzw. entscheiden sich im Rahmen eines Owners-Buy-Out zur Neustrukturierung des Familienvermögens. Beim Owners-Buy-Out erfolgt eine Rekapitalisierung des Firmenwerts in der Weise, dass der Unternehmenswert die Grundlage für eine rechtliche und finanzielle Neustrukturierung darstellt. Dadurch wird Privatvermögen generiert, welches risikoarm angelegt werden kann. 1.2 Intelligente Finanzierungen? Intelligenz (lat., intellegere erkennen, verstehen ). Die Finanzgeschäfte von Unternehmen verlaufen, wie immer wieder deutlich wird, alles andere als zufriedenstellend. In vielen Fällen agieren die Unternehmen amateurhaft. Die Folgen: Finanzierungen von Betriebsmitteln oder Investitionen liegen auf Eis, da Kredite nicht oder nicht rechtzeitig erhöht werden, die Bankkonditionen sind überteuert, ungünstige Sicherheitenvereinbarungen schränken die Finanzierungsmöglichkeiten für die Zukunft ein. Das Verhältnis Unternehmen/Banken ist oft von Misstrauen belastet. Eine effiziente Investitionsfinanzierung, ein reibungsloser Zahlungsverkehr, risikoangepasste Geld- und Kapitalanlagen und die gelungene finanzielle Umsetzung der strategischen Unternehmensentwicklung erfordern von den Unternehmen Sachkenntnis und Engagement. Unternehmer müssen zu Finanzprofis werden, und das bedeutet, die vielen traditionellen und modernen Finanzprodukte genau zu kennen, die Motive sowie internen Abläufe einer Bank zu verstehen sowie geeignete Partner in die Unternehmensentwicklung einzubinden. Eine Analyse der verschiedenen, vielfältigen Alternativen kann zu der Erkenntnis führen, dass selbst der klassische Kontokorrentkredit mit markt-

8 8 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für angepasster Konditionsgestaltung eine intelligentere Finanzierungslösung ist als die häufig angebotenen strukturierten Finanzierungen. Zunehmend fällt es Unternehmen schwer, zuverlässig einzuschätzen, welche Art der Unternehmensfinanzierung tatsächlich intelligent ist. 1.3 Nie mehr abhängig von Banken Das Verhältnis zwischen Banken und Unternehmen hat in der Krise 2009 einen Riss bekommen, der weitreichende Folgen für die Finanzierung von Unternehmen haben wird. Traumatische Erfahrungen mussten viele mit ihren Hausbanken machen, als es im Jahr 2009 um die Prolongation von vereinbarten Kreditlinien ging. Selbst finanziell soliden Unternehmen wurden in den Krisenzeiten nach dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers die Kreditinien gekürzt. Konzerne, die zugleich Kunde der Commerzbank und der Dresdner Bank waren, galten nach der Fusion der Institute plötzlich als Klumpenrisiko. Öffentlich bekannt sind die Entwicklungen bei einigen Großunternehmen. So musste das bedeutende Baustoffunternehmen HeidelbergCement im letzten Jahr einen Großteil der Kredite für die 12 Mrd. EUR teure Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson neu verhandeln. Einige der fast 50 Institute waren mit Kreditausfallversicherungen sogenannte CDOs derart abgesichert, dass ihnen die Pleite des Unternehmens sogar noch wirtschaftliche Vorteile gebracht hätte. Erst nach vielen Verhandlungsrunden und nur auf Druck der unbesicherten Banken einigten sich die Geldgeber schließlich doch. Das Unternehmen hat die Erfahrungen zur Veranlassung genommen, die Finanzierungsstruktur zu verändern. So wurden Gelegenheiten genutzt, Kredite durch Anleihen abzulösen. Von den Bruttoschulden in Höhe von 9,8 Mrd. EUR liegen heute nur noch 19 % bei Banken. Auch andere Unternehmen schaffen Fakten. Beispiel Celesio: Der Pharma- Großhändler baute den Anteil der Bankschulden an seinen Verbindlichkeiten im Stillen von fast 60 % auf gut 30 % ab. Wir haben damit die Konsequenzen aus der Bankenkrise gezogen, sagt Konzernchef Dr. Fritz Oesterle. Dieses Unternehmen ist nur ein Beispiel von vielen. Nach Angaben der Royal Bank of Scotland haben Unternehmen im vergangenen Jahr erstmals seit Einführung des Euro mehr Fremdkapital am Kapitalmarkt als bei Banken beschafft. Anleihen hatten fast zwei Drittel der neuen Ver-

9 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 9 bindlichkeiten ausgemacht. Unternehmen wie Otto oder Hella sind zum ersten Mal an den Anleihemarkt gegangen, etliche stehen aktuell in den Startlöchern. In absehbarer Zeit werden auf viele Familienunternehmen finanzielle Belastungen zukommen. So laufen in den nächsten Jahren die in großem Umfang verkauften Standard-Mezzanine-Finanzierungen aus. Standard- Mezzanine-Finanzierungen sind heute am Markt nicht mehr verfügbar. Viele Familienunternehmen müssen in nächster Zeit um Anschlussfinanzierungen kämpfen. Vorbereitende Gespräche mit Banken verliefen für viele Familienunternehmen frustrierend. Das Primärziel der Finanzpolitik vieler Unternehmer lautet daher: Nie wieder in Abhängigkeit von Banken geraten! 2 Finanzierungsgrundsätze Die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit haben dazu geführt, dass viele Familienunternehmen ihre Finanzierungsgrundsätze umgeschrieben haben. Dabei haben Aspekte wie Unabhängigkeit Flexibilität (finanziellen Spielraum sicherstellen) Sicherheit (Reserven einplanen) und Vorsicht (kalkuliertes Risiko) an Bedeutung gewonnen. Viele Finanzierungsprinzipien wurden auf den Prüfstand gestellt und angepasst. Gerade die Erfahrungen mit Prolongationen haben zu der Erkenntnis geführt, Finanzierungsprinzipien wie langfristige Kapitalbindungen sind langfristig zu finanzieren als wichtige Finanzierungsgrundsätze festzuschreiben. Erkenntnisse mit Swap- Geschäften, die von vielen Kreditinstituten auch mittelständischen Unternehmen verkauft wurden, haben ein weiteres Finanzierungsprinzip bestätigt: Keine Spekulationsgeschäfte. Viele Familienunternehmen verfügen über ein langfristig ausgerichtetes Finanzierungsleitbild. Hierbei werden betriebswirtschaftlich fundierte Orientierungshilfen für Ziele und Strategie der Unternehmensfinanzierung ebenso festgeschrieben wie ein abgestimmtes Konzept als Bestandteil des finanziellen Gleichgewichts (Rentabilität, Liquidität, Flexibilität und Sicherheit). Häufig haben Überprüfungen der Unternehmensfinanzie-

10 10 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für rung auch zu festen Finanzkennzahlen geführt, die zukünftig zu beachten sind. Dabei haben sich diese vier Kennzahlen als sinnvoll erwiesen: Verschuldungsgrad (Leverage) (Netto) Vorrangige bzw. Gesamt-Finanzverbindlichkeiten EBITDA... sollte unter 3,0 x bis 4,5 x EBITDA liegen. Zinsdeckung (Interest Cover) EBITDA Zinsergebnis... sollte über 4,5 x EBITDA liegen. Kapitaldienstfähigkeit (Dept Service Cover) Cashflow vor Finanzierung Kapitaldienst (Zins + Tilgung)... sollte mindestens 1,3 betragen. Eigenkapitalquote (Equity Ratio) Eigenkapital Bilanzsumme sollte mind. 20 % bei Produktionsunternehmen, mind. 15 % bei Handelsunternehmen betragen.

11 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 11 Derartige Kennzahlen verstehen viele Familienunternehmen heute als Frühwarnsystem. Werden die Grenzen erreicht, hat das nicht selten auch Auswirkungen auf strategische Entscheidungen. Finanzierungsstrategien müssen strategiekonform fristenkongruent liquiditätsoptimierend flexibel ratingkonform und differenziert sein und den individuellen Perspektiven der Familienunternehmen entsprechen. 3 Finanzmanagement beginnt auf der Aktivseite Gutes Finanzmanagement beginnt stets auf der Aktivseite. Ziel ist hierbei eine Reduktion des Kapitals auf das betriebsnotwendige Minimum. Damit sind diese Fragestellungen verbunden: Sind Betriebsimmobilien betriebsnotwendig? Gibt es Möglichkeiten, nicht betriebsnotwendige Immobilien wirtschaftlich zu verkaufen? Sind Vermietungen an Dritte vorstellbar? Können die Immobilien zur Erschließung neuer Finanzierungsquellen (Sale-and-lease-back) genutzt werden? Lässt sich das Sachanlagevermögen wirtschaftlicher nutzen? Gibt es Überkapazitäten, die abgebaut werden können? Können vorhandene Kapazitäten wirtschaftlich sinnvoller genutzt werden? Lässt sich Liquidität durch Senkung des Vorratsvermögens generieren? Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Vorratsvermögen zu senken. Dazu einige Stichworte: Bereinigung der Produktpalette Abbau von Ladenhütern Zentralisierung von Beständen Abbau von Sicherheitsbeständen Erhöhung der Genauigkeit in der Absatzplanung Verbesserung der Qualität der Bestandinformationen

12 12 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für Abbau der Zeitverzögerungen bei einzelnen Produktionsstufen Abbau der Zeitverzögerung bei der Informationsverarbeitung und -weitergabe Abbau von zeitlichen Sicherheitspuffern Verringerung von Losgrößen Aktualisierung von Planannahmen Verfeinerung der Dispositionen Anpassung der Wertschöpfungsstufen Just-in-time-Produktion Lassen sich durch Debitorenmanagement Forderungen abbauen? (unechte Pensionsgeschäfte, Factoring) Könnte die Strukturierung der Zahlungskonditionen zu mehr Liquidität führen? Gibt es Alternativen im Bereich überfälliger Forderungen? 3.1 Instrumente des Working-Capital-Managements Ein beliebtes Instrument des Working-Capital-Managements sind unechte Pensionsgeschäfte. Dabei wird so vorgegangen, dass Unternehmen ihren Forderungsbestand auf Zeit z. B. für die Dauer von 60 Tagen an den jeweiligen Bankpartner verkaufen. Ziel ist es, dabei nicht nur günstige Finanzierungskonditionen zu erreichen, sondern auch die Finanzierungskennzahlen zu begünstigen. Durch den Verkauf der Forderungen an die finanzierende Bank verringert sich die Bilanzsumme. Das führt ggf. zur wesentlichen Verbesserung entscheidungsrelevanter Finanzierungskennzahlen. Sowohl die Verschuldung als auch das Eigenkapital verbessern sich merklich. Diese bilanzentlastenden Wirkungen sind nach HGB unverändert erreichbar. Mehr Gestaltungsbedarf besteht für Unternehmen, die nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften bilanzieren. Für die Unternehmen ist von Wichtigkeit, dass der Verkauf dieser Forderungen in stiller Form erfolgt, sodass die Kunden darüber nicht informiert werden. Eine häufig befürchtete Rufbelastung ist bei unechten Pensionsgeschäften in der Regel vermeidbar. Sehr viel bekannter als die in aller Regel deutlich günstigeren unechten Pensionsgeschäfte sind Forderungsverkäufe im Wege des Factorings. Wie

13 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 13 außerordentlich stark sich die Gesamtumsätze entwickelt haben, verdeutlicht die Entwicklung der Mitgliedsunternehmen des Deutschen Factoring- Verbandes: Gesamtumsatz der Mitgliedsunternehmen des Deutschen Factoring-Verband Angaben in Mrd. Euro Davon international Gesamt Quelle: Deutscher Factoring-Verband e.v. Abbildung B - 4: Entwicklung von Factoring-Umsätzen Vergleichbare Aspekte, wie bei unechten Pensionsgeschäften, gibt es auch bei Factoring. Die Grundidee ist natürlich, Liquidität so zu generieren und sicherzustellen, dass mit Rechnungsausgang an die Kunden ein sofortiger Liquiditätszufluss erfolgt. Die Factoring-Gesellschaft bezahlt ihren Kunden innerhalb kurzer Zeit, meist in 1 2 Tagen, einen Vorschuss auf deren offene Forderungen, der in den häufigsten Fällen bei 90 % der Gesamtsumme liegt. Der rasche Liquiditätszufluss bzw. die Bevorschussung des Kaufpreises erhöhen den Handlungsspielraum und die Unabhängigkeit der Unternehmen von Banken. Dadurch sind die Unternehmen häufig in der Lage, den eigenen Kunden durch längere Zahlungsfristen Vorteile zu geben. Die Unternehmen können ihre Lieferanten innerhalb der Skontifrist bedienen und gleichzeitig den eigenen Kunden längere Zahlungsziele gewähren. Damit entsteht für Unternehmen ein wichtiges Potenzial im Rahmen der Absatzstrategie. Von großem Vorteil für das Rating ist die positive Auswirkung auf die Bilanz. Durch die Kürzung der Bilanzsumme verbessert sich nicht nur die Eigenkapitalquote. Auch wesentliche andere, das Rating beeinflussende Kennzahlen, wie z. B. die Verschuldungsgrenze werden positiv beeinflusst. Gerade bei den hohen Forderungsverlusten in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten hat der Delkredereschutz einen hohen Stellenwert erhalten. Der Factor übernimmt meist zu 100 % das Risiko, dass die offene Forderung

14 14 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für des Vertragspartners als uneinbringlich abgeschrieben werden muss. Dieser Delkredereschutz ist heute in nahezu allen Vereinbarungen mit Factoringinstituten in Deutschland enthalten, nachdem das unechte Factoring und der Verzicht auf diese Dienstleistung in der Frühphase von Factoringkooperationen häufig anzutreffen war. Für kleinere Unternehmen kann auch die Delegation des Debitorenmanagements von Nutzen sein. Einen besonders hohen Stellenwert hat Export-Factoring. Dadurch lässt sich das Auslandsgeschäft forcieren. Eine Alternative zum Factoring sind Asset Backed Securities (ABS). Wo liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen Factoring und ABS? Welches Produkt eignet sich für welches Unternehmen? Da es sich bei einer ABS-Transaktion immer um einen sogenannten stillen Forderungsverkauf handelt die Debitoren werden also nicht über den Forderungsverkauf informiert und die gesamte Abwicklung der Debitorenbuchhaltung beim Unternehmen verbleibt, beschränkt sich die Gegenüberstellung auf das ebenfalls stille Inhouse-Factoring. Der wesentliche Unterschied liegt in der Refinanzierung. Bei Forderungsverbriefungen erfolgt die Refinanzierung über den Kapitalmarkt durch die Ausgabe von sogenannten ABS-Papieren (Bonds, Medium Term Notes Commercial Papers), die an institutionelle Investoren verkauft werden. Als Haftungsmasse dient den Investoren der Forderungspool. Seine Qualität wird ggf. durch zusätzliche interne oder externe Sicherheiten aufgebessert. Aufgrund der Kostenstruktur ist eine ABS-Lösung in der Regel nur größeren Mittelstandsunternehmen bzw. Konzernen zugänglich. Bei schwankender Mittelbindung bietet sich auch Borrowing Base Finance an. Bei dieser Art der Finanzierung wird das jeweilige Net-Working- Capital finanziert. Konkret werden in der Regel Forderungen und Vorräte um mit Eigentumsvorbehalt belastete Lieferantenkredite ermäßigt. Gegenstand ist der verbleibende Nettosaldo. Dieser Nettosaldo wird z. B. mit 50 % des jeweiligen Stichtagsbetrages finanziert. Insoweit handelt es sich also um eine atmende Kreditlinie.

15 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 3.2 Rating: Große Bedeutung für die Finanzierbarkeit von Unternehmen 15 Von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind Finanzierungen über die Aktivseite für das Rating. Eine nennenswerte Zahl von Finanzierungskennziffern steht in engem Zusammenhang mit der Mittelbindung und der Eigenkapitalquote. Durch Finanzierungen über die Aktivseite werden Bilanzsumme und ratingrelevante Kennziffern positiv beeinflusst. Das führt zu besseren Ratingergebnissen und damit zur Erschließung neuer Finanzierungsquellen, die in der Regel auch mit günstigeren Konditionen verbunden sind. Auf die Finanzierungskonditionen haben Ratings große Auswirkungen. Jede Bank erstellt im Zusammenhang mit der Kreditvergabe ein Ratinggutachten. Dieses Ratinggutachten dient als Beurteilungsgrundlage für die Kreditgewährung und die Ermittlung der Konditionen. Ratings haben das Ziel, die Ausfallwahrscheinlichkeit zu ermitteln. Welche Ausfallwahrscheinlichkeiten sich bei unterschiedlichen Ratings ergeben, verdeutlicht diese Übersicht: DSGV- Klassen Ausfallwahrscheinlichkeit Zum Vergleich: Einstufung von Moody s 1 0,07 Aaa Aa3 Aa1 A1 Aa2 A2 2 0,12 Baa1 3 0,17 Baa2 Investment Grade ,26 0,39 0,59 Baa3 7 0,88 Ba ,32 1,98 2,96 Ba2 Ba3 11 4,44 B1 12 6,67 B ,00 15,00 20,00 EWB Kündigung Insolvenz B3 Non-Investment Grade Tabelle B - 1: Ratingbedingte Ausfallwahrscheinlichkeit

16 16 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für Unternehmen, die Investmentgrade erreichen, erschließen sich zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten. Einige Möglichkeiten der Beschaffung von Finanzierungsmitteln stehen nur Unternehmen mit Investmentgrades zur Verfügung. Wie bereits erwähnt, dient das Rating der Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit. Erreichen Unternehmen beim Rating der Sparkassen und Landesbanken die Klasse 7, liegt der Aufschlag zum Interbankensatz in der Regel bei 0,88 %-Punkten. Wird ein Rating der Klasse 10 erreicht, liegt der Aufschlag bereits bei 2,96 %. Somit sehen sich schlechter beurteilte Unternehmen einer vierfach so hohen Zinsbelastung gegenüber als besser geratete Unternehmen. Ähnlich ist die Situation beim risikoadjustierten Pricing der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Beim Ratingverfahren der KfW gilt es zu differenzieren. Insgesamt bietet die KfW sechs unabhängige Ratings an. Diese Ratings können wie folgt kategorisiert werden: kmu-rating Corporate-Rating Bankenrating Existenzgründer-Rating Beteiligungsnehmer-Rating Länderrating Rating für Projektfinanzierungen Jedes der oben genannten Ratings ist auf eine spezielle Kundengruppe zugeschnitten. So werden zum Beispiel im kmu-ratingverfahren vornehmlich kleine und mittelständische Unternehmen geratet, während ein Existenzgründer-Rating speziell auf junge Unternehmen, Existenzgründer und Freiberufler mit weniger als zwei publizierten Jahresabschlüssen zugeschnitten ist. In das Ratingurteil fließen, wie bei den übrigen Ratings auch, sogenannte hard facts, die sich meist aus Bilanz- oder Marktdaten sowie aus Informationen zum Länderrisiko und zur Reife spezieller Märkte zusammensetzen, und soft facts, die aus qualitativ-informativen Daten wie z. B. Informationen über Kundenkonzentration, Lieferantenkonzentration oder

17 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 17 auch zukünftige beeinflussende Gerichtsverfahren und Managementbeurteilungen bestehen, in die Unternehmensbeurteilung mit ein. Im Ranking der KfW können ebenfalls Investment- und Non-Investments- Grades erreicht werden. Diese werden in folgender Übersicht zusammen mit äquivalenten Bewertungen anderer Banken und Agenturen dargestellt: Quelle: Präsentation Dr. Gregor Taistra/KfW Abbildung B - 5: Bonitätsklassen Als Bemessungsgrundlage für die oben dargestellten Kategorien dienen hierbei folgende Kennziffern (bei der KfW auch als RiskCalc: Kennziffern bezeichnet):

18 18 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für Quelle: Dr. Gregor Taistra/KfW Abbildung B - 6: Kennziffern-Ermittlung für Bonitätsklassen Die bankinternen Ratings sind in der Regel nachvollziehbar, da sie stark zahlenbasiert sind. Diese Nachvollziehbarkeit ermöglicht es auch ratingrelevante Finanzierungskennzahlen mit in die Überlegungen hinsichtlich der Finanzstrukturierung mit einzubeziehen. Welche Gewichtung bestimmte Kennzahlen bei einzelnen bankinternen Ratings haben, verdeutlicht diese Übersicht: Bereich Gewichtung A. Finanzlage Cashflow 1 9,0 % Cashfow 2 9,0 % Betriebsergebnis 9,0 % Kreditorenlaufzeit in Tagen 6,0 % B. Ertragslage Return-on-Investment (ROI) 4,0 % Zinsaufwand/Gesamtleistung 6,0 % besondere Aufwandsquote 3,0 % Betriebsergebnis/Gesamtleistung 2,0 % Rohertrag/Gesamtleistung 2,0 % C. Vermögenslage Eigenkapitalquote 20,0 % Liquiditätskennzahl 2,0 % Kapitalbindung 10,0 % Fremdkapitalstruktur 10,0 %

19 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für 19 Lagerkennzahl 4,0 % Lagerdauer 4,0 % Unternehmen, die das Rating, und somit die Finanzierungskonditionen, positiv beeinflussen wollen, sind gut beraten, ihre Kapital- und Vermögenslage so zu strukturieren, dass sie größtmöglichen Einfluss auf das Rating nehmen. So beeinflussen zum Beispiel Kapitalbindung und Eigenkapitalquote, im Rahmen der gesamten Gewichtung, das Rating mit 30 %. Gelingt es also, über die Finanzierung über die Aktivseite die Kapitalbindung zu reduzieren, wird zwangsläufig auch die Eigenkapitalquote positiv beeinflusst. 4 Notenbankfähigkeit erleichtert Unternehmensfinanzierungen Durch das unentgeltliche Bonitätsbeurteilungsverfahren der Bundesbank sind für Unternehmen Vorteile im Rahmen ihrer Unternehmensfinanzierung möglich. Dieses Angebot der Deutschen Bundesbank ist Unternehmen und deren Beratern bedauerlicherweise noch zu wenig bekannt, bestätigt Bundesbankdirektor Johann Meier/Referatsleiter für Bonitätsanalyse und Wertpapiere bei der Bundesbankhauptversammlung München. Dabei hilft dieses Instrument Banken bei der Zentralbankrefinanzierung und somit auch den Unternehmen bei der Gewährung von Krediten durch ihre Hausbanken. Damit Notenbanken den Geschäftsbanken Kredite gewähren, ist gemäß Artikel 18.1 der Satzung des europäischen Systems der Zentralbanken eine Unterlegung des Kreditvolumens mit Sicherheiten erforderlich. Diese Sicherheiten müssen notenbankfähig sein. Mit der Ausweitung des Refinanzierungsvolumens stieg parallel auch der Bedarf an Sicherheiten. Nach dem vom Eurosystem zum 01. Januar 2007 eingeführten einheitlichen Rahmen für notenbankfähige Sicherheiten können nunmehr Kreditinstitute aus dem gesamten Euroraum auch Buchforderungen (also Kredite) gegen Unternehmen und wirtschaftlich Selbständige als refinanzierungsfähige Sicherheit nutzen. Diese müssen allerdings die gleich hohen Bonitätsstandards erfüllen wie alle anderen notenbankfähigen Sicherheiten. Aufgabe der Bundesbank ist es, im Zuge der Bonitätsanalyse festzustellen, ob ein Unternehmen, das sich der Analyse stellt, mit dem Prädikat Notenbankfähigkeit beurteilt werden kann.

20 20 Niggemann, Karl A.; Simmert, Diethard B.: Intelligente Finanzierung: Erfolgsfaktor für Im Mittelpunkt der Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank steht die Auswertung von Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung. Dazu werden die Jahresabschlüsse und ggf. hierzu eingereichte Unterlagen herangezogen. Neben quantitativen Daten werden natürlich auch qualitative Merkmale wie z. B. das Ausschöpfen von Bilanzierungsspielräumen bei der Analyse berücksichtigt. Die Bonitätseinstufung erfolgt mit der Vergabe einer Rangstufe. Die Skala bewegt sich von 1 bis 7. Notenbankfähig sind die Rangstufen 1 bis 3. Aufgrund der Finanzmarktkrise ist die Notenbankfähigkeit auf die Rangstufe 4 ausgeweitet worden. Das Bonitätsurteil trifft jede Zentralbank- Hauptverwaltung dezentral. Die zusätzliche Möglichkeit, günstige Refinanzierungsmittel bei der Bundesbank durch Hausbanken und die Bonitätsbestätigung durch die Deutsche Bundesbank zu beschaffen, erleichtern die Finanzierung von Unternehmen und führen nicht selten zu deutlichen Kostenvorteilen. 5 Eigenkapitalstrategie Die Eigenkapitalquote hat auf das Rating von Unternehmen und die damit verbundene Erschließung von Finanzierungsquellen und Finanzierungskonditionen merklichen Einfluss. Eigenkapital muss nicht wie Fremdkapital verzinst und getilgt werden. Erwirtschaften Unternehmen keinen Gewinn, entfallen Leistungen für die bereitgestellten Finanzierungsmittel. Eigenkapital hat grundsätzlich langfristigen Charakter. Es wird nicht, wie bei Instrumenten der Mezzanine-Finanzierung, zu bestimmten Terminen zur Rückzahlung fällig. Eigenkapital kann nur im Wege der Kündigung der Gesellschafterstellung fällig gestellt werden. Da Familienunternehmen in der Regel auf lange Kündigungsfristen achten, besteht auch bei externen Mitgesellschaftern in der Regel kein kurzfristig relevantes Liquiditätsrisiko. Eigenkapital dient als Haftungsbasis von Unternehmen und Verlustausgleichskonto. Diese Funktionen führen dazu, dass Eigenkapital auch die Basis für die Fremdkapitalaufnahme ist. Diese Eigenkapitaldecke ermöglicht letztlich auch ein Bilanzstrukturmanagement, da verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten nur Unternehmen mit dauerhafter Stabilität zur Verfügung stehen. So sind hohe Eigenkapitalquoten ein Garant für

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