Konzerngeschäftsbericht

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1 2012 Konzerngeschäftsbericht

2 Konzernlagebericht ERGO Versicherungsgruppe im Überblick 2012 Veränderung Vorjahr (%) Gesamte Beitragseinnahmen ,4 Gebuchte Bruttobeiträge ,7 Versicherungsleistungen (brutto) ,1 Ergebnis aus Kapitalanlagen ,8 Operatives Ergebnis ,9 Konzernergebnis ,2 Kapitalanlagenbestand ,9 Versicherungstechnische Rückstellungen (netto) ,0 Eigenkapital ,9 Hauptberufliche Vertreter ,4 Angestellte Mitarbeiter ,9 ERGO ist eine der großen Versicherungsgruppen in Deutschland und Europa. Wir sind weltweit in mehr als 30 Ländern vertreten und konzentrieren uns auf die Regionen Europa und Asien. ERGO bietet ein umfassendes Spektrum an Versicherungen, Vorsorge und Serviceleistungen. Im Heimatmarkt Deutschland gehört ERGO über alle Sparten hinweg zu den führenden Anbietern. Rund Menschen arbeiten als angestellte Mitarbeiter oder als hauptberufliche selbstständige Vertriebspartner für unsere Gruppe nahmen wir Beiträge in Höhe von über 18 Mrd. ein und erbrachten für unsere Kunden Versicherungsleistungen von über 17 Mrd.. Unsere Kunden bestimmen unser Handeln. ERGO richtet sich konsequent an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden aus und will sich in engem Austausch mit ihnen kontinuierlich verbessern. Unseren Anspruch Versichern heißt verstehen setzen wir konsequent um: in eine be darfs gerechte Beratung und passgenaue Produkte, welche die persönlichen Anliegen der Kunden verstehen und aufgreifen. Und in eine klare und verständliche Kommu nikation, innovative Serviceleistungen und die schnelle Unterstützung im Schadensfall. Unsere Kunden können wählen, welcher Weg zu ERGO für sie der beste ist. Wir haben für jeden den richtigen Vertriebsweg: Selbstständige Vertriebspartner, Mitarbeiter im Direktvertrieb, Makler und starke Kooperationspartner im In- und Ausland sprechen Privat- und Firmenkunden an. Mit der europäischen Großbank UniCredit-Gruppe und weiteren Banken verbinden uns Vertriebspartnerschaften in Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern. ERGO gehört zu Munich Re; die Gruppe ist einer der weltweit führenden Rückversicherer und Risikoträger. Innerhalb der Gruppe ist ERGO der Spezialist für die Erstversicherung, also für die direkte Versicherung von Privat- und Firmenkunden, im In- und Ausland. Die Kapitalanlagen der Gruppe von 214 Mrd. von denen 125 Mrd. auf ERGO entfallen betreut ganz überwiegend der gemeinsame Vermögensmanager und Fondsanbieter MEAG.

3 ERGO Versicherungsgruppe Konzerngeschäftsbericht

4 Inhalt 3 Vorwort des Vorstandsvorsitzenden 6 Bericht des Aufsichtsrats über das Geschäftsjahr 2012 Konzernlagebericht 10 Die ERGO Versicherungsgruppe 14 Die ERGO Versicherungsgruppe Gesellschaftsorgane 16 Rahmenbedingungen 19 Geschäftsverlauf 23 Vermögens- und Finanzlage 27 Weitere Erfolgsfaktoren 31 Risikobericht 42 Chancenbericht 44 Ausblick 48 Konzernbilanz zum 31. Dezember Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung für das Geschäftsjahr Aufstellung der erfassten Erträge und Aufwendungen 52 Konzern-Eigenkapitalentwicklung 54 Konzern-Kapitalflussrechnung für das Geschäftsjahr Aufstellungs- und Konsolidierungsgrundsätze 74 Erläuterungen zur Konzernbilanz Aktiva 95 Erläuterungen zur Konzernbilanz Passiva 110 Erläuterungen zur Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 118 Erläuterungen zu Risiken aus Versicherungsverträgen und Finanzinstrumenten 130 Sonstige Angaben 136 Aufstellung des Anteilsbesitzes zum 31. Dezember 2012 gem. 313 Abs. 2 HGB 148 Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers

5 3 Vorwort des Vorstandsvorsitzenden Sehr geehrte Damen und Herren, Rettungsroutine lautet das Wort des Jahres Den Spitzenplatz belegt nach der Finanzkrise (2008) und dem Stresstest () damit bereits zum dritten Mal in fünf Jahren ein Begriff aus dem Umfeld der turbulenten Kapitalmärkte. Das zeigt, wie sehr die Unwägbarkeiten der Märkte nach wie vor unser Leben bestimmen. Die Effekte der Finanzund Staatsschuldenkrise für Unternehmen und Bürger werden immer stärker sichtbar. Das fordert uns längst nicht nur beim Management unserer Kapitalanlagen, sondern zunehmend in unserem Kerngeschäft als Versicherer. In unserem großen Kapitalanlagenportfolio haben wir heute noch Anlagen im Bestand, die höhere Renditen abwerfen, als sie aktuell zu erzielen sind. Zudem haben wir frühzeitig vorgesorgt und Absicherungen gegen fallende Zinsen erworben. So können wir das niedrige Zinsniveau noch lange durchhalten. Schließlich geben wir unseren Kunden Leistungsversprechen, die häufig ein Leben lang gelten. Diese Zusagen müssen wir einhalten können, auch wenn die Zinsen weiter so extrem niedrig bleiben. Dr. Torsten Oletzky Vorsitzender des Vorstands der ERGO Versicherungsgruppe AG Und so gilt: Nachhaltige Sicherheit hat Vorrang vor Rendite. Deshalb haben wir die Überschussbeteiligung in der deutschen Lebensversicherung für neue Verträge weiter abgesenkt. Und bei den neuen Unisex-Tarifen in der Krankenversicherung den Rechnungszins herabgesetzt. Weil wir die niedrigeren Kapitalerträge bei der Kalkulation schon berücksichtigen, fallen diese Beiträge entsprechend höher aus. Für viele Kunden ist die Lebensversicherung nach wie vor das beste Instrument für ihre private Altersvorsorge. Aber in ihrer jetzigen Form kann sie wegen der niedrigen Zinsen nicht mehr alle Erwartungen der Verbraucher so erfüllen wie früher. Denn jährliche Garantien sind teuer und kosten Rendite. Deshalb werden wir neue Produktkonzepte anbieten. Unsere Garantien sollen vor allem den Wunsch unserer Kunden nach Planungssicherheit für das Alter erfüllen. Gleichzeitig machen wir die neuen Produkte flexibler, damit sie sich den verschiedenen Lebensphasen von Menschen besser anpassen. In diesem Jahr bringen wir die neue Produktgeneration auf den Markt. Dass wir die Konditionen besonders bei Lebensversicherungen gegen Einmalbeitrag aus Vorsicht schon für 2012 zurückgenommen hatten, hat Spuren im Neugeschäft hinterlassen. Die Einbußen in der Lebensversicherung und die Beteiligungsverkäufe im Vorjahr führten zu einem Rückgang der gesamten Beitragseinnahmen: Sie sanken um 8,4 Prozent auf 18,6 (20,3) Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis erreichten wir demgegenüber einen

6 Vorwort des Vorstandsvorsitzenden 4 deutlichen Anstieg um 17,9 Prozent auf 951 (806) Millionen. Das Kapitalanlageergebnis legte auf 5,3 (4,1) Milliarden Euro kräftig zu. Die Nettorendite stieg damit von 3,4 Prozent auf 4,1 Prozent. Eine wesentliche Ursache für diesen Anstieg lag im Fortfall negativer Effekte des Vorjahres. Die Schaden-/Kostenquote von 95,8 (94,4) Prozent im Geschäftsfeld Kompositversicherung Deutschland blieb hinter unseren eigenen hohen Ansprüchen zurück. Sehr erfreulich entwickelte sich die Schaden-/Kostenquote im internationalen Geschäft mit 100,5 (105,1) Prozent. Das operative Geschäft entsprach insgesamt unseren Erwartungen. Das Konzernergebnis vor Rückstellungen für Restrukturierungskosten lag mit 417 Millionen Euro etwas über unserem Ziel. Nach diesen Rückstellungen erreichten wir ein Ergebnis von 289 (349) Millionen Euro. Die Rückstellungen haben wir gebildet, um für den Umbau in unseren Vertriebsorganisationen Vorsorge zu treffen. Denn um einen einheitlichen Beratungsprozess einzuführen, Komplexität zu reduzieren und Kosten einzusparen, haben wir 2012 schlankere Strukturen im Vertrieb auf den Weg gebracht. Wir wollen in Deutschland fünf Vertriebsorganisationen zu zwei Einheiten unter dem Dach einer ERGO Vertriebsgesellschaft zusammenführen. So können wir unsere Vertriebe einheitlich betreuen und steuern, bündeln die Rekrutierung und bekommen einen homogenen Außenauftritt. All dies sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass wir unsere Ressourcen sinnvoll einsetzen und effizient arbeiten. Aber der damit einhergehende Abbau von bis zu 700 Stellen im angestellten Außendienst und bis zu 650 Stellen im Innendienst tut weh. Für die betroffenen Menschen suchen wir mit unseren Mitbestimmungsgremien nach fairen und sozialen Lösungen. Ich hoffe sehr, dass uns dies gemeinsam gelingt. Auch bei der Umsetzung unseres Markenversprechens Versichern heißt verstehen standen 2012 unsere Vermittler im Fokus. Der einheitliche Beratungsprozess, den wir gemeinsam entwickelt haben, berücksichtigt die Bedürfnisse der Kunden umfassend. Wenn unsere Vertriebspartner auf einem einheitlich hohen Niveau beraten und verkaufen, erhalten unsere Kunden den bestmöglichen Schutz für jede Lebenssituation. Ich meine: Man muss kein unabhängiger Berater sein, um Menschen gut zu versichern. Auch unser diesjähriger Kundenbericht wird einen Schwerpunkt darauf legen, wie unsere Vertriebspartner Kunden beraten und betreuen. Für den Vertrieb und für andere Felder beschreibt der Bericht, wie wir unser Markenversprechen umsetzen, und stellt unsere Kunden mit ihren Fragen in den Mittelpunkt. Das positive Echo von vielen auf den ersten ERGO Kundenbericht aus dem Mai 2012 hat uns bestärkt, dass wir mit dieser Haltung auf dem richtigen Weg sind haben wir unsere Kommunikation mit Kunden noch verständlicher gemacht, weitere Schreiben und Versicherungsbedingungen überarbeitet und gekürzt. Ein eigenes Fachgremium sorgt dafür, dass wir verständlich bleiben. Es wird jetzt deutlicher, was wir leisten und was nicht, damit unsere Kunden genau wissen, was sie von uns erwarten können. Das finden wir nur fair, und es beugt Missverständnissen vor. Stolz sind wir auf das TÜV-Siegel Verständliche Kommunikation. Dafür haben wir unsere gesamte Kundenkommunikation der externen Überprüfung durch den TÜV Saarland unterzogen. Zu unserem Verständnis von Versichern heißt verstehen gehört aber auch die Bereitschaft, auf Kritik zu reagieren. Im Sommer 2012 wurde uns vorgeworfen, wir hätten über Fehlverhalten in unseren Vertrieben nicht vollständig berichtet. Auch wenn nicht jeder Vorwurf zutreffend war, haben wir gelernt, dass wir unserem eigenen Anspruch an Transparenz nicht in allen Punkten gerecht geworden sind. Wir haben daher im Oktober 2012

7 Vorwort des Vorstandsvorsitzenden 5 die Prüfungsergebnisse zu Fehlverhalten auf Wettbewerbsreisen und anderen Vertriebsveranstaltungen im Internet veröffentlicht. Und wir haben die Konsequenzen genannt, die wir daraus gezogen haben. So kann sich jeder selbst ein Bild machen. Diese Offenheit wollen wir beibehalten. Unsere Produktwelt richten wir immer stärker an den Erwartungen und Bedürfnissen unserer Kunden aus. Unser neues Unfallschutz-Paket bietet rundum Unterstützung mit vielen Assistenz-Leistungen und individueller Beratung. Bei der Entwicklung haben sich die Kollegen stark an den Erfahrungen von Unfallopfern orientiert. Das honorieren die Menschen: Das neue Angebot kommt bei den Kunden gut an. Und wenn wir merken, dass ein Produkt den Interessen unserer Kunden nicht mehr entspricht, passen wir es an oder nehmen es vom Markt. Im internationalen Geschäft geht unsere Expansion in Asien weiter voran; wir profitieren jetzt zunehmend von unserer jahrelangen Vorarbeit und der Präsenz vor Ort. Nach einer fünfjährigen Vorlaufzeit arbeitet seit dem Frühjahr 2012 ein Team in der chinesischen Provinz Shandong intensiv am Aufbau der ERGO China Life Insurance. Das Gemeinschaftsunternehmen mit der Shandong State -owned Assets Investment Holding Company als starkem lokalem Partner soll, sobald die abschließende behördliche Genehmigung vorliegt, in diesem Jahr den Geschäftsbetrieb aufnehmen. In Indien konnten wir im November 2012 den Aufbau eines Joint Venture für Lebensversicherungen mit dem gut positionierten Mischkonzern Avantha Group vereinbaren eine erfreuliche Ergänzung unserer erfolgreichen Präsenz in der Sachversicherung mit dem Joint Venture HDFC ERGO. Dagegen haben wir uns im schwierigen südkoreanischen Markt von ERGO Daum Direct getrennt. Das sind die Themen, die uns 2012 bewegt haben; an vielen davon werden wir in diesem Jahr weiter arbeiten. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen uns wie unsere Führungskräfte dabei mit ihrer sorgfältigen Arbeit, ihrem Engagement und vielen guten Ideen voran. Unsere kompetenten Vertriebspartner sind mit Leib und Seele für unsere Kunden da. Bei ihnen allen bedanke ich mich herzlich. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam ein solides Fundament für den Erfolg in diesem und den kommenden Jahren gelegt haben. Als Versicherer leben wir stark von dem Vertrauen unserer Kunden. Und wenn Sie fragen, warum wir dieses Vertrauen verdienen, dann sage ich: Weil wir die Kunden in den Mittelpunkt stellen und sie diese Wertschätzung spüren. Weil wir Herausforderungen annehmen und veränderungsbereit sind. Weil wir vorausdenken, soweit es möglich ist, rechtzeitig handeln und aus Fehlern lernen. Wir werden alles dafür tun, uns dieses Vertrauen auch in Zukunft zu verdienen. Ihr

8 6 Bericht des Aufsichtsrats über das Geschäftsjahr 2012 Der Aufsichtsrat hat sich während der Berichtszeit eingehend mit der Lage des Unternehmens befasst. Er hat die Geschäftsführung entsprechend den ihm nach Gesetz und Satzung obliegenden Aufgaben überwacht sowie den Vorstand bei der Leitung des Unternehmens beraten. Ferner waren wir in alle Entscheidungen von grundlegender Bedeutung eingebunden. Der Vorstand unterrichtete uns umfassend und regelmäßig über wichtige Themen. Dazu gehörten die Unternehmensplanung, die Geschäftsentwicklung sowie die aktuelle Lage des Unternehmens. Außerdem beriet er mit uns die Strategie des Unternehmens. Dr. Nikolaus von Bomhard Vorsitzender des Aufsichtsrats der ERGO Versicherungsgruppe AG Im Berichtsjahr fanden drei turnusgemäße und zwei außerordentliche Sitzungen des Aufsichtsrats statt, an denen jeweils fast alle Aufsichtsratsmitglieder teilgenommen haben. Darüber hinaus tagten die verschiedenen Ausschüsse (Ständiger Ausschuss, Prüfungsausschuss und Vorstandsausschuss), über deren Arbeit die Vorsitzenden der jeweiligen Ausschüsse regelmäßig ausführlich in den Plenumssitzungen berichteten und für Fragen zur Verfügung standen. Der Nominierungsausschuss und der Vermittlungsausschuss gem. 27 Abs. 3 MitbestG mussten nicht tagen. Auch zwischen den Sitzungen unterrichtete uns der Vorstand über wichtige Geschäftsvorgänge und bedeutende anstehende Entscheidungen. Des Weiteren habe ich mich als Aufsichts rats vorsitzender regelmäßig mit dem Vorstandsvorsitzenden über die Strategie der ERGO, über das Risiko- und Kapitalmanagement sowie über die aktuelle Entwicklung der Geschäftslage ausgetauscht. Gegenstand dieser Gespräche waren auch die ab Sommer 2012 erneut in der Presse gegen ERGO erhobenen Vorwürfe. Diese waren bereits im Jahr bekannt und danach aufgeklärt worden. Schwerpunkte der Beratungen In der Bilanzsitzung am 20. März 2012 befasste sich der Aufsichtsrat ausführlich mit dem Jahresabschluss und ließ sich über den Stand der Geschäftsentwicklung unterrichten. Außerdem informierte uns der Chief Risk Officer ausführlich über die Risikostrategie und Risikosituation der ERGO. Ferner berichtete der Vorstand, wie ERGO sich auf die Einführung des neuen Aufsichtssystems Solvency II vorbereitet. In der Sitzung am 3. August 2012 erörterten wir die Profitabilität der klassischen Lebensversicherung vor dem Hintergrund der ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen in Deutschland.

9 Bericht des Aufsichtsrats über das Geschäftsjahr Wir ließen uns über die von ERGO geplante neue Produkt linie in der Lebensversicherung informieren, die ab dem Jahr 2013 eingeführt werden soll. Schließlich beriet der Aufsichtsrat in der Sitzung am 4. Dezember 2012 über die Berichte des Vorstands zur Entwicklung und Risiko exponierung der Kapitalanlagen. Weitere Themen waren die Entwicklung in den Geschäftsfeldern Komposit und International. Außerdem nahmen wir den Personal bericht des Arbeits direktors entgegen. In zwei außerordentlichen Sitzungen am 4. Juni und am 30. Oktober 2012 beschäftigte sich der Aufsichtsrat mit den Ergebnissen der Prüfungen zu den in der Presse gegenüber ERGO erhobenen Vorwürfen sowie den vom Vorstand diesbezüglich ergriffenen Maßnahmen. Der Vorstand präsentierte uns dabei die bereits umgesetzten und auch die geplanten Maßnahmen, insbesondere gab er uns auch Informationen zum Thema Transparenz auf der Website der ERGO. Darüber hinaus beriet der Aufsichtsrat in den Sitzungen am 3. August und 4. Dezember 2012 über das Projekt Initiative Zukunft Vertrieb einschließlich der geplanten Neuausrichtung der Vertriebe. Der Ständige Ausschuss hat in seiner Sitzung am 4. Dezember 2012 Beschluss gefasst und den im Rahmen des Projekts vorgesehenen Transaktionen und Maßnahmen der Konzern organisation zugestimmt. Außerdem informierte uns der Vorstand über die Gründung eines Joint Ventures in China zwischen der ERGO Versicherungsgruppe AG und der ERGO Lebensversicherung AG mit einer staatlichen Investmentgesellschaft als lokalem Partner sowie eines Joint Venture für Lebensversicherungen in Indien mit der Avantha Gruppe. Zudem erläuterte er uns den Verkauf der Beteiligung an der ERGO Daum Direkt in Südkorea. Schließlich wurden wir über den Abschluss eines Beherrschungsvertrags zwischen der MunichFinancialGroup GmbH einer 100 %-Tochtergesellschaft der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG und der ERGO Versicherungsgruppe AG unterrichtet. Der Vertrag wurde am 20. November 2012 in das Handelsregister eingetragen und damit wirksam. Neben Beschlüssen zur Verlängerung auslaufender Vorstandsbestellungen befassten wir uns eingehend mit der Vergütung der Vorstandsmitglieder. So fasste das Plenum unter anderem Beschluss über die Auszahlungsbeträge für die variable Vergütung auf Basis der Jahres-Performance für das Geschäftsjahr und für den Mid-Term Incentive Plan Darüber hinaus wurden die Bemessungsgrundlagen und Ziele für die variable Vergütung für das Geschäftsjahr 2012 festgelegt. Des Weiteren haben wir über die Änderung der Vergütungs systematik ab dem 1. Januar 2013 beraten und einen entsprechenden Beschluss gefasst. Auf dieser Grundlage legten wir anschließend die Bemessungs grundlagen und Ziele für die variable Vergütung des Geschäftsjahrs 2013 fest. Corporate Governance Der Aufsichtsrat der ERGO legt großen Wert auf eine gute Corporate Governance. So haben wir im Berichtsjahr die Effizienz unserer Tätigkeit anhand eines Fragebogens eingehend überprüft und uns mit verschiedenen Anregungen zur Verbesserung der Effizienz der Aufsichtsratstätigkeit befasst.

10 Bericht des Aufsichtsrats über das Geschäftsjahr Jahres- und Die KPMG Bayerische Treuhandgesellschaft Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft, München, hat den vom Vorstand aufgestellten Jahresabschluss einschließlich Lagebericht und den einschließlich Konzern lage bericht für das Geschäftsjahr 2012 geprüft und mit uneingeschränkten Bestätigungsvermerken versehen. Der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats hat sich in der Sitzung am 11. März 2013 mit diesen Unterlagen befasst und sie vorab intensiv geprüft. Anschließend haben wir den Jahresabschluss und den, den Lagebericht und den Konzernlagebericht sowie die Berichte des Abschlussprüfers in der Bilanzsitzung, an der auch Vertreter des Abschlussprüfers teilgenommen und eine Stellungnahme abgegeben haben, umfassend erörtert. Wir hatten keine Einwendungen zu erheben. Wir billigten den Jahresabschluss und den für das Jahr Der Jahresabschluss ist damit festgestellt. Den Gewinnverwendungsvorschlag des Vorstands haben wir geprüft und schließen uns ihm an. Veränderungen im Aufsichtsrat Frau Ira Gloe-Semler, Herr Hans-Peter Claußen und Herr Ralph Eisenhauer haben während des Berichtsjahrs bzw. zum Jahresende ihre Mandate niedergelegt. Wir haben ihnen für ihre engagierte und teilweise langjährige Mitarbeit in unserem Gremium unseren Dank ausgesprochen. An ihre Stelle sind als Ersatzmitglieder bzw. im Wege der gerichtlichen Bestellung Frau Martina Scholze, Frau Dr. Anne Horstmann und Herr Volker Kallé in den Aufsichtsrat eingerückt. Dank an Vorstand und Mitarbeiter Der Aufsichtsrat dankt den Mitgliedern des Vorstands und allen Mitarbeitern der Gesellschaft sowie den Belegschaften aller Gesellschaften der ERGO Versicherungsgruppe für ihren großen persönlichen Einsatz in einem Geschäftsjahr, das von vielen Veränderungen und Herausforderungen geprägt war. Düsseldorf, 19. März 2013 Der Aufsichtsrat Dr. Nikolaus von Bomhard Vorsitzender des Aufsichtsrats der ERGO Versicherungsgruppe AG

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12 10 Konzernlagebericht Die ERGO Versicherungsgruppe ERGO ist eine der großen Versicherungsgruppen in Deutschland und Europa. Wir sind weltweit in mehr als 30 Ländern vertreten und konzentrieren uns auf die Regionen Europa und Asien. ERGO bietet ein umfassendes Spektrum an Versicherungen, Vorsorge und Serviceleistungen. Im Heimat - markt Deutschland gehört ERGO über alle Sparten hinweg zu den führenden Anbietern. Rund Menschen ar beiten als angestellte Mitarbeiter oder als hauptberufliche selbstständige Vertriebspartner für unsere Gruppe nahmen wir Beiträge in Höhe von über 18 Mrd. ein und erbrachten für unsere Kunden Versicherungsleistungen von über 17 Mrd.. Unsere Kunden können wählen, welcher Weg zu ERGO für sie der beste ist. Wir haben für jeden den richtigen Vertriebsweg: Selbstständige Vertriebspartner, Mitarbeiter im Direktvertrieb, Makler und starke Kooperationspartner im In- und Ausland sprechen Privat- und Firmenkunden an. Mit der europäischen Großbank UniCredit-Gruppe und weiteren Banken verbinden uns Vertriebspartnerschaften in Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern. ERGO gehört zu Munich Re; die Gruppe ist einer der weltweit führenden Rückversicherer und Risikoträger. Innerhalb der Gruppe ist ERGO der Spezialist für die Erstversicherung, also für die direkte Versicherung von Privat- und Firmenkunden im In- und Ausland. Die Kapitalanlagen der Gruppe von 214 Mrd. von denen 125 Mrd. auf ERGO entfallen betreut ganz überwiegend der gemeinsame Vermögensmanager und Fondsanbieter MEAG. ERGO ist integraler Bestandteil von Munich Re und als solcher im Rahmen der aufsichts- und gesellschaftsrechtlichen Vorgaben in wesentliche Konzernprozesse inte griert, zum Beispiel in den Bereichen Konzernstrategie und geschäftspolitik, Kapital- und Finanzplanung, Risikomanagement, Controlling, Reporting und Rechnungswesen oder allgemein bei wesentlichen Rechtsgeschäften und Maßnahmen. Seit 2012 gibt es einen Beherrschungsvertrag zwischen der MunichFinancialGroup GmbH sie gehört zu 100 % der Münchener Rückversicherung AG und der ERGO Versicherungsgruppe AG. Eine Konzernleitlinie regelt die Verantwortlichkeiten und Kompetenzen zwischen der Konzernführung von Munich Re und ERGO bei maß geb lichen Entscheidungen. Dieser Konzernlagebericht fasst die Geschäftstätigkeit unserer Gruppe zusammen. Er gibt einen Gesamtüberblick über die Entwicklung der ERGO auf den Seiten und geht dabei auch auf die Geschäftsfelder Lebensversicherung Deutschland, Gesundheit, Kompositversicherung Deutschland, Direktversicherung, Reiseversicherung und International ein. Unsere Markenstrategie Im Heimatmarkt Deutschland bieten wir Lebens- sowie Schaden- und Unfallversicherungsprodukte unter der Marke ERGO an. Dieses Angebot wird durch die Spezialversicherer DKV für die Krankenversicherung, D. A. S. für Rechtsschutz und ERV für die Reiseversicherung ergänzt. Im internationalen Geschäft sind wir überwiegend mit der Marke ERGO aktiv und rücken die Marke noch stärker in den Vordergrund. Im Berichtsjahr haben wir Gesellschaften in Österreich, Slowenien, Kroatien und Tschechien umbenannt. Im laufenden Jahr legten wir Gesellschaften in Ungarn und der Slowakei zusammen; die verschmolzenen Unternehmen firmieren nun auch unter der Marke ERGO. Mit unserem Markenauftritt verbinden wir ein klares Versprechen an unsere Kunden: Versichern heißt verstehen. Dieses Versprechen steht für eine konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden in allen Bereichen des Unternehmens. Es umfasst eine bedarfsgerechte Beratung, welche die persönlichen Anliegen des Kunden versteht und aufgreift, genauso wie eine klare und verständliche Kommunikation, innovative Serviceleistungen und die schnelle Unterstützung im Schadenfall. Gleichzeitig arbeiten wir konsequent weiter daran, die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen. Wir laden sie und andere zu Feedback ein und gehen selbstkritisch damit um. So können Verbraucher als Teilnehmer der ERGO Kundenwerkstatt im Internet oder als Mitglied im ERGO Kundenbeirat das Angebot der Gruppe mit ihren Anregungen und Wünschen mitgestalten.

13 Konzernlagebericht Die ERGO Versicherungsgruppe 11 Im Berichtsjahr haben wir den ersten ERGO Kundenbericht veröffentlicht. Viele Anregungen, Ideen und Kritik von V erbrauchern haben uns in Briefen, Gesprächen, s, Feedback-Formularen im Internet oder auf Facebook erreicht. Diese haben wir zu 179 Fragen verdichtet und beantwortet. Der ERGO Kundenanwalt vertritt die Interessen der Kunden im Unternehmen. Er nimmt eine Schlichterfunktion wahr, wenn ein Kunde sich ungerecht behandelt fühlt und nicht weiterkommt. Verbunden mit der Größe und Finanzstärke der Gruppe, macht die starke Kundenorientierung ERGO zu einem nachhaltig zuverlässigen Partner der Kunden. Wie wir steuern und was wir erreichen wollen Wir steuern unser Geschäft konsequent kunden-, serviceund ertragsorientiert. Im Mittelpunkt stehen hierbei eine inte grierte Steuerung der Geschäftsfelder und ihrer Verwaltungsprozesse, ein modernes Risikomanagement, welches auch die Aktiv-Passiv-Steuerung umfasst, sowie die wertund risikoorientierte Steuerung aller geschäftlichen Aktivitäten. Unsere Aktivitäten umfassen verschiedene Geschäftsmodelle in allen Formen der Lebens-, Renten- und Krankenversicherung und nahezu sämtlichen Zweigen der Schaden- und Unfallversicherung sowie der Rechtsschutzversicherung. Den Rahmen für jegliche Geschäftstätigkeit bildet unsere aus der Geschäftsstrategie abgeleitete Risikostrategie, aus der ein dichtes Netz von Limitierungen und Meldeschwellen resultiert. Neben wertbasierten Größen beachten wir bei der Steuerung unseres Geschäfts eine Vielzahl wichtiger Nebenbedingungen. Dazu gehören Regelungen örtlicher Rechnungslegungssysteme, steuerliche Aspekte, Liquiditätsanforderungen sowie aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen. Folgende Aspekte prägen unsere wertorientierte Unternehmensführung: Geschäftliche Aktivitäten werden nicht einseitig nach ihrem Ertragspotenzial beurteilt, sondern auch nach dem Ausmaß der eingegangenen Risiken, das für die Höhe der Wertschaffung ebenfalls maßgeblich ist. Daher haben wir hohe Qualitätsstandards für Underwriting, Pricing, Kumulkontrolle und Schadenmanagement implementiert. Erst die Rendite-Risiko-Beziehung gibt Aufschluss darüber, ob eine Aktivität aus Aktionärssicht vorteilhaft ist. Mit wertorientierten Steuerungsgrößen sichern wir die ökonomische Betrachtungsweise sowie die notwendige Vergleichbarkeit alternativer Initiativen und priorisieren diese. Strategie und operative Planung werden eng mit einander verknüpft. Kompositversicherung: Schaden /Kostenquote und Economic Earnings Wertorientierte Unternehmensführung Unser Ziel ist es, Risiken in all ihren Facetten zu erfassen, zu bewerten, zu diversifizieren und so nachhaltig Wert für unsere Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter zu schaffen. Unseren Unternehmenswert nachhaltig zu steigern, ist maßgebliche Richtschnur unseres unternehmerischen Denkens und Handelns. Dazu gehört auch unser aktives Kapital management. Wir leben dieses Ziel vor allem dadurch, dass wir konsequent wertorientierte Steuerungssysteme einsetzen und diese laufend weiterentwickeln. Für die Frage, ob wir in einer Periode Werte geschaffen haben oder nicht, ist die ökonomische Ergebnisgröße Economic Earnings maßgeblich. Die Economic Earnings berücksichtigen zum Beispiel die Kosten des eingesetzten Risiko kapitals sowie den langfristigen Charakter des Geschäfts. Sie entsprechen der Veränderung des ökonomischen Eigenkapitals in einer Periode. In der Kompositversicherung und anderen Sparten, die überwiegend durch eine kurzfristige Geschäftsabwicklung gekennzeichnet sind, betrachten wir im Wesentlichen zwei Größen: Die Schaden /Kostenquote und die Economic Earnings. Die Schaden /Kostenquote bezeichnet dabei das prozentuale Verhältnis der Summe aus Leistungen an Kunden (netto) und Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb (netto) zu den verdienten Beiträgen (netto). Bei der Interpretation der Schaden /Kostenquote sind die besonderen Umstände des einzelnen Versicherungszweigs zu berücksichtigen. Von erheblicher Bedeutung ist unter anderem, wie sich das Portfolio zusammensetzt und wie stark die Schadenbelastung im Zeitablauf schwankt. Bedeutsam ist die Zeitspanne zwischen dem Eingang der Beiträge und der Schadenzahlung. Je länger diese Zeitspanne ist, desto länger können die eingenommenen Prämien auf dem Kapitalmarkt angelegt werden.

14 Konzernlagebericht Die ERGO Versicherungsgruppe 12 So stehen höheren Schaden /Kostenquoten in Sparten mit einer vergleichsweise späten Schadenmeldung und langen Schadenabwicklung (zum Beispiel Haftpflicht) regelmäßig höhere Ergebnisse aus Kapitalanlagen gegenüber, mit denen die Schadenrückstellungen bedeckt sind. Diese Erträge spiegeln sich in der Schaden /Kostenquote nicht wider. Deshalb möchten wir die Schaden /Kostenquote zwar so niedrig wie möglich halten; isoliert betrachtet ist sie für uns jedoch keine hinreichend aussagefähige Zielgröße. Maßgeblich ist stattdessen die ökonomische Wertschaffung, die sich mit der Schaden /Kostenquote allein nicht sinnvoll abbilden lässt. Die ökonomische Wertschaffung ermitteln wir intern weitgehend im Einklang mit dem künftigen Aufsichtsregime Solvency II über die Economic Earnings. Sie messen die Wertschaffung nicht nur auf der Basis aktueller und prognostizierter Gewinne, sondern auch unter Berücksichtigung der Höhe der dabei eingegangenen Risiken. Ausgangspunkt für die Ermittlung der Economic Earnings ist die Veränderung des ökonomischen Eigenkapitals einer Periode. Bestimmende Größen sind im Wesentlichen das IFRS-Ergebnis, die Veränderung der bilanziellen und außerbilanziellen Reserven auf der Aktiv- und Passivseite sowie die Risiko kapitalkosten für die eingegangenen Risiken. Die Veränderung des ökonomischen Eigenkapitals wird um Kapitalmaßnahmen wie zum Beispiel Dividenden angepasst. Weitere Anpassungen betreffen die Veränderung von Positionen, die nicht in den ökonomischen Eigen mitteln enthalten sind, aber dennoch Einfluss auf die ökonomische Wertschaffung besitzen. Ein Beispiel dafür ist der Aufbau eines Geschäfts- oder Firmenwertes in Folge einer Akquisition. Leben und Gesundheit: Market Consistent Embedded Value Die Produkte der Lebens- und Krankenversicherung sind geprägt durch ihre Langfristigkeit und den über die Gesamtlaufzeit der Verträge verteilten Ergebnisausweis. Derartig lang laufende Geschäftsportfolios, deren Erfolg sich nicht sinnvoll in einer Einjahressicht messen lässt, bewerten wir auf der Grundlage der European Insurance CFO Forum Market Consistent Embedded Value (MCEV) Principles ; diese wurden vom CFO-Forum in ihrer aktu ellen Fassung im Oktober 2009 veröffentlicht. Der MCEV setzt sich zusammen aus dem im Unter nehmen vorhandenen Eigenkapital und dem sogenannten Bestandswert. Letzterer ist der Barwert der nach finanz- und versicherungsmathematischen Grundsätzen berechneten zukünftigen Nettoerträge aus dem Versicherungsbestand und den damit verbundenen Kapitalanlagen unter Berücksichtigung des Zeitwerts der finanziellen Optionen und Garantien sowie der explizit berechneten Kapitalkosten. Der MCEV bezieht sich dabei auf das zum Bewertungsstichtag vorhandene Portefeuille. Er bildet mehr als 97 % unseres Lebens- und langfristigen Krankenversicherungsgeschäfts ab. Der Wert des zukünftigen Neugeschäfts wird hingegen nicht berücksichtigt. Allerdings erfolgt die Bewertung unter der Annahme, dass die Geschäftstätigkeit fortgeführt wird. Optionen und Garantien vor allem die der Versicherungsnehmer bewerten wir explizit über stochastische Simulationen. Im MCEV wird der Barwert aller Zahlungsströme für alle maßgeblichen Währungsräume auf der Basis der Swap-Zinsen und der impliziten Volatilitäten zum Bewertungsstichtag 31. Dezember 2012 bestimmt. Die Bewertung von Vermögensgegenständen, die auf dem Kapitalmarkt gehandelt werden, fußt auf den zum Bewertungsstichtag beobachteten Marktwerten. Die Entwicklung des Versicherungsbestands modellieren wir unter Berücksichtigung der aktuellen Erwartungen für Biometrie zum Beispiel Sterblichkeit und Morbidität, Storno und Kosten. Die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Überschüssen modellieren wir gemäß der aktuellen Planung und im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und beziehen sie damit in die Bewertung ein. Für die jeweiligen Einzelgesellschaften verwenden wir Steuersätze und Bemessungsgrundlagen, die den nationalen Vorschriften entsprechen; ebenso berücksichtigen wir steuerliche Verlustvorträge bei der Kalkulation. Die Kapitalkosten umfassen im Wesentlichen Kosten für die nicht explizit modellierten Risiken des Geschäfts. Die Änderung des MCEV innerhalb eines Jahres ohne die Effekte aus Währungskursschwankungen, Unternehmenskäufen oder verkäufen sowie Ausschüttungen bzw. Kapitaleinschüssen weisen wir als Embedded-Value-Gesamtertrag aus. Diesen verwenden wir unter der Bezeichnung Economic Earnings für die Steuerung in der Lebens- und Krankenversicherung. Bereinigt man den Embedded-Value- Gesamtertrag zusätzlich um Einflüsse aus Änderungen der kapitalmarktbezogenen Rahmenbedingungen, wie z. B. die Veränderungen im Zinssatz, spricht man vom operativen Embedded-Value-Ertrag: Er ist das Maß für den Erfolg der operativen Geschäftstätigkeit eines Jahres.

15 Konzernlagebericht Die ERGO Versicherungsgruppe 13 Steuerung der Kapitalanlagen Nichtfinanzielle Steuerungsgrößen Das Asset Liability Management steht im Mittelpunkt unserer Kapitalanlagestrategie. Wir berücksichtigen dabei wichtige Eigenschaften von versicherungstechnischen und anderen Verpflichtungen bei der Zusammenstellung unseres Kapitalanlageportfolios und messen die Risiken aus der Kapitalanlage nicht nur absolut, sondern auch in Relation zu Wertänderungen bei den Verpflichtungen. Die Veränderung volkswirtschaftlicher Faktoren soll dabei den Wert unserer Kapitalanlagen ähnlich beeinflussen wie den Wert der versicherungstechnischen Rückstellungen und Verbindlichkeiten. Dies verringert unsere Anfälligkeit gegenüber Schwankungen auf den Kapitalmärkten und stabilisiert unser Eigenkapital. Hierzu spiegeln wir wichtige Eigenschaften der Verpflichtungen wie Laufzeit- und Währungsstrukturen, aber auch Inflationssensitivitäten auf die Kapitalanlageseite, indem wir nach Möglichkeit Investments erwerben, die ähnlich reagieren. In Bezug auf die Währungspositionierung wirken sich somit Wechselkursschwankungen gleichermaßen auf Vermögenswerte wie Verbindlichkeiten aus. Verluste aus der Währungsumrechnung von Kapitalanlagen werden durch Gewinne aus der Umrechnung der versicherungstechnischen Verbindlichkeiten ökonomisch weitgehend ausgeglichen. Abweichungen gegenüber der Struktur unserer Verpflichtungen gehen wir in diesem Ansatz immer bewusst und unter Beachtung der Risikotragfähigkeit und der erzielbaren Risikoprämie ein. In einem beschränkten Ausmaß richten wir unser Kapitalanlageportfolio auch so aus, dass es bei steigenden Inflationsraten an Wert gewinnt. Hierbei investieren wir in inflationssensitive Anlageklassen wie Inflationsanleihen und swaps sowie Sachwerte. Neben diesen rein finanziellen Steuerungsgrößen spielen auch nichtfinanzielle Faktoren eine Rolle, etwa Innovationen, Prozessgeschwindigkeit, Ausbildungsstand der Mitarbeiter sowie Kundenzufriedenheit, Vertriebsservice und Produktivität. Langfristig kann ein Unternehmen nur erfolgreich sein, wenn es nachhaltig wirtschaftet und zukunftsgerichteten qualitativen Faktoren ebenfalls Rechnung trägt. Deswegen orientieren wir uns im Rahmen unserer strategischen Steuerung an den fünf Zielgruppen Kunde, Vertriebspartner, Mitarbeiter, Gesellschaft und Kapitalgeber. Das unternehmerische Denken und Handeln im Unternehmen fördern wir, indem wir Verantwortlichkeiten eindeutig zuweisen und dadurch deutlich machen, wie viel der Einzelne, eine Einheit oder ein Geschäftsfeld zur Wertsteigerung beitragen. Daher unterstützen auch unsere Anreizsysteme für den Vorstand und die Führungskräfte die klare Ausrichtung auf die Wertschaffung: Je höher ein Geschäftsleitungsmitglied oder eine Führungskraft in der Managementhierarchie angesiedelt ist, desto stärker hängt seine Vergütung vom Erfolg ab. Vorstände und Leitende der ERGO Versicherungsgruppe sind auf die Economic Earnings verzielt. Darüber hinaus ist der Kundenzufriedenheitsindex Net Promotor Score eine wichtige Steuerungsgröße für ERGO, die bis in die Verzielung und Bonifizierung der Vorstandsmitglieder reicht. Um das ökonomische Asset Liability Management so wirkungsvoll wie möglich zu gestalten, setzen wir auch deri vative Finanzinstrumente ein, um uns gegen Schwan kungen an den Zins-, Aktien- und Währungsmärkten abzusichern. Diese erfassen wir in der IFRS-Rechnungslegung ergeb nis wirksam, also als Aufwand und Ertrag in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Eine solche ergebniswirksame Erfassung ist bei den zugehörigen Grund geschäften jedoch nicht gegeben. Diese Unein heitlich keiten sowie weitere Unterschiede zwischen ökonomischer und bilanzieller Sicht können insbesondere in Zeiten mit erhöhter Volatilität an den Kapitalmärkten zu starken Aus schlägen im IFRS-Kapitalanlagen-, Währungsbzw. Konzern ergebnis führen, trotz unseres ökonomisch gut aus balancierten Versicherungs- und Kapitalanlageportfolios. Im Konzernanhang erläutern wir die derivativen Finanzinstrumente unter [6l].

16 14 Konzernlagebericht Die ERGO Versicherungsgruppe Gesellschaftsorgane Aufsichtsrat Dr. Nikolaus von Bomhard, Vorsitzender Vorsitzender des Vorstands der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG Michael David, stellv. Vorsitzender Versicherungsangestellter Dr. Christine Bortenlänger Geschäftsführender Vorstand beim Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt Hans-Peter Claußen, bis Versicherungsangestellter Ralph Eisenhauer, bis Leitender Angestellter Frank Fassin Landesfachbereichsleiter Finanzdienstleistungen der ver.di NRW Prof. Dr. Nadine Gatzert Inhaberin des Lehrstuhls für Versicherungswirtschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Ira Gloe-Semler, bis Gewerkschaftssekretärin ver.di Dr. Heiner Hasford Mitglied des Vorstands der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG i. R. Dieter Herzog Versicherungsangestellter Dr. Anne Horstmann, seit Versicherungsangestellte Dr. Lothar Meyer Vorsitzender des Vorstands der ERGO Versicherungsgruppe AG i. R. Dr. Markus Miele Geschäftsführender Gesellschafter der Miele & Cie. KG Silvia Müller Versicherungsangestellte Marco Nörenberg Versicherungsangestellter Bernd Otten Leiter Corporate Office der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen Direktor des Instituts für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Martina Scholze, seit Gewerkschaftssekretärin im Bereich Finanzdienstleistungen der ver.di Richard Sommer ehem. Leiter der Bundesfachgruppe Versicherungen der ver.di Dr. Theodor Weimer Sprecher des Vorstands der UniCredit Bank AG Heinz Wink IT-Angestellter Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst Geschäftsführer der WB Consult GmbH Volker Kallé, seit Leitender Angestellter

17 Konzernlagebericht Die ERGO Versicherungsgruppe Gesellschaftsorgane 15 Prüfungsausschuss Dr. Heiner Hasford Dr. Theodor Weimer Heinz Wink Vorstandsausschuss Dr. Nikolaus von Bomhard Hans-Peter Claußen, bis Dieter Herzog, seit Dr. Markus Miele Nominierungsausschuss Dr. Nikolaus von Bomhard Dr. Lothar Meyer Dr. Markus Miele Ständiger Ausschuss Dr. Nikolaus von Bomhard Michael David Dr. Lothar Meyer Dr. Markus Miele Marco Nörenberg Vermittlungsausschuss Dr. Nikolaus von Bomhard Michael David Dr. Heiner Hasford Richard Sommer Vorstand Dr. Torsten Oletzky, Vorsitzender Konzernentwicklung Kommunikation Kundenanwalt Recht, Compliance Revision Dr. Bettina Anders IT Inland sowie übergreifende Grundsatzfragen, Kundenservice, Betriebsorganisation Dr. Daniel von Borries Finanzen und Kapitalanlagen Lebensversicherungsgeschäft im Inland MEAG / ERGO-Schnittstelle Christian Diedrich Kompositversicherungsgeschäft (Schaden / Unfall / Rechtsschutz) im Inland Dr. Ulf Mainzer, Arbeitsdirektor Personal Inland sowie übergreifende Grundsatzfragen Allgemeine Dienste, Gebäudemanagement, Materialwirtschaft / Einkauf und Logistik im Inland Dr. Jochen Messemer Internationales Geschäft (außer Reiseversicherung) Dr. Clemens Muth Geschäftsfeld Gesundheit inklusive Reiseversicherung im In- und Ausland Dr. Rolf Wiswesser Vertriebe Inland, Kompetenz-Center Bankvertrieb Inland, Marketing, Markenfragen Dr. Christoph Jurecka Rechnungswesen, Steuern, Planung und Controlling, Risikomanagement

18 16 Konzernlagebericht Rahmenbedingungen Mehrere langfristig wirkende globale Trends bestimmen das Umfeld unserer Geschäftstätigkeit. Der demografische Wandel sorgt für grundlegende Veränderungen. Er stellt besonders in den Industrieländern die Sozialversicherungsund Gesundheitssysteme vor enorme Herausforderungen. Umlagefinanzierte Systeme staatlicher Sozialversicherung sind mit der steigenden Lebenserwartung belastet. Dazu kommen sinkende Geburtenraten. Die Europäer können ihre Altersversorgung und hochwertige medizinische Versorgung daher mittelfristig nur sicherstellen, wenn sie zusätzlich privat vorsorgen. Daraus ergibt sich eine große Chance für die private Versicherungswirtschaft. Demgegen über gefährdet das anhaltend niedrige Zinsniveau den Erfolg der langfristigen Sparprozesse. In den Entwicklungs- und Schwellenländern wächst die Bevölkerung rasch. Gleichzeitig steigt der Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten. Dabei gewinnen besonders die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens global an Bedeutung. Das ökonomische und auch geopolitische Gewicht der heutigen Industrieländer nimmt dagegen relativ betrachtet ab. Weltweite Wirtschaftsverflechtungen, technischer Fortschritt und Digitalisierung beschleunigen die globale Vernetzung von Kapitalströmen und Lieferketten. Dies erhöht die Komplexität der Weltwirtschaft. In diesem Umfeld beobachten wir eine steigende Anzahl von versicherungsrelevanten Großereignissen. Die versicherten Schäden steigen im Verhältnis zur wirtschaftlichen Aktivität überproportional. Wir glauben, dass neben fortschreitender Urbanisierung und Konzentration von Werten in exponierten Regionen auch der Klimawandel daran einen Anteil hat. So entstehen neue Risikopotenziale und Kumulgefahren. Sie machen eine ständige Weiterentwicklung der Versicherungstechnik unerlässlich. Unternehmen wie ERGO, die im Risikomanagement zu den Führenden gehören, können die Chancen nutzen, die sich aus diesen globalen Trends ergeben. Mit unserem ausgeprägten Risikobewusstsein können wir uns auch in einem komplexen und volatilen Umfeld behaupten. Gesamtwirtschaftliche Entwicklung Das Wachstum der Weltwirtschaft schwächte sich 2012 ein weiteres Jahr in Folge ab. Hauptgrund dafür war die weiterhin schwelende Staatsschulden- und Bankenkrise im Euroraum. Die Eurozone insgesamt war bereits Ende in eine Rezession geraten. Aus ihr konnte sie sich im Laufe des Berichtszeitraumes nicht befreien. Die ergriffenen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung wirkten dämpfend auf das Wachstum. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote weiter an und erreichte ein Rekordniveau. Das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft verlangsamte sich deutlich. Dies lag unter anderem an der nachlassenden globalen Exportnachfrage. Auch die Konjunktur in Japan schwächte sich im Jahresverlauf ab. Das moderate Wirtschaftswachstum der USA wirkte indes als Stütze der globalen Konjunktur. Die Konjunktur in Deutschland schien zu Beginn des Jahres noch kaum von der Krise der Eurozone beeinträchtigt. Sie kam aber in der zweiten Jahreshälfte ins Stocken. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stieg im Jahr 2012 preisbereinigt nur um 0,7 % (vorläufige Schätzung des Statistischen Bundesamtes vom 15. Januar 2013). Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelte sich dennoch weiter positiv: Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 6,8 %. Die Teuerungsrate der Verbraucherpreise in Deutschland lag im Jahresdurchschnitt 2012 bei 2,0 %. Kapitalmarktentwicklung Politische Ereignisse insbesondere in der Europäischen Währungsunion und die Maßnahmen der Zentralbanken trieben die Entwicklung an den Kapitalmärkten. Sie waren auch für starke Schwankungen verantwortlich. Zeiten von großer Nachfrage nach risikobehafteten Wertpapieren wechselten sich mit Phasen von Risikoaversion ab. Insgesamt waren die Trends für die meisten Anlageklassen positiv. Die per saldo positive Kapitalmarktentwicklung für nahezu alle Wertpapiergattungen im Kalenderjahr 2012 täuscht über die deutlichen Schwankungen hinweg, die das Jahr

19 Konzernlagebericht Rahmenbedingungen 17 prägten. Dominanter Treiber für die Schwankungen an den internationalen Märkten war die anhaltende Staatsschuldenkrise in der Eurozone. Zu Beginn des Jahres konnten einige Staats anleihen der euro päischen Peripherie länder deutliche Kursgewinne verzeichnen. Dies führen wir auf die großzügige Liqui ditäts bereit stellung der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück. Auch risiko behaftete Wertpapiere wie Aktien profitierten davon stark. Jedoch verschärfte sich die Krise im zweiten Quartal wieder. Gründe waren die Unsicherheit über den Ausgang der griechischen Parlamentswahlen, die Korrektur der spanischen Defizitziele und die Diskussionen über einen mög lichen Euro- Austritt einzelner Länder. In der Folge erreichten die Renditen der meisten sogenannten Safe Haven -Anleihen neue Tiefststände. Die Pläne zur Einrichtung einer Bankenunion in der Eurozone und die An kün digung der EZB, gegebenenfalls kurz laufende Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer unbegrenzt aufzukaufen, sorgten im zweiten Halbjahr wieder für niedrigere Renditen bei Peripherie anleihen und eine deutliche Erholung am Aktienmarkt. Insgesamt war 2012 ein positives Jahr für Aktien. So wuchs der Preis index Euro Stoxx 50 um 13,8 %. Der Performance-Index DAX erzielte sogar einen Anstieg von 29,1 %. unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen nicht mehr berücksichtigen. Diese Regelung gilt für Verträge, die seit dem 21. Dezember 2012 abgeschlossen werden. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung beeinflusst die Beitragsentwicklung in der Assekuranz stark. Dies gilt insbesondere für die Kompositversicherung. Bei der Marktentwicklung der Lebens- und Krankenversicherung spielen außerdem Einflüsse der Kapitalmärkte und Veränderungen im rechtlichen und steuerlichen Umfeld eine bedeutende Rolle. Für die europäischen Versicherungsmärkte gibt es daher sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen. In den folgenden Abschnitten gehen wir, unserem Geschäftsschwerpunkt folgend, etwas detaillierter auf die Entwicklungen in unserem Heimatmarkt Deutschland ein stiegen die Beiträge der deutschen Versicherungswirtschaft insgesamt um 1,5 %; hier und im Folgenden beruhen die Angaben auf vorläufigen Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft bzw. des Verbands der privaten Krankenversicherer. Die Marktzahlen basieren auf Bruttozahlen nach deutschem Handelsrecht (HGB). Sie sind daher mit Werten nach IFRS oder Werten nach Rückversicherung nicht ohne Weiteres vergleichbar. Dennoch blieb die Nachfrage nach als sicher eingestuften Wertpapieren wie deutschen Staatsanleihen anhaltend hoch. Die ohnehin sehr niedrige Rendite 10 jähriger Bundesanleihen lag am Jahresende rund 50 Basispunkte tiefer bei nur noch 1,3 %. Diese Bewegung des Zinsniveaus ermöglichte an den Rentenmärkten zum Teil deutliche Kursgewinne. Auch außerhalb der Eurozone setzen die meisten Notenbanken ihre Lockerung der Geldpolitik aufgrund des global schwachen Wachstumsumfelds fort. Die amerikanische Notenbank Fed verkündete ein weiteres Anleihekaufprogramm. Dieses soll erst bei einer substanziellen Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt beendet werden. Die Entwicklung der Versicherungswirtschaft Ende 2012 führten die Versicherungsunternehmen in diversen EU-Ländern die sogenannten Unisex-Tarife ein. Dabei wird das Geschlecht bei der Kalkulation von Prämien und Leistungen nicht mehr als Merkmal zur Risikodifferenzierung herangezogen. Der Auslöser war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr. Das Gericht sah in den unterschiedlichen Beiträgen für Frauen und Männer eine unzulässige Diskriminierung. Beispielsweise dürfen Lebensversicherer bei ihren Produkten eine beobachtete Die Lebensversicherung im Jahr 2012 Die deutsche Lebensversicherung (einschließlich Pensionskassen und Pensionsfonds) stand im Geschäftsjahr 2012 weiterhin im Zeichen der schwierigen Bedingungen an den Kapitalmärkten. Die lang anhaltende Phase niedriger Zinsen hat branchenweit zu rückläufigen Zinsversprechen geführt. Das hat sich vor allem auf das Geschäft mit Einmalbeitrag ausgewirkt. Auch das Neugeschäft gegen laufenden Beitrag war niedriger als im Vorjahr. Die verbreitete wirtschaftliche Unsicherheit lässt die Kunden bei langfristigen Bindungen Zurückhaltung üben. Das gesamte Neugeschäft ging im Markt um 2 % zurück. Für die Kunden steht Sicherheit bei der privaten Altersvorsorge an erster Stelle. Deshalb waren ihnen Garantiekomponenten besonders wichtig. Zudem verzeichneten Versicherungen gegen die finanziellen Auswirkungen von Berufsunfähigkeit sowie Pflegebedürftigkeit einen spürbaren Anstieg. Die gesamten Beitragseinnahmen der Branche stiegen leicht um 0,8 % auf 83,8 (83,2) Mrd.. Das lag an den geringeren Abläufen; im Vorjahr hatte es eine hohe Zahl an planmäßigen Abläufen gegeben. Viele Verträge stammten aus dem Jahr Sie waren aufgrund damaliger Steuerreformpläne abgeschlossen worden. Die Auszahlungen an die Lebensversicherungskunden gingen dementsprechend auf 75 (85) Mrd. zurück.

20 Konzernlagebericht Rahmenbedingungen 18 Im Berichtsjahr erklärte der deutsche Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen gegen verschiedene Lebensversicherer bestimmte Versicherungsbedingungen für unwirksam. Diese Bedingungen betrafen Rückkaufswerte, Stornoabzug und die Verrechnung von Abschlusskosten. Sie waren im Neugeschäft der Jahre 2002 bis 2007 verwendet worden. Im Hinblick auf die Stornoabzugsklauseln dürften auch Tarifgenerationen ab 2008 von dem Urteil betroffen sein. Die private Krankenversicherung im Jahr 2012 Der Anteil der privaten Krankenversicherung am gesamten Krankenversicherungsmarkt hat sich im Jahr 2012 in einem schwierigen Marktumfeld stabilisiert. Sie erreichte nach ersten vorläufigen Prognosen ein Beitragswachstum von 3,4 % auf insgesamt 35,9 (34,7) Mrd.. Die Versicherungsleistungen der PKV einschließlich der Schadenregulierungskosten stiegen um voraussichtlich rund 4,8 % auf 23,9 (22,8) Mrd.. Das Gesetz zur Novellierung des Finanzanlagenvermittlerund Vermögensrechts enthält eine Begrenzung der Vermitt lerprovisionen und eine Verlängerung der Storno haftungszeiten. Beides gilt seit dem 1. April Außerdem zahlen die Grundsicherungsträger seitdem die Beiträge für Hilfebedürftige direkt an das jeweilige Unternehmen der privaten Krankenversicherung. Im Gegenzug haben sich die PKV-Unternehmen im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Zulässigkeit bereit erklärt, auf die im Umfang der gesetzlichen Deckungslücke bis zum 31. Januar 2012 entstandenen Beitragsforderungen zu verzichten. Die Kompositversicherung im Jahr 2012 Da sich die wirtschaftliche Lage der privaten Haushalte und der Unternehmen weiterhin gut entwickelt, verzeichnete die Schaden- und Unfallversicherung im Jahr 2012 einen kräftigen Anstieg der Prämien. Sie legten um 3,7 % auf 58,7 (56,6) Mrd. zu. Hierzu trugen erneut alle Sparten bei. Allerdings lag dies mehr an Beitragserhöhungen und Anpassungsklauseln als an einer höheren Anzahl an versicherten Risiken. Die Kraftfahrtversicherung wuchs mit 5,1 % sehr erfreulich; von technischen Gewinnen ist sie allerdings immer noch ein Stück entfernt. Unterdurchschnittlich wuchsen die Haftpflichtversicherung (+ 2,0 %), die Rechtsschutzversicherung (+ 1,5 %) und die Unfall versicherung (+ 1,0 %). Die Transport- und Luftfahrtversicherung verzeichnete um 3,5 % höhere Beitragseinnahmen, die Sachversicherungssparten wuchsen um 4,3 %. Der Anstieg der Schadenaufwendungen entsprach der Beitrags entwicklung. Einerseits waren 2012 weniger Elementar schadenereignisse zu verzeichnen als im Vorjahr. Andererseits gab es strengen Frost im Februar und eine Vielzahl von Großschäden. Eine Explosion in einem Chemiewerk war der bislang größte versicherte Einzelschaden in Deutschland. Die Schaden /Kostenquote dürfte im Markt nahezu unverändert bei 98 % liegen.

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