Thema: Sicherheit 01/10. FORUM Junge Anwaltschaft im DeutschenAnwaltverein

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1 G Anwalt der Anwälte 01/10 FORUM Junge Anwaltschaft im DeutschenAnwaltverein Thema: Sicherheit 15 JUBILÄUM Jahre FORUM Junge Anwaltschaft Kennenlernen! 15 Anwälte im Porträt Der Zankbär das System der Prozessfinanzierung Versicherung aber richtig + Checkliste Abmahnanwälte in der Klemme Tötungsabsicht nur bei Ansitz FORUM Junge Anwaltschaft

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3 Editorial Tresore, Freiheit, Sicherheit Foto: hljdesign_fotolia.com Sicherheit ist ein hohes Gut, dessen Stellenwert man heutzutage vor allem an der Tiefe der Ein - schnitte ablesen kann, die die Allgemeinheit zu seinem Erhalt bereitwillig in Kauf nimmt. Krieg, Terror und Verschwörung lassen sich me - dial gut vermarkten und begegnen uns überall rund um die Uhr. Und nachdem sich die Be dro - hung durch Datenklau und Internetbetrug auch noch anschickt, in unsere Wohnzimmer vorzu - dringen, stoßen die Forderungen nach wei teren Einschränkungen immer noch auf offene Ohren. Mit dem sensiblen Verhältnis von Freiheit und Sicherheit befasst sich der Beitrag Sicher heit./. Freiheit. Aber auch im Kleinen begegnet uns ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit, gerade auch in den von den Mandanten an uns herangetragenen Erwar - tungen, wo bei sich der Artikel Papier gegen Gewalt mit dem besonderen Sicherheitsbedürfnis von Op - fern körper licher Gewalt auseinandersetzt. Doch auch Otto-Normal-Mandant fordert von uns sichere Prognosen zur Durchsetzbarkeit von An - sprüchen und möglichst Garantien zum Ausgang des Verfahrens. Falls wir wirklich mal gezwungen sind, mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten, so soll - ten diese doch bitteschön wenigstens an Sicherheit grenzen. Damit wir zukünftig kompetent auf die Möglichkeit der Prozessfinanzierung eingehen kön - nen, schildert uns der Artikel Wie viel verdient ein Eisbär? anhand der Geschichte des berühmten Eisbären Knut anschaulich, wie Prozessfinanzierung tatsächlich funktioniert. Bei dem allgegenwärtigen Verlangen nach Vollkas - ko absicherung verwundert es nicht, dass auch wir als Anwälte ein Bedürfnis nach Sicherheit in uns tragen, welchem sich weitere Artikel dieser Ausgabe widmen. Dabei geht es im Beitrag Von Blockschloss bis Scharfschalteinrichtung um Sicherheit im tech - nischen Sinne, während sich der Titel Haben oder Nichthaben mit der notwendigen Absicherung be - ruflicher und privater Risiken durch die Auswahl der richtigen Versicherung befasst. Zudem wird uns der richtige Umgang mit der eigenen Vermögens scha - denshaftpflichtversicherung Im Fall des Falles er - läutert. Abgerundet wird dieses Heft mit einer aus dem Leben gegriffenen Darstellung der beruflichen Tätigkeit eines Junganwalts unter dem Stichwort Selbstständig angestellt. Einen weiteren Hinweis verdienen die Ereignisse, die ihre Schatten voraus und damit auch auf dieses Heft werfen: Da wäre zunächst der jährlich an Christi Himmel - fahrt stattfindende DAT, der dieses Jahr in Aachen gastiert und auf welchem das FORUM wieder mit eigenen Beiträgen und einem Referenten aus unseren Reihen vertreten ist. Anfang Juni steht uns dann ein ganz besonderer Event ins Haus: die Feier zum 15-jährigen Jubiläum des FORUMs, die wir mit Euch in Berlin angemessen begehen wollen. Zu beiden Ereignissen laden wir Euch schon jetzt recht herzlich ein und freuen uns auf Euer zahl - reiches Kommen. Das Programm verspricht wert - volle Fortbildung, nette Kontakte, ausgelassene Stimmung und anregende Gespräche. Mehr dazu in der Nachlese in der nächsten Ausgabe. Mit Sicherheit. Eure RAin Carolin Ott AdVoice Redaktionsteam RA Tobias Sommer, Berlin Chefredakteur RAin Anke Schiller-Mönch, Weimar Redaktion und Autorin RA Patrick Ruppert, Köln Redaktion und Autor RA Percy Ehlert, Berlin Redaktion und Autor Journalistin Stefanie Salzmann, Eschwege Zentralredaktion RA Jens Jenau Schloß Holte-Stukenbrock Bücherforum Andrea Vollmer, Berlin Fotografin und Bildredaktion ADVOICE 01/10 1

4 Inhalt Thema: Sicherheit Magazin 4 Sicherheit contra Freiheit Gegensatz oder Bedingung 19 Knastbedingungen Sicherheit und Alltag in Santa Fu 32 Abmahnanwälte in der Klemme Gerichte stoppen Wildwuchs 6 Bye, bye Jürgen ist jetzt Honorar aber sicher! Kosten gleich klären 34 Ergonomie ohne Budget-Reue Gesund und preiswert arbeiten 8 Versicherungen Für Gründer und Fortgeschrittene 24 Einbruchmeldetechnik Highend und scharf 35 Domainpfändung Wertvolle Internetdomains 10 Gut und günstig 75% Rabatt für Berufshaftpflicht 25 Panzerschränke Welcher Tresor passt zu wem? 36 Tötungsabsicht beim Ansitz Anwälte und ihre Reviere 11 Im Fall des Falles Wenn der Versicherer tätig wird 26 Die Kunst des Vertrags Ein mühsames Geschäft 37 Nur eine Frage der Ehre? Anwaltliche Etikette 12 Fest oder frei Erfahrungsbericht über Für und Wider 27 Überholen ohne anzustehen Eintrittskarte Anwaltsausweis 38 Gesunder Bürodschungel Tipps für Monstera und Co 14 Was verdient ein Eisbär? Wer bezahlt Streit um Knut? 28 Sicher bei Gericht Sieben Regeln für den Auftritt 40 Haftungsvermeidung Der sicherste Weg 15 Recht haben und bekommen Zum System der Prozessfinanzierung 29 Sicherheit in Zahlen Statistik en masse 16 Nische Versicherungsrecht Chance für junge Anwälte 30 ARGE Versicherungsrecht Aktive Truppe in der Nische 18 Papier gegen Gewalt Ein Wettlauf gegen die Zeit 2 ADVOICE 01/10

5 Inhalt Euer FORUM Bücherforum Info + Service Geburtstag: Das FORUM wird 15 Von den jungen Wilden zu starken Networkern Kontaktbörse Alter Schwede bis heimlicher Preuße 58 Das Prozessformularbuch Verkehrsrecht Handbuch für die Strafverteidigung Handbuch für Strafvollstreckung und Vollzug Autorenverzeichnis Das letzte Wort Impressum 48 Vox populi vox Rindvieh Plädoyer an das Anwaltsimage Jugendgerichtsgesetz mit Jugendstrafvollzugsgesetzen Kombiangebot Strafverfahren 48 Bildung und Party Das Geburtstagsprogramm Zivilprozessordnung Kommentar zum RDG FORUM international: Länderbeauftragte stellen sich vor Italien Großbritannien Russland/Weißrussland FORUM regional: Neue Regionalbeauftragte für LG Bochum Vorteile der FORUMs-Mitgliedschaft Forum vor Ort Mentoring-Projekt Leipzig Neujahrsempfang Celle Soldan-Gründerpreis Medienarbeit für Rechtsanwälte Computer- und Internetrecht Münchner AnwaltsHandbuch Sozialrecht Kommentar zum Familienverfahrensrecht Erbschaftssteuer-und Schenkungssteuergesetz 15 JUBILÄUM Jahre FORUM Junge Anwaltschaft 57 News Specials und Programm ab Seite 42 ADVOICE 01/10 3

6 Thema Sicherheit contra Freiheit Durch den Flor der Ordnung muss das Chaos schimmern sagt Novalis Ein Astronautenanzug erlaubt den Ausflug ins All, ist auf Erden aber sagenhaft unbequem. Foto: eddie toro_fotolia.com Wenn in diesen Tagen von Freiheit und Sicher - heit gesprochen wird, geht es regelmäßig da - rum, ob und inwieweit die Grundfreiheiten einzuschränken sind, um der Gefahr terroris tischer Anschläge zu begegnen. Freiheit und Sicherheit werden da als Gegensatz gesehen. Das eine Prin - zip ist angeblich nur auf Kosten des anderen zu verwirklichen. Eine intellektuell elegante Auflösung bietet da die marxistische Formel, dass Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit sei. Auf die Terrorismusdebatte übertragen wird jeder Sicherheitsfanatiker be - gründen können, dass umfassende Video-, Telefonund Mailüberwachung zwingend notwendig seien. Allen, denen das einleuchte, würden die Über - wachungsmaßnahmen nicht als Zwang und Ein - schränkung, sondern als Grundlage ihrer Freiheit begreifen. Ein gewisser Benjamin Franklin hatte lange vor Karl Marx festgestellt: Diejenigen, die für ein wenig vorübergehende Sicherheit grundlegende Freiheiten aufzugeben bereit sind, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit. Diese beiden Positionen dürften in der Frage der Onlinedurchsuchung zu entgegengesetzten Ergebnissen führen. Gemein - sam ist ihnen aber, dass sie Sicherheit und Freiheit nicht als Gegensatz begreifen, sondern als Prin - zipien, die einander bedingen. Gegensatz oder Bedingung? Ein naives Verständnis von Freiheit ist Abwesenheit von Reglementierung. Kein Zwang, keine Regel hindert mich. Die Vulgärformel dafür lautet: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's gänzlich ungeniert. Wenn man nur oft genug dokumentiert hat, dass man sich um die (gesellschaftlichen) Konventionen nicht schert, wird man von ihnen nicht eingeengt. Um den Preis freilich, dass einen alle diejenigen schneiden, für die diese Konventionen Gültigkeit haben. Auch eine zynische Interpretation ist literarisch dokumentiert: Freedom is just another word for nothing left to loose, singt Janis Joplin. Wer mit Sicherheit nichts mehr zu verlieren hat, ist voll - kommen frei. Fragt sich nur, welche Möglich keiten da tatsächlich noch offen stehen. Und darum geht es doch eigentlich, wenn von Freiheit die Rede ist: Nicht Abwesenheit von Zwang, sondern um die Möglichkeit von Gestal - tung, Wachstum, Entfaltung und Kreativität. Wem diese Möglichkeiten selbstverständlich sind, er - kennt sie nicht als etwas Schätzenswertes. 4 ADVOICE 04/09

7 Thema Erst das Erlebnis eines langen strengen Winters lässt Wär me, Licht und Wachstum des Frühlings zu einem ungeheuren Ereignis werden. Wie bei der Freiheit ergibt ein schlichtes Ver ständ - nis des Begriffs Sicherheit eine Negativdefinition: Alles unter Kontrolle (von wem auch immer), Ab - wesenheit aller Unwägbarkeiten. Wo nichts mehr schief gehen kann, geht nichts mehr. Absolute Sicherheit bedeutet Friedhofsruhe. Friedhofsruhe und Chaos Also fordert auf gut altdeutsch der Romantiker Novalis, durch den regelmäßigen Flor der Ordnung müsse das Chaos schimmern. In diesem Ver ständ - nis ist Sicherheit ein Rahmen, innerhalb dessen Gestaltung möglich wird. Akzeptiere ich den Rah - men als tragende Struktur, dann verleiht mir das eine Sicherheit, aus der ich Gestaltungs mög lich - keiten, also Freiheit gewinne. Struktur schafft Freiheit.»Auf dem Fundament der Sicherheit einer Rechtsordnung der Verträge soll sich die Privatautonomie der Bürger entfalten können.«und genau das ist das Grundanliegen des BGB: Auf dem Fundament der Sicherheit einer Rechtsord - nung der Verträge soll sich die Privatautonomie der Bürger entfalten können. In gewissen Grenzen soll jeder mit jedem vereinbaren können, was er will. Entscheidend ist, dass beide sich einig sind. Liegt aber eine Einigung vor, ist sie auch verbindlich: Pacta sunt servanda! Nur, wenn das Vertrauen besteht, dass das Vereinbarte verbindlich ist, kann der Vertrag ein Instrument für Gestaltung, Wachs - tum und Kreativität sein. Jede Ordnung bietet Möglichkeiten und schließt die Wahrnehmung anderer aus. Eine neue Ordnung schafft für die einen Möglichkeiten und Freiheiten, für andere bedeutet der Wandel einen Verlust von Sicherheit. Ein prägnantes Beispiel sind die Grund - freiheiten nach dem EG-Vertrag. Arbeit neh mer - freizügigkeit, Dienstleistungs- und Nieder lassungs - freiheit eröffnen für viele neue Märkte und Möglichkeiten. Aber wer nicht bereit oder in der Lage ist, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen, dem droht der Verlust der Existenzgrundlage. Es kommt darauf an... Ob eine Ordnung Freiheit durch Sicherheit schafft, das hängt immer auch vom Kontext ab. Ein Raum - anzug ermöglicht den Astronauten Ausflüge ins Weltall. Auf Erden ist das Ding vermutlich sagen - haft unbequem. Und so mag eine Rechts ordnung an einem Ort in einem Zeitpunkt angemessen sein, ist aber unter anderen historischen, geografischen oder sozialen Bedingung womöglich nur absurd und repressiv. Die ständische Verfassung mag den Gesellschaften des Mittelalters eine Stabilität ver - liehen haben, die Wachstum und Entwicklung ermöglicht hat. In den Verhältnissen des aus - gehenden 18. Jahrhunderts war diese Ordnung uner träglich eng geworden. Mit Blick auf den afri - ka nischen Kontinent können wir mit einem an - genehmen Gruselschauer bewundern, zu welchen Absurditäten und Katastrophen die Übertragung des Nationalstaatsmodelles auf die dortigen Gesell - schaften bis zum heutigen Tag führt.»eine Freiheit, die jede Sicherheit verachtet und jede Ordnung beseitigt, beraubt sich ihrer eigenen Grundlagen.«Ordnung und Sicherheit sind bezogen auf Freiheit und Gestaltung und umgekehrt. Eine Freiheit, die jede Sicherheit verachtet und jede Ordnung be - seitigt, beraubt sich ihrer eigenen Grundlagen. Als Leitsatz lässt sich das wunderbar knapp formu - lieren. Der Teufel steckt mal wieder im Detail. Wel - cher Freiheitsgebrauch sicherheitsvernichtend ist und welcher Sicherheitsanspruch die Freiheiten zerstört, dazu gibt es potentiell so viele Meinungen wie Betroffene. Will man diese Fragen lösen, also die Zukunft gestalten, bedarf es schau an der Sicherheit einer verbindlichen Ordnung, wie eine Verständigung herbeigeführt werden kann.»also kommt es immer darauf an, die freiheitsstiftende Funktion der Sicherheit nicht aus dem Blick zu verlieren und zu verhindern, dass die Einhaltung von Ordnungsvorschriften zum Selbstzweck wird.«keine Freiheit, keine Sicherheit Diese Verständigung zu erreichen, das kann dau ern, langwierig und schmerzhaft sein. Schneller und einfacher geht's, wenn einer sagt, wo's lang geht. Das nennt sich Diktatur, und Kennzeichen einer Dik - tatur ist es, dass die Ordnung keinerlei freiheits - stiftende Funktion hat. Das geht einher mit dem Verlust jeder Sicherheit in körperlicher und recht - licher Hinsicht gegenüber dem Regime. Sicher heit schafft diese Ordnung allenfalls für den Herr schafts - apparat. Insofern belegt auch das Mo dell Diktatur, dass Sicherheit und Freiheit ein ander bedingen. Also kommt es immer darauf an, die freiheits stif - tende Funktion der Sicherheit nicht aus dem Blick zu verlieren und zu verhindern, dass die Einhaltung von Ordnungsvorschriften zum Selbst zweck wird. Eine solche Ordnung wird erstarren. Das zu ord nen - de Leben erstarrt womöglich auch. Oder es macht sich selbstständig, ignoriert die erstarrte Ordnung und schafft sich eine den eigenen Bedürfnissen an - gemessene neue. Die juristische Methodenlehre kennt das Prinzip der teleologischen Reduktion. Danach ist der Gel tungs - bereich eines Gebots immer in Hinsicht auf dessen Sinn und Zweck zu überprüfen und gege benenfalls einzuschränken. Eine Regel, die Sicher heit stiften und dadurch Freiheit ermöglichen soll, darf nicht zum Selbstzweck werden. Der Haken an der Sache ist, dass manchem Regelhüter dieses Auslegungs - prin zip nicht bekannt ist oder ihm die geistige Be - weglichkeit fehlt, es anzuwenden. So überquert man nachts um drei als Fußgänger bei roter Ampel die Straße, in der irrigen Annahme, weit und breit der einzige Verkehrsteilnehmer zu sein. Tatsächlich schiebt sich jedoch in diesem Moment ein Streifen - wagen hinter der nächsten Hausecke hervor und fordert per Lautsprecher zum Stehenbleiben auf. Viel Spaß noch bei dem Versuch, der Besatzung das Prinzip der teleologischen Re duk tion begreiflich und einleuchtend zu machen!»man unterwirft oder schafft sich (Schein-?) Sicherheiten, die einen davon abhalten, die größte Möglichkeit der Freiheit zu leben.«zwei Sicherheiten Wir kehren wieder zu Benjamin Franklin zurück, der wusste, dass es im Leben Sicherheit nur bezüglich zweier Dinge gibt: des Todes und der Steuern. Tatsächlich meinen manche, dass es den Tod als haltgebenden Rahmen zu schätzen gelte, der es erlaube, die Möglichkeiten des eigenen Lebens voll zu entfalten. Viele Menschen ließen sich sehr viel engere Rahmen auferlegen oder setzten sich den engen Rahmen selber. Diese Menschen würden das Potential des eigenen Lebens nicht ausschöpfen. Bedeutet übersetzt: man unterwirft oder schafft sich (Schein-?) Sicherheiten, die einen davon ab - hal ten, die größtmögliche Freiheit zu leben.»nichts in dieser Welt ist sicher außer dem Tod und den Steuern.«Benjamin Franklin Nachdem wir uns bemüht haben, die freiheits stif - tende Funktion des Todes zu erkennen, wäre noch zu klären, wie es sich diesbezüglich mit den Steu - ern verhält. Bestimmt zeichnet sich die eine oder andere Steuererklärung durch eine hohes Maß an Kreativität aus. Aber ist das wirklich gemeint? Wir fühlen uns überfordert und geben die Frage weiter an die Kollegen Fachanwälte für Steuerrecht. RA Percy Ehlert, Berlin ADVOICE 04/09 5

8 Thema Bye, Bye Jürgen ist 40 und hat Sehnsucht nach der Zukunft Illustrationen: Anke Schiller-Mönch Es ist 22 Uhr und der Jürgen sitzt hinter seinem Schreibtisch. Das nette Fräulein aus dem Vorzimmer hat ihm gerade noch einen Kaffee gebracht, bevor sie in den Feierabend ging. Es war spät geworden. Die e. V. musste fertig werden, und der Jürgen hat morgen die Verhandlung in der Berufungssache gegen die Kleinanleger. Ja der Jürgen, der hat s geschafft meint er jeden falls. Eine schicke Kanzlei mit Vorzimmerdame, die nicht nur wie selbstverständlich die e. V. fertig tippt, obwohl sie schon seit zwei Stunden mit ihren Freundinnen im Kino sein wollte Frauen abend, fünf Euro Eintritt, inklusive einem Gläs chen Pro - secco. Solchen Specials kann der Jürgen schon lange nichts mehr abgewinnen. Der trinkt nach der Arbeit gern mal ein Gläschen Wein mit seinen mittlerweile zwei Kanzleipartnern. Dann feiern sie ihre aktuellen Erfolge vor Gericht. Es lässt sich auch so herrlich über Gegner und (manchmal auch) Rich - ter lästern. Man gönnt sich ja sonst nichts. Auch um die Gaststätten mit Hauben auf der Spei - se karte macht er schon lange keinen Bogen mehr. Jürgen ist halt Anwalt und verdient inzwischen gut. Richtig gut. Den Spitzensteuersatz kann er auswen - dig aufsagen, manchmal träumt er sogar davon. Ein bisschen regt es ihn zwar auf, dass der so hoch ist. Doch das ist nicht der Grund, dass Jürgen schon wieder traurig ist. Er würde gern mal wieder ein Gläschen Wein trinken. Nein, nicht im ersten Haus am Platz mit seinen akkurat gestellten Designertischen, den dazuge - hörigen schreck lich unbequemen Designersesseln. Nein, so wie früher in der leicht schmuddeligen Kneipe um die Ecke, in der die Sessel durchgesessen, aber bequem, die Luft stickig und verqualmt und der Kneiper zwar nicht immer so megafreundlich, aber dafür echt ist. Dann könnte er mit seinen An - waltsfreunden von früher über die Spitzensteuer lamentieren und wie man drum herum kommt oder über früher reden oder so. Aber die haben ja nie richtig Zeit. Entweder sie müssen arbeiten oder Golf spielen oder beides zugleich. Deshalb schleicht er sich raus in die Juris ten - kneipe von früher, wo immer der FORUMS-Stamm - tisch tagt. Und tatsächlich. Ein paar junge Leute sitzen in der Ecke vor Gläsern mit grünem Stiel und lachen. Sie blättern in so einer bunten Zeitschrift rum und zeigten sich Bilder. Moment mal, denkt Jürgen und schaut genauer hin, kennt er doch, das Ding, Ad...Voice steht da drauf. Und dann wird Jürgen sehr, sehr traurig. Hat er näm lich nicht mehr, das Magazin seit Kurzem. Jürgen ist vierzig geworden. Eine Riesenparty hat der geschmissen, mit lauter wichtigen und weniger wichtigen Leuten Oberbürgermeister, Stadtrats - mit glieder, Vereinspräsidenten, Aufsichtsratsvor - sitzenden, Mandanten. Die Frau Müller war auch dabei. Die mit der Katze, mit der der Hund von dem Herrn Meier so Karussell gespielt hatte. Der Herr Meier war natürlich nicht auf der Party. Lustig war die Feier mit mächtig viel Champagner. Aber da - nach ist dem Jürgen jetzt gerade nicht. Drei grünstielige Gläser später lacht längst keiner mehr in der Stammtischecke, doch halt. Was ist das? Was liegt denn dort auf dem Tisch, aufgeschlagen auf Seite sieben? Eine AdVoice mit einem Fest - programm? 15 Jahre FORUM? Eingeladen, ehe ma - lige Mitglieder? Seine Miene hellt sich auf, die Lebensgeister kehren zurück. Seite um Seite atmet er den Hauch der jungen Anwaltschaft und fasst dabei einen Entschluss. Da will ich hin, dort will ich mal wieder Wein trinken wie früher. Doch bis dahin wird er noch ein paar Aktenberge bewegen, Schriftsätze diktieren und Gedanken zu Papier bringen nur nicht für die AdVoice. Denn dort hat er als Ü 40-er nicht wirklich mehr was zu suchen. Vielleicht fragen Sie ihn ja als alten Hasen mal nach seiner Meinung... RAin Anke Schiller-Mönch und RA Tobias Sommer 6 ADVOICE 04/09

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10 Thema Haben oder nicht haben Versicherungen für Existenzgründer was macht Sinn und was kostet nur radfahrer angefahren, schwer verletzt, tituliert eine Forderung, er winkt mit Hartz IV lebenslänglich und der eidesstattlichen Versicherung: Der Versicherer ersetzt den titulierten Betrag. Krankenversicherung gesetzlich oder privat? Meines Erachtens lieber gesetzlich versichern. s. u. Reisekrankenversicherung mit Rücktransport op - tion. Kosten ca. 15 Euro p. a. Bei allen Auto mobil - clubs unverzichtbar und sehr kostengünstig. Nur unkalkulierbare Risiken versichern. Das Geld fehlt sonst anderswo. Versicherungen gibt es wie Sand am Meer. Ge - g en jedes nur erdenkliche Lebensrisiko kann ein Vertrag geschlossen werden, der einem dann wieder aus der Patsche helfen soll. Viele Ver - sicherungen sind sinnlos, und berufliche und private Risiken lassen sich oft auf anderem Wege minimieren. Axel Thoenneßen, Anwalt für Versicherungsrecht, hat für AdVoice eine Check - liste erstellt, was sein muss und was man sich schlichtweg sparen kann. Als grundsätzliche Philosophie empfehle ich: Nur das Nötigste versichern, das Geld fehlt sonst an - ders wo. Also: Nur unkalkulierbare Risiken ver sichern, für kalkulierbare Risiken können peu à peu Rück - lagen gebildet werden. Ich unterteile in zwei Bereiche, in den Bereich der beruflich bedingten Versicherungen (i. d. R. bezogen auf Selbstständige, ggf. mit einem Exkurs für An - gestellte) und den Bereich der privat bedingten Versicherungen. Foto: mhp_fotolia.com und es daher weh tut, wenn sofort die ganze Selbst beteiligung anfällt. Vielleicht sollten darüber hinaus nicht lediglich Euro, son dern zu - mindest Euro oder Euro ver si - chert werden. Auch wenn es so scheint - das ist im Schadenfall nicht viel Geld! Die Berufshaftpflicht - versicherung sollte am besten eine Betriebshaft - pflichtversicherung ein schlie ßen. Zum Beispiel zur Absicherung des Trep pensturzes des Mandanten und der Schmerzensgeldforderung des untersu - chungs inhaftierten Mandanten. Kosten ca. 100 Euro. Für Angestellte sollte die Berufshaft pflicht ver siche - rung zur Aufrechterhaltung der Zulassung nicht mehr als ca. 75 bis 100 Euro kosten. KFZ-Haftpflichtversicherung. Hier ist es im Ge - gen satz zum Berufshaftpflichtversicherer gleich - gültig, bei welcher Gesellschaft abgeschlossen wird, der Unfallgegner muss sich mit dem Schaden - regulierer herumschlagen, also gerne auch Direkt - versicherer wählen. Risiko-Lebensversicherung. Insbesondere, wenn Ihr Familie habt und/oder ein Darlehen für die Kanz - lei oder für den privaten Bereich (Eigen tums woh - nung/haus) in Anspruch genommen habt. Eine Million Euro sollte das Minimum sein. Das erscheint viel, aber wenn ein Angehöriger 50 Jahre einen Be - trag von Euro monatlich benötigt, der jedes Jahr um zwei Prozent steigt, ist bei einem Anlage - zins von drei Prozent nach Steuern ein Vermögen von Euro notwendig! Versorgungswerk. Im Gegensatz zu Berufsun fähig - keitsversicherungsverträgen finden Klagen gegen das Versorgungswerk gegenwärtig vor den Verwal - tungsgerichten statt, dort herrscht Amtser mit - tungsgrundsatz, ein unschätzbarer Vorteil. (s. u.) Freiwillige Versicherung in der Berufsgenossen - schaft. Kosten: ca.180 Euro. Dadurch beste Be hand - lung und Reha bei beruflich be dingten Unfällen (in BG-Krankenhäusern und -Reha ein richtungen); hohe Verletztengelder, derzeit auch noch für Wege unfälle. Hausratversicherung für die private Wohnung, incl. Haftpflichtversicherungsschutz für Schäden am Gebäude und dem Hausrat anderer, zum Bei - spiel auslaufende Waschmaschine. NACH DREI BERUFSJAHREN Beruflich bedingt Die Berufshaftpflichtversicherung. Wichtig ist hier: ein starker Versicherer mit kompetenten An - sprech partnern in der Schadenabteilung für quali - fizierte Hilfe und Regulierung im Schadenfall. Hier sollte ein Versicherer der Big-Three gewählt werden. Ich empfehle darüber hinaus die Wahl einer ge - staffelten Selbstbeteiligung, da die ersten Schä den sich eher im niedrigen Bereich bewegen dürf ten Privat bedingt Privathaftpflichtversicherung. Kosten: ca.100 Euro p. a. Achtung: Bitte Lebensge fährten/lebens gefähr - tin explizit und am besten namentlich in den Vertrag mit aufnehmen (bei Wechsel des Partners Änderung nicht vergessen) und das Ausfallrisiko bei eigenen Schadensersatzforderungen mitversichern. Absicherung zum Beispiel des folgenden Falles: Ihr werdet als Fußgänger von einem betrunkenen Fahr - Beruflich bedingt Geschäftsinhaltsversicherung. Hausratversicherung für die Kanzle-Kosten richten sich nach der Höhe des Wertes des Geschäftsinhaltes. Betriebsunterbrechungsversicherung. Diese Ver - sicherung gewährt eine monatliche Summe bei Brand, etc., bis die Betriebsfähigkeit wieder her ge - stellt ist. 8 ADVOICE 01/10

11 Thema Rechtsschutzversicherung für den Verkehrsbe - reich. Kosten ca. 100 Euro, häufig von Automo bil - clubs preisgünstiger angeboten. Privat bedingt Rechtsschutzversicherung für den privaten Be - reich, ohne Miet-Rechtsschutz und mit hoher SB (500 Euro). Sichert Prozesse um existenzielle Risi ken, bspw. Arzthaftung mit hohen Gerichts- und Sach - verständigenvergütungen ab, Kosten ca. 100 Euro. Nur eventuell. Hier vertrete ich eine Meinung, die ich nicht als allgemeingültig hinstellen möchte: Private Krankenversicherung. Achtung: begrenz - te Kostenerstattung für Psychotherapie und Reha - bilitation! Viele Krankheitsfälle sind auf psychische Erkrankungen und Rückenleiden zurückzuführen, die Leistungen der privaten Versicherer sind gerade hier stark begrenzt, also bitte, wenn Ihr Euch für einen privaten Krankenversicherer entscheidet: Leistungskataloge vergleichen! In Deutschland gibt es beste Versorgung für alle, Ihr könnt Euch als freiwillig gesetzlich Versicherte auch privatärtzliche Leistungen im GKV-Umfang erstatten lassen, eine private Krankenversicherung fordert erfahrungs - gemäß mit zunehmendem Alter höhere Beiträge, und wir wissen nicht, wo die gesetzgeberische Reise mit der GKV und der PKV hingeht, aber die GKV wird immer bezahlbar bleiben. Auch hier gilt darüber hinaus: Geklagt wird vor den Sozialgerichten mit Amtsermittlungsgrundsatz und nicht vor den Amts- oder Landgerichten. Häufig hilft es auch, sich mit Ärzten gut zu stellen, um eine Privatbehandlung zu erhalten. Vielleicht allenfalls: Private Krankenzusatzver - sicherung für die Absicherung der Chefarzt be handlung im Krankenhaus, allerdings ohne Krankenhaustagegeld und Krankentagegeld. NICHT EMPFEHLENSWERT Jede Art von Unfallversicherung. Private Unfall - versicherung, Kfz-Insassen-Unfallversicherung, Reise-Unfallversicherung Ausfälle erfolgen häufig nicht durch Unfälle, sondern durch Krankheiten. Wenn dann Hilfe benötigt wird, war die Ver si - cherung umsonst. Berufsunfähigkeitsversicherung. Ihr arbeitet so - wie so, so lange es geht, eine Klage muss vor Zivil - gerichten erhoben werden, die Beweislast dort liegt stets beim Versicherungsnehmer! Lieber mehr ins Versorgungswerk einzahlen, aber auch hier gilt wie immer: vorher und im Schaden - falle Satzung lesen! Fahrzeugversicherung. Kasko-Versicherung aber lieber ein kleines Auto anschaffen und sich mit einer Werkstatt gut stellen, Blechschäden sind in freien Werkstätten häufig in gleicher Qualität zu einem Bruchteil der Kosten zu beheben. Aus der Praxis des Versicherungsrechtlers weiß ich, welche Steine die Versicherungsgesellschaften den Versicherungsnehmern im Schadenfalle in den Weg legen, bitte daher immer: Vor dem Abschluss Bedingungen/Satzungsbestimmungen lesen und sehen, ob Ihr ein - verstanden seid. Prämien vergleichen, aber Leistungsfähigkeit des Versicherers beachten. Immer drei Angebote einholen, nicht drän - gen lassen und ggf. Preise und Einschluss von Bedingungen verhandeln, es besteht mehr Spielraum, als Ihr denkt. RA Axel Thoenneßen, Düsseldorf Welche Versicherung lohnt für wen? Versicherung Single Paare Familien Arbeitnehmer Selbständige Rentner ++ besonders wichtig + wichtig + im Einzelfall wichtig unwichtig! überflüssig Privathaftpflicht Hausrat Unfall Gesetzl. Krankenversichung Krankentagegeld Auslandsreise-Krankenvers Kinderinvalidität ++ Private Arbeitslosenvers. Berufsunfähigkeit Erwerbsunfähigkeit Kapitalleben + Privatrente Risikoleben Riester Rente Rürup Rente + Betriebliche Altersvorsorge Rechtschutz Pflegezusatzversicherung Glas Reisegepäck Insassenunfall Ausbildung Quelle: Richtig gut versichert. Stiftung Warentest + Verbraucherzentrale NRW ADVOICE 01/10 9

12 Thema Gut und günstig Berufshaftpflicht bei HDI-Gerling Bis zu 75% Rabatt für FORUMs-Anwälte Foto: PhotoDisk Assessoren oder junge Anwälte, die Mitglied im Forum Junge Anwaltschaft sind und gerade ihre Karriere oder Existenzgründung starten, profi - tieren von der besonderen Kooperation zwi - schen dem FORUM Junge Anwaltschaft und HDI-Gerling. Das Existenzgründerprogramm in der Berufs - haft pflicht bietet in den ersten fünf Jahren erstklassigen Schutz zu besonders güns tigen Konditionen. Der Einstieg in die Existenz grün - dung erfolgt mit einer besonders niedrigen Prämie, die dann schrittweise angehoben wird. Wichtig dabei ist, dass die besonders günstigen Konditionen keinerlei Auswirkungen auf die Qualität des Versicherungsschutzes haben. Unverzichtbare Sicherheit Die Erfahrung zeigt, dass jeder fünfte Rechtsanwalt in der Praxis schon mal mit einem Haftpflicht - anspruch konfrontiert worden ist. Die Anforde - rungen an den Rechtsanwalt steigen ständig. Auf Grund ständig neuer Rechtsprechung, Gesetz - gebungsverfahren oder Gesetzesreformen lassen sich Haftungsfälle immer schwerer vermeiden. Ein Fehler und sei es nur ein Fristversäumnis kann folgenschwer sein. Deshalb ist der richtige Ver sicherungsschutz enorm wichtig, um die Existenz gründung und die anwalt - liche Tätigkeit von Anfang an bestmöglich abzu - sichern. Wer profitiert? Existenzgründer bis 40 Jahre: Hier werden zwei kostengünstige Einsteigertarife mit Deckungs - summe je Versicherungsfall von Euro und Euro angeboten. Die Prämien können mit 152,30 Euro* 1 ) pro Jahr starten dies entspricht einem Prämiennachlass von ca. 75 % im ersten Jahr. Kleinpraxen mit einem Jahresumsatz von weni - ger als Euro können sich ebenfalls günstig absichern. Nebenberuflich tätigen jungen Rechtsanwälten (für die sogenannte Titeldeckung) werden über - aus niedrige Festprämien ab 75,00 Euro* 1 ) pro Jahr angeboten. Geltende Voraussetzungen Die Konditionen gelten in Verbindung mit der Mitgliedschaft im FORUM Junge Anwaltschaft. Die Vertragslaufzeit der Berufshaftpflichtver - sicherung bei HDI-Gerling beträgt 5 Jahre. Der besondere Tarif gilt nur für Berufs angehörige und Kanzleien, deren zu versicherndes Risiko dem der Rechtsanwälte entspricht (keine Mehrfach - qualifikationen der Berufsträger). Erfahrung und Kompetenz HDI-Gerling ist ein erfahrener Versicherer des Be - rufsstandes der Rechtsanwälte und gleichzeitig lang jähriger Partner des FORUMs Junge Anwalt - schaft. Die festangestellten Mitarbeiter oder Han dels ver - treter der HDI-Gerling Vertrieb Firmen und Privat AG können zu den aufgeführten Themen und Vorteilen des Existenzgründerprogramms in der Berufshaftpflicht beraten: Erstellung einer mandatsspezifischen Risiko - analyse Ermittlung einer der Mandantschaft ange mes - senen Deckungssumme Spezielle Objektdeckungen Risikogerechte Absicherung bei vertraglicher Be - grenzung von Ersatzansprüchen Optimierung der Absicherung bei interprofes - sionellen Sozietäten und Kooperationen Spezielle Versicherungskonzepte bei Insolvenz - verwaltertätigkeit Weiterhin besitzt HDI-Gerling eine hoch quali fi - zierte Schadenbearbeitung. Hier sind über 20 Voll - juristen tätig, die über langjährige Erfahrungen im VH-Schadenmanagement verfügen, mit hohen Re - gulierungsvollmachten ausgestattet sind und sich ausschließlich mit der Berufshaftpflicht von Steuer - beratern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsan wälten beschäftigen. RAin Vicki-Meyer, Foto: HDI Michael Gerling Grabscheid Hannover. pixelio.de 10 ADVOICE 01/10 * 1 ) ohne Versicherungssteuer

13 Thema Im Fall des Falles Über den Umgang mit der eigenen Haftpflichtversicherung Abschließen müssen sie alle Anwälte die Berufshaftpflicht. Denn ohne sie gibt es keine Zulassung. Doch einmal abgeschlossen, ver - schwin det sie möglichst schnell im dafür vor - gesehen Ordner, wird höchstens noch einmal rausgeholt, wenn eine Betragsanpassung fällig ist. Doch was passiert eigentlich im Falle des Falles? Kaum zu glauben, aber versäumte Fristen sind seit Jahr und Tag die häufigste Ursache, wenn Anwälte in Anspruch genommen werden. EIN BEISPIEL Der angestellte Rechtsanwalt, der mittlerweile eine eigene Kanzlei gegründet hat, war mit der Abwehr einer betriebsbedingten Kündigung betraut wor - den. Gegen die Kündigung hat er rechtzeitig Kün - digungsschutzklage erhoben. Eine weitere Kündi gung wurde während des Verfahrens mittels Schriftsatz erklärt. Der Betriebsrat war zur zweiten Kündigung nicht gehört worden. Richtigerweise rügte der Rechtsanwalt diese Nichtanhörung des Betriebsrates und stellte und zugleich einen so genannten Schleppnetzantrag. Damit sollte das Fortbestehen des Arbeitsverhältnisses festgestellt werden. Zwischenzeitlich hat der Arbeitgeber des Mandan - ten die Betriebsratsanhörung nachgeholt und eine dritte betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen. Zu diesem Zeitpunkt war der Anwalt im Urlaub. Und es kam, wie es kommen musste. Der Frist - ablauf für den weiteren Kündigungsschutzantrag war nicht notiert worden. Im Termin zur Güte ver - handlung wies der Richter darauf hin. Die Parteien traten in Vergleichsverhandlungen ein. In einer Sitzungsunterbrechung riet der Rechts - anwalt sei nem Mandanten, einem Beendigungs - vergleich in Höhe von Euro zuzustimmen. Aufgrund der Sach- und Rechtslage sei der Regel - abfindungswert in Höhe von Euro nicht zu erzielen, erklärt der Anwalt seinem Mandanten. Daher wurde der Prozess mit einem Beendigungs - vergleich in der vom Rechtsanwalt vorgeschla - genen Höhe geschlossen. Wenig später beauftragt der Mandant eine andere Rechtsanwaltskanzlei, die den Rechtsanwalt in Hö - he von Euro wegen anwaltlicher Pflicht - verletzung in Anspruch nimmt. Gleichzeitig wird auch der ehemalige Arbeitgeber des Rechtsanwalts in Anspruch genommen. Was ist zu beachten? Oberstes Gebot ist es, den Versicherer umgehend zu informieren, wenn Schadenersatzansprüche drohen. Das kann schon dann der Fall sein, wenn ein schriftliches Anspruchsschreiben noch nicht vorliegt, jedoch telefonisch angekündigt ist. Spezielle Schadenformulare gibt es nicht, da kein Versicherungsfall dem anderen gleicht. Eine kurze Beschreibung des Sachverhalts unter Beifügung des Anspruchsschreibens genügt zunächst. Das besondere am Beispielsfall ist, dass der ehe - mals angestellte Rechtsanwalt direkt in Anspruch genommen wird. Ein solches Vorgehen ist in der Praxis weit verbreitet, aus haftungsrechtlicher Sicht indes nicht notwendig. In einem Haftungs - pro zess würde der Anspruch mangels Passivlegi - timation abgewiesen werden, da keine Eigen haftung des Erfüllungsgehilfen besteht. Der Schadenfall wird daher der Kanzlei, in der der Rechtanwalt als Angestellter tätig war, zuge rech - net. Diese Kanzlei hat wiederum den Schadenfall bei ihrem Versicherer anzuzeigen. Dort wird er be - arbeitet. Das ist auch keine Schleife, die gedreht wird, denn bei fahrlässigen Pflichtverletzungen von Erfül lungs gehilfen nimmt der Versicherer auch keinen Regress bei dem angestellten Rechtsanwalt. Dies gilt auch für freie Mitarbeiter, die nicht als Sozius auf dem Briefkopf erscheinen. Wer bearbeitet die Schäden? Es entspricht dem Marktstandard der großen Vermögensschaden-Haftpflichtversicherer, dass die Schadenbearbeitung ausschließlich von Volljuristen erfolgt. Die meisten waren zuvor langjährig als An - wälte tätig. Natürlich wird auch das Berufsge - heimnis der Anwälte gewahrt. Informationen über Mandanten oder Anspruchsgegner werden Dritten nicht zugänglich gemacht. In dem hier geschilderten Fall hat die R+V ihren Kunden gebeten, die gegen ihn gerichtete Inan - spruchnahme im Hinblick auf eine fehlende direkte Haftungsnorm zurückzuweisen. Damit ist der Fall für ihn und die Versicherung im Grunde erledigt. Sollte der Anspruchssteller in einem Prozess den versicherten Anwalt trotz fehlender Erfolgsaussicht und rein aus prozesstaktischen Gründen verklagen, würde ihn die Versicherung selbstverständlich auch in dieser Phase begleiten. Leistungen im Schadenfall Der Versicherer hat die Pflicht, den Kunden von Haftpflichtansprüchen freizustellen. Die Freistel - lung kann entweder in der Abwehr von unberech - tigten, oder aber in der der Befriedigung von be - rechtigten Ansprüchen bestehen. In dem hier vorliegenden Fall wurde der Anspruch erfolgreich abgewehrt. Bei der Rechtsverfolgung gegenüber der Kanzlei besteht der Anspruch dem Grunde nach, da durch die Nichterhebung der Kündigungsschutzklage, wegen Fristversäumnis, das Arbeitsverhältnis been - det worden ist. Davon zu unterscheiden ist dann nur noch die Frage, ob der geltend gemachte Anspruch auch der Höhe nach besteht. Die Schadenerfahrung zeigt, dass Ansprüche zunächst in übertriebener Höhe gestellt werden. Auch das ist eine Form des Abwehrschutzes. Steht die Anspruchshöhe aber fest, kommt der Versicherer seiner Freistel lungs - verpflichtung nach, in dem er den begründeten Anspruch des Gegners befriedigt, mithin die Schadenszahlung übernimmt. Frist versäumt. Haftungsstress. Assessorin Heike Jahrstorfer Foto: Andrea Vollmer Foto:??? ADVOICE 01/10 11

14 Thema Fest oder frei Das Für & Wider von Anstellung & Selbstständigkeit - Ein Erfahrungsbericht Sie sind angestellter Anwalt oder selbstständig? Ich bin seit sieben Jahren als Anwalt in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt tätig und war erst in einer Kanzlei mit zeitweise fünf Rechts anwälten angestellt. Nun bin ich einer von drei Partnern der Sozietät GSK-Grünert, Swierczyna, König in Erfurt. Beide Arbeits for - men kenne ich daher gut. Sie haben ihre Reize - mit Vor- und Nachteilen: Ich war schon während des Studiums in mehreren Kanzleien tätig, da mich dieser Beruf schon lange faszinierte und ich die graue Theorie mit Leben erfüllen wollte. Nach dem Referendariat begann ich im Juli 2003 in einer gut eingeführten Kanzlei als angestellter Anwalt in meiner Heimatstadt Erfurt.»Diesen unschätzbaren Wissensvorsprung nutzte ich als Einsteiger und bin heute noch dankbar dafür!«trotz praktischen Kenntnissen aus der Arbeit während Studium und Referendariat kam ich mir anfänglich vor, als hätte ich in der Uni und dem Referendariat nur wenig Verwertbares gelernt oder wurde bei ihnen Akquise, Mandatsauf nah - me, Umgang mit Mandanten, effektive Akten - bear bei tung, Kostennoten leicht gemacht u. ä. gelehrt? Hier zahlte es sich aus, dass ich in eine durch struk turierte Kanzlei mit damals drei weiteren Berufs trägern kam. Diese waren langjährig tätig und sehr hilfsbereit diesen unschätzbaren Wis - sens vor sprung nutzte ich als Einsteiger und bin heute noch dankbar dafür! Hilfreich war auch das Wissen der langjährig tätigen Rechtsanwalts fach - angestellten. Aus jetziger Sicht kann ich jedem bei einer be - stehenden Alternative empfehlen, zumindest den Einstieg in den Anwaltsberuf in einem Anstellungs - verhältnis bzw. einer bestehenden Kanzlei zu machen. Die tausend Fettnäpfchen, die man zu Beginn antrifft, kann man so zumindest teilweise umgehen. Im günstigsten Falle nehmen einen die Kollegen ein wenig an die Hand. Es gibt aber auch deutliche Nachteile: Mit wenigen Ausnahmen bekommt man die Akten, die den dicks - ten Staub gesammelt haben, eingefleischten Kolle - gen die Schweißperlen auf die Stirn treiben bzw. juristische Gänsehaut erzeugen oder den Wettbe - werb um den geringsten Streitwert in der Kanzlei bereits bei Mandatsaufnahme gewonnen haben. Viele meiner damaligen Uni-Kollegen wurden zu Beginn ihrer Angestelltentätigkeit in Referate ge - drängt, die sie nicht wollten, was zu massiven Mo - tivationsproblemen führte.»diese Zustände ändern sich auch auf längere Sicht nicht, wenn nicht entweder einer neuer Kollege diesen Staffelstab übernimmt oder der Einsteiger sich ein eigenes Referat aufbaut.«andere kamen gerade in größeren Kanzleien sofort in hoch spezialisierte Referate als juristische Zu - arbeiter. Sie hatten weder Kundenkontakt, noch lernten sie das normale anwaltliche Leben ken - nen, mit Mandatsaufnahme, Fertigung von Schrift - sätzen, Gerichtsterminen usw. Diese Zustände än dern sich auch auf längere Sicht nicht, wenn nicht entweder ein neuer Kollege diesen Staffel stab übernimmt oder der Einsteiger sich ein eigenes Referat aufbaut so wie ich damals im Ver wal - tungs recht bzw. sie in absehbarer Zeit zum Partner der Kanzlei werden. Die vorstehenden Probleme verstärken sich mit zunehmendem Alter in der Für die Motivation des Angestellten sorgt der Chef, oder auch nicht. Selbstständigkeit bedeutet ein enormes Maß an Selbstdiziplin. 12 ADVOICE 01/10

15 Thema Wahrnehmung und führen häufig dazu, dass der Schritt in die Selbstständigkeit gewagt wird. Andere Kollegen hatten sich gleich nach dem Studium in die Selbstständigkeit gewagt.»ich will nicht behaupten, dass die Fragen beim Gang in meine Selbstständigkeit nach vielen Jahren als Angestellter weniger waren, doch es waren andere.«sie berichteten von massiven Problemen bei der täglichen Bewältigung der anwaltlichen Arbeit: Anfänglich die Fragen, bei wem muss ich mich zulassen, von wem bekomme ich Förderungen, wann müssen die Anträge gestellt werden, was brauche ich für eine Büroausstattung und, und, und. Dann die Fragen: Brauche ich ein Anwalts pro - gramm und wenn ja, welches? Wie lege ich eine Akte an und wie funktioniert der verdammte Drucker/Kopierer? Wo zahle ich Gerichtskosten ein und wie hoch sind die? Ich will nicht behaupten, dass die Fragen beim Gang in meine Selbst ständig - keit nach vielen Jahren als Angestellter weniger waren, doch es waren andere. Ich kannte bereits alle wichtigen Dinge, wie Kanzlei ablauf, Schriftsatzerstellung und hatte andere wichtige Probleme bereits anhand von Praxiser fahrungen schon geklärt ein deutlicher Vorteil. Die tägliche Arbeitsmotivation sollten grundsätzlich der Spaß am Beruf, das angenehme Umfeld und ein gewisses monetäres Interesse sein. Aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass es in beiden Arbeitssitu a - tionen aber auch Probleme geben kann. Als Angestellter hat man in der Regel den Chef, für die eigene Motivation. Es klemmt jedoch dann, wenn man sich in seinem Umfeld nicht wohl fühlt. Als angestellter Anwalt kann man daran nicht viel ändern. Als selbstständiger Anwalt kann man zwar sein Arbeitsumfeld gestal ten wer nicht passt, auf den kann eingewirkt werden, bis hin zur Kündigung aber es findet sich niemand, der einen selbst antreibt. Hier ist hohe Selbstdisziplin gefragt. Getrieben wird man hier mal mehr und mal weniger von der Angst des Scheiterns oder der Sorge um die eigene Existenz, mit allen Konsequenzen! Doch zur Beruhigung arbeitet man wenigstens in die eigene Tasche, wenn der Rubel rollt. Die Arbeitszeiten von angestellten und selbst stän - digen Anwälten ähneln sich häufig äußerlich. Auf einen Selbstständigen warten jedoch nach der normalen Arbeitszeit weitere Aufgaben, wie Ak - quise, Kontenüberwachung, Papierkram na eben selbst und ständig! Ein angestellter Anwalt bekommt sein monatliches festes Gehalt, was gerade zu Beginn des Berufs - lebens von Vorteil ist. Allerdings haben die arbeits - rechtlichen Spielarten zugenommen, nach denen auch hier ein geringes Grundgehalt und eine Art Provision für die Umsätze aus den bearbeiteten Akten gezahlt wird. Fotos: Andrea Vollmer Selbstständige Kollegen können nur aus dem schöpfen, was sie einnehmen. Hier muss man manchmal einen langen Atem haben, was häufig unterschätzt wird: Auch Anwaltsrechnungen wer - den nicht mehr sofort gezahlt und manche gar nicht. Bei angestellten Kollegen stellte sich häufig das Problem, dass sich ihr Anfangsgehalt kaum stei - gerte. Hier haben Selbstständige zumindest nach längerer Zeit einen deutlichen Vorteil: Sie verdienen deutlich besser, wenn die Kanzlei gut läuft.»auch Anwaltsrechnungen werden nicht mehr sofort gezahlt und manche gar nicht.«ferner bekommt der angestellte Anwalt im güns - tigsten Falle ein voll ausgestattetes Büro gestellt. Ein Selbstständiger muss erst einmal Räume an mieten und die Ausstattung anschaffen und finanzieren. Hier liegt besonders für Berufsein stei ger eine große Hürde. Mit einem Computer und einem Drucker ist es nicht getan. Wer keine reichen Eltern oder im Lotto gewonnen hat, der kommt in Probleme: Banken haben aufgrund der Juristen schwemme an Rechtsanwälten kein Interesse und gewähren daher kaum Gründungskredite. Staat liche Fördermittel gibt es zwar, jedoch auch nur anteilig und nicht so üppig, wie man es eigentlich brauchen würde. Selbst bei der Gründung unserer Kanzlei durch langjährige, örtlich eingeführte Rechtsanwälte, mit eigenem Mandanten-Stamm sahen sich die Banken fast ausnahmslos nicht einmal in der Lage, eine Konto - korrentlinie zu gewähren. Fremdkapital muss ten wir zum Glück nicht aufnehmen.»...man steht halt an vorderster Front, wenn die Bombe platzen sollte.«letztlich habe ich festgestellt, dass die Risiko be - trachtung aus Sicht eines Angestellten deutlich anders ist, als die eines Selbstständigen. Ich war als Angestellter bestimmt gewissenhaft und habe nichts auf die leichte Schulter genommen. Aber gerade was das Problem von Fristen, richtigen Klägern oder Beklagten oder der Gefahr des ver - späteten Vorbringens angeht, hat deren Stellenwert in der Aufmerksamkeit deutlich zugenommen man steht halt an vorderster Front, wenn die Bombe platzen sollte. Abschließend ist es aus meiner Sicht für Berufs - einsteiger von Vorteil, wenn sie in einem Anstel - lungs verhältnis erste Erfahrungen sammeln können. Der Drang zur Selbstständigkeit bzw. zur Partner - schaft wächst mit den Jahren, und Kollegen, die nach fünf bis acht Jahren noch immer angestellt sind, werden mit allem Respekt meist eher misstrauisch betrachtet. RA Stefan Swierczyna, Erfurt ADVOICE 01/10 13

16 Thema Wie viel verdient ein Eisbär? Prozessfinanzierung beim Rechtsstreit um Knut Eisbär Knut hat Werbeverträge wie ein Popstar. Um die Einnahmen streiten die Zoos Berlin und Neumünster vor Gericht. Foto: Zoo Neumünster Ganz gleich, ob es um die Durchsetzung eines Pflichtteilsanspruches, die Zahlung einer Unfall - rente, Schadenersatzansprüche oder die Lizenz - einnahmen für einen berühmten Eisbären geht der Anwendungsbereich für eine risikolose Fi - nan zierung von Rechtsstreitigkeiten gegen eine Beteiligung am Erfolg ist ausgesprochen viel - fältig. Dennoch sind vielen die Vorausset zungen und der Ablauf einer gewerblichen Prozess finan - zierung noch nicht geläufig. Ihn jedoch kennt so gut wie jeder: Knut, den Eisbären aus Berlin. In den vergangenen Jahren hatte der Berliner Zoo dank seines pelzigen Stars zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe. Und zwar sowohl auf Grund der Rekordbesucherzahlen als auch und das war der strittige Punkt aus der Vermarktung und Lizenzierung von Knut: der welt - berühmte Bär kann eine Anzahl an Werbe verträgen aufweisen, wie sie sonst nur bei erfolgreichen Sportlern oder Popstars vorkommt. Zankbär Knut Was vorher kaum einer wusste Knut gehörte gar nicht dem Zoo Berlin. Eigentümer war bis dato der Tierpark Neumünster. Und der vertrat die Auf - fassung, er habe einen Anspruch zumindest auf Beteiligung an der wahrlich umfassenden Vermark - tung und Verwertung. Der Zoo Berlin stellte sich jedoch stur, weshalb Neumünster sich gezwungen sah, gerichtlich vorzugehen. Der Tierpark Neumüns ter wird von einem gemein - nützigen Verein getragen. Der stand vor dem Pro - blem, dass er die Kosten für einen Rechtsstreit nicht allein aufbringen konnte, geschweige denn ein hohes Kostenrisiko für den Fall des Unterliegens eingehen wollte. Der Anwalt des Tierparks stellte den Fall der Allianz ProzessFinanz GmbH vor. Die war von den An - sprüchen auf einen Teil der Werbeeinnahmen über - zeugt. Sie finanzierte den Rechtsstreit vor und trug das volle Kostenrisiko gegen eine reine Beteiligung am Erfolg (deutlich unterhalb der Standard be - dingungen von 30 %). Außerdem unterstützte sie ihren Kunden durch die Einholung von Rechts - gutachten, betreute und begleitete durchgehend das Verfahren und alle Verhandlungen und stellte dem Tierpark Neumünster sogar eine PR-Agentur an die Seite, die die Pressearbeit für ihn übernahm. Denn auch das war vorliegend ein ganz wichtiger Punkt, um mit den medienerfahrenen Berlinern mithalten zu können. Waffengleichheit schaffen Der Fall zeigt die für eine Prozessfinanzierung ty - pische David-gegen-Goliath-Situation. Erst mittels Prozessfinanzierer herrschte Waffen gleichheit zwischen dem kleinen, unbekannten Tierpark in Schleswig-Holstein und dem größten Zoo Deutsch - lands. Nach zähen Verhandlungen einigten sich die Parteien schließlich: Der Tierpark Neumünster erhielt vom Zoo Berlin insgesamt Euro in drei Raten. Außerdem hat er sich bereit erklärt, das Tier dem Zoo Berlin endgültig zu überlassen. Es war für uns sehr beruhigend, die Allianz Pro - zess Finanz mit im Boot zu haben, betont Dr. Peter Drüwa, der Direktor des Tierparks Neumünster. Wir hätten uns sonst den Prozess wohl nicht leisten können und wären leer ausgegangen. Der Großteil des erzielten Betrages soll jetzt für dringend notwendige Umbau- und Renovierungsarbeiten im Tierpark Neumünster verwendet werden., so der Zoodirektor. Anwendung im Zivilrecht Exotische Fälle wie der vorstehend geschilderte sind natürlich eher selten. Dennoch zeigt er, dass der Anwendungsbereich für die gewerbliche Prozess - finanzierung mannigfaltig ist. Ansprüche aus nahezu jedem Rechtsgebiet des Zivilrechts können grundsätzlich prozessfinanziert werden. Vorausset - zungen sind der Mindeststreitwert, Bonität des Gegners und überwiegende Erfolgsaussichten des Anspruchs, an dem eine wirtschaftliche Beteiligung (im Erfolgsfall) möglich sein muss. Neben Verfahren in Deutschland werden auch zunehmend Prozesse in Österreich, der Schweiz, England und anderen nordeuropäischen Ländern finanziert. Sowohl in vorgerichtlichen Verhand - lungen, Mediationen und natürlich in klassischen Gerichts- oder internationalen Schiedsverfahren kann der Betroffene auf eine Finanzierung zurück - greifen. RAin Birte Meyer, München 14 ADVOICE 01/10

17 Thema! Recht haben und Recht bekommen Gedanken zum System der Prozessfinanzierung Ablauf Prozessfinanzierung Prüfung des Falles in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht ggf. telefonische Vorabanfrage, ob grundsätzlich geeignet Falls überwiegend erfolgversprechend, Fertigung eines Klageentwurfs Übersendung von Klageentwurf, Anlagen und sonstigen relevanten Dokumenten zzgl. Anschreiben mit eigener Einschätzung von Chancen, aber auch Risiken Erstes Feedback des Prozessfinanzierers idr binnen 48 Stunden ggf. Anfordern weiterer Unterlagen durch den Finanzierer falls Finanzierer überzeugt ist von den Erfolgsaussichten: Übersendung eines Finanzierungsvertrages zur Zeichnung durch den Anspruchinhaber finale Entscheidung des Finanzierers und Gegenzeichnung ab Vertragsschluss: Vorfinanzierung sämtlicher anfallender Kosten und Übernahme des Risikos im Falle des Unterliegens Betreuung und Unterstützung bis zur Beendigung des Verfahrens, auch Zwangsvollstreckung Abrechnung und Auskehr der Erlöse nach Zahlung durch den Gegner zusammengestellt von RAin Birte Meyer, München Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Vor Gericht und auf Hoher See ist man in Gottes Hand. Diese Sprüche sind uralt und verdeutlichen, dass sein gutes Recht zu bekommen immer auch ein Risiko in sich birgt. Wie gut wäre es, dieses Pro zess - risiko minimieren oder gar abgeben zu können. Das geht, und zwar mittels Prozess finanzierer. Die Anbieter versprechen risiko freie Durch set - zung des eigenen Anspruches. Doch so ver lock - end das klingt jede Medaille hat zwei Seiten. Prozessfinanzierer sind auf Gewinn ausgerichtete Unternehmen. Das ist nicht verwerflich, heißt aber: Sie wollen, oder müssen, auch etwas verdienen. Deshalb beteiligen sie sich an den erstrittenen Summen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Risiko abge - geben wird, desto mehr vom erstrittenen Geld geht an den Prozessfinanzierer, aber nie alles. Ware Recht Damit verbunden ist die zweite Kehrseite der Medaille: Finanziert wird längst nicht jeder Prozess. Der Streitwert muss hoch genug sein, in der Regel mindestens im mittleren fünfstelligen Bereich. Nicht nur der Streitwert, sondern auch das mit dem Pro - zess Begehrte muss stimmen. Prozessfinan zierung geht nur bei Geldforderungen und zwar von sol - venten Gegnern. Denn, was nützt der beste Titel, wenn er nicht vollstreckt bzw. in bare Münze verwandelt werden kann. Und noch eine Frage stellt sich: Braucht das deut - sche Rechtssystem überhaupt Prozessfinan zierer? Schließlich gibt es doch für denjenigen, der nicht über ausreichend Mittel verfügt, seine be rechtigten rechtlichen Interessen durchzusetzen, die Prozess - kos tenhilfe. Das stellte schon im Jahr 2000 der damalige Präsident der Rechtsanwalts kammer Stutt gart, Rechtsanwalt Peter Ströbel klar heraus. Prozessfinanzierer minimierten zwar die Risiken. Das System funktioniere aber auch ohne sie, so Ströbel gegenüber Finanztest. Das System Prozessfinan - zierung sei auch nicht zu beanstanden. Allerdings gefalle ihm der Gedanke nicht, dass das Recht Ein - zelner und damit die Gerechtigkeit zur Ware werde. Genährt wird diese Kritik von Prozessfinanzierern und Anwälten selbst. So kann die Unabhängigkeit der Anwälte, die Aktien eines Prozessfinanzierers inne haben, schon in Frage gestellt werden. So hat Ströbel bereits im Jahr 2000, angesprochen von Finanztest auf Anwälte mit Aktien der dama - ligen Foris AG, die Frage aufgeworfen, inwieweit Anwälte dann ihren Prozessfinanzierer empföhlen und diesem dann aussichtsreiche Fälle zuspielt, die vielleicht auch außergerichtlich gut hätten gelöst werden können. Waffengleichheit schaffen Die Frage der Unabhängigkeit stellt sich auch, wenn der Prozessfinanzierer den Prozess begleitet. Was wirtschaftlich legitim ist, mag mit unabhängigem Recht kollidieren, wenn ein Dritter neben Mandant und Anwalt die Prozessstrategie mit bestimmt. Da der Prozessfinanzierer am erstrittenen Geld beteiligt ist, liegt nahe, dass er daran interessiert ist, dass der Titel möglichst hoch ausfällt. Doch jeder Anwalt weiß, dass manchmal ein (finanziell) schlechter Vergleich für den Mandanten die bessere Lösung sein kann. Andererseits mag das passen, wenn alle die gleichen Interessen verfolgen, Mandant, Anwalt und Prozessfinanzierer. Es kann auch von Vorteil sein, wenn David selbst ein finanzkräftiges Schwer - gewicht an seiner Seite hat, wenn er Goliath gegen - übersteht. Das schafft Waffengleichheit. Recht kostet Geld Diese Verquickung zwischen Recht bekommen und Gewinn erzielen mag eine Vorstellung sein, die dem deutschen Verständnis eines Rechtssystems wider - spricht. Recht bekommen soll eben nicht vom gut gefüllten Geldbeutel abhängen. Auf der anderen Seite: Was spricht denn dagegen, dass die gute Dienstleistung des Rechtsanwaltes auch gutes Geld kostet und auch kosten darf? Quali tät kostet Geld. Mit welcher Berechtigung muss ein Anwalt für die gleiche Arbeit auf einen Teil des Geldes verzichten, wenn er einen PKH-Fall mit ent spre chendem Streit - wert hat? Ich selbst durfte erst kürz lich erfahren, dass der Unterschied zwi schen PKH und Nicht-PKH bei einem Streitwert von über 300 ausmacht (Verfahrens- und Ter min gebühr). Abgesehen davon, ob es rechtens ist, wenn der Mandant die Differenz ausgleichen sollte, wären wir genau bei der gleichen Frage, ob er sich das leisten kann. Für manchen sind die 300 das, was für andere sind. Vielleicht ist es an der Zeit, sich daran zu gewöhnen, oder besser; sich einzugestehen, dass Recht be - kommen Geld kostet. Prozessfinanzierer sind dabei eine Möglichkeit, das Prozess-Risiko zu kalku lieren. RAin Anke Schiller-Mönch, Weimar ADVOICE 01/10 15

18 Thema Versicherungsrecht Nische und Chance für die (junge) Anwaltschaft Vor allem auf der Seite der Versicherungsnehmer liegt großes Potenzial. Wer heutzutage als An - walt erfolgreich sein und damit seinen Lebens - unterhalt bestreiten will, dem begegnet ein Markt mit der Erwartung nach Spezialisierung. Die Spezialisierung auf Versicherungsrecht ist eine Antwort darauf. Gerade die wirtschaftliche Bedeutung weist den hohen Nutzen einer Spezialisierung im Versi che - rungs recht aus. Nach den aktuellsten Statistiken des Gesamtverbandes der Deutschen Versiche rungs - wirtschaft e. V. (GDV) für das Jahr 2008 standen den Bundesbürgern 607 Versicherungs unternehmen gegenüber, die aus knapp 164,5 Milliarden Euro Bruttojahresbeiträgen ungefähr 141,4 Milliarden Euro Erstversicherungsleistungen ausschütteten. Im statistischen Durchschnitt hatte jeder Einwohner sechs Versicherungsverträge zu einer Bruttojahres - prämie in Höhe von insgesamt 2.000,- Euro. Ge - nügend Mandanten aus dem privaten, indus tri - ellen/gewerblichen und staatlichen Bereich mit ausreichend Gegenstands- bzw. Streit werten stehen mithin zur Verfügung. Laut der Bundesrechtsanwaltskammer waren zum Stichtag bundesweit Rechts - anwälte zugelassen, davon als Fachanwälte anerkannt. Bei seinerzeit möglichen 19 Fachan walts - titeln stellten das Arbeitsrecht (8.038) und das Familienrecht (7.749) den größten Anteil dar, wäh - rend sich das Versicherungsrecht (818) als Nische erweist. Den Fachanwaltstitel für Versicherungs - recht zu erwerben, stellt sich jedoch regelmäßig als äußerst schwierig dar. Es ist nicht einfach, innerhalb von drei Jahren die 80 erforderlichen Praxisfälle vorzuweisen.»dort als eigenständiger Neueinsteiger anwaltlichen Fuß zu fassen, ist nahezu unmöglich.«am ehesten gelingt dies den Anwälten, welche für Versicherer tätig sind. Allerdings muss hier die ver - sicherungsrechtliche Anwaltstätigkeit als ge schlos - sene Gesellschaft bezeichnet werden. In der Regel haben alle Versicherungsunternehmen bereits eine oder mehrere seit langem präferierte Kanzlei(en), welche sie mit ihrer Interessenswahrnehmung be auf tragen. Entsprechend groß ist der Konkur - renz druck und -kampf unter den Versiche rungs - anwälten. Dort als eigenständiger Neueinsteiger an walt lichen Fuß zu fassen, ist nahezu unmöglich.»wer glaubt, mit seinem Versicherer auf derselben oder wenigstens angenäherter Augenhöhe ver han deln zu können, liegt in der Regel gänzlich neben der Rechtswirklichkeit...«Hingegen kann sich der geneigte Rechtsanwalt aber auf Versicherungsnehmerseite noch einen Namen machen. Hier ist der Bedarf angesichts der Un - gleichheit der Versicherungsvertragspartner, insbe - sondere auch infolge der zuvor bezeichneten hoch spezialisierten Versicherungsanwälte sowie der hochkomplexen Bedingungswerke, immens. 16 ADVOICE 01/10

19 Thema Wer glaubt, mit seinem Versicherer auf derselben oder wenigstens angenäherter Augenhöhe ver han - deln zu können, liegt in der Regel gänzlich neben der Rechtswirklichkeit, sei er nun eine natürliche oder eine juristische Person.»Es ist unabdingbar, die jeweilige Rechtsprechung des Versicherungs - senates des Bundesgerichtshofes, der IV. Zivilkammer, sowie der Versicherungssenate der Ober - landesgerichte, manchmal auch der Versicherungsrechtskammern der Landgerichte, zu kennen.«bekanntlich ist aller Anfang anwaltlicher Betäti - gung schwer, und diese Aussage gilt auch und vor allem für das Versicherungsrecht. Dieses Rechts - gebiet ist letztlich und in erster Linie Vertrags - zivilrecht mit ausgeprägten spezialgesetz lichen Vorgaben und gekennzeichnet durch das Deckungsverhältnis zwischen Versicherer und Ver siche - rungs nehmer. Es ist deutlich zu einem etwaigen Haf - tungsverhältnis zwischen dem Versicherungs - neh mer und einem Dritten abzugrenzen, wobei es jedoch Überschneidungen zwischen Haftungs- und Deckungsprozess geben kann. Juristische Probleme können sich insbesondere bei Versicherungs ver - tragsschluss oder im Schadenfall ergeben und tauchen naturgemäß erst im letzteren Stadium auf. Es ist unabdingbar, die jeweilige Rechtsprechung des Versicherungssenates des Bundesgericht shofes, der IV. Zivilkammer, sowie der Versicherungssenate der Oberlandesgerichte, manchmal auch der Ver - sicherungsrechtskammern der Landgerichte, zu kennen. Ansonsten lassen sich die einzelnen Versicherungsvertrags- und Versicherungsbe din - gungsklauseln nur schwer verstehen oder auslegen. Zudem gibt es bei den Bedingungswerken zwar regelmäßig Übereinstimmungen mit den Muster - bedingungen des GDV. Allerdings lässt es sich kein Versicherer nehmen, anders zu sein als die Kon - kurrenz und wird daher zumindest einige Klauseln verwenden, die nicht dem Standard der Branche entsprechen. Daneben passt die Ver siche rungs - wirtschaft ihre Versicherungsvertrags bedingungen regelmäßig an eine veränderte Rechts- bzw. Recht - sprechungslage an. Wer als Anwalt ohne Einblick in die gesamten konkreten Versicherungs unter - lagen des Mandanten insbe son dere Antrag, Ver - siche rungs schein, Allgemeine und Besondere Ver - siche rungs vertragsbedingungen und ohne das Ver sicherungsvertragsgesetz ver sucht, ein Ver - siche rungs mandat zu bewältigen, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Haftungsfall produzieren.»in der allgemeinen gesellschaftlichen Wahrnehmung wird der Charakter eines Versicherungsvertragsverhältnisses als Risikoschutz regelmäßig mit jenem einer Sparanlage verwechselt.«darüber hinaus ist auch die anwaltliche Verant - wortung nicht zu unterschätzen. Nicht selten wird im Schadenfall die vornehmlich wirtschaftliche Existenz des Versicherungsnehmers gefährdet sein. Der Versicherungsanwalt hingegen muss das Ver - sichertenkollektiv vor einer unberechtigten oder gar betrügerischen Inanspruchnahme schützen. In der allgemeinen gesellschaftlichen Wahrnehmung wird der Charakter eines Versicherungsver trags ver hält - nisses als Risikoschutz regelmäßig mit jenem einer Sparanlage verwechselt. Getreu dem Trug schluss Jetzt habe ich so viel eingezahlt, da steht mir eine Ausschüttung auch zu., werden viele überflüssige und von geringer Erfolgsaussicht ge prägte Ge - richts verfahren durchgeführt. Nicht nur in der an - waltlichen Praxis, sondern bereits in der Aus bildung ist das Versicherungs recht eine Nische. Man findet es dort nur ge le gentlich und wenn, dann oft als lediglich unwesentliche Ergänzung zu den Klassi - kern der juristischen Lehre. Im Rahmen des Refe - rendariats kommt das Versicherungs recht ebenso selten und wenn überhaupt dann nur zum Zwecke der Veranschaulichung oder als Auf hänger für Standardprobleme zur Anwendung. Wer sich dieses Rechtsgebiet erschließen möchte, kann sich einer speziellen Ausbildung, vor allem im Rahmen eines Fachanwaltslehrgangs für Ver sicherungsrecht, nicht entziehen. Als Fazit ist festzuhalten, dass das Versicherungs - recht eine spannende und bedeutsame Rechts - materie mit hohem Bezug zur Lebenswirklichkeit darstellt. Für die Anwaltschaft bietet es deutliche Anreize, sich (auch) hierin zu betätigen. Dies bedingt zwingend einen vorherigen Erwerb der erforder - lichen Spezialkenntnisse und ständige Fortbildung. Auf Versicherungsseite wird der Anwalt seinen Ein - stieg gemeinhin nur über die bestehen den Versiche - rungskanzleien finden. Für die Ver siche rungs nehmerseite stellt sich demgegenüber zwar die Frage nach dem Aufbau und folglich wie bei jeder Kanzleieröffnung nach der Kunden ge winnung. Allerdings besteht hier auf Grund des hohen Spe - zialisierungsbedürfnisses in diesem Rechtsgebiet ein noch ungesättigtes Anwaltsmarkt segment. Ohne Freude an der speziellen und kom plexen Materie des Versicherungsrechts wird jedoch keiner der beiden vorbezeichneten Wege zum Erfolg führen. Für den (jungen) Rechtsanwalt bietet das Versicherungsrecht eine Chance, sich aus der an - waltlichen Masse hervorzuheben. RA Thorsten Bahnemann, Düsseldorf Bevor es brennt Sie haben die Fachkompetenz wir sichern Ihren wirtschaftlichen Erfolg. Erarbeiten Ihres Kanzleiprofils Sicheres Führen von Honorargesprächen Umsatzplanung und Controlling Freecall 0800.ABC ANWALT KfW gefördertes Gründercoaching: Bis zu 90% Zuschuss möglich. ADVOICE 01/10 17

20 Thema Papier gegen Gewalt Der Gewaltschutz ein Lauf gegen die Zeit Kinder leiden besonders unter häuslicher Gewalt. Dennoch kostet es Überwindung, gegen den eigenen Partner gerichtlich vorzugehen. Foto: Georg Preissl_Fotolia.com Wenn es darum geht, Menschen, die Gewalt erfahren haben und bedroht werden, zu schüt - zen, sind meist Schnelligkeit und Flexibilität ge - boten. Gerade wenn es sich um häusliche Gewalt handelt und Kinder involviert sind, muss man einen kühlen Kopf bewahren, um sein Ziel zu erreichen. AdVoice-Redakteurin Anke Schiller- Mönch wollte eigentlich für ihren FA-Kurs ler - nen, aber dann klingelte das Telefon. Es ist ein ganz normaler Dienstag in meiner Kanzlei. Mir steht eine kurze Bürowoche bevor, da ich am Mittwoch zum Fachanwaltslehrgang fahren möch - te. Ein wenig Ruhe täte mir gut. Schließlich wäre ein Blick in die Kursunterlagen vor der Klausur irgend wie nicht schlecht. Gegen 14 Uhr kann ich die Vorstellung von einer ruhigen Woche und vom Lernen für den Fachan - walts kurs begraben. Das Telefon klingelt. Am an - deren Ende die Stimme einer schüchternen Frau. Ein Bekannter habe mich empfohlen. Sie erzählt mir, dass ihr Partner am Wochenende gewalttätig ge - worden sei, vor den Augen der Kinder. Die habe sie inzwischen sicher unterbringen können. Der Mann sei beruflich unterwegs und sie habe Angst, wenn er nach Hause kommt. Wann das sei, möchte ich wissen. Es sind noch ein paar Tage Zeit. Ich atme innerlich auf. Wir haben ein wenig Zeit. Ich beruhige die Frau und sichere ihr meine Hilfe zu. Da wusste ich noch nicht, was auf mich zukommt.»beim Anblick der Bilder muss sich meine Kollegin setzen. So etwas hatte selbst sie noch nicht gesehen.«o.k., lernen wird vertagt, alle anderen Termine auch. In mir macht sich dieses Ich mach die Welt ein bisschen besser -Gefühl breit. Mein Ehrgeiz ist angestachelt. Doch halt! Wo bitteschön ist denn da die Professionalität, Frau Rechtsanwältin? Also lehne ich mich einen Moment zurück und sortiere die Fakten und beschließe zu warten, bis die Mail mit den Bildern, den Daten und der Vollmacht kommt. Wenn es der Frau ernst und wichtig ist, sollte das alles in einer halben Stunde da sein. Es ging schneller. Die Fotos haben mich schockiert und nicht nur mich. Mit Einverständnis der Mandantin zog ich meine Bürogemeinschaftskollegin zu Rate. Die hat jahrelange Berufserfahrung, insbesondere im Fami - lienrecht. Beim Anblick der Bilder muss sie sich setzen. So etwas hatte selbst sie noch nicht gesehen. Ja es war Eile geboten. Die legte ich jetzt an den Tag, nahm mir das Gewaltschutzgesetz und das neue FamFG vor und tippte munter drauf los. Natürlich hatte meine Sekretärin heute frei. Mit Hilfe von Formular bü - chern und intensiver Gesetzeslektüre brachte ich einen, wie ich fand, ganz passablen Antrag nebst Begründung aufs Papier, und schickte alles zur Man dan tin, damit sie die Fakten überprüft. Mitt - lerweile ist es Nachmittag. Die Mandantin holt gerade die Kinder aus der vorläufigen Unterkunft. Als ich sie abends erreiche, wirkt sie schon etwas aufge räumter. Offensichtlich hat sie die Entschei - dung, gerichtlich gegen den Partner vorzugehen, Überwindung gekostet.»immerhin schüchtert Gewalt ein und so makaber es klingen mag spielen Gefühle, Liebe und die Hoffnung, das alles wieder gut werden würde, eine wichtige Rolle.«Meine Kollegin bestätigt mir, das, was für Außen - stehende das Selbstverständlichste der Welt zu sein scheint, ist für die Betroffenen oft nicht so ein - deutig. Gründe dafür gibt es viele. Immerhin schüch - tert Gewalt ein und so makaber es klingen mag - 18 ADVOICE 01/10

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