Freiwilligenarbeit im Aargau 2013

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1 Freiwilligenarbeit im Aargau 2013 Freiwilligenarbeit ist kunterbunt und bietet für Jung und Alt spannende Einsatzmöglichkeiten wie in diesem Bildband eindrücklich zu sehen ist. Dieses Mal stellen wir Freiwillige vor, die sich mit viel Herzblut in verschiedenen Integrationsprojekten im Aargau engagieren. Es war uns, dem Fotografen Donovan Wyrsch und mir, eine grosse Freude, diese Menschen kennenzulernen und sie für kurze Zeit bei ihrem wertvollen Einsatz begleiten zu dürfen. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten ganz herzlich für ihr Engagement. Claudia Laube BENEVOL Aargau BENEVOL Aargau

2 Editorial Dass sich der Staat aktiv der In- Integra tion von Zugezogenen ein- tegrationsförderung annimmt, ist setzten. Heute wie gestern ist dieses ein eher junges Phänomen. Auch Engagement für unsere Gesellschaft wenn bereits vorher punktuell Inte- unentbehrlich. Denn Integration grationsarbeit von staatlicher Seite ist ein wechselseitiger Prozess, der unterstützt wurde, ist die Integra- auch die einheimische Bevölkerung tionsförderung erst mit dem neuen einschliesst. Dafür stehen die in Ausländergesetz im Jahr 2008 als diesem Bildband porträtierten Men- staatliche Aufgabe verankert wor- schen beispielhaft. Sie alle verdie- den. nen unseren grossen Dank, denn sie Um einiges älter ist die Freiwilligen- leisten mit ihrer Arbeit einen wert- Impressum arbeit in diesem Bereich. Lange bevor Bund, Kantone und Gemein- vollen Beitrag zu einem vielfältigen Miteinander in unserem Kanton. Konzept: Text: Gestaltung: Fotos: Druck: BENEVOL Aargau, Aarau Claudia Laube, BENEVOL Aargau innov8 AG, Aarau Donovan Wyrsch Reinmann, Aarau Suterkeller Druck AG, Oberentfelden den aktiv wurden, durfte unsere Gesellschaft bereits auf zahlreiche ehrenamtlich geführte Organisationen und ihre freiwilligen Mitarbeitenden zählen, die sich für die Markus Rudin Leiter Amt für Migration und Integration Kanton Aargau BENEVOL Aargau Entfelderstrasse Aarau Telefon: Web: 3

3 Caritas Aargau Name: Stefanie Moor Alter: 26 Jahre Tätigkeit: Patin im Patenschaftsprojekt «mit mir» 4 5

4 Dass sie sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit noch freiwillig engagieren würde, daran dachte Stefanie Moor vor einem Jahr nicht. Es ist einem Zufall beziehungsweise einer Hochzeitsfeier zu verdanken, tut sie es inzwischen doch: Das Hochzeitspaar rief für Spenden an das Patenschaftsprojekt «mit mir» von Caritas auf. Wieder zu Hause erkundigte ich mich im Internet darüber und wollte sofort mitmachen. Ein schöner Zufall für die 13jährige lettisch-russisch stämmige Sorona, die schon länger auf eine geeignete Patin wartete. Die Begegnung entpuppte sich für beide als bereichernd: Wir sind wie eine kleine und grosse Schwester, sagt Stefanie und streichelt der Sekundarschülerin liebevoll über die Haare. Zur Erinnerung machen wir an unseren Treffen immer Fotos. Obwohl eine Patenschaft bei Caritas gewöhnlich nach drei Jahren endet, möchte sie nicht, dass es irgendwann vorbei ist: Ich hoffe, wir bleiben in Kontakt bis wir alt sind und im Rollstuhl sitzen. Beide lachen. Stefanie interessiert sich sehr dafür, wie es ihrem Patenkind in der Schule geht und fragt gerne nach: Nur so erfahre ich, wenn etwas nicht stimmt. Einmal reagierte Sonora für längere Zeit nicht auf Stefanies Kontaktversuche. Sie machte sich grosse Sorgen. Glücklicherweise war alles gut: Danach sprachen wir darüber und seither schreibt sie mir ab und zu sogar eine Nachricht, wenn sie ins Bett geht. Wieder lachen beide. Wenn sie einmal im Monat Zeit verbringen, dann zumeist mit Ausflügen, die länger dauern. Natürlich ist es zeitaufwändig, aber das ist es mir wert. Es gibt einem so viel zurück. 6

5 Museum Aargau Name: Denis Leu Alter: 36 Jahre Tätigkeit: Museums-Freiwilliger 8 9

6 Ich wollte ein nützlicher Mensch für die Gesellschaft sein, sagt Denis Leu, der vor fünf Jahren aus politischen Gründen in die Schweiz kam. Seither suchte der arbeitsund integrationswillige junge Mann immer wieder eine Aufgabe, um nicht in Langeweile zu versinken. Als er sich im Büro der Anlaufstelle Integration Aargau AIA nach einem sinnvollen Einsatz erkun digte, drückte ihm die Beraterin eine Broschüre des Museums Aargau in die Hand. Der ehemalige Kunststudent war sofort Feuer und Flamme und meldete sich flugs als Museums-Freiwilliger. Auch wenn ihm vor der ersten Begegnung mulmig zu Mute war, bewahrheiteten sich seine Ängste nicht: Die vielen anderen Freiwilligen empfingen ihn mit offenen Armen. Dieses Engagement führt ihn mit Menschen zusammen, die ihn so nehmen wie er ist. Denis Leu ist dankbar, darf er hier mitwirken. Er packt dort an, wo Hilfe gebraucht wird. Nur der Weg von seinem Wohnort zum Schloss ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln etwas gar lange. Einmal im Monat ist das aber gut machbar, sagt Denis Leu in einem Deutsch, dem man anmerkt, dass er ständig daran arbeitet. Nicht nur in Deutschkursen. Er wirkt sehr überlegt, als ob er sich in Gedanken die passenden Worte und Sätze erst zusammenstellt, bevor er sie ausspricht. Inzwischen fand er eine Anstellung als Pflegehelfer in einem Altersheim. Das hält ihn aber nicht davon ab, sich weiterhin für das Museum Aargau zu engagieren: Ich verbringe eine wirklich gute Zeit hier und fühle mich als nützliches Mitglied der Gesellschaft. Kurzum, im Freiwilligenprogramm des Museums Aargau fühlt er sich integriert. 10

7 NOSOTRAS Aargau Name: Ligia Vogt Alter: 50 Jahre Tätigkeit: Koordinatorin 12 13

8 Für Ligia Vogt ist schnell klar, welchen Gegenstand sie mit ihrem freiwilligen Engagement verbindet: Mein Handy! Rund 1500 Nummern sind dort abgespeichert. Sie gehören vorwiegend Frauen mit iberoamerikanischem Hintergrund. Darunter sind viele, denen von ihren Schweizer Männern ein besseres Leben vorgegaukelt wurde. Mit ihrem im 2005 ins Leben gerufenen Projekt NOSOTRAS Aargau unterstützt Ligia Vogt die Frauen dabei, in der Schweiz Fuss zu fassen. Gegenwärtig sind es rund 100, die Sprach- oder Computerkurse besuchen oder eine Familien- und Schwangerschaftsberatung in Anspruch nehmen. Dafür holt sie Fachkräfte und Kinderbetreuerinnen mit an Bord. Sie selbst kam vor rund 20 Jahren in die Schweiz. Das in Venezuela absolvierte Studium der Erziehungswissenschaften brachte ihr hier nichts, sie fand keine Arbeit. So schuf sie sich ihren eigenen Arbeitsplatz: Ich bekomme zwar kein Geld dafür, aber erfahre Dankbarkeit und sehe viele zufriedene Gesichter. Die Schicksale, auf die sie trifft, sind oft tragisch. Ihr grosses Herz lässt es nicht zu, nur während den normalen Öffnungszeiten erreichbar zu sein: Wenn die Probleme kommen, sind alle Büros geschlossen. Häusliche Gewalt geschieht zumeist nachts. Meine Frauen sind froh, wenn sie sich jederzeit an jemanden wenden können, der ihre Sprache spricht und zuhört, sagt die einfühlsame Familienfrau. Viele, die zu ihr kommen, sind ganz unten, obwohl sie in ihren Herkunftsländern hohe Ausbildungen genossen haben. Ich möchte den Frauen Kraft und Energie geben. Nicht ohne Stolz fügt Ligia Vogt hinzu: Dank unseren Kursen verbesserten die meisten ihre berufliche Situation sogar. 14

9 Verein Netzwerk Asyl Aargau Name: Simon Jung Alter: 40 Jahre Tätigkeit: Gastgeber im «contact» in Aarau 16 17

10 Simon Jung ist ein fröhlicher und unkomplizierter Mann. Ob es sich um ein Gespräch mit einem Asylsuchenden oder um ein Fotoshooting mit einem kleinen goldenen Globus handelt, man merkt, er kennt keine Berührungsängste. Eine ideale Voraussetzung für das freiwillige Engagement, das er seit Oktober 2012 ausübt. Er ist Gastgeber im «contact», einem wöchentlichen Treffpunkt für Asylsuchende. Hauptberuflich ist Simon IT-Berater, nebenberuflich drei- bis viermal pro Monat im «contact» in Aarau anzutreffen. Dafür legt er extra Frühschichten ein, damit er sich um 16 Uhr ganz seinem Engagement widmen kann. Während er hinter der Theke steht und Getränke und Kuchen anrichtet, treten bereits die ersten Menschen ein, schauen sich um, marschieren zum Computer oder nähern sich Simon für einen kurzen Schwatz. Andere sitzen einfach nur da und spielen mit ihrem Handy, weil sie von einer Gratis-Internetverbindung profitieren dürfen. Warum dieses Engagement? Ich habe das nie gesucht, sagt er, ich bin einfach hineingerutscht. Eine deutsche Kollegin, die hier bereits mithalf, nahm ihn eines Tages mit. Was er sah, gefiel ihm und er blieb. Schon in jungen Jahren wurde sein Interesse an Menschen aus anderen Kulturen geweckt; vor allem durch Reisen, die ihn nach Nepal führten. Ausserdem verdankt er seinen Reisen Kenntnisse in den verschiedensten Sprachen, die ihm heute bei seiner Freiwilligenarbeit von Nutzen sind. Von einigen Langzeit-Asylsuchenden kennt Simon auch die Lebensgeschichte: Bis sie sich öffnen, dauert es lange. Wenn das aber passiert, ist das ein schöner Moment für mich. Es zeugt vom Vertrauen, das sie mir entgegenbringen. 18

11 Jugendrotkreuz Aargau Name: Michelle Wettstein Alter: 17 Jahre Tätigkeit: Mentorin für fremdsprachige Kinder 20 21

12 Michelle Wettstein ist Mentorin von Paulos, 7. Oder wie sie es beschreibt: Ich spiele seine grosse Schwester. Die Kantonsschülerin und der Primarschüler mögen sich gut. Sie unterstützt und motiviert ihn, weil sie möchte, dass er es zukünftig leichter hat. Dass sie mit ihm Zeit verbringt, ist für alle ganz normal. Niemand beäugt sie komisch. Sie betritt die Wohnung von Paulos eritreischer Familie wie eine alte Bekannte, setzt sich auf den Boden und spielt gemeinsam mit ihm Domino. Die Einsätze finden zwar unregelmässig statt, können dann aber gut und gerne drei bis vier Stunden dauern. Je nachdem wie es kommt, so lange bleibe ich. Sie setzt sich kein zeitliches Limit. Es geht einfach ums Beisammensein, sagt sie. Hin und wieder schaut Michelle mit ihm die Hausaufgaben an, korrigiert ihn, wenn er etwas falsch ausspricht, meistens spielen sie etwas und wenn es schön ist, gehen sie raus und spielen Fussball. Sich für andere einzusetzen, das kennt sie vom Jugendverband Cevi. Leider wurde die Gruppe hier in Frick aufgelöst. Nach einem halben Jahr merkte ich, dass mir etwas fehlte. Ich wollte mich endlich wieder engagieren, erklärt sie ihre soziale Ader. Sie las einen Artikel über das Jugendrotkreuz Aargau und begeisterte sich für das Projekt Mentorin für fremdsprachige Kinder. Nur vor dem ersten Zusammentreffen brauchte sie Überwindung: Ich wusste nicht genau, wie ich reagieren muss, vor allem im Umgang mit Paulos. Als ich dann gleich zu Beginn die ganze Familie kennengelernt und sie mich völlig unkompliziert in ihrem Kreis aufgenommen haben, waren meine komischen Gefühle wie weggeblasen

13 Verein Lernwerk Name: Evelyne Jenni Alter: 68 Jahre Tätigkeit: Freiwillige im Caritas-Markt Baden 24 25

14 Morgens um 9 Uhr im Caritas-Markt in Baden. Evelyne Jenni und Rahwa Russom betrachten aufmerksam einen Pullover. Wie finden Sie die Qualität? Welchen Preis wollen wir hinschreiben? fragt die vife Seniorin auf Hochdeutsch. Gemeinsam bestimmen sie den Preis. Danach legt die Eritreerin das etikettierte Kleidungsstück fein säuberlich gefaltet auf einen Stapel anderer Pullover. Rahwa Russom befindet sich im zeitlich befristeten Arbeitsintegrationsprogramm des Vereins Lernwerk, der eng mit dem Caritas-Markt zusammenarbeitet. Sie wird hier unter anderem auch von Evelyne Jenni betreut, die ihr bei den anfallenden Tätigkeiten hilft zum Beispiel an der Kasse oder beim Bereitstellen der Nahrungsmittel. Nebenbei erhalten Stellensuchende wie die 33jährige noch Deutschunterricht, erklärt die Dättwilerin: Es ist wichtig, dass ich mit allen hier ein klares Hochdeutsch spreche und sie korrigiere, wenn sie etwas falsch sagen. Zeit, um sich in einer ruhigen Minute mit dem Deutschbuch gemeinsam hinzusetzen, ist leider nur wenig da. Ja, es ist anstrengend, aber auch sehr abwechslungsreich, sagt Evelyne Jenni, die vor zwei Jahren über die Chefin des Caritas-Marktes zu diesem Engagement fand. Ich komme in Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen und habe vertieften Einblick in andere Kulturen, sagt sie begeistert. Die Zusammenarbeit ist sehr bereichernd für alle, für die Stellensuchenden genauso wie auch für uns Freiwillige. Das mit Abstand schönste Gefühl sei, wenn Menschen, die hier arbeiten, nach einer gewissen Zeit eine Stelle oder eine Lehrstelle finden. Dann herrscht hier ausgelassene Feststimmung

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