Handbuch für. Ein Projekt in Kooperation mit Diözesanrat der Katholiken, Kolpingwerk, Christliche Arbeitnehmer Jugend und Kath. Erwachsenenbildung

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1 Handbuch für Herausgegeben vom Caritasverband für die Diözese Passau e.v. Referat Jugendhilfe Projekt SymPaten Steinweg Passau Tel.: 0851/ Fax: 0851/ Ein Projekt in Kooperation mit Diözesanrat der Katholiken, Kolpingwerk, Christliche Arbeitnehmer Jugend und Kath. Erwachsenenbildung Gefördert von der.

2 Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. 1. Vorsitzender Domkapitular Manfred Ertl Diözesan-Caritasdirektor Volker Kuppler Die ersten vier Worte aus dem ersten Johannesbrief lauten im Lateinischen DEUS CARITAS EST und bilden die Überschrift und das Grundthema des ersten großen Lehrschreibens von Papst Benedikt XVI. Gott ist die Liebe, und in Jesus Christus begegnen wir einem Gott der uns liebt. Und eben dieser Jesus Christus hat diese Liebe Gottes anschaulich gemacht in der Art und Weise, wie er Menschen begegnet ist: In seiner Sorge um kranke, arme und schwache Menschen, in seiner Zuneigung zu Sündern und Gestrauchelten, bis hin zum Schächer am Kreuz. Für sie alle öffnete er den Himmel. Auf eine solche Liebe eines sich schenkenden Gottes, kann man eigentlich nur mit Liebe antworten. Und diese Nächstenliebe, die Caritas im Großen und im Kleinen, ist die große Aufgabe für uns als Menschen, die ihr Christ sein ernst nehmen wollen. Im Italienischen bezeichnet man die kleinen Liebesdienste des Alltags mit dem Begriff: dare una mano, - jemandem die Hand reichen. Wenn das gelingen soll, muss ich mich dem anderen zuwenden, muss ihn anschauen, seine Bedürfnisse wahrnehmen und ich muss mich vielleicht sogar bücken. Auf jeden Fall darf ich nicht kontaktscheu sein, denn jede Beziehungsangst verhindert Caritas. Sie als ehrenamtliche SymPaten wenden sich benachteiligten Jugendlichen zu und reichen ihnen Ihre helfende Hand. Wir danken Ihnen ganz herzlich dafür und wünschen Ihnen viel Erfolg! DK Manfred Ertl Volker Kuppler 1. Vorsitzender Diözesan-Caritasdirektor 2

3 Inhalt: Das Projekt SymPaten 4 Grundsätzliches zur SymPatenschaft 5 Jugendliche heute Freizeitaktivitäten 6 Jugendarbeitslosigkeit 7 Der Blick in die berufliche Zukunft von Jugendlichen selbst - Ergebnisse einer repräsentative Untersuchung der Bertelsmann Stiftung Jugendsozialarbeit und sog. benachteiligte Jugendliche 9/10/11 Die Sinus-Milieu-Studie 12 /13 Soziales Handeln in fremden Lebenswelten 14/15/16 Gesprächsleitfaden für das Kennenlern-Gespräch 17 Wenn die rechte Lust zum Bewerben fehlt 18 Die Bewerbungsunterlagen 19/20/21/22/23 Bewerbungscheckliste 24 Das Vorstellungsgespräch 25/26 Checkliste Ausbildungsvertrag 27 Finanzielle Hilfen bei der Ausbildung(ssuche) 27 Ausbildungsabbrüche vermeiden 28 Alternativen, wenn es mit der Ausbildung nicht klappt 29/30 Fragen zur Reflexion der SymPatenschaft 31 Beratungsstellen in der Stadt Passau 32/33 Sonstige nützliche Adressen für Jugendliche 34/35/36/37 Internettipps 38 Verzeichnis der Dateien auf der beiliegenden CD-Rom 39 Anhang: Vordruck für Einverständniserklärung der Eltern Information zum Berufsbildungszentrum Presseschau 3

4 Jugendliche / junge Erwachsene in Schulen, arbeitsfördernden Maßnahmen und bereits in Arbeit/Ausbildung SymPaten Projekt Kooperationspartner Diözesanrat, CAJ, Kolpingwerk, Kath. Erwachsenenbildung, SymPaten-Büro Beate Heindl Mo-Do vormittags Beratungsnetzwerk Psychosoziale Beratungsstellen, Migrationsberatung, Die Brücke, Arbeitsagentur Team U25, IHK- Ausbildungsberater, Jugendamt, Streetwork,

5 Grundsätzliches zur SymPatenschaft SymPaten sollen Ansprechpartner/in sein für den Jugendlichen Frühwarnsystem sein, d.h. auf Probleme und Konflikte achten und diese früh ansprechen helfen, auch die Hilfe anderer annehmen zu können Eine SymPatenschaft soll auf den Grundsätzen von Freiwilligkeit, Vertrauen und Offenheit basieren, das heißt beide Seiten können sich frei für oder gegen die SymPatenschaft entscheiden! was im Rahmen der SymPatenschaft gemacht wird, wird gemeinsam besprochen! nichts wird hinter dem Rücken eines der Beteiligten unternommen! Konflikte werden partnerschaftlich gelöst, in einer SymPatenschaft ist kein Platz für Bevormundung! 5

6 Jugendliche heute 6

7 Jugendarbeitslosigkeit Aktuelle Zahlen aus dem Bezirk der Agentur für Arbeit Passau (Hauptagentur Passau incl. Außenstelle Obernzell Juli 2007): Arbeitslose unter 20 Jahren: 127 (3,9 %), davon 56 in SGB II Arbeitslose unter 25 Jahren: 473 (5,2 %), davon 215 in SGB II Offene Ausbildungsstellen laut PNP vom : 2060 im ganzen Bezirk der Arbeitsagentur Passau, d.h. incl. Außenstellen Pocking, Grafenau, Waldkirchen, Vilshofen und Obernzell Untersuchung des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV) vom Juni 2007: Knapp bayerische Hauptschüler aus 570 Hauptschulen wurden im Juni 2007 befragt nach ihren Plänen nach der Schule: noch unversorgt 24% Vertrag für Hilfs- oder Anlerntätigkeit 1% Berufsbildungsmaßnahme (Agentur für Arbeit) 10% 10. Klasse bzw. FOS 12% Berufsfachschule 10% Ausbildungsvertrag 43% 0% 20% 40% 60% 7

8 Der Blick in die berufliche Zukunft von Jugendlichen selbst - Ergebnisse einer repräsentative Untersuchung der Bertelsmann Stiftung 2005 Mehr als die Hälfte der deutschen Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren blickt skeptisch (42 Prozent) oder sogar pessimistisch (10 Prozent) in die berufliche Zukunft. Mehr als jeder dritte Jugendliche (39 Prozent) macht sich große Sorgen darüber, keinen Ausbildungsplatz zu bekommen. 34 Prozent haben Angst davor, später in die Arbeitslosigkeit zu rutschen. Besonders ausgeprägt scheint der Pessimismus bei Jugendlichen mit einfacher Schulbildung. Zwei Drittel der Hauptschüler blicken mit negativen Gefühlen in ihre berufliche Zukunft. Auch unter den Realschülern ist noch jeder zweite Jugendliche skeptisch, was seine Zukunftschancen betrifft. Mehr als vier Fünftel aller Jugendlichen sind der Meinung, dass Schüler mit einem Hauptschulabschluss bei der Lehrstellensuche und der anschließenden Arbeitsplatzsuche benachteiligt werden. Insgesamt sind knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Jugendlichen bereit, für ihr berufliches Vorankommen Opfer zu bringen. Immerhin ein gutes Drittel (37 Prozent) der Jugendlichen gibt jedoch privaten Interessen den Vorzug. Die Mehrheit der Jugendlichen (59 Prozent) sieht sich bei der Suche nach einem Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz selbst in der Verantwortung. Mit großem Abstand folgen die Eltern, bei denen 15 Prozent der Jugendlichen die Verantwortung für ihre berufliche Integration sehen, sowie Betriebe (10 Prozent), Schule (9 Prozent) oder der Staat (7 Prozent). Einen Mangel an Informationen zur Berufswahl beklagen die Jugendlichen nicht. Entscheidende Einflussgrößen zur Berufsorientierung sind eigene Erfahrungen, etwa über Praktika, oder die Tätigkeit der Eltern. Broschüren und anderes Informationsmaterial spielen hingegen eine untergeordnete Rolle bei der Berufswahl. Insgesamt ist die Berufswahl einer der wenigen Bereiche, in dem Jugendliche ihre Eltern noch um Rat fragen oder ihnen noch Kompetenz zusprechen. Freunde oder Lehrer sind als Ratgeber weniger wichtig. Immerhin nimmt das Internet unter 15 vorgegebenen Einflussgrößen auf die Berufswahl den 7. Platz ein. 8

9 Jugendsozialarbeit was heißt das? Unsere Zielgruppe Benachteiligte Jugendliche Quelle: LAG KJS Bayern 9

10 Häufige Gründe dafür, dass es mit der abgeschlossenen Ausbildung nicht klappt Wenn auch die Gründe unterschiedlich sind, weshalb junge Frauen und Männer einen Berufsabschluss verfehlen, so lassen sich doch Risikofaktoren erkennen: Risiko: Migrationshintergrund Jugendliche Migranten haben ein dreimal höheres Risiko als ihre deutschen Kollegen, ohne Berufsabschluss zu bleiben (32,6 %, alle: 10,3 %). Risiko: Weiblich sein Trotz besserer Schulabschlüsse bleiben junge Frauen häufiger als junge Männer ohne Ausbildung (13,8 %, junge Männer: 12,6 %). In der Berufsorientierung werden Mädchen immer noch stark auf wenige und überlaufene traditionelle Berufe fixiert. Risiko: Kein oder ein niedriger Schulabschluss 68,9 % der Jugendlichen ohne abgeschlossene Ausbildung haben auch die Schule erfolglos durchlaufen. Auch mit Hauptschulabschluss bleiben 27 % ohne Ausbildung, mit Realschulabschluss sind es 8,4 %. Nur 6,9 % der Abiturienten tragen das gleiche Risiko. Zudem erreichen bei einem zu geringen Ausbildungsplatzangebot Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen leichter als Jugendliche mit niedrigeren oder ohne Schulabschluss ein Ausbildungsverhältnis (Verdrängungswettbewerb). Risiko: fehlende Ausbildungsplätze in der Heimatregion Seit Jahren bleiben auch solche Jugendliche ohne Abschluss, die vor Ort chancenlos waren, weil der Markt in ihrer Region zu wenige Ausbildungsplätze hergibt Risiko: Kinder haben 91 % derjenigen, die nach der Schule Kinder erziehen, erreichen später keinen Berufsabschluss mehr. Auch von denjenigen, die eine Ausbildung beginnen, brechen 11 % die Lehre ab. Quer zu diesen Risiken liegen Beeinträchtigungen, die zusätzliche Probleme bedeuten: Lernbeeinträchtigungen Verhaltensauffälligkeiten Teilleistungsschwächen schwierige familiäre Verhältnisse mangelndes Selbstvertrauen Sprachprobleme Quelle:DGB 10

11 Mit den Augen eines benachteiligten Jugendlichen Quelle: Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern 11

12 Die Sinus-Milieu-Studie Was sind die Sinus-Milieus? Die Sinus-Milieus sind das Ergebnis von fast 30 Jahren sozialwissenschaftlicher Forschung. Die Zielgruppenbestimmung von Sinus Sociovision orientiert sich an der Lebensweltanalyse unserer Gesellschaft. Die Sinus-Milieus gruppieren Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Grundlegende Wertorientierungen gehen dabei ebenso in die Analyse ein wie Alltagseinstellungen zur Arbeit, zur Familie, zur Freizeit, zu Geld und Konsum. Sie rücken also den Menschen und das gesamte Bezugssystem seiner Lebenswelt ganzheitlich ins Blickfeld. Die Grenzen zwischen den Milieus sind fließend. Es liegt in der Natur der sozialen Wirklichkeit, dass Lebenswelten nicht so (scheinbar) exakt etwa nach Einkommen oder Schulabschluss eingrenzbar sind wie soziale Schichten. Dabei handelt es sich um einen grundlegenden Bestandteil des Milieu- Konzepts: Zwischen den verschiedenen Milieus gibt es Berührungspunkte und Übergänge. Natürlich haben wir es in der Jugendsozialarbeit mit Individuen zu tun, die allerdings hauptsächlich aus zwei Milieus kommen, dem der sogenannten Konsum- Materialisten und dem der sogenannten Hedonisten. 12

13 Obwohl solches Schubladendenken natürlich auch Gefahren birgt, kann die Studie aber auch im Umgang mit den Jugendlichen helfen:

14 Die ticken nicht falsch, die ticken anders Soziales Handeln in fremden Lebenswelten Martin war in den letzten Wochen in unserer Einrichtung wieder verstärkt durch sein destruktives und aggressives Verhalten aufgefallen. Ich habe ihn ins Besprechungszimmer eingeladen, und ich habe mir viel Zeit für ihn genommen. Ich habe ihm noch einmal ausführlich die Erwartungen der Institution und speziell die meinigen genannt, ich habe sie ausführlich begründet, ich habe sein davon abweichendes Verhalten beschrieben und ihn dann zur gemeinsamen Reflexion seines Verhaltens eingeladen. Jetzt hast Du mich mal wieder zugetextet das war Martins einzige Reaktion. Ansonsten schaltete er auf stur, es war kein Gespräch mit ihm möglich. Mit dem Hinweis auf meine Erwartungen an ein regelkonformes Verhalten und der Ankündigung möglicher Konsequenzen beendete ich das Gespräch. Im Nachhinein wurde mir klar: Ich habe mal wieder nicht die Lebenswelt von Martin im Blick gehabt, sondern war in dem für mich vertrauten Rahmen geblieben. Ein angemessenes pädagogisches Handeln ist verständnisvoll und geduldig, ist klientenund prozessorientiert, ist ausführlich erläuternd und argumentierend. Für Martin, in einem anderen sozialen Milieu lebend, war dies alles nur zutexten. Zwei Wochen später wurde das nächste Gespräch notwendig, Martins Verhalten hatte sich nicht verändert. Mit der gewohnt abwehrenden Haltung breitbeinig und die Arme verschränkt nahm er auf dem Stuhl Platz. Du weist, was ich Dir jetzt zu sagen habe?, eröffnete ich das Gespräch. Klar. Sagst Du s mal? Wenn Du willst, grinste Martin. Ich grinste zurück. Und Martin begann die Litanei aus Erwartungen, Verhaltensbeschreibungen und Argumenten. Sie war perfekt, er hatte in den zwei Wochen fast nichts von meinen Worten vergessen. Am Ende von Martins Litanei konnten wir beide lachen. Und nun? begann ich den nächsten Schritt, wie kriegen wir es hin, dass Du dich anders verhältst bei uns. Bist Du mit einem Vertrag einverstanden? Klar, endlich kann man mit dir reden eröffnete Martin die Vertragsverhandlungen. Gemeinsam haben wir kurz und knapp Verhaltensregeln für Martin aufgeschrieben, beide haben wir die Regeln unterschrieben. Das wars. Nun sind wir wieder einige Wochen weiter. Martin ist kein Musterknabe geworden. Aber seit dem letzten Gespräch kommen wir beide besser miteinander klar und meistens hält er sich an die Regeln. Diese Praxiserfahrung eines Mitarbeiters der KJF Augsburg steht am Ende eines 15monatigen Projekts: Handeln in fremden Lebenswelten. Diesem Projekt lag folgende Zielsetzung zugrunde: Ergänzend zu den in den Einrichtungen der KJF Augsburg bedeutsamen pädagogischen, psychologischen, medizinischen und anderen Konzepten machen sich die Fachkräfte mit dem sozialwissenschaftlichen Modell der Sinus-Milieus vertraut. Im Zentrum standen dabei die unterschiedlichen Milieulogiken und sozialen Identitäten der Lebenswelten, die für die Fachkräfte bedeutsam sind: Entweder, weil sie das eigene Leben dominieren (hier wurden vor allem die sozialen Milieus der Bürgerlichen Mitte, der Postmateriellen und der Experimentalisten genannt), oder weil die meisten KlientInnen der Einrichtungen in ihnen verortet werden (vor allem die Milieus der Konsum-Materialisten, der Hedonisten und der Bürgerlichen Mitte). Die nebenstehenden Beschreibungen der sozialen Identität skizzieren die einzelnen Lebenswelten. 14

15 Die Sinus-Milieus liefern eine differenzierte Landkarte der unterschiedlichen Lebenswelten in Deutschland, gesellschaftliche Pluralität wird sichtbar und begreifbar. Dabei bleibt immer zu berücksichtigen: Eine Landkarte ist ein Modell, eine Konstruktion von Wirklichkeit. Dementsprechend sind die Sinus-Milieus eine hilfreiche Typisierung der Menschen in Deutschland nicht weniger, aber auch nicht mehr. Sie sind ein sozialwissenschaftliches Instrument, eine Sehhilfe, um Menschen und damit auch das Klientel sozialer Arbeit differenzierter wahrzunehmen. Das Instrument kann und darf aber nicht dazu benutzt werden, Menschen als Hedonisten oder als Moderne Performer zu klassifizieren. Andererseits bietet es und das haben sämtliche 76 Teilnehmerinnen des Projektes bestätigt eine neue und hilfreiche Grundlage für die soziale Arbeit: Auf der Folie der Sinus-Milieus können über die Beobachtung von Sinn- und Wertorientierungen, von Lebenszielen und Lebensstilen, von Freizeit- und Mediennutzungsverhalten die lebensbedeutsamen Koordinaten eines einzelnen Menschen besser erkannt und verstanden werden. Die Fachkräfte der KJF Augsburg haben im Laufe des 15monatigen Projektes folgende Erfahrungen mit dem Modell der Sinus-Milieus gemacht: Auf den Begriff gebracht : Ein Modell zur Strukturierung von Wahrnehmungen und Erlebnissen. Die Auseinandersetzung mit dem Sinus-Lebensweltmodell verhalf vielen Fachkräften, ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit unterschiedlichen Klientinnen zu systematisieren und zu verstehen. Meine engen Grenzen : Die Selbstwahrnehmung der Fachkräfte Die Wahrnehmung der eigenen Milieulogik (häufiger auch: Ich beobachte bei mir je nach Situation unterschiedliche Logiken ), der eigenen Grundorientierung, des eigenen Lebensstils, der eigenen Ästhetik war für viele Fachkräfte eine willkommene neue Form von Selbsterfahrung bestärkte sie darin, ihren authentischen Lebens- und Arbeitsstil weiterzuentwickeln bot ihnen die Möglichkeit, auch die milieubedingten Schwachstellen des eigenen pädagogischen Handelns wahrzunehmen und ins Gespräch zu bringen: Die Besserwisserei und der Missionierungsdrang der Postmateriellen, das Harmoniebedürfnis der Bürgerlichen Mitte, die Alles-möglichst-offen-lassen-Haltung der Experimentalisten. Die sind völlig anders als wir : Die Fremdwahrnehmung der KlientInnen Die Wahrnehmung der z.t. sehr fremden Milieulogiken der KlientInnen, ihrer unterschiedlichen Grundorientierungen und sozialen Identitäten führte dazu, dass die Fachkräfte ihre Einstellungen und Haltungen zu ihren KlientInnen überprüften und sich das Ziel setzten, ihre Einstellungen zu verändern ihre eher an der Oberfläche liegenden Beobachtungen der Fremdheit (Aussehen, Musik, Verhaltensweisen) korrigierten durch eine Analyse, die die grundlegenderen differierenden Wertorientierungen und sozialen Identitäten ins Zentrum rückt ihr Handlungsrepertoire überprüften: Sie wollen Do s und Dont s für die pädagogische Kommunikation mit KlientInnen anderer Lebenswelten erlernen ihr Handlungsrepertoire differenzierten: Sie haben gelernt, dass eine hilfreiche pädagogische Kommunikation je nach Milieuzugehörigkeit der KlientInnen unterschiedlich sein kann: Hedonisten wollen v.a. Freiheit und Respekt, Konsum- Materialisten v.a. Unterstützung, Nähe und Akzeptanz, Experimentalisten v.a. vielfältige Anregungen und Freiräume zur Selbst- und Welterfahrung. 15

16 Was müssen die von mir denken : Die vermutete Fremdwahrnehmung der KlientInnen Parallel zur Wahrnehmung der unterschiedlichen Milieuzugehörigkeiten ihrer KlientInnen äußerten die Fachkräfte Vermutungen darüber, wie diese sie selbst wahrnehmen. Hilfreich waren bei dieser Reflexion die von InstitutSinus Sociovision formulierten Hypothesen zu Frauen-Wahrnehmungen. Bedeutsam wurde für die Fachkräfte in diesem Kontext die milieu-gemischte Besetzung von Arbeitsteams. Diese bietet den KlientInnen differenzierte Kommunikationsmöglichkeiten: Probleme von Nähe und Distanz, von Sympathie und Antipathie, von Unterstützung und Abgrenzung können differenzierter bearbeitet werden. Wir müssen neu sortieren : Überlegungen zu milieu-orientierten Umstrukturierungen Die Wahrnehmung der grundlegenden Fremdheiten und Abgrenzungsbemühungen zwischen unterschiedlichen sozialen Milieus bot den Fachkräften vor allem einer der drei beteiligten Einrichtungen einen Schlüssel zur Analyse und zur Bearbeitung von alltäglichen Konflikten zwischen ihren KlientInnen. Dies führte dazu, dass auf der Grundlage des Wissens um die Eigenheiten der einzelnen Lebenswelten Umstrukturierungen in Bezug auf die Zusammensetzung von Gruppen geplant und erprobt werden sollen. Zu Beginn des Projekts hatten die Projektträger als ein Ziel formuliert: Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe der KJF Augsburg lernen Do s und Dont s für die Arbeit mit den Milieus der modernen Unterschicht kennen mit Konsum-Materialisten und Hedonisten. Dieses Ziel stand für fast alle Fachkräfte im Zentrum ihres Lerninteresses. Am Ende des Projekts und damit am Ende des Lernprozesses wurde für die Fachkräfte in Bezug auf dieses Lernziel deutlich: Allgemein formulierte Do s und Donts helfen nicht. Sicherlich: Die Fachkräfte haben Grundregeln für die Kommunikation mit Hedonisten formuliert, wie z. B.: Appelle (ein klassisches Mittel der Bürgerlichen Mitte) und Argumentationen (ein ebenso klassisches Mittel der Postmateriellen) haben bei Hedonisten im günstigsten Fall keine und im Normalfall negative Wirkungen. Aber die entscheidende Frage ist: Wie kann ich, die Erzieherin Petra Meyer, mit meiner sozialen Identität, mit meinen Werten, mit meinem Lebensstil, mit meiner Art der Kommunikation mit meiner Grundmelodie den Jugendlichen Martin Müller mit seinen Werten, seinem Lebensstil und seiner Art der Kommunikation erreichen? Das Beispiel am Beginn dieses Berichts zeigt, wie ein Erzieher der KJF Augsburg seine pädagogische Kommunikation mit Martin entwickelt hat: Er hat seine moralisierenden Appelle ebenso beendet wie seine in der Regel folgenlosen Sanktionsandrohungen. Statt dessen hat er gegenüber diesem konkreten Jugendlichen eine pädagogische Haltung eingenommen und eine dementsprechende Kommunikation begonnen, die sich durch folgende Merkmale auszeichnet: Einerseits eine augenzwinkernde, eine nahezu spielerische Kommunikation, andererseits eine eindeutige Vertrags-Sanktions-Orientierung, die zusammen folgende Botschaft ausdrücken: Ich weiß und akzeptiere, dass Dir viele Regeln in unserer Einrichtung auf den Senkel gehen. Aber die Regeln in unserer Einrichtung bestimmst nicht Du, sondern andere. Und wenn Du hier bist, hältst du dich daran. Martin scheint mit dieser pädagogischen Kommunikation klar zu kommen. von Thomas Becker, Diplompädagoge, Leiter der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle, Hamm 16

17 Möglicher Gesprächsleitfaden für das Kennenlern-Gespräch: Zum Einstieg: Soll ich Du oder Sie sagen? Was weißt du schon über das Projekt SymPaten? Warum machst du mit beim Projekt SymPaten? Zur Person: Wohnst du noch zu Hause? Willst du mir von deiner Familie erzählen? Was machst du in deiner Freizeit? Gibt es etwas ganz besonderes von dir zu erzählen? Abklären der Bedürfnisse: Was läuft gut im Moment? Was läuft nicht so gut im Moment? In welchem Bereich soll ich dich als SymPate unterstützen? Zu Arbeit/Ausbildung? Was kannst du besonders gut? / Was ist dein Lieblingsfach in der Schule? Was fällt dir nicht so leicht? / Welches Fach magst du gar nicht? Hast du einen Wunschberuf? Hast du dich bereits beworben? Zur Orientierung wenn ein Jugendlicher überhaupt nicht weiß, in welche Richtung er/sie gehen will Wofür wirst du von anderen gelobt? Worauf bist du stolz? Bist du gern mit anderen Menschen zusammen oder gehörst du zu denen, die sich lieber etwas zurückziehen und allein machen? Unterhältst du dich mich gern mit Menschen, auch wenn du sie nicht so gut kennst? (z.b. Eltern deiner Freunde, Verkäuferinnen, Mitfahrer im Zug oder in der U-Bahn?) Arbeitest du lieber alleine oder mit anderen? Kannst du gut formulieren? (Aufsätze, s, Briefe, SMS) Bist du körperlich fit? Hast du gesundheitliche Probleme? Wie geschickt bist du beim basteln oder reparieren? Bist du kreativ? Kannst du genau und exakt arbeiten? Wie gut sind deine Computerkenntnisse? Wie ist es um dein technisches Verständnis bestellt? Kannst du drei deiner Stärken und drei deiner Schwächen nennen? 17

18 Wenn die rechte Lust zum Bewerben fehlt Wie kann ein SymPate einer/einem Jugendlichen verdeutlichen, das sie/er vielleicht mehr Engagement zeigen oder auch mal unangenehme Dinge erledigen muss? In solchen Situationen kommt der angemessene Umgang mit einer/einem Jugendlichen oft einer Gratwanderung gleich. Fordere ich zu viel, zieht sich die/der Jugendliche zurück, fordere ich zu wenig, verbessert sich die Situation nicht. Hier ein paar Tipps, wie man einen Jugendlichen bei der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz motivieren kann: Ziele aufzeigen Irgendwann will jeder finanziell unabhängig sein, Arbeit haben, die gefällt und Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Helfen Sie dem Jugendlichen, die eigenen Ziele herauszufinden. Wer seine Ziele vor Augen hat, ist eher motiviert, seine Energie in die Ausbildungsplatzsuche zu investieren. Alles Schritt für Schritt Indem Sie den Jugendlichen anleiten, Schritt für Schritt vorzugehen, helfen sie ihm, sich nicht überfordert zu fühlen und frühzeitig aufzugeben. Eine große Hürde ist schon genommen, wenn Jugendliche wissen, wo ihre Fähigkeiten liegen und in welche berufliche Richtung sie gehen möchten. Wenn es dann mit dem Wunschausbildungsplatz nicht auf Anhieb klappt, kann als nächstes vielleicht ein Praktikum in der Branche weiterhelfen. Auch die kleinen Erfolge würdigen Jede fertig gestellte Bewerbungsmappe, jedes Telefonat mit einem potentiellen Ausbildungsbetrieb, jede Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ist ein kleiner Erfolg und sollte Beachtung finden. Auf diese Weise behalten Jugendliche die Motivation zum Weitermachen. Über Frust offen reden Wenn der Erfolg bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf sich warten lässt, kann sich Frust aufstauen. Frust und Enttäuschung können zur Resignation und im schlimmsten Fall zu einer»null-bock-stimmung«führen. SymPaten sollten die Jugendlichen ermuntern, ihren Ärger offen anzusprechen. 18

19 Das Deckblatt Die Bewerbungsunterlagen Eröffne deine (Be-)Werbebroschüre mit einem persönlichen Deckblatt. Setze deinen Namen und dein Porträt auf die Titelseite. Auf das Deckblatt gehören normalerweise folgende Infos: deine Adresse und Telefonnummer falls vorhanden auch Fax-Nummer und -Adresse Überschrift: z. B. "Bewerbung als..." (Bezeichnung der Stelle, wie ausgeschrieben) oder "Bewerbungsunterlagen für die... GmbH" (Firmenname des Stellenanbieters) dein Lichtbild Das Anschreiben Deine Adresse Telefonnummer und eventuell deine -Adresse angeben. Datum Rechts oben nicht vergessen! Adresse des Unternehmens Möglichst mit dem Namen des zuständigen Ansprechpartners. Betreffzeile Den Zweck des Schreibens angeben, aber nicht Betreff schreiben. Hier steht, um welche Stelle du dich bewirbst und, wenn du dich auf eine Anzeige bewirbst, um welche Anzeige aus welcher Zeitung an welchem Tag es sich handelt. Anrede Besser als Sehr geehrte Damen und Herren ist es, wenn du den Namen der Person rauskriegst, die für deine Bewerbung zuständig ist. Ruf einfach an und frag nach. Lass dir den Namen auf jeden Fall buchstabieren. Einstieg Beschreibe, woher du erfahren hast, dass es bei dem Unternehmen freie Plätze gibt. Gib den angestrebten Beruf und den gewünschten Arbeitsbeginn an. Hauptteil Begründe dein Interesse für den Beruf und das Unternehmen. Erwähne Hobbys oder Interessen, die für die Ausbildung passen. Erfahrungen im angestrebten Beruf nicht vergessen (Praktika, Schnupperlehren, Ferienjobs usw.). Zeige, dass du dich über das Unternehmen informiert hast. Tipp: Fang nicht alle Sätze mit Ich an. Schlusssatz Hier hoffst du auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Grußformel Schlicht Mit freundlichen Grüßen, völlig out ist Hochachtungsvoll. Unterschrift Mit Vor- und Nachnamen eigenhändig unterschreiben. Anlagen Hier nennst du zum Schluss alles, was du beigelegt hast (Lebenslauf, Zeugnis, Bescheinigung des Praktikums). Der Lebenslauf Mit dem Lebenslauf informierst du das Unternehmen über deine eigene Person und über deinen schulischen und evtl. bisherigen beruflichen Werdegang. Wichtig ist, dass dein Lebenslauf keine unerklärten Lücken enthält! Wenn nicht anders verlangt, genügt die tabellarische Form. Zu einem vollständigen Lebenslauf gehören: Name Anschrift 19

20 Geburtsdatum und -ort Staatsangehörigkeit Name und Beruf deiner Eltern Zahl und Alter deiner Geschwister Angaben zu deiner Schulausbildung eventuelle Wehr- oder Ersatzdienstzeiten Ehrenamtliche Tätigkeiten, Hobbys und besondere Fähigkeiten solltest du ebenso erwähnen wie vorhandene Führerscheine und absolvierte Praktika. Todsünden bei der Bewerbung Firmen erhalten eine große Zahl von Bewerbungen, so dass der jeweilige Verantwortliche wenig Zeit hat für die Sichtung der einzelnen Unterlagen. Oft führen deshalb schon kleine Formfehler dazu, dass eine Bewerbung bei der ersten groben Sichtung aussortiert wird und der Bewerber eine Absage erhält. Fehler, die leicht vermieden werden können: Falsche oder unvollständige Adresse Fehlende Betreffzeile oder falsches bzw. veraltetes Datum Verwendung der Grußformel Sehr geehrte Damen und Herren Fehlende Gliederung/zu wenig Absätze Tipp-, Rechtschreib-, Stil- und Zeichensetzungsfehler Verwendung von TippEx, Streichungen und sonstige Korrekturen Verwendung von Automaten-/Urlaubs- oder schon mehrfach benutzten Bildern als Bewerbungsfotos angetackertes oder lose in den Umschlag eingeworfenes Foto Fehlende Unterschriften auf Anschreiben und Lebenslauf Eselsohren, zerknitterte Unterlagen, Fett- oder Kaffeeflecken Billiges Papier, schlechte Ausdrucke und sichtbar mehrfach verwendete Materialien Fehlende bzw. unvollständige Anlagen Schlechte bzw. doppelseitige Fotokopien oder Schriftstücke Versand der Anlagen im Original, außer es wurde unbedingt gefordert Verwendung abgenutzter Mappen, Hefter oder Klarsichthüllen Unfrankierte oder nicht ausreichend frankierte Umschläge Das solltest du bei der Abfassung von Anschreiben und Lebenslauf nicht tun: Das Anschreiben selbst bzw. weitere Sätze mit Ich beginnen Fehlen des konkreten Bezugs auf die Stelle Zu viele biographische Angaben im Anschreiben Der Text ist eine Umformulierung der Stellenanzeige des Unternehmens Verwendung inhaltsleerer Schlagwörter und Floskeln Offensichtliche Übertreibungen und durchschaubare Unwahrheiten Ungereimtheiten zwischen Angaben im Anschreiben und im Lebenslauf Zeitliche Lücken im Lebenslauf/zu langer und unübersichtlicher Lebenslauf Quelle: 20

21 Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Werkzeugmechaniker Marco Maier Hauptstr Passau Tel.: 0851/

22 Marco Maier 15. März 2008 Hauptstr Passau Tel.: 0851/ An die Bäumler GmbH Stanztechnik Werkzeugbau Frau Bäumler Gerberstr Vilshofen Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Werkzeugmechaniker Sehr geehrte Frau Bäumler, aufgrund Ihrer Anzeige in der Passauer Neuen Presse vom 13. März 2008 bewerbe ich mich um einen Ausbildungsplatz als Werkzeugmechaniker. Für diese Ausbildung habe ich mich entschieden, da neben dem Bearbeiten von Werkstücken aus Metall und Kunststoff auch das Erstellen von Arbeitsprogrammen für computergesteuerte Werkzeugmaschinen zu den Aufgaben in diesem Beruf gehört. Mein Vater, der den Beruf Schlosser erlernt hat, hat mich schon früh für das Arbeiten mit Metall begeistert. In der Schule konnte ich mir im Wahlfach Werken einige Metallbearbeitungstechniken aneignen. Mein Ziel ist, die Metallbearbeitung mit modernen computergesteuerten Maschinen zu erlernen. Aufgrund meiner guten Noten bin ich sicher, dass ich die Hauptschule mit qualifizierendem Abschluss verlassen werde. Ich würde mich freuen, wenn ich in Ihrem Unternehmen, das zu den bedeutendsten Zuliefererfirmen der Automobilindustrie in Bayern gehört, meine Ausbildung beginnen könnte. Ich freue mich sehr, von Ihnen zu hören. Freundliche Grüße [Unterschrift einfügen] Anlagen Lebenslauf Lichtbild Halbjahreszeugnis der 9. Klasse Praktikumsbescheinigung

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