Projektbeschreibung des Projektes Versorgung von Kindern psychisch kranker Eltern in Bremen. Projektleitung: Christiane Schellong

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1 Projektbeschreibung des Projektes Versorgung von Kindern psychisch kranker Eltern in Bremen Hochschule Bremen Fachbereich Sozialwesen Zeitraum Februar 2004 bis September 2005 Projektleitung: Christiane Schellong 1

2 Projektbeschreibung des Projektes Versorgung von Kindern psychisch kranker Eltern in Bremen Hochschule Bremen - Zeitraum Februar 2004 bis September Projektthema und fachliche Relevanz Das Projekt beschäftigt sich mit der Versorgung von Kindern psychisch kranker Eltern in Bremen. In den letzten Jahren wird zunehmend offenkundig, dass die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern mit ihren besonderen Belastungen und den seelischen Nöten für die Kinder nicht entsprechend erkannt wurde, sodass man nun in diesem Zusammenhang auch von den vergessenen Kindern spricht. Dementsprechend steht auch die Kinder- und Jugendhilfe mit ihren Unterstützungsangeboten bundesweit noch am Anfang - in Relation zu Angeboten für andere Zielgruppen. Die zunehmende Relevanz und Öffentlichkeit des Themas spiegelt sich unter anderem in der Veranstaltung von Fachtagen in unterschiedlichen Bundesländern wieder: z.b. im Jahr 2002 in Cuxhaven, 2003 in Bremen und Paderborn. In Bremen wird die Zahl der betroffenen Kinder (am Bundesdurchschnitt errechnet) auf Kinder geschätzt. Einige Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe erweitern ihre Angebotspalette um die Betreuung/Begleitung von Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil (z.b. der Caritas-Verband und die Hans-Wendt-Stiftung im Rahmen der Sozialpädagogische Familienhilfe ). Seit fünf Jahren tagt der Bremer Arbeitskreis Kinder psychisch kranker Eltern ca. alle zwei Monate im Gesundheitsamt, unterstützt durch den Sozialpsychiatrischen Dienst für Kinder und Jugendliche (KIPSY). An den Treffen nehmen durchschnittlich jeweils ca. 20 Personen teil, fluktuierend aus einem Kreis von ca. 45 TeilnehmerInnen. Das bekundete Interesse an Informationen aus dem Arbeitskreis ist bedeutend höher; der Verteiler für den Versand der Protokolle umfasst ca. 70 Adressen. (Vgl. die Auflistung der Institutionen - siehe unten) 2. Fragestellungen 3. Welchen Förderbedarf ergibt sich für die Kinder psychisch kranker Eltern und deren Familien in Bremen sowohl präventiv als auch als Reaktion auf bereits erfolgter geistig, seelischer und/oder körperlicher Beeinträchtigung der Kinder? 4. Welche Hilfsangebote existieren bereits in Bremen? Welche Institutionen im Sozialund Gesundheitsbereich setzten sich mit dem Thema auseinander und leisten ein Beitrag zur Weiterentwicklung? 5. Welche Hilfsangebote aus dem In- und Ausland könnten als Reaktion auf den speziellen Bedarf in Bremen transferiert werden? 6. Wie können sämtliche mit der Zielgruppe in Kontakt stehenden Einrichtungen ausreichend informiert und zu einer, ihrem Auftrag angemessenen Kooperation motiviert werden? (ambulante, teilstationäre, stationäre Kinder- und Jugendhilfe; ambulante, teilstationäre und stationäre Erwachsenenpsychiatrie; Sozialdienste; Schule; Ärzte...) 7. Wie kann die Situation der betroffenen Familien die speziellen Belastungen, die Hoffnungen und Ressourcen aus der Vergessenheit heraus öffentlich werden, in der Öffentlichkeit feinfühlig und mit Respekt dargestellt werden? 8. Wie kann durch Vernetzung und Kooperation ein solch feinmaschiges soziales Netz geknüpft werden, dass die betroffenen Familien frühzeitig die ihnen gemäße Unterstützung erhalten? 2

3 3. Lernziele/zu erwartende Kompetenzgewinne 4. Theoriekompetenz: Entwicklungspsychopathologie, Persönlichkeitspsychologie (Krankheitsbilder der Erwachsenenpsychiatrie), Systemtheorie, Entwicklungspsychologie; Modelle der Salutogenese und Coping-Mechanismen; Gruppenpädagogik Methodenkompetenz: systemische Methoden im Umgang mit Familien und anderen Systemen; Aufbau von Netzwerken; Methoden der ambulanten, teilstationären und stationären Erziehungshilfen; Psychosoziale Diagnostik; Gesprächsführung; Erkennen und Nutzen der Regeln und Strukturen im System (Systemkompetenz); Ressourcendiagnostik und Ressourcenfokussierung Sozialkompetenz: Akzeptanz unterschiedlicher Wertvorstellung und Lebensvorstellungen; Unterstützen und Sicherheiten vermitteln; Verantwortungsbereiche erkennen, nutzen und sich abgrenzen; interdisziplinäre Kooperationsfähigkeit; Kritikfähigkeit (geben und annehmen); Mitgestalten der Teamprozesse Selbstkompetenz: Eigenverantwortliche Strukturierung der Arbeitsaufträge und der Arbeitsvorgänge; fehlerfreundlicher Umgang mit sich selber; erkennen, wissen und nutzen der eigenen Stärken, Ressourcen und Grenzen; neue Ideen präsentieren und in das Projekt bzw. in eine Praxisstelle integrieren Vorläufige Einordnung in Praxiszusammenhänge Das Projekt wird in enger Kooperation mit dem Projekt Kinder psychisch kranker Eltern beim Gesundheitsamt Bremen, dem dort angegliederten Arbeitskreis und den darin vertretenen Einrichtungen durchgeführt. Institutionen, die im Arbeitskreis vertreten sind (mehr oder minder aktiv) Kinder und Jugendpsychiatrie Hans-Wendt-Stiftung KTH Wischmannstraße Sozialpädagogische Familienhilfe Caritasverband Bremen e. V. - Ambulante Hilfen zur Erziehung Caritasverband Bremen-Nord Amt für Soziale Dienste AWO Integra Betreutes Wohnen für psychisch kranke Menschen Psychotherapeutische Praxis Karin Borowski Bremer Werkgemeinschaft Dezentrales Wohnen DRK-IHP DRK Jugendhilfe Kleine Marsch Ergotherapiepraxis Steuter Frauengesundheitszentrum Frühe Hilfen GAPSY Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste GmbH Gesamtschule West Schulpsychologische Beratungsstelle Gesundheitsamt Bremen Familienhebammen Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle Gesundheitstreffpunkt West Sozialpsychiatrischer Dienst Beratungsstelle Mitte Behandlungszentrum Nord Sozialpsychiatrische Beratungsstelle Institutsambulanz des ZKH Bremen-Ost (Haus 7) Zentrum Buntes Tor (Tagesklinik/ SPsD(Kommunale Aufgaben) SPsD Beratungsstelle West Kinderschutzzentrum Klinik Dr. Heines Kriz Zentrum für Familienhilfe 3

4 Skizze des Arbeitsprozesses in dem Zeitraum von März 2004 bis März 2005 Zwischenergebnisse Das Projekt startete Anfang März 2004 mit zunächst 12 TeilnehmerInnen. Wegen veränderter Voraussetzungen nach dem Vorliegen der Prüfungsergebnisse mussten drei StudentInnen ausscheiden, sodass mittlerweile 9 Studentinnen zu dem Projekt gehören. Zwei Studentinnen wurden in den letzten Monaten Mutter. Der Stundenplan im Hauptstudium hält der Durchführung des Projektes sechs Wochenstunden vor. Hiervon widmen sich die Studentinnen zwei Wochenstunden dem Selbststudium bzw. der Umsetzung der Inhalte in ihren jeweiligen Praxisgruppen (siehe unten). Die anderen vier Wochenstunden werden mit Inhalten gefüllt, die eine unmittelbare oder auch mittelbare thematische Relevanz für das Projektthema haben (vgl. die Übersicht des 4. und 5. Semesters). Die Studentinnen belegen darüber hinaus ergänzende Vorlesungen und Seminare aus folgenden Bereichen: Soziale Arbeit als Fachwissenschaft und Beruf, Recht in der Sozialen Arbeit, Gesellschaftswissenschaft und Sozialpolitik, Geistes- und Humanwissenschaften und Kulturpädagogik. Die duale Kopplung von praxisorientiertem Schwerpunkt-Projekt einerseits und den verschiedenen Querschnittsveranstaltungen andererseits sollen die Studentinnen in ihrer Methoden- und Theorienkompetenz, Sozial- und Selbstkompetenz qualifizieren. Vor dem Hintergrund der engen Kooperation mit dem Arbeitskreis Kinder psychisch kranker Eltern haben sich engagierte Mitarbeiterinnen aus der Praxis gefunden, die drei unterschiedliche Praxisgruppen anleiten und begleiten: 2. Unter Anleitung von und zusammen mit Frau Siegel-Walschik (Sozialzentrum Walle/Findorff, Sozialdienst Junge Menschen ) konzipiert und gestaltet eine Gruppe von drei Studentinnen einen Beratungsführer für die Zielgruppe, die Eltern, die Angehörigen und professionelle Fachkräfte, in dem diese Institutionen in Bremen dargestellt werden, die direkt bzw. indirekt eine Hilfe für die Zielgruppe anbieten. Tatkräftig unterstützt wird die Gruppe von den beiden ehemaligen und aktuellen Sozialarbeiterinnen im Anerkennungsjahr. Die Gruppe trifft sich seit März 2004 regelmäßig im Rhythmus von zwei bis drei Wochen - auch in den Semesterferien. Sie hat im Rahmen dieser Treffen die Zielgruppe des Beratungsführers definiert, einen Fragebogen entwickelt, Adressen recherchiert und Ende Anfang Juli den Fragebogen an alle bekannten relevanten Institutionen verschickt (an über 100 Institutionen). Der Fragebogen hat durch die Vorgabe von speziellen, genau definierten Fragestellungen eine einheitliche Kategorisierung ermöglicht. Inzwischen sind sämtliche Rückläufe sortiert und die weitergehenden Inhalte definiert. Der Fokus liegt jetzt auf dem konkreten Layout und dem Druck. 2. Eine zweite Gruppe von vier Studentinnen beschäftigt sich seit März 2004 unter der Anleitung von Herrn Dr. Lorenz (KiPsy), mit der Konzipierung und Gestaltung eines Flyers. Dieser Flyer soll die betroffenen Kinder und Jugendliche direkt ansprechen und später in Schulen, KTHs, Arztpraxen, Jugendfreizeitheimen und an anderen Orten ausliegen bzw. Fachleuten zur persönlichen Weitergabe an Kinder und Jugendliche an die Hand gegeben werden. Hier war neben den inhaltlichen Überlegungen auch die Frage nach einer ansprechenden graphischen Gestaltung von hoher Wichtigkeit. Auch hier sind die Inhalte formuliert und der Fokus liegt jetzt auf dem konkreten Layout und dem Druck. 4

5 3. Eine dritte Gruppe unter Anleitung von Frau Spratte (Caritas e.v., ambulante Hilfen zur Erziehung) hat ab Mai 2004 ein Gruppenangebot für Kinder konzipiert. Dieses Gruppenangebot für Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren ist am 02. Dezember 2004 gestartet. Wichtig ist bei der Zielgruppe, dass die Eltern der Kinder an einen Träger angebunden sind, sodass die methodische Gruppenarbeit von einer individuell gestalteten Elternarbeit begleitet wird. Insofern konzentriert sich das Gruppenangebot zunächst auf die Kinder der Familien, die aktuell von den KollegInnen der Caritas im Rahmen der ambulanten Hilfe zur Erziehung betreut werden (1. Durchlauf: etwa 15 Termine). Bei positiver Resonanz ist angedacht, das Angebot fortzusetzen und auch für andere Familien zu öffnen. In dem Zeitraum von Dezember 2004 bis Februar 2005 nahmen bislang immer zwei bis fünf Kinder teil. Die Rückmeldungen und Entwicklungen der Kinder bestätigen, dass solche ein Angebot in Bremen als Regelversorgung dringend notwendig ist. Abb. Projekt Versorgung der Kinder psychisch kranker Eltern in Bremen Beratungsführer Sozialzentrum Walle/Findorff, Fr. Siegel-Walschik, 3 Studentinnen Caritas e.v. Fr. Spratte, 2 Studentinnen Kindergruppe Projektgruppe Hochschule 9 Studentinnen Projektleiterin Fr. Schellong KiPsy Herr Dr. Lorenz 4 Studentinnen Flyer 5

6 Inhaltliche Gestaltung des Beratungsführers In dem Beratungsführer sollen die Institutionen in Bremen dargestellt werden, die direkt bzw. indirekt eine Hilfe für die Kinder psychisch kranker Eltern und deren Familien anbieten. Die Hilfsangebote werden damit öffentlich, sodass der Zugang für die Familien und andere Betroffene wesentlich leichter wird. Auch den Professionellen (ÄrztInnen, SozialarbeiterInnen, LehrerInnen etc.) wird es dadurch ermöglicht, engmaschig miteinander zu kooperieren. Nach Sichtung des Rücklaufs der Fragebögen ist damit zu rechnen, dass zwischen 80 bis 100 Einrichtungen in diesem Beratungsführer erscheinen werden. Jutta Siegel-Walschik, Wiebke Brinkmann, Nicole Caspers, Larissa Deetje, Sarah Dreibholz Claudia Eggler, Sandra Hösters Christina von Minden 6

7 Teilprojekt: Beratungsführer Zielgruppe des Beratungsführers definieren Gestaltung/ Layout Finanzierung, Fundraising Beratungsführer Recherche nach hilfreichen Einrichtungen für Familien mit psy. krankem Elternteil Druck Kontakte zu Einrichtungen knüpfen? 7

8 Beispielseite aus dem Beratungsführer: PiB Pflegekinder in Bremen GmbH Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern Wer sind wir? Die Pflegekinder in Bremen GmbH vermittelt Kinder psychisch kranker Eltern in eine Patenschaft zu Personen, die diese Kinder unterstützen und eine Patenschaft übernehmen möchten. Für Kinder mit psychisch kranken Eltern suchen wir eine passende Patenfamilie, die das Kind an vereinbarten Tagen und Wochenenden sowie in Krisenzeiten betreut. Dadurch erhält das Kind zusätzliche Bezugspersonen und soziale Integration in die Patenfamilie. In Krisensituationen wird das Kind an einem ihm bereits vertrauten Ort untergebracht. Somit werden die psychisch kranken Eltern und ihre Kinder entlastet. Sowohl die Eltern des Patenkindes als auch die Patenfamilie werden von PiB beraten und betreut. Wer kommt zu uns? Zu uns kommen die Personen, die Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern übernehmen möchten oder bereits übernommen haben. Auch psychisch kranke Eltern, die Unterstützung durch eine Patenfamilie wünschen, können sich an PiB wenden. E L T E R N So sind wir zu erreichen: PiB Pflegekinder in Bremen GmbH Bahnhofstraße Bremen Telefon: 0421/ Kontaktpersonen: Frau Lötsch ( Frau Bollwahn ( 8

9 Inhaltliche Gestaltung des Flyers Der Flyer soll die Kinder und Jugendliche dazu anregen, sich Hilfe von außen zu holen. Außen meint: Menschen, die außerhalb des betroffenen familiären Systems stehen. Das stellt für die betroffenen Kinder und Jugendliche eine große Herausforderung dar, da mit der psychische Erkrankung des Elternteils oftmals große Scham, Schuldgefühle und eine strenge Tabuisierung verbunden sind. Auch geht es meist um sensible und intime familiäre Probleme, die einer behutsamen Lösung bedürfen. Dr. Alfred Lorenz Emel Cakar Fatos Dinlamaz, Merle Mainz Jasmin Schnakenberg 9

10 Auszüge aus dem Konzept Hintergrundinformation Die psychische Erkrankung der Eltern bedeutet eine Belastung für die Kinder, ist aber auch ein Risikofaktor für ihre eigene seelische Gesundheit. Häufig geraten die Kinder jedoch erst dann ins Blickfeld, wenn es schon um die Frage geht, ob sie bei den Eltern bleiben können oder eine Unterbringung in Pflegefamilien oder Heimen notwendig wird. Diese Situation könnten vermieden werden, wenn den Kindern und ihren Eltern vorher Hilfen angeboten würden, denn: Kinder brauchen ihre Eltern, auch wenn diese psychisch krank sind. Dass auch Kinder Angehörige sind, wird in der psychiatrischen Behandlung von Erwachsenen häufig vergessen. Zielgruppe Wir möchten die Kinder erreichen, die eine/n psychisch erkrankte Mutter oder Vater haben. Der Flyer ist für Kinder im Alter von ca. sechs bis zwölf Jahren bestimmt. Vorrausetzung für seine Nutzung ist, das die Kinder lesen können. Zielsetzung: Was wollen wir bewirken? Wir möchten die Kinder zielgenau erreichen: Der Flyer ist auf das Kind als Empfänger abgestimmt. die Kinder durch den Flyer handlungsfähig machen. den Kindern den Zugang vermitteln, sich Hilfe von außen zu holen: Der Flyer enthält eine Adresse mit Telefonnummer an die sich die Kinder wenden können. Wir denken, dass eine altersgemäße Information von Kindern als Angehörige psychisch Kranker zur Routine jeder psychiatrischen Arbeit werden sollte. Der Flyer soll präventiv wirken: Hilfe sollte einsetzen, bevor es zu spät ist. Verbreitung des Flyers: Wir stellen uns vor, dass der Flyer von professionellen Helfern und in Institutionen direkt an die betroffenen Kinder bzw. Eltern gereicht wird. Wir werden den Flyer mit einem Begleitschreiben an die Institutionen und Professionellen übergeben, in dem der geeignete Umgang mit ihm und seine Zielsetzung erläutert wird. 10

11 Textentwurf zum Flyer Ein Mensch kann auch psychisch krank sein. Hast du das schon Mal davon gehört? Kann es sein, dass so etwas auch bei deiner Mutter oder deinem Vater vorkommt? Machst Dir Sorgen um sie? Kennst du das auch, dass du manchmal traurig oder wütend bist, weil Du nicht verstehst, was los ist? Es ist schon in Ordnung wenn deine Gefühle durcheinander sind. Das kommt vor. Du darfst dich wütend und traurig fühlen. Aber es ginge Dir besser, wenn Du verstehst, was los ist. Kennst du das auch, dass du denkst, du wärst Schuld an der Erkrankung deiner Eltern? Du kannst nichts dafür, wenn deine Mutter oder dein Vater krank sind! Du bist nicht der Grund für ihre Erkrankung! Deinetwegen sind sie nicht so. Kennst du das auch, dass du dich einsam und allein fühlst? Es gibt mehr Kinder, denen es genauso oder so ähnlich geht wie dir! Kennst du das auch, dass du einfach nicht weißt, mit wem du eigentlich reden kannst? Es gibt Erwachsene die kennen Kinder, denen es genauso oder so ähnlich geht wie dir! Sie wissen auch etwas darüber, wie es Deiner Mutter oder Deinem Vater geht. Sie könnten dir zuhören und sie könnten Dir helfen. Ruf sie ruhig an. 11

12 Konzeptentwicklung und Durchführung einer Kindergruppe Die Kindergruppe ist ein pädagogisch-therapeutisches Angebot für die betroffenen Kinder. In einem geschützten Rahmen erfahren die Kinder Unterstützung und Solidarität. Sie sehen, dass es auch andere Kinder in der gleichen Situation gibt. Sie sehen, dass die Erkrankung von Mutter oder Vater nicht ihre Schuld ist. Uns sie können neue Handlungsweisen lernen, wie sie in Zukunft damit umgehen wollen. Die Gruppe existiert seit Anfang Dezember Die Räume und die Personalressourcen der Fachkraft werden momentan von der Caritas e.v. (ohne Förderung durch das Land) vorgelegt. Zwei Studentinnen aus dem Hochschul-Projekt arbeiten regelmäßig mit. Sandra Spratte, Antje Mosch, Claudia Rockel 12

13 Auszüge aus dem Konzept Motivation In den letzten Jahren wird zunehmend deutlich, dass Kinder psychisch kranker Eltern besonderen Anforderungen gegenüber stehen. Sie befinden sich in einer besonderen Lebenssituation und sie stehen besonderen Herausforderungen und Belastungen gegenüber. Für Kinder psychisch kranker Eltern gibt es bundesweit punktuell verschiedene Modellprojekte. In Bremen finden Kinder psychisch kranker Eltern bislang Berücksichtigung in einzelnen, auf sie abgestimmten Konzepten, z.b. im Rahmen der Sozialpädagogischen Familienhilfe beim Caritasverband. Deutlich geworden ist, dass weitere Hilfsangebote unter anderem in Form von Gruppenarbeit für Kinder psychisch kranker Eltern notwendig sind. In Kooperation mit der Hochschule Bremen werden die Ambulanten Hilfen zur Erziehung vom Caritasverband ein spezielles Gruppenangebot für Kinder psychisch kranker Eltern zur Verfügung stellen. Grundhaltung Die Grundhaltung des Konzeptes basiert auf den Vorstellungen systemischen Denken und Handelns. Wir berücksichtigen die besonderen Lebenslagen der Familien und Kinder und orientieren uns konsequent an den vorhandenen Ressourcen der teilnehmenden Kinder und Familien. Das Konzept ist auf Stabilisierung und Stärkung der Kinder angelegt. Die Gruppenstunden sind sinnvoll aufeinander aufgebaut. Wir arbeiten prozessorientiert, d.h. nach jeder Stunde wird überlegt, was in dieser Stunde für die Kinder hilfreich und wichtig war und entwickeln so die Themen und Inhalte der nächsten Stunde. Wir orientieren uns an den Bedürfnissen der Kinder. Dringende Bedürfnisse, Erkenntnisse oder belastende Gefühle haben in den einzelnen Stunden Vorrang. Aufbau Anfangsphase: Kennenlernen, Kontakte knüpfen, Einfinden in Gruppensituation, Gruppenfindung, Wie wollen wir miteinander umgehen? Hauptphase: Themen wie: Gefühle, Umgang mit schwierigen Gefühlen, eigene Ressourcen, unterstützendes Netzwerk, Entlastungsmöglichkeiten, Informationen über psychische Erkran- 13

14 kung, Was bedeutet das für mich? Platz in der Familie/in der Schulklasse, Freundeskreis, Lebensweg... Abschlussphase: Auswertung, Rückschau, Was kommt nun? Was nehme ich mit für die Zukunft? Abschied Ziele Ø Entlastung Ø Enttabuisierung von psychischer Erkrankung Ø Informationen über psychische Erkrankung Ø Spaß haben Ø Kontakte zu anderen Kindern in ähnlicher Situation Ø Selbstwert stärken Prinzipien der Gruppe Feste Struktur: Kinder psychisch kranker Eltern befinden sich häufig in einer Lebenssituation, in der sie sich auf wenig verlassen können, viele Dinge des täglichen Lebens verändern sich nach der aktuellen psychischen Befindlichkeit des erkrankten Elternteils. Dinge, die an einigen Tagen toleriert werden, sind an anderen Tagen nicht erwünscht. In der Arbeit mit den Kindern werden wir daher auf eine verlässliche wiederkehrende Struktur der einzelnen Stunden achten. Die Stunden werden pünktlich begonnen und beendet. Beginn und Ende der Stunde werden durch feste Rituale bestimmt. In jeder Stunde wird eine Pause gemacht, in der Getränke und Obst für die Kinder bereit stehen. Der Raum wird immer gleich gestaltet sein. Freiwilligkeit: Die Teilnahme an der Gruppe und die Teilnahme an einzelnen Angeboten in den Stunden ist freiwillig. Schweigepflicht: Neben der gesetzlich geregelten Schweigepflicht ist uns die Schweigepflicht innerhalb der Kindergruppe wichtig. Wir verdeutlichen, dass wir nichts aus der Gruppe ohne ihr ausdrückliches Einverständnis an die Eltern oder Familienpädagogen weitergeben werden. Auch die Kinder sollen sich verpflichten nichts von anderen Kindern in der Gruppe Gesagtes oder Getanes außerhalb der Gruppe mit Namen weiter zu erzählen. Die Kinder sollen so die Sicherheit haben, alle Wünsche, Gefühle, Erlebnisse zu äußern, ohne Angst zu haben, dass dieses jemand außerhalb der Gruppe erfährt. Sollten wir von akuter Kindeswohlgefährdung erfahren, lassen wir uns von den Kindern von der Schweigepflicht entbinden. 14

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