Eigentlich ist Bildung für alle da.

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1 Eigentlich ist Bildung für alle da. Caritas-Sonntag

2 Caritas-Sonntag /27. Januar Sonntag im Jahreskreis Lesejahr C Liturgiebausteine Die Liturgiebausteine sind als Vorschläge gestaltet und können miteinander oder einzeln in Gottesdienste eingebaut werden. Es werden Bausteine für Eucharistie und Wortgottesdienst mit Kommunionfeier vorgestellt. Eröffnung Einzug Instrumental oder Lied 43 (1.-3.) Kommt herbei, singt dem Herrn oder Lied 551 (1.2.4) Wohl denen, die da wandeln Begrüssung und Einführung Gott umfängt unser Leben, beginnen wir unseren Gottesdienst im Namen Gottes, den wir Vater nennen dürfen und nach dessen Bild wir gestaltet sind, im Namen des Sohnes, der uns als Bruder und Freund zur Seite steht, und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns antreibt, Solidarität zu leben. Das «Aggiornamento», «Heutigwerden», das Johannes XXIII zur Einberufung des Konzils gefordert hat, ist auch nach 50 Jahren ein bleibender Auftrag an die Kirche. Johannes XXIII hat dem Konzil und seiner Kirche die Vision einer gerechten Welt mit auf den Weg gegeben, wenn sie Glaubwürdigkeit gewinnen will. Eigentlich braucht es Menschen, die der Frohen Botschaft vom Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit neue Kraft verleihen: zur Ehre Gottes und zum Wohl aller Menschen, der Armen und der Benachteiligten zuerst. Der Caritas-Sonntag öffnet unseren Blick für jene Menschen, die betroffen sind von Armut mitten in einem eigentlich reichen Land. «Eigentlich ist Bildung für alle da», so lautet das Motto des Caritas- Sonntags. Es lädt uns ein den Blick zu schärfen für das, was es braucht, dass ein Mehr an Gerechtigkeit heute werden kann. 2

3 Kyrie Herr, Jesus Christus, bei dir geniessen wir Ansehen. Wir sind dir vertraut. Dich bitten wir um Erbarmen: Unabhängig vom Beifall der Leute hast du deine frohmachende Botschaft verkündet. Lied 70 Kyrie eleison oder gesprochen: Herr, erbarme dich Du kommst zu uns mit deinem Wort, das gut tut und heilsam wirkt. Lied 70 Kyrie eleison oder gesprochen: Christus, erbarme dich Du schenkst Menschen deine Nähe Tag für Tag bis in alle Ewigkeit. Lied 70 Kyrie eleison oder gesprochen: Herr, erbarme dich Ja, Herr, erbarme dich unser. Schenke uns den Mut, uns ganz auf dich einzulassen, und segne unsere Gemeinschaft. Gloria Lied 80 Lasst uns Gott dem Herrn lobsingen 3

4 Tagesgebet Guter Gott, Du hast Jesus zu uns gesandt. In ihm hast du deine Begeisterung für uns Menschen lebendig werden lassen. Du hast uns dein Wort geschenkt. Es ist anders als alle Worte der Welt. Es trifft uns, weckt Hoffnung und drängt uns zum Handeln. Lass uns hören, was du uns sagst. Darum bitten wir dich im Heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen Wortgottesdienst Hinführung zur ersten Lesung Nachdem das Volk Israel aus dem Exil in Babylon in die Heimat zurückgekehrt war, versammelten sich alle Frauen und Männer, um sich neu auf den Bund mit Gott einzulassen. Voller Aufmerksamkeit, Staunen und Achtung hörten sie das Gottesrecht. Gottes Wort rief in ihnen Freude und Zuversicht hervor. Erste Lesung 15Neh 8,2-4a Einheitsübersetzung Am ersten Tag des siebten Monats brachte der Priester Esra das Gesetz vor die Versammlung; zu ihr gehörten die Männer und die Frauen und alle, die das Gesetz verstehen konnten. Vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten, das Gesetz vor. Das ganze Volk lauschte auf das Buch des Gesetzes. Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die man eigens dafür errichtet hatte. Esra öffnete das Buch vor aller Augen, denn er stand höher als das versammelte Volk. Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle. Dann pries Esra den Herrn, den großen Gott; darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen! Sie verneigten sich, warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zur Erde. 4

5 Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, sodass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten. Der Statthalter Nehemia, der Priester und Schriftgelehrte Esra und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sagten dann zum ganzen Volk: Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes. Seid nicht traurig und weint nicht! Alle Leute weinten nämlich, als sie die Worte des Gesetzes hörten. Dann sagte Esra zu ihnen: Nun geht, haltet ein festliches Mahl und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke. Instrumental oder Lied 567 (1.-3.9) Herr, gib uns Mut zum Hören Hinführung zur zweiten Lesung Die Gemeinde der Gläubigen ist ein lebendiger Organismus, in dem jedes einzelne Organ, jedes einzelne Mitglied seine ganz besondere und unverzichtbare Aufgabe hat. Die verschiedenen Gaben in der Gemeinde kommen allen zu Gute. Zweite Lesung 1 Kor 12,12-31a Einheitsübersetzung Schwestern und Brüder! Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Wenn der Fuß sagt: «Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!», so gehört er doch zum Leib. Und wenn das Ohr sagt: «Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!», so gehört es doch zum Leib. Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchsinn? Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach. Wären alle zusammen nur ein Glied, wo bliebe dann der Leib? So aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bin nicht auf dich angewiesen. Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht. Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich. Denen, die wir für weniger edel ansehen, erweisen wir um- 5

6 so mehr Ehre und unseren weniger anständigen Gliedern begegnen wir mit mehr Anstand, während die anständigen das nicht nötig haben. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm. So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Wunder zu tun? Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle solches Reden auslegen? Strebt aber nach den höheren Gnadengaben! Zweite Lesung 1 Kor 12, Einheitsübersetzung/Kurzfassung Schwestern und Brüder! Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm. Instrumental oder Lied 600 Schweige und höre (Kanon) Halleluja Der Herr hat mich gesandt, den Armen die Frohe Botschaft zu bringen und den Gefangen die Freiheit zu verkünden. Vers: vgl. Jes 61,1 (Lk 4,18) oder Lied Lied 92 (Halleluja) 6

7 Evangelium Lk 1,1-4;4,14-21 Einheitsübersetzung Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest. In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Gedanken zur Predigt Vor wichtigen Wahlen haben Politiker und Politikerinnen ihre grossen Auftritte. Sie sagen, wofür sie sich stark machen und einsetzen wollen, wenn sie gewählt werden. Den Menschen versprechen sie allerhand Veränderungen und Verbesserungen. Der eine will den Wirtschaftsstandort fördern, die andere Verbesserungen im Bildungssystem herbeiführen, und wieder eine setzt auf den Ausbau des Verkehrs und erntet Kritik von jenem, der sich für den Einsatz erneuerbarer Energien ausspricht. Politiker und Politikerinnen geben vor Wahlen ihr Programm bekannt. Später wird man sie daran messen können. Programme sind kein neues Phänomen. Auch im Lukas-Evangelium treffen wir auf eine Programmrede. Jesus stellt sich und sein Programm vor. Nach längerer Zeit hält sich Jesus wieder einmal in seinem Heimatort in Nazareth auf und besucht dort den Gottesdienst in der Synagoge. Ob er sich als Vorleser gemeldet hat oder ob er dazu 7

8 eingeladen wurde, erfahren wir nicht. Als Schrifttext wählt Jesus einen provokativen Abschnitt aus dem Jesajabuch. Darin benennt Jesaja seinen Auftrag, den er von Gott bekommen hat: Armen eine gute Nachricht zu bringen, Blinde sehend zu machen und denen, die gequält und unterdrückt waren, die Freiheit zu bringen. Gottes Gerechtigkeit soll Wirklichkeit werden. Jesus lässt es nicht einfach dabei bewenden, die Schriftstelle vorzutragen und als fernen Text zu erläutern. Er geht viel weiter: Den Auftrag, sich vorbehaltlos auf die Seite derjenigen Menschen zu stellen, die gesellschaftlich benachteiligt und ausgegrenzt werden, machte er sich zu Eigen. Dem Anspruch, für andere da zu sein, wird er treu bleiben bis zum Ende. Die Vision Gottes für die Welt, dass es unter uns eigentlich keine Armen geben sollte (Dtn 15,4.), steht am Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu. In Jesu Leben spiegelt sich die Gerechtigkeit Gottes als Lebensprogramm. Menschen sollen aus einengenden, aus verletzten und entrechteten Umständen zu neuer Freiheit und zu neuen Lebensmöglichkeiten finden. Lukas und die übrigen Evangelisten werden nicht müde, davon zu berichten, wie Jesus Kranke heilt, Menschen aus Armut herausführt und dort Freiheit eröffnet, wo Zwang und Gewalt herrschen. Mit Jesus wird Gottes Gerechtigkeit in seiner ganzen Fülle erahnbar und greifbar, nicht erst in einem fernen Morgen, sondern im Heute, das mit Jesus begonnen hat. Dieses Heute von damals, das Jesus ausspricht, ist gleichzeitig heute: Samstag / Sonntag, 26. Januar / 27. Januar Der Soziologe Franz Xaver Kaufmann bringt es auf den Punkt: «Das Christentum wurde nicht primär als Schrift, sondern als Lebensform weitergegeben.» Jesu Vorbild und sein Programm werden zur Initialzündung, durch das christliche Lebenspraxis in Gang gesetzt worden ist. Mit eindrücklichen Worten hat sich die Katholische Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil mit seinen wohl berühmtesten Worten auf die Seite der Benachteiligten gestellt und damit einen hohen Anspruch an sich formuliert: «Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.» (GS1) Die Kirche begreift ihre Sendung als Sendung für die Welt und ihren Dienst als Dienst am Menschen. Die Realität der Armen und Bedrängten, wer immer sie seien und wo immer sie seien, gilt es in den Mittelpunkt zu stellen. 8

9 Menschen, die sich mit Armut, Armutsgefährdung oder grössten Einschränkungen auseinandersetzen müssen, gehören nach wie vor zu den bitteren Realitäten unserer Zeit heute und unserer eigentlich so reichen Schweiz. Mit der Kampagne «Eigentlich ist Bildung für alle da» wollen die Caritas-Organisationen der Schweiz darauf aufmerksam machen, dass ein enger Zusammenhang zwischen Armut und einem Mangel an Bildung besteht. Armutsbetroffene Menschen müssen sich nicht nur mit einem Mangel an Geld auseinandersetzen. Im besonderen Mass sind sie von einem Mangel an Wissen betroffen und einem Mangel an Gelegenheit, eigene Fähigkeiten weiter zu entwickeln oder neue zu erwerben. «Eigentlich ist Bildung für alle da» rückt in den Focus, dass unter uns Kinder, Jugendliche und Erwachsene leben, die in unserem Bildungsund Ausbildungssystem nicht die für sie sinnvolle Förderung erfahren. «Eigentlich ist Bildung für alle da» zielt darauf ab, dass Menschen erleben können, dass sie Fähigkeiten haben, und dass sie ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen können. Wie sich die Situation von Familien darstellt, wenn sie sich mit einem kleinen Budget und mit begrenzten Sprachkenntnissen auseinandersetzen müssen, kann das folgende Beispiel deutlich machen: «R. ist vier Jahre alt. Er wächst zusammen mit seinen drei Geschwistern in einer Agglomerationsgemeinde auf: ein fröhlicher, neugieriger Junge. Die meiste Zeit verbringt R. mit seinem älteren Bruder. Sie spielen draussen Fussball oder auf dem Spielplatz mit anderen Kindern. Seitdem aber der Bruder den Kindergarten besucht, langweilt sich R. sehr. Am liebsten möchte er auch schon in den Kindergarten. Manchmal spielt er mit den Kindern in der Nachbarschaft, aber er wird selten zu ihnen eingeladen. R. stammt aus einer Einwandererfamilie und spricht schlecht Deutsch. Das liegt daran, dass seine Mutter kaum Deutsch kann. Nur der Vater, der als Lagerist arbeitet, kann sich auf Deutsch gut verständigen. Aber wenn er abends müde nach Hause kommt, will er sich erholen. R. besucht keine Spielgruppe: Seine Mutter verbringt den Tag mit den Kindern. Neben R. und seinem älteren Bruder hat sie noch zweijährige Zwillingsmädchen. Oft ist sie so beschäftigt, dass sie keine Zeit hat, mit R. zu spielen. Sie schickt ihn dann nach draussen oder schaltet den Fernseher ein. R. schaut sehr gern fern. R.s Mutter lebt erst seit wenigen Jahren in der Schweiz. Ihre mangelhaften Deutschkenntnisse sind ein Hindernis im Alltag: Oft erfährt sie zu spät von Möglichkeiten, die ihr und ihren Kindern den Alltag erleichtern würden. Dass R. bald eine neu geschaffene Spielgruppe besuchen wird, ist ein glücklicher Zufall: Die Lehrperson im Kindergar- 9

10 ten hat R.s Mutter darauf aufmerksam gemacht, ihr einen Zettel in die Hand gedrückt und erklärt, wohin sie sich wenden muss. R.s Vater ist um das Wohl seiner Familie sehr bemüht. Gemeinsame Familienzeit, gutes Essen und Gesundheit sind ihm sehr wichtig. Sein Lohn reicht aber knapp für den Lebensunterhalt. Zudem ist seine Stelle unsicher er weiss nicht, wie lange er diesen Job behalten kann. Gerne würde er als Koch arbeiten, aber dafür fehlt ihm der nötige Abschluss. Und für die Ausbildung fehlen ihm Zeit und Finanzen.» Ist R.s Familie arm? Wie kann ihre Lebenssituation verbessert werden? Welche Zukunft kann R. erwarten? Auf welchen Wegen kann er erreichen, dass er als Erwachsener nicht in die Armutsspirale gerät? Das hier skizzierte, typisierte Beispiel einer Einwandererfamilie kann auch auf zahlreiche Schweizer Schicksale übertragen werden: Das Haupthindernis, auf das diese Familie stösst, ist der eingeschränkte Zugang zur Bildung aus Zeit- und Geldnot, wegen unzureichender Sprach- und Landeskenntnis, wegen mangelhafter sozialer Integration. Auf dem «Radar» dieser Familie erscheinen die bestehenden Bildungsangebote nur zufällig. (Iwona Meyer und Regula Heggli, Caritas-Sozialalmanach 2013) Personen mit einem tiefen Bildungsniveau sind am häufigsten von Armut betroffen. Darum kommt Angeboten mit Bildungsaspekt eine grosse Bedeutung zu. Neben Empfehlungen an die Bildungspolitik, die auf mehr Chancengleichheit abzielen, gibt es ganz konkrete Angebote, mit denen Caritas Luzern die Bildung fördert. In den Programmen für Erwerbslose werden Berufskenntnisse vermittelt in den Bereichen Verkauf, Veloreparaturen, Schreinerei, Küche, Service, Hauswirtschaft, Textilverarbeitung. Auch PC-Kenntnisse sind Inhalt der Bildungsmodule. Es wird Unterstützung geboten bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen. Bei Personen mit Migrationshintergrund spielt die Erweiterung der Sprachkenntnisse eine zentrale Rolle Die Bildungsangebote für Migrantinnen berücksichtigen insbesondere auch die besonderen Bedingungen von Frauen mit Vorschulkindern. In diesen Kursen wird ein Kinderhütedienst für Vorschulkinder angeboten. Bei den «mit mir» Patenschaften wird Kindern aus benachteiligten Familien eine Patin/ein Pate vermittelt. Die Kinder werden mit vielfältigen Erlebnissen in ihrer Entwicklung gefördert. Kinder mit Migrationshintergrund lernen dabei ganz nebenbei Deutsch. 10

11 Für Jugendliche mit schulischen Defiziten und/oder Migrationshintergrund hat Caritas Attestausbildungsplätze geschaffen. Ein fundiertes berufliches Rüstzeug wirkt präventiv gegen Armut. Bildung ist zum Schlüssel geworden, damit Menschen aus Armutssituationen herausfinden. Dazu braucht es in allererster Linie die Bereitschaft der Armutsbetroffenen selber, sich auf einen anspruchsvollen Weg einzulassen, der sie fordert. Auch braucht es kompetente Unterstützung, wie sie die Caritas Luzern dank der Hilfe vieler anbieten kann. Aber ganz besonders braucht es eine Solidarität, die getragen ist von der Hoffnung, dass die Gerechtigkeit Gottes hier und heute eigentlich ihren Platz hat. Glaubensbekenntnis Lied 98 Wir glauben, Gott, dass du es bist Fürbitten Guter Gott, Dein Sohn hat keinen Menschen aus seiner Liebe ausgeschlossen. Er war für alle da, besonders für die an Leib und Seele Verletzten und für die, die am Rande der Gesellschaft standen. In seinem Namen bitten wir. Für die Verantwortlichen in den christlichen Kirchen: um die Fähigkeit, sich von der Freude und der Hoffnung, von der Trauer und den Ängsten der Menschen bewegen zu lassen. V: Gott des Lebens! A: Wir bitten dich, erhöre uns Für die Frauen und Männer, die politische Verantwortung in ihren Ländern übernommen haben: um den rechten Blick für das Notwendige und um Klugheit in ihren politischen Entscheidungen. V: Gott des Lebens! A: Wir bitten dich, erhöre uns Für Menschen, die unter Armut und Ausgrenzung zu leiden haben: um Solidarität, Unterstützung und Ermutigung in ihrer schwierigen Situation. 11

12 V: Gott des Lebens! A: Wir bitten dich, erhöre uns Für Lehrer und Lehrerinnen: um ein offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen. V: Gott des Lebens! A: Wir bitten dich, erhöre uns Für alle, die um den Verlust eines lieben Menschen trauern: um Trost und Kraft in den Stunden des Abschieds. Guter Gott, du bist uns Menschen nahe, du weisst, was uns belastet und bedrückt. Wir dürfen dir vertrauen. Schenke uns jeden Tag deine aufrichtende Gegenwart. Darum bitten wir im Heiligen Geist durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen Instrumental oder Lied 103 (1.-3.) Was uns die Erde Gutes spendet Eucharistiefeier Gabengebet Guter Gott, Brot und Wein als Gaben unseres Alltags, haben wir auf den Altar gestellt. Du hast sie zum Zeichen deiner Liebe gemacht, denn dein Sohn ist zu uns gekommen und hat sein Leben eingesetzt. Er lebte nicht für sich, sondern gab sich ganz dahin. Lass uns immer tiefer erfassen, was er für uns getan hat. Darum bitten wir im Heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen 12

13 Empfohlene Präfation: Für die Sonntage im Jahreskreis VI. Sanctus Lied 110 Heilig, heilig, heilig Empfohlenes Eucharistisches Hochgebet: IV oder Hochgebet III für die Kirche in der Schweiz: Jesus geht an keiner Not vorbei Zum Friedensgruss Lied 597 Dona nobis pacem (Kanon) Entlassung Schlussgebet Guter Gott, wir waren an deinem Tisch zu Gast. Lass uns nicht fortgehen ohne deinen Segen und hilf uns, selber zum Segen zu werden für unsere Nächsten. So bitten wir im Heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen Mitteilungen An diesem Wochenende ist Ihre Kollekte für die Arbeit der Caritas Luzern bestimmt. Caritas hilft Menschen in Not, ungeachtet ihrer religiösen und politischen Anschauung oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Mit professioneller Beratung, Begleitung, Projekten und Öffentlichkeitsarbeit hilft sie, die Lebenssituation armutsbetroffener Menschen zu verbessern. Dazu ist die Caritas Luzern auf Ihre grosszügige, ideelle und finanzielle Unterstützung angewiesen. Sie können sicher sein, jeder Rappen wird für Armutsbetroffene eingesetzt. Weitere Informationen finden Sie auch im Internet auf Ihnen allen ein herzliches «Vergelt's Gott». Lied 150 (1.-3.) Wenn wir jetzt weitergehen oder 149 (1.-4.) Lass uns in deinem Namen, Herr 13

14 Segen Gedanke Wenn ihr nicht wisst, ob euer Tun richtig ist, dann fragt euch, ob ihr dadurch den Menschen näher kommt. Ist das nicht der Fall, dann wechselt schleunigst die Richtung; denn, was euch den Menschen nicht näher bringt, entfernt euch von Gott. Elie Wiesel 14

15 Hintergrundinformationen Bildung gegen Armut Fehlende Bildung ist ein Armutsrisiko. Denn in einer modernen Wissensgesellschaft wie der Schweiz ist Bildung entscheidend. Der Zugang ist aber nicht für alle gleich gewährleistet: Die soziale Herkunft entscheidet massgeblich darüber, wer welches Bildungsniveau erreicht. Zeit- und Geldnot, unzureichende Sprach- und Landeskenntnis oder mangelhafte soziale In- tegration erschweren den Zugang deutlich. Kinder aus armutsbetroffenen Familien haben nicht dieselben Chancen wie ihre besser gestellten Kolleginnen und Kollegen. Das will Caritas mit der Kampagne «Bildung gegen Armut» ändern. Das tut Caritas Bildung ermöglicht ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben, nicht nur finanziell. Je früher Zugänge geschaffen werden, desto besser. Mit diesem umfassenden Bildungsver- ständnis schafft Caritas Möglichkeiten entlang des gesamten Lebenslaufs; von den «mit mir» Patenschaften für Kinder, über die Vermittlung von Freiwilligen für die Hilfe bei Haus- aufgaben für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie zur Unterstützung von Erwachsenen beim Deutsch lernen bis hin zur KulturLegi. Patenschaftsprojekt «mit mir» In der Schweiz sind rund 260'000 Kinder von Armut betroffen. Die finanzielle Not der El- tern bekommen auch die Kinder unmittelbar zu spüren. Wünsche wie ein Kino- oder Zoo- besuch bleiben unerfüllt, von Taschengeld kann nicht die Rede sein. Von Schwimmkursen, Musikunterricht oder andern, kreativen Freizeitbeschäftigungen, wie sie für die meisten ihrer Gspänli selbstverständlich sind, bleiben diese Kinder ausgeschlossen. Die Situation in der Familie ist aufgrund der finanziellen Engpässe belastet. Den Eltern - vielfach auch al- leinerziehenden Müttern - fehlt oft die Kraft, ihre Kinder zu fördern und ihnen eine kreati- ve Freizeit zu bieten. Die Kinder können ihre Fähigkeiten nicht entwickeln. Die «mit mir» Patenschaften helfen Kindern und Eltern. Caritas vermittelt an die Fa- milien Freiwillige, die ein bis zwei Mal im Monat als Patin- nen/paten einen halben oder ganzen Tag mit ihrem Paten- kind verbringen. Sie unter- nehmen kleine Ausflüge, be- suchen ein Museum, gehen wandern, Velo fahren oder

16 Fussball spielen, lesen Geschichten vor oder backen einen Kuchen. Das macht Spass und erweitert den Erlebnishorizont. Durch die ungeteilte Aufmerksamkeit wird das Selbstver- trauen der Kinder gestärkt und die Eltern bekommen eine oft dringend benötigte Atem- pause. Zugang zu Kultur, Sport, Bildung und Freizeit mit der KulturLegi Wer nie ins Kino oder ins Theater kann, wem das Geld für ein Zeitungsabonnement, einen Tanzkurs oder eine Weiterbil- dung fehlt, gerät schnell ins Abseits. Die KulturLegi Zent- ralschweiz ermöglicht Men- schen mit wenig Geld, am ge- sellschaftlichen Leben teilzu- nehmen. Den Ausweis beantragen kön- nen Erwachsene und Kinder aus Haushalten am Existenz- minimum. Aktuell besitzen über Personen in der Zentralschweiz eine KulturLegi, schweizweit sind es mehr als Personen. 230 Institutionen und Vereine aus den Bereichen Kultur, Bildung, Sport und Freizeit ak- zeptieren die KulturLegi. Sie gewähren Rabatte von 30 bis 70 % auf Eintrittskarten in Mu- seen, Freizeitanlagen, auf Kurse z.b. der Migros- Klubschulen, auf Zeitungs- und Zeitschrif- tenabos. Die KulturLegi Zentralschweiz macht Träume wahr. Sie setzt sich dafür ein, dass Armuts- betroffene nicht aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen werden. Das fordert Caritas Elternarbeit stärken Der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsniveau zeigt, welch wichtigen Beitrag Eltern leisten, wenn sie ihren Kindern schon früh die Möglichkeit bieten, Interessen zu entwickeln und Erfahrungen zu sammeln. Die Entwicklung der Kinder in den ersten Lebensjahren ist für das Lernen in der Schule sehr wichtig. Doch Kinder aus armutsbetroffenen Familien sind benachteiligt: Ihre Eltern haben weniger Zeit und ken- nen die lokalen Bildungs- und Spielangebote kaum. Um dies zu ändern müssen Elternar- beit (z.b. Caritas- Projekt schulstart+) und Frühförderungsangebote (z.b. Spielgruppen) als Teil des gesamten Bildungswesens verstanden werden. Für die Umsetzung durch Kantone und Gemeinden bedeutet dies: Institutionelle und informelle Elternarbeit fördern Ausbildung von Betreuungspersonen für den Frühförderungsbereich stärken Einsatz von interkulturellen Übersetzer/innen 2

17 Mit einer Frühförderungsstrategie, wie sie zum Beispiel der Kanton Basel- Stadt verfolgt, können die einzelnen Massnahmen gezielt eingesetzt und ausgewertet werden. Dies setzt jedoch politischen Willen und die Einsicht voraus, dass frühes Investieren in die Bildung von Kind und Eltern spätere Defizite und ein Abgleiten in Armut verhindert. Illettrismus bekämpfen 17% der Schweizer Jugendlichen können kaum lesen, bis zu 7% jedes Jahrgangs verlassen die obligatorische Schule mit derart ungenügender Lesekompetenz, dass ihre Berufschan- cen sehr eingeschränkt sind, und etwa Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren (etwa 11% der Gesamtbevölkerung) sind von schwerem Illettrismus betroffen. Damit diese Zahlen sinken, braucht es Angebote, die es allen Kindern ermöglichen, ihr Potenzial auszuschöpfen: Familien- und schulergänzende Tagesstrukturen (z.b. Caritas- Projekt «mit mir»). Diese ermöglichen Kindern und Jugendlichen, Erfahrungen in einem geschützten Rahmen zu sammeln und unterstützen sie beim Lernen und in ihrer allgemei- nen Entwicklung. Damit helfen sie, Armut zu verhindern. In der konkreten Umsetzung durch Kantone und Gemeinden bedeutet dies: Bildungsstrukturen schaffen, welche die Integration benachteiligter Gruppen und Personen fördern (Tagesstrukturen, Tagesschulen) in die Ausbildung der Lehrkräfte investieren, die zunehmend in interkulturellem Kontext arbeiten niederschwellige, auch informelle Bildungsangebote für Eltern fördern die offene und aufsuchende Jugendarbeit aufwerten und die Zusammenarbeit zwi- schen Schulen, Gemeinden und der Jugendarbeit fördern informelle Bildungs- und Quartierarbeit durch Drittorganisationen und Vereine stärken Berufliche Ausbildung er- möglichen Noch immer verfügen 15,2% der Menschen im Erwerbsalter (25 65 Jahre) nicht über eine nachobligatorische Ausbildung. Sie sind deutlich häufiger von Erwerbsarmut betroffen. So liegt die Working- poor- Quote dieser Personen bei gut 11%, während sie für die Erwerbsbe- völkerung insgesamt bei knapp 4% liegt. Auch das Risiko der Arbeitslosigkeit ist für Personen ohne oder mit geringer Be- rufsausbildung deutlich höher als für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Es ist offensichtlich, dass der Zugang zur beruflichen Ausbildung eine armutspräventive Mas- snahme erster Priorität darstellt. Dazu braucht es Massnahmen, die im Sinne der Chan- cengerechtigkeit wirken, wie: 3

18 Förderung der dualen Berufsbildung durch Berufsbildungsfonds, Lastenaus- gleichsfonds, Steuerabzug für Lehrbetriebe Förderung von Lehrlingen durch Stipendien oder Bildungsgutscheine Förderung der Berufsbildung für Personen ohne Abschluss durch Berufsbildungs- fonds, Ausbildungszuschüsse ALV, Bildungsgutscheine Validierung informeller Bildungsleistung Aber eigentlich braucht es nicht viele Worte, sondern Taten. Herzlichen Dank, dass Sie uns bei unserer Arbeit und bei unseren Forderungen unterstützen! Alle Zahlen stammen aus dem Caritas- Sozialalmanach 2013 (www.caritas.ch/sozialalmanach). Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch im Positionspapier «Ein Bildungspaket gegen Armut» (www.caritas.ch/positionspapiere) sowie auf der Website armut.ch (ab Ende Dezember 2012). 4

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