Erstellung von Jahresabschlüssen in der Krise

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1 Erstellung von Jahresabschlüssen in der Krise WP/StB Prof. Dr. Marcus Scholz Vortrag beim Zentrum für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim 22. Oktober Scholz Erstellung von Jahresabschlüssen in der Krise 2013

2 Inhaltsübersicht A. Neuere Rechtsprechung des BGH B. Risiken für Berater C. Fälle mit Handlungsempfehlungen D. Fazit und Vorschlag 2 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

3 A. Neuere Rechtsprechung des BGH 3 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

4 Neuere BGH-Urteile zur Steuerberaterhaftung Datum Inhalt Einbeziehung des Gesellschafters und des Geschäftsführers in den Schutzbereich eines Vertrags der GmbH mit dem Steuerberater über Prüfung der Insolvenzreife Keine Pflicht des Steuerberaters zum Hinweis auf Insolvenzreife bei einem steuerberatenden Dauermandat üblichen Zuschnitts Haftung des Steuerberaters wegen fehlerhafter Feststellung, dass eine insolvenzrechtliche Überschuldung nicht vorliegt 4 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

5 Schutzbereich bei Auftrag zur Prüfung der Insolvenzreife Ehemann M Ehefrau F 100% Geschäftsführung stiller Gesellschafter GmbH Schadenersatz? Auftrag zur Erstellung des Jahresabschlusses Auftrag zur Prüfung der Insolvenzreife Steuerberater S 5 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

6 Hinweise für die Beratungspraxis aus dem BGH-Urteil vom Der Auftrag zur Prüfung der Insolvenzreife ist ein Werkvertrag. Dieser Werkvertrag entfaltet Schutzwirkung zugunsten Dritter. In den Schutzbereich fallen u.a. Geschäftsführer und Gesellschafter. Es ist auch bei wirtschaftlich und rechtlich erfahrenen Auftraggebern (= Geschäftsführern) von der Belehrungsbedürftigkeit auszugehen. 6 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

7 Hinweispflicht auf die Pflicht zur Prüfung der Insolvenzreife Steuerberatendes Dauermandat üblicher Zuschnitt Keine Hinweispflicht des Steuerberaters auf Pflicht der Geschäftsführung zur Prüfung der Insolvenzreife unüblicher Zuschnitt = steuerberatendes Dauermandat mit Erweiterungen 7 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

8 Tätigkeiten im Rahmen eines steuerberatenden Mandats üblichen Zuschnitts Monatliche Lohn- und Gehaltsabrechnung Monatliche Meldungen an das Finanzamt und die Sozialversicherungsträger Monatliche Finanzbuchführung Monatliche Erstellung und Abgabe der USt-Voranmeldungen Monatliche Erstellung der Betriebswirtschaftlichen Auswertungen Jährliche Erstellung des handelsrechtlichen Jahresabschlusses Jährliche Erstellung der Steuerbilanz Jährliche Erstellung der Jahressteuererklärungen Unterstützung bei allen Arten von Betriebsprüfungen 8 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

9 Tätigkeiten, die über ein steuerberatendes Mandat üblichen Zuschnitts hinausgehen Strategische Beratung Beratung bei Investitionsentscheidungen Beratung beim Kauf/Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen Finanzierungsberatung Beratung bei der Inanspruchnahme von Zuschüssen und Förderprogrammen Beratung hinsichtlich von Vergütungsmodellen für Mitarbeiter Beratung hinsichtlich der Altersversorgung des GF-Gesellschafters, des Geschäftsführers oder von Mitarbeitern Beratung bei der Strukturerhebung statistischer Ämter 9 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

10 B. Risiken für Berater 10 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

11 Risiken für den Steuerberater Schuldrecht Strafrecht Haftung gegenüber Dritten Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter Kreditbetrug Insolvenzverschleppung Haftung gegenüber Auftraggeber Honorarverlust Bankrott 11 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

12 C. Fälle mit Handlungsempfehlungen 12 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

13 Fälle mit Handlungsempfehlungen WP prüft WP erstellt HB/SB StB erstellt HB/SB normaler Abschluss Testat Bescheinigung Bescheinigung abgrenzbarer Mangel Einschränkung Einschränkung Einschränkung nicht abgrenzbarer Mangel Negativtestat keine Bescheinigung keine Bescheinigung Bilanzielle Überschuldung Insolvenzrechtliche Überschuldung Zahlungsunfähigkeit Redepflicht Redepflicht keine Redepflicht Wegfall Going-concern- Annahme 13 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

14 Normaler Abschluss Der Steuerberater kann den Jahresabschluss ohne Beurteilungen mit Plausibilitätsbeurteilungen oder mit umfassenden Beurteilungen erstellen. Verlautbarung der Bundessteuerberaterkammer zu den Grundsätzen für die Erstellung von Jahresabschlüssen vom 12./13. April Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

15 Von den Daten des Mandanten zur Bescheinigung des Jahresabschlusses Belege Bücher z.b. Anlagenbuchhaltung Bestandsnachweise z.b. Inventar Auskünfte Daten des Mandanten Steuerberater hat keine Zweifel Steuerberater hat Zweifel Bescheinigung Steuerberater muss dem Zweifel nachgehen 15 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

16 Von den Daten des Mandanten zur Bescheinigung des Jahresabschlusses Steuerberater muss dem Zweifel nachgehen Mangel wird beseitigt Mangel wird nicht beseitigt Bescheinigung abgrenzbarer Mangel nicht abgrenzbarer Mangel Bescheinigung einschränken Mandat niederlegen Keine Bescheinigung Mandat niederlegen 16 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

17 Beispiele für abgrenzbare Mängel (1/2) mangelhafte Bestandsnachweise bei Vermögensgegenständen, z.b. Fehler im Inventar Überdotierung von Forderungen, z.b. keine Wertberichtigungen Unterdotierung von Rückstellungen, z.b. Pensionsverpflichtungen Urlaubsansprüche Gewährleistungsrisiken drohende Verluste aus schwebenden Geschäften Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen 17 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

18 Beispiele für abgrenzbare Mängel (2/2) unvollständige Angaben im Anhang oder Lagebericht, z.b.: Bezüge des Geschäftsführers ( 285 Nr. 9 Buchst. b HGB) Erläuterung der sonstigen Rückstellungen ( 285 Nr. 12 HGB) Gründe für den Ausweis von Haftungsverhältnissen im Anhang oder in der Bilanz ( 285 Nr. 27 HGB) Verletzung von Gewinnverwendungsregeln 18 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

19 Fall: abgrenzbarer Mangel Mandant M beauftragt Steuerberater S mit der Erstellung des Jahresabschlusses. M legt S eine Forderungsliste über 1 Mio. vor. Forderungen i.h.v. 400 T sind älter als 7 Jahre. Es liegen keine vollstreckbaren Titel und keine Schuldanerkenntnisse vor. a) Was muss S tun? b) Was kann S tun, wenn M der Wertberichtigung zustimmt? c) Was kann S tun, wenn M der Wertberichtigung nicht zustimmt? d) Wann muss die Bescheinigung eingeschränkt werden? e) Wie kann S am Ende 19 Scholz Erstellung Schäfer von & der Schlarb Jahresabschlüssen Bescheinigung RÄ 2011/2012 der Krise 2013

20 Beispiele für nicht abgrenzbare Mängel Vornahme von Buchungen ohne Beleg Unvollständige Verbuchung von Belegen Keine Ablage von gebuchten Belegen Führen der Kasse ohne Kassenbuch Keine zumindest jährliche Durchführung einer Vorratsinventur 20 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

21 Fall: nicht abgrenzbarer Mangel Mandant M beauftragt Steuerberater S mit der Erstellung des Jahresabschlusses. M will die Vorräte mit 1 Mio. ansetzen. M hat keine Inventur vorgenommen. S hat Zweifel an dem Wert von 1 Mio.. a) Was muss S tun? b) Was kann S tun, wenn M eine nachträgliche Inventur vornimmt? c) Was kann S tun, wenn M keine nachträgliche Inventur durchführt und damit keinen ordnungsgemäßen Wert für die Vorräte ermittelt. d) Wann darf keine Bescheinigung erteilt werden? 21 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

22 Bilanzielle Überschuldung Handelsbilanz Vermögen Schulden Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag = Indiz für insolvenzrechtliche Überschuldung 22 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

23 Steuerberatungsmandat und Belehrungspflicht zur Prüfung der insolvenzrechtlichen Überschuldung steuerberatendes Dauermandat üblichen Zuschnitts mit Erweiterungen ohne Bezug zum Fortbestand des Unternehmens mit Bezug zum Fortbestand des Unternehmens keine Pflicht zur Belehrung Pflicht zur Belehrung Mandant muss insolvenzrechtliche Überschuldung prüfen 23 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

24 Fall: Bilanzielle Überschuldung bei Dauermandat üblichen Zuschnitts Steuerberater S führt seit vielen Jahren die Lohn- und Finanzbuchhaltung für die A-GmbH durch und erstellt deren Handels- und Steuerbilanzen. In diesem Zusammenhang erstellt S auch alle regelmäßigen Meldungen und Steuererklärungen. Bei der Erstellung des Jahresabschlusses stellt der Steuerberater eine bilanzielle Überschuldung fest. Muss der Steuerberater die A-GmbH auf die Pflicht zur Prüfung der Insolvenzreife hinweisen? 24 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

25 Fall: Bilanzielle Überschuldung bei Dauermandat unüblichen Zuschnitts Steuerberater S ist seit Jahren beratend für die A-GmbH tätig. Neben laufenden Tätigkeiten (= Jahresabschlusserstellung etc.) wird er von dem geschäftsführenden Gesellschafter auch für Sonderberatungen im Zusammenhang mit der Vorbereitung von Bankterminen (= Finanzierungsberatung) mandatiert. Muss der Steuerberater die A-GmbH auf die Pflicht zur Prüfung der Insolvenzreife hinweisen? 25 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

26 D. Fazit und Vorschlag 26 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

27 Bisher keine klaren Regeln zur Belehrungspflicht des Steuerberaters bei bilanzieller Überschuldung Der Steuerberater benötigt klare Regeln, wann er seinen Mandanten auf die Pflicht zur Prüfung der Insolvenzreife hinweisen muss. steuerberatendes Dauermandat mit Erweiterung um insolvenzrechtliche Beratung mit Bezug zur rechtlichen Überschuldung? mit Bezug zum Fortbestand? 27 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

28 Vorschlag zur Konkretisierung der Belehrungspflicht des Steuerberaters bei bilanzieller Überschuldung steuerberatendes Dauermandat üblichen Zuschnitts mit Erweiterung außerhalb insolvenzrechtlicher Beratung? um insolvenzrechtliche Beratung? keine Pflicht zur Belehrung Pflicht zur Belehrung Mandant muss insolvenzrechtliche Überschuldung prüfen 28 Scholz Erstellung Schäfer von & Schlarb Jahresabschlüssen RÄ 2011/2012 in der Krise 2013

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