SWIFT-Anschluss für Firmenkunden E-Rechnung im Vormarsch Umsetzung der IBAN/BIC-Resolution AUSGABE 29 SEPTEMBER 2006

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1 AUSGABE 29 SEPTEMBER 2006 Informationen zu den Schweizer Zahlungsverkehrssystemen SWIFT-Anschluss für Firmenkunden E-Rechnung im Vormarsch Umsetzung der IBAN/BIC-Resolution

2 Inhalt ClearIT, Ausgabe 29 EDITORIAL 3 SWIFT-ANSCHLUSS FÜR UNTERNEHMEN AM BEISPIEL VON CIBA 4 Seit einigen Jahren können sich neben Finanzinstituten auch Unternehmen direkt ans SWIFT- Netzwerk anschliessen. Immer mehr Grossunternehmen ziehen daraus Vorteile. ClearIT sprach mit Dr. Stefan Eggli, Head Treasury Control der Ciba Spezialitätenchemie, über seine Erfahrungen und die weiteren Perspektiven. SWIFT UND FIRMENKUNDEN AUS BANKENSICHT beschloss SWIFT, ihr Netz unter dem Titel MA-CUG (Member Administered Closed User Group) auch für Unternehmen zu öffnen. Die Anzahl der bei SWIFT registrierten MA-CUGs steigt stetig an, und immer mehr Banken rüsten sich für diese neue Dienstleistung. IMMER MEHR ELEKTRONISCHE ZAHLUNGEN IN DER SCHWEIZ 10 Vor rund zehn Jahren setzte mit ersten E-Banking-Lösungen ein Trend zur Effizienzsteigerung im Schweizer Zahlungsverkehr ein. Wie eine Erhebung der Nationalbank zeigt, ist die Anzahl der elektronisch in Auftrag gegebenen Zahlungen allein in den letzten drei Jahren um über 20 Prozent angestiegen. PAYNET UND POSTFINANCE FÖRDERN DIE ELEKTRONISCHE RECHNUNG 11 Als Basis für eine einheitliche Kommunikation haben sich PayNet (Schweiz) AG und PostFinance auf den Begriff «E-Rechnung» geeinigt, welcher zukünftig seitens aller Parteien (Rechnungssteller, Finanzinstitute und Provider) gegenüber Privatpersonen vermittelt wird. NEUE GRUNDSÄTZE DER WOLFSBERG-GRUPPE 12 Anfang Jahr haben die Mitgliedbanken der Wolfsberg-Gruppe vier Berichte veröffentlicht, welche neue Grundsätze für die Geldwäscherei-Prävention in verschiedenen Bereichen des Bankgeschäfts aufstellen. UMSETZUNG DER IBAN/BIC-RESOLUTION BEI SCHWEIZER BANKEN 14 Eurozahlungen aus der Schweiz in die EU/EWR-Länder sollen spätestens ab Ende 2006 nur noch mit IBAN und BIC erfolgen. Wie ein Augenschein bei der Credit Suisse und Migrosbank zeigt, ist die Umsetzung der internationalen Standards dort bereits weit vorangeschritten. SWISS BANKING OPERATIONS FORUM 15 Ein Bericht zur letzten und Ausblick auf die nächste Zahlungsverkehrskonferenz vom 17. November

3 Editorial LIEBE LESERININNEN UND LESER «Sicher ist bei SWIFT das Netzwerk von grösster Bedeutung für die Banken, entscheidend jedoch sind die Standards», meinte ETH-Professor und SWIFT-Vordenker Max Engeli vor einigen Jahren in einem Gespräch. Jetzt aber wird das SWIFT-Netz weltweit für Unternehmen geöffnet, und SWIFT bietet immer mehr Services darüber an. Das wirft die Frage auf, ob sich die Prioritätenskala wirklich im Sinne des Statements von Prof. Engeli entwickelt hat. Was sich sicher stark verändert hat, ist eine Öffnung auf allen Ebenen, bedingt durch die rasante technologische Entwicklung: Basierend auf universellen Standards und Normen werden Netze immer mehr zu Commodities. Daten werden in Höchstgeschwindigkeiten rund um die Erde verteilt, heute noch mehrheitlich über Festnetzverbunde, morgen über Mobilfunk. In Ländern, wo Festnetze fehlen, ist Funkübermittlung schon heute gelebte Realität. Das halbwegs sichere Umfeld der Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ist Vergangenheit, der Weg führt nun von den noch teilweise kontrollierbaren IP-Netzen hin zur weltweiten Übermittlung. Die Welt wird kleiner, globaler und willkürlicher. Im Interesse der Bankenindustrie im Allgemeinen und speziell des Zahlungsverkehrs bedarf es daher mehr allgemein akzeptierter Standards und Sicherheitsvorkehrungen. Letzteres bezieht sich neben den rein technischen Massnahmen als Gesamtprozess angefangen von der Entstehung einer Zahlungstransaktion und deren Aufbereitung über die Übermittlung bis hin zur Verarbeitung beim Empfänger. Missbrauch im weitesten Sinn ist durchgängig zu verhindern. In diesem Sinne meldet die Wolfsberg-Gruppe die Entstehung eines Registers für Korrespondenzbanken (siehe auch ClearIT 23) und berichtet über ihre neuen Grundsätze im Bereich der Geldwäscherei. Da allgemein gültige Regeln und Standards fehlen, wendet sie sich sowohl an die Regulatoren wie auch an die Finanzinstitute. Der Anschluss von Unternehmen via SWIFT und deren Standards dürfte die Beziehungen von Banken zu Unternehmen und zu SWIFT nachhaltig verändern. Für Banken werden die Themen «Know Your Customer» und Processing-Sicherheit neu zu beleuchten sein. Wir stehen erst am Anfang dieser Anbindungsmöglichkeiten und begrüssen umso mehr die Beiträge von Ciba Spezialitätenchemie und Credit Suisse. «Mehr elektronische Zahlungen und Rechnungen» ist ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe. In dieser Hinsicht kommt das eingangs erwähnte Zitat voll zum Tragen, denn wenn die Zahlungen über SWIFT-Standards abgewickelt werden können, sind die EBPP-Provider den Standardisierungsbemühungen zuvorgekommen. Weltweit werden diverse Formate genutzt, und die kurzfristige Lösung besteht, mangels Standards, in aufwändigen Schnittstellen. In diesem Kontext ist die Ankündigung einer gemeinsamen Kommunikationsplattform für die E-Rechnung von PayNet und PostFinance bemerkenswert. Welche grossen Anstrengungen zur breiten Implementierung eines Standards erforderlich sind, verdeutlicht das Beispiel IBAN: Obwohl die Schweizer Zahlungssysteme seit rund 6 Jahren IBAN-fähig sind, wurden doch einige Finanzinstitute durch die IBAN/BIC-Resolution überrascht. Sie arbeiten zurzeit mit Hochdruck an der Umsetzung organisatorischer und informativer Massnahmen und begrüssen die rechtzeitige Auslieferung des IBAN-Berechnungs-Tool (siehe ClearIT 28) im Oktober. Zwei Banken tragen mit einem wertvollen Erfahrungsbericht in dieser Nummer zum Thema bei. André Bamat, CEO, Swiss Interbank Clearing 3

4 Business & Partners ClearIT, Ausgabe 29 SWIFT-ANSCHLUSS FÜR UNTERNEHMEN AM BEISPIEL VON CIBA ClearIT: Wann und aus welchen Gründen sah sich Ciba veranlasst, sich über den Corporate Access ans SWIFT-Netzwerk anzuschliessen? Dr. Stefan Eggli: Es gibt mehrere Gründe dafür, dass wir uns für diese neue Möglichkeit eines direkten Anschlusses an SWIFT entschlossen haben. Als erstes ist zu erwähnen, dass wir schon seit mehreren Jahren SWIFT-Meldungen für die Abwicklung unserer Treasury-Transaktionen verwenden. Dieses System wird aber nicht weiterentwickelt und unsere IT drängt immer stärker auf eine Ablösung. Durch Zufall einer unserer Mitarbeiter kannte jemanden bei einem Service-Provider haben wir dann die bereits existierende Lösung dieses Service-Bureaus (Biveroni Batschelet Partners AG in Baden/AG) vorgestellt bekommen und waren davon begeistert, ein Pilotprojekt einzugehen. Des Weiteren sind wir an der Einführung eines neuen ERP- Systems, welches uns erlauben soll, eine Payment Factory zu implementieren. Heute sind wir in 22 Ländergesellschaften und 8 regionalen Finanzzentren organisiert. Wir planen nun den gesamten Zahlungsverkehr zu zentralisieren. Wir haben schnell erkannt, dass SWIFT uns dazu einen gemeinsamen Kanal bietet und den Anschluss zu den Banken sowie die Autorisierung der Zahlungsinstruktionen standardisiert. Deshalb haben wir mit dem Service- Provider sehr rasch ein Pilotprojekt gestartet, um in einer ersten Phase die bestehende SWIFT-Lösung für reine Treasury-Zahlungen abzulösen. In einer zweiten Phase, sobald unser ERP-System auch SWIFTNet FileAct unterstützt, können wir dann auch Massenzahlungen darüber abwikkeln. Zudem haben wir vor, auch weitere, von uns heute noch nicht aktiv genutzte SWIFT-Meldungstypen mit der Zeit aktiv zu verwenden. Welchen Nutzen ziehen Sie für welche Geschäfte aus der direkten SWIFT-Teilnahme? Bei den Geschäften wickeln wir in erster Linie natürlich Forex- und Geldmarktgeschäfte über SWIFT ab. Daneben aber auch Securities und Bonds, da wir unsere Pensionskasse intern verwalten. Des Weiteren schikken wir MT210 (Notice to Receive) via SWIFT und planen in Zukunft auch MT300 (Foreign Exchange Confirmation) aktiv zu nutzen. Dank der neuen Möglichkeiten (Filetransfer, Standardisierung, Sicherheit) wird uns SWIFT darin unterstützen, unsere Payment Factory einfacher umzusetzen, was eine erhebliche Reduktion des Aufwands und somit Kosteneinsparung mit sich bringen wird. Wie jedes grössere international tätige Unternehmen pflegen Sie multiple Bankbeziehungen. Unterhalten Sie auch zu jedem dieser Finanzinstitute so genannte MA-CUGs? Da wir erst seit Mitte dieses Jahres an SWIFT angeschlossen sind, haben wir uns bislang auf einen einzigen MA-CUG-Vertrag konzentriert. Weitere Verträge mit unseren Global Cash- Management-Banken und dem Custodian der Ciba Pensionskasse sind in Vorbereitung und sollten bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Das ist zurzeit kein ganz so leichtes Unterfangen, da trotz der gleichen Schnittstelle die Verträge unterschiedlich auszugestalten sind. Hier setzt eine neue Initiative von SWIFT an: Zukünftig soll es nur noch einen Rahmenvertrag geben, welcher für alle an SWIFT angeschlossenen Finanzinstitute Gültigkeit hat; welche Meldungstypen abgewickelt werden, ist dann nur noch mit den jeweiligen Finanzinstituten zu vereinbaren. Wir planen, an diesem SWIFT-Pilotprojekt teilzunehmen, da wir uns davon eine deutliche Vereinfachung der Vertragsbeziehungen erhoffen. Welche organisatorischen, personellen und applikatorischen Anpassungen waren intern bei Ihnen notwendig, um den Corporate Access zu nutzen? Die grösste Herausforderung für uns ist auf jeden Fall das SWIFT-Knowhow. Für uns ist vieles rund um SWIFT Neuland, in welches wir uns einarbeiten müssen. Da wir aber in dieser ersten Phase wie schon erwähnt mit einem Service-Provider zusammenarbeiten, konnten wir auf 4

5 Business & Partners SWIFT unterhält weltweit ein Netzwerk, über welches Finanztransaktionen abgewickelt werden. Standardisierte Nachrichten können darüber äusserst zuverlässig und sicher ausgetauscht werden. Bis vor einigen Jahren war der Zugang zum SWIFT-Netzwerk nur Finanzinstituten vorbehalten. Seit 2001 können sich auch Unternehmen direkt daran anschliessen. Immer mehr grössere Unternehmen setzen seither auf den SWIFT-Zugang. ClearIT sprach mit Dr. Stefan Eggli, Head Treasury Control der Ciba Spezialitätenchemie, über seine Erfahrungen und die weiteren Perspektiven. 5

6 Business & Partners ClearIT, Ausgabe 29 KURZBIOGRAPHIE Dr. Stefan Eggli arbeitet seit 1998 bei Ciba Spezialitätenchemie in Basel und ist in seiner aktuellen Position als Head Treasury Control verantwortlich für die Abwicklung der gruppenweiten Devisen- und Geldmarktgeschäfte. Er implementierte globale Finanz-Systeme im Bereich des Devisenhandels sowie des Cash-Managements. Vorgängig arbeitete er beim Schweizerischen Bankverein als Financial Information Engineer und promovierte in Experimantalphysik. weitere Ressourcen verzichten. Applikatorische Anpassungen werden zusammen mit dem Service-Provider diskutiert und entweder intern oder von diesem implementiert. Für die zweite Phase ist eine wichtige Voraussetzung, dass unser ERP-System die notwendigen Formate unterstützt. Selbstverständlich ist zusätzlicher IT-Aufwand damit verbunden, insbesondere im Falle eines direkten SWIFT-Anschlusses. Die Schaffung der Payment Factory wird zweifellos auch einen Einfluss auf die Ausgestaltung von Arbeitsplätzen mit sich bringen. Wichtig beim «Erlernen» dieser für uns neuen Welt ist auch der Austausch mit anderen Unternehmen. Weitere Unternehmen innerhalb der Schweiz sind ebenfalls am direkten SWIFT-Anschluss interessiert. Es finden immer wieder User-Group-Meetings statt, welche in der Regel von Finanzinstituten und Systemlieferanten organisiert werden. So können wir unsere Erfahrungen gegenseitig austauschen. Dr. Stefan Eggli: «SWIFT hilft uns, unsere Zahlungen effizienter abzuwickeln.» Welche Entwicklungspotenziale sehen Sie im SWIFT-Umfeld, aber auch ganz generell im Verkehr zwischen Ihnen und Ihren Finanzinstituten, die Ihrem Unternehmen zu Gute kommen könnten? Vorrauschicken muss ich, dass wir als multinationales Unternehmen sicherlich eine andere Perspektive als national tätige Unternehmen haben. Für uns ist einer der wichtigen Schritte die Implementierung des eben erwähnten neuen Modells für den Zugang von Corporates, um die Eintrittshürde für Unternehmen allgemein niedrig zu halten. Ein grösseres, noch ungelöstes Problem stellt die Teilnahme an verschiedenen nationalen Systemen dar. Heute ist es doch so, dass Unternehmen in ihren Systemen unterschiedlichste länderspezifische Daten und Formate (z.b. nationale Bank Codes) pflegen müssen. Eine Vereinheitlichung und Standardisierung in den Zahlungsverfahren, der elektronischen Anbindung eines Unternehmens an die Finanzinstitute sowie Autorisierung von Zahlungsformaten sind hier wünschenswert. SWIFT sollte zu diesem Zweck zusammen mit den ERP-Lieferanten sowie den Finanzinstituten eine zentrale Rolle spielen. Die Bildung eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums (SEPA) ist sicherlich ein richtiger und sehr wichtiger Schritt hierzu, da damit einheitliche Zahlungsformate (basierend auf SWIFT- Standards und IBAN) innerhalb des Euroraums definiert werden. Dadurch könnten auch Pricing-Strukturen vereinfacht werden. Diese Zahlungsformate sollten sich aber nicht nur auf den Euro beschränken. Wir beispielsweise wickeln sehr viele WAS IST MA-CUG? Die Banken richten Member Administered Closed User Groups (MA-CUGs) ein, um ihren Kunden Finanzdienstleistungen über SWIFTNet anzubieten. Die MA-CUGs dekken alle Märkte ab: Zahlungen, Cash- Management, Derivate, Trading, Wertpapiere. Es können sowohl proprietäre Formate als auch SWIFT-Standard-Meldungen übertragen werden. Damit eignen sich die MA-CUGs für praktisch alle Kundensegmente: Firmen, Versicherungen, Wertpapierhändler. Diese Kunden haben eines gemeinsam: sie erwarten von ihrem Finanzdienstleister sichere, kosteneffiziente und standardisierte Messaging Services. Weitere Informationen erhalten Sie unter Sie können sich auch direkt mit der nächsten Niederlassung von SWIFT in Verbindung setzen. 6

7 Business & Partners ÜBER CIBA SWIFT-ANSCHLUSS FÜR UNTERNEHMEN Ciba Spezialitätenchemie schafft Effekte für eine bessere Lebensqualität. Schon in kleinen Mengen verbessern unsere chemischen Spezialitäten die Qualität von Textilien im gesamten Herstellungsprozess Aktuelles MA-CUG-Modell: Unternehmen schliessen sich in mehreren MA-CUGs an. Neues Many-to-many-CUG-Modell: Unternehmen und Banken schliessen sich in 1 CUG an. über alle Stufen hinweg. Hauptsitz der Ciba Spezialitätenchemie (SWX: CIBN, NYSE: CSB) ist in Basel. Wir sind mit unse- Bank A Vertrag A Vertrag Bank A ren rund Mitarbeitenden an 69 Produktionsstätten in 22 Ländern und an 15 Forschungszentren in 12 Ländern tätig. Die Unternehmen Bank B Vertrag B Unternehmen Bank B fortgeführten Geschäfte des Unternehmens erzielten im Jahr 2005 einen Umsatz von rund 6,1 Milliarden Schweizer Franken Bank C Vertrag C Bank C und investierten über 270 Millionen Schweizer Franken in Forschung und Ent- Quelle: SWIFT wicklung. Wir fokussieren uns auf die drei Kerngeschäfte Plastic Additives, Coating Effects und Water & Paper Treatment. Wei- Das neue Modell wird Ende 2006 eingeführt tere Informationen erhalten Sie unter Zahlungen auch in den US-Dollar- Raum ab. Ein letzter wichtiger Punkt ist das aufwendige Berichtswesen im Bereich Auslandszahlungen zuhanden der einzelnen Zentralbanken. Dies ist heute noch eine grosse Bürde. Ein flexibleres Reporting würde die Arbeit in der Payment Factory erheblich effizienter gestalten. Interview: Christian Schwinghammer, Swiss Interbank Clearing AG, André Gsponer, Enterprise Services AG, ÜBER SWIFT SWIFT ist eine internationale Genossenschaft, die von den Finanzinstituten gegründet wurde, um die sichere und standardisierte Übertragung von Nachrichten zu gewährleisten. Ihre Dienste werden von über 7800 Finanzinstituten in über 200 Ländern in Anspruch genommen. Unter den Nutzern von SWIFT befinden sich Banken, Broker, Händler, Investment Manager sowie die Marktinfrastrukturen für Zahlungen, Wertpapierhandel und Liquiditätsmanagement. Letztes Jahr beschloss der SWIFT-Vorstand, die Dienstleistungen auch für Unternehmen zu öffnen, die nicht dem Finanzsektor angehören. Je nach Bedarf können die Unternehmen sich innerhalb eines festgesteckten Rahmens an das SWIFT-Netz anschliessen, um Transaktionen mit ihren kontoführenden Banken oder Liquiditätsverwaltern durchzuführen, unabhängig davon, ob es um Zahlungen, Cash-Management oder Wertpapierhandel geht. SWIFT bietet den Unternehmen einen äusserst sicheren, integrierten und standardisierten Kommunikationskanal, der sie mit einem weltumspannenden Bankennetz in Verbindung setzt. Dank diesem neuen Angebot kann sich die Firma proprietäre Lösungen für die Kommunikation mit ihrem Finanzinstitut ersparen. Eine nahtlose Integration in die Back-Office- Applikationen ist möglich, womit eine maximale Automatisierung bei minimalem operationellem Risiko erreicht wird. 7

8 Business & Partners ClearIT, Ausgabe 29 SWIFT UND FIRMENKUNDEN AUS BANKENSICHT 2001 beschloss SWIFT, ihr Netz unter dem Titel MA-CUG (Member Administered Closed User Group) auch für Unternehmen zu öffnen. Seit damals haben die Firmenkunden die Möglichkeit, bei jeder Bank, mit der sie SWIFT-Messages austauschen möchten, einer MA-CUG beizutreten, vorausgesetzt, dass die gewählte Bank diese Dienstleistung anbietet. Die Anzahl der bei SWIFT registrierten MA-CUGs steigt stetig an: 2002 waren es erst 21, 2004 wurden daraus 69 und heute sind es über 120. Immer mehr Banken rüsten sich, um diese neue Dienstleistung anbieten zu können. Unter dem Stichwort MA-CUG bieten die Banken ihren Firmenkunden sowohl die traditionellen FIN SWIFT MT Messages, als auch neuere Produkte von SWIFT an. Für Firmenkunden eignen sich insbesondere Zahlungsaufträge (vor allem MT101), Treasury-Bestätigungen, Wertpapier- Messages und Kontoauszüge. Zusätzlich bieten manche Banken File Transfer über SWIFTNet FileAct an. SWIFT reglementiert den Inhalt der gesendeten Files nicht. Die Firmenkunden nutzen FileAct vor allem, um proprietäre, inländische Formate, wie DTA-Zahlungsdaten in der Schweiz, zu übertragen. Bei Credit Suisse konnten wir feststellen, dass die Nachfrage nach dem File Transfer, neben den Standard-MT-Messages, stetig anstieg. In einem weiteren Ausbauschritt sollen XML Messages für Firmenkunden angeboten werden. Vor allem für grosse Firmen interessant Die Firmen müssen beachtliche Investitionen leisten, um einen Anschluss an das SWIFTNet einzurichten und ihr Back-Office in das Netz zu integrieren. Dabei geht es nicht nur um die finanziellen Mittel: um das Netz optimal nutzen zu können, müssen auch auf operationeller Ebene einige Prozesse geändert werden. Aus diesen Gründen ist der Anschluss an eine MA-CUG vor allem für grössere Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind, interessant. Kleine Firmen sind mit den proprietären Inlands-Lösungen ihrer Hausbank(en) nach wie vor gut bedient. Trotzdem können Firmen von SWIFT einiges profitieren: Die schnelle und zuverlässige Übertragung von Nachrichten in einem weltweit anerkannten, standardisierten Format über ein sicheres Netz, die unverzügliche Ausführung der Transaktionen, wobei der Bericht nur wenig später zur Verfügung steht. Dafür müssen die Firmen aber auch einen Preis bezahlen: Sie müssen sich an die strengen Regeln von SWIFT halten. Früher war die Bank vielleicht eher geneigt, auf spezifische Bedürfnisse des Kunden einzugehen, solange die Nachrichten über die proprietäre Schnittstelle der Bank liefen. Eine Herausforderung für die Banken Auch die Banken sind mit einigen Herausforderungen konfrontiert, wenn sie ihren Firmenkunden einen Anschluss an SWIFT anbieten möchten. Sie müssen die Kanäle, in denen die SWIFT-Messages verarbeitet werden, auch für die Nachrichten der Kunden öffnen. Dabei sind Flexibilität, Kosteneffizienz und eine schnelle Entwicklung gefordert. Im Weiteren müssen die Banken Teams für Kundensupport und Administration bereitstellen, die effizient als Schnittstelle zwischen den Firmen, SWIFT und den bankinternen Diensten wirken können. Oft schätzen es die Kunden, wenn sie bei ihren ersten Schritten in der SWIFT-Welt begleitet werden. Sie brauchen Beratung bei der Installation, bei den Tests und bei der Inbetriebnahme ihrer neuen SWIFT-Verbindung. Diese Aufgabe teilen sich SWIFT, das Service-Bureau (falls es verwendet wird) und die MA-CUG-führende Bank. Bei 8

9 Business & Partners Credit Suisse haben wir festgestellt, dass sich Firmenkunden gerne auf unser Know-how und unsere gut eingespielten Prozesse verlassen, die ihnen den Weg in die Welt der SWIFT ebnen. Führende Banken wie Credit Suisse glauben an den SWIFT-Anschluss für Firmenkunden und fördern ihn. Heute stellen die MA-CUG eine Möglichkeit dar, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern: Wenn eine Bank nicht in der Lage ist, MA-CUG-Dienste anzubieten, läuft sie Gefahr, Kunden zu verlieren. Andererseits kann die Aussicht auf einen Anschluss an das weltumspannende SWIFTNet neue Kunden anziehen. Firmenkunden sind ein mächtiges Marktsegment, und ein Zugang zu SWIFT bietet ihnen grosse Vorteile. Die Banken werden sie dabei gerne unterstützen. Sie beweisen damit ihre Innovationsfähigkeit und ihre Bereitschaft, dem Kunden optimale Dienstleistungen zu bieten. So bleibt der Finanzplatz als Ganzes gesund und wettbewerbsfähig. Jürgen Hirschi, Credit Suisse, Senior Project Manager Messaging and Standards, Barbara Jöhl, Credit Suisse, Product Manager Payments, DIE MA-CUG VON SWIFT KOMMT IN FAHRT: ANZAHL REGISTRIERTER MA-CUGS Q Quelle: SWIFT 9

10 Swiss Interbank Clearing ClearIT, Ausgabe 29 IMMER MEHR ELEKTRONISCHE ZAHLUNGEN Vor rund zehn Jahren haben Finanzinstitute in der Schweiz erste E-Banking-Lösungen eingeführt. Damit setzte ein Trend zu einer Effizienzsteigerung im Zahlungsverkehr ein. Wie eine Erhebung im kommerziellen Zahlungsverkehr zeigt, ist die Anzahl der elektronisch in Auftrag gegebenen Zahlungen allein in den letzten drei Jahren um über 20 Prozent angestiegen. Vor allem im Retail Banking eignet sich der Einsatz des Internets für weitestgehend standardisierte und wenig erklärungsbedürftige Produkte. Die gängigsten Angebote beinhalten Informationsdienste (Kurs-, Konto-, Börseninformationen) und Transaktionsdienste (Zahlungsaufträge und Wertpapiergeschäfte). Signifikante Abnahme beleggebundener Zahlungen Aus der Analyse der Daten einer Markterhebung im kommerziellen Inlandszahlungsverkehr (SIC-Meldungstypen A und C), die seit drei Jahren auf Initiative mehrerer schweizerischer Finanzinstitute durchgeführt wird, können wichtige Schlüsse über die Durchdringung von elektronischen Zahlungen gezogen werden. Die Unterteilung der Zahlungen nach Art der Auftragserteilung stellt die Zahlungsabwicklung aus der Sicht des Kunden dar und beantwortet die Frage, wie dieser die Zahlung in Auftrag gibt. Wie aus der Abbildung ersichtlich ist, haben die elektronisch in Auftrag gegebenen Zahlungen in den letzten Jahren markant zugenommen. Sie sind bei den an der Erhebung beteiligten Instituten von 321 Millionen im Jahr 2003 auf 389 Millionen im Jahr 2005 gestiegen. Gleichzeitig war bei den Zahlungen, die auf Papier in Auftrag gegeben wurden, ein signifikanter Rückgang von 192 Millionen auf 166 Millionen zu verzeichnen. Die Erhebung im Auslandszahlungsverkehr zeigt ein ähnliches Bild. Bei jenen Instituten, die eine Unterteilung nach Kundensegmenten vornehmen können, zeigt sich, dass die grösste Zunahme der elektronisch in ANZAHL ZAHLUNGSAUSGÄNGE NACH AUFTRAGSERTEILUNG (in Millionen) Total: ELEKTRONISCH Total: PAPIER Auftrag gegebenen Zahlungen und die grösste Abnahme der auf Papier in Auftrag gegebenen Zahlungen im Kundensegment Unternehmen zu finden sind. Seit der Einführung von E-Banking-Dienstleistungen geben immer mehr Kunden, sowohl Unternehmen als auch Private, ihre Rechnungen elektronisch in Auftrag. Die Markterhebung bestätigt somit einen Trend, der sich in den letzten Jahren abgezeichnet und zu einer Effizienzsteigerung im Zahlungsverkehr geführt hat. Nachhaltige Entwicklung Seit 2004 werden auch EBPP-Transaktionen im Inlandszahlungsverkehr erhoben. Mit im Jahr 2005 gut EBPP-Transaktionen ist die Marktdurchdringung zwar noch bescheiden. Die Tatsache, dass sich das Transaktionsvolumen gegenüber dem Vorjahr fast verdreifacht hat, zeigt jedoch, dass die EBPP-Lösungen bei Unternehmen und Privaten auf zunehmende Akzeptanz stossen. Es ist davon auszugehen, dass sich der Trend in Richtung elektronischer Zahlungsauftragserteilung weiter fortsetzt. Nichtsdestotrotz dürfte das Ende des papierenen Einzahlungsscheins noch in weiter Ferne liegen. Francesco Re, Schweizerische Nationalbank, Quelle: SNB Markterhebung Inlandszahlungsverkehr 10

11 FÖRDERUNG DER ELEKTRONISCHEN RECHNUNG EBPP Anfangs 2006 haben die PayNet (Schweiz) AG und PostFinance beschlossen, durch eine einheitliche und gemeinsame Kommunikation die Nutzung der elektronischen Rechnung bei Privatpersonen zu fördern. Als Basis für die einheitliche Kommunikation hat man sich auf den Begriff «E-Rechnung» geeinigt, welcher zukünftig seitens aller Parteien (Rechnungssteller, Finanzinstitute und Provider) gegenüber Privatpersonen kommuniziert wird. Eine gemeinsame Webseite zum Thema E-Rechnung sowie einheitliche Marketinghilfsmittel unterstützen zukünftig alle involvierten Parteien in ihrer Kommunikation. Die Namen der E-Rechnungssysteme PayNet und yellowbill rücken damit in der Kommunikation gegenüber Privatkunden stärker in den Hintergrund. Gemeinsame Webseite Auf der gemeinsamen, viersprachigen Website können sich Privatpersonen über die elektronische Rechnung informieren. Die Webseite beantwortet die wichtigsten Fragen wie beispielsweise «Welche Vorteile hat die E-Rechnung?», «Wie kann man teilnehmen?» und «Welche Finanzinstitute und Rechnungssteller unterstützen die E-Rechnung?». B2C-Rechnungssteller und Finanzinstitute können zudem unter sämtliche Marketinghilfsmittel herunterladen. Zukünftig soll die Webseite auch als Plattform für Aktionen und gemeinsame Kampagnen zur E-Rechnung dienen. Offiziell wird die Website im September lanciert. Für die Kommunikation der E-Rechnung stehen ab Juli allen teilnehmenden Rechnungsstellern und Finanzinstituten Textbausteine und Marketinghilfsmittel viersprachig zur Verfügung. Ein einheitlicher Schriftzug dient der schnellen, visuellen Erkennung der Dienstleistung. Zudem stehen Illustrationen, Schaubilder, Online-Banner, Flyer für die Rechnungsbeilage und diverse Druckvorlagen für die Papierrechnung und den Kontoauszug zur Verfügung. Gemeinsame Kampagnen Gemeinsame Kampagnen sollen die Anmeldungen für die E-Rechnung steigern, und deren Bekanntheitsgrad fördern. Ziel ist es, dass in den Kampagnenzeiträumen Privatpersonen in einer einheitlichen Sprache (Textbausteine und Marketinghilfsmittel) und mehrfach von ihren Finanzinstituten und Rechnungsstellern über die E-Rechnung informiert werden. Die erste gemeinsame Kampagne ist für Herbst 2006 in Planung. Sie besteht aus einem Massnahmenmix der Rechnungssteller, Finanzinstitute sowie der Provider PayNet und Post- Finance. Ulrike Eckardt, PayNet (Schweiz) AG, Adrian Sem, PostFinance, WEITERE INFORMATION Besuchen Sie Über PayNet: Über PostFinance: Einheitliche Textbausteine und Marketinghilfsmittel Die E-Rechnung-Webseite von PayNet und yellowbill 11

12 Compliance ClearIT, Ausgabe 29 NEUE GRUNDSÄTZE DER WOLFSBERG-GRUPPE Anfang Jahr haben die Mitgliedbanken der Wolfsberg-Gruppe vier Berichte veröffentlicht, welche neue Grundsätze für die Geldwäscherei-Prävention in verschiedenen Bereichen des Bankgeschäfts aufstellen. Im weltweiten Kampf gegen die Geldwäscherei gibt es noch zahlreiche Bereiche, in denen keine allgemein gültigen Standards und Regeln verfügbar sind. Die im Frühjahr 2006 veröffentlichten neuen Grundsätze der Wolfsberg-Gruppe sollen nun sowohl für die Regulatoren als auch für die Finanzinstitute als Richtschnur gelten, um bei der Bekämpfung der Geldwäscherei weitere Fortschritte zu erzielen. Grundsätze zu einem risikobasierten Ansatz Diese Regeln betreffen den viel diskutierten Ansatz einer risikobasierten Anti-Geldwäscherei-Strategie, der aber noch ungenügend definiert ist. Weil es in diesem Bereich noch keine allseits akzeptierte Methodologie gibt, hat das Papier der Wolfsberg-Gruppe nun generelle Regeln aufgestellt, welche es Regulatoren und Finanzinstituten erleichtern sollen, einen solchen risikobasierten Ansatz zu formulieren. Dabei geht es unter anderem um die Berücksichtigung von Länderrisiken, Kundenrisiken, Dienstleistungsrisiken sowie die Definition der massgeblichen Variablen, welche diese Risiken beeinflussen. Grundsätze für Fonds und andere Investment-Instrumente Obwohl dieser Bereich des Bankgeschäfts traditionell weniger mit Geldwäscherei in Verbindung gebracht wird, berührt dieses Papier Fragen im Zusammenhang mit direkten und indirekten Beziehungen zwischen Investoren und Investment-Instrumenten. Im Besonderen wird untersucht, in welchen Fällen das gesamte Beziehungsgeflecht mit allen am Fondsgeschäft beteiligten Parteien besser untersucht werden sollte. DIE WOLFSBERG-GRUPPE Geldwäscherei im Firmengeschäft und Investment Banking Firmengeschäft und Investment Banking sind an sich keine Bereiche, in denen man Geldwäscherei vermuten würde. Dennoch sollten die hier bestehenden Risiken nicht unterschätzt werden. In diesem Papier werden unter anderem folgende Fragen aufgeworfen: Wer sind die Kunden normaler Finanztransaktionen? Wer ist für die Due-Diligence-Prüfung der Kunden verantwortlich? Sollen besondere Typen von Kunden strenger kontrolliert werden, zum Beispiel institutionelle Vermittler? Muss in Zukunft der Endkunde besser überprüft werden? Die Wolfsberg-Gruppe, die aus 12 weltweit führenden Finanzinstitutem besteht, hat Prinzipien zur Geldwäscherei Prävention im Private Banking (2000) und Correspondent Banking (2002) sowie Statements zur Bekämpfung von Terrorismus und Terrorismusfinanzierung (2002) herausgegeben. Als Teil des Erfahrungsaustausches über deren Umsetzung, hat sich die Gruppe intensiv mit der Herausforderung der praktischen Umsetzung der «smart sanctions» auseinandergesetzt. Die Resultate wurden im Statement zu Monitoring, Screening und Searching zusammengefasst, das 2003 herausgegeben wurde. Neben der Thematik der Umsetzung der «smart sanctions» (Screening) werden darin Grundsätze zur Konten- und Transaktionsüberwachung festgehalten. 12

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