3 Das R/3-System. 3.1 Einleitung. Das R/3-System

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1 3 Das R/3-System 3.1 Einleitung Im folgenden Kapitel wird die Funktionalität des betriebswirtschaftlichen Anwendungssystems R/3 der SAP AG dargestellt. Der erste Teil dieses Kapitels beschreibt die Geschichte, die Unternehmensstrategie und die Marktstellung der SAP AG. Im zweiten Teil des Kapitels werden die grundlegenden Organisationsstrukturen, die Hauptanwendungsbereiche und die Architektur des R/3-Systems dargestellt. Die Beschreibung des R/3-Systems basiert auf der Funktionalität des 1998 auf dem Markt verfügbar gewordenen Release 4.0. Die ausführliche Darstellung der betriebswirtschaftlichen Funktionalität dient der Verdeutlichung der im vorangehenden Kapitel genannten Vor- und Nachteile von Enterprise Management Systemen. Insbesondere soll dadurch ein Verständnis für die Funktionsvielfalt, den hohen Integrationsgrad und die damit verbundene Komplexität eines solchen Systems geschaffen werden. Gleichzeitig stellt dieses Kapitel die Wissensgrundlage für die in den folgenden Kapiteln behandelten Themenbereiche (Einführung von EMS und Erfahrungen mit der Einführung von EMS) dar. 51

2 3.2 Unternehmensprofil der SAP AG Geschichte SAP wurde 1972 von 4 ehemaligen IBM-Technikern gegründet. Das Unternehmen, welches anfänglich unter dem Namen "Systemanalyse und Programmentwicklung" existierte, wurde 1977 in die SAP GmbH (SAP = Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung) mit Firmensitz in Walldorf umgewandelt erfolgte eine nochmalige Änderung der Rechtsform in eine börsennotierte Aktiengesellschaft wurde die SAP-Aktie sogar mit einem Gewicht von 0.94 Prozentpunkten in den Deutschen Aktienindex (DAX 100) und in den FAZ-Index einbezogen. Seit Mitte 1994 ist die SAP-Aktie auch im integrierten Börsenhandels- und Informationssystem (IBIS) vertreten und kann dadurch auch international gehandelt werden. Die wichtigsten Meilensteine des Unternehmens können Abb. 3-1 entnommen werden. Jahr Ereignis 1972 Gründung der SAP unter dem Namen "Systemanalyse und Programmentwicklung" Ab 1973 Stufenweise Entwicklung und Einführung verschiedener Module einer betriebswirtschaftlichen Gesamtlösung 1976 Umwandlung in die SAP GmbH mit Sitz in Walldorf (D) 1979 Markteinführung des R/2-Systems 1984 Gründung der Holdinggesellschaft SAP (International) AG mit Sitz in Biel/CH (Zweck: Errichtung eines Netzes von Landesgesellschaften) 1987 Entwicklungsbeginn von R/ Umwandlung in eine AG mit Börsennotierung 1992 Integration der Holdinggesellschaft in die SAP AG 1992 Einführung des R/3-Systems (Release 1.0) Ab 1989 Gründung von und Beteiligung an verschiedenen Gesellschaften 1994 SAP durchbricht die 1'000 Mio USD Umsatzgrenze 1996 SAP wird zum viertgrössten unabhängigen Softwarehersteller Abb. 3-1: Entstehungsgeschichte der SAP AG. 52

3 3.2.2 Unternehmensstrategie Von Anfang an wurde die Idee verfolgt, Standardsoftware für betriebliche Abläufe zu entwickeln. Dabei standen vor allem folgende Aspekte im Vordergrund: Branchenneutralität (durch Customizing individuell anpassbar) Internationale Einsetzbarkeit (rechtliche Anforderungen, Sprach- und Währungsunabhängigkeit) Vollständige funktionale Integration aller betrieblichen Bereiche Modularer Aufbau Zentrale Datenhaltung Einheitliche Benutzeroberfläche Offene Systemarchitektur Hardwareunabhängigkeit durch klare Trennung von Basis- und betriebswirtschaftlichen Anwendungen Mittlerweile ist die SAP zu einem der grössten Softwarehäuser der Welt herangewachsen. Lange Zeit stand der deutsche Markt im Zentrum der Aktivitäten. Durch die Internationalisierung der Anwendungssoftware hat die SAP ihren Absatzmarkt zunehmend ausgedehnt. Das Unternehmen ist heute in über 50 Ländern auf sämtlichen Kontinenten der Welt vertreten. Der nordamerikanische Markt zählt aufgrund des zu erwartenden Wachstumspotentials zu den Schlüsselmärkten. Der technologische Vorsprung ist vor allem auf das hohe Forschungs- und Entwicklungsbudget zurückzuführen, welches gegen 20% des Umsatzes ausmacht. Hinzu kommt, dass in den Entwicklungszentren in Deutschland, Japan und den Vereinigten Staaten (verschiedene Zeitzonen) rund um die Uhr entwickelt werden kann. Mit dem Release 4.0 deckt das R/3-System über 1'000 verschiedene betriebliche Geschäftsprozesse ab. Mit dieser Funktionsvielfalt können praktisch sämtliche Informationsbedürfnisse moderner Industriebetriebe abgedeckt werden. Zusätzlich vermindert der hohe Integrationsgrad der einzelnen Funktionen die Datenredundanz und vereinfacht gleichzeitig die Abwicklung der betrieblichen Prozesse. Die im R/3-System vor- 53

4 handenen Prozesse können dabei als Referenzprozesse (Best Practice in Business) betrachtet werden und bieten die ideale Grundlage für Business Reengineering-Projekte. Dem Aspekt der kundengerechten Lösungen trägt die SAP vor allem durch lange Tradition mit strategischen Partnerschaften Rechnung. Mit Hilfe dieser Partnerschaften kann die Integration zu anderen Systemen erweitert werden. Zusätzlich wird indirekt die Offenheit des Systems gefördert und erfolgversprechende neue Technologien können innert kürzester Zeit in das R/3-System integriert werden. Der geregelte Erfahrungsaustausch ermöglicht gleichzeitig eine bessere Berücksichtigung der Kundenbedürfnisse bei der Entwicklung des R/3-Systems Produkte SAP bietet auf dem Markt für betriebswirtschaftliche Standardsoftware 2 Produktelinien an. Für Grossrechneranwendungen ist das funktionsorientierte R/2-System (R steht für Realtime) und für offene Architekturen (Client/Server) das eher prozessorientierte R/3- System vorgesehen. Die beiden Systeme unterstützen folgende Hauptanwendungsgebiete: Rechnungswesen Logistik (Beschaffung-, Produktions- und Vertriebslogistik) Personalwirtschaft. SAP R/2 Das R/2-System kam 1979 auf den Markt. Es verfügt über eine funktionale Gliederung und eignet sich speziell für grosse, zentralistisch organisierte Unternehmen mit einer hostbasierten Datenverarbeitung und einem hohen Transaktionsvolumen. Die grössten Installationen ermöglichen bis zu 4'000 Endbenutzern einen gleichzeitigen Zugriff auf die betrieblichen Daten. Das R/2-System wurde seit 1973 kontinuierlich weiterentwickelt und hat mit dem Release 6.0 seine endgültige Version erreicht. Das Produkt soll allerdings noch über die Jahrtausendwende hinaus aktualisiert und um neue Funktionen erweitert werden. 54

5 SAP R/3 Parallel zur Entwicklung des R/2-Systems wurde 1985 mit der Entwicklung des R/3- Systems begonnen. R/3 stellt dabei eine konsequente Weiterentwicklung des R/2- Systems dar und wurde primär für den Client/Server-Markt konzipiert. Mit dem Release 3.0 hatte R/3 ungefähr den gleichen Funktionsumfang erreicht, wie das R/2-System zum Releasestand 5.0. Da sich SAP bei der Weiterentwicklung primär auf das R/3-System konzentrieren wird, stellt dies auch den Standard-Migrationspfad für den Umstieg von R/2 auf R/3 dar. Entgegen allen Gerüchten 114, dass zum heutigen Zeitpunkt bereits an der Entwicklung eines Nachfolgesystems gearbeitet wird, stellt SAP in Aussicht, dass R/3 weit über die Jahrtausendwende hinaus produktiv genutzt werden kann. 115 Eine Weiterentwicklung soll evolutionär stattfinden und neben der Erweiterung der betriebswirtschaftlichen Funktionalität soll R/3 zunehmend für den Betrieb in unternehmensweiten und globalen Netzen 116 (Internet und Corporate Intranets) ausgerüstet werden. 114 Vgl. Cameron et. al. (1996). 115 Vgl. NN (1996a), S Vgl. Bartholomew (1996a), S

6 3.2.4 Partnerkonzept Viele Unternehmen haben erkannt, dass die Marktposition nur mit Hilfe von strategischen Allianzen erhalten und gestärkt werden kann. Durch entsprechende Kooperationen können Ressourcen gemeinsam verwendet und damit Zeit und Kosten eingespart werden. Erfolgreiche Allianzen beruhen dabei auf den besonderen Fähigkeiten der Partner und ermöglichen es durch Ausnutzung der eintretenden Synergieeffekte Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Aus diesem Grund hat die SAP ein Partnerkonzept entwikkelt, welches diese Vorteile voll zum Tragen bringen soll. Dabei werden verschiedene Arten von Partnern unterschieden (Abb. 3-2). COMPAQ BULL AT&T Hardwarepartner SUN DATA GENERAL SEQUENT SNI HP IBM DIGITAL Vertriebsund Entwicklungspartner Technologiepartner APPLE SOFTWARE AG IBM Logopartner ORACLE INFORMIX ixos MICROSOFT Abb. 3-2: Das Vertriebskonzept der SAP AG. Die Vertriebs- und Entwicklungspartner bieten ergänzende Produkte zu R/3 an. Diese Systeme weisen eine zertifizierte Schnittstelle zu R/3 auf. Einige Beispiele sind: Archivierungssysteme CAD-Systeme Geographische Informationssysteme Mobile Datenerfassungssysteme. 56

7 Die Beratungspartner (Logopartner) unterstützen R/3-Anwender bei der Implementierung und Schulung des Systems. Es werden dabei je nach Grösse und Marktabdekkung des Unternehmens folgende Arten unterschieden: Globale R/3-Logopartner Regionale R/3-Logopartner Nationale R/3-Logopartner R/3-Implementierungspartner. Als offenes System basiert R/3 auf verschiedenen Betriebssystemen und unterstützt mehrere Datenbanken und graphische Benutzeroberflächen. Zur Förderung der Kommunikation mit den Herstellern dieser komplementären Softwarekomponenten, hat SAP diese Beziehungen institutionalisiert. Der Hauptzweck besteht im Austausch von Informationen zu neuen Funktionen und Produkten. Dabei wird zwischen Technologie- und Plattform-Partnern unterschieden. Als Technologie-Partner gelten die Hersteller der Datenbanken (z.b. Oracle oder Informix) und der graphischen Benutzeroberflächen (z.b. Microsoft, Apple oder IBM). Die Plattform-Partner sind meist mit einem Competence Center bei SAP in Walldorf vertreten und stellen die Kommunikation zu den Hardware-Herstellern sicher. Dabei geht es darum, das R/3-System optimal an die verschiedenen Betriebssystemplattformen anzupassen, resp. diese Plattformen für den produktive Gebrauch zu zertifizieren. Einige dieser Plattform-Partner sind DEC, HP oder IBM. Ein Value Added Reseller (dt. R/3-Systemhaus) zeichnet sich dadurch aus, dass er über Ressourcen für den Verkauf, die Beratung, die Schulung und den Support verfügt. Zusätzlich besitzt er ein eigenes Produkt, welches R/3 ergänzt. In dieser Eigenschaft unterstützt er in Zusammenarbeit mit anderen Beratungspartnern vor allem mittelständische Unternehmen bei der Einführung von R/3. 57

8 3.3 Hauptanwendungsbereiche des R/3-Systems Überblick Das R/3-System deckt einen Grossteil der von Unternehmen verschiedener Branchen benötigten betriebswirtschaftlichen Funktionen ab. Auf organisatorischer Ebene können im R/3-System sowohl einzelne Unternehmensbereiche (z.b. die Vertriebsorganisation) als auch ganze Konzerne mit einer Vielzahl von Tochtergesellschaften abgebildet werden. Der Aufbau des R/3-Systems ist grundsätzlich funktionsorientiert und richtet sich nach den allgemein üblichen Hauptanwendungsbereichen Rechnungswesen, Logistik und Personalwesen. Unter diesen sind die einzelnen Module (z.b. Materialwirtschaft, Vertrieb oder Instandhaltung) angesiedelt. Neben den eigentlichen Hauptanwendungsbereichen werden alle übergreifenden Applikationen (z.b. Branchenlösungen) und das Basissystem in separaten Anwendungsbereichen geführt. Dies ergibt folgende Grundgliederung für das R/3-System: 117 Rechnungswesen (FI, TR, CO, IM, EC) Logistik (LO, SD, MM, PP, QM, PM, PS) Personalwesen (PA, PD) Branchenlösungen (IS) Übergreifende Lösungen (CA) Basissystem (BC). In Abb. 3-3 sind die einzelnen Module und in der folgenden Tabelle (vgl. Tab. 3-1) deren Bedeutung und Einzelkomponenten im Detail dargestellt. Die folgenden Ausführungen richten sich grundsätzlich an dieser Gliederung. 117 Auf die Bedeutung der einzelnen Modulbezeichnungen wird in Tab. 3-1 eingegangen. 58

9 IS BC TR CO IM EC FI PA LO MM SD PP SAP R/3 QM PM PS PD CA Abb. 3-3: Modulgliederung des R/3-Systems. 59

10 FI - Finanzwesen Hauptbuchhaltung Konsolidierung Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung Anlagenbuchhaltung Spezielle Ledger TR - Treasury Cashmanagement Finanzbudgetmanagement Treasury Management CO - Controlling Gemeinkosten-Controlling Produktkosten-Controlling Ergebnis- und Marktsegementrechnung Prozesskostenrechnung IM - Investitionsmanagement Sachinvestitionen EC - Enterprise Controlling Profit-Center-Rechnung Unternehmensplanung Managementkonsolidierung Executive Information System PA - Personaladministration und -abrechung Personaladministration Arbeitgeberleistungen Personalbeschaffung Zeitwirtschaft Leistungslohn Reise Abrechnung PD - Personalplanung und -entwicklung Organisationsmanagement Personalentwicklung Personaleinsatz Veranstaltungsmanagement Raumbelegungsplanung LO - Logistik allgmein Grunddaten Logistik Umweltdaten Prognose Variantenkonfiguration Änderungsdienst Logistikinformationssystem MM - Materialwirtschaft Verbrauchsgesteuerte Disposition Einkauf Bestandsführung Lagerverwaltung Rechnungsprüfung Informationssystem SD - Vertrieb Verkauf Versand Transport Aussenhandel Fakturierung Vertriebsunterstützung Informationssystem PP - Produktionsplanung und -steuerung Stücklisten, Arbeitsplätze und Arbeitspläne Absatz- und Produktionsgrobplanung Produktionsplanung Kapazitätsplanung Bedarfsplanung Kanban Planung- und Steuerung bei Serienfertigung Montage Produktionsplanung Prozessindustrie Betriebsdatenerfassung Informationssystem QM - Qualitätsmanagement Qualitätsplanung Qualitätsprüfung Qualitätslenkung Qualitätszeugnisse Qualitätsmeldungen PM - Instandhaltung Technische Objekte Vorbeugende Instandhaltung Instandhaltungsabwicklung Instandhaltungsprojekte Service Management Informationssystem PS - Projektmanagement Grunddaten Operative Strukturen Projektplanung Projektbudgetierung Projektrealisierung/Integration Informationssystem BC - Basissystem Kernel-Komponenten Systemadministration Betriebssystemplattformen Datenbankplattformen Frontend-Plattformen ABAP/4 Development Workbench Business Engineering Workbench (Workflow Management) CA - Anwendungsübergreifende Komponenten Dokumentenverwaltung Klassensystem CAD-Integration ALE IS - Branchenlösungen (Beispiele)... IS-Oil (Ölverarbeitung) IS-Banking IS-Retail Tab. 3-1: R/3-Module und deren Komponenten. Neben der Gliederung der Funktionen in einzelne Module verfügt das R/3-System über eine grosse Zahl verschiedener Organisationseinheiten als Grundlage für die Abbildung der betrieblichen Ausbauorganisation. Dabei existieren einerseits grundlegende Organisationseinheiten (z.b. zur Abbildung eines Konzerns), welche grundsätzlich im Rechtssystem verankert sind und andererseits Organisationseinheiten zur Abbildung einzelner Anwendungsbereiche (z.b. der Vertriebsorganisation). Diese verschiedenen Arten von Organisationseinheiten werden im folgenden dargestellt. 60

11 3.3.2 Organisationsstrukturen des R/3-Systems Grundlegende Organisationseinheiten Die Abbildung komplexer Unternehmensstrukturen wird im R/3-System durch die Existenz flexibler Organisationseinheiten sichergestellt. Das organisatorische Konzept des R/3-Systems basiert auf einer Konzernstruktur. Diese wird durch Verknüpfung von einzelnen Organisationseinheiten charakterisiert. Neben den grundlegenden organisatorischen Einheiten (z.b. Konzern oder Tochtergesellschaft) verfügt jeder Bereich des R/3- Systems (Rechnungswesen, Logistik und Personalwesen) über spezifische Organisationseinheiten. Von der organisatorischen Gliederung ist die systemtechnische Gliederung zu unterscheiden. Diese ist der organisatorischen Gliederung übergeordnet hat nur einen indirekten Einfluss auf die organisatorische Struktur eines Unternehmens. Die Grundeinheit von R/3 stellt das System dar. Ein System ist eine in sich abgeschlossene Installation von R/3 mit eigenem Datenbestand. Innerhalb eines Systems können mehrere Mandanten angelegt werden. Diese stellen jeweils einen Konzern dar. Bei einer R/3-Einführung werden in der Regel mehrere Mandanten (Referenzmandant 118, Testmandant und Produktivmandant) gleichzeitig verwendet. Auf organisatorischer Ebene stellt der Mandant (Konzern) das übergeordnete Element aller Organisationseinheiten dar. Verschiedene Datenbestände (z.b. Materialstamm) können auf Mandantenebene geführt werden. Dadurch wird eine redundante Datenhaltung verhindert. Die einzelnen Tochtergesellschaften eines Konzerns werden Buchungskreise genannt und stellen rechtlich unabhängige Gesellschaften (z.b. eine AG oder GmbH) dar. Die Betriebsstätten oder Niederlassungen einer Gesellschaft werden als Werke bezeichnet. Auf dieser Ebene findet die Materialdisposition und die Bestandsführung statt. 118 Referenzmandant = voreingestellter Mandant mit einem Referenzdatenbestand (z.b. IDES- Demosystem, vgl. Kapitel 3.3.6). 61

12 Grundlegende Organisationseinheiten Mandant (Konzern) 001 Buchungskreis Werk Abb. 3-4: Grundlegende Organisationseinheiten des R/3-Systems Organisationseinheiten der Logistik Im Bereich der Logistik (LO, SD, MM, PP, QM, PM, PS) existieren weitere Organisationseinheiten, welche vorwiegend zur Strukturierung des Beschaffungs- und Vertriebsprozesses dienen. In der folgenden Darstellung werden nur die wichtigsten Elemente genannt: Einkaufsorganisation Verkaufsorganisation Lager. Die Einkaufsorganisation ist den einzelnen Werken übergeordnet und dient zur zentralen Beschaffung von Materialien oder Dienstleistungen. Durch die Konzentration des Einkaufs lassen sich bessere Konditionen aushandeln und der Einkauf kann für mehrere Werke gleichzeitig abgewickelt werden. In einer Verkaufsorganisation wird ähnlich wie bei der Einkaufsorganisation der Verkauf einer Gesellschaft zentralisiert, resp. auf die Bedürfnisse des Marktes zugeschnitten. Einem Werk können verschiedene Lager zugeordnet werden. In diesen werden die Materialbestände eines Werkes räumlich zusammengefasst und verwaltet. 62

13 Mandant (Konzern) 001 Unternehmen Buchungskreis Einkaufsorganisation Verkaufsorganisation Werk Lager Lagerort Abb. 3-5: Organisationseinheiten der Logistik. Eine Strukturierung der dargestellten Bereiche (Einkaufs- und Verkaufsorganisation) kann durch zusätzlich vorhandene Organisationseinheiten vorgenommen werden (z.b. Verkaufsbüro, Verkäufergruppe, Vertriebsweg oder Sparte). Auf diese soll aber in diesem Kontext nicht näher eingegangen werden Organisationseinheiten des Finanzwesens Im Bereich des Finanzwesens (FI, CO, TR, EC und IM) wird grundsätzlich zwischen einer rechtlichen Organisationsstruktur und einer internen Organisationsstruktur unterschieden. Daneben existieren weitere Organisationseinheiten für die Zusammenfassung bestimmter Merkmale des Finanzwesens. Folgende Organisationseinheiten dienen zur Abbildung der rechtlichen Struktur: Gesellschaft Buchungskreis Kostenrechnungskreis. 63

14 Die Gesellschaft stellt ein rechtlich selbständiges Unternehmen dar, für das nach handelsrechtlichen Gesichtspunkten eine Bilanz sowie ein Gewinn- und Verlustrechnung erstellt werden kann. Dabei kann eine Gesellschaft aus einem oder mehreren Buchungskreisen bestehen. Durch diese Zuordnungsmöglichkeit werden Buchungskreise für eine gemeinsame Konzernrechnungslegung zusammengefasst. Ein Buchungskreis ist in der Regel ebenfalls eine rechtlich selbständige Einheit (Ausnahme: ausländische Betriebsstätte mit eigener Währung und speziellen steuerrechtlichen Anforderungen), für die eine abgeschlossene Buchhaltung (Bilanz, Gewinnund Verlustrechnung) geführt werden kann. Für jeden Mandanten können mehrere Buchungskreise eingerichtet werden. Dabei muss für jeden Mandanten mindestens ein Buchungskreis angelegt sein. Der Kostenrechnungskreis definiert die organisatorische Einheit, für die eine eigenständige Kostenrechnung erstellt werden kann. Ein Kostenrechnungskreis entspricht entweder einem Buchungskreis oder umfasst bei buchungskreisübergreifender Abrechnung mehrere Buchungskreise. Der zweite Fall ist anzutreffen, wenn für verschiedene selbständig bilanzierende Gesellschaften eine Kostenrechnung geführt wird. Rechtliche Organisationsstruktur Mandant (Konzern) 0001 Kontenplan CACH CADE Kostenrechnungskreis CH01 CH02 DE01 Buchungskreis Abb. 3-6: Rechtliche Organisationsstruktur des Finanzwesens. 64

15 Folgende Organisationseinheiten dienen zur Abbildung der internen Struktur: Geschäftsbereich Kreditkontrollbereich Mahnbereich. Zu Auswertungszwecken kann eine Gesellschaft in Geschäftsbereiche untergliedert werden. Für diese können eigene Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen erstellt werden. Aus handelsrechtlicher Sicht hat dies jedoch keine Bedeutung; somit hat diese Organisationseinheit nur internen Charakter. In einem Mandanten können mehrere Geschäftsbereiche angelegt werden. Die Kontierung der einzelnen Geschäftsbereiche kann dabei in allen vorhandenen Buchungskreisen, d.h. buchungskreisübergreifend erfolgen. Ein Geschäftsbereich lässt sich zusätzlich zu einem Konsolidierungsgeschäftsbereich zusammenfassen. Innerhalb eines Kreditkontrollbereiches existieren einheitliche Kreditlimiten für Debitoren. Für die Kreditlimiten kann pro Kreditkontrollbereich eine Währung festgelegt werden. Zu einem Kreditkontrollbereich können ein oder mehrere Buchungskreise zugeordnet werden. Umgekehrt kann ein Buchungskreis aber nicht mehrere Kreditkontrollbereiche umfassen. Innerhalb eines Mahnbereichs wird das Mahnwesen einheitlich geregelt. Grundsätzlich entspricht der Mahnbereich einem Buchungskreis. Kann das Mahnwesen auf Buchungskreisebene nicht einheitlich geregelt werden, erfolgt eine Untergliederung des Buchungskreises in Mahnbereiche. Diese können z.b. Sparten oder Verkaufsorganisationen entsprechen. Weitere wesentliche Organisationseinheiten des Finanzwesens sind: Finanzkreis Ergebnisbereich. Der Finanzkreis ist eine organisatorische Einheit des Finanzmanagements (Treasury). Durch diesen wird der Geltungsbereich für die Planung der finanziellen Mittel 65

16 (Budgetierung) festgelegt. Einem Finanzkreis muss mindestens einem Buchungskreis zugeordnet sein. Für die buchungskreisübergreifende Budgetierung können einem Finanzkreis mehrere Buchungskreise zugewiesen werden. Der Ergebnisbereich entspricht einem Segment des Absatzmarktes innerhalb eines Kozerns, für welches durch Gegenüberstellung von Kosten und Erlösen ein Ergebnis ausgewiesen wird (Ergebnis- und Marktsegmentrechnung). Je nach Gliederung des Konzerns kann der Ergebnisbereich entweder einem oder mehreren Kostenrechnungskreisen entsprechen Organisationseinheiten des Personalwesens Die verschiedenen Organisationseinheiten des Personalwesens unterteilen diesen Bereich nach personaladministrativen, zeitwirtschaftlichen und abrechnungstechnischen Gesichtspunkten. Das R/3-System stellt für diesen Zweck folgende Organisationseinheiten zur Verfügung: Personalbereich Personalteilbereich. Personalbereiche werden auf Buchungskreisebene eingerichtet und stellen Unternehmensbereiche mit gemeinsamen Merkmalen bezüglich der oben genannten Kriterien dar. Innerhalb eines Personalbereichs sind z.b. die Tarif- und Lohnartenstruktur sowie die Sollarbeitszeit einheitlich geregelt. Zudem stellt der Personalbereich ein Berechtigungsobjekt für den Zugriffsschutz dar. Ein Personalbereich kann weiter in Personalteilbereiche untergliedert werden. Diese zusätzliche Untergliederung kann insbesondere aus abrechnungstechnischen Gründen erfolgen (z. B. können durch die geographische Gliederung eines Unternehmens mehrere Sozialversicherungseinrichtungen für einen Personalbereich zuständig sein). Ausserdem können für jeden Personalteilbereich u.a. verschiedene Lohnarten, Zeitmodelle oder Feiertagskalender eingerichtet werden. 66

17 Organisationseinheiten des Personalwesens Mandant (Konzern) 001 Buchungskreis Personalbereich Personalteilbereich Abb. 3-7: Organisationseinheiten des Personalwesens. Durch zusätzliche organisatorische Einheiten des Personalwesens können Merkmalsgruppen für die Erfassung von Vorschlagswerten, für spezielle Auswertungen und für die Verfeinerung des Berechtigungskonzepts gebildet werden. Für diese Zusatzaufgaben stellt das R/3-System folgende Organisationsstrukturen zur Verfügung: Mitarbeitergruppe Mitarbeiterkreis. Durch die Mitarbeitergruppe erfolgt eine Grobeinteilung der Arbeitnehmer nach deren Stellung innerhalb des Unternehmens (z.b. Unterteilung in Voll- und Teilzeitbeschäftigte). Diese Gliederung wird insbesondere für die Erzeugung von Vorschlagswerten bei der Datenerfassung und für die Bildung von Selektionskriterien bei Auswertungen vorgenommen. Zusätzlich stellt auch die Mitarbeitergruppe ein Berechtigungsobjekt für die Regelung des Zugriffsschutzes dar. Mitarbeitergruppen können weiter in Mitarbeiterkreise unterteilt werden. Durch diese Feingliederung lassen sich z.b. verschiedene Hierarchieebenen innerhalb eines Unternehmens abbilden. Für Mitarbeiterkreise sind u.a. folgende Unterscheidungsmerkmale vorgesehen: Vgl. SAP AG (1996a), Abschnitt: Mitarbeiterkreis pflegen. 67

18 Festlegung der Behandlung in der Abrechnung Festlegung der Gültigkeit von Primärlohnarten Festlegung der Gültigkeit von Arbeitszeitplänen Festlegung der Gültigkeit von Tarifgruppen Festlegung der Gültigkeit von Zeitkontingententypen. Ähnlich wie für Mitarbeitergruppen können auch hier Vorschlagswerte zur einfacheren Stammdatenerfassung definiert werden. Ferner stellen Mitarbeiterkreise zusätzliche Selektionskriterien für Auswertungen und eigene Berechtigungsobjekte für den Zugriffsschutz dar Rechungswesen Das Rechnungswesen stellt ein klassisches Anwendungsgebiet für betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware dar. Neben der Rechnungslegung, dem eigentlichen Kern des Rechnungswesens, spielt zunehmend auch die Planung, Abwicklung und Kontrolle des Finanzmitteleinsatzes eine wichtige Rolle (vgl. Abb. 3-8). Das in den meisten Industrieländern anerkannte Prinzip der doppelten Buchführung sowie das Vorhandensein von teilweise ähnlichen Bilanzierungsvorschriften hat zu einer starken Vereinheitlichung der Rechnungslegung geführt. Dieser Bereich wird im R/3- System durch das Finanzwesen abgedeckt. Für die zielgerichtete Anlage der brach liegenden und für die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel steht das Finanzmanagementmodul (Treasury) zur Verfügung. Neben der herkömmlichen Buchführung und dem Management der finanziellen Mittel spielt auch die Auswertung der gesammelten Daten durch das Controlling als Basis für die Unternehmensplanung und - führung eine wichtige Rolle. Ferner muss die Planung, Realisierung und Abrechnung von Investitionsprojekten (Sachanlagen) durch entsprechende Funktionen unterstützt werden. Dieser Bereich wird im R/3-System durch das Investitionsmanagement abgedeckt. 68

19 Durch die zunehmende Tendenz der Unternehmenskonzentration, hat ein weiteres Anwendungsgebiet des Rechnungswesens - die Konzernrechnungslegung (Unternehmenscontrolling) - an Bedeutung gewonnen. EC Konzernrechnungswesen FI CO TR Finanzwesen Controlling Treasury IM Investitionsmanagement Abb. 3-8: Module des Rechnungswesens. Die dargestellten Anwendungsgebiete decken praktisch alle betrieblichen Bedürfnisse im Bereich des Rechnungswesen ab und gewährleisten durch einen hohen Integrationsgrad bessere Transparenz und schnellere Verfügbarkeit der notwendigen Informationen. 69

20 FI - Finanzwesen (Financial Accounting) Das R/3-System arbeitet mit einer einheitlichen Datenbasis und ermöglicht dadurch die integrierte Verarbeitung eines jeden Geschäftsvorgangs. Dabei werden bei der Verbuchung einzelner Geschäftsvorgänge sämtliche damit verbundenen Buchungen automatisch durchgeführt. Durch die Integration aller Teilbereiche des Finanzwesens (vgl. Abb. 3-9) können Geschäftsvorfälle schneller abgewickelt und präziser ausgewertet werden. FI - Finanzwesen FI- GL Hauptbuchhaltung FI- AP Kreditorenbuchhaltung FI- AR Debitorenbuchhaltung FI- LC Konsolidierung FI- AA Anlagebuchhaltung FI- SL Special Ledger Abb. 3-9: Komponenten des Finanzwesens. Die Hauptbuchhaltung (FI-GL) beinhaltet die laufende Geschäftsbuchhaltung (Führung der Haupt- und Nebenbücher) und ermöglicht die Erfassung der Buchungsvorgänge für den Jahresabschluss. Die Kontengliederung kann sowohl auf Firmenebene als auch auf Konzernebene frei gewählt werden. Die Geschäftsvorfälle werden als Einzelbelege erfasst und unmittelbar nach jeder Buchung synchron fortgeschrieben, damit die betroffenen Kontostände, Summen- und Saldenlisten sowie Bilanz- und GuV-Auswertungen jederzeit auf dem aktuellen Stand sind und vom Anwender eingesehen werden können. Gleichzeitig werden die Nebenbücher und die relevanten Kostenbereiche mitgebucht. Die Kreditoren- (FI-AP) und die Debitorenbuchhaltung (FI-AR) ermöglichen die rationelle Überwachung der Lieferantenverbindlichkeiten und der Kundenguthaben. Dabei werden offene Posten verfolgt und fällige Kreditorenrechungen automatisch beglichen. Bei fälligen Kundenguthaben lassen sich die ausstehenden Zahlungen mit einem 70

21 flexiblen Mahnwesen eintreiben. Zahlungsein- und Ausgänge können sowohl manuell als auch über Datenfernübertragung verarbeitet werden. Entsprechende Schnittstellen zur Ergebnis- und Marktsegmentrechnung sowie zur Finanzmittelüberwachung (TR-FM) erlauben die ständige Überwachung des Verkaufs und ermöglichen die aktive Bewirtschaftung der vorhandenen flüssigen Mittel. Die Konsolidierung (FI-LC) fasst die Abschlüsse einzelner Unternehmen zu einem Konzernabschluss zusammen. Durch die Ausnutzung von Bewertungswahlrechten haben Konzerne die Möglichkeit, das Gruppenergebnis aufgrund einer eigenen Bilanzpolitik zu beeinflussen. Die Konsolidierung ist sowohl mit dem Finanzwesen als auch mit der Anlagenwirtschaft verknüpft. Mit der Komponente Anlagenbuchhaltung (FI-AA) können die im Unternehmen vorhandenen Investitionsgüter über ihre ganze Lebensdauer verwaltet und kostenmässig überwacht werden. Die vorhandenen Schnittstellen zum Finanzwesen und zum Logistiksystem erhöhen die Transparenz und verbessern die Nutzung der vorhandenen Anlagen. Dabei beginnt die Unterstützung bereits bei der Investitionsplanung und setzt sich über den gesamten Lebenszyklus eines Investitionsgutes fort. Die Anlagenwirtschaft besteht aus folgenden Teilkomponenten: Klassische Anlagenbuchhaltung und -bewertung Leasingabwicklung. Die klassische Anlagenbuchhaltung und -bewertung protokolliert alle Wertzu- und -abgänge eines Investitionsgutes über dessen ganze Lebensdauer. Dabei werden sämtliche anfallenden Kosten (Zinsen, Abschreibungen, Versicherungen etc.) ermittelt und als Grundlage für die Investitionsrechnung bereitgestellt. Eine weitere Aufgabe der Anlagenbuchhaltung stellt die Bereitstellung von Grundlageninformationen für die Planung der Wertentwicklung im Anlagevermögen dar (vgl. IM-Investitionsmanagement). Die Integration der Anlagenbuchhaltung zu den anderen R/3-Modulen ist relativ hoch. Einerseits werden Informationen wie z.b. der Preis einer Anlage über die Einkaufskomponente des R/3-Systems bezogen und andererseits werden R/3-Module mit entsprechenden Daten versorgt. Beispielsweise werden Informationen über Zinsen und Abschrei- 71

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